Mister Freeze

Aushilfen bringen’s nicht

Batman versus Superman, Teil 18: World’s Finest (2009-2010)

DC Comics

DC Comics

Titel: World’s Finest

Autor/Zeichner: Sterling Gates/Julian Lopez, Ramon F. Bachs, Jamal Igle, Phil Noto

Erschienen: 2009-2010 (Mini-Serie #1-4, Paperback 2010), dt. Panini 2010 (DC Premium #68)


„A giant Superman/Batman robot? That might be the stupidest thing I’ve ever heard.“ (Robin)

„This is a job for the both of us, Batman. But you’ve got to get me close enough to help.“ (Superman)

Batman ist verschwunden, Superman hat sich auf New Krypton niedergelassen. Jetzt müssen die Aushilfen ran: Red Robin und Chris Kent (Supermans Sohn alias Nightwing) gegen den Pinguin und den Kryptonite Man, die Flamebird gefangen halten. Der Kryptonitmann wird von Toyman gefangen genommen. In Metropolis kämpfen Robin und Guardian gegen das Team Parasit und Mr. Freeze, letzterer wird von Toyman befreit. Dann verbünden sich Supergirl und Batgirl gegen Toyman und Freeze, die einen Riesen-Superman-Batman-Roboter (mit Kryptonite Man als Waffe) ins All jagen wollen, um New Krypton zu vernichten. Toyman mag nämlich keine Aliens. Weil aber die Aushilfen damit nicht klarkommen, müssen zum Schluss die altgedienten Profis ran: Batman (Dick Grayson) ruft Superman und zusammen haben die beiden leichtes Spiel gegen Toymans mechanisches Monster … (Verzeiht den Kalauer.)

Viel kann man über das Verhältnis von Batman und Superman nicht sagen: Am Ende ist Superman stolz auf Dick und freut sich schon aufs nächste Team-up. Die eigentlichen Konflikte beider Sphären tragen die Robins aus: Red Robin hat keine Lust auf eine Kooperation, weil er den echten Batman sucht, Robin widersetzt sich dem fliegenden Polizisten Guardian, der ihm nicht viel entgegenzusetzen hat. Aber das alles bleibt sehr oberflächlich.

Dieses World’s Finest ist eine Mogelpackung: Statt Batman und Superman bekommt man drei Team-ups von Stellvertretern beider Dunstkreise bis erst am Ende die eigentlichen Helden zum Einsatz kommen. Es wäre noch zu verkraften gewesen, wenn wenigstens Superboy dabei gewesen wäre, aber Guardian und der kryptonische Nightwing sind einfach alles andere als „World’s Finest“, sondern sehr lahme Nebenfiguren. Das Aufgebot an Helden und Schurken kann auch nicht über die altbackene und banale Story hinwegtrösten. So setzt auch die dritte Mini-Serie mit diesem Titel die Tradition der Enttäuschung fort. Und weil zu wenig Superman und Batman darin vorkommen, ist diese Story auch die schwächste.

Fortsetzung folgt.

Bisher erschienen:

(mehr …)

In Gotham ist die Hölle los

DC Comics

DC Comics

Titel: The Doom that Came to Gotham (dt. Schatten über Gotham)

Autor/Zeichner: Mike Mignola, Richard Pace/Troy Nixey

Erschienen: 2000-2001 (Mini-Serie #1-3, Paperback 2015), dt. Panini 2001 (DC Premium, Bd. 1), Batman Collection: Mike Mignola (Panini 2012), DC Comics Graphic Novel Collection (Eaglemoss 2015)


„To save Gotham City … you must cut out its heart.“ (Harvey Dent)

„To prevail in this, Bruce Wayne must die … and through death become himself.“ (Etrigan)

Im Jahr 1928 entdeckt der Forscher Bruce Wayne auf einer Antaktis-Expedition ein verlorenes Schiff und einen Überlebenden, der ein Monster hütet. Wayne bringt den Mann aus dem Eis nach Gotham City – aber damit auch einen Vorläufer des Fluchs, der in der Stadt darauf wartet, befreit zu werden.

Was folgt, ist ein Mash-up aus H.P. Lovecraft, Hellboy und der Welt von Batman: Schlangenmenschen, Werwölfe und Tentakelriesen treffen auf Variationen von Mr. Freeze, Poison Ivy, Two-Face und Ra’s al Ghul. Eine Reptilienplage überzieht Gotham City. Eine Art Killer Croc tötet Menschen für den bösen Zweck. Und das alles nur, weil Gothams Gründerväter mal an ein paar satanischen Ritualen teilgenommen haben – unter anderem auch Thomas Wayne, der zwar lange leben darf, aber schließlich für den Fluch ermordet wird. Batman muss also Papas Fehler wiedergutmachen.

Batmans altmodisches Kostüm wird zwar in Mitleidenschaft gezogen, aber sonst hat er gegen seine Gegner am Ende leichtes Spiel. Zuvor scheut er nicht davor zurück, eine Pistole zu benutzen – seine Eltern wurden nämlich mit einem Messer abgestochen. Im Finale darf der Dämon Etrigan, der in höllenverwandten Storys obligatorisch ist, als Deus ex machina herhalten, um dieser Geschichte ein jähes Ende zu bereiten. Das alles wirkt nicht nur, wie schon mal gesehen: ganz ähnlich ist auch das unsägliche Haunted Gotham gemacht.

Leider ist The Doom that Came to Gotham nicht viel inspirierter oder gar spannender geraten. Immerhin die Zeichnungen sind passabel, wobei die Monster überzeugender gelingen als die Menschen. Man wird den Verdacht nicht los, dass es auch den Autoren darum ging. Batman wird am Ende nämlich buchstäblich zum Fledermausmann, was übrigens auch schon in Batman & Dracula und Bloodstorm vorgekommen ist.

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics

Vom Elternhaus zum Irrenhaus

DC Comics

DC Comics

Titel: Arkham Manor

Autor/Zeichner: Gerry Duggan/Shawn Crystal

Erschienen: 2014-2015 (Mini-Serie #1-6, Paperback 2015), dt. Panini 2015


„This is the best outcome from a list of terrible options.“

Nachdem Bruce Wayne in Batman Eternal sein Vermögen verloren hat und Arkham Asylum zerstört wurde, wird Wayne Manor zum neuen Arkham. Batman zieht sich in seine Höhle zurück. Arkham Manor ist ein Tie-in, in dem von den Folgen der Umwandlung erzählt wird. Denn kurz nach dem Bezug mordet ein Unbekannter in dem Anwesen. Batman lässt sich undercover einweisen und geht der Sache nach. Die eigentliche Verbrecherjagd verläuft ziemlich linear und unspektakulär, auch die Auflösung nicht weiter von Belang, weil wir so gut wie nichts über den x-beliebigen Mörder erfahren. Deshalb wird die Story noch mit einem kleinen Joker-Clayface-Intermezzo aufgemotzt, in dem Mr. Freeze eine Schlüsselrolle spielt. Leider fällt Freeze dabei aus seiner Rolle: Während er in Batman Eternal noch versucht, in Gotham Verbrecher zu spielen, begnügt er sich hier mit Grillen und Iglubauen im Vorgarten.

Und damit wären wir beim Hauptkritikpunkt: Shawn Crystal neigt mit seinen kantigen Figuren zu Überzeichnungen, die an Cartoons erinnern. Das hat zwar einerseits eine bestechende Dynamik, andererseits kann man dadurch die Handlung nicht ganz ernst nehmen. Wenn Batman am Ende ein schmächtiges Kerlchen durch eine Wand schleudert, verstärkt das den Eindruck davon, dass hier zu dick aufgetragen wurde für eine Story, die man nicht unbedingt hätte erzählen müssen. Das einzig Interessante ist hier, dass Bruce Wayne damit hadert, das Anwesen seiner Eltern als Hort für seine Erzfeinde herzugeben. Aber auch dieser Konflikt ist schnell gelöst, als er zur Erkenntnis kommt, dass der Sohn damit auch bloß seiner Stadt dient.

>> Batman 2011-2019

Gotham Central: Batman ex machina

DC Comics

DC Comics

Titel: Gotham Central – Book One: In the Line of Duty (dt. In Erfüllung der Pflicht)

Autor/Zeichner: Ed Brubaker, Greg Rucka/Michael Lark

Erschienen: 2003 (Gotham Central #1-10, Paperback 2008), dt. Panini Sonderband 2015 (Gotham Central #1-5)


„Could we leave the bat out of this for now?“ (Detective Driver)

Welchen Sinn ergibt eine Batman-Story ohne Batman? Die Frage dürfte sich spätestens nach dem (mir schleierhaften) Erfolg der TV-Serie Gotham erübrigt haben. Doch die Idee ist nicht neu: Bereits in den 90ern gab es Mini-Serien über Comissioner James Gordon und die Polizei von Gotham (Gordon of Gotham), in den Nullerjahren wurde ihr sogar eine fortlaufende Comicserie gewidmet: Gotham Central. Nun ist der erste Teil auf deutsch erschienen. Im Mittelpunkt steht die Frage: Wie ist es, ein Polizist im Schatten der Fledermaus zu sein? Die Antwort: Die Vollzugsbeamten haben ein Ego-Problem. Um sich nicht überflüssig zu fühlen, haben die Ermittler der Major Crimes Unit (MCU) den Ansporn, allein klarzukommen.

Allein heißt in diesem Fall: auch ohne James Gordon. Der ist mittlerweile im (temporären) Ruhestand. Die Handlung der Serie ist nicht fortlaufend, sondern erstreckt sich jeweils über zwei bis fünf Hefte. Aufgeteilt sind die jeweiligen Charaktere in Tag- und Nachtschicht. Doch so ganz ohne Batman und seine Welt geht es eben nicht – sonst könnte es ja auch eine x-beliebige Polizeiserie sein. Gleich zu Beginn bekommen es zwei Detectives mit Mr. Freeze zu tun, am Ende muss Batman sich doch um ihn kümmern, aber das wird bloß am Rand gezeigt. Im Vordergrund steht die gute alte Polizeiarbeit: Beweise sichern, Fragen stellen, kombinieren. Schon im zweiten Fall geht es um einen Mord an einem Mädchen – gerahmt vom Auftauchen eines zündelnden Superschurken.

Während die deutsche Ausgabe hier endet, ist in der US-Ausgabe auch die fünfteilige Story „Half a Life“ enthalten. Im Mittelpunkt steht Renee Montoya: Ein Mann, den sie wegen Vergewaltigung festgenommen hat, der aber freigelassen wurde, rächt sich an ihr, indem er Fotos von ihr verbreitet, durch die sie als Lesbe geoutet wird – ihre streng katholischen Eltern sehen das gar nicht gern. Kurz darauf wird der Täter ermordet, Montoya wird deswegen angeklagt und dann auch noch von Two-Face entführt. Das Motiv muss bei einem Wahnsinnigen nicht unbedingt einleuchten.

Es ist nur allzu vorhersehbar, dass am Ende wieder Batman als Deus ex machina herhalten muss. Montoya ist nicht erfreut; wieder ein gekränktes Ego. Aber wäre die Polizei so gut wie Batman, bräuchte es ihn nicht – und das darf in Gotham nicht sein. Welchen Mehrwert hat also das Konzept von Gotham Central? Keinen großen. Die Serie behandelt lediglich einen Randaspekt des Batman-Universums, sie tut es zwar einfühlsam und stimmungsvoll, bemüht um Charaktertiefe und Realismus, aber letztendlich muss das einen Batman-Leser nicht besonders interessieren. Denn ein Fan will einen Vigilanten im Fledermauskostüm Abenteuer erleben sehen und nicht den Alltag der Polizei. Batman ist eben nicht The Wire.

Mehr zum Thema:

Under the Hood: Niemand stirbt für immer

DC Comics

DC Comics

Titel: Under the (Red) Hood

Autor/Zeichner: Judd Winick/Doug Mahnke

Erschienen: 2005-2006 (Batman #635-641, #645-650, Batman Annual #25), Paperback 2005/2006 (zwei Bände), 2011 (ein Band, Titel: Under the Red Hood)


„He was never supposed to die.“

„This has nothing to do with science … or logic …“ (Batman)

„Fear isn’t the answer.“ (Red Hood)

Under the (Red) Hood ist wieder so eine Geschichte, über die man nicht sprechen kann, ohne das Wichtigste vorwegzunehmen. Während die Erstleser noch rätseln konnten, wer sich unter der roten Maske verbirgt, dürfte das heute den meisten Lesern klar sein, deshalb sei es hier gesagt: Jason Todd, der vom Joker totgeprügelte Robin II, kehrt von den Toten zurück. Und diese Entscheidung dürfte noch umstrittener gewesen sein, als die Leser damals über den Tod abstimmen zu lassen (vgl. A Death in the Family). Denn immerhin wird damit ihr (Todes-)Urteil für nichtig erklärt.

Was kurz zuvor bei Hush noch ein nettes Gimmick in der Story war, aber sich als Trugbild offenbarte, wird hier zur Tatsache. Im Nachhinein war es doch nicht Clayface in der Gestalt von Robin, der Batman einst auf dem Friedhof begegnet ist, sondern tatsächlich Jason Todd, der später mit Clayface die Rollen getauscht hat. Und es beweist erneut die alte Superhelden-Weisheit: niemand stirbt für immer. Nach dem Tod und der Wiederaufstehung von Superman sind auch Green Lantern Hal Jordan, Wonder Woman und Green Arrow Oliver Queen diesen Weg gegangen. Egal, ob man Superkräfte hat oder nicht, es findet sich immer ein Weg, die Toten zurückzuholen – mit welcher fadenscheinigen Begründung auch immer. Die einen Fans fühlen sich verschaukelt, die anderen freuen sich über die Rückkehr einer beliebten Figur oder einfach nur über eine unerwartete Wendung. Nichts ist unmöglich in der Welt der Superhelden. Das lässt sie leider auch oft sehr willkürlich erscheinen.

Der neue Jason Todd wählt die rote Maske, mit der sein Mörder einst seine Gauner-Karriere begann. Red Hoods Ziel ist klar: Rache. Aber zuvor versucht er, mit drastischen Methoden in Gotham aufzuräumen. Skrupellos tötet er Drogendealer und andere Kriminelle, ruiniert die Geschäfte von Black Mask, indem er etwa dessen Waffen stiehlt. Batman geht Red Hood zu weit. Der Meister versucht seinen Schüler aufzuhalten, aber sein Gegner ist gut ausgebildet. Schnell kommt der Detektiv auf den Trichter, dass es sich um Jason handeln könnte und er befragt einige Wiederauferstandene wie Superman und Green Arrow nach dem Tod. Schließlich, in der Mitte der Story, kommt es zur Offenbarung. Doch viele Fragen bleiben offen, von denen bloß die geringste ist, warum Jason unter der Maske eine weitere trägt.

Batman muss sich von Jason eine Standpauke gefallen lassen, dass er mit seinem halbherzigen Handeln gegen Kriminelle im Allgemeinen und gegen den Joker im Besonderen, weitere Morde zu verantworten hat. Später kämpfen er und Jason doch vereint gegen ein paar von Black Mask beauftragte Attentäter. (Der Attentäter Deathstroke schickt – statt den Auftrag selbst zu erledigen – drei Idioten wie Count Vertigo, Hyena und Captain Nazi vorbei.) Im Finale läuft es auf einen Showdown mit dem Joker hinaus. Und nach einem abrupten und explosiven Ende wird nachgetragen, wie Jason zurück ins Leben fand.

Die Begründung ist hanebüchen und dreist. Und zugleich auch völlig egal. Ob es die Lazarusgrube war oder Magie oder nur ein Scheintod, spielt keine Rolle. Aber dass Superboy-Prime mit ein paar Erschütterungen des Multiversums (siehe Infinite Crisis) das Schicksal wieder einrenkt und dadurch eine mysteriöse Macht Jason aus dem Grab holt, weil dieser nie hätte sterben dürfen, kommt für Fans einer Beleidigung gleich. Jim Aparos alternatives Ende für A Death in the Family zu aus dem Archiv zu kramen und in die Story einzubauen, legitimiert diese Wendung nicht. Auch die Erklärung für Jasons unbemerktes Verschwinden und seine lange Abwesenheit wirkt äußerst bemüht.

Trotz dieses kühnen Schrittes und großen Kunstfehlers ist Under the Hood eine durchaus unterhaltsame Story: Kurzweilig erzählt, grandios gezeichnet und mit ein paar knackigen Dialogen, die zum Teil sogar sehr witzig geraten sind (besonders die Sprüche von Black Mask). Schade ist nur, dass einige Handlungsstränge bloß angerissen, aber nicht zu Ende erzählt werden, zum Beispiel die Sache mit den Waffen, zu denen auch eine Kiste Kryptonit gehört, oder der Anschlag auf Blüdhaven. Auch das Finale endet mit einem Knall, ohne dass man in einem Epilog erfährt, was aus den Figuren geworden ist.

Am besten hat es Hilary Goldstein von IGN formuliert: “ It’s a well-told story, problem is I don’t like the story being told.“

(Die Story wurde 2010 unter dem Titel Under the Red Hood als Animationsfilm adaptiert.)

>> Batman 2000-2011

Batman und Gordon: Wendepunkte einer Freundschaft

James Gordon (Teil 2)

DC Comics

DC Comics

Titel: Turning Points

Autor/Zeichner: Ed Brubaker, Chuck Dixon, Greg Rucka/Steve Lieber, Joe Giella, Dick Giordano, Brent Anderson, Paul Pope

Erschienen: 2001 (Mini-Serie #1-5, Paperback 2007)


„Everyone needs a friend.“ (Batman)

Batman und Gordon – die beiden gehören von Anfang an zusammen. Nicht nur historisch. Year One beginnt damit, dass beide gleichzeitig in Gotham ankommen. Im Laufe der Geschichte werden aus Gegnern Verbündete, spätestens als Batman Gordons Sohn rettet. Doch weil der Gesetzeshüter und der Vigilant einen Pakt jenseits der Regeln haben, kommt es immer wieder zu Spannungen zwischen den beiden. Gordons Konflikt ist stets geprägt davon, zerrissen zu sein zwischen Gesetzestreue und Illegalität.

Davon handelt Turning Points. Die Mini-Serie dient als Vorbereitung der Storyline Officer Down. Es werden fünf Episoden aus der gemeinsamen Vergangenheit beleuchtet. Verbunden sind sie bloß durch die Figuren und eine rahmende Handlung in der ersten und in der letzten Story. Die erste spielt kurz nach Year One: Gordon hat mal wieder den Termin bei der Eheberatung versäumt, Barbara ist mit dem Sohn nach Chicago zurückgezogen und hat ihrem Mann nur die Scheidungspapiere dagelassen. Kurz darauf muss sich Gordon um einen Irren kümmern, der in einer Kirche ein zu vermählendes Paar bedroht. Batman greift ein und rettet die Geiseln unblutig. Für ihn ist es eine Bewährungsprobe, weil er, wie er sagt, Gordons Segen haben will. Am Ende sprechen sie über Freundschaft. Gordon regt sich darüber auf, dass diese Freundschaft sehr einseitig sei. Aber Batman versichert ihm, dass sie mehr verbindet, als Gordon denkt.

(mehr …)

Ein Beben geht durch Gotham

DC Comics

Titel: Cataclysm (dt. Inferno)/Aftershock (dt. Nachbeben)

Autor/Zeichner: Alan Grant, Doug Moench, Chuck Dixon u.a./Jim Aparo, Klaus Janson u.a.

Erschienen: 1998 (18-teilig in mehreren Serien und One-Shots), dt. Dino 1999-2000 (Batman #40-46, Batman Special #9-11, Batman präsentiert #1-2)


„It’s never easy to find inner strength and peace, even when the outer world is relatively stable…the destruction of physical reality always does spiritual damage.“ (Bruce Wayne)

„… there’s little I can do against disease and natural disasters. A lost cause can become a fool’s errand. I’m still only human. I did what was humanly possible. I hope you don’t think I’ve failed in my promise.“ (Batman)

Nach der Seuche kommt das Erdbeben. Gotham wird zerstört, es herrschen Tod, Chaos und Verbrechen. Ein gewisser Quakemaster bekennt sich, die Katastrophe verursacht zu haben und erpresst die Stadt. Die Frage ist nicht, ob er es wirklich war, denn umgehen müssen Batman und seine Verbündeten so oder so mit einer kaum zu bewältigenden Herausforderung. Batman verzweifelt an dem Verfall seiner Stadt und dem Massentod seiner Bewohner, vor allem aber an der Tatsache, dass er niemandem die Schuld an dem Unglück geben kann. Er kämpft an allen Fronten – aber es gibt keinen Gegner, den man verprügeln und einbuchten könnte. Das mag zwar das alte Batman-Schurken-Schema durchbrechen, indem es dem Helden neue Seiten und Leidenswege eröffnet, aber es funktioniert nur schleppend.

Ein One-shot ist Arkham Asylum gewidmet, einer dem Blackgate-Gefängnis, doch nichts davon ist der Aufmerksamkeit wert. Die Blackgate-Episode ist Mittelmaß, Arkham sogar deutlich darunter. Die Insassen der Irrenanstalt brechen aus und erzählen sich Geschichten – ganz in der Tradition von Boccaccios Dekameron, aber keine davon hat das Zeug zum Klassiker.

DC Comics

Der Erzählzyklus Aftershock ist so etwas wie ein langer Durchhänger – für Batman wie für seine Leser. Es gibt keinen Handlungsbogen, vielmehr eine Reihe von Kurzgeschichten über das Elend in Gotham, Arbeitslose, Obdachlose, Plünderer. Hin und wieder erscheinen ein paar der üblichen Verdächtigen (Mr. Freeze, Clayface, Mad Hatter, Joker) – allerdings nur, um gleich wieder zu verschwinden. Oft tritt die Sache auf der Stelle, es gibt Ausgaben, in denen nur lamentiert wird: wie schlimm alles ist und wie schön es früher war. In Batman #558 sieht man einen verzweifelten Batman, der seinen Butler umarmt und sagt: „Hilf mir, Alfred! Ich brauche Kraft! Ich komme einfach nicht mit dem Tod zurecht, alter Freund. Das kam ich noch nie. Er … zerreißt mich.“ Mehr Emo geht nicht.

Vielleicht muss die Geschichte so sein: Eine ermüdende Durststrecke. Es gibt darunter jedoch einige narrative Lichtblicke. Vor allem die Storys, die Alan Grant für Shadow of the Bat geschrieben hat, stechen in ihrer Qualität heraus. Etwa #76 (Dino: Batman #43), in der erzählt wird, wie eingeschlossene Menschen zu Kannibalen werden, oder #77 (Dino: Batman #44), wo ein Professor eine Klasse voller toter Studenten über Darwinismus unterrichtet und Batman dabei Teil eines Experiments wird. Leider muss Grant am Ende, für alle, die es nicht verstanden haben, die Moral wiederholen: „Vielleicht irrte sich Darwin doch. Nicht der Stärkste überlebt … Auch nicht der mit dem meisten Glück. … Sondern der, der nicht aufgibt!“

Die Geschichten leiten über zum größeren Event, dem No Man’s Land (dt. Niemandsland). Und genauso lesen sie sich auch: Wie Lückenbüßer.

Mehr zum Thema:

Prügel für den Wunderbengel

DC Comics

DC Comics

Titel: Robin: Year One (dt. Robin – Das erste Jahr)

Autor/Zeichner: Chuck Dixon/Scott Beatty

Erschienen: 2000-2001 (Mini-Serie #1-4, Paperback 2002, mit Batgirl Year One 2013) dt. Panini 2002


„Du schwörst, Unschuldige zu beschützen — und trotzdem hast du einen Jungen bei dir?“ (James Gordon)

Der Police Captain bringt das Problem auf den Punkt: Indem Batman ein Kind an seinem Kampf teilnehmen lässt, handelt er fahrlässig. Trotzdem schlägt sich Robin alias Dick Grayson in seinem ersten Jahr zu Beginn noch ganz gut, ganz allein bekämpft er den Mad Hatter. Doch dann wird er von Two-Face mit einem Baseballschläger fast totgeschlagen. Batman macht sich Vorwürfe, nie wieder etc., doch der Wunderknabe will nach seiner Genesung weitermachen. Weil er als Robin nicht darf, besiegt er zunächst Mr. Freeze in zivil, dann schließt er sich einer Racheakademie an, in der Kinder zu Killern ausgebildet werden. Als er den Auftrag bekommt, Two-Face umzulegen, bekommt er die Chance, sich zu rächen …

Robin: Year One ist eine Geschichte, die in der Tradition von Batman: Year One steht. Der Erzählstil ist ähnlich, wir verfolgen die Aufzeichnungen von Alfred, der in der Story die Rolle eines Mittlers einnimmt. Robin wird dargestellt als lebenslustiger, ungestümer und souveräner Verbrechensbekämpfer. Im Mittelpunkt steht das Verhältnis zu Bruce Wayne. Minuspunkte gibt es für die anfangs eingesetzte, aber nicht ausgeführte Liebesgeschichte. Die Zeichnungen erinnern in ihrer Schlichtheit ein wenig an den Animated-Stil, kommen aber nicht an die Klasse eines David Mazzucchelli heran.

Wer die Figur Robin hasst, könnte hier mit ihm versöhnt werden. Aber der Grundkonflikt, dass jemand, der so vorausschauend wie Batman ist, den gleichen Fehler mit Robin wiederholt, bleibt ein unaufgelöster Widerspruch. Doch darüber muss man zugunsten der Tradition hinwegsehen – genauso wie darüber, dass Batmans Seil nicht immer einen Ankerpunkt finden kann oder dass niemand auf den Trichter kommt, dass er Bruce Wayne ist. Comics haben ihre eigenen Regeln. Sie gelten auch für Robin.

>> Robin-Comics

Gegen das Geschwür Gotham

DC Comics

DC Comics

Titel: City of Crime (dt. Stadt der Sünde)

Autor/Zeichner: David Lapham/Ramon Bachs

Erschienen: 2005-2006 (Detective Comics #800-808, 811-814, Paperback 2006), dt. Panini 2014.


 „Diese und unzählige andere schreckliche Dinge geschehen heute. Und niemand ist da, um sie zu verhindern.“

„Es gibt keinen Platz mehr für Batman.“

Ich habe noch keine Erklärung dafür, vielleicht ist es meine Neigung zur kleinen Form, aber aus irgendeinem Grund funktioniert Batman besonders gut in Geschichten auf wenigen Seiten. Wie etwa „In der Nacht“, der Prolog des Zwölfteilers City of Crime. Darin wird auf acht Seiten eine einfache Geschichte erzählt, wie Batman einen gefangenen Jungen aus einem Keller befreit, aber die Erzählstimme, die immer wieder Sätze mit „In der Nacht“ beginnt, schafft eine eindringliche Stimmung. Dann kommen so bittersüße Sätze zustande wie: „In der Nacht spritzt Blut und erzeugt Kunstwerke auf dem Asphalt. Die Stadt wimmelt von Pollocks und de Koonings. Die Stadt ist ein Museum.“ Oder: „Man sagt, in der Nacht gäbe es nichts, was da nicht auch am Tag wäre. Ist nicht wahr. In der Nacht gibt es Angst. In der Nacht gibt es Monster.“ Wir sehen eine aus der Finsternis fliegende Fledermaus. Und am Ende, im vorletzten Panel, kurz bevor Batman zur Rettung des Jungen naht, heißt es: „In der Nacht stirbt eine Frau.“ Es wird klar, dass die Nacht in Gotham eine besonders grausame ist. Und dass Batman nicht überall sein kann …

Davon handelt auch City of Crime. Die Erzählstimme, ein fatalistischer Kommentator, bleibt erhalten und charakterisiert diese Stadt, deren Wurzeln, wie sie sagt, in die Hölle reichen. Dabei sehen wir Batman zunächst bei der Alltagsarbeit, nämlich Kleinkriminelle zur Strecke zu bringen – manchmal auch bevor die eigentliche Tat passiert. Die Hauptgeschichte, die David Lapham erzählt, ist außerordentlich komplex: Es geht um Menschenhändler, um schwangere Mädchen, um eine verschwundene Tochter, um eine an Drogen gestorbene reiche Göre – einen Fall, der Batman nahe geht. Irgendwas hat der Pinguin mit der Sache zu tun. Mr. Freeze hält eine junge Frau gefangen, weil er sie als neue Nora ehelichen will. Und dann gibt es Menschen, die nicht die sind, die sie vorzugeben scheinen. Halluzinierende Normalbürger begehen aus Angst Verbrechen. Batman und Robin haben alle Hände voll zu tun, auch die Polizei spielt eine große Rolle (James Gordon allerdings nur eine untergeordnete) – und dann gibt es noch eine Bürgermeisterwahl. Auch wenn das zusammen sehr viel Stoff ist, bei dem es schwerfällt, den Überblick zu behalten, ist City of Crime eine einnehmende Geschichte. Vor allem wegen dieses durchgehenden Erzählstils und seiner ausdrucksstarken Bildsprache.

Eines der interessantesten Kapitel ist das, in dem Batman undercover in einem Elendsviertel ermittelt: Er nimmt einen Job als Kranführer an und schließt Freundschaft mit einem Hauptverdächtigen. Lange ist kein Batman zu sehen, stattdessen wird ein Gesellschaftspanorama der dort lebenden Menschen aufgefächert – und man fühlt sich zuweilen an Großstadtepen wie die HBO-Serie The Wire (2002-2008) erinnert. Das ist mal eine willkommene Abwechslung (auch wenn der Fanboy leicht nervös werden kann, wenn mal länger als 22 Seiten weder Cape noch spitze Ohren in einem Panel auftauchen).

Leider ist die Auflösung am Ende etwas halbgar. Zu viele Fragen bleiben offen. Lapham legt viele falsche Fährten, sodass einige davon als lose Enden in der Luft hängen. Aber darum scheint es dem Autor nicht zu gehen, am Ende kehrt er zu der Mutter zurück, die ihre Tochter verloren hat. Dieser Einzelfall ist ihm wichtiger als der Plot um die große Verschwörung im Untergrund. Und schließlich geht es ihm nur darum zu zeigen, dass die Stadt Gotham, als City of Crime (oder im Deutschen „Stadt der Sünde“) einem Geschwür gleicht, bei dem auch einer wie Batman es nicht schafft, hinterherzukommen – oder besser gesagt: immer nur hinterherhinken kann.

Man sollte sich auf diese Stadtrundfahrt einlassen. Das kann man auch ganz ohne Vorwissen um die Continuity. Diese Story steht weitgehend für sich.

>> Batman 2000-2011

Cool, cooler, Freeze

Warner Bros.

Warner Bros.

Titel: Batman & Mr. Freeze: SubZero (dt. Eiszeit)

Regie/Drehbuch: Boyd Kirkland/Boyd Kirkland, Randy Rogel

Erschienen: 1998 (Direct-to-video)


„Come on, people! A guy in a weird suit with two polar bears can’t be too hard to spot!“ (James Gordon)

Mister Freeze in „Heart of Ice“

Victor Fries ist wohl einer der tragischsten Charaktere im Batman-Universum. Eigentlich will er nur seine kranke Frau vor dem Tod bewahren – und wird dabei zu einem emotionslosen, rücksichtslosen Killer. Wenn Liebe wahnsinnig macht … Die Geschichte von Mr. Freeze könnte man im Animated-Universum zu einem zweieinhalbstündigen Film zusammenfassen. Vier Serien-Episoden und der Langfilm SubZero gehören eng zusammen, daher werden sie auch zusammen besprochen.

Heart of Ice (S01E14) ist eine herausragende Folge. Der Emmy-Gewinner (geschrieben von Paul Dini) beginnt bereits ungewöhnlich. Nicht mit einer typischen Actionszene, sondern mit Mr. Freeze, der eine Schneekugel mit einer Tänzerin-Figur festhält und sich dabei an seine „geliebte Nora“ erinnert. Später geht es um Rache an GothCorp, weil der Chef der Firma Nora umgebracht und Victor in einen Eisklotz verwandelt hat. Batman löst den Fall mit Hühnersuppe, dem besten Mittel gegen Erkältung. Am Ende sehen wir einen todtraurigen Victor in seiner Tiefkühlzelle in Arkham sitzen. Offenbar hat er sich trotz seines Wahnsinns noch die Menschlichkeit bewahrt.

Zurück zu alten Gewohnheiten

Titlecard zu „Deep Freeze“

In Deep Freeze (S02E19) wird der Schurke von einem anderen Wahnsinnigen, Grant Walker, entführt, der sich ebenfalls der Prozedur unterziehen will, die Victor unterkühlt, weil sie ihn auch nahezu unterblich macht. Und nicht nur das: Der Milliardär hat eine utopische Stadt aufgebaut, in der er eine Gesellschaft von Auserwählten retten will, nachdem er den Rest der Welt mit einer Eiskanone eingefroren hat. Das geht selbst für Mr. Freeze zu weit, doch er muss mitspielen, weil Walker dessen Frau vor dem Tod bewahrt und – diesmal tatsächlich in einer Art Schneekugel – „eingelegt“ hat. Aber zum Glück gibt’s Unterstützung von Batman und Robin … (Und ganz nebenbei ein Wiedersehen mit Bat-Mite, Krypto und der Superkatze!)

Zum Schluss ist Freeze mit seiner Frau im Eis eingeschlossen. Das Endzeit-Szenario schießt etwas übers Ziel hinaus, aber vernachlässigt nicht seinen Hauptcharakter. Aber von Autor Paul Dini ist man solche Qualität gewohnt.

Eingeschlossen im Eis: Nora und Vicotr Fries.

Hier schließt SubZero („Eiszeit“) an, der zweite Langfilm des Animated Universe. Victor Fries hängt mit einem Inuit-Jungen am Nordpol rum und hält seine Nora gut gekühlt, in der Hoffnung sie einmal heilen zu können. Doch dann bricht ein U-Boot zufällig in die Höhle, der Kühltank zerbricht und Fries muss mal wieder zu alten schlechten Gewohnheiten zurückkehren. Nachdem er die U-Boot-Mannschaft eingefroren hat, zwingt er einen Arzt, ihm bei der Heilung seiner Frau zu helfen, dann entführt er Barbara Gordon, damit sie ihm als Organspenderin dient. Während Batman und Robin (der übrigens was mit Barbara am laufen hat) Freeze nachjagen, weiß sich das Batgirl in zivil zu helfen. Es kommt zum Showdown auf einer stillgelegten Bohrinsel.

Der Film setzt die Tragödie um Fries und seiner Frau konsequent fort. Dabei gelingt es ihm, ein gutes Gleichgewicht zwischen Drama und Action zu schaffen. Ärgerlich sind nur die computergenerierten Sequenzen, die mit dem gezeichneten Stil brechen.

Ewig dem Eis verhaftet

Der neue Freeze – mit Komplizinnen.

In der letzten Staffel der Serie (wegen des veränderten Designs neu benannt in The New Batman Adventures) sehen wir, was mit Fries und Nora passiert (Cold Comfort, S01E03). Während sie gesund wird und ihren Arzt heiratet, verfällt Freeze endgültig der Verbitterung und dem Wahnsinn. Er zieht nur noch durch die Gegend, um mit seiner Eiskanone den Menschen das wegzunehmen, was sie am meisten lieben. Auch Bruce Wayne bleibt nicht verschont. Ein schlechter Verlierer, dieser Mr. Freeze. Aber wenn von einem nur noch der Kopf übrig ist, bekommt man vielleicht eine andere Sicht auf die Dinge … Durch das neue Design wirkt der Schurke jedenfalls … ähem … noch viel cooler.

Spider-Freeze

Ein letztes Wiedersehen mit Fries gibt es in Batman Beyond (Batman of the Future). In Meltdown (S01E07) bekommt er von Wayne-Powers einen neuen Körper verpasst und damit auch seine Neigung zur Kälte ausgetrieben. Doch wie man sich denken kann, ist das Glück nicht von Dauer. Wieder einmal wird er für sinistre Zwecke missbraucht. Freeze legt sich einen Anzug zu, in dem er noch furchteinflößender aussieht, doch er bleibt eine mitleiderregende Figur. Die Tragik besteht darin, dass er es gut meint – und dabei vom rechten Weg abgebracht wird, weil ihm das Gute einfach nicht vergönnt ist. Schlecht für ihn, gut für den Zuschauer.

Mr Freeze in Batman Beyond (Episode „Meltdown“)

Mehr zum Thema: