Hardboiled Robin

batman-ninelives

Titel: Nine Lives (dt. Neun Leben)

Autor/Zeichner: Dean Motter/Michael Lark

Erschienen: 2002 (One-shot), dt. Panini 2002


„Maybe being Batman made perfect sense in his world.“ (Dick Grayson)

Für gewöhnlich kann man Elseworlds-Szenarien auf eine Was-wäre-wenn-Formel bringen. Bei Nine Lives könnte man fragen: Was wäre, wenn Zirkuskind Dick Grayson nach dem Tod seiner Eltern Privatdetektiv geworden wäre? Doch damit allein würde man der Story nicht gerecht werden. Denn Dean Motter imaginiert hier ein typisches Noir-Szenario im Stil der 40er: Altmodische Gangster machen die Stadt unsicher, wenige ehrliche Menschen wehren sich dagegen, eine zwielichtige Frau mit Beziehungen zu allen Seiten wird ermordet in der Kanalisation gefunden. Diese Frau heißt Selina Kyle, ist zur Abwechslung eine Farbige und Catwoman ist nicht mehr als ein Spitzname. Ähnlich verfährt Motter mit dem Rest der bekannten Batman-Figuren: Die typischen Schurken wie Joker, Pinguin, Riddler, Mr. Freeze, Two-Face und Clayface sind gewöhnliche Menschen, haben weder besondere Fähigkeiten noch Kostüme. Es sind einfache Gangster und Handlanger, Edward Nygma ist sogar nichts als ein Buchhalter. Die zentrale Frage ist: Wer von ihnen hat Selina Kyle umgebracht?

Privatdetektiv Dick Grayson – ein typisch gebrochener Anti-Held – geht der Sache nach, kommt Batman in die Quere und verbündet sich schließlich mit ihm, um den Fall zu lösen. Die Handlung an sich ist nicht der Rede wert. Nine Lives funktioniert am besten als das, was es sein will, als Hommage an die gute alte Zeit des Detektiv-Romans und Noir-Films. Batman spielt nur eine untergeordnete Rolle, man könnte sagen, er sei hier nur der Sidekick von Grayson – ohne dass dieser hier jemals eine Art Robin wäre. Und gerade diese Eigenschaft zeichnet ihn am meisten aus. Zeichner Michael Lark und Kolorist Matt Hollingsworth sorgen mit ihren an David Mazzuchelli orientierten Panels (eine Reminiszenz ist sogar im Buch versteckt) für eine sinistre Stimmung – ohne jedoch alles übertrieben in Schatten tauchen zu müssen. Die Figuren werden mit wenigen Strichen schlicht und dennoch lebhaft dargestellt.

Die größte Besonderheit: Das Buch ist im Querformat angelegt. Das allein regt dazu an, einen anderen Blick auf bekannte Charaktere zu werfen. Insgesamt ist Nine Lives eine willkommene Abwechslung – formal wie inhaltlich.

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