Ra’s al Ghul

Tausend Jahre Tradition

Batman versus Superman, Teil 10: Generations (1999)

DC Comics

DC Comics

Titel: Superman & Batman: Generations – An Imaginary Tale (dt. Untertitel: Eine imaginäre Geschichte)

Autor/Zeichner: John Byrne

Erschienen: 1999 (Mini-Serie #1-4, Paperback 2000), dt. Carlsen 1999 (4 Teile)


„Continuity is important. A sence of history and tradition.“ (Bruce Wayne)

„What a man! Bruce, why can’t you be more like him?“ (Lois Lane)

Was wäre, wenn Superman und Batman normal altern würden? Was wäre, wenn sie heiraten und Kinder kriegen würden? John Byrne hat in seiner Imaginary Tale, wie er die Elseworlds-Story nennt, die Comic-Continuity mit der Comic-Historie verschränkt und die beiden größten Helden gemeinsam alt werden lassen, von der ersten Begegnung 1939 bis zum Jahr 1999 – und dann noch mal über 920 Jahre.

Beim ersten Treffen bei der Weltausstellung in Metropolis (eine Anspielung auf das gemeinsame Cover von World’s Fair Comics) kämpfen sie gegen den Ultra-Humanite, einen Vorläufer von Lex Luthor, zehn Jahre später auf Luthor selbst, der (mit dem Joker) die schwangere Lois Lane goldenem Kryptonit aussetzt, sodass der erste Sohn von Superman ohne Kräfte aufwächst. Doch auch Batman bekommt einen Sohn, Bruce Junior, allerdings erfährt man nie, wer seine Mutter ist. Der wird zum nächsten Robin und nach Dick Graysons Tod zum Batman und bändelt dann mit der Tochter von Superman und Lois an: Kara, dem Supergirl. Doch den Kindern ist kein Glück vergönnt, Luthor lässt die Hochzeit platzen, indem er zuerst Lois und dann Kara tötet. Vorher schon zieht der verbitterte Sohn Joel in den Vietnamkrieg, wo er Kriegsverbrechen begeht und schließlich getötet wird. Superman verliert schließlich seine Kräfte und rächt sich an Luthor, indem er ihn tötet, dann wird er von Batman zur Strafe in die Phantomzone verbannt. Batmans Leben wird dank der Lazarusgrube verlängert.

Am Ende sehen sich Superman und Batman im Jahr 2919 wieder, wo sie sich daran erinnern, schon im Jahr 1929 als Superboy und Robin (!) miteinander gegen Luthor gekämpft zu haben. Aber nicht erst hier wird die Story dämlich, schon vorher gab es eine nervige Episode, in der es um einen Wettstreit zwischen Bat-Mite und Mr. Mxyzptlk ging, ob Superman oder Batman der größte Held ist. Der unzeitgemäße Stil der Geschichten ist zwar der Nostalgie geschuldet, den Reminiszenzen an das Golden, Silver und Bronze Age, aber die Byrnes Erzählweise wirkt immer gleich altbacken und seine Wendungen bemüht.

Zwar ist das Grund-Szenario, das Byrne durchspielt, durchaus reizvoll, geht aber über das Niveau einer Seifenoper nicht hinaus. Der Erzähler rast durch die Jahrzehnte und lässt selbst die dramatischsten Augenblicke vorübergehen, ohne dass die Helden oder die Leser Zeit bekämen, damit umzugehen. So sehr aber die Story das Vergehen der Zeit thematisiert, so sehr versucht sie auch, die Helden zu konservieren. Statt Superman mit dem Verlust seiner Kräfte auch altern zu lassen, wird ein Weg gefunden, wie er sie wiederbekommen kann. Statt Supermans Enkel ohne Kräfte zu lassen, werden sie ihm regelrecht aufgenötigt, damit er als Nightwing das Erbe des Vaters weitertragen kann. Und zu allem Überfluss wird Batman auch noch unsterblich gemacht.

Welchen Sinn ergibt das Konzept vom Altern, wenn die Superhelden dann doch 1000 Jahre und länger leben, so lange bis sie sich aus Langweile neuen Welten zuwenden? Daher heißt es auch folgerichtig am Schluss „Never the End!“ Aber wer altert, sollte auch sterben können. Das hätte den Superhelden etwas mehr von der Menschlichkeit verliehen, die sie nötig gehabt hätten. Stattdessen macht Byrne, was bei DC Tradition ist: Heldenverehrung und Mythenpflege.

Fortsetzung folgt.

Bisher erschienen:

Raiders of the Lost Argos

Batman versus Superman, Teil 9: Elseworld’s Finest (1997)

DC Comics

DC Comics

Titel: Elseworld’s Finest

Autor/Zeichner: John Francis Moore/Kieron Dwyer

Erschienen: 1997 (Mini-Serie #1-2)


Was wäre wenn … Clark Kent und Bruce Wayne schon 1928 in der Blüte ihres Lebens gestanden hätten? Dann würde sie bestimmt ein gemeinsames Abenteuer zu Helden, wenn nicht gar Superhelden machen. Der Zweiteiler Elseworld’s Finest spielt diese Möglichkeit durch – und zwar auf sehr liebenswerte Weise im Stil einer typischen Pulp Fiction-Story à la Indiana Jones.

Der Hommage-Charakter wird schon auf der ersten Seite deutlich: Dort wird eine Comic-Seite aus dem Daily Planet gezeigt, in der es um ein Abenteuer Captain Marvels in Atlantis geht. Kurz darauf ist einer der Leser dieser Seite – der Zeitungsausträger Jimmy Olsen – Zeuge, wie ein Archäologie-Professor von Gangstern bedroht wird. Und wie der Zufall es will, wird ihm auf der Flucht das Leben von dem Reporter Clark Kent gerettet. Ihm erzählt Jimmy, was er gesehen hat, man geht zur Uni, kurz darauf taucht die Tochter des Professors, Lana Lang, auf und schon ist man unterwegs, um den Professor und die mythische Stadt Argos zu finden.

Für das richtige Indy-Feeling braucht es aber noch einen Draufgänger. Dem begegnet unser Team in Paris: Der Abenteurer Bruce Wayne hängt dort herum und betrinkt sich, nachdem er das Vermögen seiner toten Eltern verprasst hat. Gemeinsam geht die Reise nach Ägypten, wo man auf Ra’s al Ghul trifft, später bringt der (von Jules Verne inspirierte) Pirat Luthor alle in seinem U-Boot nach Argos, wo Kent eine Entdeckung macht, die ihn persönlich betrifft …

Gut, die Story ist nach typischem Schema geschrieben und die Zeichnungen erfüllen ihren Zweck, ohne besondere Kunst zu sein. Aber mehr will Elseworld’s Finest auch nicht. Herausgekommen ist ein Stück unterhaltsamer Schund-Literatur im besten Sinne. Wir sehen eine alternative Entstehungsgeschichte von Superman und Batman, die nach ihrem Abenteuer als dynamisches Duo zu Comic-Helden werden. Besonders interessant sind die Kostüme, die sie im Laufe der Handlung bekommen – auch wenn Batman eher nach Katze als nach Fledermaus aussieht. Aber wie so oft läuft es darauf hinaus, dass eine Elseworlds-Story nur ein Umweg ist, um zum bekannten Status quo der Continuity zu gelangen.

Fortsetzung folgt.

Bisher erschienen:

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics

Batman Eternal Vol. 3: Die üblichen Verdächtigen

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman Eternal Vol. 3

Autor/Zeichner: Scott Snyder, James Tynion IV/Fernando Blanco, Alvaro Martinez, Andrea Mutti u.a.

Erschienen: 2015 (Batman Eternal #35-52, Batman #28, Paperback 2015), dt. Panini 2015-2016 (Batman Eternal #18-26)


„It’s so vast and complex that even the Great Detective can’t solve this riddle.“ (Scarecrow)

„This is too much for us to handle.“ (Julia Pennyworth)

Die Welt von Batman zerbricht. Bruce Waynes Vermögen ist eingefroren, Wayne Manor ist das neue Arkham Asylum, Hush ist zwar gefangen, aber er ist nicht der Mann hinter dem Chaos, das in Gotham um sich greift. Commissioner Jason Bard versucht weiterhin, Batman fertigzumachen, während draußen ein paar ausgebrochene Schurken (Bane, Mr. Freeze, Clayface, Poison Ivy, Scarecrow, Jokers Tochter) Pläne schmieden, um alles noch schlimmer zu machen. Catwoman versucht als Mobchefin zu intervenieren. Batman folgt einer Spur zum Riddler, dann stattet er Ra’s al Ghul einen Besuch ab; der Rest der Familie gerät an den Mad Hatter. Doch keiner davon ist der wahre Strippenzieher hinter dem großen Ganzen. Es jemand, mit dem man nicht gerechnet hätte: Bruce Wayne. Das behauptet jedenfalls

ACHTUNG SPOILER!

Das mit Wayne ist natürlich Unsinn. Am Ende, wenn Gotham brennt, kommt es zum Finale mit Spoilers Vater, dem Cluemaster. Diese Wendung, dass der drittklassige Schurke, den man bisher für einen Handlanger gehalten hat, sich als kriminelles Genie erweist, kommt überraschend, aber leuchtet ein. Gerade sein Minderwertigkeitskomplex, weil ihn alle für einen Möchtegern-Riddler halten, macht den Aufwand hinter dem Plan glaubhaft und lässt die üblichen Verdächtigen zur Abwechslung nur im Hintergrund agieren. Und es zeigt, dass nicht immer die großen Fische große Missetaten vollbringen müssen. (Diese Erkenntnis stammt übrigens auch von den Vorbildern von Batman Eternal: The Long Halloween, Dark Victory und Hush.)

Die Auflösung passt zu dem frischen Ansatz der gesamten Story, die sich ständig selbst zu überbieten versucht. Auch am Ende, wenn sich herausstellt, dass doch nicht der Cluemaster, sondern Lincoln March (vgl. Rat der Eulen) hinter allem steckt – ein Mann mit einem noch größeren Minderwertigkeitskomplex. Dieser Effekt funktioniert nicht immer, auch im dritten Akt gibt es einige Leerläufe und unnötige Sequenzen, wie etwa der Handlungsstrang mit Batwing und Jim Corrigan (Spectre), Hushs kurzer Ausbruch sowie einen Kampf gegen einen Bane-Roboter. Etwas mehr Stringenz hätte Batman Eternal gut getan, stattdessen bleibt die Story ein paarmal zu oft in Sackgassen stecken und dadurch wirken manche Kapitel wie Lückenbüßer. Ärgerlich sind auch einige Plotlöcher, zum Beispiel: Wie kann der Pinguin aus Blackgate ausbrechen, wenn ihn vorher Jim Gordon gefesselt in eine Zelle gesteckt hat?

Trotz allem ist Batman Eternal eine lesenswerte Story, für alle, die gerne in die Welt von Batman eintauchen und eine wahre Wundertüte an Helden, Schurken und Ideen geboten bekommen. Zudem schließt sie die narrative Lücke zwischen Death of the Family und Endgame. Man muss allerdings darüber hinwegsehen, dass auch zeichnerisch das Konzept der Vielfalt leider nicht immer aufgeht: der Zeitdruck hinter der wöchentlichen Serie lässt auch unterdurchschnittliche Künstler das Niveau runterziehen.

Hinweis: Ergänzt wird Batman Eternal um die Mini-Serie Arkham Manor.

>> Batman 2011-2019

Bruce auf Badekur

Warner Bros.

Warner Bros.

Titel: Out of the Past

Drehbuch: Paul Dini

Erschienen: 2000 (Batman Beyond S03E04)


„There’s no way I’m wearing the Robin suit.“ (Terry McGinnis)

„Whatever was in there died years ago.“ (Bruce Wayne)

Der alte Bruce Wayne bekommt von seiner ehemaligen Geliebten Talia al Ghul ein Angebot, das er nicht ablehnen kann: ein Bad in der Lazarus-Grube. Da er darunter leidet, nicht mehr wie früher bei Kräften zu sein, willigt er ein. Terry kommt mit. Die erste Prozedur verläuft wie erwünscht, Bruce wird verjüngt, doch als er es sich anders überlegt, will ihn Talia nicht gehen lassen. Dann stellt sich heraus, dass ihr totgeglaubter Vater Ra’s in ihr präsenter ist als gedacht. Bruce und Terry kämpfen gemeinsam gegen die finsteren Machenschaften.

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Die Episode gehört zu den stärksten der Serie Batman Beyond – nicht von ungefähr hat sie Paul Dini geschrieben. Schon allein der Anfang ist brillant: Zu Bruce’s Geburtstag geht Terry mit ihm in die Vorstellung eines Batman-Musicals. Bruce ist alles andere als erfreut von dem albernen Singsang auf der Bühne. Als dann auch noch Batman und ein James Gordon-Verschnitt ein gemeinsames Lied trällern, verdrückt sich der alte Griesgram in seine Höhle, wo er in der guten alten Zeit schwelgt, indem er sich die Fotos von Frauen aus der Vergangenheit ansieht. Großes Kino.

Bemerkenswert ist eine Marginalie: In der Episode taucht eine Idee wieder auf, die bereits in dem Comic Son of the Demon erstmals durchgespielt wurde: ein vergessener Sohn von Bruce Wayne und Talia. Grant Morrison hat den Sohn später in Batman and Son Damian genannt und als neuen Robin in der Continuity etabliert.

Rache für Ra’s

Warner Bros.

Warner Bros.

Titel: Son of Batman

Drehbuch: Joe R. Lansdale, James Robinson

Erschienen: 2014 (Direct-to-Video)


„I owe my grandfather a death.“ (Damian)

„The psychos are just keep getting younger.“ (Nightwing)

„You can’t fight crime by becoming a criminal.“ (Batman)

Der Film zu Grant Morrissons Comic-Storyline Batman and Son hat bis auf die Grundidee nicht viel mit der Vorlage zu tun: Talia al Ghul klärt Batman darüber auf, dass sie einen gemeinsamen Sohn haben und übergibt Damian in die Obhut des Vaters – und dann gibt es Kämpfe mit einer Man-Bat-Armee. Doch die Bedingungen sind im Film ganz andere. Der Gegner heißt Deathstroke. Er ist hier ein abtrünniger Anhänger von Ra’s al Ghul, der eines Tages mit einigen anderen der League of Assassins über die Burg seines Mentors herfällt und ihn umbringt. Klein-Damian sticht Deathstroke im Kampf ein Auge aus. Der Attentäter flieht, schwört Rache und zwingt Kirk Langstrom dazu, ein Serum zu entwickeln, dass seine Ninjas in Man-Bats verwandelt.

In der Zwischenzeit kommen sich Batman und Damian näher – eine Beziehung mit Hindernissen, denn der Sohn ist mehr Klugscheißer und Draufgänger als sein Vater. Allerdings fehlen einige Aspekte, die die Story im Comic interessant machen: die Rivalität und den Kampf mit Robin Tim Drake zum Beispiel. Stattdessen gibt es bloß einen kurzen Kampf mit Nightwing. Und Damian kommt auch nicht in den Genuss, einem Schurken den Kopf abzusäbeln – und das obwohl das Blut in dem Film nur so spritzt. (Zurecht ist er erst ab 16 Jahren freigegeben.) Schließlich vermisst man auch Batmans Ausraster, bei dem der Vater seinen missratenen Jungen zur Ordnung ruft. Die Konflikte spielen sich eher auf Sparflamme ab, zu schnell gehorcht der Bengel seinem Vater.

Doch allen Mangelerscheinungen zum Trotz sind die größten Veränderungen wie der Einsatz von Deathstroke nachvollziehbar und sorgen dafür, dass Son of Batman ein dichteres, stimmiges Ganzes bildet, wohingegen Grant Morrisons Vorlage ziemlich ausfranst. Damian wird mehr in die Story integriert, weil ihn ein klassisches Rachemotiv antreibt, und auch Deathstroke hat seine Gründe, gegen die Familie al Ghul vorzugehen. Leider ist der Film nicht ganz frei von Blödsinn. Zum Beispiel wenn etwa in der ersten Szene Ra’s al Ghul Gewehrkugeln mit dem Schwert abwehrt, obwohl er von Feinden umzingelt ist und sie einfach nur alle auf einmal auf ihn schießen müssten, um ihn umzulegen. Oder wenn später Deathstroke auftaucht und seinen Soldaten Einhalt gebietet, weil er selbst seinen Feind töten will. Von solchen Logiklöchern abgesehen ist Son of Batman eine kurzweilige Unterhaltung mit reichlich Action und knackigen One-Linern, was sowohl Comicleser als auch -nichtleser bei Laune halten dürfte.

Angriff der lebenden Toten

Titel: Year One: Batman/Ra’s al Ghul (dt. Batman/Ra’s al Ghul)

Autor/Zeichner: Devin Grayson/Paul Gulacy

Erschienen: 2005 (Mini-Serie #1-2), dt. Panini 2006 (Batman Sonderband 5)


„No one, nothing, will die.“ (Ra’s al Ghul)

Nachdem Batman alle Lazarus-Gruben vernichtet hat und Ra’s al Ghul vorerst gestorben ist (in Death and the Maidens, Mini-Serie 2003-2004), werden plötzlich die Toten wieder lebendig und laufen wie Zombies durch Gotham. Batman bekommt einen Brief von Ra’s, den er anscheinend vor seinem Ableben geschrieben hat und in dem er lang und breit erklärt, warum er mit seiner Misanthropie Recht hat und warum die Lazarusgruben wichtig sind für das Gleichgewicht zwischen Leben und Tod auf der Welt. Parallel bekommen wir zwei Einblicke in Ra’s Frühzeit, sein Year One, als er noch dem Geheimnis des ewigen Lebens nachjagte, zum Beispiel in einem japanischen Pfirsichgarten. Dabei wird deutlich, dass er schon immer besessen und mörderisch war und ihn nicht erst die Gruben zu einem Psycho gemacht haben.

Eigentlich gibt es nicht viel zu erzählen. Die Rückblenden (eine ist der ersten Begegnung mit Ra’s gewidmet) haben keinen großen Mehrwert, die Story wird bestimmt von dem viel zu langen Brief einerseits und ein paar Action-Sequenzen andererseits. Batman kämpft sich durch Gotham, Batman kämpft gegen Ubu (zweimal), Batman löst das Rätsel der Lazarusgrube und erschafft eine neue in der Bathöhle. Der Zweiteiler ist zwar solide gezeichnet, aber die meisten Sequenzen wirken wie Seitenschinderei. Das Werk fühlt sich so leer und leblos an wie eine ausgetrocknete Lazarusgrube.

Die Geschichte um Ra’s al Ghul und seine Familie wird fortgesetzt in:

Außerdem empfohlen als Vorgeschichte: Son of the Demon.

Vom Rotkehlchen zum Rotkäppchen

Warner Bros.

Warner Bros.

Titel: Under the Red Hood

Drehbuch: Judd Winick

Erschienen: 2010 (Direct-to-Video)


„Ich hätte mich niemals mit einem Wahnsinnigen verbünden dürfen.“ (Ra’s al Ghul)

Fünf Jahre nach der umstrittenen Storyline Under the Hood wurde der Comic verfilmt, allerdings unter dem Titel Under the Red Hood, was danach auch für den Comicsammelband übernommen wurde. Der Film tut, was Filme so tun: Er lässt viel aus. Man könnte auch sagen: Er verdichtet. Und das tut dem Stoff sehr gut.

Kurz gesagt: Es geht darum, wie das ehemalige Rotkehlchen Jason Todd (Robin II) über den Umweg des Todes zum mörderischen Rächer, dem Rotkäppchen Red Hood, wird. Es beginnt mit dem obligatorischen Robin-Mord durch den Joker. Statt die Story von A Death in the Family nachzuerzählen (Jasons Suche nach der Mutter, Reise in den Libanon etc.) wird hier kurzer Prozess gemacht: Der Joker vermöbelt gerade Robin mit der Brechstange, Batman eilt zu Hilfe, aber er kommt zu spät. Irgendwas hat die Sache mit Ra’s al Ghul zu tun, der offenbar gemeinsame Sache mit dem Joker macht. Und dieser Aspekt ist die wohl beste Entscheidung für den Film: So hat man gleich den Protagonisten eingeführt, der für Jason mit der Lazarus-Grube wiederbelebt. Kein metaphysischer Schicksals-Unsinn wie im Comic ist für die Auferstehung verantwortlich, sondern ganz einfach Ra’s selbst, weil er Schuldgefühle hat, für Jasons Tod mitverantwortlich zu sein. Als Leser und Zuschauer fragt man sich: Warum nicht gleich so?

Der weitere Hauptunterschied ist, dass der Joker eine viel größere Rolle spielt. Nicht bloß als Racheobjekt für Jason alias Red Hood, sondern auch dass Black Mask Joker als Auftragskiller für Red Hood anheuert. Der Joker ist gewalttätiger als je zuvor in einem Animationsfilm, er tötet plötzlich einige von Black Masks Männern – nur mit einem Wasserglas und nur weil er gerade Lust dazu hat. Der Part mit Mr. Freeze wird weggelassen, ebenso die Gastauftritte anderer Helden und Schurken, zum Beispiel Deathstroke. Dafür gibt es ein Attentat einer neuen Gruppe: The Fearsome Hand of Four. Batman und Nightwing kämpfen gemeinsam gegen den Androiden Amazo, der auch schon im Comic vorkommt. Trotz der zusätzlichen Gewalt sind andere Szenen entschärft, zum Beispiel die, in der Red Hood eine Tasche voller Köpfe in eine Gangsterversammlung wirft. Im Comic sieht man, was drinsteckt, im Film muss es Red Hood sagen. Einige Rückblenden, in der Robins Anfangszeit nachgereicht werden, vom Räderklau bis hin zu einer kurzen Begegnung mit dem Riddler, sorgen für die emotionale Tiefe der Charaktere.

Under the Red Hood übernimmt das Beste aus den Comics, verdichtet es und fügt einige neue Ideen hinzu. Daraus entsteht ein in sich stimmiges Ganzes, das auch dank der hervorragenden Animation zu fesseln vermag.

Hush: Harte Bandagen

DC Comics

DC Comics

Titel: Hush

Autor/Zeichner: Jeph Loeb/Jim Lee

Erschienen: 2002-2003 (Batman #608-619), Paperback 2003 (zwei Bände), 2009 (ein Band), dt. Panini 2006 (zwei Bände), Eaglemoss DC Graphic Novel Collection 2015 (zwei Bände)


„You gotta be able to think like your opponent.“ (Thomas Elliot)

Killer Croc entführt einen Jungen. Bei der Lösegeldübergabe kommt Batman dazwischen. Catwoman macht sich mit dem Geld davon, Batman verfolgt sie, dabei wird sein Seil durchschnitten, er stürzt und wird dabei schwer am Kopf verletzt. Der Chirurg Dr. Thomas Elliot – ein alter Jugendfreund – flickt Bruce Wayne wieder zusammen . Doch als es wieder zum Kontakt zum genesenden Bruce kommt, wird „Tommy“ vom Joker erschossen. Batman gerät mal wieder in Versuchung, kurzen Prozess zu machen und seinen Erzfeind abzumurksen. Und das sind nicht die einzigen seltsamen Begebenheiten. Ein Unbekannter hat es auf Batman abgesehen. Aber wer? Und warum?

Lauter unerhörte Ereignisse passieren in Hush, einer der beliebtesten Batman-Storys des neuen Jahrhunderts. Autor Jeph Loeb setzt damit sein bewährtes Rezept fort, das er mit seinen 90er-Jahre-Epen mit Tim Sale etabliert hat: The Long Halloween und Dark Victory. Hier wie da wird eine Detektivgeschichte in rund einem Dutzend Kapiteln erzählt, die einmal durch die Rogues Gallery jagt. Bei Hush sind es neben Joker, Harley Quinn und Killer Croc auch Poison Ivy, Two-Face, Ra’s al Ghul, Riddler, Scarecrow und Clayface. Außerdem treten Helden wie Robin, Nightwing, Orakel, Huntress und Superman auf. Eine wichtige Rolle spielt außerdem Catwoman: Endlich kommt es zu einer intimen Annäherung mit Batman und zu einer Offenbarung. Eine Begegnung zwischen Batman und Superman wird weniger kuschelig – was will man mehr?

Mit diesem riesigen Personal bietet Loeb ein furioses Feuerwerk an bester Unterhaltung und Abwechslung. Es ist eine typische Story, die Fanherzen höher schlagen lässt, weil alles da ist, was sie begehren. Für alte Leser werden einige interessante Überraschungen geboten, vor allem eine, die mit einem Robin zusammenhängt und hier nicht verraten werden soll. Hinzu kommt noch, dass die Geschichte so erzählt ist, dass man auch als Neuling leicht einsteigen kann. Alle Hintergründe werden zu Genüge erklärt, sogar einige Male zu oft (vor allem den Mord an den Waynes – gähn). Loeb beweist sich erneut als erstklassiger Erzähler.

Mindestens so wichtig wie die furiose und spektakelgeladene Story sind die Zeichnungen des anderen J.L., Jim Lee. Im Gegensatz zu Tim Sale, der sich in seinen Panels auf das Wichtigste beschränkt, ist Jim Lee ein detailversessener Perfektionist. Und damit all die Details auch gut zu sehen sind, verzichtet er weitgehend auf Schatten, sodass Gotham, seine Helden und Schurken, bei ihm hell erstrahlen. Die knalligen Farben tragen dazu, dass das Lesen zu einer Augenweide wird. Seine Helden strotzen vor Kraft, seine Frauen sin voller Anmut, die Posen überaus dynamisch. Kurz: Jede Seite ist zu schön, zum Umblättern. Besonders die Rückblenden hinterlassen Eindruck. Denn die sind monochrom und (wie) mit Wasserfarben koloriert. Das verleiht den Panels eine besondere Aura von Kunst.

Bei aller Gefälligkeit gibt es dennoch einige Kritikpunkte: Der größte ist wohl die Plausibilität. Die Auflösung hinkt, die Motivation des mumienhaft bandagierten Schurken Hush leuchtet ebenso wenig ein wie der ganze Aufwand, den er betreibt, um Batman fertig zu machen. Das ginge auch einfacher, aber dann gäbe es ja die Story nicht. Trotzdem hätte man das eleganter lösen können. Und dann gibt es noch einige kleinere Plot Holes. Dass James Gordon gleich zwei Mal als deus ex machina herhalten muss, indem er aus dem Nichts auftaucht, um Batman zu retten, ist auch ein wenig plump.

Aber egal. Das sollte nicht das Gesamtvergnügen trüben. Hush hat Größe, Hush macht Spaß, Hush sollte man gelesen haben.

(Die Story wird fortgesetzt in Hush Returns, Heart of Hush, Hush Money und The House of Hush. Außerdem gibt es im Universum von Batman Beyond noch Hush Beyond.)

>> Batman 2000-2011

Zurück zum Wesentlichen

DC Comics

DC Comics

Titel: Legends of the Dark Knight Vol. 3

Autor/Zeichner: diverse

Erschienen: 2013-2014 (Legends of the Dark Knight #11-13, Legends of the Dark Knight 100-Page Super Spectacular #1)


„If this is the best you can do … m-maybe it’s time you hung up that stupid costume and retired.“

„If there is a god … I think he abandoned Gotham a long time ago.“ (Batman)

„We don’t have choices. We’re slaves to our natures.“ (Two Face)

Da gibt es den schwer gepanzerten Bat-Suit, eher ein Kampfanzug als ein Kostüm, den Bat-Wing-Gleiter mit dem Bat Disruptor-Kraftfeld, das Kugeln ablenkt, die Netze, mit denen Schurken im freien Fall an Wände geheftet werden können, den Bat Tracer zum Aufspüren von Flüchtigen, und die computergesteuerten Bat Discs, die Wurfgeschosse, die ihr Ziel verfolgen – fehlt eigentlich nur noch das Anti-Hai-Spray. Doch als all der technische Schnickschnack bei einem Einsatz gegen Ra’s al Ghul versagt und Batman zudem einsehen muss, dass ihn seine Hilfsmittel ein Vermögen kosten und seine Firma in den Ruin treiben, besinnt er sich auf die guten alten Tugenden der Handarbeit. Doch dabei zeigt sich, dass Batman aus der Form geraten ist …

Davon handelt Return of Batman, die stärkste Geschichte von Legends of the Dark Knight Vol. 3. Sie steht in gewisser Weise der Tendenz der vergangenen Jahre entgegen, dass der Held, der sich einst mit Seilen von Haus zu Haus schwang, immer mehr Iron Man gleicht – und dabei etwas von seinem ursprünglichen Reiz einbüßt. Wir sehen einen dekadent gewordenen Batman, der sich erst wieder an Batarangs und Nahkampf gewöhnen muss und dabei wie ein Anfänger den Arsch versohlt kriegt. Ein Opfer, das er bei der Rettung verletzt, legt ihm sogar nahe, in Rente zu gehen (siehe oben).

Doch auch darüber hinaus ist der dritte Legends-Band deutlich besser als sein direkter Vorgänger, was auch daran liegt, dass zwei Storys besonders lang geraten sind und in ihnen mehr Raum zum Erzählen bleibt. Wie etwa bei Without Sin. Hier kommt Batman mal wieder mit der Kirche in Kontakt – eine seltene Gelegenheit. Ein Pfarrer wird ermordet. Weil die eine Gesichtshälfte der Leiche zerstört ist, ist Two-Face der Hautpverdächtige. Doch der Schurke hat neuerdings zu Gott gefunden und der Kirche Geld gespendet – wie passt das zusammen? Batman geht der Sache nach und die Geschichte liest sich wie eine bessere Tatort-Folge, aber am interessantesten sind die Gespräche zwischen Batman und einem Pfarrer, die von Gott und der Welt und eben von der Frage nach der Schuld handeln. Wir erfahren nebenbei, dass Batman nicht religiös ist, aber seine Bibel kennt. Auch Two-Face bekommt eine neue Facette verliehen.

In drei weiteren Geschichten wird eher mäßiges Amusement geboten: What Happened Was … ist eine Rashomon-Variation um den Calendar Man mit einem allzu vorhersehbarem Verlauf. Unlucky Thirteen ist eine Kurzgeschichte über Glück, Pech und anderen Aberglauben, bei der Batman noch einmal den amerikanischen Urglauben bezeugen darf, dass jeder für sein Schicksal selbst verantwortlich ist. Und in Dr. Quinns Diagnosis darf Harley Quinn Batmans Psychiaterin spielen – allerdings ist das nicht besonders ergiebig, weil Batman nicht sehr auskunftsfreudig ist und außerdem nervt die Frau mit ihrer dämlichen Hampelei wie eh und je.

Grafisch herausragend ist allein die Kurzgeschichte Adaptation von Rafael Albuquerque, der in gewohnter Qualität verstörende, ausdrucksstarke Bilder zeichnet. Ein gealterter Bruce Wayne wird von seinen Dämonen in Alpträumen geplagt, in der Realität fühlt er sich nutzlos. Also beschließt er, einen alten Erzfeind wiederauferstehen zu lassen. Eine drastische Horror-Story, wie sie beinahe in Black and White stehen könnte (abgesehen von zwei Seiten Überlänge und den Farben). Bitte mehr davon.

>> Batman 2011-2019

Viral ist nicht gleich ansteckend

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Titel: Contagion/Legacy (dt. Die Seuche/Der Fluch)

Autor/Zeichner: Chuck Dixon, Alan Grant, Doug Moench u.a.

Erschienen: 1996 (alle Batman-Serien) (dt. 1998, Dino-Verlag, Batman #10-13, #20-23, Batman Special #3, #5)


„Völkermord ist kein Verbrechen, wenn man auf der Seite der Sieger steht, Batman.“ (Bane)

„It’s too big. How can I fight a disease? And if I can’t, Gotham is doomed.“ (Batman)

Es wäre gelogen, wenn ich sagte, ich würde gerne eine Zusammenfassung der Ereignisse in dieser Storyline schreiben. Doch selbst wenn ich wollte: ich kann es nicht. Denn kurz nachdem ich Seuche und Fluch gelesen habe, ist mir bereits entfallen, was da passiert ist. So viel ist klar: Ein Ebola-Virus grassiert in Gotham. Viele sterben einen blutigen Tod. Die Batman-Familie versucht ein Gegenmittel zu finden. Catwoman, Azrael, Robin und Nightwing – sie alle mischen mit. Irgendwas passiert in Grönland. Poison Ivy hat auch etwas damit zu tun. Und als alles erledigt scheint, kommt dann noch ein unnötiger Anhang mit Ra’s al Ghul und Bane, wo es immer noch um die Seuchengefahr geht, was sich noch lahmer liest als der Auftakt. Und manche Dialoge sind so grenzdebil, dass man das Heft am liebsten an die Wand werfen würde.

Muss ich noch mehr sagen? Ich denke nicht. Vielleicht noch eins: die Seuche ist die erste Katastrophe, die Gotham heimsucht. Danach kommt ein vernichtendes Erdbeben, schließlich die Isolation des Niemandslandes. In der zweiten Hälfte der 90er Jahre musste Batman vor allem gegen Gegner kämpfen, gegen die er machtlos war. Batman als Katastrophen-Helfer? Das ist nicht sein Fachbereich, deshalb funktioniert es nur leidlich. Aber beim Versuch, den Helden an seine Grenzen zu treiben, musste dieser Schritt wohl irgendwann unternommen werden. So viel sei vorweggenommen: Man hätte aus all diesen Ideen mehr machen können.

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