Am Thema vorbei

Batman: Blind Justice

Titel: Blind Justice (dt. Blinde Gerechtigkeit)

Autor/Zeichner: Sam Hamm/Denys Cowan

Erschienen: 1989 (Detective Comics #598-600)


 

„… I suppose I’ve justified my existence for one more night.“ (Batman)

Blind Justice sollte die Jubiläums-Story zu 50-jährigen Bestehen des Helden werden. Man engagierte Sam Hamm, den Co-Autor des Drehbuchs zum Batman-Spielfilm aus dem gleichen Jahr. Doch das Problem an dieser Geschichte ist, dass sie für diesen Anspruch ihren Titelhelden zu stark vernachlässigt. Viel zu sehr geht es um Bruce Wayne und Nebencharaktere. Aber eines nach dem anderen.

Zunächst muss sich Batman mit dem sogenannten Bonecrusher herumschlagen (was für ein blöder Name!), einem maskierten Muskelberg mit einer Schallkanone, der Menschen in Matsch verwandeln kann. Und obwohl der Schurke die Eigenschaft hat, beim Scheitern den Freitod zu wählen, kehrt er immer wieder von den Toten zurück – so scheint es jedenfalls. Aufklärung verspricht eine Nebenhandlung: Eine Frau kommt nach Gotham, um ihren verschwundenen Bruder Roy zu suchen. Es stellt sich heraus, dass er als Versuchskaninchen bei Waynetech diente. Ein ominöses Kartell hat den Konzern infiltriert und will nun Bruce Wayne mit einer Schmutzkampagne fertig machen. Ausgehend von seiner Weltreise nach dem Tod seiner Eltern wollen ihm die Bad Guys anhängen, ein kommunistischer Spion zu sein.

Bis auf die ersten Begegnungen mit dem Bonecrusher kommt Batman kaum vor. Später lässt er sich von besagtem Roy im Kostüm vertreten. Eine schwache Vorstellung – vor allem angesichts des Jubiläums. Bemerkenswert an dieser faden Geschichte jedoch sind die Rückblenden, in denen Bruce Waynes Lehrjahre gezeigt werden. Wir sehen, wie er in Asien die Kampfkünste und in Paris das Detektiv-Handwerk von Henri Ducard gelernt hat. Dieser erweist sich zwar als guter Lehrmeister, aber auch als zwielichte Gestalt, die für verschiedene Seiten kämpft und vor Mord nicht zurückschreckt. Schließlich reist Ducard auch nach Gotham, um gegen seinen alten Protegé auszusagen.

Die interessanteste Sequenz ist die, in der Ducard Batman analysiert. Er bezeichnet ihn als Blitzableiter für die Psychopathen, die ihn brauchen, um sich an ihm abzuarbeiten, wie den Joker oder den Riddler. Aber das wahre Böse, so stellt Ducard fest, tritt nicht so offensichtlich auf wie sie, sondern subtiler, unsichtbar. Während Batman sich also mit Kleinkriminellen und Irren herumschlägt, breitet sich das wahre Böse aus. Ducard stellt fest, dass Batman also am eigentlichen Problem vorbei arbeitet:  „He’s a band-aid on a cancer patient“, sagt er. „… this Batman, I think, has a very poor understanding of the world.“ Schließlich kommt Ducard dahinter, dass Bruce Wayne ihm ganz ähnlich ist …

Abgesehen von diesem Aspekt, dass die Vergangenheit Wayne einholt, hält Blind Justice nur mäßig bei Laune. Die Gegner sind so dröge wie die Nebenfiguren, für deren Schicksal man sich nur schwerlich erwärmen kann. Denys Cowans grobschlächtige Zeichnungen wecken nicht viel mehr Liebe zu ihnen oder der Geschichte. Mehr Spaß macht es, sich die Covergalerie am Ende des Bandes anzusehen, in der verschiedene Star-Zeichner Batman je ein Bild zum 50. gewidmet haben. Ansonsten ist Blind Justice eher eine Enttäuschung.

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