Joker

The Killing Joke: Preview in deutschen Kinos

Joker im Kino

Joker im Kino

Bevor die Filmadaption von Batman: The Killing Joke auf DVD und Blu-ray erscheint (4. August 2016), wird es nur am 29. Juli Previews in einigen deutschen Kinos geben. Welche Kinos in welchen Städten dabei sind, kann man auf der Facebook-Seite des Events oder bei Cinemaxx sehen. In Frankfurt am Main werden sowohl die deutsche als auch die englische Originalversion gezeigt.

Der Comic The Killing Joke (1988), geschrieben von Alan Moore und gezeichnet von Brian Bolland, ist ein Batman-Klassiker. Erzählt wird darin die Entstehungsgeschichte des Jokers und wie der Schurke Barbara Gordon (alias Batgirl) anschießt und ihren Vater, den Commissioner James Gordon, in den Wahnsinn zu treiben versucht. In der Originalfassung der Zeichentrick-Adaption sprechen die Hauptrollen Kevin Conroy (Batman) und Mark Hamill (Joker), beides Veteranen der Animated Series aus den 90er Jahren. Das Drehbuch stammt von Brian Azzarello (Broken City, Flashpoint, Batman Europa, Dark Knight III). Weltpremiere feiert der Film am 22. Juli bei der San Diego Comic-Con.

Daddy’s Home

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman & Robin Vol. 3 – Batman & Robin Must Die (dt. Batman und Robin müssen sterben)

Autor/Zeichner: Grant Morrison/Frazer Irving, Cameron Stewart, David Finch

Erschienen: 2010-2011 (Batman & Robin #13-16, Batman: The Return #1), Paperback 2012, dt. Panini 2012 (Paperback)


„I like to think I’m just keeping the costume warm.“ (Dick Grays0n)

„Guess I should have known you wouldn’t just turn up during lunch tomorrow or something normal like that.“ (Dick Grayson)

Das ist er: der Band, in dem Bruce Wayne als Batman zurückkehrt. Endlich. Nach einer langen Interimsphase und einer noch länger anmutenden Rückkehrphase ist Daddy wieder da. Aber nicht so schnell! Zunächst passiert davor noch eine Menge: Nachdem der mysteriöse Detektiv Oberon Sexton sich als Joker geoutet hat, bekommt er zunächst einmal eine Abreibung von Robin verpasst. Mit der Brechstange – als Revanche für Damians Vorgänger, Jason Todd (vgl. Death in the Family). Doch der Joker schafft es, ihn mit seinem Grinsegift zu sedieren und nimmt ihn gefangen.

Inzwischen führt Simon Hurt seinen lang angelegten Plan zum Finale: er lässt in Gotham eine virale Droge von Professor Pyg verbreiten, die Menschen drehen durch. Daraufhin gibt sich Hurt, der gerne Thomas Waynes Fledermauskostüm trägt, vor der Presse als der wiedergekehrten Thomas Wayne aus. Batman und Robin werden gefangengenommen, Batman bekommt eine besondere Kugel in den Kopf geschossen, die ihn erst nach einiger Zeit lähmen wird. Und genau da, im größten Moment der Verzweiflung, kehrt der wahre Batman zurück: Bruce Wayne. Und mit vereinten Kräften … naja, den Rest könnt ihr euch denken. Am Ende verkündet Bruce, dass er große Pläne hat: Batman wird global.

Nicht so raffiniert wie es scheint

Rasant, überladen, chaotisch. Mit diesen drei Worten lässt sich der Abschluss von Grant Morrisons Batman & Robin-Story beschreiben – also wie viele seiner Storys (Batman R.I.P., Final Crisis, The Return of Bruce Wayne). Da mag der ein oder andere gelungene Moment dabei sein, aber ich bin jetzt erstmal froh, endlich mit ihm durch zu sein. Viele halten Morrison für ein Genie, ich finde ihn bloß anstrengend. Man braucht einen langen Atem und sollte nicht zu viel Zeit zwischen den Bänden dieser Mega-Erzählung verstreichen lassen, um hier durchzusteigen. Letztendlich ist das Finale aber nicht annähernd so raffiniert, wie der komplexe Aufbau, der dazu führt.

Bruce Waynes Rückkehr ist natürlich visuell ein Fest, aber etwas atemlos. Es gibt kein Ankommen. Kaum ist er da, muss er nicht nur den Tag retten, sondern verkündet auch seine Pläne für Batman Incorporated und weist jedem Mitglied der Bat-Familie eine Aufgabe zu. Und am Ende, in The Return, wird auch schon der nächste großangelegte Handlungsstrang begonnen: mit Kampfrüstungen, Terroristen im Nahen Osten und Genexperimenten … Keine Zeit zum Durchschnaufen.

Gelungene Zeichnungen

Im dritten Band kann man immerhin das Auge an einigen tollen Zeichnungen erfreuen: allen voran an Frazer Irvings stimmungsvolle Seiten, aber auch Cameron Stewart und David Finch leisten solide Arbeit mit ausdrucksstarken Figuren.

Zur Entspannung gibt es am Schluss noch ein Lied zum Thema Heimkehr: „Daddy’s Home“ von Shep & The Limelites. (Findet ihr nicht auch, dass dieses Blog zu wenig Musik enthält?)

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The Killing Joke – ein Comic, viele Versionen

Am 4. August 2016 erscheint die animierte Adaption von The Killing Joke auf DVD und Blu-ray. Jetzt hat DC einen weiteren Auszug aus dem Film veröffentlicht: er zeigt die Eröffnungsszene des Comics. (Im Video oben beginnt der Clip erst bei 3:57.) Mittlerweile hat ein Fan eine überarbeitete Version des Trailers erstellt, die sich stärker an der Optik der Comic-Vorlage orientiert: mehr Schatten wurden hinzugefügt und die Farben lehnen sich an der Original-Kolorierung an (die heutige Comic-Fassung hat weniger grelle Farben).

Hier gibt es einen Bild-für-Bild-Vergleich zwischen Original, dem Trailer und der Neufassung:

Selbstverständlich kommt auch der „Redrawn Trailer“ nicht an das Original heran. Zu detailreich sind dafür Bollands Zeichnungen. Aber dennoch wirkt die Ästhetik des Fan-Trailers viel stärker als das vergleichsweise blasse Original.

Wer es ganz puristisch mag, dem sei Batman Noir: The Killing Joke empfohlen, das im August erscheint und ganz auf Farbe verzichtet. Panini veröffentlicht im September eine Deluxe-Version „in sorgfältiger Neuübersetzung, mit Bonusmaterial und in prächtiger Ausstattung“, so die Verlagsankündigung. Exklusiv bei Amazon werden ab 4. August zwei Sondereditionen verkauft: eine Hardcover-Ausgabe inklusive der Blu-ray des Films und eine Blu-ray mit Joker-Figur.

Damit scheint es von The Killing Joke mehr Versionen zu geben als vom Joker selbst.

Und dann gibt es noch die übliche US-Version des Comics von Alan Moore und Brian Bolland: Ohne Schnickschnack, 64 Seiten lang, beste Unterhaltung in der Originalsprache. In der Regel reicht das, aber ein Bonus würde dem Werk gut tun, nämlich ein Reprint seiner Vorlage „The Man Behind the Red Hood“ (Detective Comics #168, 1951). Auf so eine Ausgabe wird man wohl noch warten müssen.

Inspiration im Eskapismus

Vertigo

Vertigo

Titel: Dark Night – A True Batman Story

Autor/Zeichner: Paul Dini/Eduardo Risso

Erschienen: 2016 (One-shot)


„This is not the kind of story I’m known for (…)“ (Paul Dini)

„The feel-good story of the year!“ (Joker)

Ein Mann läuft nachts die Straße lang. Da kommen zwei finstere Gestalten auf ihn zu. Sofort wird klar, dass sie nichts Gutes im Sinn haben: Der eine hält den Mann fest, der andere schlägt dem Opfer ins Gesicht. Plötzlich taucht Batman auf, die beiden Angreifer erschrecken und laufen weg, steigen ins Auto und fahren los. Doch mit einem Sprung tritt Batman ihre Windschutzscheibe ein, greift sich die beiden und jagt ihnen einen Schrecken ein, den sie nie vergessen werden. Ende der Geschichte.

Doch das ist nicht die Geschichte, die hier erzählt wird. In dieser Geschichte fehlt der Dunkle Ritter wie das K in Dark Knight, daher ist es nur eine „Dark Night“, die der Held erlebt: Ein einfacher Mann wird grundlos zusammengeschlagen, ein Teil seines Schädels zertrümmert, er wird ausgeraubt, schließlich wird ihm der Tod angedroht. Niemand kommt zur Hilfe und obwohl die Angreifer herumschreien, ruft keiner die Polizei. Und als die Ordnungshüter kommen, nehmen sie weder großen Anteil noch geben sie sich viel Mühe, den Fall aufzulösen.

Sinnkrise eines Autors

Passiert ist diese Geschichte Paul Dini im Jahr 1993. Dini hat damals Karriere als Autor für Batman: The Animated Series gemacht und war gerade dabei, am Drehbuch für den animierten Kinofilm Mask of the Phantasm (dt. Batman und das Phantom) mitzuschreiben. In Dark Night erzählt er erstmals von dem Vorfall und der Sinnkrise, in die er gestürzt ist. Erfolgreich, aber einsam, begann er zu trinken und sich zu isolieren. Seine Arbeit litt: „Somehow writing about Batman seems real pointless right now“, sagt er einmal. Das Besondere: Im Comic trägt er diesen Konflikt im Dialog mit den Figuren aus, mit denen er hadert, nämlich mit Batman, Joker und anderen Schurken, die ihm als imaginäre Gesprächspartner erscheinen.

Vor allem Batman, sonst der Retter in Not, auf den Verlass zu sein scheint, hat ihm nicht helfen können – nicht einmal als Vorbild: „You are the unrealistic, unattainable extension of a child’s power fantasy“, sagt Dini zu seinem Jugendhelden, während er dabei ist, sich eine Waffe zu kaufen. Batman und die Schurken gehen hart mit ihm ins Gericht, sie werfen ihm vor, er verschwende sein Leben. Schließlich bekommt Dini seine Motivation durch das Gespräch mit einem Fan zurück, der dem Autor seine Bedeutung und sein Glück verdeutlicht.

Batmans Daseinsberechtigung

Paul Dini erzählt die Story als er selbst, indem er Storyboard-Zeichnungen vor laufender Kamera anheftet. (Wozu es die Kamera als zusätzliche vermittelnde Instanz braucht, bleibt allerdings unklar.) Er beginnt in seiner Jugend, die er als „unsichtbares Kind“ erlebt hat und mit der Flucht in Fantasiewelten überstanden hat. Später wird für ihn als Cartoon-Autor ein Nerd-Traum war, doch seine Wohnung ist eine Festung der Einsamkeit, mit den Frauen klappt es nicht. Sein Date ist bloß eine tussige Schauspielerin, die darauf hofft, über ihn an Steven Spielberg heranzukommen. Trotzdem macht Dini sich Illusionen, eine Chance bei ihr zu haben – auch wenn eine Beziehung nie klappen würde.

Dinis Selbstoffenbarung gleicht einem Gang zum Psychiater. Doch Dinis Autobiografie geht über reine Schreibtherapie weit hinaus. Es ist nicht nur eine ungeschönte (und sogar zum Teil sehr witzige) Selbstanalyse, sondern auch eine Kritik an dem Konzept von Batman, Superhelden und der Daseinsberechtigung von Fiktion. Damit wird Dark Night zum Batman-Pendant des Superman-Comic-Essays It’s A Bird (2004),  indem es ebenfalls um einen Autor in einer Lebens- und Sinnkrise geht, der einen Superhelden hinterfragt. Paul Dini kombiniert geschickt Fakt und Fiktion, lässt neben Batman nahezu alle klassischen Schurken charakterecht zu Wort kommen. Der vermeintliche Eskapismus in Comic- bzw. Cartoonwelten wird zum Spiegel der Seele. Fiktion wird zur Inspiration und Motivation fürs wahre Leben.

Schon jetzt ein Klassiker

Zeichner Eduardo Risso (Broken City/Kaputte Stadt, Batman: Flashpoint) inszeniert die Story in drei Stilen: Meist mit Pinsel koloriert, aber bei der Schlüsselszene wechselt er zu einem Noir-Stil mit harten Kontrasten und flächigen Farben, ähnlich wie Tim Sale vor ihm in The Long Halloween. Auch wenn die Batman-Storys imaginiert werden, kommt seine typische Methode zum Einsatz. Immer wieder gibt es auch cartoonhafte Sequenzen, etwa als Dini seine Situation mit dem des Kojoten aus Roadrunner vergleicht. Dieser Abwechslungsreichtum macht den Comic auch visuell interessant, auch wenn nicht jedes Panel gelungen ist (etwa wie die unförmige Poison Ivy auf Seite 86).

Dark Night: A True Batman Story hat zwar nicht den Anspruch, Dinis gesamte Lebensgeschichte zu erzählen, und ist auch kein ausführliches Making-of der legendären Zeichentrickserie, dennoch steckt genug darin, um über fast 130 Seiten bestens zu unterhalten und mitzufühlen zu lassen. Gerade diese Konzentration auf den Charakter des Helden und den Überfall und seine Folgen macht die Stärke der Story aus.

Im Grunde ist es eine typische (amerikanische) Heldenstory: Aufstieg des Außenseiters, plötzlicher Absturz und Wiederauferstehung. Batman braucht es dazu eigentlich nicht. So wie wahre Helden keine Superkräfte brauchen. Aber es ist gut, dass auch viel Batman in dieser Geschichte steckt. Denn so hat Dini nebenbei einen Kunstgriff gefunden, wie man nicht nur eine glaubwürdige, sondern eine wahre Batman-Geschichte erzählen kann: indem man Batman einfach die Wahrheit sagen lässt.

Dark Night ist nicht nur der Batman-Comic des Jahres – er wird auch bestimmt ein Klassiker wie Dinis Mad Love werden. Die Resonanz ist bereits kurz nach dem Erscheinen überwältigend.

>> Batman 2011-2019

Der erste Tod des Wunderknaben

DC Comics

DC Comics

Titel: Dark Knight Returns – The Last Crusade

Autor/Zeichner: Frank Miller, Brian Azzarello/John Romita Jr.

Erschienen: 2016 (One-shot)


„What kind of lifestyle is that to a child? And what’s that say about the man behind it?“

Prequels sind verdächtig. Eine nachgeschobene Vorgeschichte? Das ist ein Widerspruch in sich. Ein Prequel wirkt immer plump, verursacht Unstimmigkeiten und ist auch langweilig, weil man weiß, worauf es hinausläuft. Es ist nichts als Beiwerk, eine unnötige Zugabe, die so tut, als wäre sie die Ouvertüre. Gibt es auch nur ein Prequel, das wirklich nötig gewesen wäre? Abgesehen von Origins fällt mir keines ein. Man kann bei einem Prequel eigentlich nur froh sein, wenn es halbwegs glückt und nicht das Original ruiniert.

The Dark Knight Returns ist so ein Original, das nicht nur in der Batman-Geschichte wie ein Monolith dasteht, sondern auch einen Comic-Meilenstein bildet. Es gibt nichts daran auszusetzen, es ist ein unantastbarer Klassiker, der bis heute nachwirkt (wie etwa in Batman v Superman). 15 Jahre lang kam Frank Millers Batman ohne Fortsetzung aus, dann kam der unsägliche zweite Teil, The Dark Knight Strikes Again, der keine der Qualitäten seines Vorgängers hatte. Weitere fast 15 Jahre später begann man mit DK III, und es zeichnet sich schon nach der Hälfte ab, das man auch diesen Teil sich hätte sparen können.

Jason stirbt nochmal

Mitten hinein in das Erscheinen dieser Mini-Serie (nach vier Monaten Verspätung) bringen Frank Miller und Brian Azzarello The Last Crusade, ein Prequel, das zwei Fragen beantwortet, die eigentlich eine ist: Wie ist es dazu gekommen, dass Bruce Wayne aufgehört hat, Batman zu sein? Und: Wie ist Robin Jason Todd (zum ersten Mal) gestorben? Zwei Fragen, die man nicht unbedingt hätte beantworten müssen. The Dark Knight Returns war auch so klar genug. Aber gut, nun ist der Comic nun mal da – warum auch immer.

Das Problem daran ist: Die Comicleser sind bereits Zeuge von Jasons Tod geworden. Nicht lange nach Miller haben die Fans ihn in der regulären Continuity (A Death in the Family) sterben lassen, nachdem der Joker ihn mit einem Brecheisen verdroschen hat. Um nicht eine zu ähnliche Story zu erzählen, konzentrieren sich die Autoren in Last Crusade auf Introspektion als auf einen ausgeklügelten Plot, der auf das bekannte Ende aus ist.

Handlung ist Nebensache

Bruce Wayne wird allmählich zu alt für den Job als Batman, er macht Fehler und kann nicht mehr mithalten. Trost sucht er im Bett von Selina Kyle (Catwoman). Während seiner Einsätze sieht er dabei zu, wie Jason immer skrupelloser wird und sogar eine blutrünstige Freude versprüht. Kurz gesagt: Robin wird so brutal und zynisch wie der Joker. Der Schurke wird zu Beginn des Comics in Arkham eingeliefert und bricht nach einigen Grausamkeiten mithilfe der übrigen Insassen, die er gegen die Wärter aufwiegelt, wieder aus. Währenddessen geht Batman einem Fall nach, aber der ist irrelevant, die Figuren austauschbar. Nach zwei Prügeleien mit Killer Croc und einer Rauferei mit Poison Ivy ist Bruce am Ende zu fertig, um nach dem Joker zu suchen. Also bricht Jason heimlich alleine auf. Doch er kommt nicht weit: Noch bevor er den Joker erreicht, wird er von dessen Handlangern erschlagen. Zum Schluss wird angedeutet, dass der Joker ihm den Rest geben wird: „Oh, the fun we’re going to have, little boy … the fun.“

Dass es bei dieser Andeutung bleibt, ist sowohl der stärkste als auch der schwächste Aspekt an Last Crusade. Denn das, was erzählt werden soll, wird nicht erzählt. Einerseits unbefriedigend, andererseits hat man es schon ähnlich gesehen – und kann in diesem Fall auch auf die Details verzichten. In diesem unauflöslichen Widerspruch bleibt die Story stecken. Robins letzter Kreuzzug findet nicht statt. (Und Bruce hat noch einige vor sich.) Und damit beraubt sich dieser Comic seiner Daseinsberechtigung.

Robins als Kanonenfutter

Seltsam ist auch, dass Bruce zwar – wie so oft bei Miller – viel grübelt und sich bei Selina und Alfred ausspricht, aber nie Jason für seine zweifelhaften Aktionen kritisiert. Kritik kommt von außen: Allein im Fernsehen wird problematisiert, dass Batman fahrlässig handelt, indem er Robin an seiner Seite kämpfen lässt. Kindesgefährdung wird ihm vorgeworfen. Obwohl Bruce den Beitrag hört, hinterfragt er sein Handeln nicht. Seine einzige Sorge ist, dass Robin noch nicht so weit ist, sein Erbe als Batman anzutreten. Das macht Bruce umso zweifelhafter. Allein sein späterer Ruhestand entschuldigt sein Handeln in gewisser Weise – aber auch dann wiederholt er seinen Fehler mit Carrie Kelley. Bei aller Anteilnahme und Reue: Robins sind für ihn bloß Kanonenfutter („good soldier“).

John Romita Jr., der schon Frank Millers Daredevil: The Man Without Fear gezeichnet hat, orientiert sich optisch stark an seiner Vorlage, auch wenn er den Hintergründen mehr Details gönnt. Ebenso die Farben erinnern stark an The Dark Knight Returns, sind aber differenzierter, was den Panels mehr Tiefe verleiht. Ein besonderes Panel wird davon jedoch nicht in Erinnerung bleiben.

Braucht man also Last Crusade? Nein. Denn leider fügt dieses Comic dem Dark Knight-Epos nichts Nennenswertes hinzu. (Denn was ist einem Meisterwerk schon hinzuzufügen?) Aber es ist wie so oft mit der Kunst: Man braucht sie nicht, aber da sie schon mal da ist, kann man mal einen Blick drauf werfen. Es kann nicht schaden. Man verpasst aber auch nichts, wenn man’s lässt.

>>> Eine Vorschau auf das Heft und Variant Cover gibt es hier.

Dark Knight – Last Crusade: Vorschau auf die Vorgeschichte

Wie ist Robin Jason Todd gestorben und warum hat Batman den Dienst quittiert? Am 15. Juni erfahren wir es – in The Dark Knight Returns: The Last Crusade, einem 64-seitigen One-Shot. Frank Miller, Brian Azzarello und Zeichner John Romita Jr. erzählen darin die Vorgeschichte zum Klassiker The Dark Knight Returns. Neben dem Joker werden auch Poison Ivy und Selina Kyle (Catwoman) darin vorkommen. Mehrfach wurde der Erscheinungstermin verschoben, jetzt scheint der Comic endlich Wirklichkeit zu werden.

In einem Interview mit IGN erzählen Miller und Romita nun über die Hintergründe der Story, außerdem bekommt man eine Vorschau auf einige Seiten aus dem Heft. So viel sei verraten: Es geht drastisch zu. Oben kann man einige Variant Cover sehen, von Miller, Jim Lee, Lee Bermejo und Bill Sienkiewicz.

Am 29.6. soll der fünfte Teil der Fortsetzung, Dark Knight III, erscheinen. Was zuletzt geschah, kann man hier nachlesen.

Zombie-Batman greift an

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman and Robin Vol. 2: Batman versus Robin

Autor/Zeichner: Grant Morrison/Cameron Stewart, Andy Clarke

Erschienen: 2010 (Batman & Robin #7-12), Paperback 2010; dt. Panini 2011 (Paperback)


„Being Robin is the best thing I’ve ever done, mother.“ (Damian Wayne)

Batman-Stellvertreter Dick Grayson hat die letzte (die allerletzte?) Lazarusgrube in England aufgespürt und versucht, den Leichnam seines Mentors Bruce Wayne wiederzubeleben. Leider geht das schief. Weil Darkseid die Leiche gegen einen seiner missglückten Batman-Klone ausgetauscht hat, taucht ein ziemlich aggressiver Batman-Zombie aus der Grube auf, der aus irgendeinem Grund alles töten will, was ihm in den Weg kommt. Zum Glück ist Batman Grayson nicht allein: mit dabei hat er nicht nur Knight und Squire (Englands Batman und Robin-Abklatsch), sondern auch Batwoman, die zufällig aus einer explodierenden Kiste gesprungen kommt.

Und was ist mit Robin? Der bekommt nach seiner Querschnittslähmung, die ihm der Schurke Flamingo verpasst hat, eine neue, künstliche Wirbelsäule von Mutti Talia verpasst. Obwohl er sich danach schonen muss, kommt es zur Konfrontation mit dem Zombie-Batman, der über Wayne Manor hereinfällt. Mit Batman und Batwoman können sie das Schlimmste abwenden, aber am Ende bleibt die Gewissheit: der wahre Batman ist nicht tot, sondern bloß verschollen in der Zeit.

Fremdgesteuerter Zombie-Robin

Darum geht es im zweiten Teil des Bandes: Batman und Robin untersuchen Wayne Manor nach Hinweisen, die der alte Fuchs Bruce in der Vergangenheit hinterlassen haben könnte. Doch während Dick eine geheime Bathöhle inspiziert, dreht Damian durch und versucht ihn umzubringen. Hier wird klar, dass Talia über die künstliche Wirbelsäule ihren Sohn kontrolliert. Noch schlimmer wird es, als Deathstroke die Fernsteuerung übernimmt. Auf Zombie-Batman folgt also eine Art Zombie-Robin. Und dann kommt auch noch eine Verbrecherbande dazu, die ein Geheimnis in Wayne Manor sucht – im Auftrag des Schurken El Penitente. Ganz zu schweigen von Oberon Sexton, dem vermummten „Gravedigger“, ein mysteriöser Helfer, der sich am Ende als ein Schurke offenbart, mit dem man nicht gerechnet hat.

Mit dem zweiten Band beginnt Batman & Robin Spaß zu machen. Fans bekommen einen Kampf Batman gegen Batman und dann Batman gegen Robin geliefert, Archäologie-Mystery á la Indiana Jones, krachende Action mit Wow-Faktor, auch ein bisschen Familiendrama und noch vieles mehr, wonach man nie gefragt hat. Grant Morrison bleibt sich zwar treu, zu viele Ideen und Figuren in seine Storys zu packen und es seinen Lesern nicht leicht macht, den Überblick zu bewahren, aber wer noch den ersten Band zum Nachschlagen bereit hat, für den ergibt sich langsam das Gesamtbild. Denn obwohl zwei Geschichten erzählt werden, läuft die Rahmenhandlung im Hintergrund immer mit und tritt allmählich in den Vordergrund.

Talia al Ghuls Handeln ist immer noch so unlogisch, wie es Morrison gerade passt: Warum sie sich darüber beklagt, ihren Sohn an Batman verloren zu haben, obwohl sie ihn bei ihm ausgesetzt hat, muss man nicht verstehen. Erst recht nicht, warum sie sich so sehr um Damian bemüht, obwohl sie bereits einen Klon von ihm in der Mache hat. (Damian scheint das nicht zu stören.)

Zeichnerisch überzeugen weder Cameron Stewart noch Andy Clarke vollkommen. Beiden fehlt das gewisse Etwas, aber vor allem Clarkes sauberer Stil lässt bei den Figuren das Leben vermissen.

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Vom Red Hood zum Joker

Detective Comics #168 (1951) (DC Comics)

„That chemical vapor– it turned my hair green, my lips rouge-red, my skin chalk white! I look like an evil clown! What a joke on me!“

Wer ist der Joker? Ein Niemand, der aus dem Nichts kam. Das namenlose Böse. Das stimmt nur zum Teil. Denn der Joker ist lange mit der Tradition des Red Hood verbunden. Erst elf Jahre nach dem ersten Erscheinen des Jokers (in Batman #1, 1940) bekam der Schurke eine Vorgeschichte angedichtet: In „The Man Behind the Red Hood“ (Detective Comics #168, 1951) wird der Red Hood als ein ungelöster Fall für Batman eingeführt. Am Ende offenbart der Joker, dass er damals unter der Maske steckte. Er war ein Laborarbeiter bei der Monarch Playing Card Company und wollte sie um eine Million Doller bestehlen. Der rote Helm sollte den Zweck erfüllen, dass er durch einen Kanal für Chemie-Abwasser entkommen konnte. (Wie der Umhang dabei helfen sollte, ist allerdings unklar.) Schließlich stellte der Joker aber fest, dass die Chemikalien sein Gesicht dennoch berührt und weiß gefärbt haben. Er beschließt, aus der Not eine Tugend zu machen. Weil er aussieht wie ein Clown, lässt er sich von einer Spielkarte zu seiner neuen Identität inspirieren. (Übrigens könnte die übergroße Joker-Karte in der Bathöhle auch von dort stammen.)

In Alan Moores Neuerzählung The Killing Joke ist der Joker vor seiner Entstehung zunächst ein ehemaliger Arbeiter im ACE Chemiewerk bis er sich als Komiker versucht, um seine Familie zu ernähren. Weil das nicht klappt, lässt er sich von Gaunern dazu überreden, die Monarch Spielkartenfirma auszurauben. Sie stecken ihn in das Kostüm des Red Hood, ein Markenzeichen, das immer ein anderer trägt. (So wird der Red Hood zum Red Herring.) Damit soll er unerkannt durch das ACE Chemiewerk, in dem er einst gearbeitet hat, zur Spielkartenfirma kommen. Als Batman eingreift, springt Red Hood in das Abwasser und kommt gebleicht und verrückt wieder raus.

The Kinlling Joke (DC Comics)

The Killing Joke (DC Comics)

Im Zero Year ist der Red Hood der souveräne Anführer einer berüchtigten Verbrecherbande, in der alle eine rote Masken tragen. Allein der Anführer trägt den roten Zylinder. Bruce Wayne versucht es zunächst mit Geheimidentitäten, gegen die Bande vorzugehen. Schließlich hat er als Batman Erfolg. Red Hood fällt am Ende des Kampfes beim Einsturz einer Brücke in den Chemietank, wohlwissend, dass dies nicht sein Ende, sondern erst der Anfang seiner Karriere ist.

Batman #24 Variant (DC Comics)

Batman #24 Variant (DC Comics)

Allen drei Geschichten gemeinsam ist, dass der Joker vor seiner Entstehung keinen Namen hat. Das könnte sich mit DC Rebirth bald ändern. Im Auftakt dazu heißt es, es gebe drei Joker. Oder wenigstens drei Identitäten. Hängt das vielleicht mit den drei Red Hood-Versionen zusammen? Golden Age (Pre-Chrisis), Modern Age (Post-Crisis) und The New 52 (Post-Flashpoint)? Oder mit dem Einfluss der Watchmen (Stichwort: Comedian = Joker)? Der Joker bleibt vorläufig ein Multiple Choice-Rätsel.


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Flashpoint: Die Zeit ist kaputt

DC Comics

DC Comics

Titel: Flashpoint/Batman: Knight of Vengeance (dt. Batman – Ritter der Rache)

Autor/Zeichner: Geoff Johns/Andy Kubert; Brian Azzarello/Eduardo Risso

Erschienen: 2011 (Miniserie #1-5; Mini-Serie #1-3), Paperbacks 2012 (Flashpoint/The World of Flashpoint Featuring Batman), dt. Panini 2013 (Paperback)


„Either we change this world, Flash, or we let it burn in hell.“ (Batman)

„All the blood on my hands … hasn’t changed a thin –“ (Batman)

Vor DC Rebirth war Flashpoint. Und danach kam The New 52. Und davor war Flash Rebirth. Alles klar? Nein? Dann noch mal von vorn:

Plötzlich hat Flash (Barry Allen) seine Kräfte verloren, dafür lebt aber seine Mutter wieder. Batman ist ein skrupelloser Killer. Superman gibt es nicht. Das Schlimmste aber: Wonder Woman und Aquaman befinden sich im Krieg – und das gefährdet die Welt; Europa ist bereits im Meer versunken. Der einzige, der sich an eine andere, bessere Welt erinnert, ist Barry. Er vermutet eine Intrige des Reverse Flash (Professor Zoom/Eobard Thawne), der bereits in die Vergangenheit gereits ist und Barrys Mutter ermordet hat. Barry sucht Batman auf und bittet ihn um Hilfe. Doch dann erfährt er, dass er es nicht mit Bruce, sondern mit Thomas Wayne zu tun hat, der nach dem Tod seines Sohnes zu Batman geworden ist. Zusammen mit Cyborg und ein paar anderen Superhelden verfolgen sie zwei Dinge: erstens, den Krieg zwischen Aquaman und Wonder Woman zu beenden, zweitens, die Zeitlinie zu ändern. Denn auch Batman will lieber nicht leben als in einer Welt zu existieren, in der sein Sohn tot ist.

Flashpoint ist ein wahres Ausnahme-Event. Keine Überschurken aus den Tiefen des Alls, keine 1000 Helden auf einem Haufen, die sich ins Schlachtgetümmel werfen, keine komplexen Geflechte aus Vorgeschichten und Ausläufern. Einfach nur eine fünfteilige Mini-Serie, die man gut ohne viele Vorkenntnisse verstehen – und vor allem genießen kann. Gerade die Überschaubarkeit des Personals, die Reduktion der Dramatik und die klaren Ziele machen Flashpoint zu einer aufregenden, kurzweiligen, aber nicht banalen Story. Auch das dystopische Elseworlds-Szenario weckt das Interesse, so dass man mehr über diese Welt erfahren will.

Flashpoint Batman (DC Comics)

Flashpoint Batman (DC Comics)

Empfehlenswert ist der Spin-off Batman: Knight of Vengeance, in dem Batmans Vorgeschichte erzählt wird. Sie ist eine kühne Variation des Altbekannten: Thomas Wayne betreibt ein Spielcasino, um dem Verbrechen näher zu sein, Martha Wayne ist nach dem Tod ihres Sohnes verrückt geworden – zum Joker. Brian Azzarello und Eduardo Risso (Broken City) erzählen in gewohnt noiresker Manier von einer kaputten Familie und einem kaputten Batman, der sein Blutvergießen als vergeblich betrachtet.

Batman Flashpoint Knight of Vengeance

DC Comics

Flashpoint ist etwa zu einem Drittel auch eine Batman-Story. Das andere Drittel wird bestimmt von Flash. Die wohl tollste Sequenz ist die, in der Batman versucht, Flash seine Kräfte wiederzugeben – mit einem elektrischen Stuhl. Die Story steckt voller solcher interessanter Ideen. Wohltuend ist auch, dass Superman hier nur eine marginale Rolle spielt. Seine Darstellung ist das genaue Gegenteil aller bisherigen Inkarnationen, aber ich will nicht alles verraten. Nur so viel noch: Am Ende überreicht Flash Bruce Wayne einen Brief seines Vaters – und der soll angeblich dafür verantwortlich sein, dass den DC Helden zehn Jahre gestohlen worden sind (siehe DC Universe Rebirth #1).

Um Flashpoint besser zu verstehen, empfiehlt es sich, vorher Flash Rebirth zu lesen. Denn die Ereignisse knüpfen direkt aneinander an. Aus Flashs Versuch, die Zeit zu verändern, um alles wieder rückgängig zu machen, entsteht eine neue Welt, das neue DC Universum „The New 52“, das von 2011 bis 2016 kanonisch war und von „DC Rebirth“ abgelöst, bzw. erneuert wird. Am Ende ist von drei verschiedenen Zeitlinien die Rede, die eine werden sollen: gemeint sind die Comic-Universen DC, Vertigo und Wildstorm.

Wer Flashpoint gelesen hat, ist bereit für Rebirth.

Hinweis: Im Jahr 2011 wurde die Story als Animationsfilm unter dem Titel Justice League: The Flashpoint Paradox adaptiert.

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DC Rebirth: Wiedergeburt eines Universums

DC Comics

DC Comics

Titel: DC Universe Rebirth #1

Autor/Zeichner: Geoff Johns/Gary Frank, Ethan Van Sciver, Ivan Reis, Phil Jimenez

Erschienen: 2016 (One-shot)


„I love this world, but there’s something missing.“ (Flash/Wally West)

Es ist wohl das meisterwartete DC-Heft des Jahres: DC Universe Rebirth #1. Es soll der Anfang einer neuen Ära sein, kein Reboot, sondern ein sanfter Neustart, mit ein paar Änderungen des Status quo und einer neuen Heftzählung. Aber so ganz für sich allein steht der One-shot nicht, er setzt die letzten Ereignisse des The New 52-Universums voraus und ist bloß der Auftakt zu mehr. In einem Satz: Das DC-Universum verschmilzt mit dem der Watchmen.

Was muss man zuvor wissen? (Spoiler!)

Gleich auf der ersten Seite steht, dass man zuvor Justice League #50 und Superman #52 gelesen haben sollte. Aber das ist nur die Minimalanforderung, denn die beiden letzten Nummern der Serien enthalten bloß die Schlusskapitel der Storylines Darkseid War und The Final Days of Superman – und da ist einiges los. In Kürze: Darkseid stirbt im Kampf mit dem Antimonitor und wird wiedergeboren, Jessica Cruz wird zu Green Lantern, der New-52-Superman stirbt und wird durch den klassischen Superman ersetzt, der mit Lois Lane verheiratet ist. Und was die große Enthüllung von Jokers wahrer Identität angeht, kommen mehr Rätsel als Antworten auf: es gibt drei Joker! Aber was das bedeutet, weiß Batman selbst nicht. (Und offenbar hat er vergessen, den Möbius-Stuhl danach zu fragen.)

Justice League 50: Batman und die drei Joker (DC Comics)

Justice League 50: Batman und die drei Joker (DC Comics)

Was passiert in DC Universe Rebirth? (Mehr SPOILER!)

Flash Wally West, der in der Speed Force festhängt, versucht, verschiedenen Helden mitzuteilen, dass mit dem Universum, wie sie es kennen, etwas nicht stimmt. Offenbar sind während des Flashpoint-Events, bei dem Flash (Barry Allen) die Vergangenheit geändert hat, zehn Jahre verloren gegangen. Zunächst sucht Wally Batman auf und erklärt ihm, dass alles mit dem Brief angefangen habe, den sein Vater (Thomas Wayne) ihm geschrieben hat. Flash Barry Allen hat Batman diesen Brief am Ende von Flashpoint überreicht. Doch niemand erinnert sich an Wally, immer wieder verschwindet er in der Speed Force, bevor er etwas erreichen kann. Schließlich wird er von Barry Allen aus seiner Lage befreit. Barry erinnert sich wieder an seinen vergessenen Sidekick. Dann sagt Wally, dass jemand die Jahre aus dem Universum gestohlen habe, um die Helden zu schwächen, dass ein neuer Krieg mit dem oder den Unbekannten anstehe – und dass sie beobachtet würden. Am Ende sieht man endlich, um wen es sich handelt: Batman entdeckt in der Bathöhle den blutbefleckten Smiley-Anstecker des Comedian aus Watchmen.

Im Epilog sieht man, wie auf dem Mars die (am Anfang des Hefts erwähnte) kaputte Armbanduhr von Wally West wie durch Geisterhand repariert wird, dazu erscheint ein kurzer Dialog zwischen Dr. Manhattan und Adrian Veidt (Ozymandias), ohne dass man sie sieht: „I did the right thing, didn’t I? It all worked out in the end“, sagt Adrian. – „In the end?“, sagt Dr. Manhattan. „Nothing ends, Adrian. Nothing ever ends.“ Das letzte Bild zeigt eine gelbe, blutbefleckte Uhr, die auf viertel vor zwölf steht. Darunter der Satz: „The Clock is ticking across the DC Universe!“ Und damit endet Rebirth #1.

Was erfahren wir über die drei Joker?

Nichts. Batman ist gerade beim Herumrätseln, als er von Flash gestört wird. Auf dem Monitor des Batcomputers sieht man drei Joker: den aus dem Golden Age, den aus The Killing Joke und dem aus Endgame. Batman hat noch immer keine Ahnung. Allerdings könnte das Ende einen ersten Hinweis darauf geben: Eine gewisse Nähe zwischen den Namen Joker und Comedian ist nicht zu leugnen (auch wenn die Körper und Gesichter ganz anders aussehen.)

Rebirth 1: Drei Joker. (DC Comics)

Rebirth 1: Drei Joker. (DC Comics)

Was ist aus Rebirth zu schließen?

Offenbar spielt der allmächtige Dr. Manhattan eine große Rolle bei der Schöpfung des DC-Universums von The New 52. Über die Gründe kann man nur spekulieren. Ebenso wie über die Joker-Frage. Oder man wartet einfach geduldig auf die Fortsetzungen. Eines wird aber ganz deutlich: das Dilemma von DC. Einerseits blickt stolz man auf eine lange Tradition zurück, andererseits blicken nur wenige völlig durch bei den ganzen Helden, Storys und Welten. Einerseits will man neue Leser gewinnen, andererseits will man die alten nicht verlieren. Einerseits will man sich immer wieder neu erfinden, die Leser überraschen und ihnen etwas bieten, was sie noch nicht kennen. Andererseits läuft man dabei Gefahr, sich zu weit weg vom Vertrauten zu entfernen. Ob der Untergang des Multiversums in Crisis oder seine Neu-Entstehung in Infinite Crisis, ob der Radikal-Reboot von The New 52 oder der sanfte von Rebirth – es wird immer bei diesem Dilemma bleiben. Und mit jeder Neu-Ordnung stiftet man eigentlich bloß mehr Verwirrung.

Was taugt Rebirth #1?

Geoff Johns erzählt mal wieder so eine typische nostalgische Flash-Geschichte, die sehr an sein Flash Rebirth erinnert und noch einmal die gesamte Flash-Geschichte aus Wally Wests Sicht rekapituliert. Das ist alles fein gemacht, sensibel ausgeführt, in gewohnter hoher Qualität gezeichnet. Das Uhrenmotiv leitet sauber zu dem Thema Watchmen über. Über dieses Heft kann man viel sagen, vor allem über die Bezüge zur Vor-Flashpoint-Ära und die Wiederkehr einiger Nebencharaktere, aber eigentlich auch nur sehr wenig, denn die Story ist nichts als ein Übergang zwischen The New 52, das implizit als Fehler benannt wird, und etwas Neuem, von dem wir noch nicht genau wissen, worauf es hinausläuft. Außer natürlich auf eine Konfrontation mit Alan Moores Watchmen.

Eine gute Idee? Nach der Lektüre von Before Watchmen: Dr. Manhattan dachte ich mir: Warum erzählt DC diese sinnlosen Prequels, die nichts anderes tun, als Altbekanntes breitzutreten, statt (wenn man die Kuh schon weiter melken muss) eine Fortsetzung zu machen? Und wäre es nicht cool, wenn man die Watchmen auf die DC-Helden treffen ließe? Genau das wird demnächst wohl passieren. Unabhängig von den Gründen für den Einfluss auf das Universum (die eigentlich willkürlich sind) könnte darin das Potenzial für eine interessante Geschichte stecken, wenn man die Themen der Watchmen auf Superman, Batman und Co. überträgt.

Eine Warnung: Rebirth #1 taugt nicht als Startpunkt für neue Leser. Es wird zu viel vorausgesetzt. Zwar wird viel erklärt (vor allem die Ereignisse aus Flashpoint), aber um alles zu durchdringen muss man nicht nur die beiden oben genannten letzten Superman- und Justice League-Storys lesen, sondern eigentlich auch alles, was dazu geführt hat. Also die gesamte New 52-Reihe. Und natürlich Watchmen. Wer diesen Klassiker noch nicht kennt (oder nur den Film), sollte das spätestens jetzt dringend nachholen. Watchmen ist nicht nur eine herausragend erzählte Geschichte, sie setzt (neben The Dark Knight Returns) auch Maßstäbe für alle künftigen Superhelden-Geschichten. Das gilt vor allem für Rebirth und seine Folgen.

Eine Ermunterung: Das Heft kostet nur drei Dollar und bietet 80 Seiten, davon 66 Seiten Story. Ein fairer Deal.

(UPDATE: Laut Panini Verlag soll DC Rebirth Anfang 2017 auf Deutsch erscheinen.)

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