Wo geht die Heldenreise hin?

DC Comics

DC Comics Titel: The Villain’s Journey (dt. Der Pfad des Schurken)

Autor/Zeichner: Geoff Johns/Jim Lee u.a.

Erschienen: 2012 (Justice League #7-12), Paperback 2012 (Justice League Vol 2.); dt. Panini 2013


„Die Justice League ist nicht so heldenhaft, wie alle glauben. (…) Sie sind nicht das Team, das sie sein müssten. Das waren sie nie.“ (David Graves)

Nach dem ersten gemeinsamen Abenteuer der Justice League im neuen DC-Universum macht die Erzählung einen Zeitsprung: Einige Jahre später ist die Liga ein eingespieltes Team, das routinemäßig die Welt rettet. Die Menschen lieben ihre Helden, vertrauen ihnen, trauen ihnen sogar zu, ihre weltlichen Probleme wie Wirtschaftskrisen zu lösen und die Bildungspolitik zu reformieren. Begleitet – und beobachtet – wird sie von der Spezialeinheit Argus, angeführt vom Agenten Steve Trevor, der bekanntlich einmal auf der Paradiesinsel gelandet ist, wo er Wonder Woman kennen und lieben lernte. Er muss sich vor der Welt rechtfertigen: für die Handlungen der Justice League, aber auch für sein Privatleben.

Trevor, der Vertraute der JL, wird zur Schwachstelle. Denn ein gewisser David Graves, dessen Familie die Helden vor Darkseid gerettet haben, und der einst aus Dankbarkeit einen Bestseller über die Liga geschrieben hat, ist mittlerweile ziemlich sauer. Seine Familie ist an einer mysteriösen Krankheit gestorben, er selbst ist kurz davor, das gleiche Schicksal zu teilen. Also sucht er Hilfe im Übernatürlichen und mit neuen Kräften ausgestattet, entführt er Trevor und schafft es durch Folter und Erpressung an die Geheimnisse der Liga ranzukommen, um sie auszuschalten. Wie? Indem er sie mit ihren eigenen Dämonen konfrontiert …

Im Gegensatz zum Origin wird hier eine halbwegs ordentliche Geschichte erzählt, in der wenigstens Steve Trevor einen Bezugspunkt bildet. Ansonsten wirkt die JL abgeschottet und elitär, wir erfahren, dass ein Versuch, neue Mitglieder (wie den Martian Manhunter) zu akquirieren, gescheitert ist, und man deshalb vorerst keine neuen Rekruten akzeptiert. Das hindert jedoch Green Arrow nicht daran, es dennoch eine Ausgabe lang beharrlich zu versuchen, sich dem Team anzuschließen – vergeblich. Doch es sind auch interne Querelen auszustehen: Wonder Woman fetzt sich mit Green Lantern, Superman mischt sich ein und bekommt einen Tritt von ihr verpasst – und das auch noch vor der Weltöffentlichkeit. Man benimmt sich immer noch so albern wie zu Beginn. Am Ende wird klar: Superman und Diana sind ein Paar.

Wow. Eigentlich wollte ich mich kurz fassen, aber jetzt sind es schon drei Absätze Inhaltsbeschreibung geworden – und ich habe längst nicht alles erzählt. Muss ich auch nicht, denn so plump geradlinig die erste JL-Story war, so überladen und sprunghaft ist die zweite. Statt den eingeschlagenen Weg weiterzugehen und zu erzählen, wie die Helden zueinander finden und ihre nächsten Aufgaben meistern, forciert Autor Geoff Johns eine etablierte Liga – nur um dann doch ein paar wichtige Episoden (wie die Rekrutierung oder den Kampf gegen Amazo) en passant nachzutragen. Statt eins nach dem anderen in einer organisch zusammenhängenden Geschichte zu erzählen, wird vieles Kommende (wie Pandora, Shazam, Cheetah, Atlantis) bloß angerissen, als wollte man mit einer Fülle von Vorausdeutungen die Neugier der Leser erzwingen. Äußerst unsympathisch, wenn der Autor selbst nicht zu wissen scheint, wohin die Heldenreise geht.

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