James Gordon

Von Bruce Wayne zu Batman: Das Zero Year bisher

Häufig ist es schwierig, bei den ganzen Publikationen von DC zu einer Storyline durchzublicken. Zum Zero Year (dt. Jahr Null), dem neuen Batman-Origin (d.h. der Entstehungsgeschichte), gibt es eine Reihe von zusätzlichen Storys, die das Hauptevent ergänzen. Hier ein Vorschlag, Bruce Waynes Werdegang in eine halbwegs chronologische Reihenfolge zu bringen (wohlwissend, dass es in Zero Year immer wieder Rückblenden in die Kindheit gibt, ebenso wie im Event Court of Owls/City of Owls):

  1. Batman: The Dark Knight #0: Chill in the Air (Bruce Wayne will sich an Joe Chill, dem Mörder seiner Eltern, rächen. Enthalten in Batman: The Dark Knight Vol. 2 – Cycle of Violence.)
  2. Detective Comics #0: The Final Lesson (Vor zehn Jahren schließt Wayne im Himalaya seine Ausbildung bei einem alten Meister der Kampfkunst ab und verliebt sich dabei – unglücklich – in ein Mädchen. Enthalten in Detective Comics Vol. 2 – Scare Tactics.)
  3. Batman Zero Year: The Director’s Cut #1: (Drei Episoden aus dem Leben des 19-, 21- und 24-Jährigen, Wayne besteht Prüfungen seiner Lehrmeister und lernt das Verbrecherleben kennen. Enthalten in Batman Vol. 4 – Zero Year: Secret City.)
  4. Detective Comics #0: The Long Wait (Wayne kehrt vor sieben Jahren nach Gotham zurück. Enthalten in Detective Comics Vol. 2 – Scare Tactics.)
  5. Batman #0: Bright New Yesterday (Bruce Wayne nimmt vor sechs Jahren maskiert an einem Banküberfall der Red Hood Gang teil. Enthalten in Batman Vol. 6 – Graveyard Shift.)
  6. Batman #21-24 (Haupt-Story. Enthalten in Batman Vol. 4 – Zero Year: Secret City.)
  7. Detective Comics #25: Whistleblower’s Blues (Tie-In mit James Gordon in der Hauptrolle. Enthalten in Detective Comics Vol. 5 – Gothtopia.)
  8. Batman #25-27, 29-33 (Haupt-Story geht weiter. Enthalten in Batman Vol. 5 – Zero Year: Dark City.)
  9. Batman #0: Tomorrow (Nachspiel zu Zero Year, Gordon schaltet im Beisein seiner Tochter Barbara zum ersten Mal das Batsignal ein, die drei künftigen Robins Dick Grayson, Jason Todd und  Tim Drake sehen es.)
  10. Nightwing #0 (Dick Graysons Vorgeschichte)

Batman Earth One 2: Versuch und Irrtum

DC Comics

DC Comics

Titel: Earth One Vol. 2

Autor/Zeichner: Geoff Johns/Gary Frank

Erschienen: 2015 (One-shot)


„You’re not much of a detective, are you?“ (James Gordon)

„See, Bruce, you might have worked out who you are. But in Gotham, you never know who anyone else really is.“ (Alfred Pennyworth)

Dieser neue Typ im Fledermauskostüm mag zwar gut darin sein, den Abschaum der Straße aufzumischen, aber er hat keine Ahnung davon, wie man sein Hirn benutzt: Am Tatort trampelt er auf Beweisen herum, verwischt mögliche Fingerabdrücke. Batman hat sich schon mal geschickter angestellt. Doch auf Erde eins ist er nicht nur ein Neuling, er ist auch ein Greenhorn, dessen Lehrjahre mit dem Anlegen der Maske und dem Bestehen der ersten Feuerprobe noch längst nicht beendet sind. Während er sich von James Gordon sagen lassen muss, mal seinen Verstand einzuschalten, meint Alfred, er solle mal lieber ein scumbag oder lowlife vom Dach werfen, um ein Zeichen zu setzen.

Im zweiten Teil der Earth One-Saga, einer alternativen Welt, muss Batman Muskeln und Hirn einsetzen, um gegen zwei klassiche Schurken zu bestehen: Killer Croc und Riddler. Letzterer terrorisiert die Bürger Gothams mit Rätselspielchen, die darauf hinauslaufen, dass Menschen sterben – aber er selbst bleibt das größte Rätsel. Man hört nur seine Stimme, man sieht ihn nicht und weiß nicht, was er mit dem Terror vorhat. Schließlich fällt der Verdacht auf Bruce Wayne zurück, Alfred kommt in den Knast – und Batman rackert sich ziemlich ab, um nicht nur sich selbst zu behaupten, sondern auch seine Beziehung zu Jessica Dent, der neuen Bürgermeisterin und Zwillingsschwester von Bezirksstaatsanwalt Harvey Dent, aufzubauen. Der Bruder hat allerdings seine Vorbehalte.

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Mit Herzblut bei der Sache

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman and the Mad Monk (Dark Moon Rising, Part 2) (dt. Batman und der Rote Mönch)

Autor/Zeichner: Matt Wagner

Erschienen: 2006-2007 (Mini-Serie #1-6, Paperback 2007), dt. Panini 2007 (100% DC)


„Have I inspired this? … Have I inadvertently given license to every crook with a flair for the dramatic?“ (Batman)

„I don’t care if that hurts. I am a master of pain and suffering and you’re my latest guinea pig.“ (Batman)

„What kind of monster instills such fear in his followers? Something far more frightening than the ‚Bat-man‘.“ (Batman)

Nachdem Batman den verrückten Wissenschaftler Hugo Strange und seine genmanipulierten Monster besiegt hat, bekommt er es mit einem anderen übernatürlichen Fall zu tun: Ein Vampir treibt sein Unwesen in Gotham und macht bei der Entsorgung seiner blutleeren Opfer den gleichen Fehler wie Strange. James Gordon fragt sich mal wieder, was mit seiner Stadt los ist und muss sich buchstäblich wieder mit Kollegen rumschlagen, weil er einigen Polizisten immer noch lästig ist – vor allem wegen seiner Allianz mit Batman. Auch der private Kram geht weiter: Julie Madison spioniert ihrem Liebhaber Bruce Wayne hinterher und fällt dem Vampirkult in die Fänge, während ihr Vater Norman Madison verrückt wird, weil ihn das schlechte Gewissen ob seiner Schulden plagt und er sich von Batman verfolgt fühlt.

Matt Wagners Zweiteiler (oder auch Zwölfteiler) Dark Moon Rising nimmt erst hier richtig Fahrt auf. Wie schon bei Monster Men hat der Autor und Zeichner nur die Grundidee der Ur-Geschichte von 1939 (Detective Comics #31-32) übernommen und lässt sich viele Freiheiten bei seiner Gestaltung, damit sie auch in sein Konzept passt. Die Story ist im besten Sinne klassisch: Wagner bedient sich bei der Pulp- und Schauerroman-Tradition (vor allem bei Bram Stokers Dracula), fährt ein mustergültiges schauriges Schloss auf, das Dracula alle Ehre gemacht hätte, bietet Wölfe, tödliche Fallen, Särge als Betten, eine eiserne Jungfrau, Batarangs aus Silber, einen finsteren Geheimbund und schöne Frauen als Opfer. Batman wird auf sehr drastische Weise zum Tiermörder und kommt mal wieder nur sehr knapp und mit vielen Wunden davon – um nicht zu sagen: er ist ziemlich im Arsch. Wie es sich für die Storys aus Batmans Frühzeit gehört, wird der Held sehr menschlich, also irrend und verletzlich dargestellt, aber auch – dank Alfred – mit einem Schuss Selbstironie. Batman fragt sich bei einer kurzen Begegnung mit Catwoman, ob er selbst nicht für all die kostümierten Spinner die Inspiration bietet. In einer der besten Szenen verpasst Batman den Bullen, die James Gordon vermöbeln wollen, eine ordentliche Abreibung – und sieht dabei auch noch cool aus.

Überhaupt ist Matt Wagners Batman trotz seiner Klobigkeit eine ziemlich dynamische Erscheinung und macht sowohl bei Licht als auch im Schatten eine gute Figur. Die restlichen Figuren, besonders die Frauen, überzeugen nicht immer. Das Batmobil macht im ersten Teil ohne die lächerlichen Flossen und die pflugartige Bat-Maske an der Spitze mehr her. Dafür ist Wagner ein begnadeter Cover-Artist, mit einem Instinkt fürs Wesentliche – und im Gegensatz zum ersten Teil bekommt man im Paperback von Mad Monk auch alle sechs Cover in voller Größe präsentiert.

Der rot gewandete Vampirmönch ist leider kein so ausgeprägter und interessanter Charakter wie Dr. Strange, die einzige Frage, die sich bei ihm stellt ist, ob er ein wahrer Vampir oder nur ein Scharlatan ist. Sein Abgang am Ende ist einer der dreistesten Deus ex machina, der je eingesetzt wurde, aber kommt so unerwartet, dass es schon fast wieder witzig ist. (Ich will nicht zu viel vorwegnehmen, aber die Szene spielt auch mit einem Batman-Klischee.) Auch das Ende von Norman Madison kommt etwas plötzlich und bleibt unbefriedigend. Und dass Batman erst wie Bruce Wayne klingen kann, wenn er seine Maske dazu abnimmt, ist wohl das Unplausibelste an der ganzen Geschichte, aber sei’s drum.

Dennoch macht Batman and the Mad Monk viel Spaß, es setzt Monster Men nicht nur würdig fort, sondern überbietet den ersten Teil sogar. Direkt daran schließt sich chronologisch The Man Who Laughs an – die erste Begegnung mit dem Joker.

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Legends of the Dark Knight: Prey

DC Comics

DC Comics

Titel: Prey (dt. Die Intrigen des Dr. Strange/Beute)

Autor/Zeichner: Doug Moench/Paul Gulacy

Erschienen: 1992 (Legends of the Dark Knight #11-15), Paperback 1992, Neuauflage 2012 (zusammen mit Terror); dt. Carlsen 1992, Panini 2014


 „Batman is actually good for morale. It doesn’t hurt, for some of the men, at least, to know we’re not out there on the street alone.“ (James Gordon)

„Must I act alone? Is my ego that huge? My obsession that great? What would it take for me to trust someone? And who could I trust?“ (Bruce Wayne)

„Oh, he’s a killer, this Batman … A killer who doesn’t kill.“ (Hugo Strange)

„The one crime the Bat-Man can never stop is the one that started him.“ (Hugo Strange)

Zu Beginn seiner Karriere hat Batman nicht viele Freunde. In Prey hat der Held nur Captain James Gordon auf seiner Seite, der nicht vergessen hat, dass Batman in Year One sein Kind gerettet hat. Ansonsten bringt der Vigilant immer noch die Polizei gegen sich auf, der Bürgermeister verurteilt die Selbstjustiz und initiiert ein Sonderkommando, das Batman endlich ausschalten soll. Gordon führt die Einheit an, beruft einen gewissen Sergeant Cort dazu, der gerne rabiat gegen Batman vorgeht. Zu der Task Force gehört auch der Psychiater Dr. Hugo Strange. Der ist ganz versessen darauf, Batman zu analysieren und dessen wahre Identität herauszufinden (die Idee stammt aus Strange Apparitions), er entwickelt einen regelrechten Batman-Fetisch, verkleidet sich sogar wie der Held. Um die Stimmung gegen Batman weiter anzuheizen, entführt Strange die Tochter des Bürgermeisters und manipuliert Cort so, dass dieser selbst zum Vigilanten Night-Scourge wird. Batman ist umgeben von Jägern, die es auf ihn abgesehen haben.

Batman-Altmeister Doug Moench fährt eine dichte Story mit vielen Facetten auf, die trotz der Handlungsstränge den Helden nicht aus dem Fokus verliert. Wie häufig bei den Geschichten über Batmans Frühzeit geht es um den Menschen hinter der Maske: den schwachen, zweifelnden und verletzlichen. Bruce Wayne wird von Strange infrage gestellt und mit seinem Ur-Trauma konfrontiert. Er verspürt Müdigkeit und Hunger (letzteres eine Seltenheit!). Die dunkle Bathöhle dient als Rückzugsort der Kontemplation, hier findet Batman zu seinem wahren Selbst zurück. Darüber hinaus sehen wir erstmals Batmobil und Batsignal im Einsatz. Dass Catwoman ein paar Mal auftaucht, hätte es allerdings nicht gebraucht. Hier wird sie noch für Batmans Komplizin gehalten, am Ende darf sie deus ex machina spielen. Sie nimmt die Doppelrolle von Gegnerin und Gefährtin auf.

Doch eine mitreißende Story ist bekanntlich nur die halbe Miete. Paul Gulacys filigrane Zeichnungen machen die andere Hälfte aus: detail- und schattenreich, dynamisch und voller schräger Perspektiven sorgen sie für eine düstere Noir-Stimmung und lassen den Dunklen Ritter trotz seines blauen Capes schön dramatisch erscheinen. Das alles macht die dritte Legends-Geschichte zu einem mustergültigen Beispiel dafür, wie man Batman erzählen sollte.

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Schmierentheater mit Clayface

DC Comics

DC Comics

Titel: Clay (Batman: The Dark Knight Vol. 4)

Autor/Zeichner: Gregg Hurwitz/Alex Maleev

Erschienen: 2013-2014 (Batman: The Dark Knight #22-25) Paperback 2014


„Ignoriert zu werden … ist wie tot sein …“ (Clayface)

Die Geschichte beginnt stark: James Gordon beendet eine Geiselnahme, indem er über Leichen geht. Doch das scheint nur so, in Wirklichkeit steckt der Verwandlungskünstler Clayface dahinter. Der wahre Commissioner ist in Gefangenschaft – und während Batman nach ihm sucht, weiß der sich zu helfen …

Nachdem Autor Gregg Hurwitz uns Scarecrow und den Mad Hatter nähergebracht hat, widmet er sich in seiner dritten Geschichte Basil Karlo alias Clayface. Wir bekommen die obligatorische Entstehungsgeschichte nachgereicht, in der wieder einmal ein Außenseiter auf Abwege gerät, weil er ignoriert wird und um Beachtung kämpft. Statt der Wissenschaft ist dieses Mal ein mystischer Wunderschlamm von Indianern für die Mutation zum Erd-Monster verantwortlich – und der Pinguin ist der Auslöser.

Bis auf diese Episode hat die vierteilige Story keine großen Höhepunkte. Schnell ist Clayface gefasst, ebenso schnell wieder draußen und dann wieder schnell gefasst. So recht weiß Hurwitz auch nicht, was er mit der Figur machen soll. Die Entführung des Commissioner dient keinem Zweck, am Ende will der arme Clayface nur wieder die Anerkennung des Publikums zurückgewinnen. Aber das Mitleid hält sich in Grenzen. Die Tragik besteht darin, dass diese Vorstellung nach dem Lesen schnell in Vergessenheit geraten wird.

Immerhin sorgt Zeichner Alex Maleev für eine düstere Stimmung in weitgehend monochrom gehaltenen Panels. Eine willkommene Abwechslung, aber die dünne Story rettet die Grafik nicht. Nach den ersten beiden Stories von Hurwitz, die durchaus ansehnlich geraten sind, ist diese eine erste Enttäuschung.

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Batmans schlimmster Albtraum

Batman: Over the Edge

Titel: Over the Edge

Regie/Drehbuch: Yuichiro Yano/Paul Dini

Erschienen: 1998 (The New Batman Adventures, Episode 12)


Es ist ein Szenario wie aus einer Elseworlds-Geschichte: Die Polizei stürmt die Bathöhle, das Batmobil wird zerstört, Batman und Robin werden gehetzt und können knapp entkommen. Was ist passiert? Batgirl ist tot, nachdem sie von Scarecrow vom Dach gestürzt wurde, James Gordon entdeckte, dass sie seine Tochter war und nun gibt er Batman die Schuld und sinnt auf Rache. Dabei verbündet er sich sogar mit Bane …

Was wie ein Albtraum klingt, wird mit skrupelloser Brutalität durchexerziert. Mit Abstand ist dies die düsterste Episode der Serie. Aber dafür auch die beste der letzten Staffel. Denn mehr Drama und Tragik steckt in keiner anderen Folge. Zurück bleibt ein mulmiges Gefühl: Das darf doch nicht wahr sein?, fragt man sich. Das Ende soll nicht verraten werden, aber man kann es sich denken, dass es nicht so schlimm sein kann, wie es aussieht. Dennoch nimmt es der Folge nicht die Spannung.

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Sauberer Bulle, dreckige Stadt

Gotham

Gotham ist eine Batman-Serie ohne Batman. Im Mittelpunkt steht die Anfangszeit des Polizisten James Gordon, der versucht, den Mord an der Familie Wayne aufzuklären. Nebenbei erfährt man die Entstehungsgeschichten von Batmans Schurken. Das ist reißerisch, unterhaltsam, aber nicht zwingend sehenswert.

Die Vorgeschichte ist ein zweischneidiges Schwert. Zum einen ist es hilfreich, eine zu erzählen, wenn man den Charakteren Tiefe verleihen will. Doch während man die Motive erklärt, läuft man Gefahr, in küchenpsychologische Klischees zu verfallen: schlimme Kindheit – böse Taten etc. Zum anderen erlaubt das Erzählen von Vorgeschichten, die Abenteuer beliebter Figuren fortzusetzen, aber dabei läuft man Gefahr, sich auf den Vorläufern auszuruhen und nichts anderes zu bieten, als das, was man erwartet. Und jeder weiß, dass es interessanter ist, zu erzählen „Darth Vader ist Anakin Skywalker“ als „Anakin Skywalker wird Darth Vader“.

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Die unerhörten Schreie der Kinder

Batman: Night Cries

Titel: Night Cries (dt. Ein Schreien in der Nacht)

Autor/Zeichner: Archie Goodwin/Scott Hampton

Erschienen: 1992 (One-shot)


„Blinde Fledermäuse bewegen sich problemlos an Hindernissen vorbei, doch taube Exemplare verirren sich hilflos.“

Zwei Familien werden brutal abgeschlachtet. Zunächst scheint es um einen Drogenkrieg zu gehen, doch dann stellt sich heraus, dass die Verbindung zwischen den beiden Fällen im Kindesmissbrauch besteht – höchst ungewöhnlich für eine Batman-Story. Warum das so ist, zeigt sich auch am Ende, wenn der Held an der Erkenntnis verzweifelt, dass erzwar viele Verbrechen sieht, verhindern oder rächen kann, aber für die unzähligen Schreie der Kinder taub ist.

Batman ermittelt zusammen mit dem frischgebackenen Comissioner Gordon. Bei diesem hängt mal wieder der Haussegen schief, weil das Privatleben wegen der Arbeit leidet und er sich daher die Frage gefallen lassen muss, warum er als Polizeichef immer noch auf der Straße ermittelt. Zudem muss er auch sein Kindheitstrauma bewältigen, von seinem Vater geschlagen worden zu sein. Damit wird der Fall auch zum persönlichen Anliegen, die Kette der Misshandlung zu durchbrechen.

Comic-Altmeister Archie Goodwin schafft es, mit seiner Story den Leser im Unklaren zu lassen und einige falsche Fährten zu legen. Dazu passen die gemalten Panels von Scott Hampton, die diesen Band erst veredeln. Die Bilder sind häufig so dunkel bis schwarz, dass man erst auf den zweiten Blick etwas erkennt, unscharfe Konturen lassen die Figuren mit den Hintergründen verschwimmen. So schafft der Künstler eine bedrückende Atmosphäre, die dem ohnehin schon düsteren Thema gerecht wird. Ein Band für Anspruchsvolle, für dunkle Herbstabende – oder lieber was für sonnige Tage, wenn es einen nicht so sehr runterzieht.

>> Batman 1990-1999

Batman am Boden

Batman: I Am The Night

Titel: I Am The Night

Regie/Drebuch: Boyd Kirkland/Michael Reaves

Erschienen: 1992 (Batman: The Animated Series, S01E49)


„Mit einem müden Körper wird man schon fertig. Aber ein müder Geist ist etwas anderes.“

Batman: I Am The NightBatman ist deprimiert. Grübelnd hockt er in seiner Höhle, ist müde, isst nichts mehr. „Manchmal frage ich mich, Alter Freund, ob meine Arbeit überhaupt irgendeinen Sinn hat“, sagt er zu Alfred. Er habe bloß ein paar Brände gelöscht, ein paar Schlachten gewonnen, aber der Kampf gehe immer weiter. So viel Selbstzweifel, so viel Niedergeschlagenheit sieht man bei Batman selten – besonders in der Animationsserie. In dieser Folge erscheint der Superheld jedoch am schwächsten.

 

Batman: I Am The NightNachdem bei einem Polizei-Einsatz gegen den „Jazz-Man“ sich James Gordon eine Kugel einfängt und auf der Intensivstation landet, macht sich Batman Vorwürfe, das Unglück nicht verhindert und vielleicht sogar befördert zu haben. „Wie viele gute Taten kann ich denn schon für mich verbuchen?“, fragt er im Gespräch mit Dick Grayson. „Man verkauft T-Shirts von mir. Ich bin ein wandelndes Klischee geworden. Wie hoch ist denn schon mein Einsatz gegen das Verbrechen?“ Diese T-Shirts und anderes Merchandising werden zuvor in der Folge gezeigt. Batman ist auch in seiner Welt ein Mythos und ein Pop-Phänomen.

Batman: I Am The Night

Batman plagen Zweifel, ob sein Weg der richtige ist und ob er ein anderes Leben führen sollte. Da er Angst hat, mehr Schaden anzurichten als Gutes zu tun, wirft er an seinem Tiefpunkt seine Maske weg. „Wenn man zu lang in den Abgrund blickt, wird man magisch hinuntergezogen.“ Natürlich schafft er es doch, sich zu überwinden. Nicht zuletzt, weil ihn Robin an seine Prinzipien erinnert. Am Ende rettet er nicht nur Gordon vor einem Attentat, sondern erkennt auch, dass er es auch anderen ermöglicht, ein besseres Leben anzufangen.

Den Serienmachern ist diese Episode nicht hoch genug anzurechnen. Sie beweisen Mut zur Melancholie und legen damit einen der besten Beweise dafür vor, dass diese Serie nicht (nur) etwas für Kinder ist.

Batman: I Am The Night>> Liste der Batman-TAS-Episoden

The Killing Joke: Wie der Joker das Lachen lernte

The Killing Joke

Titel: The Killing Joke (dt. Lächeln, bitte!)

Autor/Zeichner: Alan Moore/Brian Bolland

Erschienen: 1988 (One-shot), dt. Carlsen 1990, Panini 2008


„All it takes is one bad day to reduce the sanest man alive to lunacy. That’s how far the world is from where I am. Just one bad day.“

Manchmal wird man verrückt, nur weil man mal einen schlechten Tag hatte. Auf diese Formel bringt der Joker seine Botschaft in dieser klassischen und einflussreichen Story. Er will das demonstrieren, indem er versucht, James Gordon in den Wahnsinn zu treiben: Zunächst schießt er dessen Tochter Barbara an (Batgirl), dann entführt er den Commissioner und beschert ihm eine Höllenfahrt durch eine Geisterbahn. Nebenbei erfaren wir in Rückblenden, wie aus einem arbeitslosen Chemielaboranten und erfolglosen Komiker der Joker wurde – inklusive Red Hood und Säurebad.

The Killing Joke wurde viel gerühmt und gilt als eine der besten Batman-Storys. Ich frage mich, warum. Zugegeben: Alan Moore (Watchmen, V wie Vendetta) weiß, wie man eine Geschichte erzählt, und er macht das ohne Frage sehr einfühlsam und abgründig. Die detailreichen Zeichnungen von Brian Bolland, von klarem Strich und ausdrucksstark, tragen dazu bei. Doch aus heutiger Sicht ist die Psychologisierung des Jokers und die Erzählung seiner Vorgeschichte nicht mehr zeitgemäß. Denn für die Personifikation der Anarchie ist es am besten, wenn sie ebenso aus dem Nichts kommt wie ihre Motive. Christopher Nolan hat das verstanden und perfekt in seinem Film The Dark Knight realisiert.

Für Batman beginnt die Geschichte mit der Erkennis, dass sein Verhältnis zum Joker nur mit dem Tod eines der beiden enden kann. Unter Fans ist daher umstritten, ob Batman den Joker zum Schluss tötet. Batman ergreift ihn und lacht über dessen Witz. Dass er ihn erwürgt, sieht man nicht. Aber da die Story in der Continuity angesiedelt ist, ist es unwahrscheinlich, dass Batman seine oberste Regel bricht – vor allem, weil der Joker danach bekanntlich weiterlebt.

(Hinweis: Der Artikel wurde aktualisiert und überarbeitet.)

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