Scarecrow

Der seltsame Fall des Jonathan Crane

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DC Comics

Titel: The Riddle of the Human Scarecrow

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane, Jerry Robinson

Erschienen: 1941 (World’s Finest Comics #3)


„Poor Crane! He looks like a scarecro in those clothes – he certainly is a queer fellow“

Oft ist es ein Ereignis aus der Kindheit, das bestimmt, wie sich ein Mensch entwickelt. Jonathan Crane hat schon als Kind schon gerne Vögel aufgescheucht. Und so fasziniert ihn noch als Erwachsener die Angst so sehr, dass er sie als Psychologe erforscht und bei seinen Vorlesungen seinen Studenten einen Schrecken einjagt, indem er sinnlos mit einer Pistole herumballert. Das kostet ihn dann bald darauf den Job. Aber das macht nichts, denn schon zuvor hat er einen anderen Weg gefunden, wie man bequem Geld verdienen kann: indem er als Vogelscheuche verkleidet anderen Leuten Angst einjagt.

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Jonathan Cranes zweifelhafte Angst-Vorlesung. (DC Comics)

Crane sucht einen Geschäftsmann auf und bietet ihm für ein Honorar seine Dienste an: Als Scarecrow will Crane seinen Rivalen, der ihn vor Gericht verklagt, so sehr zu erschrecken, dass dieser daraufhin die Klage fallen lässt. Warum er nicht einfach den ersten erpresst, ist wohl ein Teil des Rätsels um diesen seltsamen Fall bleiben. Doch auch der umständliche Plan bleibt zunächst erfolglos, weil das Opfer sich nicht einschüchtern lässt. Crane muss mit Gewalt nachhelfen – und wird zum Mörder. Macht nix, denn er bekommt, was er will: Geld. Und damit kauft er sich Bücher, noch mehr als er ohnehin schon hat.

Jonathan Crane muss man nicht verstehen, aber er bietet viel Potenzial dazu: denn es ist die tragische Geschichte eines Nerds, der in abgewetzten Klamotten herumläuft, weil er lieber sein ganzes Geld in Bücher investiert. Und damit wird er zur Identifikationsfigur für die Außenseiter und Comicsammler, denen es ähnlich gehen dürfte. Hätte  man bloß den Respekt, von anderen gefürchtet zu werden, hätte man bloß die Kohle, um sich alles zu kaufen, was einem noch fehlt … Crane aber übertreibt es: er protzt mit seinem Swag. Und er kriegt den Hals nicht voll, er stiehlt sogar Bücher, obwohl er es nicht nötig hätte. Das wird ihm zum Verhängnis.

Batman und Robin kommen ihm auf die Spur. Obwohl sie mit vereinten Kräften auf ihn losgehen, gibt ihnen Scarecrow ordentlich was zu tun. Dünne Typen kämpfen, wie wir seit Tyler Durden wissen, bis sie Ragout sind. Und auch Batman muss am Ende gestehen: „He certainly gave me the fight of my career“. Da weiß der Held aber noch nicht, dass ihm der größte Kampf noch bevorsteht, nämlich der gegen seine eigenen Ängste, wenn Scarecrow sein Angstgas auf ihn loslässt. Aber das ist eine andere Geschichte.

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Alter schützt vor Torheit nicht

DC Comics

DC Comics

Titel: Dark Knight Dynasty

Autor/Zeichner: Mike W. Barr/Scott Hampton, Gary Frank, Scott McDaniel

Erschienen: 1997 (One-shot)


„I win again. But then, I always do.“ (Vandal Savage)

2300 Jahre Waynes, drei Generationen von Batmen: als Kreuzritter im Mittelalter, als Dunkler Ritter in der Gegenwart, als High-Tech-Kriegerin in ferner Zukunft. Und alle drei müssen sich mit Vandal Savage rumschlagen, jenem unsterblichen Schurken, der einem mysteriösen Meteorit nachjagt. Dafür tötet er sogar Bruce Waynes Eltern. Wozu der ganze Ärger, das erfährt man erst am Ende: auch der Böse hat einfach nur das grundmenschliche Bedürfnis zu wissen, was ihn zu dem gemacht hat, das er ist. Der Aufwand wirkt dann doch etwas übertrieben, vor allem gegen Ende, wenn er einen ganzen Kult um sich begründet. Gastauftritte haben eine Art Catwoman des Mittelalters und eine weibliche Scarecrow, Scarecrown genannt.

Dass sein hohes Alter Vandal Savage aber nicht unbedingt weiser macht, zeigt auch ein Plot-Element, das immer wiederkehrt: In jedem der drei Kapitel lässt er den Helden in einer Todesfalle zurück und lässt ihm damit jedesmal die Gelegenheit zur Flucht – im zweiten Kapitel sogar zweimal. Okay, das ist nicht unbedingt ein Klischee mehr, es ist einfach ein Topos von Heldengeschichten. Aber gleich viermal den gleichen Fehler zu begehen, lässt dann doch am Verstand des angeblich superschlauen Superschurken zweifeln und wird zum Running Gag, der die Story unfreiwilligen komisch macht. Noch lächerlicher ist nur noch ein Affe, der in der Zukunft zu Robin wird (warum nur, warum?).

Visuell macht Dark Knight Dynasty wenigstens zu zwei Dritteln etwas her: Die gemalten Seiten von Scott Hampton (Night Cries) im Mittelalter-Teil und die von Gary Franks (Batman: Earth One, Superman: Secret Origin) Gegenwarts-Teil sind wahre Hingucker. Dagegen ist das Finale von Scott McDaniel und Bill Sienkiewicz nicht nur sperrig gezeichnet, sondern lässt auch schwer der Handlung folgen.

Insgesamt ist Dark Knight Dynasty zwar episch angelegt, aber kann seinen Anspruch nicht ganz erfüllen, weil es dann doch bloß in Banalitäten abdriftet.

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics

Frauentausch nach Gedächtnisverlust

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman/Superman Vol. 3: Second Chance (dt. Verlorene Helden)

Autor/Zeichner: Greg Pak, Jeff Lemire/Jae Lee u.a.

Erschienen: 2014 (Batman/Superman #10, 12-15, Paperback 2015) dt. Panini 2015 (Batman/Superman Bd. 4)


„Genau darum bleib ich in Gotham.“ (Batman)

Machen wir’s kurz: Batman und Superman verlieren ihr Gedächtnis. Batman bandelt mit Lois Lane an, Superman mit Catwoman. Bruce Wayne entdeckt die Vorzüge des Reichtums, der High Society und entwickelt Spaß am Imponiergehabe. Zusammen geht man gegen den Schurken Mangubat vor, zwischendrin sorgt auch Scarecrow für Ärger. Die Story lebt mehr von dem Frauentausch und dem Out-of-Character-Aspekt als vom Kampf.

Ein Highlight: Lois Lane wird kurz zu Batgirl. Das ergibt zwar keinen Sinn und erfüllt keine Funktion, aber als Fan Service wird der schiere Anblick schon einige Leser erfreuen. Das Gleiche gilt für die wie immer beeindruckend gezeichneten Seiten von Jae Lee.

Batman/Superman Bd. 4 (Panini)

Batman/Superman Bd. 4 (Panini)

Leider stammen nicht alle Seiten dieses Bandes von ihm. Und leider gibt es da noch mehr an Geschichten: Superman und Atom reisen in Batmans Gehirn, Superman und Batman unternehmen eine folgenlose Reise nach Erde 2, was an ihre erste Begegnung anknüpft (Batman/Superman Vol. 1), aber kaum Mehrwert hat.

Eine weitere entbehrliche Fortsetzung der Serie der Belanglosigkeit.

>> World’s Finest Comics

Batman & Robin Eternal 1: Trauma auf Bestellung

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman and Robin Eternal Vol. 1

Autor/Zeichner: James Tynion IV, Scott Snyder u.a./Tony Daniel u.a.

Erschienen: 2015-2016 (Batman and Robin Eternal #1-12, Paperback 2016)


„The idea of taking someone in the wake of trauma, and transforming them to suit someone else’s will, is utterly abhorrent … But am I guilty of doing just that?“ (Batman)

Das Konzept von Robin hat seine Vor- und Nachteile. Das Gute an Robin ist, dass er Humor in Batman-Comics bringt. Das Blöde ist: Batman soll nicht lachen. Robin soll Batmans Verstärkung sein, aber er lässt ihn schwach erscheinen – und macht ihn verletzlicher. Das Gute an Robin ist, dass junge Leser sich mit ihm besser identifizieren können. Das Blöde ist: ein bunt gekleidetes Kind an der Seite eines düsteren Einzelgänger ergibt keinen Sinn.

Nennen wir es beim Namen: Was Batman mit Robin betreibt, ist eigenlich fahrlässige Kindesgefährdung, wenn nicht gar Kindesmisshandlung. (Frank Miller hat es in seinem vielfach gescholtenen All-Star Batman and Robin, the Boy Wonder ungeschönt dargestellt.) Und genau darum geht es bei Batman & Robin Eternal, der wöchentlich erscheinenden Nachfolge-Serie des ein Jahr lang laufenden Batman Eternal.

Gleich am Anfang zeigt sich wieder ein Vorteil: Das Gute an Robin ist, dass durch ihn einer da ist, der Batman ersetzen kann, falls er mal wieder tot ist oder verschwunden oder anderweitig verhindert. Wie zum Beispiel nach dem Endgame/Todesspiel mit dem Joker. Während Bruce Wayne seine neue Berufung als Kindergärtner und James Gordon in einem Batman-Kampfanzug mit Hasenohren Superschurken belämpft (Superheavy/Superschwer), müssen sich die drei ehemaligen Robins (Dick Grayson, Jason Todd und Tim Drake) um neue Feinde kümmern, die eigentlich alte Bekannte aus finsterster Vergangenheit sind und mit einem alten Scarecrow-Fall zusammenhängen.

Die Schurkin Mother und ihr Handlanger The Orphan (Waise) wollen Agent Grayson, Red Hood und Red Robin an den Kragen. Und nicht nur denen: auch die drei weiblichen Mitglieder der (erweiterten) Bat-Familie sind im Visier – Bluebird, Spoiler und Cassandra Cain. Die stumme Kämpferin, die in der alten Continuity im Niemandsland zu Batgirl wird und in der New-52-Continuity hier zum ersten mal auftaucht, kämpft an der Seite der anderen Junghelden gegen Orphan, der niemand geringeres als ihr Vater David Cain ist. Hintergrund: Mother formt Menschen auf Bestellung, indem sie Kinder Traumata erleben lässt, entweder durch Angstgas oder durch die Ermordung ihrer Eltern. Batman gerät in Verdacht, bei ihr einen neuen, besseren Robin in Auftrag gegeben zu haben, nachdem er von Dick Grayson enttäuscht wurde. Ist also Bruce Wayne verantwortlich für einen Mord?

Klingt nach großem Drama, ist es aber nicht. Dass Batman & Robin Eternal nur halb so lang (26 Hefte) ist wie sein Vorgänger, lässt sich beim Lesen schnell nachvollziehen. Trotz oder gerade wegen des großen Figurenaufgebots stellt sich wenig Spannung ein. Die Story springt viel zwischen Gegenwart und Vergangenheit, in den Rückblenden sehen wir Batman mit dem ersten Robin im Einsatz, doch bei all den vielen Handlungsebenen und Figuren geht man beim Lesen verloren. Das einzige, was einen bei Laune halten soll, ist das Rätsel, was Batman sich wirklich hat zu schulden kommen lassen. Aber in der ersten Hälfte wird die Lösung bloß künstlich hinausgezögert und das allein reicht nicht, um Interesse für das Ganze zu wecken. Die Charaktere bleiben oberflächlich. Daher kann es einem auch ziemlich egal sein, wie es im zweiten Band weitergeht.

Im Vergleich zu dem überbordenden Batman Eternal wirkt Batmatn & Robin Eternal ebenso müde wie ermüdend. So könnte man auch über Robin sagen: Der Nachfolger kommt nicht an seinen Vorgänger heran.

>> Batman 2011-2019

Hush: Harte Bandagen

DC Comics

DC Comics

Titel: Hush

Autor/Zeichner: Jeph Loeb/Jim Lee

Erschienen: 2002-2003 (Batman #608-619), Paperback 2003 (zwei Bände), 2009 (ein Band), dt. Panini 2006 (zwei Bände), Eaglemoss DC Graphic Novel Collection 2015 (zwei Bände)


„You gotta be able to think like your opponent.“ (Thomas Elliot)

Killer Croc entführt einen Jungen. Bei der Lösegeldübergabe kommt Batman dazwischen. Catwoman macht sich mit dem Geld davon, Batman verfolgt sie, dabei wird sein Seil durchschnitten, er stürzt und wird dabei schwer am Kopf verletzt. Der Chirurg Dr. Thomas Elliot – ein alter Jugendfreund – flickt Bruce Wayne wieder zusammen . Doch als es wieder zum Kontakt zum genesenden Bruce kommt, wird „Tommy“ vom Joker erschossen. Batman gerät mal wieder in Versuchung, kurzen Prozess zu machen und seinen Erzfeind abzumurksen. Und das sind nicht die einzigen seltsamen Begebenheiten. Ein Unbekannter hat es auf Batman abgesehen. Aber wer? Und warum?

Lauter unerhörte Ereignisse passieren in Hush, einer der beliebtesten Batman-Storys des neuen Jahrhunderts. Autor Jeph Loeb setzt damit sein bewährtes Rezept fort, das er mit seinen 90er-Jahre-Epen mit Tim Sale etabliert hat: The Long Halloween und Dark Victory. Hier wie da wird eine Detektivgeschichte in rund einem Dutzend Kapiteln erzählt, die einmal durch die Rogues Gallery jagt. Bei Hush sind es neben Joker, Harley Quinn und Killer Croc auch Poison Ivy, Two-Face, Ra’s al Ghul, Riddler, Scarecrow und Clayface. Außerdem treten Helden wie Robin, Nightwing, Orakel, Huntress und Superman auf. Eine wichtige Rolle spielt außerdem Catwoman: Endlich kommt es zu einer intimen Annäherung mit Batman und zu einer Offenbarung. Eine Begegnung zwischen Batman und Superman wird weniger kuschelig – was will man mehr?

Mit diesem riesigen Personal bietet Loeb ein furioses Feuerwerk an bester Unterhaltung und Abwechslung. Es ist eine typische Story, die Fanherzen höher schlagen lässt, weil alles da ist, was sie begehren. Für alte Leser werden einige interessante Überraschungen geboten, vor allem eine, die mit einem Robin zusammenhängt und hier nicht verraten werden soll. Hinzu kommt noch, dass die Geschichte so erzählt ist, dass man auch als Neuling leicht einsteigen kann. Alle Hintergründe werden zu Genüge erklärt, sogar einige Male zu oft (vor allem den Mord an den Waynes – gähn). Loeb beweist sich erneut als erstklassiger Erzähler.

Mindestens so wichtig wie die furiose und spektakelgeladene Story sind die Zeichnungen des anderen J.L., Jim Lee. Im Gegensatz zu Tim Sale, der sich in seinen Panels auf das Wichtigste beschränkt, ist Jim Lee ein detailversessener Perfektionist. Und damit all die Details auch gut zu sehen sind, verzichtet er weitgehend auf Schatten, sodass Gotham, seine Helden und Schurken, bei ihm hell erstrahlen. Die knalligen Farben tragen dazu, dass das Lesen zu einer Augenweide wird. Seine Helden strotzen vor Kraft, seine Frauen sin voller Anmut, die Posen überaus dynamisch. Kurz: Jede Seite ist zu schön, zum Umblättern. Besonders die Rückblenden hinterlassen Eindruck. Denn die sind monochrom und (wie) mit Wasserfarben koloriert. Das verleiht den Panels eine besondere Aura von Kunst.

Bei aller Gefälligkeit gibt es dennoch einige Kritikpunkte: Der größte ist wohl die Plausibilität. Die Auflösung hinkt, die Motivation des mumienhaft bandagierten Schurken Hush leuchtet ebenso wenig ein wie der ganze Aufwand, den er betreibt, um Batman fertig zu machen. Das ginge auch einfacher, aber dann gäbe es ja die Story nicht. Trotzdem hätte man das eleganter lösen können. Und dann gibt es noch einige kleinere Plot Holes. Dass James Gordon gleich zwei Mal als deus ex machina herhalten muss, indem er aus dem Nichts auftaucht, um Batman zu retten, ist auch ein wenig plump.

Aber egal. Das sollte nicht das Gesamtvergnügen trüben. Hush hat Größe, Hush macht Spaß, Hush sollte man gelesen haben.

(Die Story wird fortgesetzt in Hush Returns, Heart of Hush, Hush Money und The House of Hush. Außerdem gibt es im Universum von Batman Beyond noch Hush Beyond.)

>> Batman 2000-2011

Ritt auf dem Robo-Dino

Man kann sich keine Meinung über etwas bilden, das man nicht kennt. Aber weil ich von dem Animationsfilm Batman Unlimited: Animal Instincts mäßig begeistert war, werde ich auf die Fortsetzung Monster Mayhem verzichten und mir damit eine Stunde Lebenszeit sparen. Warner Bros. war so nett, der Fangemeinde mit einer Reihe von Kurzfilmen über YouTube einen Vorgeschmack zu geben – und sie bestätigen die Befürchtung, dass das Niveau in Teil 2 nicht steigt.

Während es beim ersten Mal gegen vier „tierische Gegner“ ging, geht es dieses Mal gegen „monströse“. Batman, Nightwing, Red Robin, Green Arrow und Cyborg legen sich also mit Joker, Clayface, Scarecrow, Solomon Grundy und Silver Banshee an. Und wer denkt, das sei doch kein schlechtes Aufgebot, der sollte wissen, dass Batman nicht nur ein Roboter-Wolf zur Seite steht, sondern dass Batman auch auf einem Roboter-T-Rex reitet. Kein Witz. Der kann sogar Kanonen verschießen. Das freut wahrscheinlich bloß Kinder, die mit solchen Figuren spielen. Denn schließlich geht es dieser Filmreihe bloß darum, das passende Spielzeug zu verkaufen. Auf den gleichen Niveau bewegen sich die Dialoge.

Wen’s trotzdem interessiert, kann sich hier ein paar der Batman Unlimited-Videos der Webserie ansehen:

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Batman trifft Daredevil

Titel: Daredevil and Batman: Eye for an Eye (dt. Auge um Auge); Batman/Daredevil: King of New York

Autor/Zeichner: D.G. Chichester/Scott McDaniel; Alan Grant/Eduardo Barreto

Erschienen: 1997/2000 (One-shots), dt. Panini 1998/Dino 2000


„They’re not so alike as some might believe.“

„One man knows his fear. Respects it, and has made himself its master. The other man knows no fear, and if he did — he would laugh in its face.“

Batman und Daredevil sind Seelenverwandte. Beide bewegen sich in ihren jeweiligen Universen auf dem selben Niveau: dem der Straße. Beide operieren weitgehend ohne übernatürliche Kräfte – wenn man von Daredevils gesteigerter Sinneswahrnehmung und Batmans Gadgets absieht. Beide sind nachtaktiv. Da liegt es nahe, die beiden Helden aus verschiedenen Universen zu einem Crossover zusammenzubringen. Wie so üblich gibt es zwei Teile, ein Hin- und ein Rückspiel, eines herausgegeben von Marvel, eines von DC.

Im ersten Teil (Eye for an Eye) kämpfen die beiden gegen Two-Face und Mr. Hyde (gespaltene Persönlichkeit!), doch zuvor geraten die Helden aneinander. Es beginnt mit einer kleinen Keilerei, dann spielen die beiden Angsthase, indem Batman mit dem Batmobil auf Daredevil zugerast kommt. Daredevil ist in dieser Story der Besonnene, der die Sinnlosigkeit solcher Spielchen aufzeigt und der – im Gegensatz zu Batman – bei Two-Face den Menschen hinter dem Schurken sieht. Das liegt auch daran, dass Matt Murdock und Harvey Dent eine gemeinsame Vergangenheit angedichtet wird (Jura!). Im Wesentlichen aber bleibt die Story eine oberflächliches Gipfeltreffen, das schnell abgehandelt wird wie eine Pflichtübung.

Drei Jahre später kommt es (in King of New York) zu einem Wiedersehen in Gotham. Dieses Mal geht es um Scarecrow, was naheliegt. Für alle, die es nicht kapieren, erklärt die Erzählstimme, dass Batman der Meister der Angst ist, während Daredevil der Mann ohne Furcht ist (siehe oben). Scarecrow lässt von Catwoman eine Akte über den Kingpin stehlen und verübt daraufhin Attentate auf Wilson Fisks Filialen in New York. Warum? Keine Ahnung, denn am Ende will Scarecrow doch nur das Übliche: die ganze Stadt mit seinem Angstgas zu terrorisieren. Weil Batman und Daredevil sich bereits kennen, gibt es zwar das obligatorische Rumgezicke, aber keine Kämpfe mehr. Nur in der Eröffnungsszene kommen sie einander in die Quere. So lösen sie zusammen einen unspektakulären Fall, den jeder von ihnen auch genauso gut hätte alleine lösen können.

Aber der Sinn solcher Crossover besteht eigentlich nur darin, Fan-Fantasien zu befriedigen und beide Helden wenigstens ein paar Panels teilen zu lassen. Das ist so weit in Ordnung, nur hätten die Autoren dabei selbst ein wenig mehr ihre eigene Fantasie bemühen können.

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Gotham After Midnight: Ein herzergreifender Mörder

DC Comics

DC Comics

Titel: Gotham After Midnight (dt. Mitternacht in Gotham)

Autor/Zeichner: Steve Niles/Kelley Jones

Erschienen: 2008-2009 (Mini-Serie #1-12; Paperback 2009), dt. Panini 2008-2009 (DC Premium)


„Gotham City after dark is a dangerous place. Gotham City after midnight is hell on earth.“

„It’s nothing to take a life and everything to save one, Jim.“

Ein neuer Serienmörder versetzt in Gotham in Angst: Midnight, ein Maskierter mit Zylinder und Totenkopfgesicht, reißt Straftätern bei lebendigem Leibe das Herz heraus. Auch andere Schurken wie Scarecrow, Man-Bat, Killer Croc, Joker, Clayface, Catwoman und ein gewisser Axe-Man sind involviert, allerdings auf ungewohnte Weise und unfreiwillig beeinflusst. Batman blickt nicht durch, was es mit Midnight auf sich hat, der ihm stets einen Schritt voraus ist. Parallel dazu verliert Bruce Wayne sein Herz (im übertragenen Sinn) an die Polizistin Detective April Clarkson, eine idealistische Verbrechensbekämpferin, die ebenfalls ihren Vater durch einen Mord verloren hat.

Das Grundprinzip der Story erinnert stark an die beiden Klassiker The Long Halloween und Dark Victory: Auch in Gotham After Midnight wird ein Serienmörder mit einer besonderen Masche gesucht, während einmal die Rogue’s Gallery abgeklappert wird, auch hier finden Schlüsselereignisse an Feiertagen wie Halloween, Weihnachten, Silvester oder Valentinstag statt. Und trotzdem wird genug Neues geboten, was den Kenner bei Laune hält: Da ist zum einen der Hauptschurke, der im Gegensatz zu den anderen genannten Geschichten, in Erscheinung tritt und dabei eine schön theatralisch-düstere Figur abgibt. Da gibt es einen Kampf zwischen einem Riesen-Clayface und einem Batman-Roboter, bei dem ein paar Häuser zerstört werden. Der eigentliche Höhepunkt ist eine herrlich absurde Halloween-Szene, bei der Batman einfach so die Straße entlangflaniert, weil er unter allen Verkleideten nicht auffällt. Dass er dabei auch einen alten Bekannten wiedertrifft, zeugt von einer genialen Selbstironie.

Meister der Übetreibung

Alles in dieser Story ist zu viel, hier werden alle Register der Batman-Orgel gezogen. Gesteigert wird das Szenario von den Zeichnungen: Künstler Kelley Jones übertrifft sich als Meister der Übertreibung. Abgesehen von der üblichen langen Ohren der Batman-Maske, dem meterlangen wallenden Umhang und den vielen Schatten, zeigt sich Batman in fast jedem Panel in einer anderen dramatischen Pose. Jones kreiert beeindruckende Splash Pages, in denen sich Handlung und Symbole verdichten. Außerdem gibt es drei Batmobile, zwei davon mit Raketenantrieb, eines kurioser als das andere, selbst ein motorisiertes Einrad kommt zum Einsatz.

Trotz der Verspieltheit hat die Story eine eigene Ernsthaftigkeit und Dynamik, sodass man sie mit Spannung verfolgt – bis zu einem überraschenden Ende. Da verzeiht man ihr auch die Logiklücken oder langen Monologe von Batman am Ende oder von Alfred, der ermüdend die Moral von der Geschichte ausbreitet. Gotham After Midnight bietet alles, was man von einer Batman-Geschichte erwarten kann. Es ist nicht die stille Klasse von Loeb/Sale, aber das Schrille von Niles und Jones hat auch eine nicht zu verachtende Qualität.

>> Batman 2000-2011

Batman, der Fascho

DC Comics

DC Comics

Titel: The Tyrant

Autor/Zeichner: Alan Grant/Tom Raney, Joe Staton

Erschienen: 1994 (Shadow of the Bat Annual #2)


„Funny how we start off with such good intentions, yet somehow end up mired in terror and fear.“ (Batman)

Dass der Weg zur Hölle bekanntlich mit guten Vorsätzen gepflastert ist, kann man in dieser Geschichte sehen: Seit Batman vor zwei Jahren vom Joker öffentlich demaskiert wurde, wurde der Vigilant zum Volkshelden und stieg zum Herrscher von Gotham empor. Batman bei Nacht, Bruce Wayne bei Tag – eine Schreckensherrschaft, deren oberstes Ziel die Verbrechensbekämpfung ist. Denn zusammen mit Doktor Jonathan Crane (hier einmal nicht Scarecrow) hält der Tyrann die Verbrechensrate gering, indem er das Trinkwasser mit Drogen versetzt. Als die beiden daraufhin planen, die Stadt mit einer noch stärkeren Substanz zu vergasen, die alle Menschen mit „kriminellen Tendenzen“ außer Gefecht setzt, regt sich Widerstand: Die klassischen Batman-Schurken planen ein Attentat auf Batman – angeführt vom jugendlichen Revoluzzer Anarky.

Es ist schade, dass The Tyrant keine aufwendigere Aufmachung oder mehr Seiten bekommen hat, denn das Elseworlds-Setting, das Alan Grant entwirft, wäre es wert gewesen, weiter ausgebreitet zu werden. Dass Batmans Kreuzzug in letzter Konsequenz Faschismus bedeutet, ist eine kühne Vision, die hier sehr einnehmend inszeniert wird. Batman ist zwar ein autoritärer Herrscher, aber auch ein Zweifler, der sich nach den richtigen Methoden fragt und schockiert ist, als er von James Gordon als Faschist beschimpft wird. Da ist es folgerichtig, die Story als Tragödie enden zu lassen. Leider aber kommt das eigentliche Finale überstürzt, hier hätte man sich mehr Platz für Dramaturgie gewünscht. So bleibt The Tyrant zwar ein herausragendes Was-wäre-wenn-Szenario, aber ein viel zu kurzes.

Eine ähnliche, aber nicht ganz so gelungene Dystopie entwirft I, Joker. Wen der politische Aspekt besonders interessiert, sollte die Anarky-Storys lesen. In Frank Millers All-Star Batman wird der Held erneut zum faschistoiden Tyrannen.

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics

News of the Weird

DC Comics

DC Comics

Titel: Legends of the Dark Knight Vol. 2 (dt. Megaband 1: Gothams Legenden)

Autor/Zeichner: diverse

Erschienen: 2013 (Legends of the Dark Knight #6-10, Paperback 2014), dt. Panini 2015 (mit Ausnahme von #10, aber zusammen mit den Ausgaben #1-5)


„Gotham … what are you doing this time?“

„… crime and art … they have a meaning.“

„I suscribe to News of the Weird. You’d be surprised how often it leads to clues.“

Seit fünf Jahren sitzt Bruce Wayne im Rollstuhl, der Körper ist zerstört wie der Verstand, er leidet unter Parkinson, Demenz, Amnesie und Wahnvorstellungen. All die Kämpfe als Batman haben ihre Spuren hinterlassen, jetzt träumt er sich nur noch in seine Rolle als Batman hinein, will es nicht wahrhaben, was da passiert – es könnte alles nur eine Illusion von Scarecrow sein.

„Dreaming He Is A Butterfly“ von Christos Gage ist mit Abstand die interessanteste Story im zweiten Band der Anthologie-Serie LOTDK. Im Vergleich zum ersten hat die Qualität sonst nachgelassen. Es beginnt schon mit einem seltsam schwachen Auftakt: „Gotham Spirit“ erzählt auf nur wenigen Seiten, wie Batman ein paar Kleinganoven zur Strecke bringt. Das ist zwar hübsch anzusehen, aber sonst ohne Mehrwert. Es gibt keine Wendung, keine Einsicht, keinen Dialog. Man hat sich nicht mal die Mühe gemacht, diese Allerweltsepisode mit irgendeinem grüblerischen Monolog über das Wesen von Gotham, Batman und das Verbrechen im Allgmeinen zu untermalen. Der Inbegriff der Ideenlosigkeit.

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