Detective Comics

Die Comicserie „Detective Comics“ erscheint seit 1937. In Ausgabe 27 hatte Batman 1939 seinen ersten Auftritt. Anfangs handelte es sich noch um eine Anthologieserie, die sich Batman mit anderen Helden teilte.

Von Bruce Wayne zu Batman: Das Zero Year bisher

Häufig ist es schwierig, bei den ganzen Publikationen von DC zu einer Storyline durchzublicken. Zum Zero Year (dt. Jahr Null), dem neuen Batman-Origin (d.h. der Entstehungsgeschichte), gibt es eine Reihe von zusätzlichen Storys, die das Hauptevent ergänzen. Hier ein Vorschlag, Bruce Waynes Werdegang in eine halbwegs chronologische Reihenfolge zu bringen (wohlwissend, dass es in Zero Year immer wieder Rückblenden in die Kindheit gibt, ebenso wie im Event Court of Owls/City of Owls):

  1. Batman: The Dark Knight #0: Chill in the Air (Bruce Wayne will sich an Joe Chill, dem Mörder seiner Eltern, rächen. Enthalten in Batman: The Dark Knight Vol. 2 – Cycle of Violence.)
  2. Detective Comics #0: The Final Lesson (Vor zehn Jahren schließt Wayne im Himalaya seine Ausbildung bei einem alten Meister der Kampfkunst ab und verliebt sich dabei – unglücklich – in ein Mädchen. Enthalten in Detective Comics Vol. 2 – Scare Tactics.)
  3. Batman Zero Year: The Director’s Cut #1: (Drei Episoden aus dem Leben des 19-, 21- und 24-Jährigen, Wayne besteht Prüfungen seiner Lehrmeister und lernt das Verbrecherleben kennen. Enthalten in Batman Vol. 4 – Zero Year: Secret City.)
  4. Detective Comics #0: The Long Wait (Wayne kehrt vor sieben Jahren nach Gotham zurück. Enthalten in Detective Comics Vol. 2 – Scare Tactics.)
  5. Batman #0: Bright New Yesterday (Bruce Wayne nimmt vor sechs Jahren maskiert an einem Banküberfall der Red Hood Gang teil. Enthalten in Batman Vol. 6 – Graveyard Shift.)
  6. Batman #21-24 (Haupt-Story. Enthalten in Batman Vol. 4 – Zero Year: Secret City.)
  7. Detective Comics #25: Whistleblower’s Blues (Tie-In mit James Gordon in der Hauptrolle. Enthalten in Detective Comics Vol. 5 – Gothtopia.)
  8. Batman #25-27, 29-33 (Haupt-Story geht weiter. Enthalten in Batman Vol. 5 – Zero Year: Dark City.)
  9. Batman #0: Tomorrow (Nachspiel zu Zero Year, Gordon schaltet im Beisein seiner Tochter Barbara zum ersten Mal das Batsignal ein, die drei künftigen Robins Dick Grayson, Jason Todd und  Tim Drake sehen es.)
  10. Nightwing #0 (Dick Graysons Vorgeschichte)

Gegen das Geschwür Gotham

DC Comics

DC Comics

Titel: City of Crime (dt. Stadt der Sünde)

Autor/Zeichner: David Lapham/Ramon Bachs

Erschienen: 2005-2006 (Detective Comics #800-808, 811-814, Paperback 2006), dt. Panini 2014.


 „Diese und unzählige andere schreckliche Dinge geschehen heute. Und niemand ist da, um sie zu verhindern.“

„Es gibt keinen Platz mehr für Batman.“

Ich habe noch keine Erklärung dafür, vielleicht ist es meine Neigung zur kleinen Form, aber aus irgendeinem Grund funktioniert Batman besonders gut in Geschichten auf wenigen Seiten. Wie etwa „In der Nacht“, der Prolog des Zwölfteilers City of Crime. Darin wird auf acht Seiten eine einfache Geschichte erzählt, wie Batman einen gefangenen Jungen aus einem Keller befreit, aber die Erzählstimme, die immer wieder Sätze mit „In der Nacht“ beginnt, schafft eine eindringliche Stimmung. Dann kommen so bittersüße Sätze zustande wie: „In der Nacht spritzt Blut und erzeugt Kunstwerke auf dem Asphalt. Die Stadt wimmelt von Pollocks und de Koonings. Die Stadt ist ein Museum.“ Oder: „Man sagt, in der Nacht gäbe es nichts, was da nicht auch am Tag wäre. Ist nicht wahr. In der Nacht gibt es Angst. In der Nacht gibt es Monster.“ Wir sehen eine aus der Finsternis fliegende Fledermaus. Und am Ende, im vorletzten Panel, kurz bevor Batman zur Rettung des Jungen naht, heißt es: „In der Nacht stirbt eine Frau.“ Es wird klar, dass die Nacht in Gotham eine besonders grausame ist. Und dass Batman nicht überall sein kann …

Davon handelt auch City of Crime. Die Erzählstimme, ein fatalistischer Kommentator, bleibt erhalten und charakterisiert diese Stadt, deren Wurzeln, wie sie sagt, in die Hölle reichen. Dabei sehen wir Batman zunächst bei der Alltagsarbeit, nämlich Kleinkriminelle zur Strecke zu bringen – manchmal auch bevor die eigentliche Tat passiert. Die Hauptgeschichte, die David Lapham erzählt, ist außerordentlich komplex: Es geht um Menschenhändler, um schwangere Mädchen, um eine verschwundene Tochter, um eine an Drogen gestorbene reiche Göre – einen Fall, der Batman nahe geht. Irgendwas hat der Pinguin mit der Sache zu tun. Mr. Freeze hält eine junge Frau gefangen, weil er sie als neue Nora ehelichen will. Und dann gibt es Menschen, die nicht die sind, die sie vorzugeben scheinen. Halluzinierende Normalbürger begehen aus Angst Verbrechen. Batman und Robin haben alle Hände voll zu tun, auch die Polizei spielt eine große Rolle (James Gordon allerdings nur eine untergeordnete) – und dann gibt es noch eine Bürgermeisterwahl. Auch wenn das zusammen sehr viel Stoff ist, bei dem es schwerfällt, den Überblick zu behalten, ist City of Crime eine einnehmende Geschichte. Vor allem wegen dieses durchgehenden Erzählstils und seiner ausdrucksstarken Bildsprache.

Eines der interessantesten Kapitel ist das, in dem Batman undercover in einem Elendsviertel ermittelt: Er nimmt einen Job als Kranführer an und schließt Freundschaft mit einem Hauptverdächtigen. Lange ist kein Batman zu sehen, stattdessen wird ein Gesellschaftspanorama der dort lebenden Menschen aufgefächert – und man fühlt sich zuweilen an Großstadtepen wie die HBO-Serie The Wire (2002-2008) erinnert. Das ist mal eine willkommene Abwechslung (auch wenn der Fanboy leicht nervös werden kann, wenn mal länger als 22 Seiten weder Cape noch spitze Ohren in einem Panel auftauchen).

Leider ist die Auflösung am Ende etwas halbgar. Zu viele Fragen bleiben offen. Lapham legt viele falsche Fährten, sodass einige davon als lose Enden in der Luft hängen. Aber darum scheint es dem Autor nicht zu gehen, am Ende kehrt er zu der Mutter zurück, die ihre Tochter verloren hat. Dieser Einzelfall ist ihm wichtiger als der Plot um die große Verschwörung im Untergrund. Und schließlich geht es ihm nur darum zu zeigen, dass die Stadt Gotham, als City of Crime (oder im Deutschen „Stadt der Sünde“) einem Geschwür gleicht, bei dem auch einer wie Batman es nicht schafft, hinterherzukommen – oder besser gesagt: immer nur hinterherhinken kann.

Man sollte sich auf diese Stadtrundfahrt einlassen. Das kann man auch ganz ohne Vorwissen um die Continuity. Diese Story steht weitgehend für sich.

>> Batman 2000-2011

Anarky: Alle Macht dem Volke

Batman: Anarky

Titel: Anarky: Metamorphosis

Autor/Zeichner: Alan Grant/Norm Breyfogle

Erschienen: 1997 (Miniserie Anarky# 1-4), Paperback Anarky (1998), (dt. Batman Special #6, Dino, 1998)


„The city needs a new breed of hero. The night needs a new kind of monster.“ (Anarky)

„The future is freedom … and all I ever wanted was to hasten its birth.“ (Anarky)

„I only wanted to bring a little sanity into an insane world.“ (Anarky)

„Dein ganzes Leben ist eine Lüge“, heißt es gleich zu Beginn, während wir den Dämon Etrigan gegen irgendein anderes Monster namens ‚Blasfemy‘ kämpfen sehen. Am Anfang, in der Kindheit, so heißt es weiter, sei das Leben voller Hoffnung gewesen, dann seien die Politiker, die Priester und die Philosophen gekommen und hätten die Menschen mit ihren Lehren desillusioniert. „All eure Götter und Dämonen sind Ausgeburten des Unterbewusstseins. Sie sind nicht wirklich real.“

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Zum Geburtstag viel Glück

DC Comics

DC Comics

Titel: Detective Comics Vol. 5 – Gothtopia (dt. Gothtopia/Chaos-Theorie)

Autor/Zeichner: John Layman/Jason Fabok, Aaron Lopresti

Erschienen: 2014 (Detective Comics #25-29), Hardcover 2015; dt. Panini 2014 (Gothtopia #1-2), Paperbacks 2015 (Gothtopia), Batman Sonderband #45 (Chaos-Theorie, enthält Detective #27 u. Annual #3)


„Something is very wrong here.“ (Bruce Wayne)

„I’m always ready.“ (Batman)

Es hat sich gut gefügt, dass ausgerechnet im 75. Jahr von Batman die 27. Ausgabe von Detective Comics (der zweiten Reihe) herauskam. Eine magische Zahl, da im Jahr 1939 der Dunkle Ritter seinen ersten Auftritt in ebendieser Nummer hatte. Und so wurde zum Geburtstag eine dicke Jubiläumsausgabe gemacht, bei der eine Reihe namhafter Autoren und Zeichner ein paar Kurzgeschichten beisteuern durfte. Und es sind tolle Geschichten geworden.

Bemerkenswert ist, dass die erste Batman Story „The Case of the Chemical Syndicate“ neu erzählt wurde. Brad Meltzer (Identity Crisis) behält die Essenz bei, reduziert sie aber auf das Wesentliche und tut das, was längst nahe lag: er verbindet sie mit einem Joker-Origin. Interessant sind allerdings der Auszug aus Batmans Tagebuch, in dem er darüber sinniert, warum er das alles tut – und dabei tun sich Abgründe auf: „Why do I do this? I do it because I’m good at it. (…) I do it because I’m insane. (…) I do it because I can’t go to the movies anymore. (…) I do it because life doesn’t make sense.“

Was-wäre-wenn-Szenarios

In „Old School“ schicken Autor Gregg Hurwitz und Zeichner-Legende Neal Adams Batman und Robin mit einem Parforceritt durch ihre eigene Historie: Vom Golden Age über Frank Millers Dark Knight bis heute. Die Hommage ist zugleich voller Ironie auf die seltsamen Eigenarten früherer Comics, etwa dass Batman und Robin ständig laut ihre Pläne aussprechen und sich damit angreifbar machen, oder dass sie durch hanebüchene Lösungen ihre Probleme meistern. Das dynamische Duo muss sich mehrfach neu erfinden – buchstäblich häuten -, um im Laufe der Zeit zu bestehen. (Ein ausführlicher Essay zu dieser Beobachtung findet sich hier.)

Drei Stories imaginieren Was-wäre-wenn-Szenarios: „Better Days“ handelt von Bruce Waynes 75. Geburtstag mit der ganzen Bat-Familie. Selbstverständlich kommt Autor Peter J. Tomasi zu dem Schluss, dass sich der Held auch im hohen Alter nicht in Ruhestand schicken lassen würde. In „The Sacrifice“ zeigt der Phantom Stranger Batman, wie dessen Leben und Gotham aussehen könnte, wenn die Waynes den Raubüberfall überlebt hätten. Zwar kommen die Waynes zu einigem Familienglück, aber dafür geht die Welt vor die Hunde. Moral: „Sometimes a sacrifice is necessary.“ Zum Schluss stellt sich Scott Snyder in „Twenty Seven“ vor, wie die Tradition der Batmen in den nächsten 200 Jahren fortgeführt werden könnte – mit Klonen. Die Geschichte lebt von Sean Murphys Zeichnungen, der in epischen Panels apokalyptische Kriege inszeniert.

Utopie als Illusion

Diese Stories allein sind die Anschaffung des fünften Sammelbandes von Detective Comics wert. Sie haben eine Qualität, die man sonst nur von der Black and White-Reihe kennt. Titelgebend ist die Storyline Gothtopia, die in Detective Comics #27 beginnt und sich über zwei weitere Hefte erstreckt. Die Geschichte ist ebenfalls als Jubiläumsfeier gedacht – und im Gegensatz zu den meisten bisherigen Stories der neu gestarteten Serie sogar halbwegs gelungen.

Auch sie beginnt mit einem Elseworlds-Szenario: Gotham City ist nazu befreit von Verbrechen. Batman, der ein graues Kostüm trägt, ist tagsüber unterwegs und hilft zusammen mit Catbird (Selina Kyle, seiner Frau) den Ordnungskräften bei Unfällen und Bränden. Oswald Cobblepot ist Bürgermeister und Black-Mask-Anführer Sionis ist Police Commissioner. Aber Batman ahnt sehr schnell, dass hier etwas nicht stimmt und findet heraus, dass die Utopie nur eine Illusion ist.

Gute Idee, schwach realisiert

Bevor jetzt Leser „Spoiler!“ schreien, sei entwarnt: man erfährt es früh. Zu früh. Wieder mal schafft es Autor Jason Fabok nicht, Spannung zu erzeugen und Batman ein bisschen länger Detektiv spielen zu lassen. Nein, der Held hat alles sofort geblickt und lässt die Blase platzen. Das ist schade, man hätte mehr mit dem Verwischen von Phantasie und Wirklichkeit spielen können. Aber dafür interessiert sich Fabok nicht. Stattdessen schickt er Batman nach Arkham, wo wir ihn zwar (schon wieder) in Zwangsjacke sehen, aber immer noch mit Maske und Kostüm (Erklärung: um die Geheimidentität schert sich keiner). Ärgerlich ist auch, dass ein paar potenzielle Actionszenen ausgespart werden und die Erzählung – wie in den Ausgaben zuvor – unnötig hin- und herspringt. Außerdem kommt Zeichner Aaron Lopresti nicht an das Niveau von John Layman heran, zu plump und cartoonhaft wirken seine Figuren (vor allem bei Scarecrows Maske). Entschädigt wird der Leser durch ein großes Schurkenaufgebot und immerhin eine interessante Grundidee.

Ansonsten bietet der Band noch zweierlei: einen enttäuschend schwachen Abschluss der Man-Bat-Story, die in früheren Ausgaben breitgewalzt wurde, sowie ein nachgereichtes Kapitel der Storyline Zero Year. In letzterer geht es um Gordons Kampf gegen die Korruption bei der Polizei. Das ist ganz ordentlich geraten und funktioniert gut als Ergänzung zu Batmans Entstehungsgeschichte. Endlich mal ein Detective Comics-Band, der Zeit und Geld wert ist.

>> Batman 2011-2019


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Der Zorn des Lesers

DC Comics

DC Comics

Titel: The Wrath (Detective Comics Vol. 4), (dt. Der Anti-Batman)

Autor/Zeichner: John Layman/Jason Fabok, Andy Clarke u.a.

Erschienen: 2014 (Detective Comics #19-24, Detective Comics Annual #2), dt. Panini 2014 (Batman #21-22, #24-25), Paperback 2015 (enthält Detective Comics #21-24)


 „What is it about this town and cutting off faces anyway?“ (Bullock)

Ernsthaft? Da müssen wir sechs Hefte lang mitansehen, wie ein gewisser Ogilvy, irgendein dahergelaufener Niemand, ein Handlanger, den Pinguin ausbootet und dessen Imperium übernimmt (und sich schwachsinnigerweise „Emperor Penguin“ nennt) und dann ist nach einer kurzen Prügelei mit Batman – zwei Hefte später – wieder Schluss mit der Geschichte? Der Pinguin kommt frei, weil er mal eben einen Richter bedroht, und er rettet zufälligerweise Batman das Leben. Der gute alte Deus ex machina darf mal wieder aushelfen, wenn dem Autor keine originelle Lösung eines Problems einfällt. Blöd nur, dass Batman durch den Glücksfall als unfähig dargestellt wird.

Ach ja, und vorher entfesselt Ogilvy eine Seuche mit dem Man-Bat-Virus, Zsasz wird zum Man-Bat, aber das ist Autor John Layman nur eine Ausgabe von Detective Comics wert. Dieses Problem ist schneller abgehandelt, als es aufgebaut wurde: Langstrom nimmt das Mittel selbst und fertig. Wie es mit Man-Bat weitergeht, wird jeweils an den Heft-Enden in kleinen Episoden nachgereicht. Bemerkenswerter Weise sind sie es, die den interessantesten Teil des vierten Detective-Comics-Bandes bilden. Langstroms Frau nimmt nämlich ebenfalls das Man-Bat-Serum und wird zur Mörderin, es kommt zum Kampf – und zu einer unerhörten Auflösung, was es mit der Beziehung zwischen den beiden auf sich hat.

Es ist ein befremdliches Erzählverfahren, das Layman seinen Lesern zumutet. Ohne richtig einzuführen – weder in Charaktere noch Themen – sind die Fälle immer schon da und werden viel zu schnell erledigt. Negativ fällt das vor allem in Titelgeschichte – The Wrath – auf. Der Schurke erscheint gleich zu Beginn in seiner Metallrüstung, sagt, was er will – nämlich Polizisten zu töten, und schon setzt er seinen Plan auch um. Geheimnis und Spannung? Völlig überschätzt!

Parallel muss Bruce Wayne sich buchstäblich mit dem Industriellen Caldwell rumschlagen, weil dieser Waynes Firma übernehmen will. Und weil ein Karatekampf langweilig ist, prügeln sich beide eben in einem Ring, der einem Balkon ohne Brüstung gleicht. (Als ob Batman sich nicht schon oft genug nachts in Lebensgefahr begeben hätte.) Der eigentliche Kampf Batman gegen Wrath ist ein High-Tech-Krieg, bei dem sich zunächst beide in ihren spacigen Gleitern durch Gotham jagen und am Ende als zwei Iron-Men miteinander kloppen. Und weil das wieder alles sehr schnell vorbei geht, gibt’s im Epilog noch einen Ausblick auf eine Kooperation zwischen Caldwell und Ogilvy im Knast …

Zwei Einzelstorys bilden abgeschlossene Geschichten: In einer taucht die in Detective Comics Annual #1 eingeführte Mio (eine alte Bekanntschaft aus Asien) wieder als Attentäterin auf und verschwindet wieder – das alles übrigens nur, um Ra’s al Ghul mal eben kurz als Mann im Schatten einzuführen. In der zweiten Story geht es um einen Mörder, der die Persönlichkeit seiner Opfer annimmt. Hier darf sich Harvey Bullock mal kurz verlieben, aber kaum ist die Beziehung zu einer Psychiaterin eingeführt, ist sie auch schon wieder vergangen. Bullocks Frage, was diese Stadt es nur mit dem Abschneiden von Gesichtern hat – eine Anspielung auf Detective Comics #1, wo dem Joker ebendies widerfährt – liest sich wie ein Eingeständnis der Planlosigkeit der Autoren.

Leider macht Detective Comics nach vier Bänden immer noch keinen Spaß, John Layman schafft es nicht, gegenüber dem ebenfalls schwachen Tony Daniel das Niveau zu heben. Die Stories sind zu sprunghaft, zu verworren, zu sehr ineinander geschachtelt – und vor allem ohne nennenswerte neue Ideen. Von Detektivarbeit ist ebenfalls nicht viel zu sehen. Ganz abgesehen von Bruce Waynes Privatleben: Zu Beginn des Reboots hatte er noch eine Freundin, doch schon lange hat er weder einen Gedanken noch eine SMS an sie verschwendet – oder sich mit einer anderen getröstet.

Eine Chance geben wir der Serie noch. Und vielleicht noch eine, denn in Band 6 darf wieder mal ein neues Kreativ-Team dran. Offenbar hält es die Künstler nicht lange bei DCs Hauptserie. Und das ist kein gutes Zeichen.

>> Batman 2011-2019

Ein Tag für Batman, ein Comic für Fans

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Panini Comics

Titel: 75 Jahre Batman

Autor/Zeichner: Gregg Hurwitz, Jeph Loeb, Bill Finger/Neal Adams, Jim Lee, Bob Kane

Erschienen: 29.11.2014 (Panini)


 „Entwickelt euch weiter.“ (Pinguin)

Batman ist in diesem Jahr 75 Jahre alt geworden. Und da er fiktiv ist, muss man ihm nichts schenken. Man ehrt ihn – und die Geschenke bekommen die Fans. Logisch: immerhin erhalten sie ihn auch am Leben. DC hat seinen Fans im Sommer eine Sonderausgabe von Detective Comics #27 spendiert (eine Jubiläumsausgabe mit sieben Stories, unter anderem einer Neufassung von The Case of the Chemical Syndicate). Am 29. November zog Panini nach. Ein Gratis-Comic! Das treibt die treuen Fans scharenweise in die Comicläden. Erst recht wenn es dazu Batman-Pappmasken gibt …

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Blind Justice: Am Thema vorbei

Batman: Blind Justice

Titel: Blind Justice (dt. Blinde Gerechtigkeit)

Autor/Zeichner: Sam Hamm/Denys Cowan

Erschienen: 1989 (Detective Comics #598-600)


„… I suppose I’ve justified my existence for one more night.“ (Batman)

Blind Justice sollte die Jubiläums-Story zu 50-jährigen Bestehen des Helden werden. Man engagierte Sam Hamm, den Co-Autor des Drehbuchs zum Batman-Spielfilm aus dem gleichen Jahr. Doch das Problem an dieser Geschichte ist, dass sie für diesen Anspruch ihren Titelhelden zu stark vernachlässigt. Viel zu sehr geht es um Bruce Wayne und Nebencharaktere. Aber eines nach dem anderen.

Zunächst muss sich Batman mit dem sogenannten Bonecrusher herumschlagen (was für ein blöder Name!), einem maskierten Muskelberg mit einer Schallkanone, der Menschen in Matsch verwandeln kann. Und obwohl der Schurke die Eigenschaft hat, beim Scheitern den Freitod zu wählen, kehrt er immer wieder von den Toten zurück – so scheint es jedenfalls. Aufklärung verspricht eine Nebenhandlung: Eine Frau kommt nach Gotham, um ihren verschwundenen Bruder Roy zu suchen. Es stellt sich heraus, dass er als Versuchskaninchen bei Waynetech diente. Ein ominöses Kartell hat den Konzern infiltriert und will nun Bruce Wayne mit einer Schmutzkampagne fertig machen. Ausgehend von seiner Weltreise nach dem Tod seiner Eltern wollen ihm die Bad Guys anhängen, ein kommunistischer Spion zu sein.

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Batman gegen KGBeast

Batman: Ten Nights of the Beast

Titel: Ten Nights of the Beast

Autor/Zeichner: Jim Starlin/Jim Aparo

Erschienen: 1988 (Batman #417-420), Paperback 1994


 „I’m not in this business to protect the rules. I serve justice.“ (Batman)

Beast, ein russischer KGB-Super-Agent der Spezialeinheit The Hammer, treibt in Gotham sein Unwesen auf eigene Faust. Sein Ziel: Das US-Atomwaffen-Programm zu schwächen, indem er die Beteiligten beseitigt. Zehn Namen stehen auf seiner Liste, die ersten sind schon tot und Batman versucht mit der Polizei zu verhindern, dass es nicht mehr werden. Aber Beast – oder auch KGBeast – ist nicht nur ein starker, sondern auch ein ausgefuchster Gegner.

Kommt uns das Prinzip bekannt vor? Ja, es ist mal wieder ein Aufguss der Einer-nach-dem-anderen-Serienmord-mit-Ankündigung-Story, die wir vom Joker aus Batman #1 kennen (bzw. aus der Neufassung The Man Who Laughs), nur eben in einem neuen Gewand. Da KGBeast, eine Art Vorläufer Banes, äußerst einfallsreich bei der Ausführung seiner Morde ist (manchmal zu einfallsreich), kommt es zu einigen spannenden Konfrontationen mit Batman, der alle Hände voll zu tun hat, Schadensbegrenzung zu betreiben. Zum Schluss ist sogar Präsident Ronald Reagan in Gefahr.

Die pfiffigste Überraschung, die Batman zu bieten hat, kommt am Ende, als er KGBeast einen Endkampf verweigert und ihn einfach hinter einer stählernen Tür einschließt. „There’s no reason for me to risk my life, coming in there after you“, sagt er. Manchmal muss man auch die Chance ergreifen, wenn man einen Kampf vermeiden kann.

>> Batman 1990-1999

Strange Apparitions: Kein Patent für Joker

Batman: Strange Apparitions

Titel: Strange Apparitions

Autor/Zeichner: Steve Englehart, Len Wein/Marshall Rogers, Walt Simonson

Erschienen: 1977/1978 (Detective Comics #469-479), Paperback 1999; dt. Panini 2012 (Batman Collection: Marshall Rogers), Eaglemoss Collection 2015 (Im Zeichen des Jokers)


„But the fish share my unique face! If colonel what’s-his-name can have chickens, when they don’t even have mustaches –!“ (Joker)

Obwohl die Geschichte unter einem Titel zusammengefasst wurde und ein linearer Zusammenhang besteht, ist es schwer, hier von einer Story zu sprechen. Im Grunde sind es sechs Geschichten, die aufeinander folgen. Batman begegnet einem radioaktiven Glühwürmchen namens Dr. Phosphorus, dann Hugo Strange, dem Pinguin, Deadshot, Joker und Clayface. Den roten Faden bilden Nebenhandlungen mit Rupert Thorne, der Batman aus der Stadt haben will, sowie Bruce Waynes Liebschaft mit Silver St. Cloud. Aber ein Spannungsbogen ergibt sich nicht.

Die meisten dieser Geschichten mögen für die späten 70er vielleicht was hergegeben haben, aus heutiger Sicht sind sie altbackene Standardware. Vor allem die Erzählung, in der der Joker, Fische zum Lächeln bringt (The Laughing Fish), um sie patentieren zu lassen, hat zwar einen ungewöhnlichen Ausgangspunkt, ist aber sonst ziemlich schwach, vor allem, weil sie sich zu sehr bei der ersten Joker-Story in Batman #1 bedient.

Die interessanteste Geschichte ist die um Hugo Strange. Der kommt nämlich zufällig hinter Batmans Geheimidentität, nimmt dessen Position als Bruce Wayne ein, um ihn auszunehmen und zu ruinieren, und veranstaltet eine Auktion, bei der er den Namen an den meistbietenden Schurken zu versteigern versucht. Wie man sich denken kann, wird das Schlimmste verhindert. Dafür gibt es aber eine Frau, Silver St. Cloud, die ebenfalls eins und eins zusammenzählt und herausfindet, dass der Mann den sie liebt, nachts gerne Verbrecher verprügelt. Die Schlussfolgerung daraus kann nur eine Tragische sein: Die Beziehung zerfällt.

Die filigranen Zeichnungen von Marshall Rogers entschädigen für die Kritzeleien eines Walt Simonson und das insgesamt mäßige Storytelling. Aber vielleicht muss man diese 70er-Jahre-Geschichten auch mit anderen Augen sehen. Immerhin gelten sie als einflussreiche Klassiker. (In den 80ern diente Strange Apparitions zunächst als Vorlage für das Drehbuch des geplanten Batman-Films, der erst 1989 von Tim Burton realisiert wurde – allerdings mit einem ganz anderem Script.)

Zwei der Storys wurden für Episoden der Animated Series wiederverwendet. Die Grundidee der Hugo Strange-Story wurde in „The Strange Secret of Bruce Wayne“ (S01E37) aufgegriffen; dort bieten Joker, Two-Face und Pinguin um ein Videoband, auf dem Strange Bruce’s Trauma aufgezeichnet hat.

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In „The Laughing Fish“ (S01E34) erzählt Paul Dini die Joker-Story neu, wobei er sich zwar überwiegend an die Vorlage hält (zum Teil sogar wörtlich), er aber ein wesentlich spannenderes Finale mit einem Haifisch-Kampf erzählt (der ist „The Joker’s Five-Way-Revenge“ entlehnt). Vor dem Hintergrund der lachenden Fische allerdings erscheint die später in Mad Love zum Tragen kommende Idee mit den grinsenden Pyranhas wie ein Abklatsch … (wenn auch ein guter!)

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(Dieser Artikel wurde am 6.11.2017 überarbeitet und aktualisiert.)

>> Batman 1970-1979

Batmans zweites Jahr – mit Knarre

Batman: Year Two/Full Circle/Fear the Reaper

Batman: Year Two/Full Circle/Fear the Reaper

Titel: Year Two – Fear the Reaper/Full Circle

Autor/Zeichner: Mike W. Barr/Alan Davis, Todd McFarlane

Erschienen: 1987 (Detective Comics #575-578)/1990 (One-shot) (Paperback 2002)


Batman war nicht der erste Rächer von Gotham City. 20 Jahre vor ihm machte der Reaper die Straßen unsicher, ein Kerl mit roter Rüstung, Totenkopfmaske und Sicheln an den Händen. Dieser „Sensenmann“ brachte den Tod, metzelte alle – Gauner wie Prostituierte – ohne Unterschied nieder. Nun, in Batmans zweitem Dienstjahr, kehrt er wieder zurück. Klar, dass die Fledermaus mit diesen Methoden seine Probleme hat. Doch bei der ersten Konfrontation zwischen den beiden Rächern bekommt Batman eine derartige Abreibung, dass er beschließt, zu härteren Mitteln zu greifen: der Pistole, die seine Eltern getötet hat.

Dieser Tabubruch kommt etwas plötzlich und es ist auch nicht ganz klar, warum es nötig ist, so weit zu gehen. Zumal Batman sie kaum benutzt, und dass auch nur so selten wie möglich, etwa um Gegner zu entwaffnen oder um Gordon seine Pistole aus der Hand zu schießen (was etwas sinnfrei ist, weil beide in dieser Situation dasselbe wollen, nämlich den Reaper zu überführen). Auf die Reaper zu schießen ist übrigens sinnlos, da ihn die Rüstung schützt. Konsequenz geht anders. Aber es kommt noch dicker: Da auch die Unterwelt ein Interesse daran hat, den Hardliner mit den Sichelhänden loszuwerden, verbünden sich die Gangster mit Batman und stellen ihm einen Profikiller zur Seite: Joe Chill, den Mörder seiner Eltern.

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