Joker

Joker: Verjüngt mit 75

David Ayer/Twitter

David Ayer/Twitter

Das ist er: Der neue Joker. Gut gehalten hat er sich für seine 75 Jahre. Aber ein bisschen schräger ist er geworden. Tätowiert, silberne Zähne, kurze Haare. Der Mund? Nun, er wirkt immer noch übergroß, aber nicht mehr entstellt. So sieht jedenfalls Regisseur David Ayer Batmans größten Widersacher, so stellt ihn Jared Leto im kommenden Suicide Squad-Film (2016) dar. Es war klar, dass sich eine Performance wie sie Heath Ledger in The Dark Knight gebracht hat, nicht wiederholen ließe, ohne es wie einen bemühten Abklatsch wirken zu lassen. Daher versucht Ayer einen anderen Ansatz. Mit den vielen Tattoos hat er allerdings den Bogen überspannt: Lauter „Hahahas“ auf dem Körper und „damaged“ auf der Stirn sind nicht gerade Ausdruck von Subtilität. Auch erschließt sich der Mehrwert nicht, dem Joker ein breites Grinsen und einen Totenkopf-Narren auf den Köprer zu zeichnen …

Einen tätowierten Joker hat die Comicgemeinde bereits in Frank Millers umstrittenen All-Star Batman gesehen. Die kurzen Haare gab es schon mal in Batman Beyond: Return of the Joker und in Endgame, der jüngsten Snyder-Capullo-Story trägt er sie wieder. Dieser Joker wirkt trotzdem anders, gewöhnungsbedürftig und verstörend – aber das ist schon immer Programm bei dieser Figur. Insofern reiht sich diese Inkarnation gut in die Tradition ein. Dass Jared Leto ein fähiger Darsteller ist, der seine Sache gut machen wird, steht zweifellos fest. Hoffentlich wird er nur nicht zu überdreht, denn man kann es mit dem Irrsinn auch übertreiben. Dieser Marilyn-Manson-Joker wirkt jedenfalls comichafter als Ledgers dunkler Clown mit entstelltem Gesicht. Ich habe meine Zweifel, ob ein Schurkenfilm funktioniert, wenn es zuvor keine Helden gegeben hat. Vor allem aber muss dieser Joker ein würdiger Gegner für den kommenden Batman sein. Der Erwartungsdruck ist hoch.

Der Joker ist 75 Jahre alt geworden – und wie Batman hat er nichts von seiner Faszination eingebüßt. DC hat schon im vergangenen Jahr eine 400-Seiten-Anthologie seiner besten Storys herausgegeben: A Celebration of 75 Years. In einem kleinen Film wurden die angeblich besten Momente der Joker-Comicgeschichte zusammengetragen:

Hier ist meine Bestenliste:

1. Mad Love: Keine Story ist dynamischer, witziger und pfiffiger als diese. Joker ist besessen vom perfekten Mord an Batman, doch Harley Quinn gelingt die Tat. Ein Meisterwerk im Animated-Stil.

2. The Dark Knight Returns: Ein alter Batman tut, was er schon längst hätte tun sollen: Er tötet den Joker. Im Liebestunnel. Wie romantisch. Wie passend.

3. Arkham Asylum: Der Joker führt Batman durch das Arkham Asylum. Nie hat der Schurke drastischer und schrecklicher ausgesehen als hier.

4. Joker: Der Joker wird aus Arkham entlassen und zieht eine blutige Spur hinter sich her. Furchtbar, grausam, sinnlos. Der Joker ist eine Krankheit – dagegen hilft nur Batman. Großartig auf seine eigene Weise.

5. Arkham Asylum: Madness: In gewisser Weise die Fortsetzung von Arkham Asylum. Der Joker wird in vielen Stilen dargestellt, wodurch er noch irrer und ungreifbarer als sonst wirkt. Und er ist mal wieder der Hofnarr, der die Wahrheit spricht und den Menschen den Spiegel vorhält. Achtung: Batman-Story ohne Batman.

6. The Man Who Laughs: Wie alles begann – modern erzählt. Eine gelungene Adaption der ersten Joker-Story aus Batman #1 (1940).

7. The Killing Joke: Der totzitierte Klassiker. Tolle Zeichnungen, kunstvoll erzählt, einige drastische Momente – aber die tragische Vorgeschichte ist nach Heath Ledgers anonymen Joker nicht mehr zeitgemäß. Manchmal ist es besser, nicht alles zu wissen.

8. Death of the Family: Nachdem sich der Joker das Gesicht hat abschneiden lassen, holt er es sich zurück, tackert es sich wieder an und beginnt seine große Rache an Batman und dessen Familie. Sehr drastisch und düster. Leider verliert sich die ambitionierte und spannend erzählte Story in zu vielen Zitaten.

9. Joker – Devil’s Advocate: Der Joker will sein Porträt auf einer Briefmarke haben. Dann sterben Leute, die an Briefmarken lecken. Joker wird angeklagt – aber er beteuert seine Unschuld. Sehr unterhaltsam.

10. Going Sane: Nach dem Tod von Batman wird Joker wieder normal und fängt ein bürgerliches Leben an. Doch sobald Batman wieder zurück ist, wird der Schurke rückfällig.

FLOP: A Death In the Family: Noch so ein totzitierter Klassiker. Aber zu Unrecht. Der Joker erschlägt Robin II (Jason Todd) mit einer Brechstange. Sehr schlimm. Große Trauer. Doch darüber hinaus ist die Geschichte hanebüchener Mist.

>> Weitere Beiträge zum Thema Joker findet ihr hier.

 

Brutstätte des Wahnsinns

Arkham Asylum : Madness

DC Comics

Titel: Arkham Asylum: Madness

Autor/Zeichner: Sam Kieth

Erschienen: 2010 (One-shot), dt. Panini 2011


„… the people here are actually very sad, and that can happen to any of us …“

„This place is killing me.“

„These very walls are the perfect recipe for madness.“

In diesem Comic hat Batman mal Pause. Stattdessen wird ein Tag in Arkham Asylum aus der Sicht der Angestellten gezeigt. Man erfährt, dass in der Anstalt nur die Insassen die gleichen bleiben, während das Personal verheizt wird. Die Menschen, die dort arbeiten, haben meist keine Wahl, weil sie verschuldet sind und sie ihr Leben notdürftig bestreiten müssen. So nehmen sie die Angst und den Frust in Kauf, den Arkham mit sich bringt: Entweder man stirbt dort oder man kündigt früher. Hier dient eine alte rostige Wanne außerhalb des Geländes, wo die Angestellten ihre Raucherpausen machen, als Insel der Glückseligkeit.

Hauptfigur ist die Krankenschwester Sabine, die den Job durchzieht, um für ihren Sohn zu sorgen. Wegen Personalmangels muss sie nach einer Tagesschicht auch noch eine Nachtschicht übernehmen. Der Antagonist ist, wie kann es anders sein, der Joker höchstselbst. Wir sehen ihn alte Schachteln von antiken Scherzartikeln sammeln. Man kann sich denken, dass er sich dieses Hobby nicht ohne Grund gesucht hat. Denn jede Box erzählt die Geschichte einer Grausamkeit am Personal. Zum Schluss spielt der Joker mal wieder den Narren, der die Heldin mit unbequemen Fragen quält. Gastauftritte gibt es von einem beängstigend-ungeheuerhaften Killer Croc im Wassertank, Poison Ivy, Harley Quinn, Scarecrow und Man-Bat. Und dann ist da noch eine zu langsam gehende Wanduhr, die blutet … – ein Symbol für die Gesamtsituation.

Sam Kieth findet einen ganz eigenen Weg, den Irrsinn zu verbildlichen. Er benutzt verschiedene Zeichen- und Maltechniken sowie Bildstile, vom cartoonhaft Überzeichneten bis zum Hyperrealistischen. Manche Panels sind Gemälde, andere wirken wie skizzenhafte Vorstufen. Die Virtuosität zeigt sich am meisten beim Finale, wenn der Joker in jedem Panel auf eine andere Art dargestellt ist: mal kantig, mal cartoonhaft, stets wie eine Karikatur seiner selbst. Selten war mehr Abwechslung als in diesem Comic. Man kommt nicht umhin, die Optik mit der zu vergleichen, die Dave McKean für Grant Morrisons Arkham-Story gefunden hat. Auch wenn es zuweilen Ähnlichkeiten gibt, bewahrt sich Sam Kieth einen ganz eigenen Zugang zum Thema Irrsinn und schafft es so, eine beklemmende, klaustrophobische Stimmung zu erschaffen. Arkham Madness verdient einen Platz im Regal gleich neben Morrisons Klassiker.

>> Mehr Joker-Comics

>> Mehr über den Joker

Weitere Arkham-Storys:

Entenmörder Bruce Wayne

DC Comics

DC Comics

Titel: Secrets (dt. Geheimnisse)

Autor/Zeichner: Sam Kieth

Erschienen: 2006 (Mini-Serie #1-5, Paperback 2007), dt. Panini 2007 (100% DC)


„Some secrets can destroy … and some can change your life.“ (Batman)

„We both have secrets that eat us up inside — secrets we’ll never share, ones we think are special but are probably worthless crap.“ (Joker)

Der Joker ist frei, entlassen aus Arkham. Er scheint rehabilitiert zu sein, hat ein Buch geschrieben, tritt im Fernsehen auf. (Kommt uns das bekannt vor?) Aber der Schein trügt wie immer: Es ist alles nur Show und Teil eines neuen kranken Spiels mit Leichen – und Batman. Dieses Mal sind die Medien involviert. Der Joker bringt gestellte kompromittierende Bilder in Umlauf, um Batmans Ruf zu ruinieren. Damit die Maschine läuft, erpresst der Joker einen Chefredakteur, der auch ein ehemaliger Freund von Bruce Wayne ist. Jeder hat Geheimnisse. Bruce Wayne plagen Albträume, weil er als Kind einmal aus Versehen eine Ente erschossen hat …

Die Story mag ihre Lücken, ihre Sprünge und Ungereimtheiten haben – aber bei Sam Kieth ist das nebensächlich. Den Autor interessiert vielmehr das Verhältnis zwischen Batman und Joker. Einmal mehr unterzieht er es einer Analyse, wobei er da weitermacht, wo Alan Moore mit The Killing Joke aufgehört hat. Bei Moore stellt Batman fest, dass eines Tages einer der beiden den anderen töten werde. In Secrets sagt der Joker: „They know your secret: That you hate me enough to kill me.“ Außerdem spielt Kieth auf den Witz an, der bei Moore beide zum Lachen gebracht hat, sowie auf das Cover von The Killing Joke.

Leider sind nicht alle Bezüge Reminiszenzen. Dass der Joker eine Frau durch Manipulation zu seiner irren Helferin macht, erinnert zu stark an Harley Quinn. Und zuweilen wirken auch die vielen Dialoge und Selbstanalysen ermüdend, vor allem wenn sie zur Küchenpsychologie neigen: „You know why you really hate me, why you really want to destroy me?“, fragt der Joker. „Because you have to. Because you project everything about yourself that you hate and fear onto me.“ Interessanter wird es, wenn der Joker auf die Medien referiert: „We fight … because the machine demands it.“ Zwar meint er damit die sensationsgeilen Journalisten seiner Welt, aber man kann das auch als Referenz auf die Comic-Branche verstehen. Batman und Joker müssen kämpfen, weil die Leser es so wollen. Comic-Figuren haben es nicht leicht …

Das Wichtigste zum Schluss: Sam Kieths macht seine Schwächen als Erzähler durch seine Stärken als Grafiker wieder wett. Der Mann ist ein wahrer künstlerischer Anarchist, der alle stilistischen Möglichkeiten durchspielt: vom Realismus über den Expressionismus bis zum Surrealismus. Seine Figuren und Bilder sind meistens drastisch, Batmans ein Meter lange Ohren sind genauso übertrieben wie Jokers Grinsen, die Panels schräg, die Gesichter grotesk verzerrt, manchmal kann man nicht erkennen, was dargestellt werden soll. Das macht das Comic für ungeübte oder konservative Leser nicht leicht verdaulich, aber für Formalisten (und Freunde von Dave McKeans Arkham Asylum) dürfte es ein Genuss ein. Secrets ist vielleicht nicht durchgehend ein Lesevergnügen, aber auf jeden Fall ein Hingucker.

>> Batman 2000-2011

Einstürzende Altbauten

DC Comics

DC Comics

Titel: Death by Design (dt. Bauwerke des Todes)

Autor/Zeichner: Chip Kidd/Dave Taylor

Erschienen: 2012 (One-shot), dt. Panini 2013


„This would be the solution. This would be how you solve the problem. The anonymity, the abandonment of self, the escape. It’s kind of brilliant, actually. The form is quite effective …“

Was macht eine gute Batman-Story aus? Eine gute Mischung aus Action, Drama und Nachdenklichkeit, eine gehörige Portion Abgründigkeit, Düsternis und vielleicht auch ein wenig Drastik, am besten noch gut gewürzt mit Humor. Das meiste davon hat Death by Design nicht zu bieten. Zugegeben: Es ist eine dieser ambitionierteren Batman-Storys, man merkt es schon am Zeichenstil. Gefertigt sind die Bilder mit Bunt- und Bleistiften, das sorgt zwar für einen auffälligen, organischen Look – und gerade bei der Darstellung der Bauten ist dieser überwältigend -, aber leider wirken die Figuren oft allzu brav, steif und ausdrucksarm.

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Der unbesiegbare Gegner

batman beyond joker

Humor ist ein ernstes Geschäft.

Titel: Batman Beyond – Return of the Joker (dt. Batman of the Future – Der Joker kommt zurück)

Regie/Drehbuch: Curt Geda/Paul Dini

Erschienen: 2000 (Direct-to-Video)


„It’s funny. I know about all your other major enemies, but you never mentioned him.“ (Terry McGinnis)

„I thought the Joker always wanted to make Batman laugh!“ (Terry McGinnis)

Batman ohne Joker? Das geht gar nicht. Auch wenn die Geschichten von Batman Beyond in ferner Zukunft spielen, auch wenn Bruce Wayne nur noch die graue Eminenz ist, auch wenn ein Jungspund im Kostüm steckt. In der Serie hat es bisher nur die Jokers, eine nichtsnutzige Bande von Chaoten gegeben. Im Batman Beyond-Spielfilm machen Paul Dini und Co. endlich wahr, was niemand für wahrscheinlich gehalten hat: sie bringen den Joker zurück. Während für Fans ein Traum wahr wird, macht die Batman-Familie einen Albtraum durch.

[ACHTUNG SPOILER!]

Denn die Macher fahren für einen angeblichen Kinderfilm schwere Geschütze auf. Der Joker wurde animiert noch nie so skrupellos und gruselig inszeniert, es fließt Blut, es sterben Menschen. Gleich zu Beginn knallt der Joker einen seiner Schergen ab, in einer Rückblende muss er selbst dran glauben. Weil die Szenen für das junge Publikum zu krass waren, wurden sie zunächst zensiert und durch eine mildere Version ersetzt. Die Urfassung findet sich auf der Blu-ray.

batman beyond joker

Es geht also doch: Bruce Wayne lernt das Lachen.

Es geht hart zur Sache: Der Joker foltert Robin (Tim Drake), erfährt dadurch Batmans Geheimidentität, er führt bei Robin eine Gehirnwäsche durch und formt ihn nach seinem Bilde, daraufhin erschießt ihn Robin. Tim Drake ist traumatisiert fürs Leben, zieht sich zurück – und wird dann wieder für die Zwecke des zurückgekehrten Schurken instrumentalisiert. Abgesehen von der schwachen Erklärung für die Wiederkehr des Jokers hat die Story all das Drama, das eine gute Batman-Geschichte ausmacht. Damit reiht sich der Film ein in die großen Batman-Traumata: als der Joker Jason Todd (Robin II) ermordete und Barbara Gordon (Batgirl) verkrüppelte. Bislang waren der (Kinder-)Serie solche grausigen Momente erspart geblieben oder wurden als Illusionen aufgelöst.

Batman Beyond: Joker und Tim Drake

Der Joker foltert Robin.

Doch es bleibt nicht nur beim Sensationsgeheische, es wird auch dem Joker-Mythos eine neue Komponente hinzugefügt: „The real reason you kept coming back was you never got a laugh out of the old man“, sagt Terry McGinnis zum Joker. „Get a clue, clowny! He’s got no sense of humor! He wouldn’t know a good joke if it bit him in the cape… not that you ever had a good joke.“ Der Joker erscheint als lächerliche Figur, deren Tragik darin besteht, sich vergeblich an seinem renitentesten Zuschauer abzuarbeiten. Batman ist sein Fluch. Und so wird der Joker zu seinem.

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Quer durch die Personalabteilung

DC Comics

DC Comics

Titel: Knight Terrors (Batman: The Dark Knight Vol. 1) (dt. Das Höllenserum)

Autor/Zeichner: David Finch/David Finch, Paul Jenkins

Erschienen: 2011/2012 (Batman: The Dark Knight #1-9)


„Du bist der Vater deiner Angst.“ (Batman)

Man darf sich ruhig fragen, wie sinnvoll es ist, eine neue Batman-Serie zu starten kurz bevor man alle Serien wieder von vorn beginnen lässt. So folgt nach Batman: The Dark Knight #5 wieder eine #1. Aber vergleicht man die beiden Stories, wirkt es so, als gäbe es keinen Unterschied bis auf das Logo auf Batmans Brust, das nicht mehr gelb leuchtet (wie blöd ist das denn?), sondern nur noch klassisch schwarz auf grau daherkommt. Erinnern wir uns: Zu Beginn von Golden Dawn war Killer Croc auf einem Venom-Verschnitt drauf. Spielte keine große Rolle, denn es ging eigentlich um Übersinnliches. Nach dem Neustart wird das Drogen-Thema wieder aufgegriffen, als hätte es nie ein Reboot gegeben macht Autor David Finch weiter, wo er aufgehört hat. Ein Unbekannter hat die Arkham-Insassen mit dem Gift vollgepumpt, daher ist in der Anstalt mal wieder die Hölle los, großer Aufstand etc.

Two-Face sieht aus wie Bane, furchtlos und kommt sich erleuchtet vor. „Furcht verhindert, dass wir wirklich leben“, sagt er, während er Batman vermöbelt. Und damit ist nicht nur das eigentliche Thema der Geschichte benannt, sondern auch einer der beiden Schurken, die für das Ganze verantwortlich sind: Scarecrow. Er analysiert Batman noch weiter als er es ohnehin mit sich selbst tut: „Dein Heldentum soll dich vor der Angst schützen“, sagt er. „Leben zu retten ist deine Sucht.“

Superman: Ein faschistoider Kontrollfreak

Die Story ist geradlinig und schlicht: Über sieben Ausgaben hinweg lassen die Autoren Batman einmal durch die Personalabteilung laufen: Neben Two-Face und Scarecrow treten Joker, Clayface, Poison Ivy und Bane auf, dazu eine leichtbekleidete Frau namens White Rabbit, die sicher nicht zufällig an ein Playboy-Bunny erinnert. Als wäre das nicht genug, schauen auch mal Flash, Wonder Woman und Superman vorbei, allerdings ohne für die Handlung von großem Nutzen zu sein. Flash ist gerade mal ein paar Panels lang dabei, da ist er schon vergiftet und muss wie blöde ein paar Mal um die Erde laufen, damit er das überlebt. Dann gibt es noch einen kurzen Kampf zwischen Batman und Superman – und jetzt dürfen die Leser mal raten, wer gewinnt. Immerhin darf Batman dem Stählernen mal die Meinung geigen: „Du bist ein in die US-Flagge gehüllter Außenseiter. Ein faschistoider Kontrollfreak.“

Zu den Stärken gehören die Sequenzen, die Gordon gewidmet sind. Der muss sich mit einem internen Ermittler rumschlagen, der ihm auf die Pelle rückt (übrigens auch ein Element aus Golden Dawn). Dass sich Batman in den Konflikt einmischt, macht es nicht besser. Gordon ist mal wieder der einsame Wolf, der seinen Frust im Schnaps ertränkt. Immerhin das hat Potenzial für weitere Konflikte – im Gegensatz zu dem bemühten Flirt zwischen Bruce Wayne und einer Frau namens Jaina Hudson …

Die Auflösung der Geschichte dürfte keinen vom Hocker hauen. Bleibt nur die Frage, was diese White Rabbit-Braut soll. Aber wenn man sie so sieht, in ihrem knappen Kostüm, das mehr zeigt, als es verbirgt, dann erübrigt sich die Frage. Hier geht es um reine Schauwerte. Leider überzeugen David Finchs Zeichnungen nicht durchgehend, besonders bei der Mimik versagen seine ansonsten soliden Fähigkeiten. Auch wenn der Auftakt der Serie eher durchschnittlich geraten ist und es an Phantasie vermissen lässt, liest sich The Dark Knight unterhaltsamer als Detective Comics.

>> Batman 2011-2019

Der Mythos ist Teil des Konzepts

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Titel: Legends of the Dark Knight (dt. Die Legende lebt)

Regie/Drehbuch: Dan Riba/Robert Goodman, Bruce Timm

Erschienen: 1998 (The New Batman Adventures S01E19)


„Die Geschichte ist doch faul.“

Wer oder was ist Batman? Ein Mensch oder ein Flugsaurier? Ist er etwa schon alt und ist Robin ein Mädchen? Mit diesen Fragen setzt sich Legends of the Dark Knight auseinander. In dieser Episode der New Batman Adventures diskutieren drei Kinder über Batman. Zwei von ihnen erzählen eine Geschichte, die sie über Batman gehört haben: Eine entspricht im Stil dem farbenfrohen Golden Age, in dem Batman und Robin noch lächelnd eine Spaßmacher-Version des Jokers mit spielerischer Leichtigkeit in einem Setting von überdimensionalen Musikinstrumenten bekämpfen. Die andere ist eine Dystopie, in der Batman mit einem Panzer gegen die Mutantenbande vorgeht und sich dann in einem Schlammloch mit ihrem Anführer prügelt. Diese Szene stammt aus Frank Millers The Dark Knight Returns – sogar die Sprüche sind aus dem Comic übernommen. Am Ende werden die Kinder mit dem Batman ihrer Gegenwart konfrontiert, der Firefly zur Strecke bringt.

Diese Hommage an die vielen Batman-Inkarnationen zeigt nicht nur, dass jeder eine andere Vorstellung von diesem Helden hat und sich seine Lieblingsversion aus einer langen Tradition aussuchen kann, sondern auch, dass zum Konzept des Dunklen Ritters auch die Mythenbildung gehört. Batman ist ein Mysterium – und als solches profitiert er auch davon, dass die Leute ihn nicht kennen, sodass sie ihn entweder bewundern oder fürchten. Geschichten verselbständigen sich zu Legenden, das Konzept Batman wächst über Maske, Kostüm und Logo hinaus. Auch als Pop-Ikone ist Batman keine feste Größe, sondern der Mode (und auch dem Markt) unterworfen, er macht viele Veränderungen durch, wird immer wieder neu erfunden und der Zeit angepasst. Diese bescheidene Serien-Episode macht das deutlicher als alle bisherigen. Man muss den Machern der Serie hoch anrechnen, dass sie sich auch immer wieder selbstreflexiv mit ihrem Helden auseinandergesetzt haben.

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>> Liste der Batman: The Animated Series-Episoden

Angriff der Langeweile

Warner Home Video

Warner Home Video

Titel: Batman: Assault on Arkham

Regie/Drehbuch: Jay Oliva, Alan Spaulding/Heath Corson

Erschienen: 2014


Bei dem Erfolg der Arkham-Games lag es nahe, einen darauf basierenden Film zu machen. Anders ist nicht zu erklären, warum es Assault on Arkham gibt. Denn eine leitende Idee hat der Animationsfilm nicht. Die Story ist simpel: Sechs Superschurken (darunter Harley Quinn und Deadshot) werden dazu verdonnert, in Arkham einzubrechen, um den Stab des Riddlers zu klauen. Darin soll sich irgendein geheimes Dokument befinden. Also zieht die Gruppe, die sich im Original Suicide Squad nennt (und im Deutschen „Himmelfahrtskommando“), los und tut wie geheißen. Natürlich läuft dabei einiges schief …

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Batman goes Dickens

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DC Comics

Titel: Batman Noël

Autor/Zeichner: Lee Bermejo

Erschienen: 2011 (One-shot)


„Here lies a bat. He died boring predictable and nobody loved him.“

Der geizige Misanthrop, der nach dem Besuch dreier Geister an Heiligabend zu einem guten Menschen wird – diese Geschichte dürfte längst toterzählt sein. Auch Batman ist seinen drei Geistern bereits begegnet, allerdings an Halloween (in Haunted Knight). Doch Lee Bermejo, der sich bislang als Talent am Zeichentisch bewährt hat, meinte, in seinem Erstlingswerk als Autor trotzdem sich diesen alten Hut aufsetzen zu müssen. Und siehe da: das Weihnachtswunder ist ihm gelungen!

Wie schon sein Joker-Band ist auch Noel in einem einzigartigen Stil gestaltet: Realistisch, lebensnah, cineastisch. Gotham erstrahlt ausnahmsweise mal hell, ohne wie am Tag zu wirken, alles leuchtet in warmen Farben. Bermejo hat viel Mühe in Details gesteckt. Auch bewegt sich die Geschichte in einem eigenen, nicht-kanonischen Universum: Batmans Anzug wirkt wie eine selbstgenähte Rüstung, selbst das Batmobil sieht anders, aber durchaus schnittig aus, der Joker hat erneut ein Glasgow-Smile.

Ein Psychogramm des Helden

In so einem erfrischend anderem Setting kann Bermejo die altbackene Geschichte spielen lassen, ohne dass etwas davon angestaubt wirkt. Interessanterweise übernimmt nicht ein Schurke wie etwa der Pinguin die Rolle von Scrooge, sondern Batman. Er ist der hartherzige Fanatiker, der einen alleinerziehenden Vater, der sich als Bote für den Joker verdingt, zum Köder macht und dabei Vater und Sohn gefährdet. Batman ist aber auch einer, der sich selbst ausbeutet, weil er eigentlich mit seiner Husterei krank im Bett liegen sollte, statt auf Jokerjagd zu gehen. Der Vorteil von Noel ist, dass die Story keine Geister im eigentlichen Sinne auftreten lässt, sondern Batman drei bekannten Personen begegnet, die ihn zum Nachdenken bringen: Catwoman, Superman und Joker. Von Geistern spricht lediglich der Erzähler, es handelt sich also um eine Allegorie. Jedoch ist dieser Erzähler so skeptisch und distanziert zu seiner Geschichte, dass auch das darin liegende Pathos ironisch gebrochen wird.

In gewisser Weise kann man Noel auch als zweiten Teil oder Gegenstück zu Bermejos Joker lesen. Während letzteres ein Psychogramm des Schurken ist, ist ersteres eines des Helden. „I guess he’s a necessary evil“, sagt ein Polizist über Batman. Der Held erscheint in einem zweifelhaften Licht. Verständnis zeigt der Erzähler, für ihn ist Batman ein Opfer seines Kampfes geworden:

„He had pretty much resigned himself to the fact that life is a never-ending battle. The darkness of the world had forced him into the shadows, and the only way to combat the monsters was to become one himself. (…) Sometimes, when you work in the dirt, it gets tough after a while to clean yourself off. You get used to the filth. You even start to feel comfortable in it. Then you wake up one day and wonder why everyone else thinks you’re dirty.“

Zum Schluss kommt die Erkenntnis auf dem Friedhof: Lebendig begraben, von einer Schreckensvision geplagt, erkennt Scrooge-Batman, dass wenn er so weitermacht, er nur Schmerzen hinterlassen wird. Also rafft er sich auf und bringt die Dinge wieder in Ordnung.

Wie bei Charles Dickens ist auch Noel eine klassisch-humanistische Weihnachtsgeschichte mit der Prämisse, dass Menschen sich zum Guten ändern können. Daher gibt es auch das typisch romantische Ende, das man aus unzähligen amerikanischen Filmen kennt, wo alles zu Weihnachten nicht nur besser sondern am besten wird. Aber hier passt alles wunderbar zusammen: der Schrecken und die Erleichterung, die Gewalt und die Erlösung. Verblüffenderweise erzählt Lee Bermejo eine alte Geschichte wie zum ersten Mal.

>> Batman zu Weihnachten

Joker in „The Dark Knight“: Spielkamerad ohne Regeln

The Dark Knight

Titel: The Dark Knight

Regie/Drehbuch: Christopher Nolan/Jonathan Nolan, Christopher Nolan

Erschienen: 2008


„I believe whatever doesn’t kill you, simply makes you … stranger.“ (Joker)

In keiner Filmszene hat man Batman je verzweifelter gesehen, als in diesem Verhörzimmer. Er schlägt den Joker, schreit ihn an, er foltert ihn, er droht ihm sogar, seine einzige Regel zu brechen, um herauszubekommen, wohin der Joker Harvey Dent und Rachel Dawes bringen ließ – aber es nützt nichts. „You have nothing, nothing to threaten me with!“, sagt der Joker belustigt. „Nothing to do with all your strength!“ Schließlich verrät der Gegenspieler Batman die Adressen, als Akt der Gnade. Es ist gerade noch rechtzeitig – jedenfalls für eine der Figuren.

„You complete me“

Die Handlung von The Dark Knight ist ein perfides Spiel. Vielleicht das perfideste, das der Joker je gespielt hat. Denn es gibt keine Regeln, es gibt keinen Plan, der Joker hat so viele Steine ins Rollen gebracht, dass Batman gar nicht hinterherkommt, jedem einzelnen nachzujagen, ja sogar unter der Lawine unterzugehen droht. Das Problem daran ist, dass die Schuld auf Batman ruht. Er wird verantwortlich gemacht, dass der Joker Menschen tötet, dass es einen Joker überhaupt gibt. Der Schurke setzt sich selbst als Gegenstück zum Helden, sie bedingen sich gegenseitig: „I don’t, I don’t want to kill you!“, beteuert der Joker. „What would I do without you? Go back to ripping off mob dealers? No, no, NO! No. You… you… complete me.“ Später bekräftigt er das, indem er sich und Batman als Spielkameraden darstellt: „I won’t kill you because you’re just too much fun. I think you and I are destined to do this forever.“

Dennoch geht es bei diesem Spiel um mehr als bloß Spaß. Dem Joker will einen Kontrapunkt setzen, indem er das System aus Moral und Gesetz einerseits und Geld und Korruption andererseits in Frage stellt. „It’s not about money … its about sending a message.“ Der Joker verbrennt einen Berg voller Geld, er geht mit gutem Beispiel voran, er nimmt die Rolle eines Lehrers ein. Nicht von ungefähr stellt er sich – wie in einem Klassenzimmer – an den Kopf des Tisches bei der Gangster-Versammlung, nicht von ungefähr flieht er zwei Mal in einem Schulbus. Seine Lehre:

„You see, their morals, their code, it’s a bad joke. Dropped at the first sign of trouble. They’re only as good as the world allows them to be. I’ll show you. When the chips are down, these … these civilized people, they’ll eat each other. See, I’m not a monster. I’m just ahead of the curve.“

Der Joker ist seiner Zeit voraus, er ist die Kehrseite der Gesellschaft, die Fratze der Anarchie. In Bezug auf Harvey Dent, den er als Instrument des Wahnsinns missbraucht, macht er deutlich, wie einfach diese Seite in anderen hervorzubringen ist: „You see, madness, as you know, is like gravity. All it takes is a little push!“ Der Joker macht nur wenig, er lässt machen. Er nimmt sich die Schwachen, die Armen und die Verrückten vor, um sie zu Mördern oder Mittätern zu instrumentalisieren. Er vertauscht die Rollen von Opfern und Tätern, Polizisten und Schurken. Damit zeigt er Batman, wie leicht die Welt zugrunde gehen kann, die dieser sich zu retten bemüht.

Joker als Niemand

Von daher ist es auch egal, wer der Joker wirklich ist und wie er zu dem geworden ist, der er ist. Es ist vielleicht eine der besten Ideen dieses Films, ihn zu einem Mysterium, einem unergründlichen Phänomen zu machen. Seine Geschichten über seine Narben sind ebenso beliebig wie wahrscheinlich erlogen. Er ist die perfekte Verkörperung des Nihilisten – ein buchstäblicher Niemand. Nur aus einer solchen Position heraus kann er so handeln, wie er es tut. Wer nichts hat – auch keine Identität – kann nichts verlieren. Und das macht ihn so angsteinflößend. Gegen so jemanden kommt niemand an, nicht mal der Outlaw Batman. Dieser kämpft, weil er sehr viel zu verlieren hat, weil er nicht noch mehr verlieren möchte. Er will, dass sein Kampf aufhört und er überflüssig wird, weil die Bewohner Gothams selbst Zivilcourage zeigen. Batman soll nur mit gutem Beispiel vorangehen. Der Joker korrumpiert das Vorhaben. Nicht als einfacher Gangster – sondern als unberechenbare Instanz.

Mit der Inszenierung des Joker geht Christopher Nolan zurück zu den Ursprüngen der Figur. Schon in der ersten Story von 1940 verbreitet der Joker vor allem Angst, indem er Morde ankündigt und sie dann auf eine Weise ausführt, mit der niemand gerechnet hat. Schon damals war der Joker seinen Verfolgern einen Schritt voraus. Sein immerwährendes, falsches Grinsen bildet die Häme ab, mit der er seine Gegner vorführt. Und Nolan profitiert von der Erkenntnis aus Grant Morrisons Arkham Asylum, dass der Joker nicht verrückt ist. Nein, Nolans Joker wirkt zwar irre – in Wirklichkeit hat er aber den größten Durchblick in dieser Geschichte.

Hans Zimmers Main Theme („Why so serious?“), eine verstörende Anti-Musik, die aus einer verzerrten und ins Unterträgliche gesteigerte Note besteht, ist für den Charakter ebenso wichtig wie Heath Ledgers Darstellung und die bewusst schlampige Maske, die auch ein Zerrbild aller früheren (Film-)Joker ist. Zusammen mit einer atemlosen Handlungsabfolge und reichlich bildgewaltiger Action im IMAX-Format hat Christopher Nolan seinem grandiosen Batman Begins noch einen draufgesetzt. Von da an konnte es leider nur noch bergab gehen …

>> Batman-Filme und -Serien


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