Flash

DC: The New Frontier

DC Comics

Deutscher Titel: Neue Horizonte

Autor/Zeichner: Darwyn Cooke

Erschienen: 2004 (Mini-Serie #1-6, Paperback 2004-2005, Absolute Edition 2006, Deluxe Edition 2015), dt. Panini 2005-2006 (DC Premium Bd. 40-41)


„Mankind needs a new road to travel, carved by the heroes of tomorrow.“ (Phantom Stranger)

Die USA der 50er-Jahre stecken außenpolitisch im Kalten Krieg, innenpolitisch betreiben sie eine Hexenjagd gegen Kommunisten, Superhelden sind per Gesetz verboten – es sei denn sie arbeiten für den Staat. Wie Superman und Wonder Woman, die beim Konflikt in Indochina aufräumen. Doch die meisten anderen sind im Ruhestand – außer natürlich Batman, der als Outlaw weitermacht und sich dabei auch nicht von Superman stoppen lässt. Und dann ist da noch Barry Allen, der zum Flash wird. Und der Marsianer J’onn J’onzz, der in Gotham als Polizist John Jones arbeitet. Und vor allem der Pilot Hal Jordan, der nach einem traumatischen Kriegseinsatz in Korea in ein Raumfahrtprojekt zum Mars eingespannt wird und nebenbei zu Green Lantern wird. Und was hat eigentlich eine Insel voller Dinosaurier damit zu tun?

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Autor und Zeichner Darwyn Cooke (Batman: Ego) wollte mit DC: The New Frontier gleich mehreres erreichen: Superhelden in der Realität verorten, eine Brücke zwischen Golden Age und Silver Age schlagen und den Zeitgeist der 50er heraufbeschwören. Immerhin letzteres ist ihm gelungen. Wenn das Buch etwas geworden ist, dann konzentrierte Nostalgie. Auch die Zeichnungen des ehemaligen Storyboard-Zeichners für die Batman- und Superman-Animated-Serien sind voller Ausdruckskraft und Dynamik und vereinen das Beste von Bruce Timm und Jack Kirby. Cooke hat ein gutes Gespür für das Erzählen mit Bildern, auch wagt er einige kleine Experimente. Aber seine Geschichte, die sich über 400 Seiten erstreckt, scheitert an ihrer Ambition. Cooke will einfach zu viel. Dass er sich bei Klassikern wie Watchmen und The Dark Knight Returns bedient, ist dabei nur das geringste Problem.

Patriotismus und Heldenverehrung

Die vielen Schauplätze und Figuren führen dazu, dass in der ersten Hälfte kein roter Faden erkennbar ist und es auch lange Zeit keinen Helden der Geschichte gibt, sondern bloß viele, zu viele Helden, die sprunghaft in kurzen Episoden behandelt werden. Selbst Hal Jordan, der eigentliche Protagonist, geht in der Fülle unter. Superman und Wonder Woman spielen keine große Rolle, selbst Batman nicht, auch wenn er zwei verschiedene Kostüme und sogar einen Robin zur Seite gestellt bekommt.

Im Grunde ist The New Frontier nur am Rande eine Superhelden-Story. Vielmehr geht es um die Menschen, also die Wissenschaftler, Soldaten und Reporter. Cooke will in seiner Geschichte darauf hinaus, dass sich Menschen und Superhelden auf Augenhöhe begegnen: die tapferen Soldaten in ihren Uniformen und die Superhelden in ihren Kostümen und Masken. Jeder dient seinem Land auf seine Weise usw. Aber diese Botschaft, die von viel amerikanischem Pathos aufgetragen wird, erdrückt die Handlung erst recht. Auf dem Höhepunkt darf Superman seitenlang eine Ansprache im Independence Day-Stil halten, am Ende hat John F. Kennedy das letzte Wort mit einer weiteren ermüdenden Rede. Und dann gibt es noch die unsägliche Heldenverehrung, die auf den Splash Pages zum Teil an Propaganda-Plakate erinnert.

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Um auch noch das Thema Rassismus mitzunehmen, wird die Figur des maskierten, hammerschwingenden Rächers John Henry eingeführt, allerdings ohne dass der Held relevant für die Handlung wäre. Diese Binnenerzählung funktioniert in etwa wie Tales of the Black Freighter in Watchmen, allerdings wirkt sie wie zu viel des Guten. Genauso wie die obligatorische Sequenz mit Spectre, Dr. Fate und Phantom Stranger, die wie üblich von oben herab über das Schicksal der Menschheit räsonnieren.

Superhelden in der Realität?

Auch das Konzept, den Helden einen Platz in der Zeitgeschichte zu geben, geht nicht auf. Die Botschaft „neue Zeiten brauchen neue Helden“ sagt weder etwas über die Realität aus, noch bereichert sie den Superheldencomic. Wenn am Ende alle zusammen gegen eine abstrakte Mega-Gefahr kämpfen, die aussieht wie ein riesiger Kuhfladen und die einem Spacetrips mit Selbsterkenntnis beschert wie in 2001: Odyssee im Weltraum, ist der Erkenntnisgewinn mager – sowohl für das Verständnis der Historie als auch der Gegenwart. Es rechtfertigt nicht die Paranoia des Kalten Krieges gegenüber dem Fremden und es erklärt nicht die Rolle von Helden. Wie jeder Versuch, Superhelden und Realismus miteinander zu verbinden, scheitert dieser Ansatz. Und er funktioniert nicht annähernd so gut wie seine Vorbilder.

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The New Frontier ist zwar mit Lob und Preisen überschüttet worden, für mich (einem großen Darwyn Cooke-Fan) war es eine bittere Enttäuschung. Immerhin ist die aufwendige Deluxe Edition sehr schön aufgemacht und bietet viele hübsch anzusehende und informative Extra-Seiten.

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In einem gesonderten Special – ebenfalls in der Ausgabe enthalten – wird der Kampf zwischen Batman und Superman nachgetragen. Die Episode gehört noch zu den besten, auch wenn sie zu stark bei The Dark Knight Retuns abgeguckt ist. Denn immerhin nimmt sie eine überraschende Wendung.

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Vom Killing Joke zum Robin-Overkill

Ein neuer Batman-v-Superman-Trailer, The Dark Knight III und noch haufenweise mehr. Zur laufenden San Diego Comic-Con überschlagen sich die Nachrichten  zu Batman und Co. – und es sind einige interessante dabei, die Comics und Film betreffen. Hier eine Zusammenfassung der wichtigsten News:

  • The Killing Joke wird verfilmt – laut DC soll der Klassiker von Alan Moore und Brian Bolland 2016 als Direct-to-Video-Animationsfilm erscheinen. Damit setzt Warner den Trend fort, der mit Year One und The Dark Knight Returns begonnen wurde – solide, aber ohne großen Mehrwert. Daher ist vielleicht die folgende News interessanter:
  • Es wurden zwei weitere Animationsfilme angekündigt: Bad Blood soll eine Original-Story sein, mit der Batwoman ins DC Animated Universe eingeführt werden soll. Beim zweiten Film, Justice League vs. Titans, spricht der Titel für sich.
  • Im Oktober beginnt eine neue wöchentliche Comicserie: Batman & Robin Eternal. Nach dem Ende von Batman Eternal soll die Serie im Oktober starten und ein halbes Jahr lang laufen. Als Autoren beteiligt werden wieder Scott Snyder und James Tynion IV sein. Wie auf dem ersten Cover zu sehen ist, werden alle bisherigen Robins eine Rolle spielen. Bis auf Damian, so scheint es. Der ist anderweitig beschäftigt.
  • Im Dezember startet Robin War, ein Crossover aus Robin: Son of Batman, We Are Robin und Gotham Academy. In der ersten Serie geht es um Damian Wayne, in der zweiten um Jugendliche, die im Geiste des Wunderknaben auf eigene Faust Verbrechen bekämpfen, in der dritten ebenfalls um Jugendliche, die Abenteuer in Gotham erleben.
  • Grant Morrison hat eine neue Batman: Black and White-Serie angekündigt. Die soll etwas mit seiner Multiversity zu tun haben. Klingt sehr verwirrend – ob der Meister da selbst noch durchsteigt? Jedenfalls sagte Morrison, diese Serie sei „my final word on Batman, probably„. Nächstes Jahr wird er erst einmal seine Earth One-Version von Wonder Woman herausbringen.
  • Apropos Earth One: J. Michael Straczynski, der bereits drei Bände Superman auf Erde eins geschrieben hat, wird auch den Flash alias Barry Allen in dem alternativen Universum neu erfinden. Francis Manapul wird für Aquaman: Earth One verantwortlich sein.
  • Das Green Lantern Corps bekommt im Jahr 2020 einen eigenen Live-Action-Kinofilm. Das passiert anstelle eines Green Lantern Solo-Film-Reboots nachdem der erste ein Flop war.
  • Tiefpunkt der Woche: Batman trifft auf die Teenage Mutant Ninja Turtles. Im November beginnt eine sechsteilige Mini-Serie. Damit fehlt nur noch ein Crossover mit Micky Maus, Barbie und Ken sowie den Teletubbies.
  • Vielversprechender ist ein neuer Zugang zu Batmans Kumpel: Die Mini-Serie Superman: Alien American  erzählt in sieben Teilen Episoden aus Clark Kents Jugend. Und es sieht aus, als wäre er ein Angry Young Man gewesen. Die Cover machen neugierig.
  • Apropos Superman: Nach dem Gipfeltreffen, dem Spielfilm Batman v Superman im März (den neuen Trailer gibt’s hier, den Teaser hier), soll ein neuer Batman-Kinofilm kommen. Das Gerücht, dass Hauptdarsteller Ben Affleck Regie führen soll, hat sich offenbar bestätigt. Am Drehbuch wird er wohl auch beteiligt sein – zusammen mit DC-Autor Geoff Johns, der unter vielem anderen Batman: Earth One geschrieben hat. Ein Starttermin ist noch unklar, ebenso wenig der Titel. Bisher kursierte The Batman. Nicht gerade einfallsreich, aber okay für einen Neubeginn.

Bat Lantern

Batman: In Darkest Knight

Titel: In Darkest Knight

Autor/Zeichner: Mike W. Barr/Jerry Bingham

Erschienen: 1994 (One-shot)


Was wäre wenn … Bruce Wayne Green Lantern wäre?

Die Elseworlds-Story In Darkest Knight ist ein Beispiel dafür, dass auf eine interessante Frage noch längst keine interessante Antwort folgen muss. Die Geschichte beginnt an der berühmten Stelle aus Year One, da Bruce vor der Büste seines Vaters sitzt und sich fragt, wie er es hinbekommt, dass Verbrecher Angst vor ihm haben. Doch kurz bevor die Fledermaus durchs Fenster krachen kann, erscheint ihm ein außerirdischer Green Lantern und übergibt ihm den grünen Ring.

Was folgt, ist eine unfassbar abgehetzte Story, die sich weder für Charaktere noch für Dramaturgie geschweige denn Stimmung interessiert. Im Eilverfahren akzeptiert Bruce seine neue Aufgabe, legt sich ein fledermausartiges Kostüm zu, hält Red Hood und seine Bande im Chemiewerk auf bevor der Anführer zum Joker werden kann (kleine Anspielung auf The Killing Joke).  Dann wird der Held auch schon dazu verdonnert, Sinestro zu stürzen, was auch sogleich passiert – ohne groß Fragen zu stellen. Es kommt zu einem persönlichen Rachefeldzug des lila Schurken gegen Wayne, bei dem Sinestro seinen Geist – warum auch immer – mit dem von Joe Chill vereint und fortan dämliche und bemüht witzige Selbstgespräche führt. Und weil Wayne auch noch gegen die Wächter und seine Corps-Kumpels rebelliert, werden kurzerhand Superman, Wonder Woman und Flash zu Green Lantern-Reservisten gemacht. Genauso lieblos übers Knie gebrochen wirken auch ihre auf Lantern getrimmten Kostüme.

Nach 46 ermüdenden Seiten bricht „Bat Lantern“ zum letzten Kampf gegen Sinestro auf, aber da endet auch schon die Geschichte, ohne uns das Finale zu erzählen. Nicht, dass es uns interessiert hätte oder noch eine Überraschung zu erwarten wäre, aber man fühlt sich schon betrogen. Doch es passt zum Gesamteindruck einer verschenkten Chance.

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics

Gothams Tierleben

Warner Home Video

Bitte lächeln! (Bild: Warner Home Video)

Titel: Batman Unlimited: Animal Instincts

Drehbuch: Heath Corson

Erschienen: 2015 (Direct-to-Video)


 „Man-Bat hat Langstrom die Hosen geklaut.“ (Flash)

Batman, das vergisst man leicht, bezieht sich auf eine Fledermaus. Und es gibt auch einige Schurken, die sich auch auf Tiere beziehen: Pinguin, Killer Croc, Cheetah, Gorilla Grodd und eben Man-Bat, womit wir wieder bei der Fledermaus wären. Was wäre also, wenn man einen Film rund um Tiere machen würde? Das hat man sich bei DC und Warner so gedacht und einfach mal drauflos gelegt – so ist Animal Instincts entstanden. Damit war der Ideenvorrat allerdings erschöpft.

In einem futuristischen Gotham kämpft Batman mit Nightwing, Red Robin, Green Arrow und Flash (wie auch immer diese Gruppe entstanden ist) gegen den Pinguin, der Man-Bat, Killer Croc, Cheetah und die Gorilla Grodd-Sparversion Silverback versammelt hat. Als hätte man damit nicht schon einen ganzen Zoo beisammen, gibt es noch ein paar Roboter-Raubkatzen und eine Robo-Fledermaus, die aussieht wie ein Flaschenöffner für Bacardi (aber der kommt dummerweise meistens mit Schraubverschluss). Und wozu der ganze Aufwand? Der Pinguin, der Batman noch nicht als Schurke bekannt ist, will mit einem Traktorstrahl einen Meteoriten auf Gotham stürzen lassen, um sich an allen Menschen zu rächen, die ihn wegen seines Äußeren verspottet haben …

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JLA: Tower of Babel

DC Comics

DC Comics

Titel: Tower of Babel (dt. Turm zu Babel)

Autor/Zeichner: Mark Waid/Howard Porter, Steve Scott

Erschienen: 2000 (JLA #43-46, Paperback 2001), dt. Panini 2001 (JLA #1-2), Sonderband Eaglemoss 2015


 „Kaum zu glauben, dass ich erst jetzt drauf kam.“ (Ra’s al Ghul)

Ra’s al Ghul entführt die Leichen von Bruce Waynes Eltern und schaltet die Mitglieder der JLA nacheinander aus. Dann macht er mit einem Störsignal alle Menschen zu Analphabeten. Schließlich verwirrt er ihre Sprachen, sodass niemand mehr den anderen versteht. Ein bilateraler Konflikt könnte den Weltfrieden gefährden. Und das ist auch der Sinn der Aktion: die Menschheit soll sich selbst ausrotten. Wie konnte es so weit kommen? Weil Batman Pläne erstellt hat, wie man die JLA-Mitglieder besiegen kann und Ra’s sich die Akten besorgt hat …

Am Ende sind alle mehr sauer auf Batman statt auf Ra’s. Verständlich, aber Batman wollte nur vorsorgen für den Ernstfall. Die JLA diskutiert, ob sie den Dunklen Ritter rausschmeißen wollen. Dieser Teil ist der stärkste dieser sonst routinierten Geschichte. Ihr Hauptproblem besteht darin, dass die JLA sich zu schnell wieder fängt und Ra’s Pläne vereitelt, auch den Plan B, sodass das Finale einen ziemlich faden Eindruck macht. Dass in der letzten der vier Ausgaben der bisherige Stammzeichner Howard Porter durch eine Aushilfe ersetzt wird, stört den Lesegenuss zusätzlich – auch wenn der Neue seine Arbeit nicht schlecht macht, aber Uneinheitlichkeit ist, wie diese Geschichte zeigt, der Ursprung allen Übels.

Hinweis: Turm zu Babel ist in der Reihe DC Comics Graphic Novel Collection von Eaglemoss erschienen (Band 4).

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Tell me, do you bleed? You will.

„Is it really surprising that the most powerful men in the world should be a figure of controversy?“

Endlich ist er raus: der erste Teaser Trailer zu Batman v Superman: Dawn of Justice. Wir haben lange genung gewartet. Zu lange. Und schließlich rächte sich diese Hinhaltestrategie von Warner Bros. Ein Jahr vor dem Kinostart (26. März) gab es nichts als ein paar Promobilder der wichtigsten Charaktere. Da war Disney mit Star Wars schon besser, als bereits im vergangenen Dezember die ersten Ausschnitte gezeigt wurden. Dann, vor ein paar Tagen, brachte Warner einen 20-Sekunden-Teaser heraus, der den eigentlichen Teaser Trailer ankündigen sollte – für den 15. Mai. Denn dann sollte er zusammen mit Mad Max starten. Eine erbärmliche Werbekampagne, die keinem der beiden Filme nützt. Doch zuvor sollten einige Auserwählte den Trailer in IMAX-Kinos sehen dürfen. Die Rechnung ging nicht auf: Gestern wurde der Teaser geleakt, eine abgefilmte Version. Kurz darauf zog Warner nach und brachte das Ding endlich offiziell und in HD heraus.

Und wie ist der Trailer geworden? Düster. Sehr düster. Wie ein Batman-Film sein sollte. Allerdings liegt der Schwerpunkt auf Superman: Er wird als Gott verehrt, aber auch gefürchtet und als „falscher Gott“ in Frage gestellt. Der Eindruck, den der Held hinterlassen hat, bewegt die Welt. Und offenbar dient Batman dazu, dem Treiben des Kryptoniers Einhalt zu gebieten. Mit schwerem Geschütz und in Stahlrüstung wird der Man of Steel by Nature bekämpft. „Tell me, do you bleed?“, fragt der Dunkle Ritter Superman. „You will.“ Toller Satz. Aber: Überzeugt uns das? Einerseits ist es klar: Darum geht es in diesem Film, der Titel sagt es und es ist ein gängiger Topos, dass die beiden größten Superhelden aufeinander losgehen. Dazu muss Superman geschwächt werden (mit Kryptonit) oder Batman gestärkt (mit Technik oder temporären Superkräften). Aber Batmans primäre Aufgabe ist es nicht, Superman zu vermöbeln, sondern sich von Haus zu Haus zu schwingen und im Dunkeln Verbrecher aufzumischen. Leider scheint aber der Ben Affleck-Batman bei seinem ersten Auftritt in die Rolle gedrängt zu werden, außer Kontrolle geratene Superwesen zur Ordnung zu rufen. Und Wonder Woman und Aquaman könnten sich in den Streit einmischen, was auch bedeutet, dass sie Partei ergreifen … Kurz: Es wird ein halber Justice League-Film.

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Wo geht die Heldenreise hin?

DC Comics

DC Comics Titel: The Villain’s Journey (dt. Der Pfad des Schurken)

Autor/Zeichner: Geoff Johns/Jim Lee u.a.

Erschienen: 2012 (Justice League #7-12), Paperback 2012 (Justice League Vol 2.); dt. Panini 2013


„Die Justice League ist nicht so heldenhaft, wie alle glauben. (…) Sie sind nicht das Team, das sie sein müssten. Das waren sie nie.“ (David Graves)

Nach dem ersten gemeinsamen Abenteuer der Justice League im neuen DC-Universum macht die Erzählung einen Zeitsprung: Einige Jahre später ist die Liga ein eingespieltes Team, das routinemäßig die Welt rettet. Die Menschen lieben ihre Helden, vertrauen ihnen, trauen ihnen sogar zu, ihre weltlichen Probleme wie Wirtschaftskrisen zu lösen und die Bildungspolitik zu reformieren. Begleitet – und beobachtet – wird sie von der Spezialeinheit Argus, angeführt vom Agenten Steve Trevor, der bekanntlich einmal auf der Paradiesinsel gelandet ist, wo er Wonder Woman kennen und lieben lernte. Er muss sich vor der Welt rechtfertigen: für die Handlungen der Justice League, aber auch für sein Privatleben.

Trevor, der Vertraute der JL, wird zur Schwachstelle. Denn ein gewisser David Graves, dessen Familie die Helden vor Darkseid gerettet haben, und der einst aus Dankbarkeit einen Bestseller über die Liga geschrieben hat, ist mittlerweile ziemlich sauer. Seine Familie ist an einer mysteriösen Krankheit gestorben, er selbst ist kurz davor, das gleiche Schicksal zu teilen. Also sucht er Hilfe im Übernatürlichen und mit neuen Kräften ausgestattet, entführt er Trevor und schafft es durch Folter und Erpressung an die Geheimnisse der Liga ranzukommen, um sie auszuschalten. Wie? Indem er sie mit ihren eigenen Dämonen konfrontiert …

Im Gegensatz zum Origin wird hier eine halbwegs ordentliche Geschichte erzählt, in der wenigstens Steve Trevor einen Bezugspunkt bildet. Ansonsten wirkt die JL abgeschottet und elitär, wir erfahren, dass ein Versuch, neue Mitglieder (wie den Martian Manhunter) zu akquirieren, gescheitert ist, und man deshalb vorerst keine neuen Rekruten akzeptiert. Das hindert jedoch Green Arrow nicht daran, es dennoch eine Ausgabe lang beharrlich zu versuchen, sich dem Team anzuschließen – vergeblich. Doch es sind auch interne Querelen auszustehen: Wonder Woman fetzt sich mit Green Lantern, Superman mischt sich ein und bekommt einen Tritt von ihr verpasst – und das auch noch vor der Weltöffentlichkeit. Man benimmt sich immer noch so albern wie zu Beginn. Am Ende wird klar: Superman und Diana sind ein Paar.

Wow. Eigentlich wollte ich mich kurz fassen, aber jetzt sind es schon drei Absätze Inhaltsbeschreibung geworden – und ich habe längst nicht alles erzählt. Muss ich auch nicht, denn so plump geradlinig die erste JL-Story war, so überladen und sprunghaft ist die zweite. Statt den eingeschlagenen Weg weiterzugehen und zu erzählen, wie die Helden zueinander finden und ihre nächsten Aufgaben meistern, forciert Autor Geoff Johns eine etablierte Liga – nur um dann doch ein paar wichtige Episoden (wie die Rekrutierung oder den Kampf gegen Amazo) en passant nachzutragen. Statt eins nach dem anderen in einer organisch zusammenhängenden Geschichte zu erzählen, wird vieles Kommende (wie Pandora, Shazam, Cheetah, Atlantis) bloß angerissen, als wollte man mit einer Fülle von Vorausdeutungen die Neugier der Leser erzwingen. Äußerst unsympathisch, wenn der Autor selbst nicht zu wissen scheint, wohin die Heldenreise geht.

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Super Sieben mit Startschwierigkeiten

DC Comics

DC ComicsTitel: Origin (dt. Der Anfang)

Autor/Zeichner: Geoff Johns/Jim Lee

Erschienen: 2011-2012 (Justice League #1-7), Paperback 2012 (Justice League Vol. 1); dt. Panini 2013


„Wir sind kein Team. Und Freunde sind wir auch nicht.“ (Hal Jordan)

Batman trifft auf Green Lantern. Superman kommt dazu. Er kloppt sich ein bisschen mit Green Lantern. Flash kommt dazu. Er kloppt sich ein bisschen mit Superman. Dann kommen einige Paradämonen und man kloppt sich mit denen. Wonder Woman kommt dazu und hilft dabei die Paradämonen zu vermöbeln. Und dann taucht auch Aquaman auf (sorry, der Kalauer musste sein) und hilft mit ein paar Haien dabei, weitere Paradämonen zu verhauen. Zwischendrin wird Victor Stone durch einen Unfall und einen drastischen Eingriff seines Vaters zum Cyborg wider Willen. Und als Darkseid erscheint, vereinen die Streithähne ihre Kräfte und schubsen ihn durch eine Schallröhre zurück nach Apokolips.

So. Das ist die erste Geschichte der neuen Justice League-Serie. Ebenso holprig und planlos wie das erste Zusammentreffen der sieben Helden. Das Verhältnis ist geprägt von Misstrauen. „Erst schlagen, dann fragen“ ist die Devise. Die größten Helden verhalten sich wie pubertierende Kinder. Selbst Batman, der mysteriöse Denker der Gruppe, neigt zum Schwachsinn, als er einmal sogar seine Maske ablegt und sich Green Lantern als Bruce Wayne vorstellt – und zwar kurz nachdem er ihn kennengelernt hat und in aller Öffentlichkeit! Was kann man noch sagen über diesen Anfang? Dass er nicht mehr als viel heiße Luft ist, aufgebauscht mit all zu vielen Splash Pages, die nur übertroffen werden durch doppelte Splash Pages? Dass alles nur schicke Pose ohne Emotion oder Substanz ist? Dass selbst der Witz bemüht wirkt und auf der Strecke bleibt? Das alles könnte man sagen – es wäre aber nicht der Rede wert. Dieser Neustart ist ein Rohrkrepierer.

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Quer durch die Personalabteilung

DC Comics

DC Comics

Titel: Knight Terrors (Batman: The Dark Knight Vol. 1) (dt. Das Höllenserum)

Autor/Zeichner: David Finch/David Finch, Paul Jenkins

Erschienen: 2011/2012 (Batman: The Dark Knight #1-9)


„Du bist der Vater deiner Angst.“ (Batman)

Man darf sich ruhig fragen, wie sinnvoll es ist, eine neue Batman-Serie zu starten kurz bevor man alle Serien wieder von vorn beginnen lässt. So folgt nach Batman: The Dark Knight #5 wieder eine #1. Aber vergleicht man die beiden Stories, wirkt es so, als gäbe es keinen Unterschied bis auf das Logo auf Batmans Brust, das nicht mehr gelb leuchtet (wie blöd ist das denn?), sondern nur noch klassisch schwarz auf grau daherkommt. Erinnern wir uns: Zu Beginn von Golden Dawn war Killer Croc auf einem Venom-Verschnitt drauf. Spielte keine große Rolle, denn es ging eigentlich um Übersinnliches. Nach dem Neustart wird das Drogen-Thema wieder aufgegriffen, als hätte es nie ein Reboot gegeben macht Autor David Finch weiter, wo er aufgehört hat. Ein Unbekannter hat die Arkham-Insassen mit dem Gift vollgepumpt, daher ist in der Anstalt mal wieder die Hölle los, großer Aufstand etc.

Two-Face sieht aus wie Bane, furchtlos und kommt sich erleuchtet vor. „Furcht verhindert, dass wir wirklich leben“, sagt er, während er Batman vermöbelt. Und damit ist nicht nur das eigentliche Thema der Geschichte benannt, sondern auch einer der beiden Schurken, die für das Ganze verantwortlich sind: Scarecrow. Er analysiert Batman noch weiter als er es ohnehin mit sich selbst tut: „Dein Heldentum soll dich vor der Angst schützen“, sagt er. „Leben zu retten ist deine Sucht.“

Superman: Ein faschistoider Kontrollfreak

Die Story ist geradlinig und schlicht: Über sieben Ausgaben hinweg lassen die Autoren Batman einmal durch die Personalabteilung laufen: Neben Two-Face und Scarecrow treten Joker, Clayface, Poison Ivy und Bane auf, dazu eine leichtbekleidete Frau namens White Rabbit, die sicher nicht zufällig an ein Playboy-Bunny erinnert. Als wäre das nicht genug, schauen auch mal Flash, Wonder Woman und Superman vorbei, allerdings ohne für die Handlung von großem Nutzen zu sein. Flash ist gerade mal ein paar Panels lang dabei, da ist er schon vergiftet und muss wie blöde ein paar Mal um die Erde laufen, damit er das überlebt. Dann gibt es noch einen kurzen Kampf zwischen Batman und Superman – und jetzt dürfen die Leser mal raten, wer gewinnt. Immerhin darf Batman dem Stählernen mal die Meinung geigen: „Du bist ein in die US-Flagge gehüllter Außenseiter. Ein faschistoider Kontrollfreak.“

Zu den Stärken gehören die Sequenzen, die Gordon gewidmet sind. Der muss sich mit einem internen Ermittler rumschlagen, der ihm auf die Pelle rückt (übrigens auch ein Element aus Golden Dawn). Dass sich Batman in den Konflikt einmischt, macht es nicht besser. Gordon ist mal wieder der einsame Wolf, der seinen Frust im Schnaps ertränkt. Immerhin das hat Potenzial für weitere Konflikte – im Gegensatz zu dem bemühten Flirt zwischen Bruce Wayne und einer Frau namens Jaina Hudson …

Die Auflösung der Geschichte dürfte keinen vom Hocker hauen. Bleibt nur die Frage, was diese White Rabbit-Braut soll. Aber wenn man sie so sieht, in ihrem knappen Kostüm, das mehr zeigt, als es verbirgt, dann erübrigt sich die Frage. Hier geht es um reine Schauwerte. Leider überzeugen David Finchs Zeichnungen nicht durchgehend, besonders bei der Mimik versagen seine ansonsten soliden Fähigkeiten. Auch wenn der Auftakt der Serie eher durchschnittlich geraten ist und es an Phantasie vermissen lässt, liest sich The Dark Knight unterhaltsamer als Detective Comics.

>> Batman 2011-2019