Batman (Comic-Serie)

Under the Hood: Niemand stirbt für immer

DC Comics

DC Comics

Titel: Under the (Red) Hood

Autor/Zeichner: Judd Winick/Doug Mahnke

Erschienen: 2005-2006 (Batman #635-641, #645-650, Batman Annual #25), Paperback 2005/2006 (zwei Bände), 2011 (ein Band, Titel: Under the Red Hood)


„He was never supposed to die.“

„This has nothing to do with science … or logic …“ (Batman)

„Fear isn’t the answer.“ (Red Hood)

Under the (Red) Hood ist wieder so eine Geschichte, über die man nicht sprechen kann, ohne das Wichtigste vorwegzunehmen. Während die Erstleser noch rätseln konnten, wer sich unter der roten Maske verbirgt, dürfte das heute den meisten Lesern klar sein, deshalb sei es hier gesagt: Jason Todd, der vom Joker totgeprügelte Robin II, kehrt von den Toten zurück. Und diese Entscheidung dürfte noch umstrittener gewesen sein, als die Leser damals über den Tod abstimmen zu lassen (vgl. A Death in the Family). Denn immerhin wird damit ihr (Todes-)Urteil für nichtig erklärt.

Was kurz zuvor bei Hush noch ein nettes Gimmick in der Story war, aber sich als Trugbild offenbarte, wird hier zur Tatsache. Im Nachhinein war es doch nicht Clayface in der Gestalt von Robin, der Batman einst auf dem Friedhof begegnet ist, sondern tatsächlich Jason Todd, der später mit Clayface die Rollen getauscht hat. Und es beweist erneut die alte Superhelden-Weisheit: niemand stirbt für immer. Nach dem Tod und der Wiederaufstehung von Superman sind auch Green Lantern Hal Jordan, Wonder Woman und Green Arrow Oliver Queen diesen Weg gegangen. Egal, ob man Superkräfte hat oder nicht, es findet sich immer ein Weg, die Toten zurückzuholen – mit welcher fadenscheinigen Begründung auch immer. Die einen Fans fühlen sich verschaukelt, die anderen freuen sich über die Rückkehr einer beliebten Figur oder einfach nur über eine unerwartete Wendung. Nichts ist unmöglich in der Welt der Superhelden. Das lässt sie leider auch oft sehr willkürlich erscheinen.

Der neue Jason Todd wählt die rote Maske, mit der sein Mörder einst seine Gauner-Karriere begann. Red Hoods Ziel ist klar: Rache. Aber zuvor versucht er, mit drastischen Methoden in Gotham aufzuräumen. Skrupellos tötet er Drogendealer und andere Kriminelle, ruiniert die Geschäfte von Black Mask, indem er etwa dessen Waffen stiehlt. Batman geht Red Hood zu weit. Der Meister versucht seinen Schüler aufzuhalten, aber sein Gegner ist gut ausgebildet. Schnell kommt der Detektiv auf den Trichter, dass es sich um Jason handeln könnte und er befragt einige Wiederauferstandene wie Superman und Green Arrow nach dem Tod. Schließlich, in der Mitte der Story, kommt es zur Offenbarung. Doch viele Fragen bleiben offen, von denen bloß die geringste ist, warum Jason unter der Maske eine weitere trägt.

Batman muss sich von Jason eine Standpauke gefallen lassen, dass er mit seinem halbherzigen Handeln gegen Kriminelle im Allgemeinen und gegen den Joker im Besonderen, weitere Morde zu verantworten hat. Später kämpfen er und Jason doch vereint gegen ein paar von Black Mask beauftragte Attentäter. (Der Attentäter Deathstroke schickt – statt den Auftrag selbst zu erledigen – drei Idioten wie Count Vertigo, Hyena und Captain Nazi vorbei.) Im Finale läuft es auf einen Showdown mit dem Joker hinaus. Und nach einem abrupten und explosiven Ende wird nachgetragen, wie Jason zurück ins Leben fand.

Die Begründung ist hanebüchen und dreist. Und zugleich auch völlig egal. Ob es die Lazarusgrube war oder Magie oder nur ein Scheintod, spielt keine Rolle. Aber dass Superboy-Prime mit ein paar Erschütterungen des Multiversums (siehe Infinite Crisis) das Schicksal wieder einrenkt und dadurch eine mysteriöse Macht Jason aus dem Grab holt, weil dieser nie hätte sterben dürfen, kommt für Fans einer Beleidigung gleich. Jim Aparos alternatives Ende für A Death in the Family zu aus dem Archiv zu kramen und in die Story einzubauen, legitimiert diese Wendung nicht. Auch die Erklärung für Jasons unbemerktes Verschwinden und seine lange Abwesenheit wirkt äußerst bemüht.

Trotz dieses kühnen Schrittes und großen Kunstfehlers ist Under the Hood eine durchaus unterhaltsame Story: Kurzweilig erzählt, grandios gezeichnet und mit ein paar knackigen Dialogen, die zum Teil sogar sehr witzig geraten sind (besonders die Sprüche von Black Mask). Schade ist nur, dass einige Handlungsstränge bloß angerissen, aber nicht zu Ende erzählt werden, zum Beispiel die Sache mit den Waffen, zu denen auch eine Kiste Kryptonit gehört, oder der Anschlag auf Blüdhaven. Auch das Finale endet mit einem Knall, ohne dass man in einem Epilog erfährt, was aus den Figuren geworden ist.

Am besten hat es Hilary Goldstein von IGN formuliert: “ It’s a well-told story, problem is I don’t like the story being told.“

(Die Story wurde 2010 unter dem Titel Under the Red Hood als Animationsfilm adaptiert.)

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Batman tappt im Dunkeln

DC Comics

DC Comics

Titel: Broken City (dt. Kaputte Stadt)

Autor/Zeichner: Brian Azzarello/Eduardo Risso

Erschienen: 2003-2004 (Batman #620-625, Paperback 2004), dt. Panini 2012


„I wouldn’t fret over it too much, detective. After all, what makes four a better story than the one that got away?“ (Little Boy)

Batman sucht Angel Lupo, einen kleinen Fisch, der Autos geklaut hat. Er soll seine Schwester hat umbringen lassen. Von Killer Croc. Als Batman Lupo nahe kommt, haut dieser ab – und hinterlässt zwei weitere Leichen, nämlich die Eltern eines Jungen – auf offener Straße. Das kann Batman erst recht nicht auf sich beruhen lassen. Also mischt er die ganze Stadt auf, um den Täter zu kriegen. Schließlich ist auch die ganze Stadt – Unterwelt wie Polizei – hinter Lupo her.

Brian Azzarello und Eduardo Risso (100 Bullets) erzählen eine Batman-Story in bester, klassischer Noir-Manier. Die Nähe zu Frank Miller ist vor allem grafisch unverkennbar, zuweilen erinnert das Setting sehr an seinen Dark Knight oder Sin City. In gewisser Weise ist es das Gegenstück zu dem überbordenden Hush von Loeb und Lee: Auch hier trifft Batman auf eine Reihe der üblichen Verdächtigen (Croc, Pinguin, Scarface, Joker) sowie einige neue (Fatman und Little Boy), die er nach dem Verdächtigen befragt, aber anders als bei Hush ist hier alles düster und in gedeckten Farben gehalten und es geht auch nicht um das große Ganze, ein Riesenkomplott oder ähnliches.

Darin liegt der Reiz der Story: Batman kümmert sich um einen kleinen Fall, aber begeht dabei große Fehler – er tappt auch buchstäblich im Dunkeln, weil er sich von persönlichen Gefühlen in die Irre leiten lässt. Azzarello konzentriert sich ganz auf die Hauptfigur, es gibt keine Batman-Familie, nicht einmal einen Alfred. Bruce Wayne brät sich sein Steak sogar alleine – zur Entspannung. Wir erfahren, dass er Angst vor dem Träumen hat, weil er darin sein Kindheitstrauma immer wieder erleben muss, und wir sehen einige interessante Variationen des altbekannten Motivs.

Broken City mag optisch vielleicht zu Beginn etwas gewöhnungsbedürftig sein, aber auf langer Strecke entfalten die Zeichnungen ihren Reiz. Azzarellos Worte hingegen machen es leicht, in die Geschichte einzutauchen. Das ist hardboiled Batman, wie ihn die Fans von Frank Miller und Alan Moore lieben.

(Im Band Batman Noir: Eduardo Risso ist Broken City auch in einer Schwarz-Weiß-Fassung erschienen.)

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Hush: Harte Bandagen

DC Comics

DC Comics

Titel: Hush

Autor/Zeichner: Jeph Loeb/Jim Lee

Erschienen: 2002-2003 (Batman #608-619), Paperback 2003 (zwei Bände), 2009 (ein Band), dt. Panini 2006 (zwei Bände), Eaglemoss DC Graphic Novel Collection 2015 (zwei Bände)


„You gotta be able to think like your opponent.“ (Thomas Elliot)

Killer Croc entführt einen Jungen. Bei der Lösegeldübergabe kommt Batman dazwischen. Catwoman macht sich mit dem Geld davon, Batman verfolgt sie, dabei wird sein Seil durchschnitten, er stürzt und wird dabei schwer am Kopf verletzt. Der Chirurg Dr. Thomas Elliot – ein alter Jugendfreund – flickt Bruce Wayne wieder zusammen . Doch als es wieder zum Kontakt zum genesenden Bruce kommt, wird „Tommy“ vom Joker erschossen. Batman gerät mal wieder in Versuchung, kurzen Prozess zu machen und seinen Erzfeind abzumurksen. Und das sind nicht die einzigen seltsamen Begebenheiten. Ein Unbekannter hat es auf Batman abgesehen. Aber wer? Und warum?

Lauter unerhörte Ereignisse passieren in Hush, einer der beliebtesten Batman-Storys des neuen Jahrhunderts. Autor Jeph Loeb setzt damit sein bewährtes Rezept fort, das er mit seinen 90er-Jahre-Epen mit Tim Sale etabliert hat: The Long Halloween und Dark Victory. Hier wie da wird eine Detektivgeschichte in rund einem Dutzend Kapiteln erzählt, die einmal durch die Rogues Gallery jagt. Bei Hush sind es neben Joker, Harley Quinn und Killer Croc auch Poison Ivy, Two-Face, Ra’s al Ghul, Riddler, Scarecrow und Clayface. Außerdem treten Helden wie Robin, Nightwing, Orakel, Huntress und Superman auf. Eine wichtige Rolle spielt außerdem Catwoman: Endlich kommt es zu einer intimen Annäherung mit Batman und zu einer Offenbarung. Eine Begegnung zwischen Batman und Superman wird weniger kuschelig – was will man mehr?

Mit diesem riesigen Personal bietet Loeb ein furioses Feuerwerk an bester Unterhaltung und Abwechslung. Es ist eine typische Story, die Fanherzen höher schlagen lässt, weil alles da ist, was sie begehren. Für alte Leser werden einige interessante Überraschungen geboten, vor allem eine, die mit einem Robin zusammenhängt und hier nicht verraten werden soll. Hinzu kommt noch, dass die Geschichte so erzählt ist, dass man auch als Neuling leicht einsteigen kann. Alle Hintergründe werden zu Genüge erklärt, sogar einige Male zu oft (vor allem den Mord an den Waynes – gähn). Loeb beweist sich erneut als erstklassiger Erzähler.

Mindestens so wichtig wie die furiose und spektakelgeladene Story sind die Zeichnungen des anderen J.L., Jim Lee. Im Gegensatz zu Tim Sale, der sich in seinen Panels auf das Wichtigste beschränkt, ist Jim Lee ein detailversessener Perfektionist. Und damit all die Details auch gut zu sehen sind, verzichtet er weitgehend auf Schatten, sodass Gotham, seine Helden und Schurken, bei ihm hell erstrahlen. Die knalligen Farben tragen dazu, dass das Lesen zu einer Augenweide wird. Seine Helden strotzen vor Kraft, seine Frauen sin voller Anmut, die Posen überaus dynamisch. Kurz: Jede Seite ist zu schön, zum Umblättern. Besonders die Rückblenden hinterlassen Eindruck. Denn die sind monochrom und (wie) mit Wasserfarben koloriert. Das verleiht den Panels eine besondere Aura von Kunst.

Bei aller Gefälligkeit gibt es dennoch einige Kritikpunkte: Der größte ist wohl die Plausibilität. Die Auflösung hinkt, die Motivation des mumienhaft bandagierten Schurken Hush leuchtet ebenso wenig ein wie der ganze Aufwand, den er betreibt, um Batman fertig zu machen. Das ginge auch einfacher, aber dann gäbe es ja die Story nicht. Trotzdem hätte man das eleganter lösen können. Und dann gibt es noch einige kleinere Plot Holes. Dass James Gordon gleich zwei Mal als deus ex machina herhalten muss, indem er aus dem Nichts auftaucht, um Batman zu retten, ist auch ein wenig plump.

Aber egal. Das sollte nicht das Gesamtvergnügen trüben. Hush hat Größe, Hush macht Spaß, Hush sollte man gelesen haben.

(Die Story wird fortgesetzt in Hush Returns, Heart of Hush, Hush Money und The House of Hush. Außerdem gibt es im Universum von Batman Beyond noch Hush Beyond.)

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Batmans Nullnummern

Titel: Batman #0, Detective Comics #0, Shadow of the Bat #0, Robin #0

Autor/Zeichner: Chuck Dixon, Doug Moench, Alan Grant u.a.

Erschienen: 1994 (dt. Dino 1997 als Batman #1-2, mit Ausnahme von Shadow of the Bat #0)


„Der Kampf adelt, nicht der Sieg.“

„Die Dunkelheit ist wie ein Umhang. Er trägt sie wie eine zweite Haut. Wie einen Schild.“

Im Jahr 2012 brachte DC Nullnummern seiner Serien heraus: Darin wurden ein paar Vorgeschichten der Helden erzählt, wie etwa zu Batmans Zero Year und der Zeit davor. Die Idee ist nicht neu: Im Jahr 1994 hat es so etwas schon einmal gegeben, im Rahmen des Zero Hour-Events. Dabei wurden ein paar Hefte gemacht, in denen die Origins leicht modifiziert wurden und die eine perfekte Einstiegslektüre ins DC-Universum bildeten. Daher haben sich diese Ausgaben auch hervorragend für den deutschen Dino-Verlag angeboten, damit im Jahr 1997 seine neue Batman-Serie zu starten.

In Batman #0 bekommt man Batmans Ursprung auf 22 Seiten zusammengefasst – inklusive der jüngsten Ereignisse nach dem Epos Knightfall mit Bane etc. Wir sehen den Sturz in die Bathöhle (vgl. Shaman), die erste Begegnung mit Alfred, den Elternmord, der in dieser neuen Version nie gelöst wurde, während zuvor Joe Chill als Mörder im Auftrag gehandelt hat. Eine Seite ist der Kindheit als Waise gewidmet, eine der Ausbildung im Ausland, dann folgen die drei Robins. Letzteres wird noch einmal ausführlicher in Robin #0 erzählt: Nightwing erzählt Robin III (Tim Drake), was bisher mit den Robins geschehen ist. Im Zentrum steht Two-Face, der bekennt, Robin doppelt so sehr wie seinen Erzfeind zu hassen: „Er ist Batmans Geheimwaffe!“ Die Geschichte wird – wie könnte es anders sein – aus doppelter Sicht erzählt.

In Detective Comics #0 werden die Lücken von Batman #0 mit Ausschmückungen gefüllt: Die Erkundung und der Ausbau der Bathöhle, das Beschaffen das Batmobils von Wayne Industries und der Umbau, das Nähen des Kostüms durch Alfred. Leider verträgt sich diese Version, in der das Batmobil zugleich mit dem Kostüm entstand, nicht mit der Version, die in Batman and the Monster Men erzählt wird: da wird das Auto erst später eingeführt. Aber sicher kann man auch diesen Bruch mit irgendwelchen Erschütterungen des Raum-Zeit-Kontinuums in Folge weltbewegender Ereignisse erklären. Von entscheidender Wichtigkeit sind solche Details natürlich nicht.

Die Nullnummer von Shadow of the Bat wirkt neben den anderen überflüssig. Abgesehen davon, dass die Figur Leslie Thompkins erwähnt wird und wir erfahren, dass Bruce sechs Wochen lang fürs FBI gearbeitet hat („Age 20, he scored perfect on every F.B.I. test except for gun handling“), ist die Geschichte nichts als noch ein Aufguss der immergleichen Motive. Wieder einmal sehen wir, wie Batman sich mit Kleinganoven rumschlägt, wieder wird der gesamte Werdegang nacherzählt. Die Ausbildung wird zwar ausführlicher behandelt, aber fast nur in Worten aufgezählt. Weil das Ganze ohne Mehrwert ist, kann man leicht nachvollziehen, warum der Dino-Verlag damals auf den Nachdruck verzichtet hat.

Von Bruce Wayne zu Batman: Das Zero Year bisher

Häufig ist es schwierig, bei den ganzen Publikationen von DC zu einer Storyline durchzublicken. Zum Zero Year (dt. Jahr Null), dem neuen Batman-Origin (d.h. der Entstehungsgeschichte), gibt es eine Reihe von zusätzlichen Storys, die das Hauptevent ergänzen. Hier ein Vorschlag, Bruce Waynes Werdegang in eine halbwegs chronologische Reihenfolge zu bringen (wohlwissend, dass es in Zero Year immer wieder Rückblenden in die Kindheit gibt, ebenso wie im Event Court of Owls/City of Owls):

  1. Batman: The Dark Knight #0: Chill in the Air (Bruce Wayne will sich an Joe Chill, dem Mörder seiner Eltern, rächen. Enthalten in Batman: The Dark Knight Vol. 2 – Cycle of Violence.)
  2. Detective Comics #0: The Final Lesson (Vor zehn Jahren schließt Wayne im Himalaya seine Ausbildung bei einem alten Meister der Kampfkunst ab und verliebt sich dabei – unglücklich – in ein Mädchen. Enthalten in Detective Comics Vol. 2 – Scare Tactics.)
  3. Batman Zero Year: The Director’s Cut #1: (Drei Episoden aus dem Leben des 19-, 21- und 24-Jährigen, Wayne besteht Prüfungen seiner Lehrmeister und lernt das Verbrecherleben kennen. Enthalten in Batman Vol. 4 – Zero Year: Secret City.)
  4. Detective Comics #0: The Long Wait (Wayne kehrt vor sieben Jahren nach Gotham zurück. Enthalten in Detective Comics Vol. 2 – Scare Tactics.)
  5. Batman #0: Bright New Yesterday (Bruce Wayne nimmt vor sechs Jahren maskiert an einem Banküberfall der Red Hood Gang teil. Enthalten in Batman Vol. 6 – Graveyard Shift.)
  6. Batman #21-24 (Haupt-Story. Enthalten in Batman Vol. 4 – Zero Year: Secret City.)
  7. Detective Comics #25: Whistleblower’s Blues (Tie-In mit James Gordon in der Hauptrolle. Enthalten in Detective Comics Vol. 5 – Gothtopia.)
  8. Batman #25-27, 29-33 (Haupt-Story geht weiter. Enthalten in Batman Vol. 5 – Zero Year: Dark City.)
  9. Batman #0: Tomorrow (Nachspiel zu Zero Year, Gordon schaltet im Beisein seiner Tochter Barbara zum ersten Mal das Batsignal ein, die drei künftigen Robins Dick Grayson, Jason Todd und  Tim Drake sehen es.)
  10. Nightwing #0 (Dick Graysons Vorgeschichte)

Was von Batman übrig blieb

DC Comics

DC Comics

Titel: Graveyard Shift (Batman Vol. 6) (dt. Im Bann des Todes)

Autor/Zeichner: Scott Snyder, James Tynion IV/Greg Capullo, Andy Clarke, Alex Maleev, Wes Craig, Matteo Scalera, Dustin Nguyen

Erschienen: 2012-2014 (Erstausgaben: Batman #0, #18-20, #28, #34, Annual #2), Hardcover 2015, dt. zum Teil in Batman Sonderband 43: Schreckensnächte in Gotham City, Panini 2014 (Batman #19-23, Batman Annual #2), weitere in Batman #20, #23, #37. (dt. Panini 2016, Paperback)


„… sometimes I’m my own worst enemy.“ (Bruce Wayne)

Bevor die Fans endlich das nächste Meisterwerk des Dream-Teams Snyder/Capullo in Buchform bekommen – Endgame erscheint erst im Herbst – vertröstet DC sie in Band 6 mit einer Resterampe. Fünf Lückenbüßer-Ausgaben sowie zwei Specials wie die Nuller-Ausgabe und das zweite Annual sind in Graveyard Shift versammelt. Was taugt der Band?

Batman #0 ist das Äquivalent zu den bereits besprochenen Detective Comics #0 und The Dark Knight #0, die jeweils zwei Episoden aus Bruce Waynes Vor-Batman-Zeit erzählen, also vor dem Jahr Null/Zero Year spielen (alles klar?). Während wir in Detective #0 eine Anekdote aus der Ausbildungszeit in Asien bekamen, wurde in TDK #0 erzählt, wie Bruce den Mörder seiner Eltern (Joe Chill) aufsucht und umbringen will, aber sich dann besinnt. (Batman and Robin #0 handelt von Damians Kindheit und Ausbildung durch Talia.) In Batman #0 bekommen wir eine Episode aus dem Jahr Null, als Bruce Wayne noch ohne Batman-Kostüm gegen die Red Hood-Gang kämpft. Bruce verkleidet sich mit einer roten Maske und schließt sich einem Bankraub an, wird entlarvt und beinahe getötet. Anschließend bekommt er Besuch von Lieutenant James Gordon, der ihn nach Batman ausfragt. Kurz zuvor macht Alfred seinem Master deutlich, dass er sich nicht einfach von einem zivilen Leben abschotten kann, weil er sich als Eigenbrötler verdächtig machen würde. Am Ende aktiviert Gordon erstmals das Bat-Signal – nicht nur als Rufzeichen für Batman, sondern auch als Motivation für die Bürger von Gotham, Zivilcourage zu zeigen.

Panini Comics

Panini Comics

In der Bonus-Story „Tomorrow“ werden parallel drei Episoden aus dem Leben von Tim Drake, Jason Todd und Dick Grayson erzählt, bevor sie Robins geworden sind. Der Klugscheißer, der Verbrecher und der Draufgänger. Alle drei zeigen einen Sinn für Gerechtigkeit, symbolisiert darin, dass sie zum Bat-Signal aufschauen, das am Himmel erscheint.

Rotkehlchen als roter Faden

Obwohl die folgenden Geschichten für sich stehen, bilden sie eine Gesamtheit mit einigen Parallelen und Verbindungen zueinander. Der rote Faden ist Robin, genauer gesagt der Umgang mit dem Tod von Damian, Bruce Waynes Sohn. „Resolve“ (Batman #18) handelt davon, wie Harper Row, das Elektriker-Mädchen, das Batman nach seiner Gefangenschaft beim Rat der Eulen gerettet hat, Damians Nachfolge als Batmans Sidekick antreten will. Wieder einmal hilft sie Batman aus der Patsche, als er sich – nach selbstausbeuterischen Kämpfen – mit venom-gedopten Hunden anlegt, doch er verweigert ihr zunächst ihren Wunsch. Erst nachdem Harper Bruce Wayne einen Besuch abstattet, wird Batman weich.

In „Nowhere Man“ (Batman #19-20) wird die Trauer um Robin gestört durch einen Doppelgänger. Hier wird eine Brücke zur Zero Year-Episode geschlagen: Während damals Bruce Wayne als Red Hood-Mitglied verkleidet bei einem Bankraub beteiligt war, raubt er hier nun unmaskiert eine Bank aus. Natürlich ist er es nicht wirklich, sondern bloß Clayface, der Waynes Reputation durch … den Dreck ziehen will (oje, der war flach, sorry). Im Gegensatz zu den Auftritten des Schurken in Detective Comics und The Dark Knight ist Clayface hier zum ersten Mal eine interessante Figur, da er jeglichen Bezug zu seinem alten Ich verloren hat und nur noch die DNA anderer imitieren kann. Er ist nichts als ein formbarer Klumpen Lehm – ein Nowhere Man, ein Niemand.

Wiedersehen mit einem Gesichtslosen

Einen anderen Niemand jagt Batman in „The Meek“ (Batman #34): Ein Totengräber für Arme legt gerne mal eine Leiche dazu, die er selbst zu verantworten hat. Batman kann ihn zwar mit detektivischem Gespür fassen, aber er kommt nicht hinter dessen Identität – also landet er folgerichtig in der leeren Zelle eines anderen Namenlosen: des Jokers. Der Mörder nennt sich selbst The Meek, sagt von sich selbst, ein Nobody zu sein und wünscht sich, aus der Welt spurlos zu verschwinden. Damit erweist er sich als Wiedergänger des Postboten Joseph Zedno, der in einer Story von Doug Moench und Kelley Jones als „Faceless“ Menschen umgebracht hat, um ein Jemand zu sein (siehe Batman #542-543, 1997, dt. Batman #32, Dino Verlag, enthalten im Time Warp 2). The Meek macht im Gegensatz zu Zedno aus der Not eine Tugend. Batman wird mal wieder an die Vergänglichkeit allen Seins erinnert – sehr schön versinnbildlicht in der letzten Splash Page, auf der ein Totenkopf aus Leichen gebildet ist.

Erneut mit seinem Verlust konfrontiert wird Batman in „Cages“ (Batman Annual #2), eine Story, die in dem Band zwei Mal fälschlicherweise als „Ages“ bezeichnet wird. Die Prämisse ist eine interessante Idee: Batman lässt sich freiwillig in Arkham einsperren, um die neue Sicherheitstechnik zu testen. Doch nicht nur er bricht aus, auch die älteste Insassin. The Anchoress (die Einsiedlerin) kann nämlich durch Wände gehen. Sie wirft ihm vor, dass durch all die Schurken, die er im Asylum einliefert, sie selbst vernachlässigt worden sei, statt therapiert zu werden. Jetzt will sie sich an ihm rächen, indem sie ihn mit ihren mentalen Kräften in eine Art Gedankenkäfig zu sperren versucht. Batman muss noch einmal den Tod seines Sohnes mitansehen. Die Story wurde zu Unrecht verrissen. Bis auf die Zeichnungen, die nicht an einen Greg Capullo heranreichen, tut es gut, auch einmal eine Geschichte mit einigen frischen Ansätzen zu lesen, auch wenn aus dem Sicherheitstest in Arkham am Ende leider keine Resultate folgen. (Das Cover ist allerdings großartig.)

Vorschau auf die Zukunft

Die schwächste Geschichte in Graveyard Shift ist „Ghost Lights“ (Batman #19-20, jeweils die Zweitstory): Batman versucht mit Superman einen bösen Geist zu bannen. Superman erweist sich als ziemlich nutzlosen Kämpfer, aber dafür als guter Freund, der dem Trauernden beisteht, auch wenn Batman ihm den Dienst nicht erwidert.

In „Batman Eternal“ (Batman #28), einer Vorschau für die gleichnamige Serie, die in naher Zukunft spielt (Besprechung folgt), kämpft Harper Row als Bluebird an der Seite von Batman in einem dystopischen Szenario. Nach einer Unterhaltung mit Selina Kyle gibt es ein Wiedersehen mit Stephanie Brown alias Spoiler, die in der alten Continuity kurz der vierte Robin sein durfte (danach kam Damian).

Zusammengefasst kann man Graveyard Shift für Batman als Zwischenspiel zur Trauerbewältigung begreifen. Die heimliche Hauptrolle spielt hier Robin in absentia – ein Phantom. Für den Leser bietet sich eine abwechslungsreiche Anthologie von Geschichten, die sich kurzweilig lesen und meist auch grafisch überzeugen können. Damit kann man sich gut vertrösten, bis Endgame als Buch erscheint.

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Zero Year: Noch mal von Null an

DC Comics

Titel: Zero Year – Secret City/(Savage City)/Dark City (dt. Jahr Null – Die geheime Stadt/Die dunkle Stadt)

Autor/Zeichner: Scott Snyder/Greg Capullo u.a.

Erschienen: 2013-2014 (Batman #21-24, #25-27, #29-33 (The New 52)); dt. Panini (Batman #27-34), Paperbacks 2015/2016


 „The city lets me be anyone I want.“ (Bruce Wayne)

Besser spät als nie: Nach dem Reboot des DC-Universums musste auch Batman eine neue Entstehungsgeschichte bekommen. Autor Scott Snyder hat sich Zeit gelassen, erst mal ein Mega-Epos wie Court/City of Owls hingelegt, dann eine solide Joker-Story erzählt und erst für die dritte große Geschichte seinen Batman-Origin aufgespart. Zero Year heißt sie – und der Name ist nicht nur eine Reminiszenz an Millers Year One, sondern steht auch für eine neue Zeitrechnung für Gotham.

Red Hood von Greg Capullo (DC Comics)

Snyder hat einen anderen Ansatz als Miller. Er lässt Wayne als Verbrechensbekämpfer nicht klein anfangen, sondern geht gleich in die Vollen: Zu Beginn sehen wir einen Mann der vielen Masken, der gegen die Red Hood Gang kämpft. Diese hat es in sich, hat – ähnlich wie der Rat der Eulen – die Stadtgesellschaft infiltriert und erpresst normale Menschen dazu, als Verbrecher zu arbeiten. Gleichzeitig weiß der Leser, dass der Anführer der Gang später – nach einem Bad in Chemikalien – als Joker wiederkehren wird.

Ein Anti-Year One

Auffälligster Unterschied zu allen bisherigen Origins ist der Stil. Snyder schreibt im Vorwort zu seinem Script (das im ersten Band vielmehr ein Nachwort ist), dass er etwas eigenes, ein Anti-Year One habe machen wollen: „heller, dynamischer, bombastischer, mit Action, Abenteuer und einem Hauch Science-Fiction“. Und tatsächlich spielen viele Szenen bei Tageslicht, sogar mit blauem Himmel und Flauschewolken. Der junge Bruce Wayne ist ein noch größerer Draufgänger als etwa bei The Court of Owls, er flucht ständig und zeigt sogar einmal den Stinkefinger (was leider von den spießigen Amis plump zensiert wird). Wir erfahren, dass er offenbar schon als Kind gerne ausgebüchst ist, um die Stadt unsicher zu machen. Die Vorgeschichte ist allerdings nur stark zerstückelt eingestreut. Waynes erste Initiationsszene, der Mord an seinen Eltern, wird dankenswerterweise spät nachgereicht, seine Ausbildung ausgespart und in mehreren kleinen Einzelepisoden in andere Hefte ausgelagert. (Am Ende von Secret City gibt es einen „Director’s Cut“ mit drei Kurzgeschichten.)

Ansonsten tut Snyder, was er schon bei Death of the Family getan hat: er bedient sich bei der Tradition. Batmans erster Auftritt ist angelehnt an das Cover von Detective Comics #27, das Kostüm mit den lila Handschuhen erinnert an Bob Kanes ersten Entwurf, Synder zitiert auch Frank Millers Dark Knight bis hin zum „Goddamn Batman“ (eine Stelle, die im Original leider zensiert ist). Wie schon bei Miller muss Wayne auch hier als Verbrechensbekämpfer zunächst einen herben Rückschlag erleiden, bevor er auf die Idee kommt, einen anderen Ansatz in Betracht zu ziehen. Und ebenfalls wie bei Miller spricht er die heiligen Worte im Angesicht der Büste von Thomas Wayne: „Yes, father. I shall become a bat.“ Auch der Sturz des jungen Bruce in die spätere Bathöhle inklusive einer traumatisierenden Begegnung mit ihren Bewohnern ist altes Traditionsgut (vgl. Shaman). Allerdings bemüht sich Snyder nicht so akribisch darum, die Herkunft des Kostüms und der Gadgets zu erklären. Der Schwerpunkt der Story liegt auf der Herausforderung, der sich Batman stellen muss.

Gotham wird zum Niemandsland

Denn die Episode mit der Red Hood Gang ist nur der Auftakt. Snyder hat den Riddler zu Batmans erstem klassischen Oberschurken ausgewählt – und das ist kühn, weil dieser bisher nur eine Nervensäge aus der zweiten Reihe gewesen war. Die Zeit dürfte vorbei sein: Edward Nygma ist ein größenwahnsinniger Klugscheißer, der die ganze Stadt terrorisiert und schließlich auch von der Außenwelt abschottet und in ein dystopisches Niemandsland verwandelt (kommt das jemandem bekannt vor?) – es beginnt das Jahr Null für Gotham. Batman muss sich mit Gordon und Lucius Fox verbünden, um dieses auch technisch begabte Genie zu bekämpfen und die Stadt zurückzuerobern. Endlich kommt der Riddler zu seinem Recht als ernstzunehmender Gegner. Und ganz nebenbei belebt Snyder auch Doctor Death als Handlanger wieder – einen der ersten Batman-Schurken aus Detective Comics #29, hier allerdings in einer monströsen Erscheinung.

Das Ganze ist ein dicker Brocken für eine „erste“ Batman-Story. Snyder kann offenbar keine Geschichten in kleinerem Maßstab mehr denken, alles muss den Helden immer an den Rand des Äußersten führen. Das Problem an diesem Verfahren ist, dass es sich schnell verbrauchen wird, weil das Extreme schwer zu überbieten ist. Aber Snyder muss – wie schon zuvor – sowohl neue als auch alte Leser bei Laune halten. Daher versucht er einen Spagat zwischen Tradition und Innovation, bietet aber statt Spektakel meist nur viel Getöse.

Die Jagd nach dem Riddler gestaltet sich zu abstrakt, zu technisch, zu theoretisch; es ist zu schwierig für den Leser, die einzelnen Probleme nachzuvollziehen, warum der Riddler so schwer aufzuspüren ist. Hier zählt vor allem die Action. Aber die lässt leider die Raffinesse der Eulen-Story vermissen. Was den Riddler motiviert, bleibt bis zum Schluss offen. Dass er schließlich so leicht zu besiegen ist und es selbst seine Roboter besser wissen, ist alles andere als überzeugend. Und dafür, dass Gotham für ein paar Monate vor die Hunde geht, wird die Zeit zu schnell abgehandelt. Das alles macht Zero Year zwar kurzweilig unterhaltsam, aber zu keinem neuen Klassiker.

Das Konzept von Snyders Stories, vielleicht von Batman-Stories überhaupt, bringt einmal Alfred auf den Punkt, als er über Batmans Rolle für die Menschen (und damit auch für die Leser) spricht:

„They want to be transported, Bruce. Transported to a world where bigger truths are at work, and anything — anything — can happen. A world where the impossible is possible. Batman can be something like that for them, Bruce. (…) Someone who defies every damn rule of logic that governs their lives.“

>> Batman 2011-2019


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Warum Batman einen Robin braucht

Batman: A Lonely Place of Dying

Titel: A Lonely Place of Dying

Autor/Zeichner: Marv Wolfman, George Pérez/Jim Aparo

Erschienen: 1989 (Batman #440-442, The New Titans #60-61) Paperback 1990, 2011 (A Death in the Family), 2019 (Batman: The Caped Crusader Vol. 2)


 „Batman and Robin. Maybe they have to be a team. Though sometimes I think I may have created a Frankenstein.“ (Bruce Wayne)

Nach dem Tod von Robin II (Jason Todd) ist Batman nachlässig geworden: er bringt sich selbst unnötig in Gefahr, verletzt sich zunehmend und ist auch sonst eine traurige Erscheinung. Da kommt ein unbekannter 13-Jähriger daher, Tim Drake, der Batman und Robin beobachtet hat, ihr Geheimnis kennt und nun darauf aus ist, den ersten Robin (Dick Grayson), der nunmehr als Nightwing unterwegs ist, dazu zu bringen, wieder Robin zu werden. In der Zwischenzeit versuchen Batman und Two-Face, einander dranzukriegen, indem sie sich gegenseitig Fallen stellen.

Dieser Teil der Story wirkt bemüht konstruiert: Die Doppelstruktur der Erzählung wird in parallel angeordneten Panelreihen enggeführt. Zudem wird Two-Faces Zweier-Manie überstrapaziert – bis hin zu der aufs Auge gedrückten Botschaft, dass auch Batman eine Art Sekundanten braucht. Der Robin-Nightwing-Teil nimmt unnötigerweise einen Umweg über die (lahmen) Titans, wir sehen Dick Grayson dabei zu, wie er einen Mord in seinem ehemaligen Zirkus aufklärt und die Institution vor der Pleite rettet. Und dann gibt es da noch den jungen Tim Drake, der einen wieder daran erinnert, warum er später so nervt. Er ist ein kleiner Klugscheißer, der altkluge, pathetische Reden schwingt und sich in Dinge einmischt, die ihn nichts angehen. Drake ist nicht nur der Robin-Nachfolger, er ist auch derjenige, der erklärt, warum Batman einen Robin braucht – wodurch er sich selbst Legitimation verleiht: „He needs Robin. He needs him to remember what he used to be. Before his parents died.“

DC Comics

Aber eigentlich ist die Begründung egal. Ob man ihn mag oder nicht: Batman braucht einen Robin. Warum? Weil das 1940 so beschlossen wurde und er seitdem (für viele Fans) nicht mehr aus dem Kanon wegzudenken ist. „Das war schon immer so“, ist keine plausible Erklärung, aber eine, die man hinnehmen muss. Dennoch wirkt es plump, wie penetrant sich dieser Tim Drake geradezu in diese Rolle drängt. Und natürlich knickt Batman ein. Bei Robin wird er stets schwach. Ja, vielleicht ist das die wahre Funktion von Robin: Der Sidekick steht für Batmans Schwäche, für all die Fälle, in denen er es alleine nicht bringt.

Vielleicht aber auch ist etwas an dem Satz dran, den Two-Face sagt: „… there are priorities. There are procedures! Without procedure there is anarchy, systems fall apart.“

(Hinweis: Dieser Artikel wurde zuletzt am 27.2.2024 aktualisiert.)

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Batman: Death of the Family

DC Comics/Panini

Deutscher Titel: Der Tod der Familie

Autor/Zeichner: Scott Snyder, James Tynion IV/Greg Capullo, Jock

Erschienen: 2012 (Batman #13-17, Detective Comics #16-17 (The New 52)), dt. Panini 2013 (Batman #15-19), Paperback 2015


„… the ugly truth of it, kiddies, is that deep down, beneath it all … Batman loves me more than he loves you.“ (Joker)

Er ist wieder da: Ein Jahr nachdem sich der Joker vom Dollmaker hat das Gesicht abschneiden lassen, kehrt der Clown zurück, um einen persönlichen Rachefeldzug gegen Batman und Co. zu führen. Die Geschichte beginnt stark: Kaum, dass Bullock seinem Chef Gordon von bösen Omen erzählt, die auf ein großes Unglück hinweisen, gibt es auf der Polizeiwache Stromausfall, der Joker bricht ein und während Gordon mit seinen Leuten buchstäblich im Dunkeln tappt, geht der Joker herum und bricht einzelnen Beamten das Genick. Kurz darauf geht das Licht an, Batman erscheint – und das Joker-Gesicht ist aus der Asservatenkammer verschwunden.

Was der Joker vorhat, ist lange Zeit nicht klar: Er reinszeniert seine ersten Aktionen wie die angekündigten Morde, übertrifft sich dabei selbst an Grausamkeit und Unberechenbarkeit, aber er entführt auch Alfred Pennyworth. Abgesehen von der üblichen Katz-und-Maus-Jagd, die der Joker mit Batman spielt, muss sich der Held die quälende Frage stellen, ob der Clown dessen wahre Identität kennt. Für den Joker ist das alles eine große Abrechnung mit seinem Rivalen, er will ihm vorführen, wie es wirklich um ihr Verhältnis steht und wer seine wahre Familie ist.

In der Wiederholungsfalle

Wieder einmal versteht es Autor Scott Snyder, seine Story packend zu erzählen. Schon allein die erste Seite ist großartig: Gotham in einer Regennacht, ein Lieferwagen am Steg vor dem Gotham River, die roten Lichter gehen an, er setzt zurück und fährt der Stadt entgegen, das Ortsschild spiegelt sich in der Windschutzscheibe, wir wissen nicht, wer drin sitzt – und doch ahnen wir es. Wie schon bei The Court/The City of Owls überraschen auch hier viele unerwartete Wendungen, die das Motiv des Jokers bis zuletzt offen halten. Das Finale ist ähnlich schaurig wie die Labyrinth-Sequenz bei The Court of Owls, nur dass hier Arkham zur Kulisse für den Wahnsinn wird. Zeichner Greg Capullo wird dieses Mal unterstützt von Jock, der mit seinen unruhigen Strichen schon verstörende Bilder für The Black Mirror geschaffen hat.

Bei aller Kreativität, die man von Autor Scott Snyder sonst kennt, steckt er hier jedoch in der Wiederholungsfalle: Die ganze Geschichte ist gespickt mit Zitaten der Batman-Tradition, von The Killing Joke über The Man Who Laughs (bzw. Batman #1 von 1940) bis hin zum titelgebenden A Death in the Family. Es gibt einen Auftritt als Red Hood im ACE-Chemiewerk, es gibt eine Szene an Gothams Wasserreservoir und es gibt auch eine Anspielung auf das Töten eines Rotkehlchens mit einem Breicheisen … Hier zeigt sich die Schizophrenie des Reboots: Einerseits will man Fans bedienen, andererseits Neueinsteiger gewinnen. Doch mit all den Anspielungen wird deutlich, dass ein Neubeginn nicht möglich ist, wenn 25 Jahre Comic-Geschichte vorausgesetzt werden. Dies ist kein Reboot, denn offenbar behalten die alten Geschichten nach wie vor ihre Gültigkeit. Andererseits frage ich mich, ob Fans nicht eher gelangweilt als erfreut darüber sein könnten, dass hier nichts Neues erzählt wird.

Der Joker als Spieler

Immerhin gelingt es Snyder beim Finale in Arkham, ein neues Szenario zu schaffen – auch wenn er sich im Prinzip bei Grant Morrisons Arkham Asylum (1989) bedient. Hier wie da wird Batman vom Joker in das Tollhaus geführt, begegnet der Reihe nach seinen alten Gegnern und muss sich vom Joker anhören, dass sie seine eigentliche Familie sind. Und damit rührt der Erzschurke am wichtigsten Thema: Batman braucht seine Gegner mehr als seine „Familie“. Dem Leser leuchtet das ein. Und es gibt zu bedenken, ob drei Robins und ein Batgirl wirklich nötig sind …

Snyder schafft es bei aller Wiederholung dem Joker drei neue Aspekte abzugewinnen. Erstens spielt der Joker die Rolle des Hofnarrs, der Batman die bittere Wahrheit zuträgt. Zweitens ist er ein Spieler, der das Spiel um seiner selbst Willen treibt und dem es egal ist, wer hinter Batmans Maske steckt, weil die Maske zum Spiel gehört – ebenso wie Jokers Gesicht. (Allerdings deutet das auch schon Grant Morrison an …) Drittens – und das ist das Wichtigste – erscheinen Batman und Joker nicht wie Antipoden, sondern wie Gleichgesinnte, Seelenverwandte, also wie zwei Seiten einer Medaille. Nicht nur das Symbol des zweiköpfigen Löwenbabys zeigt das, auch Harley Quinn spricht es explizit aus, als Batman im Chemietank feststeckt: „Maybe you’ll be the next one. Like I always thought you would. Maybe you’ll come back like he used to be, back then … beautiful.“ Batman als der neue Joker? Am Ende ist es sogar die ganze Bat-Familie, der der Joker wenigstens für kurze Zeit seine Fratze aufsetzt.

Ein großes Lesevergnügen

Warum sich der Joker hat sein Gesicht abschneiden lassen, bleibt jedoch bis zum Schluss offen. Vielleicht weil so das Gesicht zur Maske wird, im Gegensatz zu Batman, dessen Maske das Gesicht ist. Vielleicht ist es aber auch trivialer: Weil er der Joker ist, weil er verrückt ist – und um der furchteinflößenden Figur noch mehr Schrecken abzugewinnen. Damit am Ende nur noch ein faulender Lappen Fleisch an seinen Kopf getackert ist, den die Fliegen umkreisen. Das ist so drastisch, dass ich mich frage, wie man das noch steigern will. Aber vielleicht muss es das auch nicht. Zu kritisieren ist allerdings, dass der Joker nicht den Mitgliedern der Familie ihre Gesichter abgeschnitten hat, sondern die Tat nur inszeniert. Das erscheint angesichts seiner sonstigen Skrupellosigkeit inkonsequent. Aber offenbar wollten die Autoren so viel Grausamkeit den Helden gegenüber ihren Lesern nicht zumuten.

Trotz aller Kritik ist Death of the Family ein großes Lesevergnügen. Nur die Einbindung von Detective Comics, wo es um die Nacheiferer des Jokers geht, hätte man sich sparen können. Besser ist es, nicht der chronologischen Ordnung zu folgen, sondern den dritten Batman-Band am Stück zu lesen. Wer alle Stücke der Story haben will, dem sei zusätzlich der Sammelband Joker: Death of the Family empfohlen.

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Fledermaus gegen Eulen

DC Comics

Titel: The Court of Owls/The City of Owls (dt. Der Rat der Eulen/Die Stadt der Eulen)

Autor/Zeichner: Scott Snyder/Greg Capullo (u.a)

Erschienen: 2011-2012 (Batman #1-7, #8-12, Batman Annual #1, Detective Comics #9 (The New 52)), dt. Panini 2012-2013 (Batman #5-12), Paperbacks 2013/2014 (Bd. 1/2)


„How I love killing Waynes.“ (Talon)

Im Jahr 2011 startete DC unter dem Titel The New 52 alle seine Heft-Serien neu. Darunter auch die Batman-Serie, unter der Autorschaft von Scott Snyder. Der erste Erzählbogen ist The Court of Owls, der in das Crossover-Event The Night of Owls mündet und in The City of Owls sein Ende findet (wobei es zwischen Night und City Überschneidungen gibt). Ich konzentriere mich hier nur auf die Batman-Serie, nicht auf die Tie-ins. Es beginnt mit einem großen Aufgebot: Gleich auf der zweiten Seite sieht man eine Horde wildgewordener Schurken sich mit Batman prügeln. Fast zu viel des Guten für den Anfang.

Womit wir beim ersten Problem des Reboots wären: Zwar wollte DC mit dem Projekt von vorn beginnen und neue Leser gewinnen, aber beim Lesen dieser Story wird man das Gefühl nicht los, dass man bereits viele Jahre verpasst hat. Alle Hauptschurken sind schon da und auch die Batman-Familie ist vollständig, in einem Panel sind allein drei Figuren zu sehen, die das Robin-Kostüm tragen oder getragen haben: Dick Grayson (Nightwing), Tim Drake (ehemals Robin III, jetzt Red Robin) und Damian Wayne (Robin IV). Textkästen erklären dem Leser, wen er da vor sich hat. Bei allem Neuanfang schreckt auch Snyder nicht davor zurück, Frank Millers Initiationsszene aus Year One zu zitieren, in der eine Fledermaus durch die Fensterscheibe gekracht kommt (was ich immer noch für unglaubwürdig halte, es sei denn es ist eine kranke und besonders starke Fledermaus, was wiederum ein übles Omen wäre), sich auf die Büste von Thomas Wayne setzt und Bruce beschließt: „Yes, father, I shall become a bat.“ Selbst visuell ist das Panel Year One nachempfunden. Das ist kein Zitat mehr, das ist ein Plagiat.

Gimmick: Großmaul

Dennoch gibt es Neuerungen. Dieser Batman ist hochtechnisiert: Seine Kontaktlinsen können Lippenlesen und in Schriftsprache übersetzen, eine Laserabtastung im Leichenschauhaus erspart Batman die Anreise und in der Bathöhle hat er eine Art Iron Man-Rüstung, die sehr an die aus The Dark Knight Returns erinnert. Natürlich ist auch Batman selbst schlauer denn je, er kann sogar am Geschmack des Wassers erkennen, im welchen Teil Gothams er sich befindet und aus welcher Art Marmor das Becken besteht. (Das ist so übertrieben wie amüsant.) Das wichtigste neue Gimmick ist, dass Batman in jeder noch so brenzligen Situation den passenden Spruch parat hat. So viel Großmäuligkeit war bisher selten.

Die Story selbst ist ebenso kreativ wie mitreißend: Ein Killer namens Talon treibt sein Unwesen, verkleidet wie eine Eule. Er gehört dem Rat der Eulen an, einem Geheimbund von Maskierten, der die ganze Stadt infiltriert hat und seit Jahren eine Fehde mit der Familie Wayne austrägt. Es gibt ein Attentat auf Bruce Wayne, später muss auch Batman gegen Talon kämpfen – wobei sich herausstellt, dass der Gegner sich auch vom Tod nicht aufhalten lässt. Snyder lässt sich Zeit, was der Story gut tut. Er beginnt seine Kapitel oft mit Reflexionen über Gotham City, so führt er seine Leser in die Atmosphäre, Geschichte und Mythologie der Stadt ein.

Überraschende Einfälle

Das größte Lob gebührt dem Autor, weil er es versteht, mit einer Reihe guter Einfälle zu überraschen. Zu den Höhepunkten gehört Batmans Gefangenschaft in einem unterirdischen Labyrinth. Der Held wird an die Grenzen seiner physischen und geistigen Kräfte gebracht, Horrorvisionen treiben ihn um. Diese zermürbende Episode hinterlässt einen starken Eindruck. Ebenso bemerkenswert, weil sehr spannend, ist der Überfall der Talons auf Wayne Manor, bei dem sich Batman sehr erfindungsreich erweist und auch Alfred eine große Rolle spielt. Bei allen Ideen, die Snyder hier auffährt, bleiben einige Plot-Holes: Schwer nachzuvollziehen ist es, wie Bruce Wayne den Sturz von einem Hochhaus und wie Batman einen Dolch in den Bauch überleben können. Da hat Snyder ein wenig zu oft den Gott aus der Maschine bemüht.

Die Schwächen der Story machen die großartigen Zeichnungen von Greg Capullo wieder wett: dynamisch und expressiv fangen sie perfekt die beklemmende Stimmung ein, die von den Eulen ausgeht. Besonders in den Covern beweist sich Zeichner als wahrer Künstler.

Batman #6 (The New 52)

Batman #6 (The New 52)

Nach Batman #8 fasert die Geschichte in die Nebenschauplätze aus: Nightwing, Robin, Batgirl und Co. prügeln sich mit den Talons durch Gotham (Night of the Owls). Das kann lesen, wer Lust dazu hat – oder es getrost lassen. Es reicht, bei der Hauptreihe zu bleiben. Etwas ärgerlich ist nur, dass eine Episode, nämlich die in Arkham, in Detective Comics #9 spielt. In Batman #9 entsteht dadurch ein offensichtliches Plot-Hole, wenn Batman ankündigt erst nach Arkham, dann zum Bürgermeisterkandidaten zu fahren und plötzlich bei letzterem angekommen ist. Das ist ein klarer Hinweis: Wen’s interessiert, kaufe sich das andere Heft! Aber es lässt im Erzählfluss eine ärgerliche Lücke und zwingt beim Lesen einen unnötigen Sprung zurück zu machen.

Leider wirkt die ohnehin komplexe Story mit ihrem ausführlichen Hintergrund über Gotham und die Familie Wayne etwas überladen. Die Episode, in der Bruce als Kind sein zweites Trauma erlebt, weil er auf der Suche nach dem Rat der Eulen auf einem Dachboden eingesperrt wird, hätte man sich sparen können. Am Ende erinnert die Story das den Schluss des Films Psycho: Es wird erklärt, dann ein bisschen mehr erklärt und dann noch ein bisschen mehr erklärt. Das Problem an diesem Verfahren ist, dass dadurch Mysterien zerstört werden. Ein langes Kapitel ist ausschließlich der Vorgeschichte gewidmet, immerhin ist sie interessant, da von Alfreds Vater erzählt.

Dennoch: Die erste große Batman-Erzählung nach dem Reboot ist ein lohnendes Lesevergnügen für alle mit einem langen Atem – oder einfach für Freunde großer Epen. Die beiden letzten beiden Anhängsel ergänzen die Handlung nur minimal. Während „Ghost in the Machine“ (Batman #12), eine Story um eine junge Elektrikerin, die Batman helfen will, gänzlich überflüssig ist, ist „First Snow“ (Batman Annual #1) vor allem interessant, weil sie eine neue Entstehungsgeschichte von Mr. Freeze  erzählt und ihm dabei einige neue Seiten abgewinnt. So eine Story rechtfertigt den Reboot von The New 52.

>> Batman 2011-2019


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