Pantheon und Pandämonium

Titel: Justice League: Gods and Monsters – Genesis

Autor/Zeichner: J.M. DeMatteis, Bruce Timm/Thony Silas

Erschienen: 2015 (Mini-Serie #1-9, digital)


„Monsters aren’t born, they’re made.“

„They’re a disease. And, God help us … we need to find a cure.“

Seit Superman, Batman und Wonder Woman aufgetaucht sind, hat sich die Welt verändert: Skrupellose Übermenschen, die selbstgerecht gegen Kriminelle vorgehen und die mit ihren Blicken einäschern oder ihr Blut trinken – die Menschheit ist verunsichert. In dieser Zeit verkündet der Wissenschaftler Jackson Alpert einen Durchbruch: er hat es in seiner Schweizer Forschungsstation geschafft, aus Menschen zu Übermenschen zu machen: die Forever People. Sein Ziel ist es, die ganze Welt von Krankheit, Tod und Leid zu befreien, leider zu einem hohen Preis. Und dabei versucht er, die drei Superhelden für sich zu gewinnen.

Erst sind sie skeptisch, doch dann entdeckt jeder einen anderen Reiz für sich: Wonder Woman (Bekka) sieht eine Chance für den Weltfrieden. Batman (Kirk Langstrom) will seinen Vampirismus loswerden. Bei Superman (Hernan) kratzen die Übermenschen am Ego: er kann sich nicht mehr als das mächtigste Wesen auf der Welt fühlen. Also unterzieht er sich einer Prozedur, um seine Kräfte noch zu steigern. Doch dadurch wird vieles nur noch schlimmer. Im weiteren Verlauf gibt es nicht nur eine ganze Armee von Supermenschen, die untereinander Krieg führen, sondern auch Alpert wird schließlich zu einem scheinbar unbesiegbaren Über-Gegner.

Das neunteilige Comic-Prequel zum Film erklärt zwar, wie die drei Helden zum ersten Mal miteinander kämpfen und zur Justice League in diesem alternativen Universum werden, aber leider wird ausgespart, wie sie sich das erste Mal begegnen. Dadurch entsteht eine klaffende Lücke zwischen den Origins und dieser Story. Allein in den Dialogen wird deutlich, dass sich Batman und Superman schon kennen und Wonder Woman mit Superman einmal eine Affäre in Griechenland hatte (na klar, wo sonst?). Bekka ist danach allerdings nicht mehr so gut auf Hernan zu sprechen, es kommt zu einigen Keilereien, bei der ganz nebenbei auch Stonehenge zerlegt wird (ohne, dass das jemanden kümmert, ein Kulturdenkmal vernichtet zu haben). Superman ist ein Macho, Wonder Woman revanchiert sich, indem sie ihn als ihr Sex-Spielzeug bezeichnet. Und auch Batman schlägt ziemlich über die Stränge, wenn er einen alten Mann, der kein Krimineller ist, beim Verhör kräftig durch die Gegend wirft.

Von solchen Konflikten lebt die Story einerseits, andererseits von der Grundfrage, ob Superman, Batman und Wonder Woman nützliche Helden, verehrenswerte Götter oder bloß gefährliche Monster sind. Lois Lane, die größte Kritikerin und Erzählerin der Story, urteilt einmal: „this Superman was more of a danger to humanity than the bloodthirsty lunatics he killed. Because one day he’d get tired of playing the hero. One day he’d turn on us all.“ Ihnen wird vorgeworfen, nicht aus edlen Motiven zu handeln, sondern bloß aus Selbsterhalt, weil sie bloß ausmerzen, was ihre Macht bedroht. Bis zum Schluss bleibt die gegenseitige Skepsis zwischen Menschen und Helden erhalten, auch am Ende wissen die Helden selbst nicht, welche Rolle sie einnehmen sollen.

Das ist der interessanteste Aspekt in dieser sonst etwas zu überfüllten Geschichte, in der es zu viele Gegner gibt und in der die meisten Konflikte mit roher Gewalt ausgetragen werden, was auf Dauer etwas ermüdet. Es ist ein klassischer Mad-Scientist-schafft-Übermenschen-Plot. Die Zeichnungen haben zwar eine starke Dynamik, aber sind künstlerisch gesehen eher durchschnittlich – kein Vergleich zum grandiosen Auftakt mit Batman. Im Rückblick auf alle 18 Episoden sind die Prequel-Comics ein durchwachsenes Vergnügen. Wonder Woman enttäuschte, der Abschluss ist okay geworden. Wie sich alles zusammenfügt, werden wir im Spielfilm sehen, der zwar erst am 27. Juli auf DVD und Blu-ray erscheint, aber schon jetzt in den USA als Download verfügbar ist. Ein Veröffentlichungstermin für Deutschland steht noch nicht fest.

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