Autor: Lukas

Beruflich Online-Redakteur, privat Comic-Blogger.

Der Batman, der lächelt

Batman versus Superman, Teil 21: Knight Time (1998)

Heiteres Gemüt: Superman als Batman

Heiteres Gemüt: Superman als Batman

Titel: Knight Time (dt. Wo ist Batman?)

Regie/Drehbuch: Curt Geda/Robert Goodman

Erschienen: 1998 (Superman: The Animated Series S03E02)


„See what I mean about him acting strange? He’s smiling!“ (Robin)

Roxy Rocket in Metropolis? Ja, was soll man auch machen, wenn Batman verschwunden ist? Superman fliegt nach Gotham City, wo Robin allein gegen Verbrecher kämpfen muss. Also wechselt Superman kurzerhand das Kostüm und wird zu Batman. Gemeinsam kommen sie einer Verschwörung von Bane, Riddler und dem Mad Hatter auf die Spur. Am Ende geht es gegen Brainiac.

Super-Batman und Robin

Super-Batman und Robin

Der Rollenwechsel geht zunächst nicht ganz glatt. Superman muss erst lernen, wie sich ein Dunkler Ritter benimmt und Robin hilft ihm dabei, wie man etwa bei einem Verhör seinen Fragen Nachdruck verleiht. Es sind diese Fish-out-of-Water-Momente, die die Episode so unterhaltsam machen. Sie machen deutlich, wie unterschiedlich die beiden Helden arbeiten und dass eine Konfrontation dieser beiden Welten immer großen Spaß macht – auch wenn in diesem Fall der wahre Batman eher durch Abwesenheit glänzt.

Die Pflicht ruft: Superman, Robin und das Batsignal

Die Pflicht ruft: Superman, Robin und das Batsignal

Fortsetzung folgt.

Bisher erschienen:

Kooperation zwischen Konkurrenten

Batman versus Superman, Teil 20: Animated World’s Finest (1997)

Prise Kryptonit gefällig?

Prise Kryptonit gefällig?

Titel: World’s Finest (The Batman Superman Movie), dt. Batman in Metropolis

Story: Alan Burnett/Paul Dini

Erschienen: 1997 (Superman: The Animated Series S02E16-18)


„Two for the price of one – I love it!“ (Joker)

Batman lässt sich nicht reinquatschen. Vor allem nicht bei seinen Methoden. Wenn er in Metropolis Ganoven verhört, muss er damit rechnen, dass Superman mitzureden hat. Doch kaum hat der Stählerne Batman zurechtgewiesen, pariert ihn Batman mit einem Überwurf. Nach Kindergartenmanier schubst Superman zurück, nennt ihn verrückt und dämlich und lässt es sich auch nicht nehmen, mit Röntgenblick unter Batmans Maske zu schauen. Batman revanchiert sich, indem er eine Tüte mit Kryptonit rausholt. (Kurz darauf findet Batman raus, dass Clark Kent Superman ist.)

Gruß an Clark.

Hallo Clark, ich weiß, wer du bist!

In der Superman-Animationsserie der 90er treffen die World’s Finest dreimal aufeinander, zu Beginn mit in einer Dreifachfolge, die für den Heimvideomarkt auch zu einem einstündigen Film zusammengeschnitten wurde. Der Plot vereint, nach alter Tradition, auch die wichtigsten Schurken: Der Joker stiehlt eine Statue aus Kryptonit und bietet Lex Luthor an, Superman für eine Milliarde Dollar zu töten (vgl. Batman und das Phantom). Batman reist nach Metropolis, um das zu verhindern und verbündet sich notgedrungen mit Superman.

Joker und Lex: Ein verlockendes Angebot.

Joker und Lex: Ein verlockendes Angebot.

Doch nicht nur im Dienst sind die beiden Konkurrenten, auch in der Liebe: Bruce Wayne spannt Clark Lois Lane aus – und aus dem Flirt wird Ernst. Allerdings nur, bis sie hinter sein Geheimnis kommt. (Symbolisch schwerwiegend: durch eine Druckerpresse!) Bruce bringt es auf den Punkt: Lois mag Bruce Wayne und Superman, aber nicht die beiden anderen Typen – Batman und Clark Kent. Diese komplexe Dreierbeziehung, die überkreuz zur Fünferbeziehung wird, ist ein typisches Motiv der World’s Finest-Storys. Hier aber wird die Affäre bis zur Eifersucht durchgezogen.

Bruce und Lois kommen sich näher.

Bruce und Lois kommen sich näher.

Natürlich läuft es darauf hinaus, dass keiner die Frau kriegt. Lois spielt die typische Jungfer in Nöten, die von beiden Helden gerettet werden muss. Im Laufe der Handlung merken die beiden, die nichts miteinander zu tun haben wollen, dass sie sich prima ergänzen. Batman kann das Kryptonit unschädlich machen, Superman mit dem Kopf voran durch Wände brechen. Am Ende geht es gegen ein paar bösartige Kampfroboter.

Jetzt seid ihr dran!

Jetzt seid ihr dran!

Trotz der Erkenntnis, dass man ein gutes Team bildet, gerät auch der Abschied nicht gerade freundschaftlich. Man sollte bloß keine regelmäßige Sache daraus machen, sagt Clark. Bruce droht Clark, gut zu Lois zu sein, denn er wisse, wo er wohne. Wie schon bei der ersten Begegnung verzichten sie auf einen Handschlag. Damit ist die „Kinderserie“ deutlich konsequenter als manch Comic.

"Ich weiß, wo du wohnst." Auch zum Abschied kein Händeschütteln.

„Ich weiß, wo du wohnst.“ Auch zum Abschied kein Händeschütteln.

Der Dreiteiler wurde parallel als Comic adaptiert. Dafür gab es 1998 den Eisner Award in der Kategorie Best Graphic Album. An den Charme der TV-Episoden kommt das Heft aber nicht heran. Hier wird eine Story voller Konflikte, zündender Pointen und Action geboten, die sowohl alte Fans als auch Kinder glücklich machen dürfte. Herrlich: Batman und Superman zum Preis von einem.

Fortsetzung folgt.

Bisher erschienen:

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Ziemlich beste Superfreunde

Batman versus Superman, Teil 19: Animated im Comic

Titel: Super Friends/World’s Finest

Autor/Zeichner: Kelley Puckett/Mike Parobeck; Scott Peterson/Tim Levins

Erschienen: 1994/2001 (Batman Adventures #25/Batman Gotham Adventures #36)


„Our methods aren’t quite that different.“ (Batman)

Noch bevor neben Batman auch Superman im Animated-Universum eingeführt war, trafen die beiden Helden im Comic aufeinander. In der 30-seitigen Story „Super Friends“ (1994) orientiert sich der Zeichner von Superman noch an den regulären Comics: Superman hat lange Haare und eine knallrote Unterhose, auch wirkt sein Gesicht weicher als in der späteren TV-Serie. Bruce Wayne und Clark Kent begegnen sich erstmals auf einer Industriellen-Versammlung, bei der auch ein rotschopfiger Lex Luthor dabei ist. Als eine Bombe hochgehen soll, zieht sich Clark schnell um und bringt als Superman den Sprengstoff ins All, während Batman sich um die Bombenleger kümmert.

Von Anfang an versteht sich das Team perfekt: Batman begrüßt Superman sogar mit einem Lächeln, schon in zivil schütteln sie sich freundlich die Hände, auch später, als es gegen Maxie Zeus und Luthors Kampfroboter geht, läuft alles glatt. Batman zwingt Lex Luthor zum Rückzug von einem Deal und beschließt, auch als Bruce Wayne keine Geschäfte mit dem Schurken zu machen. Batman zeigt sich einmal gegenüber Superman kurz eifersüchtig: „I’m having trouble ignoring the fact that you’re defying gravity.“ Schließlich kommt er aber zu dem Schluss, dass ihre Methoden bei allen Unterschieden, doch nicht so verschieden sind.

Superman in der Batcave – ein unwillkommener Gast. (DC Comics)

Sieben Jahre später, nachdem sich Batman und Superman dreimal in der Animationsserie verbündet haben, kommen sie erneut in einem Comic des Animated-Universums zusammen. Allerdings ist diese „World’s Finest„-Geschichte die bescheidenste. Keine bekannten Schurken sind hier zu bekämpfen, keine großen Herausforderungen anzugehen. Es geht bloß um einen ausgebrochenen Häftling, der wieder eingefangen werden soll. Dennoch hat die Story ihre bemerkenswerten Momente: Sie beginnt damit, dass Superman unvermittelt in der Bathöhle sitzt und Batman begrüßt. „That’s my chair“, sagt Batman trocken. Superman steht auf und geht auf ihn zu. Drei Splash Pages werden dafür aufgewendet – eine Seitenschinderei, aber eine mit starkem Effekt. Erst dann kommt Superman zur Sache.

Gemeinsam macht man sich auf die Suche nach dem Untergetauchten. Superman reißt in einem Gangsterclub das Dach ab, der Rest ist routinierte Schurkenabwehr mit Verhör. Zurück in der Bathöhle ist selbst Robin irritiert, was Supermans Erscheinen soll, wenn er nicht gerade nukleare Bedrohngen oder interdimensionale Dämonen bekämpfen muss. Doch der Reiz der Story liegt in ihrer Bescheidenheit. Schließlich wird eine tragische Familiengeschichte mit Kindesentführung daraus – und Superman erweist sich als der bessere Detektiv, wenn es darum geht, das Verhalten eines Vaters vorauszusagen. Mit anderen Worten: Batman irrt, Superman hat recht. Am Ende gibt es nur diese Pointe statt eines Spektakels.

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Mehr Geduld für Dark Knight III

An alle, die morgen zum Comichändler ihres Vertrauens rennen, um den vierten Teil von Dark Knight III: The Master Race zu kaufen: DC Comics hat den Veröffentlichungstermin erneut verschoben. Erst am 13. April soll das Heft (Book 4) erscheinen. Teil 5 soll – wenn alles klappt – am 18. Mai herauskommen. Das Prequel The Last Crusade ist immer noch für den 20. April angesetzt. Es ist bereits die zweite Verspätung für die achtteilige Mini-Serie von Frank Miller, Brian Azzarello und Andy Kubert. Ursprünglich war geplant, dass die Hefte monatlich erscheinen sollten. Bislang hat sich das Warten auf die Fortsetzungen gelohnt. Allerdings dürfte spätestens jetzt klar sein, dass der Untertitel „Master Race“ nicht „Meisterrennen“ bedeuten kann … Die Story wird zur Geduldsprobe.

Was bisher geschah, kann man hier nachlesen.

Aushilfen bringen’s nicht

Batman versus Superman, Teil 18: World’s Finest (2009-2010)

DC Comics

DC Comics

Titel: World’s Finest

Autor/Zeichner: Sterling Gates/Julian Lopez, Ramon F. Bachs, Jamal Igle, Phil Noto

Erschienen: 2009-2010 (Mini-Serie #1-4, Paperback 2010), dt. Panini 2010 (DC Premium #68)


„A giant Superman/Batman robot? That might be the stupidest thing I’ve ever heard.“ (Robin)

„This is a job for the both of us, Batman. But you’ve got to get me close enough to help.“ (Superman)

Batman ist verschwunden, Superman hat sich auf New Krypton niedergelassen. Jetzt müssen die Aushilfen ran: Red Robin und Chris Kent (Supermans Sohn alias Nightwing) gegen den Pinguin und den Kryptonite Man, die Flamebird gefangen halten. Der Kryptonitmann wird von Toyman gefangen genommen. In Metropolis kämpfen Robin und Guardian gegen das Team Parasit und Mr. Freeze, letzterer wird von Toyman befreit. Dann verbünden sich Supergirl und Batgirl gegen Toyman und Freeze, die einen Riesen-Superman-Batman-Roboter (mit Kryptonite Man als Waffe) ins All jagen wollen, um New Krypton zu vernichten. Toyman mag nämlich keine Aliens. Weil aber die Aushilfen damit nicht klarkommen, müssen zum Schluss die altgedienten Profis ran: Batman (Dick Grayson) ruft Superman und zusammen haben die beiden leichtes Spiel gegen Toymans mechanisches Monster … (Verzeiht den Kalauer.)

Viel kann man über das Verhältnis von Batman und Superman nicht sagen: Am Ende ist Superman stolz auf Dick und freut sich schon aufs nächste Team-up. Die eigentlichen Konflikte beider Sphären tragen die Robins aus: Red Robin hat keine Lust auf eine Kooperation, weil er den echten Batman sucht, Robin widersetzt sich dem fliegenden Polizisten Guardian, der ihm nicht viel entgegenzusetzen hat. Aber das alles bleibt sehr oberflächlich.

Dieses World’s Finest ist eine Mogelpackung: Statt Batman und Superman bekommt man drei Team-ups von Stellvertretern beider Dunstkreise bis erst am Ende die eigentlichen Helden zum Einsatz kommen. Es wäre noch zu verkraften gewesen, wenn wenigstens Superboy dabei gewesen wäre, aber Guardian und der kryptonische Nightwing sind einfach alles andere als „World’s Finest“, sondern sehr lahme Nebenfiguren. Das Aufgebot an Helden und Schurken kann auch nicht über die altbackene und banale Story hinwegtrösten. So setzt auch die dritte Mini-Serie mit diesem Titel die Tradition der Enttäuschung fort. Und weil zu wenig Superman und Batman darin vorkommen, ist diese Story auch die schwächste.

Fortsetzung folgt.

Bisher erschienen:

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Ein kleines bisschen Horrorshow

Batman versus Superman, Teil 17: Vampire und Werwölfe (2008-2009)

DC Comics

DC Comics

Titel: Superman and Batman versus Vampires and Werewolves (dt. … versus Vampire und Werwölfe)

Autor/Zeichner: Kevin VanHook/Tom Mandrake

Erschienen: 2008-2009 (Mini-Serie #1-6, Paperback 2009), dt. Panini 2010 (DC Premium #67)


„This world of magic is foreign to him and he is out of his element.“

Was kann man von einem solchen Titel erwarten? Besonders kreativ ist er nicht, aber immerhin erklärt er sich von selbst. Man bekommt, was draufsteht. Die beiden größten DC-Helden, sowie Typen mit Fell und Fangzähnen. Zwei Genres in einem: Superhelden und Horror. Und Blut. Ganz viel Blut. So viel, dass es schon einen großen Teil des Covers bedeckt. Das Ganze wirkt natürlich auch wie eine ganz billige Masche: Ein Trittbrettfahrer-Titel, der auf dem Höhepunkt des Vampir-Revivals zwischen Twilight und True Blood. Man kann nicht viel erwarten.

Und so ist es dann auch: Vampire und Werwölfe treiben ihr Unwesen in Gotham. Batman untersucht den Grund dafür. Die Spur führt zu einem verrückten Wissenschaftler, der auf der Suche nach dem Totenreich das Reich der Untoten geöffnet hat. (Hier stellt sich die Frage, warum ausgerechnet Vampire und Werwölfe, aber keine Zombies herausgekommen sind.) Als Batman ihn stellt, taucht ein undefinierbares, riesiges Ungeheuer auf, wie es von H.P. Lovecraft stammen könnte (vgl. Schatten über Gotham). Da eilt auch schon Superman zur Rettung – woher, warum bleibt ein Rätsel. Man schlägt sich durch einen Haufen Vampire und Werwölfe. Green Arrow kommt dazu und verschießt ein paar Holzfpfeile (und verschwindet bald darauf in der Versenkung). Und weil alle drei keine Ahnung von Hokuspokus haben, ist ein Auftritt von Jason Blood alias Dämon Etrigan obligatorisch. Während der Dämon sich um den Meta-Kram kümmert, metzeln Superman und Batman fleißig weiter – moralisch kein Problem, da niemand wirklich stirbt.

Für Splatterfreunde wird viel Blut, abgetrennte Körperteile, zermatschte Köpfe und Kannibalismus geboten. Superheldenfans bekommen Gastauftritte von Wonder Woman, Nightwing und Man-Bat, auch wenn sie nichts mit der Handlung zu tun haben. Und für alle, die nach Tiefe suchen, erklärt eine Erzählstimme noch einmal alles für Dumme. Das allein vermag der nach typischem Muster gestrickten Handlung auch keine Tiefe zu verleihen. Spannend geht auch anders. Nie hat man das Gefühl, dass eine Situation brenzlig werden könnte. Und für zwischenmenschliche Interaktion ist in diesem Schlachthaus von einer Story auch kein Raum. Superman und Batman sind – so wie jede andere Figur – bloße Funktionen, aber so beliebige, dass das Team der World’s Finest keine große Rolle spielt. In dieser Welt wirken sie bloß wie Fremdkörper. Auch zeichnerisch geht der Comic nicht über das Trash-Niveau hinaus.

(Dass Batman und Vampire aber auch ganz gut zusammenpassen können, zeigen die Comics Red Rain und Bloodstorm.)

Fortsetzung folgt.

Bisher erschienen:

Batman trifft Punisher

Titel: Batman/Punisher: Lake of Fire; Punisher/Batman: Deadly Knights

Autor/Zeichner: Dennis O’Neil/Barry Kitson; Chuck Dixon/John Romita Jr.

Erschienen: 1994 (One-shots)


„As exercise, it isn’t bad. But, it’s getting us nowhere.“ (Punisher)

Wenn man ein paar dieser DC/Marvel-Crossover liest, kapiert man schnell, wie die Sache läuft. Da mich sowohl das Treffen von Batman mit Daredevil als auch mit Spider-Man ziemlich kalt gelassen hat, habe ich auch von den zwei Begegnungen mit dem Punisher nicht viel erwartet. In der Hinrunde verbünden sich Aushilfsbatman Jean-Paul Valley (Knightfall) und Frank Castle gegen den entstellten Schurken Jigsaw. Batman ist verrückt, ihn plagen die üblichen Wahnvorstellungen, der Punisher macht sich schnell selbständig, am Ende gibt’s eine kleine Keilerei, bei der Batman zwar überlegen ist, aber der Punisher doch triumphiert, weil er mogelt. Naja.

In der Rückrunde darf auch mal Bruce Wayne gegen den Mann mit dem Totenkopf auf der Brust antreten – sogar zweimal. Der eigentliche Kampf wird wieder gegen Jigsaw geführt, allerdings bekommt er Verstärkung vom Joker. Am Ende will der Punisher den Clown einfach abknallen, Batman hat was dagegen … Das Ganze ist so banal und auch so sperrig gezeichnet, dass es nicht der Rede wert ist. Einzig die Tatsache, dass man das Heft zweimal um 90 Grad kippen muss, weil die Doppelseiten vertikal ausgerichtet sind, ist ungewöhnlich daran.

Ich denke, die restlichen Crossover dieser Machart kann man sich sparen.

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Ein Batman aus Kryptonit

Batman versus Superman, Teil 16: Vengeance (2005)

Titel: (With A) Vengeance (dt. Voller Wut)

Autor/Zeichner: Jeph Loeb/Ed McGuinness

Erschienen: 2005 (Superman/Batman #20-25, Paperback 2008/2014 mit Absolute Power) , dt. Panini 2007 (Paperback)


„– and what could be more fitting than … Batman killing Superman?“ (Kryponite-Batman)

Wer diese Reihe verfolgt, dem wird aufgefallen sein, dass „Batman versus Superman“ mehr ein Name ist, der sich an den kommenden Spielfilm anlehnt, als dass es tatsächlich um eine Retrospektive der Kämpfe handelt. Denn zwar gibt es einige, und einige davon habe ich bereits früher vorgestellt, aber in der Regel bilden Batman und Superman ein Team – so auch in der Superman/Batman-Serie. Hier aber, bei Vengeance, kommt es endlich wieder zu einer richtigen Prügelei. Einer auf Leben und Tod.

Aber der Reihe nach. Allerdings ist das nicht so einfach. Batman und Superman stoßen auf die Maximums, die einzige Superheldengruppe, die von der US-Regierung anerkannt ist. Noch nie von denen gehört? Macht nix, die sind neu (dazu später mehr). Jedenfalls tötet Superman einen von ihnen, als Vergeltung für den Mord an Lois Lane. Wann das passiert sein soll? Das spielt keine Rolle, denn die Maximums wissen auch nicht, wovon Superman spricht. Überhaupt haben sie ihn und Batman noch nie gesehen. Kurz darauf holen die Maximums also zum Gegenschlag aus, um den Tod ihres Gefährten zu rächen, doch die Versionen von Superman und Batman, die sie treffen, wissen auch nicht, was los ist.

Damit aber nicht genug: Parallel dazu verbündet sich Bizarro mit Batzarro, seinem Batman-Pendant, um Superman zu helfen. Dabei treffen sie auf den Red Son-Superman und Batman Beyond. Schließlich versammeln sie auch noch einen Haufen Batmen, Supermen und Supergirls aus Paralleluniversen – ganz zu schweigen von Gastauftritten von Darkseid und Lex Luthor. Ach ja, und zwischendurch kommt noch Captain Atom aus dem Weltall zurück (er hat in Public Enemies den Kryptonit-Asteroiden zerstört) und ist besessen von einer Art Kryptonitgeist. Der ergreift schließlich von Batman Besitz und versucht so, Superman zu töten. Der grüne Batman prügelt ein paarmal auf Superman ein, bis sein Gegner ihn mit einem kleinen Rippenstoß halbseitig lähmt und dann in einen Bleipanzer kleidet bis der Kryptonite Man verschwindet (wohin auch immer).

Superman/Batman #23 (DC Comics)

Superman/Batman #23 (DC Comics)

Okay, so viel zum dramatischen Höhepunkt der Story. Aber was soll der ganze Rest? Wer das Marvel-Universum ein wenig kennt, wird in den Maximums eine Art Beinahe-Avengers bzw. Fast-Ultimates erkennen: Soldier = Captain America, Robot = Iron Man, Monster = Hulk (zunächst lila, dann grün), Viking = Thor, Skyscraper = Giant Man, Hornet = The Wasp, Bug = Spider-Man. Die Ähnlichkeiten sind offensichtlich, aber immer noch so, dass es keinen Ärger mit dem Urheberrecht gibt. (Später sollte Jeph Loeb übrigens tatsächlich die Ultimates für Marvel schreiben.) Schließlich verschmelzen sie zu einem Helden („The Maximum Maximum“) und kloppen sich mit einem Amalgam aus Batman und Superman. Aber kaum geht der Kampf los, ist er auch schon wieder vorbei.

Dass das Ganze ein Spiel zwischen Mr. Mxyzptlk und dem Joker (bzw. Bat-Mite) ist, verleiht der Geschichte nicht viel mehr Sinn. Das Problem an solchen Geschichten ist, dass sie so willkürlich sind, dass darin alles passieren und am Ende alles wieder annulliert werden kann. Das Nonsens-Prizip funktioniert gut bei Alice im Wunderland, bei Superhelden-Storys wirkt es ermüdend und spannungsarm. Und so wirkt auch Vengeance völlig überladen an Figuren, ohne dass es einen Zusammenhang oder gar Mehrwert gäbe. Kurz: Viel Lärm um nichts.

Fortsetzung folgt.

Bisher erschienen:

Hitler Twins und Hardy Boys

Batman versus Superman, Teil 15: Absolute Power (2005)

Titel: Superman/Batman: Absolute Power (dt. Absolute Macht)

Autor/Zeichner: Jeph Loeb/Carlos Pacheco

Erschienen: 2005 (Superman/Batman #14-18, Paperback 2006), dt. Panini 2006


„Obey or die.“ (Superman)

Das Lesen von Superheldencomics ist ein ständiges Déjà-vu-Erlebnis: Im Grunde liest man immer die gleichen Geschichten, erzählt in tausend Variationen, aber weil es dann doch immer anders ist, wirkt es, als wären es doch andere Geschichten. So beginnt auch Absolute Power mit altbekannten, bis zum Erbrechen erzählten und wiedererzählten Origins der Titelhelden – die Sache mit der Rakete im Kornfeld und die Sache mit dem Zorro-Film – man will schon weiterblättern, weil das offenbar die obligatorische Einführung für neue Leser sein soll, und dann kommt die Wendung – und alles ist anders als gedacht.

Weil drei Superschurken aus der Zukunft an diesen Stellen in der Zeit eingegriffen haben, verläuft alles anders: Superman und Batman werden zu Tyrannen, die die Welt beherrschen. Die anderen großen Superhelden wurden bei seiner Entstehung vernichtet. Wer noch übrig ist, dessen nehmen sich die Diktatoren selbst an, wie etwa Green Arrow, der die beiden bloß „Hitler Twins“ nennt. Übertrieben ist das nicht sehr, denn Batman und Superman sind als Brüder aufgewachsen und hängen entsprechend aneinander. Doch dann gibt es noch Wonder Woman. Und sie trommelt die verbliebenen Superhelden zusammen, um eine Rebellion gegen die Tyrannen starten. Dabei tötet Wonder Woman Batman. Superman zögert nicht, Wonder Woman zu ermorden. Doch damit gehen die Probleme erst los, denn danach springen Superman und Batman durch verschiedene alternative Zeitlinien, an deren Ende stets einer von ihnen draufgeht.

Eigentlich müsste man hier aufhören zu erzählen, aber eine dramatische Wendung muss gespoilert werden, weil sie einfach zu gut ist, um darüber zu schweigen: In einem Szenario interveniert Batman in die Ermordung seiner Eltern und erschießt den Mörder kurzerhand. Daraufhin löscht er einerseits seine Existenz aus und ermöglicht andererseits seinem alternativen Ich ein glückliches Leben. Doch weil in dieser Welt Ra’s al Ghul herrscht, muss Superman Bruce Wayne wieder zu Batman machen, um alles wieder in Ordnung zu bringen.

Es lohnt sich immer noch, diese Story zu lesen, denn es passiert so viel, dass ich die Hälfte weggelassen habe (Darkseid! Justice League! Und wieder der Superman aus Kingdom Come!) Waren die Helden in den ersten beiden Superman/Batman-Geschichten schon ein gutes Team, so sind sie hier ein Herz und eine Seele, ja eine Familie. Gemeinsam stehen sie als „Hardy Boys“ (Green Arrow) eine Reihe von Elseworlds-artigen-Szenarien durch und leiden miteinander, betrauern den Verluste des jeweils anderen. Das ist rührend mitanzusehen, auch wenn die beiden zunächst Arschlöcher sind. Aber im Laufe der Geschichte finden sie zu ihren wahren Identitäten zurück – denn gewisse Dinge, so die Moral, müssen nunmal so sein und nicht anders, also so wie immer – womit wir wieder beim Déjà-vu wären … Absolute Power ist so dramatisch, rasant und vollgepackt mit interessanten Einfällen, dass alle seine Bestandteile (auch die feinen Zeichnungen) eine World’s Finest-Story im besten Sinne des Wortes ergeben.

Fortsetzung folgt.

Bisher erschienen:

Ein Hohelied auf Batwoman

DC Comics

DC Comics

Titel: Batwoman – Elegy (dt. Das Klagelied der Fledermaus)

Autor/Zeichner: Greg Rucka/J.H. Williams III

Erschienen: 2009 (Detective Comics #854-860, Paperback 2010), dt. Panini 2010 (100% DC 26)


„Didn’t anyone give you the memo? Gotham already has one Carroll-inspired freak.“ (Batwoman)

Alice im Wunderland ist eine unerschöpfliche Quelle für Batman-Storys. Es gibt den Mad Hatter, Tweedledum und Tweedledee sowie den Rest der Wonderland Gang, es gibt die Schurkin White Rabbit (die eher nach Playboy-Bunny aussieht), einmal durfte Batman sogar durch ein Wunderland-Szenario wandeln (siehe Through the Looking Glass). Was fehlt noch in der Reihe? Alice. Eine Verrückte, die sich dafür hält, ist die Widersacherin von Batwoman in ihrem ersten Solo-Abenteuer in Detective Comics.

Was bisher geschah: Batman ist bekanntlich tot oder verschollen (Final Crisis), es gibt einen Kampf um die Nachfolge, Nightwing tritt sie schließlich an (Long Shadows). Batwoman ist bereits aufgetaucht, als Batman ein Jahr lang weg war (siehe 52). Damals kämpfte sie gegen die Religion of Crime. Jetzt geht es gegen die neue Anführerin, besagte Alice. Die Schurkin will nämlich Gothams Bevölkerung mit chemischen Waffen auslöschen. – Was das mit dem Wunderland zu tun hat, wird allerdings nicht klar. Immerhin gibt es ein psychedelisches Erlebnis …

Doch bevor jetzt alles „Laaangweilig!“ ruft und das Lesen abbricht, dem sei die Lektüre empfohlen. Denn auch wenn die Story verbraucht erscheint, ist sie doch zu interessant gemacht, als dass man sie verschmähen sollte. Greg Rucka beweist Talent, Batwoman (Kate Kane) zu einem interessanten Charakter auszubauen, und J.H. Williams III fordert mit seiner kühnen Seitenarchitektur das Auge heraus: gezackte, gesplitterte, verschnörkelte Panels, komplexe Verschränkungen von Zeit und Raum, und dazu beeindruckend lebendige Zeichnungen und variationsreiche Kolorierungsstile machen jede Seite zu einer Freude.

Im zweiten Teil des Bandes, der Story Go, wird Batwomans Entstehungsgeschichte nachgereicht: Kate Kane ist die Tochter eines Soldaten, die in ihrer Kindheit entführt wurde und zusehen musste, wie ihre Mutter und Schwester getötet wurden (Trauma!). Kane wird Soldatin, fliegt aber von der Akademie, als herauskommt, dass sie eine Lesbe ist. Obwohl sie sich mit einer Lüge retten könnte, bleibt sie standhaft und steht zu ihrer Homosexualität. Später fängt sie etwas mit der Polizistin Montoya an. Schließlich wird sie mit Hilfe ihres Vaters (Training, Technik, Kostüm) zu Batwoman. (Feministische Anmerkung: Die High Heels trägt sie übrigens nur, weil es keine anderen roten Stiefel gab.) Für sie ist das Vigilantentum eine Nische, wie sie doch ihre selbst auferlegten Pflicht erfüllen kann: „I finally found a way to serve“, sagt sie am Ende.

Im Sinne der Unterhaltung leistet sie besten Dienst am Leser. Insofern kann von einem Klagelied (so die deutsche Übersetzung von Elegy) keine Rede sein. Auf Batwoman kann man bloß Hohelieder singen.

(Batwomans Origin wurde jüngst in dem Animationsfilm Batman: Bad Blood adaptiert.)

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