Catwoman

Die verhinderte Fledermaus

Detective No 27

DC Comics

Titel: Batman: Detective No. 27 (Detective #27)

Autor/Zeichner: Michael Uslan/Peter Snejbjerg

Erschienen: 2003 (One-shot)


 „Did you ever dance with the devil in the pale moonlight?“

Eine Batman-Story ohne Batman. Bruce Wayne sitzt am offenen Fenster und überlegt gerade, wie er am besten das Verbrechen bekämpfen kann, das seine Eltern das Leben kostete, da klopft es an der Tür. Wayne schließt das Fenster, eine Fledermaus fliegt dagegen. „Stupid bird!“, sagt Wayne genervt ohne richtig hinzusehen. Kurz darauf wird er zum „Detective No. 27“, Mitglied einer Geheimgesellschaft, die gegen eine Verschwörung von Südstaatlern kämpft. Einige von denen haben es nicht verkraftet, den Bürgerkrieg verloren zu haben, also ermordeten sie Abraham Lincoln und planen jetzt, den Norden mit einem tödlichen Gift zu vergasen.

Der Reiz dieser etwas weit hergeholten Geschichte besteht darin, dass sie zwar in der Welt von Batman spielt, aber alles, was man von ihr kennt, lediglich tangiert. Es gibt einen Elternmord, einen Verbrechensbekämpfer, der inkognito unterwegs ist, einen Alfred und sogar einen Robin, aber ohne dass Bruce Wayne sich je als Batman kostümieren würde. Stattdessen begnügt sich die Story mit Anspielungen und (zuweilen kalauerhaften) Wortwitzen. Der platteste fällt, nachdem Wayne eine Horde von Schurken mit einem Baseballschläger (engl. „bat“) zusammengeschlagen hat: „You swing a helluva stick for a civilian, my friend!“, sagt ein Mitstreiter. „Gonna have to start calling you ‚the Bat-Man‘!“ Ansonsten haben wir einen grinsenden Joker (der jedoch nicht blasshäutig ist), einen Mad Scientist namens Hugo Strange, einen Professor Crane und eine Selina Kyle, genannt „the Cat“. Selbst Superman schaut am Ende vorbei – allein dieser trägt sein typisches Kostüm.

Es wird also viel geboten. Das alles geschieht in einem historischen Kontext (die Haupthandlung spielt – natürlich – im Batman-Geburtsjahr 1939), Autor Michael Uslan hat ans Ende des Bandes sogar ein paar Fußnoten gesetzt, in denen er Bezüge zur Geschichte erklärt. Es ist diese Liebe zur Ausschmückung, die diesen Band so sympathisch macht. Peter Snejbjergs schlichte Zeichnungen, die zuweilen an den Animated-Stil erinnern, sind ebenso detailreich und voller Leben. Es ist ein gewagtes Experiment, Batman aufs Cover zu schreiben und dann keinen zu bieten. Aber auch konsequent. Und allein dafür gebührt den Machern Respekt.

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics

Nur böse ist auch blöd

DC Comics

DC ComicsTitel: Forever Evil/Forever Heroes

Autor/Zeichner: Geoff Johns/David Finch, Ivan Reis

Erschienen: 2013-2014 (Mini-Serie #1-7), Hardcover 2014 (Justice League Vol. 5), Justice League #24-29, (Hardcover 2014); dt. Panini 2014


„The Justice League is dead. Superman is gone. This is a job for Lex Luthor.“

Bei Justice League-Abenteuern oder Crossovern gibt es eigentlich nur drei Plots:

  1. Ein Schurke oder mehrere schalten die Helden aus, entweder auf einen Schlag oder nacheinander. Die Helden müssen sich wieder berappeln oder aus der Gefangenschaft ausbrechen. Meistens scheitert der Schurke an seiner eigenen Eitelkeit, weil er einen Helden übersehen oder unterschätzt hat, oder er begeht einen anderen Fehler.
  2. Die Helden treffen auf ihre bösen Gegenstücke.
  3. Eine unfassbare Macht aus dem Weltall oder einer anderen Dimension will die Erde zerstören oder wenigstens unterjochen. Die Helden müssen sich verbünden und kämpfen an verschiedenen Fronten. Am Ende hat einer von ihnen die entscheidende Lösung parat.

Diese drei Plots sind auch beliebig kombinierbar. Im Fall von Forever Evil, dem ersten großen Crossover des neuen DC-Universums (das eigentlich schon mit Trinity War begonnen hat) kommen die bösen Gegenstücke aus dem Paralleluniversum Erde 3 (das Crime Syndicate, das bei Grant Morrison von Erde 2 stammte) und schalten die Justice League auf einen Schlag aus, um deren Erde zu unterwerfen. Die heimischen Schurken werden zu Handlangern erklärt, sie übernehmen die Schreckensherrschaft über die Erde. Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive von Lex Luthor, der sich die Aktion nicht gefallen lässt und spontan in seinen grün-violetten Kampfanzug (ohne Helm) schlüpft, um die Invasoren dorthin zurückzujagen, wo sie hergekommen sind. Dabei wird er unterstützt von einer Schurken-Allianz, die sich den Fremden von Erde 3 nicht fügen wollen: Catwoman, Black Adam, Black Manta, Sinestro – und Bizarro, dem missglückten Superman-Klon aus LexCorps Geheimlabors.

Die Justice League ist tot, heißt es. Aber man kann sich denken, dass es nicht ganz so schlimm sein kann, zumal man keinen Toten zu sehen bekommt. Stattdessen taucht Batman auf und verbündet sich mit Luthor im Kampf gegen das Crime Syndicate. Der Dunkle Ritter hat ein persönliches Motiv: Nightwing wurde gefangen genommen und seine Identität als Dick Grayson öffentlich preisgegeben. Die Angelegenheit gerät zu einer Befreiungsaktion.

Forever Evil ist die erste Justice League-/Crossover-Geschichte des neuen DC-Universums, die wirklich fesselt und unterhält. Dass sie jedoch fast ohne die Justice League und ihre Helden auskommt, sollte dem Verlag zu denken geben. Dass ausgerechnet der Schurke Lex Luthor zum Helden wird, der den anderen Schurken zeigt, wo es langgeht, gibt der Story einen starken Bezugspunkt. Seine fast schon liebevolle Beziehung zu Bizarro verleiht der Handlung Menschlichkeit. Allerdings ist es zu viel des Guten, dass Luthor am Ende nicht nur die Welt, sondern auch Batman und Superman das Leben rettet – immerhin sind es seine Erzfeinde. Unglaubwürdig ist auch der Cliffhanger am Ende, wenn Lex dahinter kommt, dass Batman Bruce Wayne ist – als ob keiner sonst so schlau wäre, Dick Grayson zu googeln und bei dem Namen Bruce Wayne eins und eins zusammen zu zählen.

Leider überzeugen auch David Finchs Zeichnungen nicht durchgehend. Seinen Gesichtern fehlt es an Ausdruckskraft. Oft wirken seine Figuren zu grobschlächtig und an einigen Stellen schlichtweg schlampig.

Ärgerlich ist wieder mal die Veröffentlichungspolitik (sowohl von DC als auch von Panini), die das Lesevergnügen unnötig verkompliziert. Wer sich den Sammelband mit der siebenteiligen Mini-Serie zulegt, hat zwar den Hauptplot, aber es fehlen Stücke, die einige wichtige Hintergründe erklären. Nicht nur, dass man Trinity War gelesen haben sollte, auch die Ausgaben der (deutschen) Justice League-Serie sind wichtig, weil darin erklärt wird, wie Cyborg wieder zusammengebaut wird und den Virus Grid überwindet (die Metal Men hingegen nerven) oder was es mit den Mitgliedern des Crime Syndicates auf sich hat. Außerdem wird im Black Adam-Heft (Justice League of America #7.4) erzählt, wie der Schurke aus seiner Asche wiederaufersteht. Darüber hinaus gibt es einen Berg an Tie-ins mit allen möglichen Subplots sowie den Sonderheften des Villain’s Month, die jeweils einem Hauptschurken gewidmet sind, was die Sache noch unübersichtlicher macht. Während bei Trinity War alle wichtigen Hefte in einem Band versammelt wurden (in Deutschland sind es zwei), fehlt ein solches Kompendium für Forever Evil bislang – obwohl es bitter nötig wäre. (Immerhin gibt es einen Villain’s Month Omnibus.)

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Legends of the Dark Knight: Prey

DC Comics

DC Comics

Titel: Prey (dt. Die Intrigen des Dr. Strange/Beute)

Autor/Zeichner: Doug Moench/Paul Gulacy

Erschienen: 1992 (Legends of the Dark Knight #11-15), Paperback 1992, Neuauflage 2012 (zusammen mit Terror); dt. Carlsen 1992, Panini 2014


 „Batman is actually good for morale. It doesn’t hurt, for some of the men, at least, to know we’re not out there on the street alone.“ (James Gordon)

„Must I act alone? Is my ego that huge? My obsession that great? What would it take for me to trust someone? And who could I trust?“ (Bruce Wayne)

„Oh, he’s a killer, this Batman … A killer who doesn’t kill.“ (Hugo Strange)

„The one crime the Bat-Man can never stop is the one that started him.“ (Hugo Strange)

Zu Beginn seiner Karriere hat Batman nicht viele Freunde. In Prey hat der Held nur Captain James Gordon auf seiner Seite, der nicht vergessen hat, dass Batman in Year One sein Kind gerettet hat. Ansonsten bringt der Vigilant immer noch die Polizei gegen sich auf, der Bürgermeister verurteilt die Selbstjustiz und initiiert ein Sonderkommando, das Batman endlich ausschalten soll. Gordon führt die Einheit an, beruft einen gewissen Sergeant Cort dazu, der gerne rabiat gegen Batman vorgeht. Zu der Task Force gehört auch der Psychiater Dr. Hugo Strange. Der ist ganz versessen darauf, Batman zu analysieren und dessen wahre Identität herauszufinden (die Idee stammt aus Strange Apparitions), er entwickelt einen regelrechten Batman-Fetisch, verkleidet sich sogar wie der Held. Um die Stimmung gegen Batman weiter anzuheizen, entführt Strange die Tochter des Bürgermeisters und manipuliert Cort so, dass dieser selbst zum Vigilanten Night-Scourge wird. Batman ist umgeben von Jägern, die es auf ihn abgesehen haben.

Batman-Altmeister Doug Moench fährt eine dichte Story mit vielen Facetten auf, die trotz der Handlungsstränge den Helden nicht aus dem Fokus verliert. Wie häufig bei den Geschichten über Batmans Frühzeit geht es um den Menschen hinter der Maske: den schwachen, zweifelnden und verletzlichen. Bruce Wayne wird von Strange infrage gestellt und mit seinem Ur-Trauma konfrontiert. Er verspürt Müdigkeit und Hunger (letzteres eine Seltenheit!). Die dunkle Bathöhle dient als Rückzugsort der Kontemplation, hier findet Batman zu seinem wahren Selbst zurück. Darüber hinaus sehen wir erstmals Batmobil und Batsignal im Einsatz. Dass Catwoman ein paar Mal auftaucht, hätte es allerdings nicht gebraucht. Hier wird sie noch für Batmans Komplizin gehalten, am Ende darf sie deus ex machina spielen. Sie nimmt die Doppelrolle von Gegnerin und Gefährtin auf.

Doch eine mitreißende Story ist bekanntlich nur die halbe Miete. Paul Gulacys filigrane Zeichnungen machen die andere Hälfte aus: detail- und schattenreich, dynamisch und voller schräger Perspektiven sorgen sie für eine düstere Noir-Stimmung und lassen den Dunklen Ritter trotz seines blauen Capes schön dramatisch erscheinen. Das alles macht die dritte Legends-Geschichte zu einem mustergültigen Beispiel dafür, wie man Batman erzählen sollte.

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Die ewige Katzenjagd

Titel: Chase Me

Regie/Drehbuch: Curt Geda/Paul Dini, Alan Burnett

Erschienen: 2003


Alle Frauen wollen mit Bruce Wayne tanzen, der arme Playboy kann sich kaum noch vor Zuspruch retten. Doch als er Catwoman beim Diebstahl erwischt, ist es er, der als Batman einer Frau hinterherrennt – und nicht nur irgendeiner. Chase Me, ein Kurzfilm als Zugabe zu Mystery of the Batwoman (2003), erzählt in sechs Minuten von einer Verfolgungsjagd zwischen Batman und Catwoman durch Gotham – und zwar ganz ohne Worte. Es ist wohl kein Zufall, dass dabei eine Menge – ähem – Milch fließt. Am Ende landen die beiden im Zoo bei den wilden Tieren und es endet sogar mit einem Kuss und Fesselspielchen. Batman bleibt dennoch der Alte – und Bruce Wayne der ewige einsame Playboy, der mit anderen Frauen vorlieb nehmen muss.

Die besten Helden zweier Welten

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman/Superman: Cross World

Autor/Zeichner: Greg Pak/Jae Lee

Erschienen: 2013 (Batman/Superman #1-4, Paperback 2014)


„Ich will Verbrecher erschrecken. Aber diese Leute … halten mich für einen.“ (Batman)

Was kann es besseres geben als ein Aufeinandertreffen von Batman und Superman? Zwei Batmen und Supermen, haben sich die Leute von DC gedacht, als sie ihre World’s Finest-Serie für „The New 52“ rebootet haben. Also gibt es für die erste Story beide Helden im Doppelpack, eine Fusion von Erde 0 und Erde 2. Das ist verwirrend – und auch nicht unbedingt nötig. Verantwortlich für das Chaos ist Kayio, auch Trickster genannt, eine Frauengestalt mit übernatürlichen Kräften. Das Ganze läuft darauf hinaus, dass die besten Helden zweier Welten getestet werden sollen, um im Kampf gegen Darkseid zu bestehen. Alles dreht sich um einen wundersamen Kristall etc. – was auch immer.

Als würde das nicht reichen, schauen auch Wonder Woman und Catwoman vorbei, die jeweils auf Erde 2 was mit Superman bzw. Batman am laufen haben (was das angeht, ist Erde 2 also die bessere Welt). Die einzigen Momente, die der Aufmerksamkeit wert sind, sind Anfang und Ende, wenn jeweils die jungen Ausgaben von Clark und Bruce in zivil aufeinandertreffen. Den beiden noch eine Begegnung in der Kindheit anzudichten, hätte es nicht gebraucht – das wirkt arg konstruiert.

Interessant sind die Zeichnungen von Jae Lee, der einen sehr eigentümlichen, untypischen Stil hat, der an Gemälde erinnert. Was er leider nicht gut beherrscht, sind Gesichter. Sie erscheinen maskenhaft fade. Und so bleibt von Cross World auch ein schaler Nachgeschmack zurück. Wenn die Weltbesten zusammenkommen, kann man mehr daraus machen.

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Zum Geburtstag viel Glück

DC Comics

DC Comics

Titel: Detective Comics Vol. 5 – Gothtopia (dt. Gothtopia/Chaos-Theorie)

Autor/Zeichner: John Layman/Jason Fabok, Aaron Lopresti

Erschienen: 2014 (Detective Comics #25-29), Hardcover 2015; dt. Panini 2014 (Gothtopia #1-2), Paperbacks 2015 (Gothtopia), Batman Sonderband #45 (Chaos-Theorie, enthält Detective #27 u. Annual #3)


„Something is very wrong here.“ (Bruce Wayne)

„I’m always ready.“ (Batman)

Es hat sich gut gefügt, dass ausgerechnet im 75. Jahr von Batman die 27. Ausgabe von Detective Comics (der zweiten Reihe) herauskam. Eine magische Zahl, da im Jahr 1939 der Dunkle Ritter seinen ersten Auftritt in ebendieser Nummer hatte. Und so wurde zum Geburtstag eine dicke Jubiläumsausgabe gemacht, bei der eine Reihe namhafter Autoren und Zeichner ein paar Kurzgeschichten beisteuern durfte. Und es sind tolle Geschichten geworden.

Bemerkenswert ist, dass die erste Batman Story „The Case of the Chemical Syndicate“ neu erzählt wurde. Brad Meltzer (Identity Crisis) behält die Essenz bei, reduziert sie aber auf das Wesentliche und tut das, was längst nahe lag: er verbindet sie mit einem Joker-Origin. Interessant sind allerdings der Auszug aus Batmans Tagebuch, in dem er darüber sinniert, warum er das alles tut – und dabei tun sich Abgründe auf: „Why do I do this? I do it because I’m good at it. (…) I do it because I’m insane. (…) I do it because I can’t go to the movies anymore. (…) I do it because life doesn’t make sense.“

Was-wäre-wenn-Szenarios

In „Old School“ schicken Autor Gregg Hurwitz und Zeichner-Legende Neal Adams Batman und Robin mit einem Parforceritt durch ihre eigene Historie: Vom Golden Age über Frank Millers Dark Knight bis heute. Die Hommage ist zugleich voller Ironie auf die seltsamen Eigenarten früherer Comics, etwa dass Batman und Robin ständig laut ihre Pläne aussprechen und sich damit angreifbar machen, oder dass sie durch hanebüchene Lösungen ihre Probleme meistern. Das dynamische Duo muss sich mehrfach neu erfinden – buchstäblich häuten -, um im Laufe der Zeit zu bestehen. (Ein ausführlicher Essay zu dieser Beobachtung findet sich hier.)

Drei Stories imaginieren Was-wäre-wenn-Szenarios: „Better Days“ handelt von Bruce Waynes 75. Geburtstag mit der ganzen Bat-Familie. Selbstverständlich kommt Autor Peter J. Tomasi zu dem Schluss, dass sich der Held auch im hohen Alter nicht in Ruhestand schicken lassen würde. In „The Sacrifice“ zeigt der Phantom Stranger Batman, wie dessen Leben und Gotham aussehen könnte, wenn die Waynes den Raubüberfall überlebt hätten. Zwar kommen die Waynes zu einigem Familienglück, aber dafür geht die Welt vor die Hunde. Moral: „Sometimes a sacrifice is necessary.“ Zum Schluss stellt sich Scott Snyder in „Twenty Seven“ vor, wie die Tradition der Batmen in den nächsten 200 Jahren fortgeführt werden könnte – mit Klonen. Die Geschichte lebt von Sean Murphys Zeichnungen, der in epischen Panels apokalyptische Kriege inszeniert.

Utopie als Illusion

Diese Stories allein sind die Anschaffung des fünften Sammelbandes von Detective Comics wert. Sie haben eine Qualität, die man sonst nur von der Black and White-Reihe kennt. Titelgebend ist die Storyline Gothtopia, die in Detective Comics #27 beginnt und sich über zwei weitere Hefte erstreckt. Die Geschichte ist ebenfalls als Jubiläumsfeier gedacht – und im Gegensatz zu den meisten bisherigen Stories der neu gestarteten Serie sogar halbwegs gelungen.

Auch sie beginnt mit einem Elseworlds-Szenario: Gotham City ist nazu befreit von Verbrechen. Batman, der ein graues Kostüm trägt, ist tagsüber unterwegs und hilft zusammen mit Catbird (Selina Kyle, seiner Frau) den Ordnungskräften bei Unfällen und Bränden. Oswald Cobblepot ist Bürgermeister und Black-Mask-Anführer Sionis ist Police Commissioner. Aber Batman ahnt sehr schnell, dass hier etwas nicht stimmt und findet heraus, dass die Utopie nur eine Illusion ist.

Gute Idee, schwach realisiert

Bevor jetzt Leser „Spoiler!“ schreien, sei entwarnt: man erfährt es früh. Zu früh. Wieder mal schafft es Autor Jason Fabok nicht, Spannung zu erzeugen und Batman ein bisschen länger Detektiv spielen zu lassen. Nein, der Held hat alles sofort geblickt und lässt die Blase platzen. Das ist schade, man hätte mehr mit dem Verwischen von Phantasie und Wirklichkeit spielen können. Aber dafür interessiert sich Fabok nicht. Stattdessen schickt er Batman nach Arkham, wo wir ihn zwar (schon wieder) in Zwangsjacke sehen, aber immer noch mit Maske und Kostüm (Erklärung: um die Geheimidentität schert sich keiner). Ärgerlich ist auch, dass ein paar potenzielle Actionszenen ausgespart werden und die Erzählung – wie in den Ausgaben zuvor – unnötig hin- und herspringt. Außerdem kommt Zeichner Aaron Lopresti nicht an das Niveau von John Layman heran, zu plump und cartoonhaft wirken seine Figuren (vor allem bei Scarecrows Maske). Entschädigt wird der Leser durch ein großes Schurkenaufgebot und immerhin eine interessante Grundidee.

Ansonsten bietet der Band noch zweierlei: einen enttäuschend schwachen Abschluss der Man-Bat-Story, die in früheren Ausgaben breitgewalzt wurde, sowie ein nachgereichtes Kapitel der Storyline Zero Year. In letzterer geht es um Gordons Kampf gegen die Korruption bei der Polizei. Das ist ganz ordentlich geraten und funktioniert gut als Ergänzung zu Batmans Entstehungsgeschichte. Endlich mal ein Detective Comics-Band, der Zeit und Geld wert ist.

>> Batman 2011-2019


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Batman goes Dickens

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DC Comics

Titel: Batman Noël

Autor/Zeichner: Lee Bermejo

Erschienen: 2011 (One-shot)


„Here lies a bat. He died boring predictable and nobody loved him.“

Der geizige Misanthrop, der nach dem Besuch dreier Geister an Heiligabend zu einem guten Menschen wird – diese Geschichte dürfte längst toterzählt sein. Auch Batman ist seinen drei Geistern bereits begegnet, allerdings an Halloween (in Haunted Knight). Doch Lee Bermejo, der sich bislang als Talent am Zeichentisch bewährt hat, meinte, in seinem Erstlingswerk als Autor trotzdem sich diesen alten Hut aufsetzen zu müssen. Und siehe da: das Weihnachtswunder ist ihm gelungen!

Wie schon sein Joker-Band ist auch Noel in einem einzigartigen Stil gestaltet: Realistisch, lebensnah, cineastisch. Gotham erstrahlt ausnahmsweise mal hell, ohne wie am Tag zu wirken, alles leuchtet in warmen Farben. Bermejo hat viel Mühe in Details gesteckt. Auch bewegt sich die Geschichte in einem eigenen, nicht-kanonischen Universum: Batmans Anzug wirkt wie eine selbstgenähte Rüstung, selbst das Batmobil sieht anders, aber durchaus schnittig aus, der Joker hat erneut ein Glasgow-Smile.

Ein Psychogramm des Helden

In so einem erfrischend anderem Setting kann Bermejo die altbackene Geschichte spielen lassen, ohne dass etwas davon angestaubt wirkt. Interessanterweise übernimmt nicht ein Schurke wie etwa der Pinguin die Rolle von Scrooge, sondern Batman. Er ist der hartherzige Fanatiker, der einen alleinerziehenden Vater, der sich als Bote für den Joker verdingt, zum Köder macht und dabei Vater und Sohn gefährdet. Batman ist aber auch einer, der sich selbst ausbeutet, weil er eigentlich mit seiner Husterei krank im Bett liegen sollte, statt auf Jokerjagd zu gehen. Der Vorteil von Noel ist, dass die Story keine Geister im eigentlichen Sinne auftreten lässt, sondern Batman drei bekannten Personen begegnet, die ihn zum Nachdenken bringen: Catwoman, Superman und Joker. Von Geistern spricht lediglich der Erzähler, es handelt sich also um eine Allegorie. Jedoch ist dieser Erzähler so skeptisch und distanziert zu seiner Geschichte, dass auch das darin liegende Pathos ironisch gebrochen wird.

In gewisser Weise kann man Noel auch als zweiten Teil oder Gegenstück zu Bermejos Joker lesen. Während letzteres ein Psychogramm des Schurken ist, ist ersteres eines des Helden. „I guess he’s a necessary evil“, sagt ein Polizist über Batman. Der Held erscheint in einem zweifelhaften Licht. Verständnis zeigt der Erzähler, für ihn ist Batman ein Opfer seines Kampfes geworden:

„He had pretty much resigned himself to the fact that life is a never-ending battle. The darkness of the world had forced him into the shadows, and the only way to combat the monsters was to become one himself. (…) Sometimes, when you work in the dirt, it gets tough after a while to clean yourself off. You get used to the filth. You even start to feel comfortable in it. Then you wake up one day and wonder why everyone else thinks you’re dirty.“

Zum Schluss kommt die Erkenntnis auf dem Friedhof: Lebendig begraben, von einer Schreckensvision geplagt, erkennt Scrooge-Batman, dass wenn er so weitermacht, er nur Schmerzen hinterlassen wird. Also rafft er sich auf und bringt die Dinge wieder in Ordnung.

Wie bei Charles Dickens ist auch Noel eine klassisch-humanistische Weihnachtsgeschichte mit der Prämisse, dass Menschen sich zum Guten ändern können. Daher gibt es auch das typisch romantische Ende, das man aus unzähligen amerikanischen Filmen kennt, wo alles zu Weihnachten nicht nur besser sondern am besten wird. Aber hier passt alles wunderbar zusammen: der Schrecken und die Erleichterung, die Gewalt und die Erlösung. Verblüffenderweise erzählt Lee Bermejo eine alte Geschichte wie zum ersten Mal.

>> Batman zu Weihnachten

The Dark Knight Rises: Batman im Ruhestand

Warner Bros.

Warner Bros.

Titel: The Dark Knight Rises

Regie/Drehbuch: Christopher Nolan/Christopher Nolan, Jonathan Nolan

Erschienen: 2012


 „A hero can be anyone. Even a man doing something as simple and reassuring as putting a coat around a young boy’s shoulders to let him know that the world hadn’t ended.“ (Batman)

Keine  Frage: Man muss Christopher Nolan dankbar sein. Mit seiner Batman-Trilogie hat er das Superhelden-Genre mit neuerfunden. Durch ihn wurde der maskierte Rächer endlich glaubwürdig: Seine Motivation, sein Kostüm, seine Hilfsmittel – alles ist so plausibel gemacht, wie es eben möglich ist. War der erste Teil ein gelungener Auftakt mit kleineren Schwächen, wurden im zweiten Teil alle Register gezogen. Vor allem die Figur des Jokers beherrschte den Film. Es war klar, dass dieser Film schwer zu überbieten sein würde.

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Catwoman in Rom

Catwoman: When in Rome

Titel: Catwoman: When in Rome (dt. Damals in Rom)

Autor/Zeichner: Jeph Loeb/Tim Sale

Erschienen: 2004 (Mini-Serie #1-6), dt. Panini 2006, Eaglemoss 2017 (DC Comics Graphic Novel Collection 112)


„Cat. Woman. That last part about the ‚woman‘ is pretty important.“ (Catwoman)

Während Batman in Dark Victory den Hangman-Killer jagt, reist Selina Kyle nach Rom, um herauszufinden, ob Carmine „The Roman“ Falcone wirklich ihr Vater ist, wie sie vermutet. Mit dabei ist Edward Nygma, der Riddler, der ihr dabei helfen soll, das Geheimnis zu lüften. Der aber erweist sich dabei ziemlich untauglich, sondern nutzt nur jede Gelegenheit, sich an seine Auftraggeberin ranzuschmeißen. Die aber träumt und halluziniert nur von Batman, während sie in Wirklichkeit mit einem blonden italienischen Auftragskiller anbandelt. Ach so, und ganz nebenbei gerät die Dame in Nöte, weil die italienische Mafia hinter ihr her ist.

Aber wen interessiert schon die Handlung, wenn man einer so heißen Braut mit Idealmaßen beim Baden, Räkeln und Nacktschlafen zusehen kann? When in Rome wirkt wie ein einziger feuchter Traum von Comic-Nerds, die sehen wollen, wie Catwoman endlich von Batman flachgelegt wird. Natürlich gibt sie – ganz die Emanze – die Unnahbare. Es ist die dick aufgetragene Erotik, die der Geschichte ihre Spannung verleiht. Bereits in The Long Halloween machte das doppelte Knistern zwischen Bruce und Selina/Batman und Catwoman einen Reiz aus, hier werden die damit verbundenen Sehnsüchte regelrecht ausgeweidet.

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Sauberer Bulle, dreckige Stadt

Gotham

Gotham ist eine Batman-Serie ohne Batman. Im Mittelpunkt steht die Anfangszeit des Polizisten James Gordon, der versucht, den Mord an der Familie Wayne aufzuklären. Nebenbei erfährt man die Entstehungsgeschichten von Batmans Schurken. Das ist reißerisch, unterhaltsam, aber nicht zwingend sehenswert.

Die Vorgeschichte ist ein zweischneidiges Schwert. Zum einen ist es hilfreich, eine zu erzählen, wenn man den Charakteren Tiefe verleihen will. Doch während man die Motive erklärt, läuft man Gefahr, in küchenpsychologische Klischees zu verfallen: schlimme Kindheit – böse Taten etc. Zum anderen erlaubt das Erzählen von Vorgeschichten, die Abenteuer beliebter Figuren fortzusetzen, aber dabei läuft man Gefahr, sich auf den Vorläufern auszuruhen und nichts anderes zu bieten, als das, was man erwartet. Und jeder weiß, dass es interessanter ist, zu erzählen „Darth Vader ist Anakin Skywalker“ als „Anakin Skywalker wird Darth Vader“.

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