David S. Goyer

Schmerzfrei, betäubt, gleichgültig

Warner Home Video

Warner Home Video

Titel: Gotham Knight

Drehbuch: Brian Azzarello, Alan Burnett, Jordan Goldberg, David Goyer, Josh Olson, Greg Rucka

Erschienen: 2008 (Direct-to-Video)


„I’m making it more colorful, yo …“

Wer oder was ist Batman? Eine mannsgroße Fledermaus? Ein lebender Schatten? Oder ein Roboter? Vier Jugendliche erzählen sich die unglaublichsten Geschichten davon, wie sie ihren Helden erlebt oder ihn sich vorgestellt haben – bis er ihnen persönlich begegnet. Kommt uns das bekannt vor? Ja, die Batman-Serien-Episode Legends of the Dark Knight hatte das gleiche Konzept, hier wie da wird Batman als Urban Legend inszeniert, aber während die Serie auf historische Epochen referierte, funktionierte sie als Hommage besser als diese reine Heraufbeschwörung des Mythos.

„Have I Got A Story For You“, heißt die Story, mit der Gotham Knight beginnt, ein Episodenfilm mit sechs Kurzgeschichten, die lose miteinander verknüpft sind und ebenso lose sich auf die Spielfilme Batman Begins und The Dark Knight beziehen. Bekannte Autoren haben ihren Beitrag geleistet – leider mit mäßigem Erfolg. Begegnungen mit klassischen Schurken gibt es wenige: Batman kämpft gegen Killer Croc, der Scarecrows Angstgas ausgesetzt ist, und gegen den Scharfschützen Deadshot. Ansonsten sehen wir ihm dabei zu, wie er zwei Cops aus einer Schießerei zwischen zwei Mafia-Gangs rettet und ein Kraftfeld ausprobiert, das Kugeln von ihm abprallen lässt – und Querschläger verursacht, die den Falschen treffen.

Das mag alles sehr düster inszeniert sein – und ist daher nichts für Kinder – aber es wirkt ziemlich lahm. Batman wird zu sehr aus der Ferne betrachtet und kommt als Charakter zu kurz. Die einzige Story, die halbwegs Interesse weckt, ist „Working Through Pain“. Wir sehen Batman in der Kanalisation bluten, während er sich an seine Ausbildung in Asien erinnert, als er gelernt hat, den Schmerz auszuhalten. Dass er am Ende verzweifelt, weil er im Müll einen Haufen Schusswaffen findet, hat nicht unbedingt etwas mit der Geschichte zu tun. Das soll von seinem wahren, seelischen Schmerz zeugen, aber diese Andeutung bleibt wie so vieles in diesen Episoden im leeren Raum hängen. Da hilft es auch nicht, dass in der letzten Story der Elternmord nachgereicht wird und kurz darauf Batman Schusswaffen gegenüber doch nicht ganz abgeneigt zu sein scheint. Das passt auch nicht zur Continuity der Nolan-Filme. Gotham Knight ist ein seltsam unentschlossenes und uninspiriertes Werk, das einen gleichgültig zurücklässt.

Tell me, do you bleed? You will.

„Is it really surprising that the most powerful men in the world should be a figure of controversy?“

Endlich ist er raus: der erste Teaser Trailer zu Batman v Superman: Dawn of Justice. Wir haben lange genung gewartet. Zu lange. Und schließlich rächte sich diese Hinhaltestrategie von Warner Bros. Ein Jahr vor dem Kinostart (26. März) gab es nichts als ein paar Promobilder der wichtigsten Charaktere. Da war Disney mit Star Wars schon besser, als bereits im vergangenen Dezember die ersten Ausschnitte gezeigt wurden. Dann, vor ein paar Tagen, brachte Warner einen 20-Sekunden-Teaser heraus, der den eigentlichen Teaser Trailer ankündigen sollte – für den 15. Mai. Denn dann sollte er zusammen mit Mad Max starten. Eine erbärmliche Werbekampagne, die keinem der beiden Filme nützt. Doch zuvor sollten einige Auserwählte den Trailer in IMAX-Kinos sehen dürfen. Die Rechnung ging nicht auf: Gestern wurde der Teaser geleakt, eine abgefilmte Version. Kurz darauf zog Warner nach und brachte das Ding endlich offiziell und in HD heraus.

Und wie ist der Trailer geworden? Düster. Sehr düster. Wie ein Batman-Film sein sollte. Allerdings liegt der Schwerpunkt auf Superman: Er wird als Gott verehrt, aber auch gefürchtet und als „falscher Gott“ in Frage gestellt. Der Eindruck, den der Held hinterlassen hat, bewegt die Welt. Und offenbar dient Batman dazu, dem Treiben des Kryptoniers Einhalt zu gebieten. Mit schwerem Geschütz und in Stahlrüstung wird der Man of Steel by Nature bekämpft. „Tell me, do you bleed?“, fragt der Dunkle Ritter Superman. „You will.“ Toller Satz. Aber: Überzeugt uns das? Einerseits ist es klar: Darum geht es in diesem Film, der Titel sagt es und es ist ein gängiger Topos, dass die beiden größten Superhelden aufeinander losgehen. Dazu muss Superman geschwächt werden (mit Kryptonit) oder Batman gestärkt (mit Technik oder temporären Superkräften). Aber Batmans primäre Aufgabe ist es nicht, Superman zu vermöbeln, sondern sich von Haus zu Haus zu schwingen und im Dunkeln Verbrecher aufzumischen. Leider scheint aber der Ben Affleck-Batman bei seinem ersten Auftritt in die Rolle gedrängt zu werden, außer Kontrolle geratene Superwesen zur Ordnung zu rufen. Und Wonder Woman und Aquaman könnten sich in den Streit einmischen, was auch bedeutet, dass sie Partei ergreifen … Kurz: Es wird ein halber Justice League-Film.

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Abgrund der Furcht

Batman Begins

Titel: Batman Begins

Regie/Drehbuch: Christopher Nolan/Christopher Nolan, David S. Goyer

Erschienen: 2005


 „Warum Fledermäuse, Master Wayne?“ – „Weil sie mir Angst machen. Und meine Feinde sollen meine Angst teilen.“

Ein Sturz in die Tiefe ändert alles. Fledermäuse fallen einem stillgelegten Brunnen über den jungen Bruce Wayne her. Fortan sind sie seine Dämonen, die ihn plagen, Symbole seiner Angst. Diese Angst ist es, die ihn aus der Vorstellung der Operette „Die Fledermaus“ treibt und seine Eltern einem Räuber zum Opfer fallen lässt. Diese Angst wird zum Schuldgefühl, das ihn rastlos werden lässt, umtreibt und in der Welt verloren gehen lässt.

Die Geschichte von Batman als Sturz in den Abgrund der Angst zu erzählen, liegt nahe. Geradezu organisch entwickeln Regisseur Christopher Nolan und Drehbuchautor David S. Goyer diese Geschichte aus diesem Schlüsselerlebnis heraus. Das Thema Angst zieht sich wie ein roter Faden konsequent durch den ganzen Film: Die Fledermäuse, Batman als ihre Menschwerdung und Angstfigur, das Halluzinogen aus dem blauen Mohn, Scarecrow als Schurke und Meister der Angst.

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Das Motiv funktioniert so gut, weil es kaum ein stärkeres gibt. Identifikation ist einfach, weil jeder Angst kennt und es wie bei jeder Heldenreise im Grunde darum geht, sie zu überwinden. So ist auch der eigentlich absurde, weil wirklichkeitsfremde Vorgang, in einem Fledermauskostüm Verbrecher zu bekämpfen, nachvollziehbar, weil folgerichtig. Man muss jemand, etwas anderes werden, ein Symbol, um über sich selbst hinaus zu wachsen.

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