Clayface

Gotham After Midnight: Ein herzergreifender Mörder

DC Comics

DC Comics

Titel: Gotham After Midnight (dt. Mitternacht in Gotham)

Autor/Zeichner: Steve Niles/Kelley Jones

Erschienen: 2008-2009 (Mini-Serie #1-12; Paperback 2009), dt. Panini 2008-2009 (DC Premium)


„Gotham City after dark is a dangerous place. Gotham City after midnight is hell on earth.“

„It’s nothing to take a life and everything to save one, Jim.“

Ein neuer Serienmörder versetzt in Gotham in Angst: Midnight, ein Maskierter mit Zylinder und Totenkopfgesicht, reißt Straftätern bei lebendigem Leibe das Herz heraus. Auch andere Schurken wie Scarecrow, Man-Bat, Killer Croc, Joker, Clayface, Catwoman und ein gewisser Axe-Man sind involviert, allerdings auf ungewohnte Weise und unfreiwillig beeinflusst. Batman blickt nicht durch, was es mit Midnight auf sich hat, der ihm stets einen Schritt voraus ist. Parallel dazu verliert Bruce Wayne sein Herz (im übertragenen Sinn) an die Polizistin Detective April Clarkson, eine idealistische Verbrechensbekämpferin, die ebenfalls ihren Vater durch einen Mord verloren hat.

Das Grundprinzip der Story erinnert stark an die beiden Klassiker The Long Halloween und Dark Victory: Auch in Gotham After Midnight wird ein Serienmörder mit einer besonderen Masche gesucht, während einmal die Rogue’s Gallery abgeklappert wird, auch hier finden Schlüsselereignisse an Feiertagen wie Halloween, Weihnachten, Silvester oder Valentinstag statt. Und trotzdem wird genug Neues geboten, was den Kenner bei Laune hält: Da ist zum einen der Hauptschurke, der im Gegensatz zu den anderen genannten Geschichten, in Erscheinung tritt und dabei eine schön theatralisch-düstere Figur abgibt. Da gibt es einen Kampf zwischen einem Riesen-Clayface und einem Batman-Roboter, bei dem ein paar Häuser zerstört werden. Der eigentliche Höhepunkt ist eine herrlich absurde Halloween-Szene, bei der Batman einfach so die Straße entlangflaniert, weil er unter allen Verkleideten nicht auffällt. Dass er dabei auch einen alten Bekannten wiedertrifft, zeugt von einer genialen Selbstironie.

Meister der Übetreibung

Alles in dieser Story ist zu viel, hier werden alle Register der Batman-Orgel gezogen. Gesteigert wird das Szenario von den Zeichnungen: Künstler Kelley Jones übertrifft sich als Meister der Übertreibung. Abgesehen von der üblichen langen Ohren der Batman-Maske, dem meterlangen wallenden Umhang und den vielen Schatten, zeigt sich Batman in fast jedem Panel in einer anderen dramatischen Pose. Jones kreiert beeindruckende Splash Pages, in denen sich Handlung und Symbole verdichten. Außerdem gibt es drei Batmobile, zwei davon mit Raketenantrieb, eines kurioser als das andere, selbst ein motorisiertes Einrad kommt zum Einsatz.

Trotz der Verspieltheit hat die Story eine eigene Ernsthaftigkeit und Dynamik, sodass man sie mit Spannung verfolgt – bis zu einem überraschenden Ende. Da verzeiht man ihr auch die Logiklücken oder langen Monologe von Batman am Ende oder von Alfred, der ermüdend die Moral von der Geschichte ausbreitet. Gotham After Midnight bietet alles, was man von einer Batman-Geschichte erwarten kann. Es ist nicht die stille Klasse von Loeb/Sale, aber das Schrille von Niles und Jones hat auch eine nicht zu verachtende Qualität.

>> Batman 2000-2011

Die Leiden des jungen Wayne

DC Comics

DC Comics

Titel: Legends of the Dark Knight Vol. 4

Autor/Zeichner: diverse

Erschienen: 2014 (Legends of the Dark Knight 100-Page Super Spectacular #2-4, Paperback 2015)


„Should have taken that position with that nice Cobblepot family.“ (Alfred Pennyworth)

Es ist ein Running Gag, der eigentlich nicht mehr witzig ist, aber immer noch zum Batman-Mythos dazugehört: Während James Gordon noch spricht, haut Batman einfach ab – einfach so, ohne ein Wort und ohne Spuren. Manchmal sagt Gordon dann: „Wie macht er das bloß?“ oder „I Hate It When He Does That“, so der Titel der ersten Story aus dem vierten Legends-Band. Hier fragt Gordon: „Where did he learn that?“ Und daraufhin erfahren wir die Vorgeschichte. Ein junger Bruce ist mit Alfred in Thailand unterwegs, wo er einer jungen Einheimischen begegnet. Sie wird vom örtlichen Regime verfolgt, weil ihr Vater ein Aufständischer ist. Nachdem er ihr zum ersten Mal begegnet und sie ihn – im Nichts verschwindend – stehen lässt, verliebt er sich in sie und jagt ihr nach. Am Ende verrät sie zwar ihm das Geheimnis, aber leider nicht den Lesern …

Dies ist nicht die einzige Anekdote aus Batmans Jugend im vierten Band der Legends. Es gibt auch eine in der Mitte und am Ende. Die letzte Story – The Echo of Pearls – verfolgt einen ungewöhnlichen Ansatz: Sie erzählt die Entstehung von Batman aus der Sicht der Höhle. Der Sturz des jungen Bruce hinein wird als der erste Einfall von Licht in die Finsternis beschrieben (Achtung: Symbol!), später sucht der Junge in der Höhle Trost nach dem Elternmord, schließlich – nach langer Abwesenheit – schickt ihm die Höhle eines ihrer Kinder nach Bruce aus, nämlich die Fledermaus, die durch sein Fenster kracht und ihn auf die Idee für Batman bringt. Damit dürfte das letzte Rätsel um Batman geklärt sein. Zum Schluss beschreibt die Höhle Batman als ihren Jungen, der bloß spielt und sein Hauptquartier mit Spielzeug vollstellt – eine wunderbare Wendung zwischen Selbstironie und Psychoanalyse.

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Ein Beben geht durch Gotham

DC Comics

Titel: Cataclysm (dt. Inferno)/Aftershock (dt. Nachbeben)

Autor/Zeichner: Alan Grant, Doug Moench, Chuck Dixon u.a./Jim Aparo, Klaus Janson u.a.

Erschienen: 1998 (18-teilig in mehreren Serien und One-Shots), dt. Dino 1999-2000 (Batman #40-46, Batman Special #9-11, Batman präsentiert #1-2)


„It’s never easy to find inner strength and peace, even when the outer world is relatively stable…the destruction of physical reality always does spiritual damage.“ (Bruce Wayne)

„… there’s little I can do against disease and natural disasters. A lost cause can become a fool’s errand. I’m still only human. I did what was humanly possible. I hope you don’t think I’ve failed in my promise.“ (Batman)

Nach der Seuche kommt das Erdbeben. Gotham wird zerstört, es herrschen Tod, Chaos und Verbrechen. Ein gewisser Quakemaster bekennt sich, die Katastrophe verursacht zu haben und erpresst die Stadt. Die Frage ist nicht, ob er es wirklich war, denn umgehen müssen Batman und seine Verbündeten so oder so mit einer kaum zu bewältigenden Herausforderung. Batman verzweifelt an dem Verfall seiner Stadt und dem Massentod seiner Bewohner, vor allem aber an der Tatsache, dass er niemandem die Schuld an dem Unglück geben kann. Er kämpft an allen Fronten – aber es gibt keinen Gegner, den man verprügeln und einbuchten könnte. Das mag zwar das alte Batman-Schurken-Schema durchbrechen, indem es dem Helden neue Seiten und Leidenswege eröffnet, aber es funktioniert nur schleppend.

Ein One-shot ist Arkham Asylum gewidmet, einer dem Blackgate-Gefängnis, doch nichts davon ist der Aufmerksamkeit wert. Die Blackgate-Episode ist Mittelmaß, Arkham sogar deutlich darunter. Die Insassen der Irrenanstalt brechen aus und erzählen sich Geschichten – ganz in der Tradition von Boccaccios Dekameron, aber keine davon hat das Zeug zum Klassiker.

DC Comics

Der Erzählzyklus Aftershock ist so etwas wie ein langer Durchhänger – für Batman wie für seine Leser. Es gibt keinen Handlungsbogen, vielmehr eine Reihe von Kurzgeschichten über das Elend in Gotham, Arbeitslose, Obdachlose, Plünderer. Hin und wieder erscheinen ein paar der üblichen Verdächtigen (Mr. Freeze, Clayface, Mad Hatter, Joker) – allerdings nur, um gleich wieder zu verschwinden. Oft tritt die Sache auf der Stelle, es gibt Ausgaben, in denen nur lamentiert wird: wie schlimm alles ist und wie schön es früher war. In Batman #558 sieht man einen verzweifelten Batman, der seinen Butler umarmt und sagt: „Hilf mir, Alfred! Ich brauche Kraft! Ich komme einfach nicht mit dem Tod zurecht, alter Freund. Das kam ich noch nie. Er … zerreißt mich.“ Mehr Emo geht nicht.

Vielleicht muss die Geschichte so sein: Eine ermüdende Durststrecke. Es gibt darunter jedoch einige narrative Lichtblicke. Vor allem die Storys, die Alan Grant für Shadow of the Bat geschrieben hat, stechen in ihrer Qualität heraus. Etwa #76 (Dino: Batman #43), in der erzählt wird, wie eingeschlossene Menschen zu Kannibalen werden, oder #77 (Dino: Batman #44), wo ein Professor eine Klasse voller toter Studenten über Darwinismus unterrichtet und Batman dabei Teil eines Experiments wird. Leider muss Grant am Ende, für alle, die es nicht verstanden haben, die Moral wiederholen: „Vielleicht irrte sich Darwin doch. Nicht der Stärkste überlebt … Auch nicht der mit dem meisten Glück. … Sondern der, der nicht aufgibt!“

Die Geschichten leiten über zum größeren Event, dem No Man’s Land (dt. Niemandsland). Und genauso lesen sie sich auch: Wie Lückenbüßer.

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Was von Batman übrig blieb

DC Comics

DC Comics

Titel: Graveyard Shift (Batman Vol. 6) (dt. Im Bann des Todes)

Autor/Zeichner: Scott Snyder, James Tynion IV/Greg Capullo, Andy Clarke, Alex Maleev, Wes Craig, Matteo Scalera, Dustin Nguyen

Erschienen: 2012-2014 (Erstausgaben: Batman #0, #18-20, #28, #34, Annual #2), Hardcover 2015, dt. zum Teil in Batman Sonderband 43: Schreckensnächte in Gotham City, Panini 2014 (Batman #19-23, Batman Annual #2), weitere in Batman #20, #23, #37. (dt. Panini 2016, Paperback)


„… sometimes I’m my own worst enemy.“ (Bruce Wayne)

Bevor die Fans endlich das nächste Meisterwerk des Dream-Teams Snyder/Capullo in Buchform bekommen – Endgame erscheint erst im Herbst – vertröstet DC sie in Band 6 mit einer Resterampe. Fünf Lückenbüßer-Ausgaben sowie zwei Specials wie die Nuller-Ausgabe und das zweite Annual sind in Graveyard Shift versammelt. Was taugt der Band?

Batman #0 ist das Äquivalent zu den bereits besprochenen Detective Comics #0 und The Dark Knight #0, die jeweils zwei Episoden aus Bruce Waynes Vor-Batman-Zeit erzählen, also vor dem Jahr Null/Zero Year spielen (alles klar?). Während wir in Detective #0 eine Anekdote aus der Ausbildungszeit in Asien bekamen, wurde in TDK #0 erzählt, wie Bruce den Mörder seiner Eltern (Joe Chill) aufsucht und umbringen will, aber sich dann besinnt. (Batman and Robin #0 handelt von Damians Kindheit und Ausbildung durch Talia.) In Batman #0 bekommen wir eine Episode aus dem Jahr Null, als Bruce Wayne noch ohne Batman-Kostüm gegen die Red Hood-Gang kämpft. Bruce verkleidet sich mit einer roten Maske und schließt sich einem Bankraub an, wird entlarvt und beinahe getötet. Anschließend bekommt er Besuch von Lieutenant James Gordon, der ihn nach Batman ausfragt. Kurz zuvor macht Alfred seinem Master deutlich, dass er sich nicht einfach von einem zivilen Leben abschotten kann, weil er sich als Eigenbrötler verdächtig machen würde. Am Ende aktiviert Gordon erstmals das Bat-Signal – nicht nur als Rufzeichen für Batman, sondern auch als Motivation für die Bürger von Gotham, Zivilcourage zu zeigen.

Panini Comics

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In der Bonus-Story „Tomorrow“ werden parallel drei Episoden aus dem Leben von Tim Drake, Jason Todd und Dick Grayson erzählt, bevor sie Robins geworden sind. Der Klugscheißer, der Verbrecher und der Draufgänger. Alle drei zeigen einen Sinn für Gerechtigkeit, symbolisiert darin, dass sie zum Bat-Signal aufschauen, das am Himmel erscheint.

Rotkehlchen als roter Faden

Obwohl die folgenden Geschichten für sich stehen, bilden sie eine Gesamtheit mit einigen Parallelen und Verbindungen zueinander. Der rote Faden ist Robin, genauer gesagt der Umgang mit dem Tod von Damian, Bruce Waynes Sohn. „Resolve“ (Batman #18) handelt davon, wie Harper Row, das Elektriker-Mädchen, das Batman nach seiner Gefangenschaft beim Rat der Eulen gerettet hat, Damians Nachfolge als Batmans Sidekick antreten will. Wieder einmal hilft sie Batman aus der Patsche, als er sich – nach selbstausbeuterischen Kämpfen – mit venom-gedopten Hunden anlegt, doch er verweigert ihr zunächst ihren Wunsch. Erst nachdem Harper Bruce Wayne einen Besuch abstattet, wird Batman weich.

In „Nowhere Man“ (Batman #19-20) wird die Trauer um Robin gestört durch einen Doppelgänger. Hier wird eine Brücke zur Zero Year-Episode geschlagen: Während damals Bruce Wayne als Red Hood-Mitglied verkleidet bei einem Bankraub beteiligt war, raubt er hier nun unmaskiert eine Bank aus. Natürlich ist er es nicht wirklich, sondern bloß Clayface, der Waynes Reputation durch … den Dreck ziehen will (oje, der war flach, sorry). Im Gegensatz zu den Auftritten des Schurken in Detective Comics und The Dark Knight ist Clayface hier zum ersten Mal eine interessante Figur, da er jeglichen Bezug zu seinem alten Ich verloren hat und nur noch die DNA anderer imitieren kann. Er ist nichts als ein formbarer Klumpen Lehm – ein Nowhere Man, ein Niemand.

Wiedersehen mit einem Gesichtslosen

Einen anderen Niemand jagt Batman in „The Meek“ (Batman #34): Ein Totengräber für Arme legt gerne mal eine Leiche dazu, die er selbst zu verantworten hat. Batman kann ihn zwar mit detektivischem Gespür fassen, aber er kommt nicht hinter dessen Identität – also landet er folgerichtig in der leeren Zelle eines anderen Namenlosen: des Jokers. Der Mörder nennt sich selbst The Meek, sagt von sich selbst, ein Nobody zu sein und wünscht sich, aus der Welt spurlos zu verschwinden. Damit erweist er sich als Wiedergänger des Postboten Joseph Zedno, der in einer Story von Doug Moench und Kelley Jones als „Faceless“ Menschen umgebracht hat, um ein Jemand zu sein (siehe Batman #542-543, 1997, dt. Batman #32, Dino Verlag, enthalten im Time Warp 2). The Meek macht im Gegensatz zu Zedno aus der Not eine Tugend. Batman wird mal wieder an die Vergänglichkeit allen Seins erinnert – sehr schön versinnbildlicht in der letzten Splash Page, auf der ein Totenkopf aus Leichen gebildet ist.

Erneut mit seinem Verlust konfrontiert wird Batman in „Cages“ (Batman Annual #2), eine Story, die in dem Band zwei Mal fälschlicherweise als „Ages“ bezeichnet wird. Die Prämisse ist eine interessante Idee: Batman lässt sich freiwillig in Arkham einsperren, um die neue Sicherheitstechnik zu testen. Doch nicht nur er bricht aus, auch die älteste Insassin. The Anchoress (die Einsiedlerin) kann nämlich durch Wände gehen. Sie wirft ihm vor, dass durch all die Schurken, die er im Asylum einliefert, sie selbst vernachlässigt worden sei, statt therapiert zu werden. Jetzt will sie sich an ihm rächen, indem sie ihn mit ihren mentalen Kräften in eine Art Gedankenkäfig zu sperren versucht. Batman muss noch einmal den Tod seines Sohnes mitansehen. Die Story wurde zu Unrecht verrissen. Bis auf die Zeichnungen, die nicht an einen Greg Capullo heranreichen, tut es gut, auch einmal eine Geschichte mit einigen frischen Ansätzen zu lesen, auch wenn aus dem Sicherheitstest in Arkham am Ende leider keine Resultate folgen. (Das Cover ist allerdings großartig.)

Vorschau auf die Zukunft

Die schwächste Geschichte in Graveyard Shift ist „Ghost Lights“ (Batman #19-20, jeweils die Zweitstory): Batman versucht mit Superman einen bösen Geist zu bannen. Superman erweist sich als ziemlich nutzlosen Kämpfer, aber dafür als guter Freund, der dem Trauernden beisteht, auch wenn Batman ihm den Dienst nicht erwidert.

In „Batman Eternal“ (Batman #28), einer Vorschau für die gleichnamige Serie, die in naher Zukunft spielt (Besprechung folgt), kämpft Harper Row als Bluebird an der Seite von Batman in einem dystopischen Szenario. Nach einer Unterhaltung mit Selina Kyle gibt es ein Wiedersehen mit Stephanie Brown alias Spoiler, die in der alten Continuity kurz der vierte Robin sein durfte (danach kam Damian).

Zusammengefasst kann man Graveyard Shift für Batman als Zwischenspiel zur Trauerbewältigung begreifen. Die heimliche Hauptrolle spielt hier Robin in absentia – ein Phantom. Für den Leser bietet sich eine abwechslungsreiche Anthologie von Geschichten, die sich kurzweilig lesen und meist auch grafisch überzeugen können. Damit kann man sich gut vertrösten, bis Endgame als Buch erscheint.

>> Batman 2011-2019


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Hardboiled Robin

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Titel: Nine Lives (dt. Neun Leben)

Autor/Zeichner: Dean Motter/Michael Lark

Erschienen: 2002 (One-shot), dt. Panini 2002


„Maybe being Batman made perfect sense in his world.“ (Dick Grayson)

Für gewöhnlich kann man Elseworlds-Szenarien auf eine Was-wäre-wenn-Formel bringen. Bei Nine Lives könnte man fragen: Was wäre, wenn Zirkuskind Dick Grayson nach dem Tod seiner Eltern Privatdetektiv geworden wäre? Doch damit allein würde man der Story nicht gerecht werden. Denn Dean Motter imaginiert hier ein typisches Noir-Szenario im Stil der 40er: Altmodische Gangster machen die Stadt unsicher, wenige ehrliche Menschen wehren sich dagegen, eine zwielichtige Frau mit Beziehungen zu allen Seiten wird ermordet in der Kanalisation gefunden. Diese Frau heißt Selina Kyle, ist zur Abwechslung eine Farbige und Catwoman ist nicht mehr als ein Spitzname. Ähnlich verfährt Motter mit dem Rest der bekannten Batman-Figuren: Die typischen Schurken wie Joker, Pinguin, Riddler, Mr. Freeze, Two-Face und Clayface sind gewöhnliche Menschen, haben weder besondere Fähigkeiten noch Kostüme. Es sind einfache Gangster und Handlanger, Edward Nygma ist sogar nichts als ein Buchhalter. Die zentrale Frage ist: Wer von ihnen hat Selina Kyle umgebracht?

Privatdetektiv Dick Grayson – ein typisch gebrochener Anti-Held – geht der Sache nach, kommt Batman in die Quere und verbündet sich schließlich mit ihm, um den Fall zu lösen. Die Handlung an sich ist nicht der Rede wert. Nine Lives funktioniert am besten als das, was es sein will, als Hommage an die gute alte Zeit des Detektiv-Romans und Noir-Films. Batman spielt nur eine untergeordnete Rolle, man könnte sagen, er sei hier nur der Sidekick von Grayson – ohne dass dieser hier jemals eine Art Robin wäre. Und gerade diese Eigenschaft zeichnet ihn am meisten aus. Zeichner Michael Lark und Kolorist Matt Hollingsworth sorgen mit ihren an David Mazzuchelli orientierten Panels (eine Reminiszenz ist sogar im Buch versteckt) für eine sinistre Stimmung – ohne jedoch alles übertrieben in Schatten tauchen zu müssen. Die Figuren werden mit wenigen Strichen schlicht und dennoch lebhaft dargestellt.

Die größte Besonderheit: Das Buch ist im Querformat angelegt. Das allein regt dazu an, einen anderen Blick auf bekannte Charaktere zu werfen. Insgesamt ist Nine Lives eine willkommene Abwechslung – formal wie inhaltlich.

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics

Schmierentheater mit Clayface

DC Comics

DC Comics

Titel: Clay (Batman: The Dark Knight Vol. 4)

Autor/Zeichner: Gregg Hurwitz/Alex Maleev

Erschienen: 2013-2014 (Batman: The Dark Knight #22-25) Paperback 2014


„Ignoriert zu werden … ist wie tot sein …“ (Clayface)

Die Geschichte beginnt stark: James Gordon beendet eine Geiselnahme, indem er über Leichen geht. Doch das scheint nur so, in Wirklichkeit steckt der Verwandlungskünstler Clayface dahinter. Der wahre Commissioner ist in Gefangenschaft – und während Batman nach ihm sucht, weiß der sich zu helfen …

Nachdem Autor Gregg Hurwitz uns Scarecrow und den Mad Hatter nähergebracht hat, widmet er sich in seiner dritten Geschichte Basil Karlo alias Clayface. Wir bekommen die obligatorische Entstehungsgeschichte nachgereicht, in der wieder einmal ein Außenseiter auf Abwege gerät, weil er ignoriert wird und um Beachtung kämpft. Statt der Wissenschaft ist dieses Mal ein mystischer Wunderschlamm von Indianern für die Mutation zum Erd-Monster verantwortlich – und der Pinguin ist der Auslöser.

Bis auf diese Episode hat die vierteilige Story keine großen Höhepunkte. Schnell ist Clayface gefasst, ebenso schnell wieder draußen und dann wieder schnell gefasst. So recht weiß Hurwitz auch nicht, was er mit der Figur machen soll. Die Entführung des Commissioner dient keinem Zweck, am Ende will der arme Clayface nur wieder die Anerkennung des Publikums zurückgewinnen. Aber das Mitleid hält sich in Grenzen. Die Tragik besteht darin, dass diese Vorstellung nach dem Lesen schnell in Vergessenheit geraten wird.

Immerhin sorgt Zeichner Alex Maleev für eine düstere Stimmung in weitgehend monochrom gehaltenen Panels. Eine willkommene Abwechslung, aber die dünne Story rettet die Grafik nicht. Nach den ersten beiden Stories von Hurwitz, die durchaus ansehnlich geraten sind, ist diese eine erste Enttäuschung.

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Strange Apparitions: Kein Patent für Joker

Batman: Strange Apparitions

Titel: Strange Apparitions

Autor/Zeichner: Steve Englehart, Len Wein/Marshall Rogers, Walt Simonson

Erschienen: 1977/1978 (Detective Comics #469-479), Paperback 1999; dt. Panini 2012 (Batman Collection: Marshall Rogers), Eaglemoss Collection 2015 (Im Zeichen des Jokers)


„But the fish share my unique face! If colonel what’s-his-name can have chickens, when they don’t even have mustaches –!“ (Joker)

Obwohl die Geschichte unter einem Titel zusammengefasst wurde und ein linearer Zusammenhang besteht, ist es schwer, hier von einer Story zu sprechen. Im Grunde sind es sechs Geschichten, die aufeinander folgen. Batman begegnet einem radioaktiven Glühwürmchen namens Dr. Phosphorus, dann Hugo Strange, dem Pinguin, Deadshot, Joker und Clayface. Den roten Faden bilden Nebenhandlungen mit Rupert Thorne, der Batman aus der Stadt haben will, sowie Bruce Waynes Liebschaft mit Silver St. Cloud. Aber ein Spannungsbogen ergibt sich nicht.

Die meisten dieser Geschichten mögen für die späten 70er vielleicht was hergegeben haben, aus heutiger Sicht sind sie altbackene Standardware. Vor allem die Erzählung, in der der Joker, Fische zum Lächeln bringt (The Laughing Fish), um sie patentieren zu lassen, hat zwar einen ungewöhnlichen Ausgangspunkt, ist aber sonst ziemlich schwach, vor allem, weil sie sich zu sehr bei der ersten Joker-Story in Batman #1 bedient.

Die interessanteste Geschichte ist die um Hugo Strange. Der kommt nämlich zufällig hinter Batmans Geheimidentität, nimmt dessen Position als Bruce Wayne ein, um ihn auszunehmen und zu ruinieren, und veranstaltet eine Auktion, bei der er den Namen an den meistbietenden Schurken zu versteigern versucht. Wie man sich denken kann, wird das Schlimmste verhindert. Dafür gibt es aber eine Frau, Silver St. Cloud, die ebenfalls eins und eins zusammenzählt und herausfindet, dass der Mann den sie liebt, nachts gerne Verbrecher verprügelt. Die Schlussfolgerung daraus kann nur eine Tragische sein: Die Beziehung zerfällt.

Die filigranen Zeichnungen von Marshall Rogers entschädigen für die Kritzeleien eines Walt Simonson und das insgesamt mäßige Storytelling. Aber vielleicht muss man diese 70er-Jahre-Geschichten auch mit anderen Augen sehen. Immerhin gelten sie als einflussreiche Klassiker. (In den 80ern diente Strange Apparitions zunächst als Vorlage für das Drehbuch des geplanten Batman-Films, der erst 1989 von Tim Burton realisiert wurde – allerdings mit einem ganz anderem Script.)

Zwei der Storys wurden für Episoden der Animated Series wiederverwendet. Die Grundidee der Hugo Strange-Story wurde in „The Strange Secret of Bruce Wayne“ (S01E37) aufgegriffen; dort bieten Joker, Two-Face und Pinguin um ein Videoband, auf dem Strange Bruce’s Trauma aufgezeichnet hat.

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In „The Laughing Fish“ (S01E34) erzählt Paul Dini die Joker-Story neu, wobei er sich zwar überwiegend an die Vorlage hält (zum Teil sogar wörtlich), er aber ein wesentlich spannenderes Finale mit einem Haifisch-Kampf erzählt (der ist „The Joker’s Five-Way-Revenge“ entlehnt). Vor dem Hintergrund der lachenden Fische allerdings erscheint die später in Mad Love zum Tragen kommende Idee mit den grinsenden Pyranhas wie ein Abklatsch … (wenn auch ein guter!)

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(Dieser Artikel wurde am 6.11.2017 überarbeitet und aktualisiert.)

>> Batman 1970-1979

Feindliche Übernahme

Detective Comics: Emperor Penguin

Titel: Emperor Penguin (Detective Comics Vol. 3 (The New 52)), (dt. Der Herrscher von Gotham)

Autor/Zeichner: John Layman/Jason Fabok (u.a.)

Erschienen: 2012-2013 (Detective Comics #13-18), Hardcover 2013; dt. Panini 2014 (Paperback, enthält Detective Comics #13-17)


Seit dem Reboot bei DC hat es einige Personalwechsel gegeben: Nach dem ersten Detective Comics Annual hat Autor und Zeichner Tony Daniel die Serie verlassen, um bei Action Comics auszuhelfen. Ab Ausgabe 13 hat John Layman die Autorschaft übernommen, Jason Fabok die Zeichnungen. Um einen Führungswechsel geht es auch in der ersten Storyline des neuen Teams: Der Pinguin wird von einem seiner Handlanger ausgebootet. Nun nennt sich irgendein dahergelaufener B-Gauner „Emperor Penguin“, obwohl er überhaupt nichts von einem flugunfähigen Wasservogel hat.

Aber eins nach dem anderen: Gleich zu Beginn beweist Layman Humor, indem er Batman darüber sinnieren lässt, dass er sich nicht schlecht fühlen müsse, wenn er nachts Menschen die Zähne ausschlage und die Beine breche. Immerhin hat er als Bruce Wayne beachtliche Summen für Chirurgen gespendet. Leider macht die Story den schönen Einstand mit fehlender Logik zunichte. Der Pinguin gibt einen Mord an Bruce Wayne in Auftrag, weil er die Kinderabteilung eines Krankenhauses nach seiner eigenen Mutter statt nach Martha Wayne benennen möchte. Das ist doch arg übertrieben angesichts eines Problems, das der Pinguin mit einem Koffer voll Geld löst. Dieser Gedanke kommt ihm dann auch, nur ist es dann für einen Rückruf zu spät und Bruce Wayne muss selbst gegen die Attentäter kämpfen. Einem klugen Kopf wie dem Pinguin wäre so ein Humbug sonst nicht zuzutrauen.

Im weiteren Verlauf sehen wir Poison Ivy, die Ökoterrorismus gegen den Pinguin betreibt und nebenbei Clayface das Herz bricht. Dann wird die Story unterbrochen von einem Einschub im Rahmen von Death of the Family. Dabei wird deutlich, dass der Joker viele Nachahmer hat, die in verschiedenen Banden durch die Stadt ziehen und in seinem Namen Verbrechen begehen. Der Abschluss des ersten Bandes kommt abrupt: Der Handlanger Ogilvy, der den roten Faden dieser Geschichte bildet, übernimmt plötzlich die Herrschaft, sperrt seinen Arbeitgeber aus und sorgt durch eine Intrige dafür, dass er festgenommen wird. Auch wenn man diesen neuen Kerl ständig gegen den Pinguin intrigieren sieht, scheint die Machtübernahme zu einfach zu gehen.

Zu loben ist Jason Faboks realistischer, klarer Zeichenstil, der seinen Figuren sehr lebendig erscheinen lässt. Bereits bei Mr. Freeze’s Entstehungsgeschichte im Batman Annual #1 ist Fabok positiv aufgefallen. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger, Tony Daniel, könnte man seine Striche auch als etwas zu brav tadeln.

>> Batman 2011-2019