Joker

Vom Donut-Dieb zum Wunderknaben

Tim Drakes erster Auftritt als Robin

Titel: Sins of the Father/Old Wounds (dt. Tim/Alte Wunden)

Drehbuch: Rich Fogel

Erschienen: 1997/1998 (The New Batman Adventures S01E02/017)


„Die Dinge ändern sich.“ (Batman/Nightwing)

In der dritten Staffel von Batman TAS gibt es zunächst keinen Robin mehr. Warum, erfährt man später. Doch in der zweiten Folge tritt bereits ein Nachfolger an: Tim Drake. Seine Geschichte orientiert sich jedoch nicht an A Lonely Place of Dying, sondern erinnert an dem Werdegang von Jason Todd, dem zweiten Robin aus den Comics. Tims Vater ist ein Gauner, der für Two-Face gearbeitet hat (wie Jasons Vater), Tim ist ein verwahrlostes Kind, das Polizisten die Donuts klaut (interessante Analogie: im Comic stahl Jason Batman die Reifen) und sich dabei mit einem Batarang behilft. Als Two-Face den Jungen umlegen will, rettet ihm Batman das Leben, daraufhin erwidert Tim den Gefallen, indem er den (nach einem Scharmützel mit Two-Face) verletzten Helden in Sicherheit bringt.

Tim findet Robins Kostüm in der Bathöhle.

Kaum in der Bathöhle, kommt Tim hinter Batmans Geheimnis. Two-Face erpresst Gotham: 22 Millionen Dollar oder er setzt ein tödliches Gas frei. Als Batman und Batgirl zu Two-Face Geheimversteck eilen (Janus-Kino), steigt Tim ins Robin-Kostüm und fährt hinterher …

Two-Face und Robin

Nach bestandener Feuerprobe beginnt seine Ausbildung zum neuen Robin, da taucht Dick Grayson auf.

„Warum fallen wir?“ Bruce trainiert Tim.

Dick ist mittlerweile als Nightwing unterwegs. Wie es dazu kam, erzählt er Tim in der Folge „Old Wounds“. Es geschah nach dem College-Abschluss, dass Dick Batmans Methoden anzweifelte. Deutlich wird das in einer Szene, in der Batman einen Mann ausquetscht, dessen Familie dabei zusehen muss. Robin geht aus Protest. Später – nach einem gemeinsamen Kampf mit Batgirl gegen den Joker – wird das Vertrauen zwischen dem Duo zerbrochen, als er erfährt, dass Batman die ganze Zeit über gewusst hat, dass Barbara Gordon (Dicks Freundin) Batgirl ist. Dick wirft Batman vor, seine Nächsten zu manipulieren und auszutricksen, um zu bekommen, was er will. Zum Schluss verpasst er ihm sogar einen Haken, bevor er Maske und Cape abwirft und sich verdrückt.

Robin schlägt Batman.

Zwei Dinge bleiben unklar: Warum Dick und Barbara sich nicht von ihren Geheimidentitäten erzählt haben, obwohl sie ein Paar waren, und wie Robins Kostüm seine grüne Farbe verlor.

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Zweite Chance für Jason Todd

DC Comics

Titel: Second Chances

Autor/Zeichner: Max Allan Collins u.a./Jim Starlin u.a.

Erschienen: 1987 (Batman #402-403, #408-416, Batman Annual #11), Paperback 2015


„In what I do there is no place for a child.“ (Bruce Wayne)

Jason Todd war als Robin-Nachfolger zunächst nichts als ein Dick-Grayson-Abklatsch – ein Zirkuskind, dessen Eltern ermordet wurden (von Killer Croc). Sein erster Auftritt war in Batman #357 (1983), im Robin-Kostüm in Batman #366 (1983). Doch nach der Crisis on Infinite Earths bekam Jason eine zweite Chance: Second Chances erzählt eine neue Version der Geschichte, wie Jason Todd zum zweiten Robin wurde und was er in seinen ersten Tagen erlebte.

Zunächst hört Dick Grayson als Robin auf, nachdem er vom Joker angeschossen wurde. Batman bekommt Skrupel, ein Kind zu gefährden, feuert seinen Partner und will auch keinen neuen Robin mehr rekrutieren. Doch als bald darauf ein neuer Junge auftaucht, scheinen alle guten Vorsätze vergessen. Jason Todd ist zunächst ein Straßenkind, das ohne Eltern in der Crime Alley aufwächst (Mutter tot, Vater Gauner). Als Batman seine Runde durch das Viertel dreht, erwischt er Jason dabei, wie er ihm die Reifen vom Batmobil klaut. Batman ist – anders als erwartet – sehr amüsiert darüber und lacht schallend. (Zugegeben: Etwas gruselig.) Beeindruckt vom Mumm des Knaben steckt er ihn in eine neue Schule für Straßenkinder, die eine alte Frau namens Ma Gunn in der Gegend betreibt. Doch die Alte ist in Wirklichkeit eine durchtriebene Schurkin, die Kinder zu Verbrechern heranzieht … (Ma Gunn ist eine Variation der Schurkin Ma Parker aus der Batman-TV-Serie der 60er.)

Batman lacht über geklaute Reifen.

Aber Jason hat da keine Lust drauf. Nicht etwa, weil er lieber ehrlich geworden wäre, er klaut lieber weiter Reifen. Nachdem er Batman hilft, die Bande hochzunehmen, entwickelt sich Jason aber zum Musterknaben: Batman zieht ihn sofort ins Vertrauen, bildet ihn in allem aus, was man als Verbrechensbekämpfer wissen muss (sogar im Schießen!) und macht ihn zum neuen Robin. Alles kein Problem. Auch die erste Bewährungsprobe gegen Two-Face meistert Jason mühelos. Als er erfährt, dass Two-Face dessen Vater ermordet hat, will er dann aber den Schurken eigenhändig kaltmachen. Eine Bat-Lektion später ist er aber wieder guter Dinge und rettet im Finale sogar Two-Face vor dem sicheren Tod. Als Robin auf Nightwing trifft, kommt es zur Aussprache zwischen Batman und Dick Grayson. Batman gesteht ihm den wahren Grund für den neuen Robin: weil er sich einsam gefühlt hat. Sehr bedenklich …

Batman spatziert durch Crime Alley.

Die Story ist nicht gerade ein Musterbeispiel an Eleganz. Batman ist hier nicht der typische düstere und mysteriöse Eigenbrötler, man sieht ihn nicht nur lachen, sondern auch bei Gordon lässig auf der Couch rumlümmeln. Wenn er bei ihm im Büro auftaucht, ist er nicht plötzlich da, sondern er wird beim Einstieg durchs Fenster gezeigt oder er benutzt einfach die Tür. Auf der Crime Alley geht Batman spazieren (eine ähnliche Szene gibt es in Gotham After Midnight), einmal sitzt er grübelnd auf der Motorhaube des Batmobils. Angesichts der Tatsache, dass erst ein paar Ausgaben zuvor das düstere Year One erschienen ist, wirkt diese heiter-lässige Batman-Version umso befremdlicher.

Und dann sind da noch ein paar lächerliche Momente, die an Rückfälle ins Golden Age erinnern: Two-Face leistet sich eine Jagd auf dem Baseball-Feld und dann noch eine in einem Riesen-Roulette. Der Schurke bleibt oberflächlich und plump – und damit hinter seinen Möglichkeiten zurück.

Warum denn so albern?

Nach der Haupthandlung kommen noch ein paar belanglose Einzelausgaben: Batman und Robin kämpfen gegen eine Pantomine, die die Klöppel aus Kirchenglocken stiehlt, um Stille in der Stadt herzustellen, dann gegen einen Dieb japanischer Schwerter, am Ende steht eine Anekdote über den Pinguin, der sich verliebt, aus dem Knast kommt und eine Schirmfabrik aufmacht. Außerdem gibt es eine Episode aus dem Crossover Millenium, mit dem man nichts anfangen kann, wenn man den Rest nicht kennt. Bemerkenswert sind lediglich zwei Storys: eine über einen ehemaligen Polizist, der sich für Batman hält und mit tödlicher Gewalt gegen Verbrecher vorgeht, und eine (Batman #414), in der Batman allein einen Serienmörder jagt – und dabei aus persönlichen Motiven die falschen Schlüsse zieht.

Jason Todd macht es als Robin bekanntlich nicht lange. Schon bald darauf (A Death in the Family) wird er vom Joker ermordet und von Tim Drake ersetzt (A Lonely Place of Dying). 2005 kehrt Jason als Red Hood von den Toten zurück.

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Joker gegen Riddler: Krieg ohne Pointe

DC Comics

Titel: The War of Jokes and Riddles (dt. Der Joker/Riddler-Krieg)

Autor/Zeichner: Tom King/Mikel Janin, Clay Mann

Erschienen: 2017 (Batman #25-32), Paperback 2017 (Batman Vol. 4)


„What’s the difference between a joke and a riddle? (…) The answer is ‚Who cares?'“ (Selina Kyle)

Ein Jahr nach dem Zero Year: Dem Joker ist der Humor abhanden gekommen. Egal, was er auch tut, er kann nicht mehr lachen. Auch wenn er Komiker vorsprechen lässt, auch wenn er wahllos irgendwelche Leute umbringt. Der Riddler, der im Knast einsitzt, hat auch keinen Spaß mehr an Rätseln, auch wenn ihn die Polizei ständig um Hilfe bittet, welche für sie zu lösen. Und der Grund für die Miseren der beiden ist Batman. Riddler bricht aus dem Knast aus, kommt zum Joker und schlägt ihm einen Pakt vor. Der Joker lehnt ab, schießt auf den Riddler – und damit beginnt ein Krieg, bei den sich Batmans Rogue Gallery in zwei Lager spaltet …

Es gibt einige bemerkenswerte Momente in dieser Story: Das Vorsprechen der Komiker bei Joker. Riddlers Gefängnisausbruch. Ein Abendessen der Kontrahenten bei Bruce Wayne. Einen Exkurs zu Kite-Man, der dem lächerlichen Schurken eine ernst zu nehmende Tiefe verleiht. Es gibt Fan-Service wie eine Variation der Joker-Spiegel-Szene aus Tim Burtons erstem Batman-Film, einen Pinguin, der an Danny DeVito aus Batman Returns erinnert und eine Anspielung auf den ersten Auftritt des Jokers in Batman #1. Außerdem sind die präzisen Zeichnungen von Mikel Janin und Clay Mann wie immer beeindruckend.

Aber: Trotz allem hat die Geschichte bei mir nicht funktioniert. Warum? Es gibt einen Grundsatz beim Schreiben: Show, don’t tell. Das heißt: Werde konkret, lass Charaktere handeln und sprechen, erzähle nicht einfach, was sie denken, fühlen und tun. Autor Tom King kennt diesen Grundsatz, wie jeder Profi. Und dennoch ist sein War of Jokes and Riddles meistens eine reine Nacherzählung, in der er Batman in zu vielen Captions einfach nur reden lässt, statt der Handlung mehr Raum zu geben, sich entwickeln zu lassen. Der Krieg bleibt abstrakt, wir sehen kaum etwas davon, er wird nur behauptet, aber selten gezeigt – auch nicht in seiner Wirkung auf Gotham und seine Einwohner. Einzig ein dreitägiger Kampf zwischen den Profikillern Deathstroke und Deadshot bekommt ein paar Seiten gewidmet, aber auch der bleibt spannungsarm, weil man nie das Gefühl hat, dabei zu sein, zu distanziert wirkt das alles.

Das andere große Problem bildet die Motivation der Figuren. Es ist etwas müßig, beim Superhelden-Genre das Maß der Wahrscheinlichkeit anzulegen, aber jede noch so fantastische Story braucht ein gewisses Maß an Glaubwürdigkeit innerhalb ihrer Ansprüche und Möglichkeiten. Hier ist es nicht nur fragwürdig, warum Joker und Riddler sich so verbittert bekriegen, sondern auch dass sich wirklich alle großen Schurken auf eine der beiden Seiten schlagen und sich souveräne Einzelgänger wie Two-Face oder Poison Ivy als Handlanger bzw. Soldaten einspannen lassen. Tom King zeigt uns nicht, wie es dazu kam, er spart die Rekrutierung einfach aus – so wie vieles andere.

So bleibt The War of Jokes and Riddles da sprunghaft, wo es interessant geworden wäre. Stattdessen gibt es seitenweise Gräueltaten, Dialoge zwischen und Monologe von Joker und Riddler. Und obwohl viel geredet wird, bleiben ihre Motive dennoch schwammig und dadurch wirkt der große Krieg sehr bemüht. Auch die Lösung und Auflösung am Ende überzeugen (mich) nicht. Und sowohl Bruce Waynes Fahrlässigkeit als auch Batmans Handeln bleiben (mir) unverständlich.

Das ist auch deshalb schade, weil damit eine grundsätzlich interessante Idee verheizt wurde. So wirkt der Comic nur wie der feuchte Traum eines Fanboys, der sich ausmalt, wie cool es wäre, wenn der Joker und der Riddler gegeneinander Krieg führten, aber nicht genug Fantasie und Fähigkeiten entwickeln, aus der Idee eine durchdachte, spannende und vielleicht sogar innovative Geschichte zu schreiben.

Coole Prämissen, schwache Umsetzungen – Superhelden-Comics sind leider voll davon.

Hier eine andere Meinung:

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Eine Geschichte mit zwei Enden

DC Comics

Titel: Two-Face, Too!

Autor/Zeichner: David Hine/Andy Clarke

Erschienen: 2008 (Joker’s Asylum #1: Two-Face), Paperback 2008 (Joker’s Asylum), 2015 (Batman Arkham: Two Face), Hardcover 2017 (Two-Face: A Celebration of 75 Years), dt. Panini 2009 (Paperback)


„Life’s a lottery … It’s chance that decides who lives and who dies.“ (Two-Face)

Two-Face gehört zu den interessantesten der Batman-Schurken, weil es ihm oft nicht um Geld geht, sondern gerade in den jüngeren Zeiten darum, einen Standpunkt klar zu machen. Sein Dualismus ist eine verdrehte Ideologie, die er ständig versucht, vor anderen zu rechtfertigen. Zum Beispiel, dass in jedem das Böse steckt. Oder dass der Zufall darüber entscheidet, ob es zum Vorschein tritt.

Der Joker erzählt uns folgende Geschichte: Two-Face bekommt in Arkham Besuch von Holman Hunt, einem Feuerwehrmann, dessen rechte Gesichtshälfte verbrannt ist. Er versucht dem Verbrecher klarzumachen, dass auch nach einem solchen Schicksalsschlag das Leben weitergehen kann. Seine Frau habe ihn akzeptiert, weil es darauf ankomme, was unter der Haut liege.

Two-Face macht klar, dass er nichts davon hält. Aber das reicht ihm nicht. Nach einem Ausbruch aus Arkham entführt er Holman und dessen Frau. Dann zwingt er Holman eine Entscheidung auf: Entweder seine Frau wird von Säure entstellt oder er erschießt Batman. Holman weigert sich, einen Mord zu begehen. Als er die Waffe gegen Two-Face richtet, wird klar, dass es nur ein Test war, um Holman etwas zu beweisen. Niemand kommt zu Schaden, auch weil Batman interveniert.

Spannend wird es im Epilog. Holmans Frau verlässt ihn. Aber wie endet die Geschichte? Es gibt zwei. Der Joker fordert die Leser auf, eine Münze zu werfen, um zu entscheiden, ob Holman seine Frau wiederbekommt oder sich erschießt. Der Leser bestimmt über Leben und Tod. Ein bitteres Ende. Joker und Two-Face erteilen uns eine böse Lektion …

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Wenn Schurken die Welt retten

DC Comics

Titel: Justice

Autor/Zeichner: Alex Ross, Jim Krueger/Alex Ross, Doug Braitwaithe

Erschienen: 2005-2007 (Mini-Serie #1-12), Paperback ; dt. Panini 2006 (6 Bände), Hardcover Eaglemoss 2005 (DC Graphic Novel Collection, 2 Bände)


„Who decided we needed to be saved?“ (Lex Luthor)

„The world’s worst super-villains are acting like the world’s greatest heroes and the Justice League is nowhere to be found.“ (Elongated Man)

Die größten Superschurken der Welt haben alle denselben Alptraum von der nuklearen Apokalypse, bei der selbst die Helden wehrlos sind. Also verbünden sich Lex Luthor und Brainiac mit anderen Schurken wie Riddler, Poison Ivy und Black Manta, um die Welt erstens zu einem besseren Ort zu machen und zweitens die Superhelden auszuschalten, was für sie letztlich auf dasselbe hinausläuft. Aquaman wird von Brainiac der Kopf aufgeschnitten, Superman von Bizarro, Solomon Grundy und dem Parasiten ausgeknockt, Green Lantern wird ins Nichts verbannt und andere werden von Nano-Parasiten beherrscht. Schurken werden zu Helden – aber das geht natürlich in die Hose.

Über die Kunst von Alex Ross muss man nichts mehr sagen, die überwältigenden Bilder sprechen für sich selbst. Interessiert da noch die Story? Ja, sie tut es. Alex Ross hat sie sich diesmal selbst ausgedacht, Jim Krueger schrieb das Script, aber es ist kein unbeholfener Versuch geworden, wenn grafische Künstler den Autor in sich entdecken. Im Gegenteil: Justice ist packend erzählt und durchgehend spannend umgesetzt – und das obwohl die Story übervoll ist mit Helden und Schurken. Jedes der zwölf Kapitel ist aus einer anderen Sicht erzählt, so bekommen die wichtigsten Charaktere Raum sich zu entfalten. Wir erfahren etwas über ihre Motivationen, Ängste und Sorgen. Alex Ross will jeder Figur gerecht werden und es gelingt ihm auch, es werden wieder Superhelden, die wie Götter aussehen, aber sich sehr menschlich verhalten.

Es geht um ethische Grundfragen, es geht um die Zukunft der Menschheit: Soll die Elite nach dem Recht des Stärkeren überleben oder sollen die Schwachen zu Übermenschen optimiert werden? Was bedeutet Rettung für die Menschheit? Ist mit dem Ende der Atomwaffen die Welt erlöst? Und darüber hinaus gibt es auch schöne Höhepunkte wie Captain Marvel wirft Superman in die Sonne, Green Lantern richtet sich heimisch in seinem Ring ein, die Metal Men dienen der Justice League als Schutzrüstung. Es gibt überraschende Wendungen und sogar hier und da eine Pointe. Das alles macht das Vergnügen nicht nur kurzweilig, sondern befriedigt auch alle Ansprüche, die man von einer guten Justice League-Story erwartet.

Nur eines könnte zum Problem werden: Die fast 400 Seiten, vollgepackt mit Figuren, Action, Dialog und auch noch knallbunt und hyperrealistisch visualisiert, könnten den ein oder anderen Leser überfordern. Aber zum Glück muss man ja das Buch nicht in einem Rutsch durchlesen, sondern kann Pausen machen, um sich von der Reizüberflutung erholen. Dann verschmerzt man es auch, dass sich das Finale etwas hinzieht.

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Batman/The Shadow: Im Schatten des Vorbilds

DC Comics

Titel: Batman/The Shadow: The Murder Geniuses

Autor/Zeichner: Scott Snyder, Steve Orlando/Riley Rossmo

Erschienen: 2017 (Mini-Serie #1-6), Paperback 2017


„You could be the best version of him.“
„There is no Batman without death.“

The Shadow ist ein Vorbild für die Figur Batman: Zunächst nur eine Radiostimme, dann ein Charakter in Groschenromanen, Filmen und schließlich auch in Comics. Der schwarzgekleidete Mann mit Fedora-Hut und rotem Schal, der die untere Gesichtshälfte verdeckt, ist ein Urtyp des maskierten Vigilanten. Schon früher kamen The Shadow und Batman zusammen, sowohl im Comic (Batman #253/259, 1973/1974) als auch im Zeichentrick (wenn auch nur in abgwandelter Form von The Gray Ghost). Jetzt gibt es ein neues Comic-Crossover, erdacht von Scott Snyder.

DC Comics

Den Plot kann man sich denken: Batman verfolgt einen Serienmörder und trifft auf The Shadow, man löst den Fall gemeinsam. Der Schurke verbündet sich mit dem Joker, um nach Shamba-La zu kommen. Aber da ist noch mehr. Denn Batman hält zunächst The Shadow für den Mörder, doch dann behauptet dieser, Bruce Wayne unterrichtet zu haben, unter anderem in Form von Henri Ducard. Ein interessanter Kniff: The Shadow wird auch im Comic zu Batmans geistigem Vater – und Batman ist auserkoren, der nächste Shadow zu werden. Aber er lehnt das Angebot ab, auch wenn er damit auch die Unsterblichkeit ausschlägt.

DC Comics

Darüber hinaus bleibt das Crossover ein Routinestück: Es kommt zu einem unmotivierten Kampf mit mehreren Batman-Schurken, bei dem The Shadow zwar wild um sich schießt, aber niemanden tötet (was höchst unwahrscheinlich ist), Batman wird schwer verwundet, geht fast drauf, aber überlebt trotzdem irgendwie. Das Finale spielt sich in einer beliebigen Meta-Welt ab, die nicht greifbar wird, und wird mit einem einzigen Pistolenschuss viel zu undramatisch beendet. The Shadow lacht übertrieben bei den unpassendsten Gelegenheiten (weil Markenzeichen), Batman hat so kleine Spitzohren, dass sie fast nicht zu sehen sind. Und dann ist da noch die Optik, die sich zum Teil nostalgisch am alten Rasterdruck orientiert, manche Panels sind etwas aus den Fugen geraten, doch experimentell wird der Comic dadurch noch längst nicht. Es bleibt gut gemeinter Durchschnitt.

Dennoch: Eine zweite Mini-Serie läuft bereits, der Sammelband erscheint nächstes Jahr. Ich denke, die wird man sich, weil vom gleichen Autor, ebenfalls sparen können.

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Batman Ninja: Der erste Trailer

Beeindruckend, der erste Trailer zu Batman Ninja, dem japanischen Anime. Die Ausschnitte zeigen unter anderem einen gepanzerten Batman, der sich einen Schwertkampf mit einem gruseligen Joker liefert. Auch viele andere Schurken und Helden aus Gotham sind mit dabei. Die aufwendige Animation lässt die Comicfiguren lebendiger wirken als manch US-Produktionen, die natürlich auch in Asien gezeichnet werden. Batman Ninja soll 2018 erscheinen.

Batman und der ferne Osten haben eine gewisse Tradition. Nicht erst seit Year One und Batman Begins, wo erzählt wird, dass Bruce Wayne einen Teil seiner Ausbildung in Asien absolviert hat. Schon von 1966-67 gab es mit Batmanga eine japanische Batman-Comic-Serie. 2003 und 2008 kamen die Batman-Mangas Child of Dreams und Death Mask heraus. Erste Versuche von Batman-Animes waren in der Kurzfilm-Anthologie Batman: Gotham Knight (2008) zu sehen, 2013 erschienen drei verwandte Kurzfilme auf YouTube unter dem Titel The Bat Man of Shanghai.

Geburtstagsgeschenk für Harley Quinn

DC Comics

Titel: The Dark Prince Charming (dt. Der Dunkle Prinz)

Autor/Zeichner: Enrico Marini

Erschienen: 2017 (Teil 1 von 2, Hardcover), dt. Panini 2018


„I’m no monster, after all.“ (Joker)

Bruce Wayne bekommt Besuch von einer Frau mit einem achtjährigen Mädchen. Sie behauptet, das sei seine Tochter und verlangt zehn Millionen Dollar. Als die angebliche Vaterschaft in die Medien kommt, entführt der Joker das Mädchen, um Harley Quinn ein Geburtstagsgeschenk zu machen. Batman macht sich auf die Suche.

DC Comics

Enrico Marini (Batman Europa) ist ein Meister. Er inszeniert ein wahnsinnig detailliertes wie stimmungsvolles Gotham, neblig, aber in warmen Farben. Seine Figuren strotzen vor Lebendigkeit, sein Batman, der sehr an Ben Affleck erinnert, changiert irgendwo zwischen realistisch und ikonenhaft. Der Joker ist ein ultragrausamer Schurke, der seinen Handlangern keinen Patzer durchgehen lässt und auch einfach seine ganze Gang niedermetzelt, wenn ihm danach ist. Aber er ist auch ein Schurke mit einer schwierigen Kindheit, wenn man seinen Gedächtnislücken Glauben schenken darf … Das erinnert zwar stark an den Film The Dark Knight, aber seine Fürsorge für das entführte Kind verleiht ihm auch eine neue, nämlich menschliche Komponente.

Die Story nimmt sich alle Freiheiten, die sie braucht, denn sie spielt abseits der Continuity: Bruce Wayne hat eine Beziehung mit Selina Kyle (Catwoman), die offenbar immer noch Juwelen stiehlt, James Gordon raucht erstmals E-Zigarette und Batman trifft mal wieder auf einen Killer Croc, der keine Ratten in der Kanalisation frisst, sondern eine eigene Gang unterhält. Im vorläufigen Finale verprügelt ihn Batman verprügelt auf der Suche nach Antworten, aber muss eingestehen, dass er nur ans Ende seiner Möglichkeiten gekommen ist …

The Dark Prince Charming ist der furiose Auftakt einer packend erzählten Geschichte und macht große Lust auf Teil 2. Der soll allerdings erst im Frühling 2018 erscheinen.

>> Batman 2011-2019

Batman trifft Captain America

DC Comics

Titel: Batman & Captain America

Autor/Zeichner: John Byrne

Erschienen: 1996 (One-shot)


„I may be a criminal lunatic, but I’m an American criminal lunatic!“ (Joker)

Januar 1945. Joker und Red Skull wollen die Atombombe Fat Boy stehlen, um Washington D.C. einzuäschern. Batman und Captain America verbünden sich (zusammen mit Robin und Bucky Barnes), um das Schlimmste zu verhindern. Zuerst rettet Batman Cap den Hintern, später kämpft Steve Rogers gegen Bruce Wayne, weil er ihn der Spionage verdächtigt, und als die beiden merken, dass sie einander ebenbürtig sind, wird ihnen auch klar, wer sie wirklich sind (Gilgamesch lässt grüßen). Es gibt die obligatorische Todesfalle, aus der sich Batman und Bucky in letzter Sekunde befreien …

Die interessanteste Szene ist jedoch im Finale, als der Joker erkennt, dass sein Komplize Red Skull für Hitler arbeitet: „I’ve been working with a Nazi?“, stellt er entrüstet fest. Offenbar liest der Joker keine Zeitung oder hat das fette Hakenkreuz auf der Brust des Schurken irgendwie missverstanden. Wie dem auch sei: Es wird offenbar, dass der Joker Prinzipien hat, er ist nämlich ein Patriot und will mit Nazis nix zu tun haben. Das klingt irgendwie unüberzeugend nach AfD-Logik, aber in der Tat sabotiert er dann den Bombenabwurf. Gemäß dem Motto: die eigene Hauptstadt vernichten ist okay, aber nicht fürs Dritte Reich …

Ansonsten erfindet das Elseworlds-Crossover das Rad nicht neu, bietet aber reichlich kurzweiligen Fan-Service, in bewährter klarer John Byrne-Optik.

Mehr zum Thema Batman gegen Nazis:

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics
>> Batman-Crossover

Traue niemals einer Ziege

DC Comics

Titel: The Widening Gyre (dt. Der Teufelskreis)

Autor/Zeichner: Kevin Smith/Walt Flanagan

Erschienen: 2009/2010 (Mini-Serie #1-6, Paperback 2010), dt. Panini 2011


Bei einem Einsatz in Arkham Asylum wird Batman fast vom Dämon Etrigan getötet – da hilft ihm im letzten Moment ein Unbekannter mit Ziegenmaske. Baphomet, wie er sich später nennt, ist ein neuer Vigilant, der Batman erklärtermaßen helfen will. Immer wieder springt er ihm in der Folge als Deus ex machina bei. Der Held hat einiges drauf, Batman vertraut ihm, obwohl ihn schon der Name skeptisch macht. Aber eine rührselige Hintergrundgeschichte und das Ablegen der Maske reichen, um den besten Detektiv der Welt zu überzeugen.

Parallel dazu taucht Bruce Waynes alte Flamme Silver St. Cloud auf und erneuert ihre Liebschaft mit ihm. Das macht sogar Catwoman eifersüchtig. Wir sehen dabei zu, wie Batman sich nachts durch die gesamte (!) Rogues Gallery arbeitet und sich tagsüber mit seiner Freundin am Strand vergnügt, in Rückblenden lässt er Episoden seiner Vergangenheit mit Robin Revue passieren. Zwischendurch schaut Aquaman vorbei, um Bruce aufzuziehen.

Wären nicht die humoristischen Einschübe, wäre The Widening Gyre kaum zu ertragen. Denn bei dem episodenhaften Erzählstil fehlen ein Spannungsbogen, ein klares Problem und eine glaubhafte Entwicklung. Stattdessen fallen Batman und Bruce ständig aus der Rolle, etwa mit einem überstürzten Heiratsantrag und einer verantwortungslos-naiven Demaskierung. Dass die Story eine Fortsetzung von Cacophony ist, merkt man kaum. Aber wenn man es weiß, ahnt man schnell, auf welche Offenbarung es am Ende hinausläuft. Das letzte Panel setzt auf maximalen Schock-Effekt, aber es ist keine Überraschung. Dreist daran ist vor allem, dass die Geschichte bislang nicht zu Ende erzählt wurde. Eine sechsteilige Fortsetzung ist seit Jahren angekündigt, aber nie umgesetzt worden.

>> Batman 2000-2011