Superman

Die Mutter aller Krisen

DC Comics

DC Comics

Titel: Crisis on Infinite Earths

Autor/Zeichner: Marv Wolfman/George Pérez

Erschienen: 1985 (Mini-Serie #1-12), dt. Dino 1999 (JLA Sonderband #12-13)


„Worlds lived, worlds died. Nothing will ever be the same.“

Einmal alle Helden in einer Geschichte. Das war Marv Wolfmans Kindheitstraum. 1985 bekam er von DC endlich die Gelegenheit dazu: mit Crisis on Infinite Earths. Und dabei hat er auch gleich die Funktion eines Hausmeisters übernommen und einmal das Multiversum entrümpelt von zu vielen Parallelwelten, Helden und auch Continuity-Problemen. Mit der neuen Ordnung sollten die Comics wieder zugänglicher für neue Leser sein. Nach diesem Hausputz begann DC von vorn, Superman und Batman bekamen neue Origins, und die Krise wurde zum Muster für viele weitere Crossover/Events, die darauf folgten und immer wieder aufs Neue das Universum erschütterten, bis nach Jahren wieder mal keiner durchblickte. Alles ist auf Zyklen ausgelegt.

Worum geht es in Crisis? Es gibt zwei Ober-Gurus: Der böse Anti-Monitor aus dem Antimaterie-Universum vernichtet ein Materie-Universum nach dem anderen. Warum? Weil er böse ist und Macht will – das Übliche eben. Der andere Oberguru, der Monitor, versucht seinen bösen Bruder davon abzuhalten und schickt eine hübsche Helferin aus, die ein paar Helden und Schurken versammeln soll, um wenigstens ein paar Welten zu retten. Helden vereinigen sich, Welten überlappen sich, man kämpft gegen Schattendämonen, man kämpft gegen den Anti-Monitor, man kämpft gegen Superschurken, viele Helden und Schurken sterben und auch viele Welten. Die fünf verbliebenen Welten fusionieren zu einer. Ende. Und der Anfang von etwas Neuem.

Im Wesentlichen war’s das. Aber das alles ist auf 350 Seiten so breitgetreten und zäh, dass es abwechselnd furchtbar ermüdet, nervt und langweilt. Eine halbe Ewigkeit braucht es, bis die Handlung richtig in Gang kommt. Zu Beginn sehen wir immer dasselbe: Welten, die von Antimaterie-Wolken vernichtet werden und eine Heulsuse mit lila Haaren, die sich selbst bemitleidet. Später sehen wir unzählige Kämpfe unzähliger Figuren, die alle austauschbar sind. Man hat das Gefühl, in jedem zweiten Panel tummeln sich neue Figuren, die alle mal was sagen müssen, ohne wirklich zur Geschichte beizutragen. Hauptsache scheint zu sein, dass sie da sind. Der größte Makel ist, dass die Story zu viel will und zu wenig bietet: viel Lärm um nichts.

Vor allem fehlt ihr ein emotionaler Anhaltspunkt: Es gibt keine Hauptfigur und die handlungstragenden Figuren haben keine Tiefe. Einzig die Tode von Supergirl und Flash (Barry Allen) könnten als Höhepunkte durchgehen, den Rest nimmt man gleichgültig hin. Die gefühlt ein Dutzend Tode und Auferstehungen des Anti-Monitors hätte man sich sparen können. Diese Story scheint einfach kein Ende zu nehmen. Zu allem Überfluss ufert sie auch noch in eine Reihe von Binnenhandlungen aus, die bloß angerissen, aber dann in anderen Serien fortgesetzt werden. (Immerhin weist der Autor auf die Hefte hin, die man dafür lesen muss.)

Am Ende bringt es Superman auf den Punkt: „I was expecting more … satisfaction.“ Crisis mag seinen Platz in der Geschichte der Superheldencomics haben. Es hat dem DC-Universum gut getan, dass es von unnötigem und zum Teil lächerlichem Beiwerk befreit wurde (auch wenn mit den Jahren leider vieles wieder aus der Mottenkiste geholt wurde). Aber die Story, die darum gestrickt wurde, liest sich wie eine Pflichtübung, ein reines Mittel zum Zweck. Daher ist Crisis ein Werk, dass man kennen, aber nicht unbedingt lesen muss. Schon gar nicht ein zweites Mal. Ich habe mich damit eine Woche lang rumgequält und bin froh, dass ich es hinter mir habe. Wahrscheinlich hätte ich sonst selbst die Krise gekriegt …

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Endgame: Schluss mit lustig

DC Comics

Titel: Endgame (Batman Vol. 7), dt. Todesspiel

Autor/Zeichner: Scott Snyder/Greg Capullo

Erschienen: 2015 (Batman #35-40, Hardcover 2015); dt. Panini 2015-2016 (Batman #41-44), Paperback 2016


„See, Batssss, this time, no more games … no more jokes. I’m just here to close up shop!“

„I’m afraid it’s his masterpiece, Sir.“ (Alfred)

„… go get that bastard.“ (Alfred)

Die Justice League greift Batman an. Zuerst Wonder Woman, dann Flash, dann Aquaman – schließlich auch Superman. Batman wehrt sich so souverän wie nie zuvor: mit einer riesigen Kampfrüstung, die es in sich hat. Doch das unnatürliche Grinsen in Supermans Gesicht zeigt ihm, dass das nur der Auftakt zu etwas weit Schlimmerem ist: der Rückkehr des Jokers. Nach den Ereignissen von Death of the Family, in denen der Joker Batman seine Liebe gestanden hat und ihn um seine Familie bringen wollte, schlägt der Erzfeind wieder zu – und zwar mehr als je zuvor. Wo einst Liebe war, ist nur noch Hass. Der Zurückgewiesene rächt sich. Jetzt ist Schluss mit lustig.

Gothams Bewohner werden mit einem Joker-Virus infiziert, der sie zu grinsenden, aggressiven Zombies macht. Der Virus ist – anders als alle Joker-Gifte und -Gase zuvor – so gut wie unbesiegbar. Der Joker, der sein Gesicht wiederhergestellt und sich einen neuen Haarschnitt verpasst hat, kennt nun auch Batmans Geheimidentität und im Gegensatz zu früher nutzt er diesen Vorteil aus. Außerdem stellt sich die Frage, ob der Joker nicht über besondere Heilkräfte verfügt. Es kommt zu einer ultimativen Demütigung, zur ultimativen Schlacht: Batman versammelt seine Mitstreiter und Feinde, um gegen Jokers Zombie-Armee zu kämpfen, während er zugleich ein Mittel gegen die Seuche sucht.

Wer das Buch noch nicht gelesen hat und sich die Spannung nicht verderben möchte, dem sei geraten, es nachzuholen (es lohnt sich) und das Lesen des Artikels an dieser Stelle zu beenden.

ACHTUNG SPOILER!

Snyder und Capullo haben wieder einmal einen großen Wurf gelandet. Sie schaffen es, das erzählerische Niveau zu halten und den Horror des ersten Joker-Teils zu wiederholen. Allein die Rahmung mit dem Theater und der Analogie zu Tragödie und Komödie ist meisterhaft. Gelungener ist Endgame, weil die Story weniger die Tradition zitiert, sondern weitgehend eigenständig bleibt. (Allein die Frisur des Jokers erinnert an den Batman Beyond-Film Return of the Joker, und die Straßenparade zitiert Burtons ersten Batman-Film.) Allerdings sollte man Storys wie Rat der Eulen/Stadt der Eulen sowie Tod der Familie gelesen haben, Batman Eternal wäre auch nicht verkehrt. Snyder überrascht wieder, indem er interessante Situationen schafft und seinem Schurken neue Facetten abgewinnt, aber leider schießt er mit der Metaphysik übers Ziel hinaus.

DC Comics

Den Joker soll es jetzt schon immer gegeben haben – als pale man, den blassen Mann, der bereits auf historischen Fotos grinsend an Schauplätzen von Tragödien zu sehen ist. Dank einer Art Lazarus-Grube schaffte er es, sich ständig zu erneuern, daher auch das neue Gesicht. Hier aber muss man sich fragen, warum der Anführer der Red Hood-Gang nicht bereits blasshäutig war, sondern erst nach dem Sturz in den Chemietank, und warum das Gesicht nicht bereits verheilte, nachdem es dem Joker abgeschnitten wurde (und warum er es sich überhaupt entfernen ließ). Abgesehen von solchen Unstimmigkeiten ist es unnötig, den Joker unsterblich zu machen und ihm damit etwas von seinem Reiz zu nehmen. Der Witz war ja, dass er wie Batman nur ein Mensch ist, der es trotzdem immer wieder schafft, Übernatürliches oder gar Unmenschliches zu leisten. Diese schabenhafte Resistenz, mit der er das Böse schlechthin verkörperte, wird jetzt zu sehr mystifiziert und in die Nähe von Ra’s al Ghul gerückt.

Doch es gibt auch andere, kleinere Schwächen: Dass am Ende Helden und Schurken Seite an Seite kämpfen, mag zwar ein netter Einfall sein, aber dass Scarecrow und Pinguin mitmachen, zwei nicht gerade besonders starke Typen, ist wohl mehr dem Fan-Service als der Plausibilität geschuldet. Und dass der Joker nicht einfach Batman abknallt oder Alfred dahinmetzelt, als er die Gelegenheit dazu hat, ist auch eher schwer nachvollziehbar. Allerdings muss man Synder zugute halten, dass er seine Charaktere nicht schont. Besonders James Gordon und Alfred müssen wieder leiden. Der Showdown im Finale ist das blutigste und härteste Gemetzel seit Frank Millers The Dark Knight Returns. Ein wenig erinnert es auch daran, aber dass das Schicksal der beiden verblutenden Gegner offen bleibt, gibt dem Ende eine andere Wendung. Denn es zeigt nur erneut, was Batman auch über seine Kämpfe mit Superman feststellt: dass keiner der beiden gewinnen kann.

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Coverwahn #2

DC hat noch mehr Cover für Dark Knight III – The Master Race veröffentlicht. Hauptzeichner Andy Kubert zaubert uns erneut eine noire Sicht auf den Dunklen Ritter als Fassadenkletterer, was vor dem roten Hintergrund besonders cool kommt, Eduardo Risso lässt Batman selbst rot glühen, als Dämon, der sich von einem Gargoyle stürzt. Lee Bermejo setzt auf eine Actionszene mit Robin, ein weiteres Cover von Kubert zeigt Carrie Kelley in Gefangenschaft (ein Ausblick auf Ausgabe #2), Klaus Janson hingegen enttäuscht mit Batman, Superman und Robin im Profil und Halbschatten – lahm. Meine Favoriten kommen von Rafael Albuquerque und Tyler Kirkham. Beide haben (wie schon Jae Lee und Sean Murphy) eine Reminiszenz an The Dark Knight Returns gezeichnet: Bei ersterem verprügelt Batman den Mutantenanführer im Schlammloch, bei letzterem sieht man den Antihelden mit blutigen Fäusten vor seinen Anhängern stehen – der Himmel knallrot. Höchstdramatisch. So haben wir’s gern.

Identity Crisis: Ein Universum sucht einen Mörder

Identity Crisis

DC Comics

Titel: Identity Crisis

Autor/Zeichner: Brad Meltzer/Rags Morales

Erschienen: 2004-2005 (Mini-Serie #1-7, Paperback 2005), dt. Panini 2006 (Paperback)


„It’s the first rule of solving a crime. If you want to know who did it, you need to find out who benefits.“ (Batman)

Ein ungewöhnliches DC-Event. In Identity Crisis geht es nicht um das große Ganze, nicht um böse Mächte aus den Tiefen des Universums, nicht um das Heil der Welt. Nein, der Ansatz ist viel bescheidener: Hier findet das DC-Universum zusammen, um den Mörder einer Frau zu finden. Mehr nicht. Und trotzdem ist es diese Besinnung aufs Wesentliche, die die Stärke dieses Comics ausmacht.

Das Opfer ist Sue Dibny, geliebte Ehefrau von Ralph Dibny, dem Dehnungskünstler Elongated Man (eine Art Plastic Man). Sie wird zu Hause von einem Unbekannten umgebracht und halb verbrannt. Die Erschütterung unter den Helden ist groß: Sue war bei allen beliebt. Doch es geht um mehr: Jemand scheint Jagd auf die Angehörigen der Helden zu machen. Die Kostümträger fürchten, dass ihre Geheimidentitäten aufgedeckt sein könnten und dass ihre Liebsten als nächstes dran sind. Nur wer könnte dahinterstecken? Am Tatort findet sich keine Spur. Da können selbst Superkräfte nur wenig ausrichten.

Doch Identity Crisis ist auch kein gewöhnlicher Krimi. Vielmehr ein Drama um die Kehrseite des Heldentums. Immer mehr Abgründe tun sich auf, wenn man erfährt, was einige Mitglieder getan haben, um ihre wahren Identitäten zu schützen. Es geht um edle Motive, niedere Beweggründe, um das Wegsehen und Weghören, eine Vergewaltigung und kaltblütigen Mord, sowie um Wahnsinn und perfides Kalkül. Am deutlichsten wird aber, dass es unter der Oberfläche nicht um Gerechtigkeit und Solidarität geht, sondern um reinen Eigennutz und Verlustangst. Noch mehr zu verraten, wäre zu viel, denn in jedem Teil passieren neue unerhörte Begebenheiten, die es in sich haben.

Es wird zwar vergleichsweise wenig Action geboten, aber dafür ist die Story so voll von Konflikten und sie werden so wunderbar eindringlich erzählt, die Charaktere sind so plastisch und die Superhelden so menschlich, dass es ein wahrer Genuss ist. Meisterhaft ist die Dramaturgie der Panels, hier wird weniger auf Sensationen und Splash Pages gesetzt als auf das Einfangen zwischenmenschlicher Momente – und sei es auf kleinstem Raum. Autor Brad Meltzer merkt man an, dass er in der Kunst des Thrillers geübt ist – und dieser wortlastige Stil tut der Story sehr gut. Und Zeichner Rags Morales ist mit seinen filigranen Zeichnungen der richtige Mann für die Bilder.

Da kann man auch darüber hinwegsehen, falls die Auflösung am Ende enttäuschen sollte.

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Aushilfe bei der Justice League

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Titel: The Call (Part 1 & 2)

Story/Drehbuch: Alan Burnett, Paul Dini/Hilary J. Bader & Rich Fogel, Stan Berkowitz

Erschienen: 2000 (Batman Beyond S03E10-11)


 „Do whatever it takes. But make sure you stop him.“ (Bruce Wayne)

In der TV-Serie Batman Beyond gibt es nur eine Begegnung zwischen Batman und Superman – und die ist grün wie Kryptonit. Zunächst beginnt es friedlich: Superman sucht Terry McGinnis auf, weil er dessen Hilfe braucht. In der Justice League soll es einen Verräter geben, der es auf den Rest abgesehen hat. Die Liga besteht einem glatzköpfigen Green Lantern-Kind, Warhawk (einer Art Hawkman mit Stahlflügeln), Barda und Aquagirl (Aquamans Tochter). Die sind zunächst nicht gut auf die neue Aushilfe zu sprechen. Am Ende der ersten Folge wird klar, dass Superman selbst sich gegen die Liga verschworen hat – also holt der alte Bruce Wayne das Kryptonit aus dem Giftschrank. In der Festung der Einsamkeit kommt es dann zu einem Wiedersehen mit einem (historisch) sehr alten Feind der Justice League und am Ende heißt es Batman gegen alle …

Im Gegensatz zu den meisten Folgen der dritten Staffel ist diese Doppelfolge (übrigens nur eine von zweien in der gesamten Serie) überdurchschnittlich fesselnd und unterhaltsam geraten. Es war längst überfällig zu erfahren, was die übrigen Helden des Animated-Universums in der Zukunft machen. Superman hat ein neues Kostüm in schwarz-weiß, aber sonst bleibt alles mehr oder weniger beim Alten – vor allem der Konflikt zwischen Superman und Bruce Wayne. Nicht nur, dass Wayne seinem alten Mitstreiter nicht mal die Hand reicht, er hat auch keine Skrupel, ihn mit der drastischsten Maßnahme auszuschalten. Leider kommt es aber nicht zu einem Kampf zwischen dem neuen Batman und Superman; der Kryptonier knickt einfach nur ein, als Terry einen grünen Splitter hervorholt. Später kämpfen sie gemeinsam gegen den Rest der Liga. Das ist spannend genug.

Ebenfalls positiv zu erwähnen ist, dass The Call nicht ganz losgelöst von der Vergangenheit funktioniert, sondern sich auch auf die Superman-Doppelfolge The Main Man (S01E09-10, 1996) bezieht. Damit schlägt die Folge eine Brücke zwischen der Batman- und der Superman-Serie.

Hush: Harte Bandagen

DC Comics

DC Comics

Titel: Hush

Autor/Zeichner: Jeph Loeb/Jim Lee

Erschienen: 2002-2003 (Batman #608-619), Paperback 2003 (zwei Bände), 2009 (ein Band), dt. Panini 2006 (zwei Bände), Eaglemoss DC Graphic Novel Collection 2015 (zwei Bände)


„You gotta be able to think like your opponent.“ (Thomas Elliot)

Killer Croc entführt einen Jungen. Bei der Lösegeldübergabe kommt Batman dazwischen. Catwoman macht sich mit dem Geld davon, Batman verfolgt sie, dabei wird sein Seil durchschnitten, er stürzt und wird dabei schwer am Kopf verletzt. Der Chirurg Dr. Thomas Elliot – ein alter Jugendfreund – flickt Bruce Wayne wieder zusammen . Doch als es wieder zum Kontakt zum genesenden Bruce kommt, wird „Tommy“ vom Joker erschossen. Batman gerät mal wieder in Versuchung, kurzen Prozess zu machen und seinen Erzfeind abzumurksen. Und das sind nicht die einzigen seltsamen Begebenheiten. Ein Unbekannter hat es auf Batman abgesehen. Aber wer? Und warum?

Lauter unerhörte Ereignisse passieren in Hush, einer der beliebtesten Batman-Storys des neuen Jahrhunderts. Autor Jeph Loeb setzt damit sein bewährtes Rezept fort, das er mit seinen 90er-Jahre-Epen mit Tim Sale etabliert hat: The Long Halloween und Dark Victory. Hier wie da wird eine Detektivgeschichte in rund einem Dutzend Kapiteln erzählt, die einmal durch die Rogues Gallery jagt. Bei Hush sind es neben Joker, Harley Quinn und Killer Croc auch Poison Ivy, Two-Face, Ra’s al Ghul, Riddler, Scarecrow und Clayface. Außerdem treten Helden wie Robin, Nightwing, Orakel, Huntress und Superman auf. Eine wichtige Rolle spielt außerdem Catwoman: Endlich kommt es zu einer intimen Annäherung mit Batman und zu einer Offenbarung. Eine Begegnung zwischen Batman und Superman wird weniger kuschelig – was will man mehr?

Mit diesem riesigen Personal bietet Loeb ein furioses Feuerwerk an bester Unterhaltung und Abwechslung. Es ist eine typische Story, die Fanherzen höher schlagen lässt, weil alles da ist, was sie begehren. Für alte Leser werden einige interessante Überraschungen geboten, vor allem eine, die mit einem Robin zusammenhängt und hier nicht verraten werden soll. Hinzu kommt noch, dass die Geschichte so erzählt ist, dass man auch als Neuling leicht einsteigen kann. Alle Hintergründe werden zu Genüge erklärt, sogar einige Male zu oft (vor allem den Mord an den Waynes – gähn). Loeb beweist sich erneut als erstklassiger Erzähler.

Mindestens so wichtig wie die furiose und spektakelgeladene Story sind die Zeichnungen des anderen J.L., Jim Lee. Im Gegensatz zu Tim Sale, der sich in seinen Panels auf das Wichtigste beschränkt, ist Jim Lee ein detailversessener Perfektionist. Und damit all die Details auch gut zu sehen sind, verzichtet er weitgehend auf Schatten, sodass Gotham, seine Helden und Schurken, bei ihm hell erstrahlen. Die knalligen Farben tragen dazu, dass das Lesen zu einer Augenweide wird. Seine Helden strotzen vor Kraft, seine Frauen sin voller Anmut, die Posen überaus dynamisch. Kurz: Jede Seite ist zu schön, zum Umblättern. Besonders die Rückblenden hinterlassen Eindruck. Denn die sind monochrom und (wie) mit Wasserfarben koloriert. Das verleiht den Panels eine besondere Aura von Kunst.

Bei aller Gefälligkeit gibt es dennoch einige Kritikpunkte: Der größte ist wohl die Plausibilität. Die Auflösung hinkt, die Motivation des mumienhaft bandagierten Schurken Hush leuchtet ebenso wenig ein wie der ganze Aufwand, den er betreibt, um Batman fertig zu machen. Das ginge auch einfacher, aber dann gäbe es ja die Story nicht. Trotzdem hätte man das eleganter lösen können. Und dann gibt es noch einige kleinere Plot Holes. Dass James Gordon gleich zwei Mal als deus ex machina herhalten muss, indem er aus dem Nichts auftaucht, um Batman zu retten, ist auch ein wenig plump.

Aber egal. Das sollte nicht das Gesamtvergnügen trüben. Hush hat Größe, Hush macht Spaß, Hush sollte man gelesen haben.

(Die Story wird fortgesetzt in Hush Returns, Heart of Hush, Hush Money und The House of Hush. Außerdem gibt es im Universum von Batman Beyond noch Hush Beyond.)

>> Batman 2000-2011

Titanenkämpfe

Batman #612 (DC Comics)

Batman #612 (DC Comics)

Im März 2016 kommt es im Kino zum Kampf des Jahres: Batman v Superman. Um die Stimmung bei den Fans anzuheizen, bringt DC schon am 2. Dezember ein 160-Seiten-Comic heraus, in dem „einige der unglaublichsten und denkwürdigsten Zusammentreffen“ der Helden versammelt werden sollen. Nun ist das Inhaltsverzeichnis erschienen – und es ist enttäuschend:
  • The Dark Knight Returns #4: Der Klassiker von Frank Miller, den jeder Batman-Fan ohnehin gesammelt im Regal stehen hat. (Erscheint im Oktober in einer Deluxe-Edition mit Teil 2.)
  • Batman #612: Kapitel fünf aus Hush von Jeph Loeb und Jim Lee (2002-2003).
  • Batman #35-36: Zwei Kapitel aus Endgame (2015, Snyder/Capullo), das bereits im Oktober gesammelt als Hardcover erscheint.
  • Superman/Batman #32 (2007): „The Enemies Among Us“ (Part V of VI)
  • Superman/Batman #78 (2011): „Who Would Win?“
  • Justice League #2 (2011): Eine Sinnlosigkeit aus dem neuen Justice League-Origin, in dem ohnehin jeder gegen jeden kämpft.

Man kann sich diesen Band also getrost sparen, wenn man sich ohnehin nur für ganze Storys interessiert (und sie ohnehin schon besitzt). Er ist eher ein Anreiz für neue Leser, die einfach nur sehen wollen, wie sich zwei Titanen kloppen. Aber die Anthologie hat noch eine andere Daseinsberechtigung (abgesehen von der Werbung für den Film). In gewisser Weise ergänzt sie den Band Superman/Batman: The Greatest Stories Ever Told (2007), der seinen Wert hat, weil er vor allem frühere Begegnungen versammelt:

  • Superman #76: Das allererste Treffen von 1952.
  • World’s Finest Comics #142, 159, 176, 207 (1957, 1964, 1966, 1968, 1971)
  • Man of Steel #3 (1986): Ein (ziemlich dummes) Kapitel aus dem (ziemlich lahmen) Superman-Origin nach Crisis.
  • Batman & Superman: World’s Finest #7 (1999): Ein Kapitel aus der Mini- bzw. Maxi-Serie.
  • Superman/Batman Secret Files (2003)
  • Superman/Batman Annual #1 (2006)
Wer sich vor allem für die Anfangszeit des Team-Ups in den 50ern interessiert, dem sei World’s Finest Archives Vol. 1 empfohlen, das auf deutsch auch bei Panini erschienen ist. Von Januar bis März werde ich in einer Reihe einige der Treffen zwischen Batman und Superman besprechen, darunter werden auch Episoden von Animationsserien sein.

Heldennostalgie

Titel: DC – The New Frontier (dt. Neue Horizonte)

Autor/Zeichner: Darwyn Cooke

Erschienen: 2004 (Mini-Serie #1-6, Paperback 2004-2005, Absolute Edition 2006, Deluxe Edition 2015), dt. Panini 2005-2006 (DC Premium Bd. 40-41)


„Mankind needs a new road to travel, carved by the heroes of tomorrow.“ (Phantom Stranger)

Die USA der 50er Jahre stecken außenpolitisch im Kalten Krieg, innenpolitisch betreiben sie eine Hexenjagd gegen Kommunisten, Superhelden sind per Gesetz verboten – es sei denn sie arbeiten für den Staat. Wie Superman und Wonder Woman, die beim Konflikt in Indochina aufräumen. Doch die meisten anderen sind im Ruhestand – außer natürlich Batman, der als Outlaw weitermacht und sich dabei auch nicht von Superman stoppen lässt. Und dann ist da noch Barry Allen, der zum Flash wird. Und der Marsianer J’onn J’onzz, der in Gotham als Polizist John Jones arbeitet. Und vor allem der Pilot Hal Jordan, der nach einem traumatischen Kriegseinsatz in Korea in ein Raumfahrtprojekt zum Mars eingespannt wird und nebenbei zur Green Lantern wird. Und was hat eigentlich eine Insel voller Dinosaurier damit zu tun?

Autor und Zeichner Darwyn Cooke (Batman: Ego) wollte mit DC: The New Frontier gleich mehreres erreichen: Superhelden in der Realität verorten, eine Brücke zwischen Golden Age und Silver Age schlagen und den Zeitgeist der 50er Jahre heraufbeschwören. Immerhin letzteres ist ihm gelungen. Wenn das Buch etwas geworden ist, dann konzentrierte Nostalgie. Auch die Zeichnungen des ehemaligen Storyboard-Zeichners für die Batman- und Superman-Animated-Serien sind voller Ausdruckskraft und Dynamik und vereinen das Beste von Bruce Timm und Jack Kirby. Cooke hat ein gutes Gespür für das Erzählen mit Bildern, auch wagt er einige kleine Experimente. Aber seine Geschichte, die sich über 400 Seiten erstreckt, scheitert an ihrer Ambition. Cooke will einfach zu viel. Dass er sich bei Werken wie Watchmen und The Dark Knight Returns bedient, ist dabei nur das geringste Problem.

Patriotismus und Heldenverehrung

Die vielen Schauplätze und Figuren führen dazu, dass in der ersten Hälfte kein roter Faden erkennbar ist und es auch lange Zeit keinen Helden der Geschichte gibt, sondern bloß viele, zu viele Helden, die sprunghaft in kurzen Episoden behandelt werden. Selbst Hal Jordan, der eigentliche Protagonist, geht in der Fülle unter. Klassische Helden wie Superman und Wonder Woman spielen keine große Rolle, selbst Batman nicht, auch wenn er zwei verschiedene Kostüme und sogar einen Robin zur Seite gestellt bekommt. Im Grunde ist The New Frontier nur am Rande eine Superhelden-Story. Vielmehr geht es um die Menschen, also die Wissenschaftler, Soldaten und Reporter. Cooke will in seiner Geschichte darauf hinaus, dass sich Menschen und Superhelden auf Augenhöhe begegnen: die tapferen Soldaten in ihren Uniformen und die Superhelden in ihren Kostümen und Masken. Jeder dient seinem Land auf seine Weise usw. Aber diese Botschaft, die von viel amerikanischem Pathos aufgetragen wird, erdrückt die Handlung erst recht. Auf dem Höhepunkt darf Superman seitenlang eine Ansprache im Independence Day-Stil halten, am Ende hat John F. Kennedy das letzte Wort mit einer weiteren ermüdenden Rede. Und dann gibt es noch die unsägliche Heldenverehrung, die auf den Splash Pages zum Teil an Propaganda-Plakate erinnert.

Um auch noch das Thema Rassismus mitzunehmen, wird die Figur des maskierten, hammerschwingenden Rächers John Henry eingeführt, allerdings ohne dass der Held relevant für die Handlung wäre. Diese Binnenerzählung funktioniert in etwa wie Tales of the Black Freighter in Watchmen, allerdings wirkt sie wie zu viel des Guten. Genauso wie die obligatorische Sequenz mit Spectre, Dr. Fate und Phantom Stranger, die wie üblich von oben herab über das Schicksal der Menschheit räsonnieren.

Superhelden in der Realität?

Auch das Konzept, den Helden einen Platz in der Zeitgeschichte zu geben, geht nicht auf. Die Botschaft „neue Zeiten brauchen neue Helden“ sagt weder etwas über die Realität aus, noch bereichert sie das Superheldencomic. Wenn am Ende alle zusammen gegen eine abstrakte Mega-Gefahr kämpfen, die aussieht wie ein riesiger Kuhfladen und die einem Spacetrips mit Selbsterkenntnis beschert wie in 2001: Odyssee im Weltraum, ist der Erkenntnisgewinn mager – sowohl für das Verständnis der Historie als auch der Gegenwart. Es rechtfertigt nicht die Paranoia des Kalten Krieges gegenüber dem Fremden und es erklärt nicht die Rolle von Superhelden. Wie jeder Versuch, Superhelden und Realismus miteinander zu verbinden, scheitert dieser Ansatz. Und er funktioniert nicht annähernd so gut wie seine Vorbilder.

The New Frontier ist zwar mit Lob und Preisen überschüttet worden, für mich (einem großen Darwyn Cooke-Fan) war es eine bittere Enttäuschung. Immerhin ist die aufwendige Deluxe Edition sehr schön aufgemacht und bietet viele hübsch anzusehende und informative Extra-Seiten. In einem gesonderten Special – ebenfalls in der Ausgabe enthalten – wird der Kampf zwischen Batman und Superman nachgetragen. Die Episode gehört noch zu den besten, auch wenn sie zu stark bei The Dark Knight Retuns abgeguckt ist. Denn immerhin nimmt sie eine überraschende Wendung. Und vielleicht nimmt sie vorweg, welche Rolle Wonder Woman im Film Batman v Superman spielen könnte …

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Der blutige Pfad der Götter

Warner Bros.

Warner Bros.

Titel: Justice League Gods and Monsters

Drehbuch: Alan Burnett, Bruce Timm

Erschienen: 2015 (Direct-to-Video)


„Technically we’re not the police.“ (Batman)

Es beginnt mit einem Fingertippen, aber er hat das Ausmaß einer Vergewaltigung: Kurz vor der Zerstörung Kryptons, bevor Jor-El seine DNA mit der seiner Frau verschmelzen kann, kommt General Zod dazwischen, der Mann, der für die Katastrophe verantwortlich ist, und schickt sein Erbgut auf die Reise zur Erde. Jahre später wird daraus ein anderer Superman: mit Bart und Ledermantel, überheblich und ohne Skrupel vor dem Leben. Zusammen mit dem Vampir Batman und Wonder Woman (Bekka von den New Gods) bildet er eine alternative, düstere Justice League. Die drei operieren als Eingreiftruppe, die über Leichen geht. Deshalb wird sie von den Menschen kritisiert und gefürchtet. Es stellt sich die Frage, ob sie Segen oder Fluch, Rettung oder Bedrohung sind.

Mit dieser radikalen Neukonzeption ist Justice League: Gods and Monsters ein ambitionierter, weil ernsthafter Animationsfilm mit zwiespältigen Charakteren. Schnell wird klar, dass hier trotz des Zeichentrickstils keine Gutenachtgeschichte für Kinder erzählt wird. Diese Helden metzeln und stechen ab, beißen und saugen Blut, verbrennen ihre Opfer bei lebendigem Leib. Moral ist ihnen ebenso egal wie der Hass der Leute. Doch dann tauchen plötzlich drei Roboter auf, die Wissenschaftler wie Ray Palmer, Victor Fries und Silas Stone töten und es so aussehen lassen, als wäre die Justice League dafür verantwortlich. Als auch Lex Luthor ermordet wird, wendet sich die Regierung der USA gegen ihre Helden …

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Pantheon und Pandämonium

Titel: Justice League: Gods and Monsters – Genesis

Autor/Zeichner: J.M. DeMatteis, Bruce Timm/Thony Silas

Erschienen: 2015 (Mini-Serie #1-9, digital)


„Monsters aren’t born, they’re made.“

„They’re a disease. And, God help us … we need to find a cure.“

Seit Superman, Batman und Wonder Woman aufgetaucht sind, hat sich die Welt verändert: Skrupellose Übermenschen, die selbstgerecht gegen Kriminelle vorgehen und die mit ihren Blicken einäschern oder ihr Blut trinken – die Menschheit ist verunsichert. In dieser Zeit verkündet der Wissenschaftler Jackson Alpert einen Durchbruch: er hat es in seiner Schweizer Forschungsstation geschafft, aus Menschen zu Übermenschen zu machen: die Forever People. Sein Ziel ist es, die ganze Welt von Krankheit, Tod und Leid zu befreien, leider zu einem hohen Preis. Und dabei versucht er, die drei Superhelden für sich zu gewinnen.

Erst sind sie skeptisch, doch dann entdeckt jeder einen anderen Reiz für sich: Wonder Woman (Bekka) sieht eine Chance für den Weltfrieden. Batman (Kirk Langstrom) will seinen Vampirismus loswerden. Bei Superman (Hernan) kratzen die Übermenschen am Ego: er kann sich nicht mehr als das mächtigste Wesen auf der Welt fühlen. Also unterzieht er sich einer Prozedur, um seine Kräfte noch zu steigern. Doch dadurch wird vieles nur noch schlimmer. Im weiteren Verlauf gibt es nicht nur eine ganze Armee von Supermenschen, die untereinander Krieg führen, sondern auch Alpert wird schließlich zu einem scheinbar unbesiegbaren Über-Gegner.

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