Tod den Geretteten

batman-the-detective-cover.jpg

DC Comics

Titel: Batman: The Detective (dt. Equilibrium)

Autor/Zeichner: Tom Taylor/Andy Kubert

Erschienen: 2021 (Miniserie #1-6), Hardcover 2022


Es zeugt nicht gerade von Kreativität, eine Serie Batman: The Detective zu nennen. Dass sie ursprünglich „The Dark Knight“ heißen sollte, macht es nicht besser. Zum einen weil das nun mal die Allerweltsbezeichnungen für den Caped Crusader sind, zum anderen weil es bereits ähnlich klingende Serien gibt. Allen voran Detective Comics, die zuletzt allerdings selten ihrem Namen gerecht geworden ist.

Nun gut, jetzt also soll der Detektiv in Batman betont werden. Tom Taylors Batman ist aber ein anderer: deutlich gealtert, vom Leben gezeichnet, allein. Außerdem trägt er einen Mantel mit Stehkragen und Schutzbrille im Stil von Post-Apokolips-Batfleck aus dem Snyderverse, was zugegebenermaßen ziemlich cool aussieht.

Wiedersehen mit Henri Ducard

Dann wird ein Passagierflugzeug in England zum Absturz gebracht und eine Botschaft für Batman hinterlassen. Batman fliegt nach Europa, kommt nach London und Paris – und trifft dabei seinen alten Mentor Henri Ducard wieder. Weitere Menschen werden ermordet und hinter den Anschlägen steckt Equilibrium, eine Frau in einem weißen Batman-Kostüm, die zusammen mit Gleichgesinnten Menschen ins Grab bringt, die Batman einst gerettet hat, denn diese dürften eigentlich gar nicht mehr leben. Equilibrium will die Welt wieder ins Gleichgewicht bringen.

ACHTUNG: SPOILER!

Der Hintergrund ist fragwürdig: Batman hat einst einem Mann das Leben gerettet, der später einen Autounfall verursacht hat, bei dem Mann und Kind der Frau gestorben sind. Nun soll Batman einsehen, dass seine noblen Taten auch Konsequenzen haben können. Dummerweise hat Batman auch einmal ganz London vor einer Atombombe gerettet – und das soll ebenfalls „wiedergutgemacht“ werden.

batman-the-detective-5-cover

DC Comics

Wem die Absurdität dieser Logik noch nicht klar genug wird, der sei daran erinnert, dass Batman (zusammen mit der Justice League und unzähligen anderen Superhelden) auch schon mehrfach den gesamten Planeten vor dem Tod gerettet hat. Demnach dürfte kein Mensch mehr existieren – aber ist Batman deshalb für all das Leid in der Welt verantwortlich? Da hilft es auch nicht, den Joker als schlechtes Beispiel heranzuziehen. Nach Equilibriums Ansicht dürfte es weder Polizei noch Ärzte noch Sanitäter geben. Es dürfte niemand mehr irgendwem helfen, weil jeder Mensch eine potenzielle Gefahr darstellt …

Abgesehen von dieser höchst fragwürdigen Grundidee (ganz zu schweigen von der Frage, warum sich jemand, der Batman hasst, wie Batman kleiden sollte) liefert Tom Taylor (Injustice, DCeased) eine kurzweilige Geschichte ab, die zumindest auf der Ebene Bruce Wayne und Ducard gut funktioniert. Lieber hätte man mehr über das Verhältnis der beiden gelesen. Ducard erinnert Batman daran, dass er nicht alle Probleme alleine lösen kann – und dieser lernt seine Lektion. Dass er vorher bereits mit Alfred, diversen Robins und anderen Helden zusammengearbeitet hat, lässt jedoch auch diese Lektion etwas hinken.

Mobile Batcave im Bat-Truck

Hier helfen ihm unter anderem die britischen Pendants Knight & Squire. Dann kommt noch eine mobile Batcave zum Einsatz (samt Mini-Dino und Mini-Riesenpenny, als wäre ein einfacher Penny nicht Miniatur genug), die in einem riesigen Bat-Truck über Europas Autobahnen und dann in ein belgisches Comicmuseum brettert. Wie so oft läuft am Ende für Batman alles super easy. Auch für gute alte Detetektivarbeit bis dahin bleibt zwischendurch nicht viel Gelegenheit, die findet meist zwischen den Kapiteln statt.

Doch auch diese Schwächen verzeiht man dem Comic, weil es von Meister Andy Kubert gezeichnet wurde (Batman and Son, Whatever Happened to the Caped Crusader, Dark Knight III). Er inszeniert Batman sehr klobig, aber sehr expressiv und voller kraftstrotzender Eleganz. Kuberts Actionsequenzen und Splash Pages sind Augenweiden wie seine Cover. Er bleibt einer der ganz Großen und hebt diese Geschichte etwas über den Durchschnitt.

Mehr zum Thema:


Unterstütze das Batman-Projekt

€1,00

Ein Kommentar

  1. Danke für diese review, Lukas!
    Ich muss zugeben ich bin ein wenig hin-und hergerissen, was diese Figur „Equilibrium“ betrifft. Ihre Motivation kann ich ja nachvollziehen, zumindest im Hinblick auf ihre Familie im Zusammenhang mit Batman. Der Rest ist leider mal wieder komplett überzogen und daneben, irgendwie zu viel und ausufernd. Scheinbar hat sie der Verlust ihrer geliebten Menschen entweder wahnsinnig werden lassen, oer extrem missgünstig und skrupellos. Doch wirkt das insgesamt alles sehr übertrieben und over the top, ihre verdrehte Logik und Weltanschauung…schade. Ein wenig weniger extrem und larger than life und man hätte vielleicht eine neue Schurkin etablieren können, deren Motivation auf eine pervertierte Art und Weise der von Batman ähnlich wäre, was sie sicherlich sehr gefährlich gemacht hätte. So eine Art Batman, nur eben auf der falschen Seite von Recht und Gesetz, getrieben von Schuld und Wut. Sein wir doch mal ehrlich: Die Welt kann froh sein, dass Batman kein Schurke ist, oder? 😉

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s