Die Leiden des jungen Wayne

DC Comics

DC Comics

Titel: Legends of the Dark Knight Vol. 4

Autor/Zeichner: diverse

Erschienen: 2014 (Legends of the Dark Knight 100-Page Super Spectacular #2-4, Paperback 2015)


„Should have taken that position with that nice Cobblepot family.“ (Alfred Pennyworth)

Es ist ein Running Gag, der eigentlich nicht mehr witzig ist, aber immer noch zum Batman-Mythos dazugehört: Während James Gordon noch spricht, haut Batman einfach ab – einfach so, ohne ein Wort und ohne Spuren. Manchmal sagt Gordon dann: „Wie macht er das bloß?“ oder „I Hate It When He Does That“, so der Titel der ersten Story aus dem vierten Legends-Band. Hier fragt Gordon: „Where did he learn that?“ Und daraufhin erfahren wir die Vorgeschichte. Ein junger Bruce ist mit Alfred in Thailand unterwegs, wo er einer jungen Einheimischen begegnet. Sie wird vom örtlichen Regime verfolgt, weil ihr Vater ein Aufständischer ist. Nachdem er ihr zum ersten Mal begegnet und sie ihn – im Nichts verschwindend – stehen lässt, verliebt er sich in sie und jagt ihr nach. Am Ende verrät sie zwar ihm das Geheimnis, aber leider nicht den Lesern …

Dies ist nicht die einzige Anekdote aus Batmans Jugend im vierten Band der Legends. Es gibt auch eine in der Mitte und am Ende. Die letzte Story – The Echo of Pearls – verfolgt einen ungewöhnlichen Ansatz: Sie erzählt die Entstehung von Batman aus der Sicht der Höhle. Der Sturz des jungen Bruce hinein wird als der erste Einfall von Licht in die Finsternis beschrieben (Achtung: Symbol!), später sucht der Junge in der Höhle Trost nach dem Elternmord, schließlich – nach langer Abwesenheit – schickt ihm die Höhle eines ihrer Kinder nach Bruce aus, nämlich die Fledermaus, die durch sein Fenster kracht und ihn auf die Idee für Batman bringt. Damit dürfte das letzte Rätsel um Batman geklärt sein. Zum Schluss beschreibt die Höhle Batman als ihren Jungen, der bloß spielt und sein Hauptquartier mit Spielzeug vollstellt – eine wunderbare Wendung zwischen Selbstironie und Psychoanalyse.

Die dritte Episode aus dem Leiden des jungen Bruce (The Pain Cellar/Arm Candy/Reporter’s Notebook) ist weniger gelungen: Als Junge hat er erlebt, wie sein Freund Marco entführt wurde. Bruce fand ihn in einem Versteck, wollte Hilfe holen, doch als er zurückkam, war Marco verschwunden. Jahre später rächt sich der Freund an Bruce, was nicht nur von Undankbarkeit zeugt, sondern keinen Sinn ergibt.

Drei weitere Geschichten sind eher mäßig: Einmal Riddler, einmal Two-Face, einmal Clayface. Immerhin ist jede davon ganz ordentlich gezeichnet, jede in einem ganz eigenen Stil: mal stimmungsvoll-noiresk (Dennis Calero), mal sehr unruhig und expressiv (Jason Shawn Alexander), dann wieder sehr glatt, aber handwerklich erstklassig (Shane Davis). Bei der Clayface-Story, die einige Gastauftritte birgt, wird sogar ein überraschendes Ende geboten.

Absoluter Tiefpunkt des Bandes ist die Story Elements of Crime vom Autor-Urgestein Mike M. Barr. Sie sollte wohl eine Art Hommage an die Batman-TV-Serie der 60er sein, ist damit aber katastrophal gescheitert. Die Dialoge, Situationen und Pseudo-Ratespielchen sind zwar genauso absurd bis dämlich, aber der Stil ist insgesamt nicht überzeichnet genug, um so zu funktionieren wie die Serie. Statt Lachern wird da bloß Lächerlichkeit produziert. Zudem ist die Story viel zu lang, sodass es eine regelrechte Qual ist, sich das anzutun. So etwas Furchtbares habe ich seit Through the Looking Glass nicht mehr gelesen.

Und wieder bleibt ein zwiespältiger Gesamteindruck zurück. Aber auch wenn das Meiste bei den Legends mäßig bis mies ist: Die Perlen entschädigen stets aufs Neue und motivieren, an der Reihe dranzubleiben.

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