Comic

Clayface feiert Premiere

DC Comics

DC Comics

Titel: The Murders of Clayface/Clayface Walks Again

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1940/1941 (Detective Comics #40, #49)


„Clayface, from now on your name is mud!“ (Batman)

Clayface ist einer der ersten von Batmans Erzfeinden. Er tauchte kurz nach dem Joker auf, noch früher als Pinguin, Two-Face und Riddler. Allerdings erschien er noch nicht in seiner Gestalt als formwandelnder Schlammberg. Zu Beginn ist Basil Karlo (eine Namenskreuzung aus Boris Karloff and Basil Rathbone) nur ein frustrierter Schauspieler, der seine Karriere hinter sich hat und nun Rache nehmen will. Der Frust ist nachvollziehbar: Man wird abgesägt – und dann dreht Hollywood ein Remake eines der eigenen Filme. Basil Karlo tritt in seinem alten Filmkostüm als Schurke Clayface auf: mit Fratzenmaske, breitem Hut und Gewand. Schon bald gibt es die erste Leiche am Set.

Die Story ist für uns nicht mehr so aufregend, weil wir bereits wissen – oder uns denken können -, wer der Mörder ist. Allerdings ist sie wie ein klassischer Whodunit aufgezogen, bei dem zunächst mehrere Verdächtige infrage kommen. Batman und Robin dürfen sich als Detektive behaupten. Bruce Wayne muss dabei seine eigene Freundin Julie Madison retten, die unter dem Namen „Portia Storme“ gerade ihre Karriere als Schauspielerin beginnt. Julie lässt übrigens keine Gelegenheit aus, Wayne vorzuschwärmen, wie sehr sie sich wünschte, dass er mehr wie Batman wäre.

Einige Ausgaben später (Detective Comics #49) kehrt Karlo zurück. Aber dieser Auftritt ist nicht mehr so elegant wie seine Premiere. Kaum hat er sich aus dem verunglückten Gefangenentransport befreit, zieht er stumpfsinnig wieder aufs Set, um seine Rache zu vollenden. Batman kommt sehr schnell auf seine Spur. Clayface tut sein Bestes, aber das ist ziemlich armselig: er wirft einen Feuerhaken nach Batman, dann eine Modelleisenbahn (!), schließlich lässt er einen Lkw auf Batman zurasen, allerdings ohne am Steuer zu sitzen und sich zu vergewissern, dass der Wagen sein Ziel trifft. Ein Feuer soll dann Robin dahinraffen … naja, klappt alles nicht.

Denn die Helden stellen sich viel geschickter an, auch was die Schauspielerei angeht. Denn am Ende schießt Clayface auf die falsche Person, weil Robin und Julie die Rollen getauscht haben. Gegen so viel Rafinesse kommt der von Rachsucht geblendete Karlo nicht an.

Eine schwache Vorstellung, durchaus ausbaufähig. Aber er wird sich noch entwickeln. Aber zunächst verschwindet Basil Karlo für lange Zeit in der Versenkung; erst 1969 taucht er wieder auf. In der Zwischenzeit (Detective Comics #298, 1961) nennt sich Matt Hagen Clayface – und ist damit der erste Schlammschurke, den wir heute kennen. Aber das ist eine andere Geschichte.

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Batman macht Schule

DC Comics

DC Comics

Titel: Rise of the Batmen (dt. Angriff der Batman-Armee)

Autor/Zeichner: James Tynion IV/Eddy Barrows, Alvaro Martinez

Erschienen: 2016 (Detective Comics #934-940), Paperback 2017 (Detective Comics Vol. 1); dt. Panini 2017 (Paperback)


„The idea of Batman is powerful, but it’s pointed in the wrong direction.“ (Jacob Kane)

Nachdem Azrael von einem unbekannten Attentäter ins Koma gebracht wurde, vermutet Batman, dass es jemand auf den Rest der Bat-Familie abgesehen haben könnte. Also beginnt er, zusammen mit Batwoman den Nachwuchs für den Ernstfall zu trainieren: Spoiler, Orphan (Cassandra Cain) und Red Robin (Tim Drake, obwohl schon seit Jahren im Geschäft) – und sogar Clayface. Da offenbart sich der Gegner: the Colony, eine Armee von Batman-Kriegern, gesponsert von der US-Regierung, geleitet von Colonel Jacob Kane, dem Vater von Kate Kane (Batwoman). Er wiederum rüstet sich gegen die League of Shadows, die aber laut Batman nur eine Lüge von Ra’s al Ghul sein soll.

Mal wieder ist also alles anders als gedacht. Und wie immer, wenn ein Autor die Retcon bemüht (bekanntes Beispiel: Under the Hood), bleiben offene Fragen: Warum hat Jacob Kane seiner Tochter dazu verholfen, Batwoman zu werden, wenn er hinter ihrem Rücken eine Batman-Armee aufgebaut hat? Warum hat er sie nicht gleich eingeweiht? Und warum erledigt er Azrael, wenn er angeblich niemanden verletzen will? Und dann gibt es noch weitere Fragen: Warum trägt Red Robin ein neues Kostüm, das eher an sein altes erinnert und ihn weniger „red“ erscheinen lässt? Warum darf Clayface im Team Batman mitmachen? Zuletzt war er noch gemeingefährlich (siehe Graveyard Shift, Batman Eternal, Arkham Manor). Dass der Schurke zum Helden wird, ist zwar eine erfrischende Idee, aber die Motivationen dafür bleiben auf der Strecke – auch wenn die Sequenz, in der Clayface ein Kino aufsucht, um sich auf der Leinwand als Mensch wiederzusehen, sehr einfühlsam gelungen ist.

Überhaupt schafft es Autor James Tynion IV (Batman Eternal, Batman & Robin Eternal), den vielen Charakteren seiner Geschichte gerecht zu werden, allein Orphan bleibt auf der Strecke, aber sie hat ja ohnehin nicht viel zu sagen. Aber dafür gibt es ja die Action. Und davon nicht zu wenig. Die Zeichner Eddy Barrows und Alvaro Martinez inszenieren ihre Figuren filigran und die Posen spektakulär, wenn auch ohne große Experimentierfreude.

Der erste Detective Comics-Band nach Rebirth hat zwar kein Potenzial, ein Klassiker zu werden, aber er ist ein kurzweiliger Auftakt, der Spaß und Lust auf die Fortsetzung macht. Das Wichtigste aber: der Neustart hebt die Qualität der Traditions-Serie, die in den vergangenen Jahren sehr zu wünschen übrig ließ.

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Ra’s al Ghul muss sterben

Titel: Death and the Maidens (dt. Der Tod und die Mädchen)

Autor/Zeichner: Greg Rucka/Klaus Janson

Erschienen: 2003-2004 (Mini-Serie #1-9, Detective Comics 783; Paperback 2004, Deluxe Edition 2017), dt. Panini 2005 (2 Sonderbände)


„… it’s always for the greater good …“

Ra’s al Ghul ist dem Ende nah: da Batman ihn von seinen Kurbädern in Lazarusgruben abhält, droht dem Erzfeind der baldige Tod. Er bietet dem Detective einen Deal an: wenn Batman ihm verrät, wo er eine Lazarusgrube findet, bekommt er einen Trank, dank dem er mit seinen toten Eltern sprechen kann. Doch da ist noch Nyssa, eine Tochter des Dämons, die ihren eigenen Plan verfolgt: Rache zu nehmen an dem, was ihr Vater ihr über Jahrhunderte angetan hat. Auch Talia wird Teil des Plans.

Anfangs habe ich mich etwas schwer damit getan, weil mich Klaus Jansons sperrige Zeichnungen abgeschreckt haben. Aber die Story hat mich dann doch sehr schnell eingenommen, dass das Buch zum regelrechten Pageturner wurde. Denn Death and the Maidens ist eine sehr persönliche Geschichte, die viel Wert legt auf innere Konflikte und Charaktere. Insofern gibt es hier kaum Batman zu sehen, im Vordergrund steht Bruce Wayne und sein Verhältnis zu seinen Eltern. Er muss sich die Frage stellen: Handelt er überhaupt in ihrem Sinne, wenn er sich als Batman verkleidet? Und spielt das überhaupt eine Rolle, ob er damit ihren Willen erfüllt?

Die Frage verliert sich gegen Ende, wenn es um den Familienkonflikt der al Ghuls geht. Aber der hat es in sich. Ra’s bekommt eine neue Tiefe: wir erfahren nämlich, dass er schon mit den Nazis gemeinsame Sache gemacht hat, auch wenn er ihre Motive nicht teilte, hieß er dennoch ihren Genozid gut. Noch dramatischer wird es, dass er selbst seine Tochter Nyssa nicht vor dem Konzentrationslager bewahren wollte – alles „für das größere Wohl“, die Welt von allem Bösen, also den Menschen, zu befreien.

Die Story funktioniert auf mehreren Ebenen hervorragend. Und dann kann man auch darüber hinwegsehen, wenn die Zeichnungen nicht den persönlichen Geschmack treffen. Death and the Maidens ist einer der besten Batman-Comics des neuen Jahrtausends. Es wurde höchste Zeit, dass er wieder neu aufgelegt wurde – in einer gebundenen Deluxe-Edition.

Die Geschichte um Ra’s al Ghul und seine Familie wird fortgesetzt in:

Außerdem empfohlen als Vorgeschichte: Son of the Demon.

Spekulationen in Schwarz-weiß

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman Black and White Vol. 2 (Case Study)

Autor/Zeichner: Paul Dini/Alex Ross (u.a.)

Erschienen: 2000-2001 (Gotham Knights #1-16), Paperback 2008


„What if the Joker is not insane?“

Was, wenn der Joker nicht verrückt wäre, sondern die Fassade des Verrückten bloß für einen persönlichen Rachefeldzug nutzte? Diese Frage stellt sich ein Arzt in Arkham in der Kurzgeschichte „Case Study“. Autor Paul Dini (Mad Love) spielt die Entstehung des Jokers in einer Variante durch: früher soll der Schurke bloß ein gewiefter Gangster gewesen sein, der sich ständig neue Namen gab und sich neue Handlanger suchte. Polizeiverhören entging er dank eines guten Anwalts. Zum Red Hood wurde er, um seine Anonymität zu wahren: mit dem roten Helm konnte er nicht fotografiert werden. Der Rest ist bekannt: die Monarch Spielkartenfabrik, Batman, der Sturz in den Chemikalientank etc. Schlussfolgerung: der Gangster wurde zum Joker, weil er mit seinem entstellten Gesicht nicht mehr unerkannt sein Imperium weiterführen konnte. Also wurde seine neue Mission die Rache für diesen Verlust …

Diese „Fallstudie“ wäre wesentlich unspektakulärer, wenn nicht Alex Ross (Kingdom Come) ihr mit seinen fotorealistischen Collagen eine Aura von höchster Kunst verliehe. So wird die Kurzgeschichte nicht nur zu einer psychologischen Spekulation, sondern auch zu einer Feier des Mythos Joker. In Schwarz-Weiß.

„Case Study“ bildet einen starken Auftakt für den zweiten Band der Anthologie Batman Black and White, in der achtseitige Kurzgeschichten gesammelt werden. Im Gegensatz zum ersten Band stammen sie nicht aus einer dafür geschaffenen Mini-Serie, sondern aus der Serie Gotham Knights, aber das sei nur am Rande erwähnt. Autoren und Künstler wie Brian Azzarello, John Byrne, Howard Chaykin, Alan Grant und Paul Pope feiern ihre Versionen des Dunklen Ritters mit kleinen aber feinen Geschichten. Oft düster, mal heiter und manchmal sogar ziemlich albern.

Black and White lebt, wie jede Anthologie, von der Variation. Unter den sehr verschiedenen Zeichenstilen, die von der Karikatur bis zur anspruchsvollsten Kunst reichen, ist für jeden Geschmack etwas dabei. Leider fehlen aber die herausragenden Storys, die sich so einprägen wie die Höhepunkte des ersten Bandes.

Wir sehen Batman mit Catwoman gegen Nazis kämpfen und mit Green Lantern (Alan Scott) gegen ganz gewöhnliche Gangster; als Bruce Wayne muss er sich in der Rolle des Babysitters mit Zwillingen rumschlagen. Meist schwankt die Qualität zwischen bemüht und belanglos. Nur weniges ist erwähnenswert: die Storys von Eduardo Risso, Jim Lee und Tim Sale (The Long Halloween, Dark Victory, Haunted Knight), sowie eine Riddler-und eine Scarecrow-Geschichte. Als Lektüre für Eilige und Batman-Connaisseure erfüllt aber auch der zweite Black and White-Band seinen Zweck.

Warum Batman niemals Trump wählen würde

President Lex Luthor (DC Comics)

President Lex Luthor (DC Comics)

Die Realität hat die Fiktion eingeholt. Endgültig. Denn die Fiktion kommt nicht mehr hinterher im Trump-Zeitalter. Neulich habe ich einen Cartoon gesehen, in dem das Dilemma eines Cartoonisten beschrieben wird: Die Idee die er hat, wird vom US-Präsidenten schon vorweggenommen, noch bevor der Cartoon veröffentlicht ist. Es wird immer schwerer, sich das Absurde auszudenken – denn es ist längst da. „Ist Fiktion endgültig an die Stelle von Geschichte getreten?“, fragte der Pubilizist Hartwig Tegeler neulich bei Deutschlandradio Kultur und zielte damit auf Superheldenfilme ab: „Spielt Milliardär Donald Trump einen milliardenschweren Superhelden wie Batman oder Iron Man nach? Oder umgekehrt?“

Tegeler geht davon aus, dass Hollywood unser Denken verändere und kritisiert, dass Superhelden einen großen Anteil daran hätten. „Das Problem an solchen Rettungen durch den Superhelden ist eine Vereinfachung von Welt, die in Dauerschleife vor uns abgespult wird und sich in der Wiederholung tiefer und tiefer eingräbt. Vereinfachung trifft im Zeitalter des Postfaktischen, von Fake News oder sogenannten „alternativen“ Fakten auf einen fruchtbaren Boden.“ Superheldenfilme schienen mit Trump in der Realität angekommen zu sein, auch der neue US-Präsident sehe die Welt „superheldenmäßig, schwarz-weiß, Freund-Feind. Und diesen Feind gilt es nicht zu überzeugen, sondern auszumerzen.“

Schlechte Vorbilder für Trump

Ich weiß nicht, ob Tegeler mal einen Superheldenfilm der vergangenen Jahre gesehen hat. Er schreibt jedenfalls, als hätte er das nicht. Oder jedenfalls nicht genau. Denn dann wüsste er, dass gerade Batman und Iron Man die besten Beispiele dafür sind, dass moderne Superhelden schlechte Vorbilder für einen Haudraufpolitiker wie Trump sind. Man muss gar nicht tief in die Comics gehen, um das zu belegen. Bleiben wir bei den Filmen.

Batman bewahrte in Batman Begins die Welt von größenwahnsinnigen, selbsternannten Messias, der die Welt vom Bösen reinigen wollte, indem er eine Stadt zu vernichten drohte. In The Dark Knight wies ihm der Joker als nihilistischer Terrorist die Schranken seines Handelns. Geld, Gadgets und Gewalt brachten Batman nicht viel. Ja, er triumphierte vielleicht am Ende, aber der Joker lebte und lachte zuletzt, weil Batman alles verloren hatte, was ihm lieb und teuer war. Im dritten Teil der Nolan-Trilogie, The Dark Knight Rises, befreit Batman Gotham City von einem Despoten, der die ganze Stadt seiner Willkür unterjocht.

Tony Stark wird Pazifist

„Iron Man“ Tony Stark hingegen ist zwar so wie Bruce Wayne ein Milliardär, am Anfang sogar ein Waffenkonstrukteur, der den Krieg als Show zelebriert, aber schon in der ersten Hälfte seines Debutfilms macht er eine Wandlung vom Saulus zum Paulus durch. Nachdem er einen Anschlag überlebt hat, von Terroristen gefangen genommen wurde und sich befreit hat, schwört er dem Waffenhandel ab. Als Iron Man wird er selbst zur Ein-Mann-Waffe, um die Welt zu befrieden.

In diesem Punkt könnte man Tegeler Recht geben: Ja, Superhelden nehmen das Gesetz in die eigene Hand. Das ist ein typisch amerikanischer Western-Topos. Bedenklich, aber Superhelden brechen aus dem System nur deshalb aus, weil das System nicht funktioniert. Aber das macht sie noch nicht zu tumben Wutbürgern. Gotham City braucht Batman, weil die Stadt von Verbrechen und Korruption zerfressen ist, die Welt braucht Iron Man, weil sie sich sonst in den Abgrund hochrüstet. Dass einzelne sich das Recht rausnehmen, selbst die Welt besser zu machen, bleibt dennoch ein moralisches Dilemma der Helden. Am eindrücklichsten haben es die Watchmen vorgemacht, dass die Welt nicht so einfach zu retten ist und dass Helden es schwer haben, nicht als Schurken zu enden. Und heute steht die Doomsday Clock wieder auf kurz vor zwölf … Aber nicht wegen der Superhelden.

Superman gegen Hitler

Im Gegenteil. Superhelden waren von Anfang an Freiheitskämpfer, die sich gegen Unterdrückung und Diktatur wandten. Man darf nicht vergessen: Superman wurde (wie auch viele andere seiner Art) von Juden erfunden, die einen Gegenentwurf zum Übermenschen der Nazis schufen. Superman (übrigens ein Flüchtling und illegaler Einwanderer) hat im Comic einst Hitler vor Gericht gestellt, Captain America hat den Diktator einfach vermöbelt. Rund 60 Jahre später wurde Supermans Erzfeind Lex Luthor Präsident der USA, die Helden setzten ihn bald darauf ab, anderhalb Jahrzehnte später ist mit Donad Trump tatsächlich ein industrieller Schurke an der Macht und regiert wie ein Faschist.

Warum ist es soweit gekommen? Weil zu viele Menschen die Welt schwarz-weiß sehen? Vielleicht. Aber sie tun es bestimmt nicht wegen Superheldenfilmen oder -comics. Gerade diese Helden haben – seit etwa 30 Jahren im Comic und seit 17 Jahren auch im Kino – immer wieder die vielen Graustufen aufgezeigt: vom Film X-Men, der im KZ beginnt und wo ein Holocaust-Überlebender zum Rassisten wird, bis hin zu Captain America: Civil War, wo sich Superhelden die Frage gefallen lassen müssen, welche Folgen ihre Taten nach sich ziehen. (Ein ähnliches Thema, wenn auch schlechter umgesetzt, hat auch Batman v Superman). „Aus großer Macht folgt große Verantwortung“ – das hat das Publikum schon früh bei Spider-Man gelernt. Donald Trump hat das nie verinnerlicht.

Das Problem ist jetzt: In der Realität gibt es keine Superhelden, die einen wie Trump ausschalten könnten. Und selbst wenn es sie gäbe, würden sie sich wahrscheinlich zunächst mit ihm arrangieren, so wie sie es mit Lex Luthor getan haben. Man kann nur hoffen, dass das Böse eines Tages sich selbst vernichtet. Dass das Gute triumphiert. Das ist die Hoffnung, die Utopie und das Heilsversprechen, das Superhelden immer wieder vermitteln.

Batmans neue Super-Freunde

DC Comics

DC Comics

Titel: I Am Gotham (Batman Vol. 1) (dt. Ich bin Gotham)

Autor/Zeichner: Tom King/David Finch, Mikel Janin, Ivan Reis u.a.

Erschienen: 2016 (Batman #1-6, Batman Rebirth #1), Paperback 2017, dt. Panini 2017 (Paperback)


„Who’s going to catch you in Gotham?!“

Jede Stadt hat ihre Beschützer: Metropolis hat Superman, Gotham hat Batman – aber was, wenn über Gotham plötzlich ein Flugzeug abgeschossen wird, es auf die Stadt zurast und kein Superman helfen kann? Dann ist Batman ziemlich aufgeschmissen. Mit technischen Tricks kann er vielleicht das Schlimmste verhindern, aber nicht mehr sich selbst retten. Doch in so einer Situation tauchen aus dem Nichts zwei fliegende Superhelden auf und gehen Batman zur Hand: sie nennen sich „Gotham“ und „Gotham Girl“ und tragen diamantförmige Symbole mit einem G in Frakturschrift auf der Brust.

Nicht gerade einfallsreich, zugegeben. Und der beste Detektiv der Welt kommt auch schnell hinter die Masken der beiden Neulinge und stattet ihren Eltern als Matches Malone einen Besuch ab. Wie dem auch sei: die Geschwister Gotham haben die nobelsten Absichten – und Batman vertraut ihnen auch ohne große Erklärungen über ihre Herkunft und Beweggründe. Er verlässt sich wohl auf seinen Instinkt. Und so arbeitet das Dynamische Trio zusammen mit dem Azubi-Robin Duke Thomas, der noch Dauerdienst in der Bathöhle schieben muss, bevor er ins gelbe Kostüm steigen darf. (Wer Duke ist, erfährt man im Prolog von Batman Rebirth #1, mit dem der Band beginnt, der aber auch in Batman Vol. 10: Epilogue und Detective Comics Vol. 9: Gordon at War enthalten ist.)

Passend zum Zeitgeist der Realität haben die Helden vor allem mit Terrorismusbekämpfung zu tun: in Gotham sind Selbstmordattentäter mit Bomben unterwegs und verbreiten die Botschaft der Furcht. Auch Solomon Grundy darf mal wieder beim Chaos mithelfen. Dahinter stecken aber Hugo Strange und der Psycho Pirate (siehe Crisis on Infinite Earths) – aber was Strange vorhat, das wird hier noch nicht geklärt.

Der neue Batman-Autor Tom King (der neben Grayson auch die grandiose Irak-Kriegs-Serie Sheriff of Babylon geschrieben hat) legt mit I Am Gotham einen furiosen Start hin: einfallsreich und voller Humor, die Tradition im Blick, aber auch stets ironisierend. Damit erweist er sich als würdiger Nachfolger von Scott Snyder. Allein das erste Kapitel, in dem Batman das Flugzeug umzulenken versucht, ist auch dann äußerst spannend, wenn man weiß, worauf es hinausläuft. Weitere Highlights: Alfred im Batman-Kostüm und eine Reihe geschrotteter Batmobile. Zeichner David Finch (Batman: The Dark Knight und Forever Evil) liefert eine solide Arbeit mit typisch klaren Linien und einigen prachtvollen Splash-Pages hin, auch wenn die Mimik seiner kraftstrotzenden Figuren nicht immer überzeugt. Er ist kein so einfallsreicher Künstler wie sein Vorgänger Greg Capullo.

Allerdings ist die Story etwas zu sprunghaft, ein paar Seiten mehr hätten ihr gut getan, dafür endet sie im Grunde schon nach fünf von sechs Kapiteln, der Schluss ist bloß ein etwas sentimentaler Epilog, der für die Trauerbewältigung von Gotham Girl verschenkt wurde. Und vor allem liest sich I Am Gotham nicht so sehr wie eine abgeschlossene Geschichte, sondern bloß wie ein Auftakt zu Größerem: Darin angelegt sind bereits das Crossover Night of the Monster Men sowie die Fortsetzungen I Am Suicide und I Am Bane. Wie gut die Stücke zusammenpassen, werden wir später beurteilen müssen.

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Joker verkleidet sich als Clown

DC Comics

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Titel: The Case of the Joker’s Crime Circus

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1940 (Batman #4)


„Odd, how that clown reminds me of someone.“ (Bruce Wayne)

Diese Idee liegt nahe: Der Joker veranstaltet ein paar Zirkusvorstellungen in den Häusern der Reichen und verkleidet sich selbst  – wer hätte das gedacht – als Clown. Kurz darauf sind die Reichen etwas ärmer. So geht das ein paar Mal – und keiner kommt auf die Idee, dass das etwas mit diesem seltsamen Zirkus zu tun hat, der durch die Häuser zieht.

Da muss erst Batman in seiner zivilen Verkleidung als Bruce Wayne kommen, um der Sache nachzugehen. Dieser Clown der Truppe kommt unserem Helden auch sehr bekannt vor, aber beim besten Willen: Er kommt einfach nicht drauf, wer das sein könnte. Es mag wohl daran liegen, dass der Joker, der ohnehin so ein Allerweltsgesicht hat, seine lange Nase rot gefärbt hat. Sie wirkt anscheinend so täuschend und ablenkend wie Clark Kents Brille. Man ändert nur eine Sache an seinem Gesicht – und schon wird man nicht mehr erkannt.

Okay, der beste Detektiv der Welt ist hier nicht in Höchstform. Aber am Ende reicht es trotzdem, um die Bande zu erwischen. Zugegeben: Batman ist davon ausgegangen, dass der Joker tot ist. Der Schurke spielt damit, indem er als falsches Gespenst Verwirrung stiftet. Letztendlich stürzt er doch wieder in einen Abgrund, in dem ihn das Wasser auffängt bis zur nächsten Geschichte. War wohl doch keine so gute Idee mit dem Zirkus …

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Alter schützt vor Torheit nicht

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Titel: Dark Knight Dynasty

Autor/Zeichner: Mike W. Barr/Scott Hampton, Gary Frank, Scott McDaniel

Erschienen: 1997 (One-shot)


„I win again. But then, I always do.“ (Vandal Savage)

2300 Jahre Waynes, drei Generationen von Batmen: als Kreuzritter im Mittelalter, als Dunkler Ritter in der Gegenwart, als High-Tech-Kriegerin in ferner Zukunft. Und alle drei müssen sich mit Vandal Savage rumschlagen, jenem unsterblichen Schurken, der einem mysteriösen Meteorit nachjagt. Dafür tötet er sogar Bruce Waynes Eltern. Wozu der ganze Ärger, das erfährt man erst am Ende: auch der Böse hat einfach nur das grundmenschliche Bedürfnis zu wissen, was ihn zu dem gemacht hat, das er ist. Der Aufwand wirkt dann doch etwas übertrieben, vor allem gegen Ende, wenn er einen ganzen Kult um sich begründet. Gastauftritte haben eine Art Catwoman des Mittelalters und eine weibliche Scarecrow, Scarecrown genannt.

Dass sein hohes Alter Vandal Savage aber nicht unbedingt weiser macht, zeigt auch ein Plot-Element, das immer wiederkehrt: In jedem der drei Kapitel lässt er den Helden in einer Todesfalle zurück und lässt ihm damit jedesmal die Gelegenheit zur Flucht – im zweiten Kapitel sogar zweimal. Okay, das ist nicht unbedingt ein Klischee mehr, es ist einfach ein Topos von Heldengeschichten. Aber gleich viermal den gleichen Fehler zu begehen, lässt dann doch am Verstand des angeblich superschlauen Superschurken zweifeln und wird zum Running Gag, der die Story unfreiwilligen komisch macht. Noch lächerlicher ist nur noch ein Affe, der in der Zukunft zu Robin wird (warum nur, warum?).

Visuell macht Dark Knight Dynasty wenigstens zu zwei Dritteln etwas her: Die gemalten Seiten von Scott Hampton (Night Cries) im Mittelalter-Teil und die von Gary Franks (Batman: Earth One, Superman: Secret Origin) Gegenwarts-Teil sind wahre Hingucker. Dagegen ist das Finale von Scott McDaniel und Bill Sienkiewicz nicht nur sperrig gezeichnet, sondern lässt auch schwer der Handlung folgen.

Insgesamt ist Dark Knight Dynasty zwar episch angelegt, aber kann seinen Anspruch nicht ganz erfüllen, weil es dann doch bloß in Banalitäten abdriftet.

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Batman, Flash und der Button des Comedian

DC Comics

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In DC Universe Rebirth #1 fand eine unerhörte Begebenheit statt: Batman fand in der Bathöhle den blutigen Smiley-Button des Comedian aus Watchmen. Jetzt geht die Geschichte um die Verschmelzung zweier bislang getrennter Comic-Universen weiter. DC Comics hat eine vierteilige Storyline namens „The Button“ angekündigt, die sich über die US-Ausgaben von Batman und Flash #21 und #22 erstrecken soll. Die Hefte erscheinen im April und Mai. Die Batman-Ausgaben werden von Autor Tom King und Zeichner Jason Fabok stammen, die Flash-Ausgaben von Autor Joshua Williamson und Zeichner Howard Porter.

Zur Story ist nicht viel bekannt, nur so viel: Was wie eine einfache Ermittlung beginnt, entwickelt sich zu einer tödlichen Angelegenheit, als sich jemand Drittes in die Angelegenheit einmischt. DC verspricht, dass es jemand völlig unerwartetes sei.

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Der Stellvertreter und der Schwächling

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Titel: Truth Hurts (Batman/Superman Vol. 5) (dt. Fremde Freunde)

Autor/Zeichner: Greg Pak/Ardian Syaf

Erschienen: 2015-2016 (DC Sneak Peak Batman/Superman #1, Batman/Superman #21-27), Paperback 2016; dt. Panini 2016 (Batman/Superman Bd. 6, enthält #21-24)


Batman und Superman sind nicht mehr das, was sie einmal waren. Batman ist eigentlich James Gordon in einer Robo-Rüstung (siehe Superheavy/Bloom), Superman ist zwar immer noch Clark Kent, nur dass es jetzt jeder weiß, aber er hat den Großteil seiner Kräfte verloren. Jetzt rennt er herum im T-Shirt und schützt seine Knöchel mit den Fetzen seines Capes.

In dieser Ausnahmesituation treffen die beiden Helden aufeinander. Beide werfen einander vor, nicht das zu sein, was sie vorgeben zu sein. So kommt es erstmal zum Kräftemessen. Oder anders gesagt: Clark bekommt mächtig Keile von Robo-Bat. Man vertraut einander nicht, aber man arbeitet trotzdem zusammen. Was cool ist: Clark leiht sich Bruces Bat-Motorrad, sprüht es aber kurzerhand rot an. Aber sonst ist Superman eben alles andere als super.

Ach so, da ist ja noch Handlung: Der Untergrundherrscher Ukur will eine Miniatursonne stehlen, die er als Energiequelle nutzen will, aber die genauso gut als Massenvernichtungswaffe genutzt werden kann. Superman steigt hinab in die Unterwelt, legt sich mit Monstern an, trifft auf Aquaman und am Ende rettet er gemeinsam mit Aushilfs-Robocop-Batman die Welt. Das heißt: eigentlich nicht, denn am Ende klauen einfach andere Schurken die Bombe.

Auch dieser Batman/Superman-Band bietet die Bewährte Mischung aus 08/15-Dramaturgie und ganz soliden Zeichnungen.

>> Batman & Superman in World’s Finest