Two-Face

Coverwahn #7

Weniger ist mehr: Wahre Künstler beweisen es immer wieder aufs Neue. Bei ihren Variant Covers zu Dark Knight III: The Master Race hat deshalb nach Tim Sale auch Jock bewiesen, dass ein schlichtes Motiv reicht, wie etwa ein Porträt vom alten Batman, dessen verbissenes, faltiges Gesicht sehr in Mitleidenschaft gezogen wurde. Das Besondere: das Blau der Maske füllt das ganze Cover. Batman – larger than life. Nicht einmal die Comicseite legt ihm Grenzen auf. Dieser Minimalismus ist viel kreativer als bloß die x-ten Versionn von Frank Millers Joker, wie sie David Finch und Paul Pope fabriziert haben, zumal wir Finchs Motiv bereits zu Genüge bei anderen in der Mutanten-Variante gesehen haben.

Doch nicht alle Zeichner haben sich auf die üblichen Motive gestürzt. Tony Daniel zeigt Batman mit einem Gewehr – eine unscheinbare, aber großartige Szene aus The Dark Knight Returns. Der Held schießt damit einen Enterhaken ab, läuft auf einem Seil zwischen zwei Hochhäusern und meditiert: „In ten years I’ve never felt so calm. So right. This would be a fine death …“ Kurz darauf wird er angeschossen von Two-Face und stürzt ab. Alles andere als subtil kommt dafür das Cover von John Cassaday daher. Er hat in einer plumpen Collage einfach alle wichtigen Charaktere (Joker, Mutanten, Robin, aber nicht Superman) aufs Blatt gebannt – und als wäre das nicht schon genug, wird das Ganze noch geziert von kleineren Panels, auf denen Fernsehbilder aus TDKR zu sehen sind. Immerhin sieht man hier zum ersten Mal auf den Variants Two-Face mit bandagiertem Kopf – ein ikonischer Vorläufer von Hush.

Ganz und gar nicht subtil ist auch der Batman von Dave Dorman, der vor einer Feuersbrunst mit zwei Baseballschlägern herumspringt. Im Hintergrund das Superman-Logo, auf den Schlägern das Batman-Logo; Batman als Bat-Man („Schläger-Typ“)? Völlig daneben … Viel gelungener hingegen ist das Cover von Dave Johnson, das Batmans Herzinfarkt beim Kampf mit Superman zeigt: Ein gebrochener Held, im Hintergrund der triumphierende Superman im Schatten, durch die Bildmitte zieht sich die rote Linie eines EKGs – so geht Dramatik, so geht Tiefe, so wünsche ich mir mehr Cover. Und bitte keine Sprünge mehr mit Robin Carrie Kelley …

>> Weitere Cover-Galerien zu DK III.

Hush: Harte Bandagen

DC Comics

DC Comics

Titel: Hush

Autor/Zeichner: Jeph Loeb/Jim Lee

Erschienen: 2002-2003 (Batman #608-619), Paperback 2003 (zwei Bände), 2009 (ein Band), dt. Panini 2006 (zwei Bände), Eaglemoss DC Graphic Novel Collection 2015 (zwei Bände)


„You gotta be able to think like your opponent.“ (Thomas Elliot)

Killer Croc entführt einen Jungen. Bei der Lösegeldübergabe kommt Batman dazwischen. Catwoman macht sich mit dem Geld davon, Batman verfolgt sie, dabei wird sein Seil durchschnitten, er stürzt und wird dabei schwer am Kopf verletzt. Der Chirurg Dr. Thomas Elliot – ein alter Jugendfreund – flickt Bruce Wayne wieder zusammen . Doch als es wieder zum Kontakt zum genesenden Bruce kommt, wird „Tommy“ vom Joker erschossen. Batman gerät mal wieder in Versuchung, kurzen Prozess zu machen und seinen Erzfeind abzumurksen. Und das sind nicht die einzigen seltsamen Begebenheiten. Ein Unbekannter hat es auf Batman abgesehen. Aber wer? Und warum?

Lauter unerhörte Ereignisse passieren in Hush, einer der beliebtesten Batman-Storys des neuen Jahrhunderts. Autor Jeph Loeb setzt damit sein bewährtes Rezept fort, das er mit seinen 90er-Jahre-Epen mit Tim Sale etabliert hat: The Long Halloween und Dark Victory. Hier wie da wird eine Detektivgeschichte in rund einem Dutzend Kapiteln erzählt, die einmal durch die Rogues Gallery jagt. Bei Hush sind es neben Joker, Harley Quinn und Killer Croc auch Poison Ivy, Two-Face, Ra’s al Ghul, Riddler, Scarecrow und Clayface. Außerdem treten Helden wie Robin, Nightwing, Orakel, Huntress und Superman auf. Eine wichtige Rolle spielt außerdem Catwoman: Endlich kommt es zu einer intimen Annäherung mit Batman und zu einer Offenbarung. Eine Begegnung zwischen Batman und Superman wird weniger kuschelig – was will man mehr?

Mit diesem riesigen Personal bietet Loeb ein furioses Feuerwerk an bester Unterhaltung und Abwechslung. Es ist eine typische Story, die Fanherzen höher schlagen lässt, weil alles da ist, was sie begehren. Für alte Leser werden einige interessante Überraschungen geboten, vor allem eine, die mit einem Robin zusammenhängt und hier nicht verraten werden soll. Hinzu kommt noch, dass die Geschichte so erzählt ist, dass man auch als Neuling leicht einsteigen kann. Alle Hintergründe werden zu Genüge erklärt, sogar einige Male zu oft (vor allem den Mord an den Waynes – gähn). Loeb beweist sich erneut als erstklassiger Erzähler.

Mindestens so wichtig wie die furiose und spektakelgeladene Story sind die Zeichnungen des anderen J.L., Jim Lee. Im Gegensatz zu Tim Sale, der sich in seinen Panels auf das Wichtigste beschränkt, ist Jim Lee ein detailversessener Perfektionist. Und damit all die Details auch gut zu sehen sind, verzichtet er weitgehend auf Schatten, sodass Gotham, seine Helden und Schurken, bei ihm hell erstrahlen. Die knalligen Farben tragen dazu, dass das Lesen zu einer Augenweide wird. Seine Helden strotzen vor Kraft, seine Frauen sin voller Anmut, die Posen überaus dynamisch. Kurz: Jede Seite ist zu schön, zum Umblättern. Besonders die Rückblenden hinterlassen Eindruck. Denn die sind monochrom und (wie) mit Wasserfarben koloriert. Das verleiht den Panels eine besondere Aura von Kunst.

Bei aller Gefälligkeit gibt es dennoch einige Kritikpunkte: Der größte ist wohl die Plausibilität. Die Auflösung hinkt, die Motivation des mumienhaft bandagierten Schurken Hush leuchtet ebenso wenig ein wie der ganze Aufwand, den er betreibt, um Batman fertig zu machen. Das ginge auch einfacher, aber dann gäbe es ja die Story nicht. Trotzdem hätte man das eleganter lösen können. Und dann gibt es noch einige kleinere Plot Holes. Dass James Gordon gleich zwei Mal als deus ex machina herhalten muss, indem er aus dem Nichts auftaucht, um Batman zu retten, ist auch ein wenig plump.

Aber egal. Das sollte nicht das Gesamtvergnügen trüben. Hush hat Größe, Hush macht Spaß, Hush sollte man gelesen haben.

(Die Story wird fortgesetzt in Hush Returns, Heart of Hush, Hush Money und The House of Hush. Außerdem gibt es im Universum von Batman Beyond noch Hush Beyond.)

>> Batman 2000-2011

Wahnsinn und Hölle

DC Comics

DC Comics

Titel: Arkham Asylum – Living Hell

Autor/Zeichner: Dan Slott/Ryan Sook

Erschienen: 2003 (Mini-Serie #1-6)


„Arkham Asylum is not just any institution for the criminally insane. It’s the Ivy League of insanity. A ‚Harvard‘ for Psychopaths.“ (Dr. Arkham)

Wer Batman lesen will, sollte sich vergewissern, dass auch Batman draufsteht. Tut es hier nämlich nicht. Auch wenn Batman auf dem Cover abgebildet ist. Denn in Arkham Asylum: Living Hell ist die Irrenanstalt der Protagonist. Und die Hölle spielt auch eine wichtige Rolle. Leider. Denn wenn ich eines nicht mag, dann sind es Batman-Storys, in denen Etrigan irgendwelche anderen Dämonen bekämpft. Und besonders wenn Batman dabei nicht viel zu melden hat.

So viel vorab. Den roten Faden der Geschichte bildet Warren White, ein Betrüger, der sich für unzurechnungsfähig erklären lässt, um dem Knast zu entgehen. Doch der Richter schickt ihn nach Arkham. Und dort muss White viele Qualen durchstehen. Seine einzige Hoffnung ist tot bevor er es ahnt. Einzig der dicke Riese Humpty Dumpty erweist sich als Freund. Am Ende geht White aus seiner Opferrolle wieder als Schurke hervor. Zwischendrin ufert die Handlung aus: das Personal ist frustriert, die Insassen proben den Aufstand, Two-Face und Joker kommen frei, Poison Ivy versucht es zumindest, Dr. Arkham selbst greift zur Waffe – was halt so in dieser Anstalt passiert.

Naja, und dann gibt es eben noch die Höllenhandlung. Das Böse kommt frei, weil … nun, weil vielleicht doch etwas dran ist an der alten Vorstellung, dass Geisteskranke von fremden Dämonen besessen sind. Oder, wie es in einem deutschen Schlager heißt, Wahnsinn und Hölle hängen schon immer eng zusammen. In Arkham spuken auch Geister von Toten herum. Warum? Wegen der vielen Leichen im Keller von Arkham wahrscheinlich. Ist auch eigentlich nicht so wichtig und auch gar nicht so interessant. Etrigan erweist sich als ziemlich unfähig. Batman ist bloß eine Randerscheinung in dem ganzen Chaos. Und die Zeichnungen? Ganz okay: bei den Freaks ausdrucksstärker als bei den Normalos, bei Batman selbst langweilig und auch sonst eher gewöhnlich. Ansonsten bleibt trotz der Gewaltorgien kaum etwas nachhaltig im Gedächtnis. Aber vielleicht liegt es auch daran, dass mich solche Dämonen-Geschichten nicht jucken. Gelungenere Anstaltsberichte sind das spätere Arkham Asylum: Madness sowie der unübertroffene Klassiker von Grant Morrison.

Weitere Arkham-Storys:

 

 

Batman trifft Daredevil

Titel: Daredevil and Batman: Eye for an Eye (dt. Auge um Auge); Batman/Daredevil: King of New York

Autor/Zeichner: D.G. Chichester/Scott McDaniel; Alan Grant/Eduardo Barreto

Erschienen: 1997/2000 (One-shots), dt. Panini 1998/Dino 2000


„They’re not so alike as some might believe.“

„One man knows his fear. Respects it, and has made himself its master. The other man knows no fear, and if he did — he would laugh in its face.“

Batman und Daredevil sind Seelenverwandte. Beide bewegen sich in ihren jeweiligen Universen auf dem selben Niveau: dem der Straße. Beide operieren weitgehend ohne übernatürliche Kräfte – wenn man von Daredevils gesteigerter Sinneswahrnehmung und Batmans Gadgets absieht. Beide sind nachtaktiv. Da liegt es nahe, die beiden Helden aus verschiedenen Universen zu einem Crossover zusammenzubringen. Wie so üblich gibt es zwei Teile, ein Hin- und ein Rückspiel, eines herausgegeben von Marvel, eines von DC.

Im ersten Teil (Eye for an Eye) kämpfen die beiden gegen Two-Face und Mr. Hyde (gespaltene Persönlichkeit!), doch zuvor geraten die Helden aneinander. Es beginnt mit einer kleinen Keilerei, dann spielen die beiden Angsthase, indem Batman mit dem Batmobil auf Daredevil zugerast kommt. Daredevil ist in dieser Story der Besonnene, der die Sinnlosigkeit solcher Spielchen aufzeigt und der – im Gegensatz zu Batman – bei Two-Face den Menschen hinter dem Schurken sieht. Das liegt auch daran, dass Matt Murdock und Harvey Dent eine gemeinsame Vergangenheit angedichtet wird (Jura!). Im Wesentlichen aber bleibt die Story eine oberflächliches Gipfeltreffen, das schnell abgehandelt wird wie eine Pflichtübung.

Drei Jahre später kommt es (in King of New York) zu einem Wiedersehen in Gotham. Dieses Mal geht es um Scarecrow, was naheliegt. Für alle, die es nicht kapieren, erklärt die Erzählstimme, dass Batman der Meister der Angst ist, während Daredevil der Mann ohne Furcht ist (siehe oben). Scarecrow lässt von Catwoman eine Akte über den Kingpin stehlen und verübt daraufhin Attentate auf Wilson Fisks Filialen in New York. Warum? Keine Ahnung, denn am Ende will Scarecrow doch nur das Übliche: die ganze Stadt mit seinem Angstgas zu terrorisieren. Weil Batman und Daredevil sich bereits kennen, gibt es zwar das obligatorische Rumgezicke, aber keine Kämpfe mehr. Nur in der Eröffnungsszene kommen sie einander in die Quere. So lösen sie zusammen einen unspektakulären Fall, den jeder von ihnen auch genauso gut hätte alleine lösen können.

Aber der Sinn solcher Crossover besteht eigentlich nur darin, Fan-Fantasien zu befriedigen und beide Helden wenigstens ein paar Panels teilen zu lassen. Das ist so weit in Ordnung, nur hätten die Autoren dabei selbst ein wenig mehr ihre eigene Fantasie bemühen können.

Mehr zum Thema:

Dem Katzenweib geht’s an den Leib

Titel: Catwoman – Guardian of Gotham (dt. Catwoman – Die dunkle Ritterin)

Autor/Zeichner: Doug Moench/Jim Balent

Erschienen: 1999 (Mini-Serie #1-2), dt. Dino Verlag 2000 (Batman Sonderband 7)


„… ich kriege immer meinen Mann.“ (Catwoman)

Was wäre, wenn Catwoman die Beschützerin von Gotham wäre und Batman ihr Erzfeind? Dann wäre wohl alles mehr oder weniger so wie sonst auch im Batman-Universum, nur eben andersrum. Aber vor allem wäre alles um einiges mehr sexy und voller Katzen. So könnte man die Antwort zusammenfassen, die Doug Moench und Jim Balent für dieses Elseworlds-Szenario gefunden haben.

Selina Kyle kämpft gegen den Joker, Killer Croc und Two-Face, bis ein gewisser Batman auftaucht und alle Schurken mit seinen überdimensionierten Batarangs umlegt. Warum? Weil er’s kann. Und weil er böse ist. Abgrundtief böse. Und damit daran auch kein Zweifel besteht, sind selbst seine Fledermausohren gezackt und seine Augen rot. Als er entdeckt, dass Selina Kyle Catwoman ist, entwirft er einen teuflischen Plan: Er verführt Selina als Bruce Wayne, um sie später zu ermorden und zu beerben. Gesagt, getan. Schon nach ein paar Tagen heiratet Selina Bruce Wayne – obwohl er ihr nicht einmal verraten will, was er eigentlich nachts treibt. Und sie schöpft auch keinen Verdacht. So nimmt der Unfug seinen Lauf. Bis hin zu solchen Sätzen wie: „Er ist wahnsinnig … hat den eigenen Handschuh abgeschnitten, damit ich in den Tod stürze …“

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Die Leiden des jungen Wayne

DC Comics

DC Comics

Titel: Legends of the Dark Knight Vol. 4

Autor/Zeichner: diverse

Erschienen: 2014 (Legends of the Dark Knight 100-Page Super Spectacular #2-4, Paperback 2015)


„Should have taken that position with that nice Cobblepot family.“ (Alfred Pennyworth)

Es ist ein Running Gag, der eigentlich nicht mehr witzig ist, aber immer noch zum Batman-Mythos dazugehört: Während James Gordon noch spricht, haut Batman einfach ab – einfach so, ohne ein Wort und ohne Spuren. Manchmal sagt Gordon dann: „Wie macht er das bloß?“ oder „I Hate It When He Does That“, so der Titel der ersten Story aus dem vierten Legends-Band. Hier fragt Gordon: „Where did he learn that?“ Und daraufhin erfahren wir die Vorgeschichte. Ein junger Bruce ist mit Alfred in Thailand unterwegs, wo er einer jungen Einheimischen begegnet. Sie wird vom örtlichen Regime verfolgt, weil ihr Vater ein Aufständischer ist. Nachdem er ihr zum ersten Mal begegnet und sie ihn – im Nichts verschwindend – stehen lässt, verliebt er sich in sie und jagt ihr nach. Am Ende verrät sie zwar ihm das Geheimnis, aber leider nicht den Lesern …

Dies ist nicht die einzige Anekdote aus Batmans Jugend im vierten Band der Legends. Es gibt auch eine in der Mitte und am Ende. Die letzte Story – The Echo of Pearls – verfolgt einen ungewöhnlichen Ansatz: Sie erzählt die Entstehung von Batman aus der Sicht der Höhle. Der Sturz des jungen Bruce hinein wird als der erste Einfall von Licht in die Finsternis beschrieben (Achtung: Symbol!), später sucht der Junge in der Höhle Trost nach dem Elternmord, schließlich – nach langer Abwesenheit – schickt ihm die Höhle eines ihrer Kinder nach Bruce aus, nämlich die Fledermaus, die durch sein Fenster kracht und ihn auf die Idee für Batman bringt. Damit dürfte das letzte Rätsel um Batman geklärt sein. Zum Schluss beschreibt die Höhle Batman als ihren Jungen, der bloß spielt und sein Hauptquartier mit Spielzeug vollstellt – eine wunderbare Wendung zwischen Selbstironie und Psychoanalyse.

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Zurück zum Wesentlichen

DC Comics

DC Comics

Titel: Legends of the Dark Knight Vol. 3

Autor/Zeichner: diverse

Erschienen: 2013-2014 (Legends of the Dark Knight #11-13, Legends of the Dark Knight 100-Page Super Spectacular #1)


„If this is the best you can do … m-maybe it’s time you hung up that stupid costume and retired.“

„If there is a god … I think he abandoned Gotham a long time ago.“ (Batman)

„We don’t have choices. We’re slaves to our natures.“ (Two Face)

Da gibt es den schwer gepanzerten Bat-Suit, eher ein Kampfanzug als ein Kostüm, den Bat-Wing-Gleiter mit dem Bat Disruptor-Kraftfeld, das Kugeln ablenkt, die Netze, mit denen Schurken im freien Fall an Wände geheftet werden können, den Bat Tracer zum Aufspüren von Flüchtigen, und die computergesteuerten Bat Discs, die Wurfgeschosse, die ihr Ziel verfolgen – fehlt eigentlich nur noch das Anti-Hai-Spray. Doch als all der technische Schnickschnack bei einem Einsatz gegen Ra’s al Ghul versagt und Batman zudem einsehen muss, dass ihn seine Hilfsmittel ein Vermögen kosten und seine Firma in den Ruin treiben, besinnt er sich auf die guten alten Tugenden der Handarbeit. Doch dabei zeigt sich, dass Batman aus der Form geraten ist …

Davon handelt Return of Batman, die stärkste Geschichte von Legends of the Dark Knight Vol. 3. Sie steht in gewisser Weise der Tendenz der vergangenen Jahre entgegen, dass der Held, der sich einst mit Seilen von Haus zu Haus schwang, immer mehr Iron Man gleicht – und dabei etwas von seinem ursprünglichen Reiz einbüßt. Wir sehen einen dekadent gewordenen Batman, der sich erst wieder an Batarangs und Nahkampf gewöhnen muss und dabei wie ein Anfänger den Arsch versohlt kriegt. Ein Opfer, das er bei der Rettung verletzt, legt ihm sogar nahe, in Rente zu gehen (siehe oben).

Doch auch darüber hinaus ist der dritte Legends-Band deutlich besser als sein direkter Vorgänger, was auch daran liegt, dass zwei Storys besonders lang geraten sind und in ihnen mehr Raum zum Erzählen bleibt. Wie etwa bei Without Sin. Hier kommt Batman mal wieder mit der Kirche in Kontakt – eine seltene Gelegenheit. Ein Pfarrer wird ermordet. Weil die eine Gesichtshälfte der Leiche zerstört ist, ist Two-Face der Hautpverdächtige. Doch der Schurke hat neuerdings zu Gott gefunden und der Kirche Geld gespendet – wie passt das zusammen? Batman geht der Sache nach und die Geschichte liest sich wie eine bessere Tatort-Folge, aber am interessantesten sind die Gespräche zwischen Batman und einem Pfarrer, die von Gott und der Welt und eben von der Frage nach der Schuld handeln. Wir erfahren nebenbei, dass Batman nicht religiös ist, aber seine Bibel kennt. Auch Two-Face bekommt eine neue Facette verliehen.

In drei weiteren Geschichten wird eher mäßiges Amusement geboten: What Happened Was … ist eine Rashomon-Variation um den Calendar Man mit einem allzu vorhersehbarem Verlauf. Unlucky Thirteen ist eine Kurzgeschichte über Glück, Pech und anderen Aberglauben, bei der Batman noch einmal den amerikanischen Urglauben bezeugen darf, dass jeder für sein Schicksal selbst verantwortlich ist. Und in Dr. Quinns Diagnosis darf Harley Quinn Batmans Psychiaterin spielen – allerdings ist das nicht besonders ergiebig, weil Batman nicht sehr auskunftsfreudig ist und außerdem nervt die Frau mit ihrer dämlichen Hampelei wie eh und je.

Grafisch herausragend ist allein die Kurzgeschichte Adaptation von Rafael Albuquerque, der in gewohnter Qualität verstörende, ausdrucksstarke Bilder zeichnet. Ein gealterter Bruce Wayne wird von seinen Dämonen in Alpträumen geplagt, in der Realität fühlt er sich nutzlos. Also beschließt er, einen alten Erzfeind wiederauferstehen zu lassen. Eine drastische Horror-Story, wie sie beinahe in Black and White stehen könnte (abgesehen von zwei Seiten Überlänge und den Farben). Bitte mehr davon.

>> Batman 2011-2019

Die zwei Gesichter des Bruce Wayne

Batman: Two Faces

DC Comics

Titel: Batman – Two Faces

Autor/Zeichner: Dan Abnett & Andy Lanning/Anthony Williams

Erschienen: 1998 (One-shot, Elseworlds) (keine dt. Veröffentlichung)


 „The Bat Man … the Joker … good and evil … two sides of a human coin …“

Über diese Geschichte kann man nicht reden, ohne das Ende vorwegzunehmen, doch es deutet bereits das Cover an: Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde wird zum seltsamen Fall des Batman und Joker. Diese Elseworlds-Story spielt im Gotham des Jahres 1886. Two Face (Harvey Dent) versucht, eine seltene Pflanze mit zwei Persönlichkeiten zu rauben. Warum? Weil’s gut zur Geschichte passt: Nachts erscheint sie anders als tagsüber. Nachdem der Raub scheitert und eine Frau namens Pamela Isley dabei ermordet wird, gibt sich Dents ehemaliger Freund die Schuld und macht aus dem Kraut ein Serum, das die gespaltene Persönlichkeit heilen soll. Den Rest kann man sich denken: Wayne probiert das Gebräu selbst aus. Gestärkt in Geist und Körper beginnt er als Batman Two Face zu bekämpfen. Doch kurz darauf erscheint ein Frauenmörder, der sich Joker nennt …

Obwohl die Lage wegen der Nähe von Stevensons Vorlage schnell klar ist, ist es ein kurzweiliges Vergnügen Two Faces zu lesen. Sowohl die Epoche ist gut eingefangen, wie es einst Mike Mignola mit Gotham by Gaslight (1989) geschafft hat, als auch das Thema der Dualität konsequent ausgeführt: Batman und Joker sind zwei Seiten einer Medaille, ebenso wie Two Face zwei Persönlichkeiten in sich vereint. Der klare Zeichenstil von Anthony Williams ist solide, wenn auch nicht aufregend, besonders gelungen sind die Inszenierungen von Batman und Joker, auch Selina Kyle in Strapse macht sich ganz gut … Vielleicht hätte man sich für die schnell voranschreitende Handlung etwas mehr Zeit (bzw. Raum) lassen können, dadurch büßt die Story etwas von ihrer Stimmung ein. So ist es schade, dass sie in nur 54 Seiten auserzählt ist.

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics

Batmans Nullnummern

Titel: Batman #0, Detective Comics #0, Shadow of the Bat #0, Robin #0

Autor/Zeichner: Chuck Dixon, Doug Moench, Alan Grant u.a.

Erschienen: 1994 (dt. Dino 1997 als Batman #1-2, mit Ausnahme von Shadow of the Bat #0)


„Der Kampf adelt, nicht der Sieg.“

„Die Dunkelheit ist wie ein Umhang. Er trägt sie wie eine zweite Haut. Wie einen Schild.“

Im Jahr 2012 brachte DC Nullnummern seiner Serien heraus: Darin wurden ein paar Vorgeschichten der Helden erzählt, wie etwa zu Batmans Zero Year und der Zeit davor. Die Idee ist nicht neu: Im Jahr 1994 hat es so etwas schon einmal gegeben, im Rahmen des Zero Hour-Events. Dabei wurden ein paar Hefte gemacht, in denen die Origins leicht modifiziert wurden und die eine perfekte Einstiegslektüre ins DC-Universum bildeten. Daher haben sich diese Ausgaben auch hervorragend für den deutschen Dino-Verlag angeboten, damit im Jahr 1997 seine neue Batman-Serie zu starten.

In Batman #0 bekommt man Batmans Ursprung auf 22 Seiten zusammengefasst – inklusive der jüngsten Ereignisse nach dem Epos Knightfall mit Bane etc. Wir sehen den Sturz in die Bathöhle (vgl. Shaman), die erste Begegnung mit Alfred, den Elternmord, der in dieser neuen Version nie gelöst wurde, während zuvor Joe Chill als Mörder im Auftrag gehandelt hat. Eine Seite ist der Kindheit als Waise gewidmet, eine der Ausbildung im Ausland, dann folgen die drei Robins. Letzteres wird noch einmal ausführlicher in Robin #0 erzählt: Nightwing erzählt Robin III (Tim Drake), was bisher mit den Robins geschehen ist. Im Zentrum steht Two-Face, der bekennt, Robin doppelt so sehr wie seinen Erzfeind zu hassen: „Er ist Batmans Geheimwaffe!“ Die Geschichte wird – wie könnte es anders sein – aus doppelter Sicht erzählt.

In Detective Comics #0 werden die Lücken von Batman #0 mit Ausschmückungen gefüllt: Die Erkundung und der Ausbau der Bathöhle, das Beschaffen das Batmobils von Wayne Industries und der Umbau, das Nähen des Kostüms durch Alfred. Leider verträgt sich diese Version, in der das Batmobil zugleich mit dem Kostüm entstand, nicht mit der Version, die in Batman and the Monster Men erzählt wird: da wird das Auto erst später eingeführt. Aber sicher kann man auch diesen Bruch mit irgendwelchen Erschütterungen des Raum-Zeit-Kontinuums in Folge weltbewegender Ereignisse erklären. Von entscheidender Wichtigkeit sind solche Details natürlich nicht.

Die Nullnummer von Shadow of the Bat wirkt neben den anderen überflüssig. Abgesehen davon, dass die Figur Leslie Thompkins erwähnt wird und wir erfahren, dass Bruce sechs Wochen lang fürs FBI gearbeitet hat („Age 20, he scored perfect on every F.B.I. test except for gun handling“), ist die Geschichte nichts als noch ein Aufguss der immergleichen Motive. Wieder einmal sehen wir, wie Batman sich mit Kleinganoven rumschlägt, wieder wird der gesamte Werdegang nacherzählt. Die Ausbildung wird zwar ausführlicher behandelt, aber fast nur in Worten aufgezählt. Weil das Ganze ohne Mehrwert ist, kann man leicht nachvollziehen, warum der Dino-Verlag damals auf den Nachdruck verzichtet hat.

Batman nach Orson Welles

Batman: Citizen Wayne

Titel: Citizen Wayne

Autor/Zeichner: Mark Waid & Brian Augustyn/Joe Staton

Erschienen: 1994 (Legends of the Dark Knight Annual #4; Paperback: Superman/Batman: Alternate Histories, 1996)


„If the city’s freedom is regained by someone outside the law, the freedom is worthless.“ (Bruce Wayne)

Was wäre wenn … Orson Welles Batman verfilmt hätte? Dann hätte Bruce Wayne nur seinen Vater bei dem Überfall verloren, wäre wohl Zeitungsverleger geworden und hätte das organisierte Verbrechen mit den aufklärerischen Mitteln der Pressefreiheit bekämpft. Und es wäre sein bester Freund, der Bezirksstaatsanwalt Harvey Dent, der zu drastischeren Methoden gegriffen hätte.

Das ist die Prämisse der Elseworlds-Story Citizen Wayne, die an Orson Welles‘ Filmklassiker Citizen Kane von 1941 angelehnt ist. Doch hier geht es nicht um die Frage, wer oder was „Rosebud“ ist, sondern darum, was dazu geführt hat, dass Wayne und Dent bei einem gleichzeitigen Sturz vom Dach umgekommen sind. Ähnlich wie bei Welles geht ein Unbekannter der Frage nach, ein zunächst namenloser Assistant District Attorney. Damit gleichen nur das Erzählverfahren und der Stil dem Film. Schwarze Schatten bestimmen die Seiten und die Figuren wirken überaus lebendig, auch wenn die Herren in ihren Anzügen mit ihren überaus breiten Schultern wie Kleiderschränke aussehen.

Citizen Wayne erzählt die Geschichte einer Freundschaft, die beim Kampf gegen das Verbrechen zerrieben wird. Ein Mann verliert seine Existenz und wird zum selbsternannten Rächer jenseits des Gesetzes, der zum Mörder wird, während ein anderer zu seinen Idealen steht. Am Ende kommt es zu einem Duell zwischen Batman und Bruce Wayne in Samurai-Rüstung. Die Autoren verstehen es, die Problematik zwischen Recht und Unrecht auszuloten und dabei das Scheitern der Freundschaft als Tragödie glaubhaft zu machen. Außerdem sieht Batman mit seiner goldenen Maske und dem an Polizei- und Soldaten-Uniformen angelehnten Kostüm ziemlich cool aus. Ein bemerkenswertes Stück alternativer Geschichte – und eine gelungene Hommage an die Filmkunst der 40er.

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics