Autor: Lukas

Beruflich Online-Redakteur, privat Comic-Blogger.

Die besten Justice League-Comics

 

Wem der Justice League-Film Lust auf mehr Geschichten dieser Art gemacht hat, sollte zu den Comics greifen. Aber wo soll man bloß anfangen? Für Einsteiger hat DC ein kleines Video gemacht, in dem zehn der besten Kämpfe der Justice League (JLA) versammelt werden. Doch keine Bestenliste ohne Widerspruch. Andere Comic-Websites haben eigene Rankings erstellt.

Nerdist.com hat eine Liste von elf Storylines zusammengestellt, die einige Gemeinsamkeiten mit der von DC hat:

Comicbook.com führt in seiner Liste der fünf besten „Starting Points“ außerdem noch The New Frontier und Earth 2 an.

IGN.com ergänzt Kingdom Come, Justice League Vol. 1: Origin und Earth 2 Vol. 1: The Gathering.

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Götter als Alltagshelden

Titel: The World’s Greatest Super-Heroes (dt. DC Helden)

Autor/Zeichner: Paul Dini/Alex Ross

Erschienen: 1999-2004 (One-shots: Superman: Peace on Earth, Batman: War on Crime, Captain Marvel: Power of Hope, Wonder Woman: Spirit of Truth, JLA: Secret Origins, JLA: Liberty and Justice) Paperback 2005, Hardcover 2017 (Absolute Justice League); dt. Panini 2007 (DC Premium 50)


„I now see that taking on this responsibility was too ambitious for one man, even a Superman.“

Alex Ross ist der Michelangelo unter den Superhelden-Malern. In den 90ern hat er zuerst mit Marvels die Marvel-Helden zu Göttern gemacht, dann – mit Kingdom Come – die DC-Helden, wenn auch in einem Elseworlds-Szenario. Ende der 90er begann er zusammen mit Autor Paul Dini damit, den größten Charakteren einzelne Denkmäler zu setzen: Superman, Batman, Captain Marvel, Wonder Woman und der Justice League. Entstanden sind sechs Bände, in denen einerseits die Helden mit bildgewaltigen Auftritten zu Göttern stilisiert, anderersits ihre menschlichen Seiten gezeigt werden.

Die Helden kämpfen nicht gegen Superschurken, sondern gegen die realen Probleme der Welt: Superman versucht, den Welthunger zu besiegen – und scheitert an der Gier und der Borniertheit der Menschen. Batman (der sich fragt, wie sein Leben ohne Reichtum verlaufen wäre) versucht, das Verbrechen an der Wurzel anzugehen, um Menschen in Gotham ein besseres Leben zu ermöglichen, und erzielt immerhin Teilerfolge. Es ist interessant in der Gegenüberstellung, wie der Übermensch versagt und der Mensch gewinnt, aber in ihrer Grundhaltung sind beide Geschichten positiv.

So auch Captain Marvel (Shazam) und Wonder Woman: Während der eine behinderten Kindern Hoffnung gibt, indem er Zeit mit ihnen verbringt, beschützt die andere Unschuldige (Frauen) weltweit vor ihren Unterdrückern. Captain Marvel kann zwar auch den Vater eines Jungen davon abhalten, seinen Sohn zu misshandeln, aber Wonder Woman scheitert mit ihrer Naivität, als sie sich halbnackt in ihrem Kostüm unter vollverschleierte Muslima begibt – dafür fliegen Steine.

Jeweils über zwei Seiten werden die jeweiligen Entstehungsgeschichten der Helden nacherzählt, so auch die von Flash, Green Lantern, Aquaman, Martian Manhunter und anderen. Die umfangreichste Story ist der Justice League gewidmet. Das Team muss einen außerirdischen Virus in Zentralafrika bekämpfen, der zur Bedrohung für die Welt wird. Während die Helden versuchen, das Schlimmste zu verhindern, bricht weltweit Panik aus, die Helden müssen intervenieren und machen sich damit unbeliebt. Das Vertrauen wird erschüttert – und muss anschließend mühsam wieder aufgebaut werden.

Trotz der allzu weltlichen Probleme ist der Blick stets nach innen gekehrt, der Ton der Geschichten nachdenklich. Sprechblasen gibt es nicht (außer bei der JLA), die Captions sind aufgelöst in reine Textfelder, um der Kunst mehr Raum zu geben. Wichtiger als die äußere Handlung sind die inneren Vorgänge und Motivationen der Helden. So bekommen die Charaktere eine größere Tiefe als in den meisten Comics. Und manches Unerhörte offenbart neue Abgründe, wie z.B. dieser Gedanke von Batman:

„In my darkest moments, I’m taunted by the suspicion that my parent’s murder was the best thing that ever happened to me. Cynically, I tell myself it has given my life a destiny and the means to fulfill it.“

Die Superhelden zweifeln an sich, weil sie mit ihren scheinbar unendlichen Kräften an die Grenzen des Machbaren stoßen. Ganz alltägliche Probleme scheinen unüberwindbarer als eine Alien-Invasion. Man sieht, warum auch Superhelden nicht alles können – es sei denn, sie werden zu Tyrannen, was sie natürlich nicht wollen. Ihren größten Nutzen haben die Übermenschen, wenn sie sich bemühen, einfach nur gute Menschen zu sein. So besteht auch ihr Zweck für die reale Welt darin, anderen Menschen Hoffnung zu verleihen.

Alex Ross inszeniert die Protagonisten nicht nur überaus realistisch, sondern auch feinfühlig, mit einem treffenden Gespür für Ausdrücke und Nuancen schafft er es, jeden noch so geringen Statisten mit Leben zu füllen. Mit ungewöhnlichen Perspektiven und einer Vielzahl an romantisierenden Lichtstimmungen versetzt er auf jeder Seite seine Leser in Staunen. The World’s Greatest Super-Heroes wird seinem Titel mehr als gerecht, es ist ein Meisterwerk.

Jahrelang war das Buch vergriffen, jetzt hat DC es in einer prächtigen Absolute-Edition herausgebracht (UVP: 75 US-Dollar). Für jeden DC- und Alex Ross-Fan dürfte es das perfekte Weihnachtsgeschenk sein.

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Die JLA von Grant Morrison – ein Liebesbekenntnis

Heute möchte ich persönlich werden. Und auch ein bisschen sentimental. Deshalb ist dieser Text keine der üblichen Kritiken, sondern eine Hommage. Die JLA-Serie von Grant Morrison und Howard Porter, die sich von 1997 bis 2000 über 41 Ausgaben erstreckte, gehört für mich zu den prägendsten Lektüre-Erfahrungen meiner Jugend.

Ich entdeckte sie im Jahr 1998, kurz nachdem ich begonnen hatte, Superheldencomics zu lesen. Mein erstes Heft war Batman & Superman Adventures #1 (Dino-Verlag) gewesen. Darin gab es eine Geschichte über die Justice League. Ich war sofort fasziniert von der Idee, dass die größten Helden in einem Team kämpften. Auch rein optisch schien es perfekt: jede Farbe war vertreten. Ich kannte nur Superman und Batman, ich lernte Wonder Woman, Flash, Green Lantern, Aquaman und Martian Manhunter kennen. Doch leider wurde die im ersten Heft angerissene Geschichte vom Dino-Verlag nie fortgesetzt. (Teil 2 habe ich mir dann später als US-Heft besorgt.) Und überhaupt wurde die Serie nach nur acht Ausgaben eingestellt. Aber ich war angefixt. Ich wollte mehr. Und ich sah, dass die Batman & Superman Adventures nur was für Kinder waren. Ich aber war reif für etwas Erwachseneres.

So kam ich zur echten JLA. Ich weiß nicht mehr, was ich zuerst las. Vielleicht war es der JLA Sonderband 1. Mark Waid und Fabian Nicieza erzählen in der dreiteilige Miniserie A Midsummer’s Nightmare die Entstehungsgeschichte der neuen Justice League. Denn bis dahin bestand die JLA nur aus zweit- und drittklassigen Charakteren. Die neuen alten Helden wurden in der Story augenscheinlich ihrer Superkräfte beraubt und kennen nur noch ihre zivilen Identitäten, während normale Menschen Superkräfte entwickeln. Nach und nach erwachen die Helden aus der Illusion und entdecken ihre Kräfte wieder … Die Story steht am Anfang eines größeren Ganzen, das erst noch kommen sollte. Die Stimmung darin ist bedrückend, wie in einem Albtraum, aber einnehmend, besonders für einen neuen Leser wie mich, der diese Welt noch kaum kannte.

Mit JLA #1 ging die Grant Morrison-Saga los. Schon allein die detailreichen und realistischen Zeichnungen von Howard Porter hatten es mir angetan, dazu die knalligen, aufwendigen Farben, die sich so sehr von anderen Superheldenserien wie Superman und Batman unterschieden. In der ersten Geschichte wird alte JLA von B- und C-Helden von der A-Liga abgelöst, während sie zugleich Konkurrenz von außerirdischen Superwesen bekommt. Die Neuen scheinen die Welt ökologisch und sozial zu einem besseren Ort zu machen, sie gehen rigoros gegen Schurken vor – und schließlich auch gegen die alten Superhelden. Es ist Batman, der schlau genug ist herauszufinden, dass die Bösen weiße Marsianer sind und damit anfällig gegen Feuer. Und so besiegt Batman, der Mensch ohne Superkräfte, die Aliens fast im Alleingang. Eine tolle Story.

Spätestens dann war ich süchtig. JLA wurde nicht nur meine Lieblingsserie, jedes Heft wurde zu einem Ereignis. Ich sparte mir die 4,90 D-Mark pro Heft von meinem kleinen Taschengeld ab, kaufte es immer am Erscheinungstag im Comicladen und zelebrierte die Lektüre zu Hause wie eine Heilige Messe. Jedes Heft behandelte ich behutsam, verwahrte jedes in einer Plastikhülle, las es mindestens zweimal kurz hintereinander und wenn die Wartezeit bis zum nächsten Monat mir zu lang wurde, auch ein drittes Mal. 4,90 DM waren damals viel Geld für mich, aber da kein anderes Heft so viele Helden auf einmal bot, war das gut angelegtes Geld, obwohl die andere Hälfte des Heftes (Teen Titans) Mist war. Denn die JLA war immer für eine Überraschung gut. Man wusste nie, was einen erwartete, außer erstklassige Unterhaltung.

In JLA sah ich zum ersten Mal den blau-weißen Elektro-Superman und den Engel Zauriel. Ich fieberte mit, wie Schurken wie Key und Prometheus die JLA auf einmal ausknockten. Ich las mindestens ein Dutzend Mal in JLA Sonderband 4 die geheime Entstehungsgeschichte der JLA und ihre erste Begegnung mit dem unheimlichen Starro. Dann kam Der Stein der Weisen (Rock of Ages, JLA #10-15), eine Story, die ich sofort liebte. Da war einfach alles drin: Die größten Helden und die größten Schurken. Lex Luthor, Joker und viele andere, eine Story voller Twists und unbekannter Welten, ein postapokalyptisches Szenario, in dem der Oberschurke Darkseid die Welt unterjocht und zerstört, Superhelden tötet und eine Schreckensherrschaft ausübt. Wieder ist es Batman, der schlau genug ist, sich durchzuschlagen und – zusammen mit den verbliebenen Helden – das Böse zu besiegen. Lange blieb Der Stein der Weisen das Nonplusultra für mich.

Bis One Million. Das war eine noch viel epischere Odyssee zwischen fernster Zukunft und Gegenwart. Bis heute ist es für mich das Gelungenste und Einfallsreichste Crossover von DC. Und schließlich endete Grant Morrisons Über-Story mit World War III, dem Dritten Weltkrieg, was nicht nur eine Fortsetzung von Stein der Weisen war, sondern auch den Bogen zum ersten Sonderband zurückschlug. Es war nicht nur ein Fest, es war auch eine Belohnung für die treuesten und aufmerksamsten Leser der ersten Stunde, für die jetzt endlich alles (mehr oder weniger) einen übergeordneten Sinn ergab.

Der Dino-Verlag gab die letzte Story als Sonderband heraus, weil er JLA eingestellt hatte – wie bald darauf auch alle anderen Serien. Ich war mittlerweile auch zum Batman- und Superman-Sammler geworden, aber mit JLA konnte sich nichts messen. Und mit dem Ende der Serie (Sommer 2000) ging auch mein Interesse an Superheldencomics verloren. Ich wandte mich anderen Lektüren zu. An die Stelle der Comics traten für mich Superheldenfilme: X-Men, Spider-Man, Batman Begins etc.

Erst zehn Jahre später entdeckte ich das Medium wieder und begann auch wieder, Superhelden zu lesen. Als ich die alten JLA-Hefte von damals hervorkramte, las ich mich mit einer ähnlichen Begeisterung durch die Hefte. Natürlich war der Reiz des Neuen verflogen, dafür war es wie Nachhausekommen. Ich war überrascht, wie gut ich noch alles in Erinnerung hatte – und wie unterhaltsam die Geschichten immer noch waren. Und ich erkannte: Der größte Held für mich war nicht Superman oder Batman, sondern der geniale Grant Morrison gewesen, mit seinem schier unermesslichen Erfindungsreichtum, allerdings fand ich den Zeichner Howard Porter nicht mehr ganz so genial wie früher – nach ihm gab es deutlich versiertere Künstler.

Und trotzdem: Die Hefte der JLA bleiben für mich das Ideal der Superhelden-Team-Comics. Es würde mich freuen, einmal diesen Geist auf der großen Leinwand zu sehen.

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Wie aus Bäumen Helden werden

DC Comics

Titel: The Origin of the Justice League

Autor/Zeichner: Gardner Fox/Mike Sekowsky

Erschienen: 1962 (Justice League of America #9), Paperback 2016 (Justice League of America: The Silver Age Vol. 2); dt. Eaglemoss 2015 (JLA – Das erste Jahr Teil 1)


Nach elf Abenteuern der JLA fiel den Verantwortlichen bei DC ein, dass es vielleicht interessant wäre zu erzählen, wie alles mit dem Team begann. Denn die Justice League war bisher ohne Erklärungen eingeführt worden, was eigentlich ziemlich seltsam ist, wenn man bedenkt, dass es schon über 20 Jahre Superhelden gab, aber noch keiner auf die Gedanken gekommen war, die bekanntesten zusammenzubringen (abgesehen von Batman und Superman). Noch seltsamer ist dieser nervige Junge namens Snapper Carr, der aus unerfindlichen Gründen mit unser aller Lieblingshelden rumhängen darf. Der fragt bei einer Geburtstagsfeier der Liga, wie denn das damals gewesen sei und da erzählen sie es ihm. (Offenbar liest der Junge keine Zeitung und kriegt auch sonst nix mit.)

Es beginnt mal wieder mit einer Alien-Invasion: Ein Steinriese, ein Glasfisch, ein Quecksilberklecks und ein Riesenvogel verwandeln die Menschheit in Stein, Glas, Quecksilber und Vögel – und jedes einzelne Mitglied der JLA auch. Doch die können sich jeweils kurz vor knapp aus dem Bann befreien und die Gegner besiegen. Obwohl man das Prinzip spätestens nach dem zweiten Mal verstanden hat, wird es noch zweimal durchexerziert, bis jeder Held seinen Auftritt hatte. Am Ende machen alle nochmal das Gleiche durch, indem sie in Bäume verwandelt werden. Dann geht es zum Nordpol, wo Batman und Superman gegen den Endgegner kämpfen, der sie zu Diamanten macht. Superman erledigt ihn aber sehr schnell. Wie das? Nun ja, die Erklärung geht so: Superman kann bekanntlich Kohle zu Diamanten pressen – also funktioniert das auch umgekehrt, indem er Diamanten zu Kohle … äh … rubbelt …

Wie dem auch sei: Nach dem Kampf gegen die sieben Invasoren gründen die Glorreichen Sieben die Liga. Während die Aliens nur zur Erde gekommen sind, um sich zu beweisen, damit entschieden wird, wer von ihnen der nächste Herrscher ihres Planeten (Appellax) wird, konstituiert sich die Liga als Gruppe Gleichberechtigter und Gleichgesinnter. In der Liga, so erfahren wir, gibt es keinen festen Anführer. Der Chairman wechselt ständig. Allerdings, wenn es ums Putzen des Hauptquartiers geht, trägt Wonder Woman eine Schürze und hat das Sagen. Auch wenn alles ihrem Kommando folgt und kräftig mitanpackt – ich bin mir nicht sicher, ob das ganz im Sinne der Emanzipation ist …

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Die Justice League und der Seestern

DC Comics

Titel: Starro the Conqueror (Justice League of America)

Autor/Zeichner: Gardner Fox/Mike Sekowsky

Erschienen: 1960 (The Brave and the Bold #28), Paperback 2016 (Justice League of America: The Silver Age Vol. 1)


Die Geschichte der Justice League (of America) beginnt nicht mit einem Teambuilding, sondern mit einem Riesenseestern namens Starro. Der kommt aus dem All hinab auf die Erde, rekrutiert drei kleine Seesterne, päppelt sie zu Riesen auf und will mit ihnen die Welt erobern. Aquaman, der Seesternexperte, alarmiert sein Team: Wonder Woman, Flash, Green Lantern und J’onn J’onzz – nur Superman und Batman haben gerade Besseres zu tun. (Superman zerkleinert immerhin Meteoriten im All, aber Batman jagt nur Ganoven im Gotham. Erst am Ende tauchen sie wieder kurz im Bild auf.)

Während Green Lantern dabei zusieht, wie ein Aushilfsseestern eine Atombombe zündet und sich an der Energie gütlich tut, müssen Wonder Woman und der Marsianer die besten Wissenschaftler des Landes vor dem Brain Drain durch einen anderen Seestern retten. Und dann gibt es noch Flash. Der gibt sich mit einem ziemlich unsympathischen Jungen namens Snapper ab, der die nervige Angewohnheit hat, nicht nur Stuss zu reden, sondern auch ständig mit den Fingern zu schnippen. Snapper sieht, wie seine Familie zu gedankenkontrollierten Zombies werden, während er selbst – weil offenbar zu dämlich, um von Nutzen zu sein – verschont bleibt. Flash kann auch den dritten Stern besiegen, indem er das tut, was er immer tut, nämlich rennen. So entstehen Wirbelwinde etc.

Am Ende bewirft die Justice League den bösen Oberseestern mit Kalk und die Sache ist erledigt. Snapper sei dank, der unfreiwillig den entscheidenden Impuls dazu gibt. Dafür gibt es eine Ehrenmitgliedschaft in der Liga, samt Medaille. (Okay, Junge, du hattest deine 15 Minuten Ruhm. Und jetzt bitte: lass das dumme Grinsen, verzieh dich – und hör mit dem verdammten Schnippen auf!)

Die Story von Starro wurde 1998 (in JLA: Secret Files and Origins #1) von Grant Morrison und Howard Porter neu erzählt. Der Riesenseestern (der jetzt grün ist statt grau) besetzt ein Gebäude in Blue Valley und lässt viele kleine einäugige Sterne auf die Gesichter von Menschen fliegen (Facehugger, eine freundliche Leihgabe der Alien-Filme) und sie zu Zombies werden, darunter auch Flash. Die Justice League will eingreifen, da taucht The Spectre auf und verbietet es, weil sie sonst ebenso zu Zombies und damit mächtigen Verbündeten des Eroberers werden, um die Menschheit zu versklaven. Die JLA lässt sich also die Kräfte nehmen, um keine Gefahr mehr darzustellen, wird vom bösen Flash ausgeknockt. In der Zwischenzeit dringt Batman in die Zentrale ein und besiegt Flash, indem er die Klimaanlage sabotiert. Denn Kälte verträgt der Seestern nicht so gut (fragt sich nur, wie er es durchs Weltall geschafft hat). Flash wird den Parasiten los, zerstört alles und die JLA kriegt ihre Kräfte zurück.

Doch das war nur die Vorhut. In JLA #22-23 (1998) kommt Starro als der eigentliche Eroberer zur Erde. Diesmal im Traum. Die ganze Menschenheit (bis auf die Einwohner Blue Valleys) ist plötzlich in Tiefschlaf versetzt und gefangen in einer Traumwelt, in der Starro herrscht und es weder Superhelden noch Erinnerungen an sie gibt. Nur ein kleiner Junge erinnert sich noch an sie und leistet Widerstand. Wieder wird die JLA von einem Metawesen aufgesucht, diesmal dem Sandman, und indem sie sich von ihm in die Traumwelt versetzen lässt, verlieren die Helden wieder ihre Kräfte. Bei der Suche nach dem Hoffnungsträger müssen sie sich beeilen, denn nach und nach bekommen alle Seesternfratzen angeheftet und parallel dazu kommen weitere Riesenseesterne zur Erde …

Die Neuauflage des alten Motivs macht aus dem albernen und beliebigen Schurken einen ernstzunehmenden Gegner. Die drei Hefte gehören nicht nur zu den unheimlichsten JLA-Storys, sondern sind auch grafisch beeindruckend von Howard Porter umgesetzt, sodass eine beklemmende postapokalyptische Atmosphäre entsteht. Dieses starre rote Auge auf den Gesichtern der Menschen hat exquisite Horrorqualitäten.

Hinweis: Die neueren JLA-Storys sind in JLA Sonderband 4 und JLA 22-23 (Dino Verlag) auf deutsch erschienen. Starro hatte auch einen Auftritt in der Zeichentrickserie Batman Beyond.

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Der Fluch von Two-Face

DC Comics

Titel: The New Crimes of Two-Face!

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1951 (Batman #68)


„Your strength is greatly overrated, Batman!“ (Two-Face)

Die Geschichte Two-Face ist so bekannt, dass das Fernsehen daraus einen Film macht. Der Schauspieler Paul Sloane soll die Hauptrolle von Harvey Dent spielen. Doch als ihm in der entscheidenden Gerichtsszene falsche Säure ins Gesicht geschüttet werden soll, ist es echte! Der Ausstatter hat sich so dafür gerächt, dass seine Frau ihn für Sloane sitzengelassen hatte. Das hat weitreichende Folgen: Sloane sieht jetzt nicht nur aus wie der echte Two-Face, er benimmt sich auch so. Einen Münzwurf später ist es entschieden: Er muss sein Leben dem Verbrechen widmen. Verbrechen mit einem Bezug zur Dualität.

Two-Face ist kein Einzelschicksal mehr, er wird zu einem übertragbaren Konzept (vgl. Batman #50). Die janusköpfige Münze scheint eine Art Fluch zu sein, ein böser Geist, der von anderen Besitz ergreift. Batman verfolgt Sloane, es kommt zum Kampf mit einem Schwert und einem Stück Eisenbahngleis. Batman verspricht ihm Heilung durch plastische Chirurgie, aber Sloane will lieber weiter Karriere mit vorhersehbaren Straftaten machen. Selbst ein Appell von Harvey Dent kann daran nichts ändern.

So geht es immer weiter bis zum Showdown auf einem zweimastigen Schoner. Batman steigt in einen Tauchanzug und wird zu Frogman. Es kommt zum Gerangel mit Two-Face. Batman lässt sich überwältigen und gefangennehmen wie ein Amateur. Doch da erinnert Batman ihn an die Münze: Das Schicksal soll entscheiden, ob Two-Face ihn töten soll. Fällt die Münze auf die Kante, muss er ihn leben lassen. Den Rest kann man sich denken. Batman, der alte Fuchs, hat die Münze gegen eine andere ausgetauscht.

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Harvey Dents Albtraum wird wahr

DC Comics

Titel: The Return of Two-Face!

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1948 (Batman #50), Hardcover 2017 (Two-Face: A Celebration of 75 Years)


„… certainly I am the weirdest creature that ever lived …“ (Two-Face)

Harvey Kent heißt jetzt Dent. Und er schläft schlecht. Obwohl er von seiner Doppelgesichtigkeit geheilt ist, verfolgt ihn Two-Face bis in die Träume. Kurz darauf kehrt der Schurke zurück, aber Harvey Dent scheint nichts davon zu wissen. Als Batman und Robin ihn ausfragen wollen, entdeckt er Kostüm und Maske bei sich und vermutet, dass er wieder rückfällig geworden sein könnte. Er schlägt die beiden bewusstlos und haut ab, um sich selbst zu heilen. Auch Batman geht von einer gespaltenen Persönlichkeit aus.

Da Two-Face ein ziemlich berechenbarer Schurke ist, findet ihn das Dynamische Duo im Zirkus, wo Siamesische Zwillinge mit teurem Kopfschmuck gezeigt werden. Two-Face entkommt. Das Finale spielt sich in Gilda Dents Atelier ab, wo eine riesige Büste von Harvey Dent steht, entstellt durch den alten Two-Face. Es wird nicht klar, was der Böse dort will (das Werk zu stehlen könnte schwierig werden), aber Batman dient es als günstige Kulisse, um ihn zu besiegen, indem er ihn von Harveys Büste stürzt: „Somebody once said you were off your head … and right now you are!“

Am Ende offenbart sich Two-Face als Dents Butler Wilkins, der sich nur verkleidet hat, um sich zu bereichern und seinem Arbeitgeber die Schuld zuzuschieben. Seine Münze war manipuliert: Beide Seiten waren zerkratzt, damit das Böse immer siegt. Armer Harvey! Aber es ist nochmal alles gut gegangen …

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Batman trifft Wonder Woman in Brave and the Bold

DC Comics

DC Comics lässt im Februar 2018 seine Serie The Brave and the Bold wiederauferstehen, als Mini-Serie mit Batman und Wonder Woman. Wie die Washington Post berichtet, wird Liam Sharp die insgesamt sechs Teile schreiben und zeichnen. Die Story vermischt griechische und keltische Mythologie, die beiden Helden müssen den Tod eines keltischen Gottes aufklären. Sharp schreibt und zeichnet schon seit vielen Jahren Comics, auch an Batman hat er bereits mitgewirkt (Batman Chronicles #2 und Shadow of the Bat #42, beide 1995).

Die Serie The Brave and the Bold lief ursprünglich von 1955 bis 1983 und wurde nach 200 Ausgaben eingestellt. Zunächst diente die Serie als Experimentierfeld für neue Figuren und Konzepte, darunter die Justice League. Seit 1967 (Ausgabe #74) ging es nur noch um wechselnde Team-ups mit Batman. Die Serie wurde noch zweimal neu gestartet, in den 90ern als Mini-Serie und in den Nullerjahren als fortlaufende Serie, die es auf 35 Ausgaben brachte.

Brave and the Bold: Batman and Wonder Woman #1 erscheint in den USA am 21. Februar 2018.

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Als Batman wieder peinlich wurde

Batman begins to suck: Nach den beiden Tim Burton-Filmen, die damals revolutionär waren und aus heutiger Sicht immer noch albern erscheinen, kam die Ära Joel Schumacher. Batman Forever zeigte einen steifen Val Kilmer in der Hauptrolle in einer knallbunten Kulisse, mit zwei völlig überdrehten Schurken, Riddler und Two-Face, die sich kaum voneinander unterscheiden.

Was sonst noch alles bemerkenswert missraten an diesem Trash ist, zeigt der Honest Trailer. Aber vor allem in einem Punkt hat er Recht: Nichts ist so schlimm wie der Nachfolger Batman and Robin.

Justice League: Batman bringt die Band zusammen

Warner Bros.

Titel: Justice League

Regie/Drehbuch: Zack Snyder/Chris Terrio, Joss Whedon

Erschienen: 2017


„I’m rich.“ (Bruce Wayne)

Die gute Nachricht zuerst: Es ist gelungen. Endlich haben auch die DC-Helden einen Film bekommen, der ihnen gebührt. Nach dem vorzüglichen Wonder Woman ist Justice League eine würdige Fortsetzung. Nicht ganz so vorzüglich zwar, aber allemal unterhaltsamer als Man of Steel und Batman v Superman. Auch wenn der Film alles andere als einfallsreich ist. Das ist wohl das größte Problem: Es fehlt jegliche Überraschung.

Das liegt schon an der Story: Ein böses Alien (Steppenwolf) will die Erde vernichten. Batman und Wonder Woman trommeln Flash, Cyborg und Aquaman zusammen, um das zu verhindern. Und sie beleben – auch das kann man sich denken – Superman wieder. Okay, jetzt kann man einwenden: die Handlung des ersten Avengers-Films war auch nicht komplexer. Trotzdem hat das bei Marvel immer noch mehr Spaß gemacht.

Justice League fühlt sich an wie der erste Versuch, so cool zu sein wie die Avengers. Man ist zwar noch nicht ganz so weit, aber auf einem guten Weg. Da sind die vielen Witze, die Seitenhiebe, die Selbstironie, aber es fehlt noch die Leichtigkeit. Das zeigt sich an Batman: Zwar ist er als animierte Figur so flink wie nie, aber Ben Affleck wirkt in seinem Kostüm behäbig und so unsicher, dass er das mit viel technischem Brimborium und martialischem Geballer kompensieren muss. Als Bruce Wayne hat er seltsamerweise kein Problem damit, wirklich jedem neuen Rekruten seine Geheimidentität preiszugeben.

Superman ist noch immer der gleiche Unsympath wie in den Filmen davor. Kaum von den Toten zurückgekehrt wird er zur Killermaschine, erst Lois Lane kann ihn besänftigen. Und am Ende erfüllt er bloß den Zweck eines Deus ex machina, der mühelos den Schurken plattmacht. Erst ganz zum Schluss, im Abspann, wenn er sich ein Rennen mit Flash leistet, beginnt er, einen netten Eindruck zu machen. Leider bleibt es bei dieser Andeutung.

Die anderen drei männlichen Nebenfiguren – Aquaman, Flash und Cyborg – sind zwar größere Sympathieträger als die beiden Platzhirsche, bleiben jedoch leider oberflächlich. Da alles auf die Haupthandlung ausgerichtet ist (der Versuch, aus den Fehlern von Batman v Superman zu lernen), bleibt wenig Zeit, um hier mehr rauszuholen. Hier zeigt sich wieder der gravierende Fehler des DC-Filmuniversums, zuerst mit der Justice League anzufangen bevor alle Helden ihre Einzelfilme hatten. Wonder Woman bleibt damit die gute Seele der Gruppe, die spätestens mit ihrem Solofilm die Herzen der Fans gewonnen haben dürfte.

Bleibt noch Steppenwolf: Hitchcock sagte einst, je besser der Schurke, desto besser der Film. Gemessen daran wäre Justice League mies. Er ist ein typisch größenwahnsinniger, langweiliger und austauschbarer Gegner. Man erfährt nichts über dessen Motivation, man interessiert sich nicht im Geringsten für ihn und er bleibt wegen seiner 100-prozentigen CGI-Künstlichkeit ein toter Charakter. Dieses Defizit teilen viele Superheldenfilme. Schurken wie Loki (bei Thor/Avengers) sind selten. Steppenwolf ist nur die Vorhut vom Oberbösewicht Darkseid, der im Film nur einmal genannt wird. Offenbar wollte man sich den aufsparen, um sich noch steigern zu können …

Ansonsten macht Regisseur Zack Snyder einfach so weiter wie gewohnt: mit viel Slow Motion zelebriert er die Momente, mit denen er seine Charaktere wie Götter erscheinen lässt und damit sein Publikum in Staunen versetzen will. Der Effekt hat sich längst verbraucht, zu gedehnt erscheinen manche Sequenzen, aber auch da fällt ihm nichts Neues ein. Auch Menschen kümmern ihn wenig: Bis auf Alfred, Lois Lane und James Gordon gibt es kaum welche, Zivilistenrettung beschränkt sich auf eine Familie und ein Wohnhaus, in dem keine Menschen zu sehen sind. Komponist Danny Elfman bedient sich in der Mottenkiste von John Williams‘ Superman-Theme und holt auch nochmal, weil’s so schön war, seine eigene Batman-Theme von 1989 hervor. Auch hier wäre mehr Kreativität wünschenswert gewesen. So wirkt es, als würde man sich lieber auf alten Lorbeeren ausruhen, als Neues zu wagen.

So bleibt Justice League eine rasante, kurzweilige und solide Popcorn-Unterhaltung ohne irgendetwas Essenzielles zum Genre Superheldenfilm beizutragen. Vielleicht ist das für DC schon genug Leistung, die man anerkennen muss nach der Misere solcher Filme wie Suicide Squad.

Nach dem Abspann ist vor dem Film: Lex Luthor und Deathstroke gründen eine Injustice Gang. Na dann, von mir aus … Vielleicht gelingt beim nächsten Mal ja auch nicht nur ein guter, sondern auch mal ein richtig guter Film. Irgendwann muss es mal klappen.

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