Batman

Was von Batman übrig blieb

DC Comics

DC Comics

Titel: Graveyard Shift (Batman Vol. 6) (dt. Im Bann des Todes)

Autor/Zeichner: Scott Snyder, James Tynion IV/Greg Capullo, Andy Clarke, Alex Maleev, Wes Craig, Matteo Scalera, Dustin Nguyen

Erschienen: 2012-2014 (Erstausgaben: Batman #0, #18-20, #28, #34, Annual #2), Hardcover 2015, dt. zum Teil in Batman Sonderband 43: Schreckensnächte in Gotham City, Panini 2014 (Batman #19-23, Batman Annual #2), weitere in Batman #20, #23, #37. (dt. Panini 2016, Paperback)


„… sometimes I’m my own worst enemy.“ (Bruce Wayne)

Bevor die Fans endlich das nächste Meisterwerk des Dream-Teams Snyder/Capullo in Buchform bekommen – Endgame erscheint erst im Herbst – vertröstet DC sie in Band 6 mit einer Resterampe. Fünf Lückenbüßer-Ausgaben sowie zwei Specials wie die Nuller-Ausgabe und das zweite Annual sind in Graveyard Shift versammelt. Was taugt der Band?

Batman #0 ist das Äquivalent zu den bereits besprochenen Detective Comics #0 und The Dark Knight #0, die jeweils zwei Episoden aus Bruce Waynes Vor-Batman-Zeit erzählen, also vor dem Jahr Null/Zero Year spielen (alles klar?). Während wir in Detective #0 eine Anekdote aus der Ausbildungszeit in Asien bekamen, wurde in TDK #0 erzählt, wie Bruce den Mörder seiner Eltern (Joe Chill) aufsucht und umbringen will, aber sich dann besinnt. (Batman and Robin #0 handelt von Damians Kindheit und Ausbildung durch Talia.) In Batman #0 bekommen wir eine Episode aus dem Jahr Null, als Bruce Wayne noch ohne Batman-Kostüm gegen die Red Hood-Gang kämpft. Bruce verkleidet sich mit einer roten Maske und schließt sich einem Bankraub an, wird entlarvt und beinahe getötet. Anschließend bekommt er Besuch von Lieutenant James Gordon, der ihn nach Batman ausfragt. Kurz zuvor macht Alfred seinem Master deutlich, dass er sich nicht einfach von einem zivilen Leben abschotten kann, weil er sich als Eigenbrötler verdächtig machen würde. Am Ende aktiviert Gordon erstmals das Bat-Signal – nicht nur als Rufzeichen für Batman, sondern auch als Motivation für die Bürger von Gotham, Zivilcourage zu zeigen.

Panini Comics

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In der Bonus-Story „Tomorrow“ werden parallel drei Episoden aus dem Leben von Tim Drake, Jason Todd und Dick Grayson erzählt, bevor sie Robins geworden sind. Der Klugscheißer, der Verbrecher und der Draufgänger. Alle drei zeigen einen Sinn für Gerechtigkeit, symbolisiert darin, dass sie zum Bat-Signal aufschauen, das am Himmel erscheint.

Rotkehlchen als roter Faden

Obwohl die folgenden Geschichten für sich stehen, bilden sie eine Gesamtheit mit einigen Parallelen und Verbindungen zueinander. Der rote Faden ist Robin, genauer gesagt der Umgang mit dem Tod von Damian, Bruce Waynes Sohn. „Resolve“ (Batman #18) handelt davon, wie Harper Row, das Elektriker-Mädchen, das Batman nach seiner Gefangenschaft beim Rat der Eulen gerettet hat, Damians Nachfolge als Batmans Sidekick antreten will. Wieder einmal hilft sie Batman aus der Patsche, als er sich – nach selbstausbeuterischen Kämpfen – mit venom-gedopten Hunden anlegt, doch er verweigert ihr zunächst ihren Wunsch. Erst nachdem Harper Bruce Wayne einen Besuch abstattet, wird Batman weich.

In „Nowhere Man“ (Batman #19-20) wird die Trauer um Robin gestört durch einen Doppelgänger. Hier wird eine Brücke zur Zero Year-Episode geschlagen: Während damals Bruce Wayne als Red Hood-Mitglied verkleidet bei einem Bankraub beteiligt war, raubt er hier nun unmaskiert eine Bank aus. Natürlich ist er es nicht wirklich, sondern bloß Clayface, der Waynes Reputation durch … den Dreck ziehen will (oje, der war flach, sorry). Im Gegensatz zu den Auftritten des Schurken in Detective Comics und The Dark Knight ist Clayface hier zum ersten Mal eine interessante Figur, da er jeglichen Bezug zu seinem alten Ich verloren hat und nur noch die DNA anderer imitieren kann. Er ist nichts als ein formbarer Klumpen Lehm – ein Nowhere Man, ein Niemand.

Wiedersehen mit einem Gesichtslosen

Einen anderen Niemand jagt Batman in „The Meek“ (Batman #34): Ein Totengräber für Arme legt gerne mal eine Leiche dazu, die er selbst zu verantworten hat. Batman kann ihn zwar mit detektivischem Gespür fassen, aber er kommt nicht hinter dessen Identität – also landet er folgerichtig in der leeren Zelle eines anderen Namenlosen: des Jokers. Der Mörder nennt sich selbst The Meek, sagt von sich selbst, ein Nobody zu sein und wünscht sich, aus der Welt spurlos zu verschwinden. Damit erweist er sich als Wiedergänger des Postboten Joseph Zedno, der in einer Story von Doug Moench und Kelley Jones als „Faceless“ Menschen umgebracht hat, um ein Jemand zu sein (siehe Batman #542-543, 1997, dt. Batman #32, Dino Verlag, enthalten im Time Warp 2). The Meek macht im Gegensatz zu Zedno aus der Not eine Tugend. Batman wird mal wieder an die Vergänglichkeit allen Seins erinnert – sehr schön versinnbildlicht in der letzten Splash Page, auf der ein Totenkopf aus Leichen gebildet ist.

Erneut mit seinem Verlust konfrontiert wird Batman in „Cages“ (Batman Annual #2), eine Story, die in dem Band zwei Mal fälschlicherweise als „Ages“ bezeichnet wird. Die Prämisse ist eine interessante Idee: Batman lässt sich freiwillig in Arkham einsperren, um die neue Sicherheitstechnik zu testen. Doch nicht nur er bricht aus, auch die älteste Insassin. The Anchoress (die Einsiedlerin) kann nämlich durch Wände gehen. Sie wirft ihm vor, dass durch all die Schurken, die er im Asylum einliefert, sie selbst vernachlässigt worden sei, statt therapiert zu werden. Jetzt will sie sich an ihm rächen, indem sie ihn mit ihren mentalen Kräften in eine Art Gedankenkäfig zu sperren versucht. Batman muss noch einmal den Tod seines Sohnes mitansehen. Die Story wurde zu Unrecht verrissen. Bis auf die Zeichnungen, die nicht an einen Greg Capullo heranreichen, tut es gut, auch einmal eine Geschichte mit einigen frischen Ansätzen zu lesen, auch wenn aus dem Sicherheitstest in Arkham am Ende leider keine Resultate folgen. (Das Cover ist allerdings großartig.)

Vorschau auf die Zukunft

Die schwächste Geschichte in Graveyard Shift ist „Ghost Lights“ (Batman #19-20, jeweils die Zweitstory): Batman versucht mit Superman einen bösen Geist zu bannen. Superman erweist sich als ziemlich nutzlosen Kämpfer, aber dafür als guter Freund, der dem Trauernden beisteht, auch wenn Batman ihm den Dienst nicht erwidert.

In „Batman Eternal“ (Batman #28), einer Vorschau für die gleichnamige Serie, die in naher Zukunft spielt (Besprechung folgt), kämpft Harper Row als Bluebird an der Seite von Batman in einem dystopischen Szenario. Nach einer Unterhaltung mit Selina Kyle gibt es ein Wiedersehen mit Stephanie Brown alias Spoiler, die in der alten Continuity kurz der vierte Robin sein durfte (danach kam Damian).

Zusammengefasst kann man Graveyard Shift für Batman als Zwischenspiel zur Trauerbewältigung begreifen. Die heimliche Hauptrolle spielt hier Robin in absentia – ein Phantom. Für den Leser bietet sich eine abwechslungsreiche Anthologie von Geschichten, die sich kurzweilig lesen und meist auch grafisch überzeugen können. Damit kann man sich gut vertrösten, bis Endgame als Buch erscheint.

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Zocker mit Zivilcourage

Das Batman-Video der Woche ist wohl der Trailer zum Arkham Knight-Game. Das Besondere daran ist nicht nur, dass es mit echten Darstellern gedreht ist, sondern auch eine ernsthafte Botschaft hat. Ein Mann wird in einer dunklen Gasse von Schlägern bedroht, ein anderer sieht in der U-Bahn dabei zu, wie ein Mann bedrängt wird, ein Feuerwehrmann sieht einen Menschen in einem brennenden Haus. „Be selfless“, heißt es dann, „be determined“, „be courageous“, „be feared“ und dann – „be the Batman“. Die Macher beweisen damit nicht nur Einfallsreichtum, indem sie anpreisen, die Rolle eines coolen Comichelden einnehmen zu können, sondern auch mit der doppelten Lesart, denn genauso gut könnte der Clip auch als Aufruf zur Zivilcourage verstanden werden. Von wegen Computerspiele sind nur Eskapismus für Stubenhocker. Jeder kann Batman sein – auch im echten Leben.

(Kleiner Wermutstropfen: Wie der Basketballspieler, der trotz seiner Handverletzung spielt, in diese Reihe der Alltagshelden passt, erschließt sich mir nicht. Gamer, die es mit dem Zocken übertreiben, sollten vielleicht lieber zum Arzt gehen, bevor es noch schlimmer wird. Batman ist da vielleicht ein schlechtes Vorbild.)

Batman nach Orson Welles

Batman: Citizen Wayne

Titel: Citizen Wayne

Autor/Zeichner: Mark Waid & Brian Augustyn/Joe Staton

Erschienen: 1994 (Legends of the Dark Knight Annual #4; Paperback: Superman/Batman: Alternate Histories, 1996)


„If the city’s freedom is regained by someone outside the law, the freedom is worthless.“ (Bruce Wayne)

Was wäre wenn … Orson Welles Batman verfilmt hätte? Dann hätte Bruce Wayne nur seinen Vater bei dem Überfall verloren, wäre wohl Zeitungsverleger geworden und hätte das organisierte Verbrechen mit den aufklärerischen Mitteln der Pressefreiheit bekämpft. Und es wäre sein bester Freund, der Bezirksstaatsanwalt Harvey Dent, der zu drastischeren Methoden gegriffen hätte.

Das ist die Prämisse der Elseworlds-Story Citizen Wayne, die an Orson Welles‘ Filmklassiker Citizen Kane von 1941 angelehnt ist. Doch hier geht es nicht um die Frage, wer oder was „Rosebud“ ist, sondern darum, was dazu geführt hat, dass Wayne und Dent bei einem gleichzeitigen Sturz vom Dach umgekommen sind. Ähnlich wie bei Welles geht ein Unbekannter der Frage nach, ein zunächst namenloser Assistant District Attorney. Damit gleichen nur das Erzählverfahren und der Stil dem Film. Schwarze Schatten bestimmen die Seiten und die Figuren wirken überaus lebendig, auch wenn die Herren in ihren Anzügen mit ihren überaus breiten Schultern wie Kleiderschränke aussehen.

Citizen Wayne erzählt die Geschichte einer Freundschaft, die beim Kampf gegen das Verbrechen zerrieben wird. Ein Mann verliert seine Existenz und wird zum selbsternannten Rächer jenseits des Gesetzes, der zum Mörder wird, während ein anderer zu seinen Idealen steht. Am Ende kommt es zu einem Duell zwischen Batman und Bruce Wayne in Samurai-Rüstung. Die Autoren verstehen es, die Problematik zwischen Recht und Unrecht auszuloten und dabei das Scheitern der Freundschaft als Tragödie glaubhaft zu machen. Außerdem sieht Batman mit seiner goldenen Maske und dem an Polizei- und Soldaten-Uniformen angelehnten Kostüm ziemlich cool aus. Ein bemerkenswertes Stück alternativer Geschichte – und eine gelungene Hommage an die Filmkunst der 40er.

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics

Batman Earth One 2: Versuch und Irrtum

DC Comics

DC Comics

Titel: Earth One Vol. 2

Autor/Zeichner: Geoff Johns/Gary Frank

Erschienen: 2015 (One-shot)


„You’re not much of a detective, are you?“ (James Gordon)

„See, Bruce, you might have worked out who you are. But in Gotham, you never know who anyone else really is.“ (Alfred Pennyworth)

Dieser neue Typ im Fledermauskostüm mag zwar gut darin sein, den Abschaum der Straße aufzumischen, aber er hat keine Ahnung davon, wie man sein Hirn benutzt: Am Tatort trampelt er auf Beweisen herum, verwischt mögliche Fingerabdrücke. Batman hat sich schon mal geschickter angestellt. Doch auf Erde eins ist er nicht nur ein Neuling, er ist auch ein Greenhorn, dessen Lehrjahre mit dem Anlegen der Maske und dem Bestehen der ersten Feuerprobe noch längst nicht beendet sind. Während er sich von James Gordon sagen lassen muss, mal seinen Verstand einzuschalten, meint Alfred, er solle mal lieber ein scumbag oder lowlife vom Dach werfen, um ein Zeichen zu setzen.

Im zweiten Teil der Earth One-Saga, einer alternativen Welt, muss Batman Muskeln und Hirn einsetzen, um gegen zwei klassiche Schurken zu bestehen: Killer Croc und Riddler. Letzterer terrorisiert die Bürger Gothams mit Rätselspielchen, die darauf hinauslaufen, dass Menschen sterben – aber er selbst bleibt das größte Rätsel. Man hört nur seine Stimme, man sieht ihn nicht und weiß nicht, was er mit dem Terror vorhat. Schließlich fällt der Verdacht auf Bruce Wayne zurück, Alfred kommt in den Knast – und Batman rackert sich ziemlich ab, um nicht nur sich selbst zu behaupten, sondern auch seine Beziehung zu Jessica Dent, der neuen Bürgermeisterin und Zwillingsschwester von Bezirksstaatsanwalt Harvey Dent, aufzubauen. Der Bruder hat allerdings seine Vorbehalte.

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Crashkurs Rock and Roll

DC Comics

DC Comics

Titel: Fortunate Son

Autor/Zeichner: Gerard Jones/Gene Ha

Erschienen: 1999 (One-shot), dt. Panini 2002 (DC Premium)


„Auf den Dächern Gothams gibt es keinen Soundtrack.“ (Batman)

„Wenn einem was nicht gefällt, findet man immer Gründe dafür!“ (Robin)

Eine der drängendsten Fragen der Comicleser ist nicht etwa, wo Batman seine Seile befestigt, auch wenn keine Hochhäuser in der Nähe sind, oder wie er auf Toilette geht, wenn er seinen Anzug trägt, sondern was für eine Musik er hört. Jedenfalls dachten sich das Ende der 90er die Leute bei DC, dass uns das interessiert. Frank Miller beantwortete die Frage einige Jahre später ganz klar: In der Bathöhle läuft Klassik, auch wenn Batman bei ihm nicht unbedingt der klassische E-Musik-Hörer ist …

In dieses Bild passt auch Fortunate Son. Batman outet sich darin ganz klar als unrockbarer Reaktionär: „‚Punk‘ ist nichts als Tod … Verbrechen die Wut des Tieres“, lässt er Robin wissen. Seine Meinung gründet darauf, dass ein Punker mal eine Frau ermordet hat, die Bruce Wayne liebte. Über Rock im Allgemeinen sagt Batman: „Wahnsinn schwingt in jedem Akkord dieser Musik mit“. Und um Robin davon zu überzeugen, macht er mit ihm eine kleine Studienreise nach Arkham, wo wie auf Kommando alle irren Superschurken ihre Lieblingsinterpreten aufsagen. Two-Face mag übrigens sowohl Abba als auch Black Sabbath – falls das irgendwen interessiert.

Aber in der Geschichte geht es um mehr als Geschmäcker, es geht um Generationenkonflikte und Popkulturgeschichte. Der Rockstar Izaak Crowe, der auf dem Höhepunkt seiner Karriere angelangt ist, befürchtet den kommerziellen Ausverkauf. Also jagt er ein Fernsehstudio in die Luft und macht sich in einem Auto auf eine Reise durch die Staaten – jedenfalls scheint es, als wäre er schuldig. Weil Robin von seiner Unschuld überzeugt ist, macht er sich mit Batman auf den Weg, um zu beweisen, dass Crowe ein guter Mensch ist. Man hat ja sonst keine Probleme.

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Die verhinderte Fledermaus

Detective No 27

DC Comics

Titel: Batman: Detective No. 27 (Detective #27)

Autor/Zeichner: Michael Uslan/Peter Snejbjerg

Erschienen: 2003 (One-shot)


 „Did you ever dance with the devil in the pale moonlight?“

Eine Batman-Story ohne Batman. Bruce Wayne sitzt am offenen Fenster und überlegt gerade, wie er am besten das Verbrechen bekämpfen kann, das seine Eltern das Leben kostete, da klopft es an der Tür. Wayne schließt das Fenster, eine Fledermaus fliegt dagegen. „Stupid bird!“, sagt Wayne genervt ohne richtig hinzusehen. Kurz darauf wird er zum „Detective No. 27“, Mitglied einer Geheimgesellschaft, die gegen eine Verschwörung von Südstaatlern kämpft. Einige von denen haben es nicht verkraftet, den Bürgerkrieg verloren zu haben, also ermordeten sie Abraham Lincoln und planen jetzt, den Norden mit einem tödlichen Gift zu vergasen.

Der Reiz dieser etwas weit hergeholten Geschichte besteht darin, dass sie zwar in der Welt von Batman spielt, aber alles, was man von ihr kennt, lediglich tangiert. Es gibt einen Elternmord, einen Verbrechensbekämpfer, der inkognito unterwegs ist, einen Alfred und sogar einen Robin, aber ohne dass Bruce Wayne sich je als Batman kostümieren würde. Stattdessen begnügt sich die Story mit Anspielungen und (zuweilen kalauerhaften) Wortwitzen. Der platteste fällt, nachdem Wayne eine Horde von Schurken mit einem Baseballschläger (engl. „bat“) zusammengeschlagen hat: „You swing a helluva stick for a civilian, my friend!“, sagt ein Mitstreiter. „Gonna have to start calling you ‚the Bat-Man‘!“ Ansonsten haben wir einen grinsenden Joker (der jedoch nicht blasshäutig ist), einen Mad Scientist namens Hugo Strange, einen Professor Crane und eine Selina Kyle, genannt „the Cat“. Selbst Superman schaut am Ende vorbei – allein dieser trägt sein typisches Kostüm.

Es wird also viel geboten. Das alles geschieht in einem historischen Kontext (die Haupthandlung spielt – natürlich – im Batman-Geburtsjahr 1939), Autor Michael Uslan hat ans Ende des Bandes sogar ein paar Fußnoten gesetzt, in denen er Bezüge zur Geschichte erklärt. Es ist diese Liebe zur Ausschmückung, die diesen Band so sympathisch macht. Peter Snejbjergs schlichte Zeichnungen, die zuweilen an den Animated-Stil erinnern, sind ebenso detailreich und voller Leben. Es ist ein gewagtes Experiment, Batman aufs Cover zu schreiben und dann keinen zu bieten. Aber auch konsequent. Und allein dafür gebührt den Machern Respekt.

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics

Mit Herzblut bei der Sache

DC Comics

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Titel: Batman and the Mad Monk (Dark Moon Rising, Part 2) (dt. Batman und der Rote Mönch)

Autor/Zeichner: Matt Wagner

Erschienen: 2006-2007 (Mini-Serie #1-6, Paperback 2007), dt. Panini 2007 (100% DC)


„Have I inspired this? … Have I inadvertently given license to every crook with a flair for the dramatic?“ (Batman)

„I don’t care if that hurts. I am a master of pain and suffering and you’re my latest guinea pig.“ (Batman)

„What kind of monster instills such fear in his followers? Something far more frightening than the ‚Bat-man‘.“ (Batman)

Nachdem Batman den verrückten Wissenschaftler Hugo Strange und seine genmanipulierten Monster besiegt hat, bekommt er es mit einem anderen übernatürlichen Fall zu tun: Ein Vampir treibt sein Unwesen in Gotham und macht bei der Entsorgung seiner blutleeren Opfer den gleichen Fehler wie Strange. James Gordon fragt sich mal wieder, was mit seiner Stadt los ist und muss sich buchstäblich wieder mit Kollegen rumschlagen, weil er einigen Polizisten immer noch lästig ist – vor allem wegen seiner Allianz mit Batman. Auch der private Kram geht weiter: Julie Madison spioniert ihrem Liebhaber Bruce Wayne hinterher und fällt dem Vampirkult in die Fänge, während ihr Vater Norman Madison verrückt wird, weil ihn das schlechte Gewissen ob seiner Schulden plagt und er sich von Batman verfolgt fühlt.

Matt Wagners Zweiteiler (oder auch Zwölfteiler) Dark Moon Rising nimmt erst hier richtig Fahrt auf. Wie schon bei Monster Men hat der Autor und Zeichner nur die Grundidee der Ur-Geschichte von 1939 (Detective Comics #31-32) übernommen und lässt sich viele Freiheiten bei seiner Gestaltung, damit sie auch in sein Konzept passt. Die Story ist im besten Sinne klassisch: Wagner bedient sich bei der Pulp- und Schauerroman-Tradition (vor allem bei Bram Stokers Dracula), fährt ein mustergültiges schauriges Schloss auf, das Dracula alle Ehre gemacht hätte, bietet Wölfe, tödliche Fallen, Särge als Betten, eine eiserne Jungfrau, Batarangs aus Silber, einen finsteren Geheimbund und schöne Frauen als Opfer. Batman wird auf sehr drastische Weise zum Tiermörder und kommt mal wieder nur sehr knapp und mit vielen Wunden davon – um nicht zu sagen: er ist ziemlich im Arsch. Wie es sich für die Storys aus Batmans Frühzeit gehört, wird der Held sehr menschlich, also irrend und verletzlich dargestellt, aber auch – dank Alfred – mit einem Schuss Selbstironie. Batman fragt sich bei einer kurzen Begegnung mit Catwoman, ob er selbst nicht für all die kostümierten Spinner die Inspiration bietet. In einer der besten Szenen verpasst Batman den Bullen, die James Gordon vermöbeln wollen, eine ordentliche Abreibung – und sieht dabei auch noch cool aus.

Überhaupt ist Matt Wagners Batman trotz seiner Klobigkeit eine ziemlich dynamische Erscheinung und macht sowohl bei Licht als auch im Schatten eine gute Figur. Die restlichen Figuren, besonders die Frauen, überzeugen nicht immer. Das Batmobil macht im ersten Teil ohne die lächerlichen Flossen und die pflugartige Bat-Maske an der Spitze mehr her. Dafür ist Wagner ein begnadeter Cover-Artist, mit einem Instinkt fürs Wesentliche – und im Gegensatz zum ersten Teil bekommt man im Paperback von Mad Monk auch alle sechs Cover in voller Größe präsentiert.

Der rot gewandete Vampirmönch ist leider kein so ausgeprägter und interessanter Charakter wie Dr. Strange, die einzige Frage, die sich bei ihm stellt ist, ob er ein wahrer Vampir oder nur ein Scharlatan ist. Sein Abgang am Ende ist einer der dreistesten Deus ex machina, der je eingesetzt wurde, aber kommt so unerwartet, dass es schon fast wieder witzig ist. (Ich will nicht zu viel vorwegnehmen, aber die Szene spielt auch mit einem Batman-Klischee.) Auch das Ende von Norman Madison kommt etwas plötzlich und bleibt unbefriedigend. Und dass Batman erst wie Bruce Wayne klingen kann, wenn er seine Maske dazu abnimmt, ist wohl das Unplausibelste an der ganzen Geschichte, aber sei’s drum.

Dennoch macht Batman and the Mad Monk viel Spaß, es setzt Monster Men nicht nur würdig fort, sondern überbietet den ersten Teil sogar. Direkt daran schließt sich chronologisch The Man Who Laughs an – die erste Begegnung mit dem Joker.

Mehr zum Thema:

Großes Gangster-Gemetzel

DC Comics

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Titel: Batman and the Monster Men (Dark Moon Rising, Pt. 1) (dt. Batman und die Monster-Männer)

Autor/Zeichner: Matt Wagner

Erschienen: 2006 (Mini-Serie #1-6, Paperback 2006) dt. Panini 2006 (100% DC)


„It’s like something out of a tawdry crime novel!“ (Norman Madison)

Für einen Bankraub ist es wohl eine der genialsten Ideen aller Zeiten: Man entführt einfach ein paar Irre, erfindet ein Mittel, mit denen man sie zu Riesen-Monstern mutieren lässt und lässt sie auf die Straße los. Die Öffentlichkeit und die Polizei werden so damit beschäftigt sein, die Bestien einzufangen, dass man in der Zeit leicht in ein paar Banken ein- und ausspazieren kann. „Clever, isn’t it?“, fragt Hugo Strange Batman. „You know, at times I am amazed at my own genius!“ Aber da hat Strange nicht mit Batman gerechnet. Der macht die Monster im Alleingang fertig, mixt sich schnell ein Mittelchen gegen das Mutantenserum und dann zerschlägt den Plan wie ein Monster sich selbst, das vom Wolkenkratzer stürzt.

So war das damals, in Batman #1 von 1940. Matt Wagner hat die Geschichte von Hugo Strange und den Monstern noch mal erzählt. Ohne den Bankraub. In dieser Fassung strebt der Mad Scientist nicht nach dem schnöden Mammon, sondern nach höheren Zielen: dem Übermenschen, ganz klassisch also. Weil er selbst kleinwüchsig, kahlköpfig und kurzsichtig ist, will er damit eigentlich nur ein besseres Abbild seiner selbst erschaffen – aber das geht gründlich schief. Heraus kommen bloß Freaks mit Hang zum Kannibalismus. Strange füttert sie mit Menschen. Und weil er die Überreste nur schlampig entsorgt, werden Polizei und Batman auf ihn aufmerksam. Außerdem leiht er sich die Kohle für die Forschung bei der Mafia, was ihm zusätzlich Ärger einbringt.

Für Batman ist es der erste übernatürliche Fall seiner Karriere. Er ist seit ein paar Monaten aktiv, hat sich James Gordons Vertrauen erworben, aber der Polizist steht unter Druck, weil er mit einem Vigilanten kooperiert. Parallel hat Bruce Wayne was mit Julie Madison laufen, der Tochter des Industriellen Norman Madison, der wiederum hochverschuldet bei der Mafia ist. Am Ende laufen die Fäden in einem großen Gemetzel zusammen.

Zweifelsfrei hat Matt Wagners Version der Geschichte mehr erzählerische Qualitäten als das Original, an das er sich nur lose hält. Das fängt schon damit an, dass er die Monster erst im zweiten Akt zeigt und somit mehr Spannung aufbaut. Er hat ein paar gute Ansätze, wie etwa die Engführung von Strange und Batman, ja eigentlich ist alles da, was eine Batman-Story braucht: Action, Romance, Gore, ein bisschen Zwischenmenschliches. Höhepunkt ist die Szene, in der Batman bei den Monstern eingesperrt ist und nicht nur gegen sie kämpfen, sondern sich auch befreien muss. Im Finale mündet die Story leider in einer plumpen Ballerei, in der sich zu viele Lösungen von selbst ergeben. Aber immerhin bekommen wir (im Sinne der Continuity) erstmals das Batmobil zu sehen – und es ist ein wahrer Hingucker geworden. In einer der besten Szenen fragt Alfred ironisch, ob Batman nicht noch ein paar Heckflossen dranbauen will … Batman schweigt nur betreten. Bei Frank Miller hätte er nur gesagt: „Shut up.“

Die Story gilt IGN als eine der 25 besten aller Zeiten, aber an sein Frühwerk Faces kommt Matt Wagner damit leider nicht heran. Während der Ereignisse in Monster Men entwickelt Hugo Strange seine Faszination für Batman, am Ende wird er zum TV-Experten, der Ferndiagnosen für den Vigilanten erstellt; wie es weitergeht, kann man in Prey und Terror nachlesen.

>> Batman 2000-2011

Düstere Dreifaltigkeit

Batman ist ein Vampir. Superman hat einen Bart und ist der Sohn von General Zod. Und Wonder Woman … trägt ein weißes Kostüm mit ganz tiefem Ausschnitt. „Justice is redefined“, lautet die Devise im neuen Zeichentrick-Film, der in den USA am 28. Juli erscheinen soll: Justice League: Gods and Monsters wird er heißen, geschrieben vom Animated-Dreamteam Alan Burnett und Bruce Timm. Der Trailer verheißt ein düsteres Spektakel, in der die Welt und die Helden anders dargestellt werden, als man es sonst aus den Filmen kennt. Es beginnt mit einem Massaker, verbrannten Leichen, man schiebt die Schuld Superman zu, Helden werden gefürchtet und gejagt, Lex Luthor betreibt seine Hetze: „Man kann der Justice League nicht trauen.“ Die klassische Dreifaltigkeit aus Superman, Batman und Wonder Woman muss sich gegen die Menschen wehren, die sie beschützen wollen. Ob man den Planeten rettet oder ihn beherrscht, ist nicht mehr klar zu unterscheiden. Batman hat wie immer die beste Lösung parat: „We can get a lawyer – or we can beat the hell out of them.“

Dem Trailer nach zu urteilen erwartet uns ein vielversprechendes Werk. Wochen vor dem Erscheinen sollen in einer dreiteiligen Web-Serie die Hauptcharaktere eingeführt werden: Justice League: Gods and Monsters Chronicles. Sie soll über die Online-Plattform Machinima verbreitet werden. Außerdem sollen mit dem Film auch Prequel-Comics erscheinen, die zuerst digital herauskommen. Von den Sammlerfiguren ganz zu schweigen …

Die Promo-Maschine für Batman v Superman: Dawn of Justice läuft. Wir freuen uns natürlich trotzdem, dass uns die Wartezeit verkürzt wird.

Hardboiled Robin

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Titel: Nine Lives (dt. Neun Leben)

Autor/Zeichner: Dean Motter/Michael Lark

Erschienen: 2002 (One-shot), dt. Panini 2002


„Maybe being Batman made perfect sense in his world.“ (Dick Grayson)

Für gewöhnlich kann man Elseworlds-Szenarien auf eine Was-wäre-wenn-Formel bringen. Bei Nine Lives könnte man fragen: Was wäre, wenn Zirkuskind Dick Grayson nach dem Tod seiner Eltern Privatdetektiv geworden wäre? Doch damit allein würde man der Story nicht gerecht werden. Denn Dean Motter imaginiert hier ein typisches Noir-Szenario im Stil der 40er: Altmodische Gangster machen die Stadt unsicher, wenige ehrliche Menschen wehren sich dagegen, eine zwielichtige Frau mit Beziehungen zu allen Seiten wird ermordet in der Kanalisation gefunden. Diese Frau heißt Selina Kyle, ist zur Abwechslung eine Farbige und Catwoman ist nicht mehr als ein Spitzname. Ähnlich verfährt Motter mit dem Rest der bekannten Batman-Figuren: Die typischen Schurken wie Joker, Pinguin, Riddler, Mr. Freeze, Two-Face und Clayface sind gewöhnliche Menschen, haben weder besondere Fähigkeiten noch Kostüme. Es sind einfache Gangster und Handlanger, Edward Nygma ist sogar nichts als ein Buchhalter. Die zentrale Frage ist: Wer von ihnen hat Selina Kyle umgebracht?

Privatdetektiv Dick Grayson – ein typisch gebrochener Anti-Held – geht der Sache nach, kommt Batman in die Quere und verbündet sich schließlich mit ihm, um den Fall zu lösen. Die Handlung an sich ist nicht der Rede wert. Nine Lives funktioniert am besten als das, was es sein will, als Hommage an die gute alte Zeit des Detektiv-Romans und Noir-Films. Batman spielt nur eine untergeordnete Rolle, man könnte sagen, er sei hier nur der Sidekick von Grayson – ohne dass dieser hier jemals eine Art Robin wäre. Und gerade diese Eigenschaft zeichnet ihn am meisten aus. Zeichner Michael Lark und Kolorist Matt Hollingsworth sorgen mit ihren an David Mazzuchelli orientierten Panels (eine Reminiszenz ist sogar im Buch versteckt) für eine sinistre Stimmung – ohne jedoch alles übertrieben in Schatten tauchen zu müssen. Die Figuren werden mit wenigen Strichen schlicht und dennoch lebhaft dargestellt.

Die größte Besonderheit: Das Buch ist im Querformat angelegt. Das allein regt dazu an, einen anderen Blick auf bekannte Charaktere zu werfen. Insgesamt ist Nine Lives eine willkommene Abwechslung – formal wie inhaltlich.

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics