Batman

Die Irre, das Kind und der Roboter

Titel: Justice League Gods and Monsters Chronicles

Regie/Drehbuch: Bruce Timm/Alan Burnett

Erschienen: 2015 (Machinima/YouTube)


 „Am I gonna need a save word?“ (Steve Trevor)

Ein blutbeflecktes Schlachthaus mit Beilen, Sägen und Hämmern, menschliche Leichenteile im Kühlschrank. Harley Quinn, die mit ihrer Schminke selbst an Frankensteins Monster erinnert, hat sich eine Familie mit ausgestopften Leichen gebastelt, die Gesichter mit Klammern zum Grinsen gebracht, Fliegen schwirren um die Toten herum. Batman, ein Vampir mit roter Brille, rächt sich auf seine Weise …

Twisted, das erste Video, das einen Vorgeschmack auf den Langfilm Justice League Gods and Monsters gibt, verstärkt den Eindruck des Trailers, dass diese alternativen Versionen der bekannten Superhelden keine Unterhaltung für Kinder ist. Die Batman-Szene ist düsterer als für Zeichentrickfilme üblich und überschreitet die Grenze zum Horrorfilm. Aber auch die anderen beiden Kurzfilme der Chronicles sind sehenswert.

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Supermans größter Hater

Titel: Lex Luthor: Man of Steel (Luthor) (dt. Superman/Lex Luthor: Mann aus Stahl)

Autor/Zeichner: Brian Azzarello/Lee Bermejo

Erschienen: 2005 (Mini-Serie #1-5, Paperback 2006, Hardcover 2010), dt. Panini 2005/Eaglemoss 2015


„I believe in humanity. (…) I believe that we must control our own destiny.“

Was treibt Lex Luthor an und warum hasst er Superman? Dieser Frage ist Brian Azzarello in seiner Mini-Serie nachgegangen und hat die folgende Antwort gefunden: Luthor ist nicht, wie sonst üblich, einfach nur egoistisch, weil Superman seine sinistren Pläne durchkreuzt, oder xenophob und deshalb misstrauisch (und auch nicht neidisch auf die Haarpracht seines Widersachers), sondern weil Luthor ein Idealist ist, der an die Entwicklung der Menschheit glaubt, aber in Superman die Hoffnung darauf zerstört sieht. Denn der Stählerne ist in seinen Augen keine Aussicht auf die Möglichkeiten des Menschen, keine Verheißung des Übermenschen, zu dem der Mensch sich entwickeln kann und soll, sondern das Ende des menschlichen Potenzials und seiner Bestrebungen. „The end of our dreams“, sagt Luthor. Und für einen Self-made man widerspricht es der ureigenen Überzeugung.

Damit wird Luthor zum Fredric Wertham als Comicfigur. Der deutschstämmige Psychiater hat im Jahr 1954 in seinem Buch Seduction of the Innocent die These aufgestellt, dass Comics – und damit auch Superhelden – die Jugend verderben würden. Aber noch mehr: Laut Wertham „untergräbt Superman die Autorität und Würde des normalen Mannes und der alltäglichen Frau gegenüber den Kindern“. Er sei eine faschistische Ausgeburt. Für Luthor untergräbt Superman die Moral der Menschen und ihre Hoffnung, sich selbst verbessern zu können. Wenn es einen Superman gibt, der alles kann und den nichts bezwingt, wonach soll der Mensch dann noch streben?

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Verpufftes Feuerwerk

DC Comics

DC Comics

Titel: Icarus (Detective Comics Vol. 6) (dt. Ikarus)

Autor/Zeichner: Francis Manapul, Brian Buccellato/Francis Manapul, Brian Buccellato u.a.

Erschienen: 2014 (Detective Comics #30-34, Annual #3), Hardcover 2015; dt. Panini 2015 (Batman #35-40), Paperback 2016


„Subtle isn’t in Gotham’s DNA.“ (Batman)

„They need someone like me … a true detective.“ (Bullock)

Nach 29 meist verzichtbaren Ausgaben von Detective Comics, von denen allein Gothtopia und die Jubiläumsausgabe #27 bemerkenswert waren, gibt DC seinem Stammtitel einen längst überfälligen Neuanfang mit dem Team Manapul/Buccellato. Die Veränderung ist auf den ersten Blick sichtbar und überwältigend. Ihre Art, in Bildern zu erzählen, ist einzigartig. Manapuls Zeichnungen strotzen vor Ausdruck und Dynamik, veredelt werden sie von Buccellatos Farben, der mit seinem Aquarellstil den Panels eine einzigartige farbprächtige Stimmung und die Aura des Künstlerischen verleiht. Die Bildübergänge gleichen häufig einer Kamerafahrt, an einigen Stellen reizen die beiden Erzähler die Möglichkeiten des Mediums aus, mit Zeit und Raum zu spielen, indem sie sie miteinander verschmelzen lassen. Die beiden verstehen ihr Handwerk und setzen neue Akzente – eine Qualität, die sich durchaus mit der von Snyder/Capullo messen lassen kann.

Aber dann ist da leider noch die Story. Bruce Wayne versucht mal wieder die Unterschicht zu retten, indem er ein Viertel neu aufpolieren will. Doch dann landet seine Geschäftspartnerin in seinem Haus, ermordet durch eine neue Droge namens Icarus, die einen von innen verbrennen lässt. (Allerdings ist es schwierig von einer Droge zu sprechen, die nicht abhängig macht, weil man sie nur einmal benutzen kann.) Nicht nur Batman macht sich auf die Suche nach den Übeltätern, auch Harvey Bullock. Er vertritt in dieser Geschichte seinen Chef James Gordon, indem er zunächst Wayne auf die Füße tritt und sich dann eine Prügelei mit Batman leistet. Batman wiederum schlägt sich mit einer Biker-Gang und einem Riesenkraken herum. Ach ja, und dann explodiert noch ein seltsam verstrahlter Mensch und schießt wie eine Feuerwerkrakete davon. Am Ende macht sich Batman Vorwürfe, als Detektiv nicht eher die richtigen Schlüsse gezogen zu haben. Doch der Vorwurf sollte eher den Autoren gelten, weil sich ihre Kreativität in der grafischen Aufmachung verbraucht hat.

Am Ende des Bandes, im Annual #3, erfahren wir, wie die Geschichte anfängt. Leider haben es die Autoren hier zu gut gemeint und die Story heillos überladen. Es gibt einen Rückbezug zu den Waffen von The Wrath (vgl. Detective Comics Vol. 4) und einen Auftritt der neuen Bande Bastards of Blackgate. Höhepunkt ist eine Szene, in der Batman als Matches Malone Julian Day Erziehungstipps gibt und ihm rät, sich einen Kalender zu kaufen, damit er den Geburtstag seines Sohnes nicht mehr vergisst (ob das eine gute Idee war?). Nicht, dass man diese Episode gebraucht hätte, aber wenn man sie schon präsentiert, dann hätte man sie auch an den Beginn des Bandes stellen sollen. Im Nachgang ist sie erst recht obsolet. Leider sind in diesem Heft gleich drei verschiedene Zeichner am Werk, was dem Ganzen nicht nur ein uneinheitliches Erscheinungsbild beschert (das ist selten gut), sondern zum Teil auch stark qualitativ schwankt.

So macht Detective Comics trotz des neuen Anstriches weiter wie bisher: mit kurzatmigen Storys, auf die man verzichten kann. Nur reicht es hier, sich an den Bildern zu ergötzen.

Schmerzfrei, betäubt, gleichgültig

Warner Home Video

Warner Home Video

Titel: Gotham Knight

Drehbuch: Brian Azzarello, Alan Burnett, Jordan Goldberg, David Goyer, Josh Olson, Greg Rucka

Erschienen: 2008 (Direct-to-Video)


„I’m making it more colorful, yo …“

Wer oder was ist Batman? Eine mannsgroße Fledermaus? Ein lebender Schatten? Oder ein Roboter? Vier Jugendliche erzählen sich die unglaublichsten Geschichten davon, wie sie ihren Helden erlebt oder ihn sich vorgestellt haben – bis er ihnen persönlich begegnet. Kommt uns das bekannt vor? Ja, die Batman-Serien-Episode Legends of the Dark Knight hatte das gleiche Konzept, hier wie da wird Batman als Urban Legend inszeniert, aber während die Serie auf historische Epochen referierte, funktionierte sie als Hommage besser als diese reine Heraufbeschwörung des Mythos.

„Have I Got A Story For You“, heißt die Story, mit der Gotham Knight beginnt, ein Episodenfilm mit sechs Kurzgeschichten, die lose miteinander verknüpft sind und ebenso lose sich auf die Spielfilme Batman Begins und The Dark Knight beziehen. Bekannte Autoren haben ihren Beitrag geleistet – leider mit mäßigem Erfolg. Begegnungen mit klassischen Schurken gibt es wenige: Batman kämpft gegen Killer Croc, der Scarecrows Angstgas ausgesetzt ist, und gegen den Scharfschützen Deadshot. Ansonsten sehen wir ihm dabei zu, wie er zwei Cops aus einer Schießerei zwischen zwei Mafia-Gangs rettet und ein Kraftfeld ausprobiert, das Kugeln von ihm abprallen lässt – und Querschläger verursacht, die den Falschen treffen.

Das mag alles sehr düster inszeniert sein – und ist daher nichts für Kinder – aber es wirkt ziemlich lahm. Batman wird zu sehr aus der Ferne betrachtet und kommt als Charakter zu kurz. Die einzige Story, die halbwegs Interesse weckt, ist „Working Through Pain“. Wir sehen Batman in der Kanalisation bluten, während er sich an seine Ausbildung in Asien erinnert, als er gelernt hat, den Schmerz auszuhalten. Dass er am Ende verzweifelt, weil er im Müll einen Haufen Schusswaffen findet, hat nicht unbedingt etwas mit der Geschichte zu tun. Das soll von seinem wahren, seelischen Schmerz zeugen, aber diese Andeutung bleibt wie so vieles in diesen Episoden im leeren Raum hängen. Da hilft es auch nicht, dass in der letzten Story der Elternmord nachgereicht wird und kurz darauf Batman Schusswaffen gegenüber doch nicht ganz abgeneigt zu sein scheint. Das passt auch nicht zur Continuity der Nolan-Filme. Gotham Knight ist ein seltsam unentschlossenes und uninspiriertes Werk, das einen gleichgültig zurücklässt.

Bat Lantern

Batman: In Darkest Knight

Titel: In Darkest Knight

Autor/Zeichner: Mike W. Barr/Jerry Bingham

Erschienen: 1994 (One-shot)


Was wäre wenn … Bruce Wayne Green Lantern wäre?

Die Elseworlds-Story In Darkest Knight ist ein Beispiel dafür, dass auf eine interessante Frage noch längst keine interessante Antwort folgen muss. Die Geschichte beginnt an der berühmten Stelle aus Year One, da Bruce vor der Büste seines Vaters sitzt und sich fragt, wie er es hinbekommt, dass Verbrecher Angst vor ihm haben. Doch kurz bevor die Fledermaus durchs Fenster krachen kann, erscheint ihm ein außerirdischer Green Lantern und übergibt ihm den grünen Ring.

Was folgt, ist eine unfassbar abgehetzte Story, die sich weder für Charaktere noch für Dramaturgie geschweige denn Stimmung interessiert. Im Eilverfahren akzeptiert Bruce seine neue Aufgabe, legt sich ein fledermausartiges Kostüm zu, hält Red Hood und seine Bande im Chemiewerk auf bevor der Anführer zum Joker werden kann (kleine Anspielung auf The Killing Joke) Dann wird der Held auch schon dazu verdonnert, Sinestro zu stürzen, was auch sogleich passiert – ohne groß Fragen zu stellen. Es kommt zu einem persönlichen Rachefeldzug des lila Schurken gegen Wayne, bei dem Sinestro seinen Geist – warum auch immer – mit dem von Joe Chill vereint und fortan dämliche und bemüht witzige Selbstgespräche führt. Und weil Wayne auch noch gegen die Wächter und seine Corps-Kumpels rebelliert, werden kurzerhand Superman, Wonder Woman und Flash zu Green Lantern-Reservisten gemacht. Genauso lieblos übers Knie gebrochen wirken auch ihre auf Lantern getrimmten Kostüme.

Nach 46 ermüdenden Seiten bricht „Bat Lantern“ zum letzten Kampf gegen Sinestro auf, aber da endet auch schon die Geschichte, ohne uns das Finale zu erzählen. Nicht, dass es uns interessiert hätte oder noch eine Überraschung zu erwarten wäre, aber man fühlt sich schon betrogen. Doch es passt zum Gesamteindruck einer verschenkten Chance.

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics

Spielwiese in Graustufen

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman Black and White Vol. 4

Autor/Zeichner: diverse

Erschienen: 2013-2014 (Mini-Serie #1-6, Paperback 2014)


„It’s time to break the pattern, my darlings.“ (Joker)

„In search of justice that is never black or white … it lives in the grey area.“ (Batman)

Parallel zu seiner laufenden Anthologie-Serie Legends of the Dark Knight hat DC mal wieder seine Black and White-Reihe fortgesetzt. Im Gegensatz zu den Freiheiten von Legends müssen sich hier die Autoren auf Zeichner an zwei Regeln halten: Keine Farbe und nur acht Seiten. Doch wie schon angemerkt, bringt die Beschränkung oft die beste Kunst hervor. Während in der Literatur Formen wie Kurzgeschichten, Anekdoten, Aphorismen, Epigramme und Haikus verdichten und pointieren, kann man bei Comics eine ähnliche Wirkung in Strips beobachten – oder eben in Short Storys wie sie in Black and White erzählt werden. (Einem Verächter des Begriffes „Graphic Novel“ sei verziehen, dass er hier einen literarischen Gattungsbegriff auf Comics anwendet, aber es geschieht mangels besserer Begriffe.)

Innerhalb des eng gesteckten Rahmens können sich die Künstler relativ frei austoben, da sie nicht an die Continuity der Serien gebunden sind und auch die Zeichnungen können experimenteller und weniger massenkonform ausfallen. Das macht den Reiz der Reihe aus: Man weiß nicht, was als nächstes kommt. Man weiß nur, dass es nach exakt acht Seiten vorbei sein wird. Und das Kunststück dabei ist, dass es trotz des Mangels an Farbe sehr bunt auf der Spielwiese dieser Blütensammlung zugeht.

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Batman-Splitter #2: Blitz und Donner

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Zu einem dramatischen Auftritt gehört auch eine passende Kulisse. Zum Beispiel ein Gewitter bei Nacht. Besonders gut kommt es, wenn man den richtigen Augenblick abwartet, wenn man durchs Fenster gesprungen kommt – etwa, wenn gerade ein Blitz einschlägt. Batmans Superkraft besteht darin, immer exakt zu wissen, wann das passiert. Anders ist es nicht zu erklären, dass er seine coolsten Posen so oft im Schein des Blitzlichts macht, als wäre immer ein Paparazzo hinter ihm her.

Blitz und Donner sind das perfekte Setting für einen Showdown, für Trauer und Selbstzweifel. Der Regen steht für die Tränen der Trauer, der Wind für das Hin- und Her großer Emotionen (außerdem lässt er den Umhang so schön bauschen) und die Blitze, diese Rinnsale des Lichts, die sich durch den dunklen, wolkenverhangenen Himmel ihren Richtung Erde bahnen, versinnbildlichen die Spannung, die sich in der Szene entlädt. Nur eine Sache passiert nie: dass jemand vom Blitz getroffen wird. Matt Wagner ist das aufgefallen – und hat er das Muster in seiner Mad Monk-Story einmal durchbrochen. Der Deus ex machina sei ihm wegen des Gags verziehen.

Doch auch wenn das Gewitter nur eines dieser Klischees ist – es funktioniert jedes Mal wieder. Ohne das wäre das Drama nur halb so dramatisch. Von Batman lernen heißt: Kommen mit Knall.


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Gothams Tierleben

Warner Home Video

Bitte lächeln! (Bild: Warner Home Video)

Titel: Batman Unlimited: Animal Instincts

Drehbuch: Heath Corson

Erschienen: 2015 (Direct-to-Video)


 „Man-Bat hat Langstrom die Hosen geklaut.“ (Flash)

Batman, das vergisst man leicht, bezieht sich auf eine Fledermaus. Und es gibt auch einige Schurken, die sich auch auf Tiere beziehen: Pinguin, Killer Croc, Cheetah, Gorilla Grodd und eben Man-Bat, womit wir wieder bei der Fledermaus wären. Was wäre also, wenn man einen Film rund um Tiere machen würde? Das hat man sich bei DC und Warner so gedacht und einfach mal drauflos gelegt – so ist Animal Instincts entstanden. Damit war der Ideenvorrat allerdings erschöpft.

In einem futuristischen Gotham kämpft Batman mit Nightwing, Red Robin, Green Arrow und Flash (wie auch immer diese Gruppe entstanden ist) gegen den Pinguin, der Man-Bat, Killer Croc, Cheetah und die Gorilla Grodd-Sparversion Silverback versammelt hat. Als hätte man damit nicht schon einen ganzen Zoo beisammen, gibt es noch ein paar Roboter-Raubkatzen und eine Robo-Fledermaus, die aussieht wie ein Flaschenöffner für Bacardi (aber der kommt dummerweise meistens mit Schraubverschluss). Und wozu der ganze Aufwand? Der Pinguin, der Batman noch nicht als Schurke bekannt ist, will mit einem Traktorstrahl einen Meteoriten auf Gotham stürzen lassen, um sich an allen Menschen zu rächen, die ihn wegen seines Äußeren verspottet haben …

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Batmans Nullnummern

Titel: Batman #0, Detective Comics #0, Shadow of the Bat #0, Robin #0

Autor/Zeichner: Chuck Dixon, Doug Moench, Alan Grant u.a.

Erschienen: 1994 (dt. Dino 1997 als Batman #1-2, mit Ausnahme von Shadow of the Bat #0)


„Der Kampf adelt, nicht der Sieg.“

„Die Dunkelheit ist wie ein Umhang. Er trägt sie wie eine zweite Haut. Wie einen Schild.“

Im Jahr 2012 brachte DC Nullnummern seiner Serien heraus: Darin wurden ein paar Vorgeschichten der Helden erzählt, wie etwa zu Batmans Zero Year und der Zeit davor. Die Idee ist nicht neu: Im Jahr 1994 hat es so etwas schon einmal gegeben, im Rahmen des Zero Hour-Events. Dabei wurden ein paar Hefte gemacht, in denen die Origins leicht modifiziert wurden und die eine perfekte Einstiegslektüre ins DC-Universum bildeten. Daher haben sich diese Ausgaben auch hervorragend für den deutschen Dino-Verlag angeboten, damit im Jahr 1997 seine neue Batman-Serie zu starten.

In Batman #0 bekommt man Batmans Ursprung auf 22 Seiten zusammengefasst – inklusive der jüngsten Ereignisse nach dem Epos Knightfall mit Bane etc. Wir sehen den Sturz in die Bathöhle (vgl. Shaman), die erste Begegnung mit Alfred, den Elternmord, der in dieser neuen Version nie gelöst wurde, während zuvor Joe Chill als Mörder im Auftrag gehandelt hat. Eine Seite ist der Kindheit als Waise gewidmet, eine der Ausbildung im Ausland, dann folgen die drei Robins. Letzteres wird noch einmal ausführlicher in Robin #0 erzählt: Nightwing erzählt Robin III (Tim Drake), was bisher mit den Robins geschehen ist. Im Zentrum steht Two-Face, der bekennt, Robin doppelt so sehr wie seinen Erzfeind zu hassen: „Er ist Batmans Geheimwaffe!“ Die Geschichte wird – wie könnte es anders sein – aus doppelter Sicht erzählt.

In Detective Comics #0 werden die Lücken von Batman #0 mit Ausschmückungen gefüllt: Die Erkundung und der Ausbau der Bathöhle, das Beschaffen das Batmobils von Wayne Industries und der Umbau, das Nähen des Kostüms durch Alfred. Leider verträgt sich diese Version, in der das Batmobil zugleich mit dem Kostüm entstand, nicht mit der Version, die in Batman and the Monster Men erzählt wird: da wird das Auto erst später eingeführt. Aber sicher kann man auch diesen Bruch mit irgendwelchen Erschütterungen des Raum-Zeit-Kontinuums in Folge weltbewegender Ereignisse erklären. Von entscheidender Wichtigkeit sind solche Details natürlich nicht.

Die Nullnummer von Shadow of the Bat wirkt neben den anderen überflüssig. Abgesehen davon, dass die Figur Leslie Thompkins erwähnt wird und wir erfahren, dass Bruce sechs Wochen lang fürs FBI gearbeitet hat („Age 20, he scored perfect on every F.B.I. test except for gun handling“), ist die Geschichte nichts als noch ein Aufguss der immergleichen Motive. Wieder einmal sehen wir, wie Batman sich mit Kleinganoven rumschlägt, wieder wird der gesamte Werdegang nacherzählt. Die Ausbildung wird zwar ausführlicher behandelt, aber fast nur in Worten aufgezählt. Weil das Ganze ohne Mehrwert ist, kann man leicht nachvollziehen, warum der Dino-Verlag damals auf den Nachdruck verzichtet hat.

Von Bruce Wayne zu Batman: Das Zero Year bisher

Häufig ist es schwierig, bei den ganzen Publikationen von DC zu einer Storyline durchzublicken. Zum Zero Year (dt. Jahr Null), dem neuen Batman-Origin (d.h. der Entstehungsgeschichte), gibt es eine Reihe von zusätzlichen Storys, die das Hauptevent ergänzen. Hier ein Vorschlag, Bruce Waynes Werdegang in eine halbwegs chronologische Reihenfolge zu bringen (wohlwissend, dass es in Zero Year immer wieder Rückblenden in die Kindheit gibt, ebenso wie im Event Court of Owls/City of Owls):

  1. Batman: The Dark Knight #0: Chill in the Air (Bruce Wayne will sich an Joe Chill, dem Mörder seiner Eltern, rächen. Enthalten in Batman: The Dark Knight Vol. 2 – Cycle of Violence.)
  2. Detective Comics #0: The Final Lesson (Vor zehn Jahren schließt Wayne im Himalaya seine Ausbildung bei einem alten Meister der Kampfkunst ab und verliebt sich dabei – unglücklich – in ein Mädchen. Enthalten in Detective Comics Vol. 2 – Scare Tactics.)
  3. Batman Zero Year: The Director’s Cut #1: (Drei Episoden aus dem Leben des 19-, 21- und 24-Jährigen, Wayne besteht Prüfungen seiner Lehrmeister und lernt das Verbrecherleben kennen. Enthalten in Batman Vol. 4 – Zero Year: Secret City.)
  4. Detective Comics #0: The Long Wait (Wayne kehrt vor sieben Jahren nach Gotham zurück. Enthalten in Detective Comics Vol. 2 – Scare Tactics.)
  5. Batman #0: Bright New Yesterday (Bruce Wayne nimmt vor sechs Jahren maskiert an einem Banküberfall der Red Hood Gang teil. Enthalten in Batman Vol. 6 – Graveyard Shift.)
  6. Batman #21-24 (Haupt-Story. Enthalten in Batman Vol. 4 – Zero Year: Secret City.)
  7. Detective Comics #25: Whistleblower’s Blues (Tie-In mit James Gordon in der Hauptrolle. Enthalten in Detective Comics Vol. 5 – Gothtopia.)
  8. Batman #25-27, 29-33 (Haupt-Story geht weiter. Enthalten in Batman Vol. 5 – Zero Year: Dark City.)
  9. Batman #0: Tomorrow (Nachspiel zu Zero Year, Gordon schaltet im Beisein seiner Tochter Barbara zum ersten Mal das Batsignal ein, die drei künftigen Robins Dick Grayson, Jason Todd und  Tim Drake sehen es.)
  10. Nightwing #0 (Dick Graysons Vorgeschichte)