Joker

Speeding Bullets: Superman als Batman

DC Comics

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Titel: Speeding Bullets

Autor/Zeichner: J.M. DeMatteis/Eduardo Barreto

Erschienen: 1993 (One-shot)


„There’s only one way it could have happened: the way it was meant to be happen.“

„A child in a Halloween costume, playing out a lifetime of guilt and anger.“

„Has our world become so twisted, so violent, that this is the kind of hero we produce?“

Was wäre wenn Supermans Rakete von Krypton in Gotham gelandet wäre? Dann wäre er von den Waynes gefunden und aufgezogen worden, bis zu jenem Tag, an dem sie ermordet werden. Kurz: Superman wäre Batman geworden. Die Elseworlds-Story Speeding Bullets spielt diesen wohl feuchtesten Traum aller Fanboys durch, steckt Superman ins Fledermauskostüm, lässt ihn fliegen, Dinge zerstören und Menschen verbrennen. Das Kostüm ist zum einen konsequent, weil es das Gesicht des Helden ganz verdeckt, zum anderen zeichnet sich in dem gelben Diamanten auf der Brust bereits ab, worauf die Story hinausläuft.

Doch zunächst wird das Superman-Inventar aus Metropolis herangeschafft: Bruce Wayne lässt Perry White und Lois Lane vom Daily Planet zur Gotham Gazette kommen, ein feister Lex Luthor versucht, Waynes Firma zu übernehmen, und scheitert. Kurz darauf zeigt Luthor sein wahres Gesicht: Es ist weiß, hat rote Lippen und lacht bei jeder unpassenden Gelegenheit. Nach einem Unfall in einem Chemiewerk ist Luthor nämlich zum Joker geworden. Warum er sich so nennt, bleibt unklar, denn Witze macht er keine und lustig ist er auch nicht. Allein lächerlich wirkt es, wenn aus seinem Rücken ein Propeller heraustritt, mit dem er durch die Stadt fliegen kann.

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Wie dem auch sei: Batman rettet Lois Lane, dann die ganze Stadt vor einer paramilitärischen Invasoren, die für Luthor Chaos stiften. (Einen tieferen Sinn hat das nicht.) Am Ende lässt Batman sich von Lois zu sanfteren Methoden der Verbrechensbekämpfung bequatschen und legt sein Kostüm ab – er wird zum bekannten Superman in blau, rot und gelb.

Die interessantesten Elseworlds-Storys spielen ihr „Was wäre wenn“ bis zur letzten Konsequenz durch. Doch hier ist das Szenario bloß ein Umweg zum Status quo der regulären Comic-Serien. Daher muss man sich fragen, was sie eigentlich soll. (Zugegeben: The Nail funktioniert auch so, aber besser.) Dabei fängt die Geschichte vielversprechend an: Bruce plagt die Schuld, die Kugeln, die seine Eltern töteten, nicht aufgehalten zu haben. Er verschanzt sich als Einsiedler in Wayne Manor und sammelt Zeitungsartikel, um über das Leid in der Welt zu lamentieren – bis er sein wahres Potenzial wiederentdeckt. Doch mit der bemühten Einführung von Luthor-Joker wird alles zunichte gemacht und die wenigen Seiten für eine Story verschwendet, die nicht der Rede wert ist. Eine vertane Chance.

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Tödliches Joker-Revival

DC Comics

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Titel: Batman Beyond: 10,000 Clowns

Autor/Zeichner: Adam Beechen/Norm Breyfogle

Erschienen: 2012-2013 (Batman Beyond Unlimited #1-13), Paperback 2013, dt. Panini 2014


„I bet crap like this doesn’t happen in St. Louis.“ (Terry McGinnis)

Batmans Dasein ist eine tragische Tretmühle. Nicht nur, dass das alte Trauma immer wieder durchlebt wird, auch die Gegner kommen immer wieder – und zwar auch über Generationen hinweg. In Batman Beyond gibt es zunächst keinen Joker mehr, dafür aber macht die Chaotenbande Jokerz Gothams Straßen unsicher. Dann kommt der Joker doch wieder zurück, stirbt einen zweiten Tod. In 10,000 Clowns schließlich mischen die Jokerz die Stadt richtig auf – angeführt von einem selbsternannten Joker King. Und der ist auch noch Doug Tan – der Bruder von Terrys Ex-Freundin Dana. Als wäre das nicht genug, wird die Geschichte vom Mörder von Terrys Vater nachgeliefert: Jake Chill, verwandt mit Joe Chill …

Alles wiederholt sich, aber immer ein bisschen anders, stets wird noch eins draufgelegt. Hier werden die Jokerz zu einem Selbstmordkommando, das in der Stadt verteilt Sprengstoffgürtel zündet. Der Sinn? Es gibt keinen. Denn der Joker King hat erkannt, dass das Leben auch keinen hat und darin der ultimative Witz besteht. Also führt er alle ins Verderben. Trotzdem macht er sich aber die Mühe, sich vorher aufwendig zu schminken und als Punk zu verkleiden, samt LOL-Tattoo auf der Brust. So viel Show muss sein. Terry wird bei dem Versuch Doug aufzuhalten unterstützt von einer wachsenden Batman-Familie: Catwoman und Dick Grayson (siehe Hush Beyond), Tim Drake und Jake Chill, der sich wegen seiner Schuldgefühle zum Vigilanten namens „Vigilante“ erklärt.

Etwa genauso kreativ und subtil ist auch der Rest der Geschichte. Autor Adam Beechen bedient sich bei seinem Joker King ziemlich schamlos beim Film The Dark Knight bietet kaum etwas darüber hinaus: weder Tiefgang noch eigene Ideen. Bruce Wayne erkrankt an Leberversagen, Terry plagen mal wieder Selbstzweifel, dazwischen wird eine Familiengeschichte und die Binnenstory mit Max und ihren Hackerfreunden gequetscht. Zeichner Norm Breyfogles Versuch, den Stil der Animated-Serie zu imitieren, geht nur leidlich auf. Entstanden ist ein seltsamer Hybrid, der sich zwischen Cartoon und Realismus nicht entscheiden kann. Das passt zur Story, die einerseits drastischer ist als von Batman Beyond gewohnt, aber andererseits unreif wirkt. Naja, für Teenager mag das genau die richtige Lektüre sein.

Neue Batman US-Comics: Vorschau auf 2016

Batman Europa

DC Comics

Das Jahr ist noch nicht vorüber und schon gibt es allen Grund zur Vorfreude auf nächstes Jahr. Nicht bloß wegen des Kinofilms Batman v Superman im März, auch wegen der vielen Comics, die DC angekündigt hat. Abgesehen von die Fortsetzung der regulären Batman-Serie von Scott Snyder und Greg Capullo, die bisher viel Spaß gemacht hat, freuen wir uns auf das Prequel zu The Dark Knight Returns: Last Crusade, die Mini-Serie Batman Europa sowie Batman & Robin Eternal. Ansonsten bin ich gespannt auf die erste Batman-Elseworlds-Anthologie, von der man noch nicht weiß, was drin sein wird. Hoffentlich werden es einige Perlen sein, die bisher schwer aufzutreiben waren.

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Besonders neugierig macht eine Ankündigung für Juni: Dann soll Paul Dinis Dark Night: A True Batman Story bei Vertigo erscheinen, eine autobiografische Geschichte, in der der Autor (The Animated Series, Mad Love) schildert, wie er vor über 20 Jahren Opfer eines traumatischen Raubüberfalls wurde. Batman und Schurken wie der Joker übernehmen darin die Funktion eines Chores in der griechischen Tragödie, indem sie dem Helden Ratschläge erteilen – weil ihm sonst in der Krise niemand zu Hilfe eilt. „You have to be your own hero“, sagt Dini. Das 121-Seiten-Buch wird gezeichnet von Eduardo Risso (Batman: Broken City). Die Pressemitteilung von DC Comics gibt es hier.

Hier eine Übersicht der Neuerscheinungen 2016 (Tipps sind unterstrichen):

Januar

  • Detective Comics Vol. 7: Anarky (Hardcover)
  • Detective Comics Vol. 6: Icarus (Softcover)
  • Superman/Batman/Wonder Woman: Trinity Deluxe Edition (Matt Wagner)
  • The Batman/Judge Dredd Collection (alle Crossover in einem Band)

Februar

Batman #41 (DC Comics)

Batman #41 (DC Comics)

März

April

  • Batman Europa (Hardcover der vierteiligen Mini-Serie von Matteo Casali und Brian Azzarello)
  • Robin War (Hardcover)
  • Batman Arkham: Scarecrow (Anthologie)
  • Batman Adventures Vol. 4
  • Superman/Batman Vol. 3

Mai

Juni

Juli

  • Batman Arkham: Killer Croc (Anthologie)
  • Batman/TMNT (Paperback): Batman trifft die Turtles (Crossover)
  • Elseworlds: Superman Vol. 1 (enthält Speeding Bullets, Kamandi: At Earths End, Kal, Superman: At Earths End, Superman/Batman Doom Link, Superman/Wonder Woman: Whom Gods Destroy)
  • Batman: The Golden Age Vol. 1 (Paperback, enthält Detective Comics #27-45, Batman #1-3 and New York World’s Fair Comics #1)

August

  • Detective Comics Vol. 8: Blood of Heroes (Hardcover)
  • Batman/Superman Vol. 5 (Hardcover)
  • Batman/Superman Vol. 4 (Softcover)
  • New Gotham (Storyline Evolution, Detective Comics #742-753, von Autor Greg Rucka)
  • Batman Noir: The Killing Joke (der Klassiker in Schwarz-weiß)
  • Batman: The Golden Age Omnibus Vol. 2 (Hardcover)

(Dieser Artikel wurde am 13.12.2015 und am 18.8.2016 aktualisiert.)

Letzte Ehre für Batman

DC Comics

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Titel: Whatever Happened to the Caped Crusader? (dt. Was wurde aus dem Dunklen Ritter?)

Autor/Zeichner: Neil Gaiman/Andy Kubert

Erschienen: 2009 (Batman #686, Detective Comics #853, Paperback 2010)


„I do not believe the Batman would ever lie down and die.“ (Alfred Pennyworth)

„It doesn’t matter what the story is, some things never change.“ (Batman)

Batman ist tot. Oder doch nicht? Vielleicht ist er nur verschollen in der Zeit. Denn eins ist klar: Batman kann nicht sterben. Und selbst wenn, er muss wiedergeboren werden – irgendwie. Aber was wäre, wenn Batman tot wäre? Würde sein treuer Butler Alfred eine Trauerfeier im Hinterzimmer einer Bar der Crime Alley abhalten? Würden dann Polizisten wie Gordon zusammen mit allen Superschurken wie dem Joker, Two-Face und dem Pinguin vorbeischauen, um dem Mann, den sie jahrelang bekämpft haben, die letzte Ehre zu erweisen? Würde sie am offenen Sarg stehen, in dem ein kostümierter Batman läge, und davon erzählen, wie er starb? Dann nämlich hätte jeder eine andere Version der Geschichte: Catwoman hätte ihn verletzt aufgefunden und verbluten lassen, Alfred hätte sich selbst zum Joker gemacht und der Riddler hätte Batman erschossen … Batmans Bewusstsein sieht und hört dieser Feier zu und fragt sich: Was soll das Ganze?

Neil Gaimans (Sandman) und Andy Kuberts „letzte Batman-Story“ ist eine wunderbare Hommage an den Mythos Batman sowie die Autoren und Zeichner, die ihn über die Jahre geprägt haben. (Vor allem an die Story Where Were You on the Night the Batman Was Killed?) Aber es ist noch mehr: In dieser Phantasmagorie eines Nahtoderlebnisses werden viele Möglichkeiten an Erscheinungsformen und Geschichten durchgespielt, darin Batmans Wesen auf den Punkt gebracht, geradezu genial werden Tod und Wiedergeburt vernküpft, perfekt greifen Text und Bild ineinander. Wäre dies wirklich die letzte Batman-Story, bildete sie einen würdigen Abschluss. Whatever Happened to the Caped Crusader ist ein Fest für Fans und solche, die es werden wollen.

(Das Paperback enthält zudem drei weitere Batman-Storys von Gaiman, darunter auch eine aus Black & White Vol. 1.)

>> Batman 2000-2011

Batman und der vorletzte Kreuzzug

DC Comics

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Ein dritter Teil ist nicht genug. Einige Tage vor der ersten Ausgabe von Dark Knigth III: The Master Race kündigt DC Comics ein Prequel an: Dark Knight Returns – The Last Crusade soll ein 64-Seiten-One-Shot werden, das über zehn Jahre vor dem ersten Teil von 1986 spielt. Die Story, von Frank Miller und Brian Azzarello geschrieben, wird von John Romita Jr. (Daredevil: The Man Without Fear) gezeichnet und erzählen, wie Robin Jason Todd im Dark Knight-Universum zu seinem Ende kam. Wie das Cover zeigt, wird dabei der Joker eine wichtige Rolle spielen. Die Veröffentlichung ist für den 17. Februar 2016 angesetzt. Ein Interview mit Romita, der auch ein Variant Cover zu DK III beisteuert, gibt es hier.

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Die Nachricht ist mit gemischten Gefühlen verbunden: Einerseits war ein erster Teil genug, der zweite überflüssig und enttäuschend und alle Hoffnung ruht jetzt auf dem dritten; ein Prequel erscheint da erst recht wie zu viel des Guten – auch angesichts der riesigen Marketingmaschine, die DC mit seiner Flut an Variant Covern betreibt. Andererseits ist auch diese Welt ein Universum für sich und daher auch unendlich erweiterbar. Schließlich wollen die Fans beides: Pflege ihres Kults, aber auch ständig Neues. Die unendliche Geschichte von Batman muss immer weiter gehen. Auch wenn das manchmal heißt, einen Schritt zurück zu machen.

Leider sind Prequels schon deshalb weniger interessant, weil man bereits weiß, wie die Geschichte ausgeht, und weil sie die Leerstellen ausfüllen, die bislang von der Fantasie der Leser zu füllen sein konnte. Und braucht es noch eine Version von Jasons Todds Tod? Allerdings muss man dazu anmerken, dass Frank Miller 1986 diesen Tod schon vorweggenommen hat, bevor er tatsächlich innerhalb der offiziellen Batman-Continuity eingetreten ist (in A Death in the Family). Und schließlich ist das keine besonders gute Story gewesen. Eigentlich eine ziemlich miese. Vielleicht wird jetzt endlich eine Variation dieser Geschichte geliefert, die würdiger und zeitgemäßer erscheint.

Batman RIP: Verrückt, verscharrt, verraten

DC Comics

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Titel: Batman R.I.P.

Autor/Zeichner: Grant Morrison/Tony S. Daniel

Erschienen: 2008 (Batman #676-683), Paperback 2010


„Are we sure Bruce’s head is okay?“ (Tim Drake)

„What we are about to do will be a work of art.“ (Simon Hurt)

„Did I finally reach the limits of reason?“ (Batman)

Nach den Ereignissen in The Black Glove ist Batman ist besessen von der Suche nach der gleichnamigen Geheimorganisation von Simon Hurt. Er sucht den Joker auf, der darin involviert zu sein scheint, aber nichts preisgibt. Robin, Alfred und auch seine neue Freundin Jezebel Jet zweifeln allmählich an Batmans Verstand, letztere wirft sogar die Theorie ein, dass Batman selbst der Black Glove sein könnte. Doch dann schlägt Simon Hurt, der eine Bande (drittklassiger) Schurken anführt („Club of Villains“), zu: mit dem Codewort „Zur-En-arrh“ löst er in Batmans Kopf einen Mechanismus aus, der ihn ausschaltet. Bruce Wayne landet zunächst ohne Erinnerung auf der Straße und lebt eine Weile als Obdachloser. Schließlich aber aktiviert sich in ihm ein Notfallprogramm, das ihn zum Batman von Zur-En-arrh werden lässt: er näht sich ein lila-rot-gelbes Kostüm und mischt – begleitet von Bat-Mite und sprechenden Gargoyles – die Schurken auf. In Arkham Asylum kommt es zum Showdown mit dem Joker …

Autor Grant Morrison kehrt mit der Story erneut seine Vorliebe für die alten Comicgeschichten hervor: Zur-En-Arrh ist der Name eines Planeten aus der Story Batman – The Superman of Planet-X (Batman #113, 1958). Darin besucht Batman eine Welt, in der Batman ein buntes Kostüm trägt und Superkräfte hat. Morrison schreibt dieses Abenteuer Batmans Black Casebook zu, eine Sammlung obskurer Fälle, und macht den Batman von Zur-En-Arrh zu einer zweiten Identität, die sich der Held zugelegt hat, falls mal jemand seine Persönlichkeit sabotieren wollte. Batman ist eben auf alles, wirklich alles vorbereitet. Zugleich holt Morrison – wie schon in The Black Glove – Bat-Mite aus der Mottenkiste, bei dem zunächst offen bleibt, ob er nur Einbildung (also die versinnbildlichte Stimme der Vernunft) oder tatsächlich ein Kobold aus der fünften Dimension ist. (Falls letzteres, muss man sich allerdings die Frage nach dem Warum stellen.)

Naja. Was soll man davon halten?

Man verliert bei Batman R.I.P. leicht den Überblick. Nicht nur wegen der Fülle an Charakteren, Handlungen und Verweisen, auch weil man nicht weiß, was Realität und was Phantasie ist. Morrison treibt ein wildes Spiel und seine stark fragmentierten und elliptischen Erzählweise macht es nicht leicht, der Story zu folgen. Überflüssig erscheinen hingegen die Einsätze von Talia al Ghul und ihrer League of Assassins sowie des Club of Heroes, einer Vereinigung drittklassiger Batman-Verschnitte (z.B. Knight and Squire), die ebenfalls in The Black Glove eingeführt wurden. Die Motivation von Simon Hurt ist mir unverständlich geblieben.

Am Ende des Bandes (Storyline Last Rites) dreht Morrison noch einmal Wirklichkeit und Imagination durch den Fleischwolf und verweist schon auf sein Crossover Final Crisis: Während Batman irgendwo von den New Gods von Apokolips festgehalten wird, um seine Erinnerungen zu stehlen und sie Klone einer Armee einzusetzen, erlebt der Held sein Leben noch einmal, zuweilen auch in alternativen Versionen. Leider wird der Zusammenhang dieser Story kaum erklärt und dürfte sich erst nach der Lektüre von Final Crisis erschließen. Man hat zwar den Eindruck, an etwas sehr Großem teilzuhaben, aber man wird den Verdacht nicht los, dass der Joker Recht behalten könnte, wenn er zu Batman sagt: „the real joke is your stubborn, bone deep conviction that somehow, somewhere, all of this makes sense!“

Entschädigt für das verwirrende Aufgebot, das Morrison seinen Lesern zumutet, wird man mit den großartigen Zeichnungen von Tony S. Daniel und Lee Garbett. Hier ist alles, wie man es sich von Batman wünscht: ausdrucksstark, dramatisch und detailreich. Immerhin das kann man am Ende sagen: ich kapier’s zwar nicht (ganz), aber es sieht verdammt gut aus.

>> Batman 2000-2011


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Durstig nach Blut

DC Comics

DC Comics

Titel: Bloodstorm (dt. Blutsturm)

Autor/Zeichner: Doug Moench/Kelley Jones

Erschienen: 1994 (One-shot, Paperback Batman Vampire: Tales of the Multiverse), dt. Panini 2001 (Sonderband)


„Death mocks me. Life tempts me. Thirst haunts me. And together, the three curse me.“ (Batman)

Nachdem Batman Dracula erledigt hat, gibt es immer noch einige Vampire, die ihr Unwesen treiben. Da ihnen aber ein Anführer fehlt, übernimmt der Joker die Rolle. Von da an fallen die Vampire über Gangster her und der Joker baut sich so sein eigenes Verbrechensimperium auf. Während Batman Jagd auf die Bande macht, hat er mit einem größeren Problem zu kämpfen: Als Vampir hat er nicht bloß Flügel und Superkräfte, sondern auch einen großen Blutdurst. Da er aber nach wie vor seinem Prinzip treu bleiben will, nicht zu töten, kommt er in einen Gewissenskonflikt und es fällt ihm schwer, der Versuchung zu widerstehen. Eine geliebte Frau könnte das Verlangen stillen – wie gut, dass gerade Selina Kyle, von einem Werwolf gebissen, zur Catwoman mutiert und Batman helfen kann …

Moment mal: Der Biss eines Werwolfs macht jemanden zur Katze? Ja, so ist das in der Fortsetzung von Batman & Dracula: Red Rain. Abgesehen von so einem hanebüchenen Unsinn und mal pathetischer, mal einfallsloser Dialoge hat Bloodstorm trotzdem seinen Reiz. Nicht nur wegen der schattenlastigen Gothic-Ästhetik von Kelley Jones, auch weil wir Batman in einem krassen Konflikt mit sich selbst sehen: einerseits als metzelnder Vampirjäger, andererseits als blutrünstiger Selbstzweifler und verzweifelter Junkie. Eine der stärksten Sequenzen zeigt, wie er einen Blut-Ersatz vom Boden aufleckt – wie ein Tier. Ansonsten wird viel expliziter Splatter-Horror und auch ein bisschen Erotik (sprich: fast nackte Frauenkörper) geboten. Ein kurzweiliges Elseworlds-Szenario. (Die Story wird in Crimson Mist, dt. Blutroter Nebel, fortgesetzt.)

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics

Jokers Metamorphose

DC Comics

DC Comics

Titel: The Clown at Midnight

Autor/Zeichner: Grant Morrison/John Van Fleet

Erschienen: 2007 (Batman #663, Paperback Batman and Son)


„Both of us trying to find meaning in a meaningless world! Why be a disfigured outcast when I can be a notorious Crime God? Why be an orphaned boy when you can be a superhero? You can’t kill me without becoming like me. I can’t kill you without losing the only human being who can keep up with me. Isn’t it ironic?!“

Ein paar als Clowns kostümierte Handlanger des Jokers sterben bei einer Beerdigung durch Giftgas. Nachdem ein verwirrter, als Batman verkleideter Polizist dem Joker ins Gesicht geschossen hat, hat der Schurke eine Gesichtsoperation bekommen. Nachdem der Joker in Arkham den Verband entfernt hat, will er selbst das Messer an sein Gesicht setzen, doch als er sieht, dass bereits seine Narben ein neues, dauerhaftes Lächeln bilden, gibt er sich damit zufrieden. Als er sich auch noch Harley Quinn entledigen will, kommt Batman dazwischen. Joker will ihr zunächst auch ein Lächeln in die Wangen schlitzen, aber das wird verhindert. Schließlich schießt Harley Joker an.

The Clown at Midnight ist in mehrfacher Hinsicht eine ungewöhnliche Batman-Story: Zum einen, weil sie im strengen Sinne kein Comic ist, sondern eine illustrierte Prosa-Erzählung, zum zweiten, weil die Bilder computergeneriert sind. Vor allem aber handelt es sich um eine (pschologische) Studie zum Joker. Autor Grant Morrison führt damit seine Gedanken aus Arkham Asylum fort: Auch hier ist die Rede davon, dass der Joker keine Persönlichkeit hat, aber darüber hinaus noch mehr: „Maybe he is the model for 21st-century big-time multiplex man, shuffling selves like a croupier deals cards“, heißt es. Die Story handelt von Jokers nächster Metamorphose: „He’s changed again“, sagt Batman zu Harley Quinn. „You know how he changes every few years. (…) He hast no real personality, remember, only a series of ’superpersonas.'“ Zugleich wird auch erklärt, dass daher auch Jokers Amoralität kommt: „His new personality eats him alive from the inside out and he is gone, absolved of all blame for what he will do, now and forever more.“ Am Ende macht der Joker Batman deutlich, dass die beiden Antagonisten abhängig voneinander sind und daher einander nicht töten können (siehe Zitat oben).

Die Story fungiert als Übergangsstück zwischen Batman and Son, The Black Glove und Batman R.I.P. Hier werden des Jokers neue Kleider (eine Art weißer Kittel), die tödlichen Rosenblätter und die Rot-Schwarz-Metaphorik eingeführt. Auch wenn man die Experimentierfreudigkeit in der Form anerkennen muss, leidet The Clown at Midnight an Morrisons allzu blumigem Stil, der zuweilen seltsame Blüten treibt, und den unsäglichen Bildern von John Van Fleet. Die 3D-Bilder wirken wie aus einem älteren Computerspiel mit mieser Grafik: glatt, steif, leblos. Dadurch entfalten die Illustrationen nicht annähernd den Horror, den die Story eigentlich schaffen will, sondern untergraben ihn.

>> 75 Jahre Joker

Batman and Son: Der Enkel des Dämons

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman and Son/The Black Glove (dt. Batmans Sohn/The Black Glove)

Autor/Zeichner: Grant Morrison/Andy Kubert, J.H. Williams III, Tony S. Daniel u.a.

Erschienen: 2006-2008 (Batman #655-658, 663-669, 672-675, Paperbacks 2007 (Batman and Son), 2008 (The Black Glove), beide Storylines 2012/2014), dt. Panini Paperback 2010/2011


„All this comic book stuff is way too highbrow for me.“ (Bruce Wayne)

„If there’s one thing I hate … it’s art with no content.“ (Batman)

„There’s a new Robin now.“ (Damian)

Nach dem Tod ihres Vaters Ra’s (in Death and the Maidens, dt. Der Tod und die Mädchen) macht Talia al Ghul sich ihre eigene Man-Bat-Armee, die in London einfällt und die Frau des Premierministers entführt. Als Batman das zu verhindern versucht, macht ihm Talia klar, dass er einen Sohn hat: Damian. Weil sie gerade damit beschäftigt ist, das Erbe ihres Vaters fortzuführen, indem sie die Welt terrorisiert, gibt sie Damian in Batmans Obhut. Doch der Kleine ist nicht nur aufsässig gegen seinen Vater, Alfred und Robin, sondern auch eine Tötungsmaschine, die mit dem Schwert kurzen Prozess mit seinen Gegnern macht.

Batman hat einen Sohn? Das kommt uns doch bekannt vor! Richtig: In Son of the Demon (1987) hatte Batman tatsächlich ein engeres Verhältnis mit Talia, aus dem ein Kind hervorging. Doch das war keine kanonische Geschichte, eher ein Was-wäre-wenn-Szenarion – noch bevor es Elseworlds gab. Grant Morrison hat mit seiner ersten Batman-Story im neuen Jahrtausend diese alte Geschichte wieder ausgekramt und wörtlich genommen.

Es hat sich gelohnt: Damian ist ein kleiner Satansbraten, den man gerne haben muss, obwohl er nervt. Abgesehen von dem herrlichen Humor der Dialoge macht es Spaß, Batman einmal auf ganz andere Art an die Grenzen seiner Fähigkeiten gehen zu sehen – nämlich als überforderter Erzieher. Damian legt schnell das alte Robin-Kostüm an, allerdings ohne die grüne Schuppenunterhose, dafür aber mit cooler Kapuze, und stiehlt in der Rolle dem streberhaften Langweiler Tim Drake die Show. Es amüsiert zu verfolgen, wie der Kleine Wayne Manor aufmischt. Dass die Story nach vier Kapiteln in einem schnellen Showdown in Gibraltar etwas abrupt endet, ist zwar bedauerlich, aber es handelt sich bloß um den Auftakt zu etwas Größerem: Talia hat Pläne …

Und auch Grant Morrison hat welche, wie man an den vielen Ideen sieht, die er in seine ersten Storys gesteckt hat. Der größte Teil des Bandes enthält auch die Storyline The Black Glove, die den Rahmen um die Damian-Story bildet. Batman muss gegen drei Pseudo-Batmen kämpfen, die Gotham terrorisieren. Es handelt sich um Polizisten, die in einem Geheimprogramm dazu ausgebildet wurden, Batman einmal zu ersetzen. Währenddessen stirbt das Original fast an einem Herzinfarkt. Dabei halluziniert er vom ersten Robin, Joe Chill und Bat-Mite, wir erfahren von einem seltsamen Meditationsritual, dem Thögal, dem sich der junge Bruce in Nanda Parbat unterzogen hat, später ließ er sich als Batman für zehn Tage in einer Isolationskammer einsperren, um durch Bewusstseinsveräderung herauszufinden, wie der Joker tickt.

Eine Binnen-Story führt die böse Geheimorganisation The Black Glove ein, die später noch in Batman R.I.P. wichtig sein wird. Obwohl der Dreiteiler visuell sehr interessant und vielseitig aufbereitet ist, mutet die Handlung etwas seltsam an: Batman fliegt mit Robin auf eine karibische Insel, weil dort ein gelangweilter Bonze namens Simon Hurt ein paar drittklassige kostümierte Helden versammelt. Es ist unbegreiflich, warum Batman an so einem Quatsch teilnehmen sollte – hat er nichts besseres zu tun? Als er da ist, muss er zusammen mit den anderen (die alle auf ihre Weise Batman-Verschnitte sind) einen Serienmörder fassen, der sie einen nach dem anderen tötet.

Privat ist Bruce Wayne ebenfalls gut damit beschäftigt, Bekanntschaft mit Jezebel Jet zu machen – eine Frau, der er sogar seine Geheimidentität offenbart. Ein Kapitel ist der Zukunft gewidmet: Wir sehen Damian Wayne als Batman gegen einen der falschen Batmen kämpfen, während Comissioner Barbara Gordon ihn jagt. (Außerdem gibt es eine ungewöhnliche Joker-Story in Prosa, die mit computergenerierten Bildern illustriert ist, aber der werde ich mich ein andermal gesondert widmen.)

Es wird also viel Stoff geboten. Typisch Grant Morrison, der Mann für die großen Epen. Aber die Fülle überfordert den Leser: leider ist die Handlung zu zersplittert, eine klarere Struktur wäre wünschenswert gewesen. Beurteilen kann man das Ganze eigentlich nur im Rückblick, wenn man noch weiter gelesen hat. Eins ist klar: Es ist eine zum Teil eine anspruchsvolle, zuweilen verwirrende, aber weitgehend unterhaltsame Lektüre. Besonders der erste Teil mit Damian ist gelungen und auch die Rahmenhandlung mit den Fake-Batmen hat ihre Reize. Die grandiosen detailreichen und vitalen Zeichnungen von Andy Kubert, J.H. Williams III und Tony S. Daniel machen den Band auch zu einem visuellen Genuss.

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Endgame: Schluss mit lustig

DC Comics

Titel: Endgame (Batman Vol. 7), dt. Todesspiel

Autor/Zeichner: Scott Snyder/Greg Capullo

Erschienen: 2015 (Batman #35-40, Hardcover 2015); dt. Panini 2015-2016 (Batman #41-44), Paperback 2016


„See, Batssss, this time, no more games … no more jokes. I’m just here to close up shop!“

„I’m afraid it’s his masterpiece, Sir.“ (Alfred)

„… go get that bastard.“ (Alfred)

Die Justice League greift Batman an. Zuerst Wonder Woman, dann Flash, dann Aquaman – schließlich auch Superman. Batman wehrt sich so souverän wie nie zuvor: mit einer riesigen Kampfrüstung, die es in sich hat. Doch das unnatürliche Grinsen in Supermans Gesicht zeigt ihm, dass das nur der Auftakt zu etwas weit Schlimmerem ist: der Rückkehr des Jokers. Nach den Ereignissen von Death of the Family, in denen der Joker Batman seine Liebe gestanden hat und ihn um seine Familie bringen wollte, schlägt der Erzfeind wieder zu – und zwar mehr als je zuvor. Wo einst Liebe war, ist nur noch Hass. Der Zurückgewiesene rächt sich. Jetzt ist Schluss mit lustig.

Gothams Bewohner werden mit einem Joker-Virus infiziert, der sie zu grinsenden, aggressiven Zombies macht. Der Virus ist – anders als alle Joker-Gifte und -Gase zuvor – so gut wie unbesiegbar. Der Joker, der sein Gesicht wiederhergestellt und sich einen neuen Haarschnitt verpasst hat, kennt nun auch Batmans Geheimidentität und im Gegensatz zu früher nutzt er diesen Vorteil aus. Außerdem stellt sich die Frage, ob der Joker nicht über besondere Heilkräfte verfügt. Es kommt zu einer ultimativen Demütigung, zur ultimativen Schlacht: Batman versammelt seine Mitstreiter und Feinde, um gegen Jokers Zombie-Armee zu kämpfen, während er zugleich ein Mittel gegen die Seuche sucht.

Wer das Buch noch nicht gelesen hat und sich die Spannung nicht verderben möchte, dem sei geraten, es nachzuholen (es lohnt sich) und das Lesen des Artikels an dieser Stelle zu beenden.

ACHTUNG SPOILER!

Snyder und Capullo haben wieder einmal einen großen Wurf gelandet. Sie schaffen es, das erzählerische Niveau zu halten und den Horror des ersten Joker-Teils zu wiederholen. Allein die Rahmung mit dem Theater und der Analogie zu Tragödie und Komödie ist meisterhaft. Gelungener ist Endgame, weil die Story weniger die Tradition zitiert, sondern weitgehend eigenständig bleibt. (Allein die Frisur des Jokers erinnert an den Batman Beyond-Film Return of the Joker, und die Straßenparade zitiert Burtons ersten Batman-Film.) Allerdings sollte man Storys wie Rat der Eulen/Stadt der Eulen sowie Tod der Familie gelesen haben, Batman Eternal wäre auch nicht verkehrt. Snyder überrascht wieder, indem er interessante Situationen schafft und seinem Schurken neue Facetten abgewinnt, aber leider schießt er mit der Metaphysik übers Ziel hinaus.

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Den Joker soll es jetzt schon immer gegeben haben – als pale man, den blassen Mann, der bereits auf historischen Fotos grinsend an Schauplätzen von Tragödien zu sehen ist. Dank einer Art Lazarus-Grube schaffte er es, sich ständig zu erneuern, daher auch das neue Gesicht. Hier aber muss man sich fragen, warum der Anführer der Red Hood-Gang nicht bereits blasshäutig war, sondern erst nach dem Sturz in den Chemietank, und warum das Gesicht nicht bereits verheilte, nachdem es dem Joker abgeschnitten wurde (und warum er es sich überhaupt entfernen ließ). Abgesehen von solchen Unstimmigkeiten ist es unnötig, den Joker unsterblich zu machen und ihm damit etwas von seinem Reiz zu nehmen. Der Witz war ja, dass er wie Batman nur ein Mensch ist, der es trotzdem immer wieder schafft, Übernatürliches oder gar Unmenschliches zu leisten. Diese schabenhafte Resistenz, mit der er das Böse schlechthin verkörperte, wird jetzt zu sehr mystifiziert und in die Nähe von Ra’s al Ghul gerückt.

Doch es gibt auch andere, kleinere Schwächen: Dass am Ende Helden und Schurken Seite an Seite kämpfen, mag zwar ein netter Einfall sein, aber dass Scarecrow und Pinguin mitmachen, zwei nicht gerade besonders starke Typen, ist wohl mehr dem Fan-Service als der Plausibilität geschuldet. Und dass der Joker nicht einfach Batman abknallt oder Alfred dahinmetzelt, als er die Gelegenheit dazu hat, ist auch eher schwer nachvollziehbar. Allerdings muss man Synder zugute halten, dass er seine Charaktere nicht schont. Besonders James Gordon und Alfred müssen wieder leiden. Der Showdown im Finale ist das blutigste und härteste Gemetzel seit Frank Millers The Dark Knight Returns. Ein wenig erinnert es auch daran, aber dass das Schicksal der beiden verblutenden Gegner offen bleibt, gibt dem Ende eine andere Wendung. Denn es zeigt nur erneut, was Batman auch über seine Kämpfe mit Superman feststellt: dass keiner der beiden gewinnen kann.

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