Autor: Lukas

Journalist, Blogger, Batman-Fan

Adam West singt „Miranda“

Adam West war sich als Batman für nichts zu schade. In der 60er-Jahre-TV-Serie lief er in einem lächerlichen Kostüm herum, er tanzte den Batusi – und er sang sogar. 1966 kam der Popsong „Miranda“ als Single heraus. In dem Stück kommt nicht nur Robin zu Wort, sondern auch die Main Theme wird darin angedeutet.

„Will tonight be the night that Bruce reveals himself to the magnificent Miranda?“, fragt zu Beginn eine dramatische Stimme. Und dann geht es munter weiter: „I never met a girl like you before, Miranda.“ Alles würde er für diese Frau tun, singt Batman, nur nicht seine Maske zu lüften. „It’s against the code of heroes.“ Doch als er es dann doch tut, zeigt sie sich unbeeindruckt.

„Miranda“ ist mittlerweile gemeinfrei, man kann es sich legal unter Archive.org herunterladen.

>> Liste der Batman-66-Episoden

Bane kehrt zurück zu seinen Schöpfern

DC Comics/CBR

DC Comics/CBR

Nach der Wiederkehr von Bane in Tom Kings Storyline „I Am Bane“ bringt DC eine zwölfteilige Mini-Serie über den Schurken heraus: Bane: Conquest soll sie heißen und am 3. Mai in den USA starten. Laut cbr.com sollen dafür die 90er-Jahre Veteranen Chuck Dixon und Graham Nolan verpflichtet worden sein, also jener Autor und Zeichner, die gemeinsam Bane geschaffen haben.

Dixon verspricht das „ultimative Bane-Abenteuer“, in dem der Muskelberg versucht, ein globales Verbrechensimperium aufzubauen und andere Städte als Gotham zu erobern. Mit dabei sein sollen Banes alte Weggefährten erster Stunde: Bird, Trogg and Zombie.

Bane ist der Schurke, der Batman in der Knightfall-Saga das Rückgrat bricht. Seinen ersten Auftritt hatte er in Vengeance of Bane, einer zweiteiligen Miniserie, deren erste Ausgabe 1993 erschien. Im Film wurde er (nach einer misslungenen Interpretation in Batman & Robin) in The Dark Knight Rises von Tom Hardy dargestellt.

>> Liste der Bane-Comics

Clayface feiert Premiere

DC Comics

DC Comics

Titel: The Murders of Clayface/Clayface Walks Again

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1940/1941 (Detective Comics #40, #49)


„Clayface, from now on your name is mud!“ (Batman)

Clayface ist einer der ersten von Batmans Erzfeinden. Er tauchte kurz nach dem Joker auf, noch früher als Pinguin, Two-Face und Riddler. Allerdings erschien er noch nicht in seiner Gestalt als formwandelnder Schlammberg. Zu Beginn ist Basil Karlo (eine Namenskreuzung aus Boris Karloff and Basil Rathbone) nur ein frustrierter Schauspieler, der seine Karriere hinter sich hat und nun Rache nehmen will. Der Frust ist nachvollziehbar: Man wird abgesägt – und dann dreht Hollywood ein Remake eines der eigenen Filme. Basil Karlo tritt in seinem alten Filmkostüm als Schurke Clayface auf: mit Fratzenmaske, breitem Hut und Gewand. Schon bald gibt es die erste Leiche am Set.

Die Story ist für uns nicht mehr so aufregend, weil wir bereits wissen – oder uns denken können -, wer der Mörder ist. Allerdings ist sie wie ein klassischer Whodunit aufgezogen, bei dem zunächst mehrere Verdächtige infrage kommen. Batman und Robin dürfen sich als Detektive behaupten. Bruce Wayne muss dabei seine eigene Freundin Julie Madison retten, die unter dem Namen „Portia Storme“ gerade ihre Karriere als Schauspielerin beginnt. Julie lässt übrigens keine Gelegenheit aus, Wayne vorzuschwärmen, wie sehr sie sich wünschte, dass er mehr wie Batman wäre.

Einige Ausgaben später (Detective Comics #49) kehrt Karlo zurück. Aber dieser Auftritt ist nicht mehr so elegant wie seine Premiere. Kaum hat er sich aus dem verunglückten Gefangenentransport befreit, zieht er stumpfsinnig wieder aufs Set, um seine Rache zu vollenden. Batman kommt sehr schnell auf seine Spur. Clayface tut sein Bestes, aber das ist ziemlich armselig: er wirft einen Feuerhaken nach Batman, dann eine Modelleisenbahn (!), schließlich lässt er einen Lkw auf Batman zurasen, allerdings ohne am Steuer zu sitzen und sich zu vergewissern, dass der Wagen sein Ziel trifft. Ein Feuer soll dann Robin dahinraffen … naja, klappt alles nicht.

Denn die Helden stellen sich viel geschickter an, auch was die Schauspielerei angeht. Denn am Ende schießt Clayface auf die falsche Person, weil Robin und Julie die Rollen getauscht haben. Gegen so viel Rafinesse kommt der von Rachsucht geblendete Karlo nicht an.

Eine schwache Vorstellung, durchaus ausbaufähig. Aber er wird sich noch entwickeln. Aber zunächst verschwindet Basil Karlo für lange Zeit in der Versenkung; erst 1969 taucht er wieder auf. In der Zwischenzeit (Detective Comics #298, 1961) nennt sich Matt Hagen Clayface – und ist damit der erste Schlammschurke, den wir heute kennen. Aber das ist eine andere Geschichte.

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Batman macht Schule

DC Comics

DC Comics

Titel: Rise of the Batmen (dt. Angriff der Batman-Armee)

Autor/Zeichner: James Tynion IV/Eddy Barrows, Alvaro Martinez

Erschienen: 2016 (Detective Comics #934-940), Paperback 2017 (Detective Comics Vol. 1); dt. Panini 2017 (Paperback)


„The idea of Batman is powerful, but it’s pointed in the wrong direction.“ (Jacob Kane)

Nachdem Azrael von einem unbekannten Attentäter ins Koma gebracht wurde, vermutet Batman, dass es jemand auf den Rest der Bat-Familie abgesehen haben könnte. Also beginnt er, zusammen mit Batwoman den Nachwuchs für den Ernstfall zu trainieren: Spoiler, Orphan (Cassandra Cain) und Red Robin (Tim Drake, obwohl schon seit Jahren im Geschäft) – und sogar Clayface. Da offenbart sich der Gegner: the Colony, eine Armee von Batman-Kriegern, gesponsert von der US-Regierung, geleitet von Colonel Jacob Kane, dem Vater von Kate Kane (Batwoman). Er wiederum rüstet sich gegen die League of Shadows, die aber laut Batman nur eine Lüge von Ra’s al Ghul sein soll.

Mal wieder ist also alles anders als gedacht. Und wie immer, wenn ein Autor die Retcon bemüht (bekanntes Beispiel: Under the Hood), bleiben offene Fragen: Warum hat Jacob Kane seiner Tochter dazu verholfen, Batwoman zu werden, wenn er hinter ihrem Rücken eine Batman-Armee aufgebaut hat? Warum hat er sie nicht gleich eingeweiht? Und warum erledigt er Azrael, wenn er angeblich niemanden verletzen will? Und dann gibt es noch weitere Fragen: Warum trägt Red Robin ein neues Kostüm, das eher an sein altes erinnert und ihn weniger „red“ erscheinen lässt? Warum darf Clayface im Team Batman mitmachen? Zuletzt war er noch gemeingefährlich (siehe Graveyard Shift, Batman Eternal, Arkham Manor). Dass der Schurke zum Helden wird, ist zwar eine erfrischende Idee, aber die Motivationen dafür bleiben auf der Strecke – auch wenn die Sequenz, in der Clayface ein Kino aufsucht, um sich auf der Leinwand als Mensch wiederzusehen, sehr einfühlsam gelungen ist.

Überhaupt schafft es Autor James Tynion IV (Batman Eternal, Batman & Robin Eternal), den vielen Charakteren seiner Geschichte gerecht zu werden, allein Orphan bleibt auf der Strecke, aber sie hat ja ohnehin nicht viel zu sagen. Aber dafür gibt es ja die Action. Und davon nicht zu wenig. Die Zeichner Eddy Barrows und Alvaro Martinez inszenieren ihre Figuren filigran und die Posen spektakulär, wenn auch ohne große Experimentierfreude.

Der erste Detective Comics-Band nach Rebirth hat zwar kein Potenzial, ein Klassiker zu werden, aber er ist ein kurzweiliger Auftakt, der Spaß und Lust auf die Fortsetzung macht. Das Wichtigste aber: der Neustart hebt die Qualität der Traditions-Serie, die in den vergangenen Jahren sehr zu wünschen übrig ließ.

>> Batman 2011-2019

Triumph für Lego-Batman

Warner Bros.

Warner Bros.

Titel: The Lego Batman Movie

Regie/Drehbuch: Chris McKay/Seth Grahame-Smith u.a.

Erschienen: 2017 (Kinofilm)


„Life doesn’t give you seat belts!“ (Batman)

Als im Jahr 2014 The Lego Movie herauskam, war nicht viel davon zu halten: ein Kinofilm über Spielzeug? Warum sollte man für diesen anderthalbstündigen Werbeblock auch noch bezahlen? Doch dann war der Animationsfilm die Überraschung des Jahres: ideenreich und witzig. Und dass es um Lego ging, war sogar elegant gelöst.

Der beste Charakter der bunten Klötzchenwelt war der draufgängerische und liebenswert tollpatschige Batman. Folgerichtig hat er jetzt seinen eigenen Kinofilm bekommen. Und The Lego Batman Movie enttäuscht nicht. Im Gegenteil: er funktioniert hervorragend als Komödie für Kinder und Erwachsene, aber auch als Parodie und Hommage an die lange Batman-Tradition. Ein Fest für Fans, die ganzen Anspielungen auszumachen.

Warner Bros.

Warner Bros.

Der Film dekonstruiert aber auch den Mythos: Batman ist ein absurd hochgerüsteter Angeber, der sich für den Größten hält, unfehlbar, der aber nach Dienstschluss einsam in seinem überdimensionierten Anwesen herumhängt, Hummer verschlingt und Schnulzen („Beziehungsfilme“) im Heimkino anschaut. Diese relativ langen Szenen, die ruhigsten des Films, gehören zugleich zu den witzigsten. Wenn Batman sich auf der Mikrowelle vertippt oder den falschen HDMI-Kanal seines Fernsehers anwählt, wirkt sein dekadentes Leben plötzlich ganz vertraut.

Alfred ist mal wieder die Stimme der Vernunft: nachts Schurken verdreschen und sonst allein rumhängen kann nicht gesund sein. Doch Batman hat Bindungsängste. Er hat Angst, wieder eine Familie zu haben. Die bekommt er mit dem Waisenkind und Fanboy Dick Grayson, der zu Robin wird. Zugleich versucht der Joker mit einem teuflischen Plan, Batmans Aufmerksamkeit zu bekommen. Denn der Held behauptet, der Joker sei für ihn nicht wichtig …

Atemlos geht die Handlung voran, überwältigend fallen die Actionszenen aus, die detailreichen Bilder überfordern zuweilen. Aber das Ganze ist so liebevoll gemacht und steckt voller Details und zündender Gags, dass man anderthalb Stunden lang bestens unterhalten wird. Damit macht der Lego-Film vieles wieder wett, was bei Batman v Superman verbockt wurde: der Film macht im Gegensatz zu Zack Snyders bierernstem Getöse einfach großen Spaß.

Nur zwei Punkte sind zu bemängeln: die Überfülle an Schurken, vor allem die aus anderen Film- bzw. Lego-Spielzeugwelten hätte es nicht gebraucht. Das ist der einzige Aspekt, der den Film dann doch in die Nähe von Werbung rückt. Und die deutsche Synchronstimme des Jokers (YouTube-Star Erik „Gronkh“ Range) überzeugt nicht. Da hat man sich wieder vom Promifaktor hinreißen lassen statt von Ausdruckskraft. (Im Original spricht Zach Galifianakis.) Das ist insofern schade, als dass der Charakter sonst ungewöhnlich menschlich dargestellt ist. Der Joker will eigentlich auch nur geliebt, bzw. von ganzem Herzen gehasst werden. Was er aber nicht erträgt, ist Gleichgültigkeit. Und darum geht es in dem Film eigentlich: alles buhlt um Aufmerksamkeit und Anerkennung. Man sollte sie dem Werk gönnen, er hat es verdient.

Ra’s al Ghul muss sterben

Titel: Death and the Maidens (dt. Der Tod und die Mädchen)

Autor/Zeichner: Greg Rucka/Klaus Janson

Erschienen: 2003-2004 (Mini-Serie #1-9, Detective Comics 783; Paperback 2004, Deluxe Edition 2017), dt. Panini 2005 (2 Sonderbände)


„… it’s always for the greater good …“

Ra’s al Ghul ist dem Ende nah: da Batman ihn von seinen Kurbädern in Lazarusgruben abhält, droht dem Erzfeind der baldige Tod. Er bietet dem Detective einen Deal an: wenn Batman ihm verrät, wo er eine Lazarusgrube findet, bekommt er einen Trank, dank dem er mit seinen toten Eltern sprechen kann. Doch da ist noch Nyssa, eine Tochter des Dämons, die ihren eigenen Plan verfolgt: Rache zu nehmen an dem, was ihr Vater ihr über Jahrhunderte angetan hat. Auch Talia wird Teil des Plans.

Anfangs habe ich mich etwas schwer damit getan, weil mich Klaus Jansons sperrige Zeichnungen abgeschreckt haben. Aber die Story hat mich dann doch sehr schnell eingenommen, dass das Buch zum regelrechten Pageturner wurde. Denn Death and the Maidens ist eine sehr persönliche Geschichte, die viel Wert legt auf innere Konflikte und Charaktere. Insofern gibt es hier kaum Batman zu sehen, im Vordergrund steht Bruce Wayne und sein Verhältnis zu seinen Eltern. Er muss sich die Frage stellen: Handelt er überhaupt in ihrem Sinne, wenn er sich als Batman verkleidet? Und spielt das überhaupt eine Rolle, ob er damit ihren Willen erfüllt?

Die Frage verliert sich gegen Ende, wenn es um den Familienkonflikt der al Ghuls geht. Aber der hat es in sich. Ra’s bekommt eine neue Tiefe: wir erfahren nämlich, dass er schon mit den Nazis gemeinsame Sache gemacht hat, auch wenn er ihre Motive nicht teilte, hieß er dennoch ihren Genozid gut. Noch dramatischer wird es, dass er selbst seine Tochter Nyssa nicht vor dem Konzentrationslager bewahren wollte – alles „für das größere Wohl“, die Welt von allem Bösen, also den Menschen, zu befreien.

Die Story funktioniert auf mehreren Ebenen hervorragend. Und dann kann man auch darüber hinwegsehen, wenn die Zeichnungen nicht den persönlichen Geschmack treffen. Death and the Maidens ist einer der besten Batman-Comics des neuen Jahrtausends. Es wurde höchste Zeit, dass er wieder neu aufgelegt wurde – in einer gebundenen Deluxe-Edition.

Die Geschichte um Ra’s al Ghul und seine Familie wird fortgesetzt in:

Außerdem empfohlen als Vorgeschichte: Son of the Demon.

Verloren in der Zauberwelt

Batman zwischen Superman und Zatanna (Warner Bros.)

„Wo bin ich bloß hier reingeraten?“ Batman zwischen Superman und Zatanna (Warner Bros.)

Titel: Justice League Dark

Drehbuch/Story: Ernie Altbacker, J.M. DeMatteis

Erschienen: 2017 (Direct-to-Video)


„The criminally insane don’t need magic as a excuse.“ (Batman)

Auf der ganzen Welt begehen Menschen Morde, weil sie glauben, von Dämonen verfolgt zu werden. Die Justice League sieht sich außerstande, etwas dagegen zu unternehmen, weil sie gegen Magie machtlos ist. Also zieht Batman los und bringt eine neue Band von Freaks zusammen, die sich mit diesem Zeug auskennen: Constantine, Zatanna, Deadman, Etrigan, Swamp Thing – kurz: die Justice League Dark.

Gruppenbild ohne Dame (Warner Bros.)

Gruppenbild ohne Dame (Warner Bros.)

Der Rest der Story ist das Übliche mystische Herumgedöns. Kämpfe zwischen Zauberern und gehörnten Monstern, ein austauschbarer Endgegner. Aus irgendeinem Grund wirken solche Geschichten immer noch ein bisschen willkürlicher als normale Superheldenstorys. Ob jetzt der eine Zauberspruch wirkt und der andere nicht, welches Artifakt was kann – das ist eigentlich ziemlich beliebig. Aber trotzdem macht der Film Spaß: Die Action ist ziemlich rasant inszeniert, die Figuren dynamisch animiert und der Humor von Constantine und Deadman lockert das Ganze auf; die Pointen zünden meist, wenn auch zum Teil bloß auf Kalauer-Niveau. Und dann ist da noch Batman.

Steht verloren da: Batman. (Warner Bros.)

Steht meist verloren in der Gegend herum: Batman. (Warner Bros.)

Batman hat hier eigentlich nicht viel zu tun. Er ist ziemlich überflüssig. Hin und wieder wirft er mal ein paar explodierende Batarangs und schießt seinen Haken ab, aber sonst steht er nur verloren in der Gegend rum und grunzt, wenn ihm was nicht passt. Mit einem Wort: man merkt, er gehört nicht in die Justice League Dark, aber um diesen Film besser zu pushen, hat man ihn sozusagen als Testimonial eingesetzt. Und, na ja, der Dark Knight passt zumindest vom Namen her gut hinein – auch wenn er mit Magie (zum Glück) selten was am Hut hat. Denn:

„Not everything requires magic.“

Spekulationen in Schwarz-weiß

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman Black and White Vol. 2 (Case Study)

Autor/Zeichner: Paul Dini/Alex Ross (u.a.)

Erschienen: 2000-2001 (Gotham Knights #1-16), Paperback 2008


„What if the Joker is not insane?“

Was, wenn der Joker nicht verrückt wäre, sondern die Fassade des Verrückten bloß für einen persönlichen Rachefeldzug nutzte? Diese Frage stellt sich ein Arzt in Arkham in der Kurzgeschichte „Case Study“. Autor Paul Dini (Mad Love) spielt die Entstehung des Jokers in einer Variante durch: früher soll der Schurke bloß ein gewiefter Gangster gewesen sein, der sich ständig neue Namen gab und sich neue Handlanger suchte. Polizeiverhören entging er dank eines guten Anwalts. Zum Red Hood wurde er, um seine Anonymität zu wahren: mit dem roten Helm konnte er nicht fotografiert werden. Der Rest ist bekannt: die Monarch Spielkartenfabrik, Batman, der Sturz in den Chemikalientank etc. Schlussfolgerung: der Gangster wurde zum Joker, weil er mit seinem entstellten Gesicht nicht mehr unerkannt sein Imperium weiterführen konnte. Also wurde seine neue Mission die Rache für diesen Verlust …

Diese „Fallstudie“ wäre wesentlich unspektakulärer, wenn nicht Alex Ross (Kingdom Come) ihr mit seinen fotorealistischen Collagen eine Aura von höchster Kunst verliehe. So wird die Kurzgeschichte nicht nur zu einer psychologischen Spekulation, sondern auch zu einer Feier des Mythos Joker. In Schwarz-Weiß.

„Case Study“ bildet einen starken Auftakt für den zweiten Band der Anthologie Batman Black and White, in der achtseitige Kurzgeschichten gesammelt werden. Im Gegensatz zum ersten Band stammen sie nicht aus einer dafür geschaffenen Mini-Serie, sondern aus der Serie Gotham Knights, aber das sei nur am Rande erwähnt. Autoren und Künstler wie Brian Azzarello, John Byrne, Howard Chaykin, Alan Grant und Paul Pope feiern ihre Versionen des Dunklen Ritters mit kleinen aber feinen Geschichten. Oft düster, mal heiter und manchmal sogar ziemlich albern.

Black and White lebt, wie jede Anthologie, von der Variation. Unter den sehr verschiedenen Zeichenstilen, die von der Karikatur bis zur anspruchsvollsten Kunst reichen, ist für jeden Geschmack etwas dabei. Leider fehlen aber die herausragenden Storys, die sich so einprägen wie die Höhepunkte des ersten Bandes.

Wir sehen Batman mit Catwoman gegen Nazis kämpfen und mit Green Lantern (Alan Scott) gegen ganz gewöhnliche Gangster; als Bruce Wayne muss er sich in der Rolle des Babysitters mit Zwillingen rumschlagen. Meist schwankt die Qualität zwischen bemüht und belanglos. Nur weniges ist erwähnenswert: die Storys von Eduardo Risso, Jim Lee und Tim Sale (The Long Halloween, Dark Victory, Haunted Knight), sowie eine Riddler-und eine Scarecrow-Geschichte. Als Lektüre für Eilige und Batman-Connaisseure erfüllt aber auch der zweite Black and White-Band seinen Zweck.

Warum Batman niemals Trump wählen würde

President Lex Luthor (DC Comics)

President Lex Luthor (DC Comics)

Die Realität hat die Fiktion eingeholt. Endgültig. Denn die Fiktion kommt nicht mehr hinterher im Trump-Zeitalter. Neulich habe ich einen Cartoon gesehen, in dem das Dilemma eines Cartoonisten beschrieben wird: Die Idee die er hat, wird vom US-Präsidenten schon vorweggenommen, noch bevor der Cartoon veröffentlicht ist. Es wird immer schwerer, sich das Absurde auszudenken – denn es ist längst da. „Ist Fiktion endgültig an die Stelle von Geschichte getreten?“, fragte der Pubilizist Hartwig Tegeler neulich bei Deutschlandradio Kultur und zielte damit auf Superheldenfilme ab: „Spielt Milliardär Donald Trump einen milliardenschweren Superhelden wie Batman oder Iron Man nach? Oder umgekehrt?“

Tegeler geht davon aus, dass Hollywood unser Denken verändere und kritisiert, dass Superhelden einen großen Anteil daran hätten. „Das Problem an solchen Rettungen durch den Superhelden ist eine Vereinfachung von Welt, die in Dauerschleife vor uns abgespult wird und sich in der Wiederholung tiefer und tiefer eingräbt. Vereinfachung trifft im Zeitalter des Postfaktischen, von Fake News oder sogenannten „alternativen“ Fakten auf einen fruchtbaren Boden.“ Superheldenfilme schienen mit Trump in der Realität angekommen zu sein, auch der neue US-Präsident sehe die Welt „superheldenmäßig, schwarz-weiß, Freund-Feind. Und diesen Feind gilt es nicht zu überzeugen, sondern auszumerzen.“

Schlechte Vorbilder für Trump

Ich weiß nicht, ob Tegeler mal einen Superheldenfilm der vergangenen Jahre gesehen hat. Er schreibt jedenfalls, als hätte er das nicht. Oder jedenfalls nicht genau. Denn dann wüsste er, dass gerade Batman und Iron Man die besten Beispiele dafür sind, dass moderne Superhelden schlechte Vorbilder für einen Haudraufpolitiker wie Trump sind. Man muss gar nicht tief in die Comics gehen, um das zu belegen. Bleiben wir bei den Filmen.

Batman bewahrte in Batman Begins die Welt von größenwahnsinnigen, selbsternannten Messias, der die Welt vom Bösen reinigen wollte, indem er eine Stadt zu vernichten drohte. In The Dark Knight wies ihm der Joker als nihilistischer Terrorist die Schranken seines Handelns. Geld, Gadgets und Gewalt brachten Batman nicht viel. Ja, er triumphierte vielleicht am Ende, aber der Joker lebte und lachte zuletzt, weil Batman alles verloren hatte, was ihm lieb und teuer war. Im dritten Teil der Nolan-Trilogie, The Dark Knight Rises, befreit Batman Gotham City von einem Despoten, der die ganze Stadt seiner Willkür unterjocht.

Tony Stark wird Pazifist

„Iron Man“ Tony Stark hingegen ist zwar so wie Bruce Wayne ein Milliardär, am Anfang sogar ein Waffenkonstrukteur, der den Krieg als Show zelebriert, aber schon in der ersten Hälfte seines Debutfilms macht er eine Wandlung vom Saulus zum Paulus durch. Nachdem er einen Anschlag überlebt hat, von Terroristen gefangen genommen wurde und sich befreit hat, schwört er dem Waffenhandel ab. Als Iron Man wird er selbst zur Ein-Mann-Waffe, um die Welt zu befrieden.

In diesem Punkt könnte man Tegeler Recht geben: Ja, Superhelden nehmen das Gesetz in die eigene Hand. Das ist ein typisch amerikanischer Western-Topos. Bedenklich, aber Superhelden brechen aus dem System nur deshalb aus, weil das System nicht funktioniert. Aber das macht sie noch nicht zu tumben Wutbürgern. Gotham City braucht Batman, weil die Stadt von Verbrechen und Korruption zerfressen ist, die Welt braucht Iron Man, weil sie sich sonst in den Abgrund hochrüstet. Dass einzelne sich das Recht rausnehmen, selbst die Welt besser zu machen, bleibt dennoch ein moralisches Dilemma der Helden. Am eindrücklichsten haben es die Watchmen vorgemacht, dass die Welt nicht so einfach zu retten ist und dass Helden es schwer haben, nicht als Schurken zu enden. Und heute steht die Doomsday Clock wieder auf kurz vor zwölf … Aber nicht wegen der Superhelden.

Superman gegen Hitler

Im Gegenteil. Superhelden waren von Anfang an Freiheitskämpfer, die sich gegen Unterdrückung und Diktatur wandten. Man darf nicht vergessen: Superman wurde (wie auch viele andere seiner Art) von Juden erfunden, die einen Gegenentwurf zum Übermenschen der Nazis schufen. Superman (übrigens ein Flüchtling und illegaler Einwanderer) hat im Comic einst Hitler vor Gericht gestellt, Captain America hat den Diktator einfach vermöbelt. Rund 60 Jahre später wurde Supermans Erzfeind Lex Luthor Präsident der USA, die Helden setzten ihn bald darauf ab, anderhalb Jahrzehnte später ist mit Donad Trump tatsächlich ein industrieller Schurke an der Macht und regiert wie ein Faschist.

Warum ist es soweit gekommen? Weil zu viele Menschen die Welt schwarz-weiß sehen? Vielleicht. Aber sie tun es bestimmt nicht wegen Superheldenfilmen oder -comics. Gerade diese Helden haben – seit etwa 30 Jahren im Comic und seit 17 Jahren auch im Kino – immer wieder die vielen Graustufen aufgezeigt: vom Film X-Men, der im KZ beginnt und wo ein Holocaust-Überlebender zum Rassisten wird, bis hin zu Captain America: Civil War, wo sich Superhelden die Frage gefallen lassen müssen, welche Folgen ihre Taten nach sich ziehen. (Ein ähnliches Thema, wenn auch schlechter umgesetzt, hat auch Batman v Superman). „Aus großer Macht folgt große Verantwortung“ – das hat das Publikum schon früh bei Spider-Man gelernt. Donald Trump hat das nie verinnerlicht.

Das Problem ist jetzt: In der Realität gibt es keine Superhelden, die einen wie Trump ausschalten könnten. Und selbst wenn es sie gäbe, würden sie sich wahrscheinlich zunächst mit ihm arrangieren, so wie sie es mit Lex Luthor getan haben. Man kann nur hoffen, dass das Böse eines Tages sich selbst vernichtet. Dass das Gute triumphiert. Das ist die Hoffnung, die Utopie und das Heilsversprechen, das Superhelden immer wieder vermitteln.

Batman v Superman: Nominiert für 8 Goldene Himbeeren

Batman v Superman

Schlecht gegen Schlechter: Batman v Superman

Hat dieser Film nicht schon genug Prügel bezogen? Durch einen Spießrutenlauf muss er noch durch: Batman v Superman: Dawn of Justice wurde für die Goldene Himbeere (Golden Raspberry Awards, kurz: Razzies) nominiert – und das gleich achtmal in sieben Kategorien:

  • Schlechtester Film
  • Schlechtester Regisseur
  • Schlechtestes Prequel, Remake, Rip-off oder Sequel
  • Schlechtestes Drehbuch
  • Schlechtester Hauptdarsteller: Ben Affleck und Henry Cavill
  • Schlechtestes Filmpaar: Ben Affleck und Henry Cavill
  • Schlechtester Nebendarsteller: Jesse Eisenberg als Lex Luthor

Öfter ist in diesem Jahr bloß Zoolander 2 nominiert worden, nämlich neun Mal.

Suicide Squad blieb dafür weitgehend verschont: Allein für das schlechteste Drehbuch und den schlechtesten Nebendarsteller (Jared Leto als Joker) hat es gereicht.

Wer jetzt noch behauptet, DC habe im vergangenen Jahr einen guten Film herausgebracht, der kann gleich in Donald Trumps PR-Team für „alternative Fakten“ anheuern. Aber einmal Spaß beiseite: Wahrscheinlich bekommt Batman v Superman nur so viel Dreck ab, weil seine Fallhöhe so groß war. Wer so hohe Erwartungen weckt und sie dann enttäuscht, bezieht nun mal die meisten Prügel.

Die Goldenen Himbeeren werden am 25. Februar 2017 verliehen – am Tag vor den Oscars. Abgeholt werden sie selten.