Halloween

Bullen am Strick

Batman: Dark Victory

Titel: Dark Victory

Autor/Zeichner: Jeph Loeb/Tim Sale

Erschienen: 1999-2000 (Mini-Serie #0-13)


Seit dem Tod seiner Eltern ist Bruce Wayne allein, seit Harvey Dent zu Two-Face geworden ist (vgl. The Long Halloween), kämpft auch Batman allein gegen das Verbrechen. Das heißt, nicht ganz allein, denn da ist ja immer noch Comissioner Gordon, der gute Polizist. Doch seinesgleichen geht es an den Kragen: Ein Jahr nach dem Ende des Langen Halloween, als der Serienmörder Holiday an Feiertagen Mafiosi erschoss, treibt nun ein weiterer Mörder sein Unwesen. Ein gewisser Hangman knüpft Polizisten und Ex-Polizisten auf – wieder an Feiertagen. Die Rätsel, die der Unbekannte im Stil des Galgenmännchen-Spiels hinterlässt, weisen wieder auf Harvey Dent hin …

Der Nachfolger des Epos The Long Halloween macht es Neueinsteigern nicht leicht. Man muss den ersten Teil gelesen haben, um auch den zweiten zu verstehen, der um einiges komplexer aufgebaut ist. Es gibt sehr viele alte und neue Charaktere, viele Settings und viel Neben-Handlungen wie die Flucht mehrerer Arkham-Insassen und das Familiendrama um die Mafiosi Falcone. Wieder einmal wird hier die Schurken-Parade aus dem ersten Teil aufgefahren. Dennoch behalten Jeph Loeb und Tim Sale ihren selbstgesetzten Qualitäts-Standard bei – und das obwohl sie dieses Mal auch die Entstehungsgeschichte von Robin miteinbauen.

Glücklicherweise ist diese aber auf das Nötigste beschränkt und Robin bekommt eine düstere Erscheinung, der ihn sympathisch und nicht wie sonst nervig erscheinen lässt. Die Engführung von dem jungen Bruce Wayne und Dick Grayson gehört zu den besten Sequenzen des Bandes: Die Szene, in der Grayson das Schlafzimmer der Waynes betritt, wird gespiegelt mit einer Rückblende, in der der junge Bruce sich fast genauso verhält. Das mag vielleicht etwas dick aufgetragen sein, formal gelungen ist es allemal.

Ebenso bemerkenswert ist das visuelle Konzept der Cover, die immer einen andere Figur (meistens Schurken) eingefärbt vor einem schwarzen Hintergrund zeigen. Die letzte Seite der Kapitel zeigt jeweils Jim Gordon vor einer Pinnwand, auf der immer andere Beweismittel zu sehen sind. Das hat den Effekt, dass der Leser so zum Co-Ermittler wird. Allerdings ist es nicht leicht zu erraten, wer der Mörder ist. Doch darum geht es sowieso nicht primär, sondern wie immer um Bruce Wayne, seine Sorgen und Ängste. Diesen Charakter definiert das Dream-Team Loeb/Sale als einen einsamen Rächer, der eigentlich nur Freunde und Mitstreiter sucht.

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Das Überschreiten der Grenze

Batman: The Long Halloween

Titel: The Long Halloween (dt. Das lange Halloween)

Autor/Zeichner: Jeph Loeb/Tim Sale

Erschienen: 1996-1997 (Mini-Serie #1-13)


„Two shots to the head. You ask me, it couldn’t have happened to a nicer guy.“ (Harvey Dent)

Stehen drei Männer auf dem Dach des Polizeipräsidium: Gordon, Dent und Batman. Sie sind sich einig über ihr Ziel, sie wollen die Mafia bekämpfen, sie schmieden einen Pakt, dass sie dabei eine bestimmte Grenze nicht überschreiten. Dem Staatsanwalt und dem Vigilanten scheint die Übereinkunft schwer zu fallen. Und kurz darauf beginnt eine Mordserie an der Mafia, ein Jahr lang schlägt der Unbekannte an Feiertagen zu – das lange Halloween. Jeder der drei könnte der Täter sein …

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Heimsuchungen an Halloween

Batman: Haunted Knight

Titel: Haunted Knight (dt. Nacht des Schreckens; Einzelausgaben: Halloween in Gotham City, Irrsinn, Geister)

Autor/Zeichner: Jeph Loeb/Tim Sale

Erschienen: 1993/1994/1995 (Legends of the Dark Knight Halloween Specials), Paperback 1996


„It’s just the thing for a rainy day …“ (Martha Wayne)

Bevor Jeph Loeb und Tim Sale ihr 13-teiliges Epos The Long Halloween schufen und damit zum Batman-Dream-Team der 90er wurden, verdienten sie sich mit drei Halloween-Specials für Legends of the Dark Knight ihre Sporen: Fears, Madness und Ghosts. Gesammelt bilden sie den Band Haunted Knight. Schon hier beweisen sie sich als Meister des sequentiellen Erzählens: Stimmungsvolle Spiele mit Licht und Schatten wie beim Film Noir (wobei der Schatten überwiegt), dynamische Figuren, dramatische Splashpages zum Einrahmen, Anleihen beim Surrealismus. Hoffnungslos verloren wirkt Batman, wenn er im Sturz von Krähen angegriffen wird, wenn in einem schier endlosen Irrgarten seine Kräfte versagen oder angeschossen in Pieta-Stellung in der Gosse liegt.

Im Zentrum stehen nicht die Kämpfe gegen die Schurken Scarecrow, Mad Hatter und Pinguin. Sie bilden nur die Anlässe für Batmans eigene Vergangenheitsbewältigung. Loeb und Sale zeigen einen persönlichen und verletzlichen jungen Helden, der noch am Anfang steht und sich den Dämonen stellen muss, die ihn seit der Kindheit plagen. Besonders deutlich wird das in der dritten Erzählung, die Dickens Weihnachtsgeschichte an den Abend vor Halloween verlegt: Drei Geister suchen Bruce Wayne auf (in der Gestalt von Poison Ivy, Joker und dem Tod) und führen ihm vor Augen, dass er sich nicht damit begnügen kann, sich hinter der Maske von Batman zu verstecken, sondern auch ein Leben als Bruce Wayne braucht – und als dieser angewiesen auf Gesellschaft ist. So sehen wir nicht nur Episoden aus Bruce Waynes Kindheit und seiner Vorliebe für Zorro und Perlen, sondern auch als Erwachsenen in intimen Situationen, wenn er etwa wie ein Junge am Fenster hockt und Alice im Wunderland liest oder Süßigkeiten an Kinder verteilt.

Seit Frank Miller hat niemand Batman so eindrucksvoll inszeniert wie Loeb und Sale. Dieses Buch gehört in jede Sammlung von Freunden wahrer Comic-Kunst. Es ist die perfekte Lektüre für regnerische (Herbst-)Tage.