Der blutige Pfad der Götter

Warner Bros.

Warner Bros.

Titel: Justice League Gods and Monsters

Drehbuch: Alan Burnett, Bruce Timm

Erschienen: 2015 (Direct-to-Video)


„Technically we’re not the police.“ (Batman)

Es beginnt mit einem Fingertippen, aber er hat das Ausmaß einer Vergewaltigung: Kurz vor der Zerstörung Kryptons, bevor Jor-El seine DNA mit der seiner Frau verschmelzen kann, kommt General Zod dazwischen, der Mann, der für die Katastrophe verantwortlich ist, und schickt sein Erbgut auf die Reise zur Erde. Jahre später wird daraus ein anderer Superman: mit Bart und Ledermantel, überheblich und ohne Skrupel vor dem Leben. Zusammen mit dem Vampir Batman und Wonder Woman (Bekka von den New Gods) bildet er eine alternative, düstere Justice League. Die drei operieren als Eingreiftruppe, die über Leichen geht. Deshalb wird sie von den Menschen kritisiert und gefürchtet. Es stellt sich die Frage, ob sie Segen oder Fluch, Rettung oder Bedrohung sind.

Mit dieser radikalen Neukonzeption ist Justice League: Gods and Monsters ein ambitionierter, weil ernsthafter Animationsfilm mit zwiespältigen Charakteren. Schnell wird klar, dass hier trotz des Zeichentrickstils keine Gutenachtgeschichte für Kinder erzählt wird. Diese Helden metzeln und stechen ab, beißen und saugen Blut, verbrennen ihre Opfer bei lebendigem Leib. Moral ist ihnen ebenso egal wie der Hass der Leute. Doch dann tauchen plötzlich drei Roboter auf, die Wissenschaftler wie Ray Palmer, Victor Fries und Silas Stone töten und es so aussehen lassen, als wäre die Justice League dafür verantwortlich. Als auch Lex Luthor ermordet wird, wendet sich die Regierung der USA gegen ihre Helden …

Die Autoren schaffen es, altbekannte Figuren in einem neuen Licht erscheinen zu lassen, indem die Rollen verschoben werden. Nicht nur die Helden bekommen eine interessante Hintergründe, die bereits in den Comic-Prequels eingeführt wurden und hier sinnvoll ergänzt werden. Auch andere Charaktere profitieren: Lex Luthor ist ein Wissenschaftler, der nicht nach Macht, sondern nach Erkenntnis strebt, Amanda Waller (sonst die Chefin des Suicide Squad) ist Präsidentin der USA und selbst die sonst so öden New Gods bekommen etwas Verruchtes. Von solchen Überraschungsmomenten lebt der Film, genauso von den pointierten Dialogen, die um Zweideutigkeiten nicht verlegen sind. Aber auch das Übermaß an Gewalt, das so noch in keinem DC-Animationsfilm zu sehen war, ist ein neuer Aspekt, der nicht nur kühn sondern auch seinen Zweck erfüllt. Indem der Film die Brutalität weder verschleiert, noch beschönigt, noch verherrlicht, zeigt der Film Gewalt als das, was sie ist: ein Übel mit schlimmen Folgen. Ob es ein notwendiges ist, muss der Zuschauer entscheiden.

Dass die Auflösung des Komplotts am Ende keinen aufmerksamen Zuschauer überraschen wird, sei da verziehen. Ebenso wie der ohnehin klassische Superhelden-Plot. Die Autoren Alan Burnett und Bruce Timm, die bereits für die legendäre Batman-Animated-Serie verantwortlich waren, haben es geschafft, genug neue Ansätze zu liefern, die selbst routinierte Fans 70 Minuten lang gut bei Laune halten. So viel Originalität war zuletzt selten, weil DC und Warner lieber Comics verfilmt oder uninspirierte Drehbücher realisiert haben.

Für nächstes Jahr wurde eine zweite Staffel der Serie Justice League Gods and Monsters Chronicles mit zehn Episoden angekündigt. Das gibt allen Grund zur Vorfreude.

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