Detective Comics

Die Comicserie „Detective Comics“ erscheint seit 1937. In Ausgabe 27 hatte Batman 1939 seinen ersten Auftritt. Anfangs handelte es sich noch um eine Anthologieserie, die sich Batman mit anderen Helden teilte.

Lektüre für Minuten

DC Comics

Titel: Private Casebook

Autor/Zeichner: Paul Dini/Dustin Nguyen

Erschienen: 2007-2008 (Detective Comics #840-845, DC Infinite Halloween Special #1), Paperback 2008


Paul Dini gehört zu den Legenden unter den Batman-Autoren: Miterfinder von The Animated Series, Autor von Mad Love, zuletzt schrieb er den autobiografischen Comic Dark Night: A True Batman Story. Doch schon in den Nuller Jahren durfte er lange Comics schreiben, wie The Resurrection of Ra’s al Ghul, Heart of Hush und Streets of Gotham. Daneben schrieb er auch eine Reihe von Kurzgeschichten; Private Casebook ist eine Sammlung davon.

Der Auftakt ist ein Epilog zu The Resurrection of Ra’s al Ghul, der eigentlich im dazugehörigen Paperback besser aufgehoben wäre. Der auferstandene Schurke versucht wieder, in Gotham Fuß zu fassen. Aber Batman prügelt ihn nach Arkham. Aber das ist auch schon die stärkste Erzählung des Bandes.

Was sonst noch passiert?

In „The Wonderland Gang“ versammelt der Mad Hatter eine Gruppe von Handlangern, die wie er von Alice im Wunderland inspiriert sind. „The Suit of Sorrows“ macht eigenartigerweise einen Sprung zurück zu The Resurrection of Ra’s al Ghul, wo Batman eine historische Rüstung getragen hat. Hier geht er dem Geheimnis der Rüstung nach. Aber interessieren muss uns das nicht.

Zu einem Team-up mit der Zauberin Zatanna kommt es im Zweiteiler „Opening Night/Curtains“. Zusammen nehmen sie es mit einem neuen Bauchredner auf, einer Frau, die offenbar von Scarface besessen ist. Wir lernen die Frau mit sehr viel Vorgeschichte näher kennen, bevor wir uns wieder schnell von ihr verabschieden. Schließlich trifft Batman in „The Riddle Unanswered“ auf Catwoman, aber das ist eigentlich nicht nennenswert, ebenso wie die Halloweengeschichte am Ende.

Kurz gesagt: Man muss Private Casebook nicht lesen. Außer man braucht eine Klolektüre für Minuten oder belanglose Gutenachtgeschichten zum Einschlafen.

>> Batman 2000-2011

Riddlers erste Schnitzeljagd

Detective Comics #140-142 (DC Comics)

Titel: The Riddler/Crime’s Puzzle Contest

Autor/Zeichner: Bill Finger/Dick Sprang

Erschienen: 1948 (Detective Comics #140/142), Paperback 2015 (Batman Arkham: Riddler)


„Why don’t I commit puzzling crimes?“ (Riddler)

Es ist ein weit verbreiteter Irrtum: Edward Nigma wird nicht zum Riddler, weil er besonders schlau wäre, besonders gut im Lösen von Rätseln, sondern weil er gut im Schummeln ist. So ist es zumindest am Anfang. Der Riddler sieht sein Talent im Betrug. Also beschließt er, ein Superschurke zu werden: er legt sich ein Versteck mit der passenden Einrichtung zu, und dann noch ein grünes Kostüm mit Fragezeichen. Und so wird er zum Widersacher für Batman, um sich mit ihm zu messen. Er gibt ihm eine Reihe von Rätseln auf, die Batman immer wieder zum Mitspieler machen.

Batman und Robin lösen riesige Probleme: Riesen-Kreuzworträtsel, Riesen-Puzzles, Riesen-Drahträtsel. (Der unverkennbare Stil von Dick Sprang.) Ein Riesen-Maiskolben später führt der Riddler sie in ein Labyrinth aus Glas – und da laufen sie auch ohne nachzudenken rein. Wie gut, dass Batman besser darin ist, Probleme zu lösen, als sie zu vermeiden.

Da der Riddler entkommt, geht es im zweiten Teil munter weiter: ein Riesen-Rebus an einem Zeppelin, ein absurder Rebus im Fernsehen, auf dessen Lösung niemand außer Batman je gekommen wäre. Die Schnitzeljagd endet im Spiegelkabinett, aber Batman kennt da einen ganz tollen Trick, um sie ganz schnell zu beenden.

Bemerkenswert: der Riddler ist kein Krimineller aus Gier oder reiner Bosheit. Er ist ein Spieler, der bloß seinen Spaß haben will. Die Rätsel sollen gelöst werden, damit Batman ihm hinterherrennen kann. Wie die meisten anderen klassischen Schurken (Hugo Strange, Clayface, Scarecrow, Two-Face) verschwindet der Riddler nach diesem Zweiteiler für lange Zeit aus den Comics. Erst 17 Jahre später kehrt er zurück (Batman #171, 1965), im Jahr 1966 dann auch in der Batman-TV-Serie.

Mehr zum Thema:

Zweite Chance für Two-Face

DC Comics

DC Comics

Titel: The End of Two-Face

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1943 (Detective Comics #80), Paperback 2015 (Batman Arkham: Two-Face)


„I’m going straight!“ (Two-Face)

Two-Face bricht aus dem Knast aus. Und macht weiter wie bisher: tut mal Böses, mal Gutes, je nachdem, wie die Münze entscheidet. Als es zur Konfrontation mit Batman und Robin kommt, gerät Harvey Kents Frau, Gilda, in die Schusslinie. Nachdem sie ihm seine Liebe gesteht, trifft er den Entschluss, sein Leben zu ändern. Doch die Mitglieder seiner Gang lassen ihn nicht so leicht davonkommen.

Das Besondere an dieser Story ist der Optimismus: die tragische Geschichte von Kent, die Mitgefühl erregt hat, kommt hier zu einem (vorläufig) guten Ende. Harvey wird bekehrt, er rettet sogar Batman das Leben und lässt sich sein Gesicht wieder reparieren (just in dem Moment ist der besagte plastische Chirurg aus Nazi-Deutschland entkommen). Etwas zu naiv und märchenhaft? Mag sein. Aber es zeigt auch Batman von einer menschenfreundlichen Seite. Er ist froh, dass er nicht – wie sonst üblich – einen Bösen in den Knast stecken must, sondern dass Besserung möglich ist.

Two-Face ist kein Schurke, der als Dauergast konzipiert war. Genauso wie Clayface, Scarecrow oder der Riddler. In den darauffolgenden zwei Jahrzehnten taucht er kaum in den Comics auf. Erst in den 70ern wird er zu einem von Batmans Erzfeinden. Doch er bleibt einer der interessantesten Charaktere, nicht nur wegen der Tragödie seiner Entstehung, sondern auch, weil er ein zerrissener Charakter ist – wie Batman auch.

>> Liste der Two-Face-Comics

Mehr über Two-Face:

War Games: Tausend Seiten Langeweile

Titel: War Games Vol. 1-2 (früher: War Drums, War Games, War Crimes)

Autor/Zeichner: diverse

Erschienen: 2004-2005; Paperbacks 2004-2006 (5 Bände), 2015-2016 (2 Bände); dt. Panini 2005 (diverse Hefte)


„War is not a game. It’s an abomination. And this must be stopped.“ (Batman)

Die Kurzfassung: Ein Bandenkrieg bricht in Gotham aus, Black Mask übernimmt die Unterwelt.

SPOILER: Stephanie Brown wird zu Robin, wird aber schnell gefeuert und stirbt bald darauf, nachdem sie von Black Mask gefoltert wird.

Bilanz: Zwei Bände mit über 1000 Seiten, auf denen zu wenig Spannendes passiert – verschwendete Lesezeit.

Die ausführliche Fassung:

Tim Drake hat keine Lust mehr. Er hat als Robin hingeschmissen. Ein Ersatz muss her, da steht auch schon die erste Aspirantin auf das Amt des Wunderknaben bereit: Stephanie Brown, Tochter des Schurken Cluemaster, ehemals als Spoiler unterwegs. Kaum bricht sie in die Bathöhle ein und steht im selbstgenähtem Kostüm vor Batman, ist sie engagiert. Bei Tim hat Batman noch gezögert und mit sich gehadert, immerhin war gerade erst Jason Todd im Einsatz draufgegangen. Aber beim ersten Mädchen in der Rolle scheint er keine Skrupel zu haben. Warum, erfährt man später: sie ist bloß Kanonenfutter.

Ja, ich weiß: strenggenommen ist Stephanie nicht der erste weibliche Robin. Vor ihr gab es Carrie Kelley, allerdings nur im alternativen Universum von The Dark Knight Returns (auch wenn sie kürzlich Eingang in den Kanon fand, aber das ist eine andere Geschichte). Spoiler-Robin ist aber die erste in der regulären Continuity. Es ist allerdings bezeichnend: Wenn Robin ein Mädchen wird, dann nur für kurze Zeit. So geht Stephanie Brown leider nur als Fußnote in die Comic-Geschichte ein. Alfred Pennyworth kommentiert das so:

„One has difficulty adjusting to the recurrent personnel changes, what with Robin, and the Robin before her …“

Die Handlung von War Games lässt sich Zeit. Das erste Drittel (ursprüglich War Drums genannt) baut nur allmählich die Geschichte in Gang. Ein Gang-Krieg hier, Mr. Freeze da, eine Pest frisst Menschen auf, der Pinguin macht Waffendeals, Robin darf sich beweisen und wird nach ein paar Tagen gefeuert, während Tim Drake Liebeskummer hat und sich woanders Trost sucht. Kurz gesagt: ziemlich schleppend und belanglos.

Nach diesem zähen Auftakt geht die eigentliche War Games-Story los. Nachdem es bei einem Treffen der Gangster-Bosse zu einer Schießerei kommt, bei der die meisten getötet werden, bricht ein Bandenkrieg in der ganzen Stadt aus. Das Treffen hat Stephanie Brown einberufen, um Batman zu beweisen, das sie das Verbrechen in Gotham beseitigen kann. Falsch gedacht, es endet in einer Katastrophe. Auch für sie. Und auch narrativ. So wird das Lesen selbst zum Kampf.

Der erste Akt von War Games, mit dem der erste Band (500 Seiten!) schließt, ist nichts als eine große Prügelei:

  • Batman vermöbelt Gangster
  • Nightwing vermöbelt Gangster
  • Catwoman vermöbelt Gangster
  • Robin vermöbelt Gangster
  • Batgirl vermöbelt Gangster
  • neue Heldinnen wie Onyx und Tarantula vermöbeln Gangster

Eintönig? Ja, so ging es mir auch. Aber so geht es im zweiten Band (600 Seiten!) weiter. Bis irgendwann endlich der Hauptschurke auftaucht: Black Mask. Zu lange hält man mit ihm hinterm Berg, dann ist er plötzlich da, ohne großen Auftritt – und als Batman dahinterkommt, ist es keine Überraschung mehr, weil der Leser es längst weiß, ohne dass er selbst rätseln musste. Das hätte man eleganter lösen können. Aber immerhin ist Black Mask, ein grausamer, sadistischer wie wortgewandter Schurke, das Einzige an dieser Story, das Interesse weckt.

Alles weitere ist entbehrlich. Zu viele Charaktere tummeln sich da (Hush! Deadshot! Scarecrow!), die die dünne Story mehr mit unnötigen Schlägereien ausbremsen als sie voranzubringen. Batman wirkt mal wieder sehr unsympathisch, weil herrisch, als er auch noch der Polizei vorschreiben will, was sie zu tun hat, und danach bei ihr in Ungnade fällt. Dabei ist die eigentlich spannende Prämisse, dass der Mann, der an alles gedacht hat, unfreiwillig zum eigentlichen Auslöser der Krise wird. Aber hier wird die Idee verschenkt.

Der Schlussteil, War Crimes, ändert an dem Gesamteindruck wenig: er liest sich wie ein Epilog, der sich noch mehr zieht als das Ende von Herr der Ringe III. Das Finale enttäuscht, Black Mask und Joker gehen in einer Seitengasse wegen einer Nichtigkeit aufeinander los, Batman mischt sich ein, es geht kindisch zu wie auf dem Pausenhof. Da kann auch die überraschende Wendung am Ende nicht mehr helfen. Sie braucht uns ebenso wenig zu jucken wie die über 1000 Seiten davor.

>> Batman 2000-2011

Das Two-Face-Double-Feature

DC Comics

Titel: The Crimes of Two-Face/The Man Who Led a Double Life

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1941 (Detective Comics #66, 68), Paperback 2015 (Batman Arkham: Two-Face)


„… the most bizarre criminal of all time … a twentieth century Jekyll-Hyde …“

Einer der interessantesten von Batmans Erzfeinden ist Two-Face. Nicht nur wegen seines Doppellebens, das er mit Batman gemeinsam hat, nicht nur wegen des persönlichen Bezugs zu ihm, weil er einst ein Freund gewesen ist, sondern vor allem wegen seiner tragischen Vorgeschichte. Die wird gleich in der ersten Ausgabe ausführlich ausgebreitet. Ganze vier Seiten bekommt Harvey Kent (!), um zu Two-Face zu werden. So viel hat nicht einmal Batmans Entstehungsgeschichte bekommen.

Es ist bemerkenswert, wie gut die Figur durchdacht ist, von Anfang an ist alles da: der Staatsanwalt, der vom Gangster Moroni im Gerichtssal Säure ins Gesicht geschüttet bekommt, die Entfremdung von seiner Frau Gilda, der Doppelkopf-Dollar, die für ihn die Entscheidungen trifft. Die Münze ist zunächst ein Beweisstück gegen den Moroni. Weil Two-Face sie für sein Unglück verantwortlich macht, zerkratzt er sie mit einem Skalpell und widmet sein Leben einer Obsession für die Dualität: Sein Versteck ist zweigeteilt, seine Verbrechen haben stets mit der Zahl zwei zu tun: ein Doppeldecker-Bus, ein Double-Feature-Kino. Doch wenn die Münze auf die unversehrte Seite fällt, spendet er seine Beute auch für wohltätige Zwecke. Es ist noch Gutes in ihm …

Zunächst soll Kent von einem plastischen Chirurgen aus Deutschland behandelt werden – aber der wurde von den Nazis in ein Konzentrationslager gesteckt. Und Kent entscheidet sich, nicht auf dessen mögliche Befreiung zu warten. Interessant ist auch, dass seine Frau Künstlerin ist, die Skulpturen anfertigt. Nachdem sie sich vom entstellten Gesicht ihres Mann erschüttert zeigt, zerschlägt er eine Büste, die ihn darstellt, mit zwei Hammern. Früher, sagt er, sei er Apollo genannt worden, aber die Büsten zeigten nicht mehr sein wahres Gesicht. Er kommt in eine Persönlichkeitskrise: „Who … what am I? I’m not a man! I’m half a man … beauty and beast … good and evil! I’m a living Jekyll and Hyde!“ Seine Spaltung wird schon beim ersten Blick in den Spiegel deutlich: schon da ist sein Anzug zweifarbig.

Der Showdown wird zum Kammerspiel: Batman versucht, Kent zum Guten zu bewegen, Two-Face wirft seine Münze – und sie landet auf der Kante. Mit diesem Cliffhanger endet der erste Teil, zwei Ausgaben später geht es weiter. Two-Face entkommt durch den übereifrigen Einsatz der Polizei. Als nächstes entführt er das Double eines alten Unternehmers, dann versucht er ein Wohltätigkeits-Baseball-Spiel zwischen der Polizei und der Feuerwehr auszurauben. Auch Batman, da Ehrenmitglied der Polizei, spielt mit.

Der Höhepunkt ist allerdings ein emotionaler: Nachdem Two-Face feststellen muss, dass seine Frau mittlerweile Trost bei einem anderen Mann gefunden hat, stellt er sein Gesicht mit Wachs wieder her und besucht sie. Zunächst scheint alles wieder gut zu werden, Harvey will sich sogar der Polizei ausliefern, um wieder gut zu werden. Aber als sie bei Kerzenschein beisammen sitzen, sein Gesicht schmilzt und dann auch noch Batman reinplatzt, ist es mit den guten Vorsätzen vorbei. Armer Harvey. Der perfekte Schurke ist geboren – aus dem Geist der Tragödie.

>> Liste der Two-Face-Comics

Lesetipps:

Monströses Desaster

DC Comics

DC Comics

Titel: Night of the Monster Men (dt. Die Nacht der Monster-Menschen)

Autor/Zeichner: Steve Orlando, Tom King, James Tynion IV, Tim Seeley/Riley Rossmo, Roge Antonio, Andy MacDonald

Erschienen: 2016 (Batman #7-8, Nightwing #5-6, Detective Comics #941-942), Hardcover 2017, dt. Panini 2017


„I don’t run from my monsters. I embrace them.“ (Batman)

Vier riesige Monster fallen über Gotham her  und zerstören sinnlos die Stadt. Batman und seine Familie (Batwoman, Nightwing, Clayface, Spoiler, Orphan, Gotham Girl, Duke Thomas) halten sie auf. Dahinter steckt Hugo Strange. Und die einzige Frage, die sich ständig aufdrängt: Warum ruft niemand die Justice League zur Hilfe? Die darf erst am Ende aufräumen helfen. Seltsam.

Das erste Batman-Event im Rebirth-Zyklus enttäuscht durch eine langweilige Prämisse (Riesenmonster? Gähn!) und eine banale Story mit noch banalerem Finale. Hier wurden die bisherigen klassischen Geschichten um Hugo Strange (Batman and the Monster Men, Prey, Strange Apparitions) zu einer vermischt und nur dadurch gesteigert, dass die Monster noch größer, fieser und … monströser gemacht wurden. Aber das führt bloß dazu, dass die Helden zu Katastrophenhelfern werden und vor lauter Action jegliche Psychologie auf der Strecke bleibt, obwohl die Monster angeblich für Batmans Ängste stehen sollen. Da hilft es nichts, dass Hugo Strange ein verrücktes Universalgenie ist und im Batman-Kostüm auf einem Thron aus Psychologie-Büchern sitzt – am Ende siegt der Held, ohne dass es zu einem richtigen Duell gekommen ist.

Grafisch bleibt Night of the Monster Men so durchschnittlich wie seine Geschichte. Was aber irgendwann zu viel wird, ist diese knallbunte Kolorierung, vor allem der penetrante Pink-Stich am Ende. Mit Rebirth will DC ja wieder mehr Optimismus in die Comics bringen, aber das ist eindeutig zu viel des Guten. Es täte den Comics besser, in neue Ideen zu investieren.

Was bisher geschah:

Pinguins erster Coup

DC Comics

DC Comics

Titel: One of the Most Perfect Frame-Ups

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1941 (Detective Comics #58)


„I’m afraid you’d never appreciate the beauty of a successful robbery!“ (Pinguin)

Bevor der Pinguin zu einem Herrscher der Unterwelt wird, einem Gangster, der illegale Geschäfte unter dem Deckmantel des Legalen macht, ist er zunächst ein Dieb, der für andere Aufträge ausführt. Allerdings ein sehr geschickter. Von Anfang an hat er schon alle seine Attribute, die ihn so klassisch machen: Zylinder, Mononkel, Zigarettenspitze, eine Vorliebe für Edelsteine und vor allem Regenschirme aller Art. Einer hat einen Dolch versteckt, ein anderer Betäubungsgas, ein anderer spritzt Säure. Obwohl körperlich unterlegen, bleibt der kleine dicke Mann für Batman eine Herausforderung.

In seiner ersten Geschichte erfahren wir nicht, woher er kommt, aber dafür geht es um Kunst: Bruce und Dick besuchen gerade eine Ausstelung, Dick stellt sich wie ein Banause an und macht sich bei einem Künstler unbeliebt, da kommt ein kleiner Mann mit Zylinder herein, ähnlich einer Pinguin-Plastik, die zufällig in der Ausstellung steht. Kurz darauf ist ein teures Gemälde verschwunden. Die Besucher werden daraufhin durchsucht, auch der Pinguin, doch er kommt davon, denn er hat das Gemälde aus dem Rahmen genommen und in seinem Schirm versteckt.

Pinguin (DC Comics)

Pinguins erster Auftritt (DC Comics)

Ziemlich ausgebufft, der Kleine. Als nächstes raubt er einen Diamanten. Wie schon beim ersten Mal handelt er im Auftrag eines Gangsterbosses. Doch als ein Streit um ihre Anteile ausbricht, knallt der Pinguin seinen Auftraggeber mit seinem Schirm ab, übernimmt seine Bande und setzt seinen Raubzug fort.

Beim nächsten Fall kann zwar Batman intervenieren (dabei zerstört er ein Gemälde, indem er es zwei Handlangern über den Kopf schlägt), aber er wird vom Pinguin überwältigt und (wegen einer vagen Behauptung) von der Polizei gefangen genommen. Doch kurz darauf lässt der Schurke Batman wieder befreien, nur um ihn selbst gefangen zu nehmen. Das hat angeblich mehrere Gründe. Nachvollziehbar sind sie nur bedingt.

Batman ruft Robin mit einer interessanten Vorrichtung herbei: einem Morsetelegrafen in seinem Schuhabsatz. Beim Endkampf kann der Schurke entkommen, indem er auf einen fahrenden Zug springt. Er soll demnächst noch öfter wieder auftauchen. Drei Jahre später wird er gemeinsame Sache mit dem Joker machen.

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Clayface feiert Premiere

DC Comics

DC Comics

Titel: The Murders of Clayface/Clayface Walks Again

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1940/1941 (Detective Comics #40, #49)


„Clayface, from now on your name is mud!“ (Batman)

Clayface ist einer der ersten von Batmans Erzfeinden. Er tauchte kurz nach dem Joker auf, noch früher als Pinguin, Two-Face und Riddler. Allerdings erschien er noch nicht in seiner Gestalt als formwandelnder Schlammberg. Zu Beginn ist Basil Karlo (eine Namenskreuzung aus Boris Karloff and Basil Rathbone) nur ein frustrierter Schauspieler, der seine Karriere hinter sich hat und nun Rache nehmen will. Der Frust ist nachvollziehbar: Man wird abgesägt – und dann dreht Hollywood ein Remake eines der eigenen Filme. Basil Karlo tritt in seinem alten Filmkostüm als Schurke Clayface auf: mit Fratzenmaske, breitem Hut und Gewand. Schon bald gibt es die erste Leiche am Set.

Die Story ist für uns nicht mehr so aufregend, weil wir bereits wissen – oder uns denken können -, wer der Mörder ist. Allerdings ist sie wie ein klassischer Whodunit aufgezogen, bei dem zunächst mehrere Verdächtige infrage kommen. Batman und Robin dürfen sich als Detektive behaupten. Bruce Wayne muss dabei seine eigene Freundin Julie Madison retten, die unter dem Namen „Portia Storme“ gerade ihre Karriere als Schauspielerin beginnt. Julie lässt übrigens keine Gelegenheit aus, Wayne vorzuschwärmen, wie sehr sie sich wünschte, dass er mehr wie Batman wäre.

Einige Ausgaben später (Detective Comics #49) kehrt Karlo zurück. Aber dieser Auftritt ist nicht mehr so elegant wie seine Premiere. Kaum hat er sich aus dem verunglückten Gefangenentransport befreit, zieht er stumpfsinnig wieder aufs Set, um seine Rache zu vollenden. Batman kommt sehr schnell auf seine Spur. Clayface tut sein Bestes, aber das ist ziemlich armselig: er wirft einen Feuerhaken nach Batman, dann eine Modelleisenbahn (!), schließlich lässt er einen Lkw auf Batman zurasen, allerdings ohne am Steuer zu sitzen und sich zu vergewissern, dass der Wagen sein Ziel trifft. Ein Feuer soll dann Robin dahinraffen … naja, klappt alles nicht.

Denn die Helden stellen sich viel geschickter an, auch was die Schauspielerei angeht. Denn am Ende schießt Clayface auf die falsche Person, weil Robin und Julie die Rollen getauscht haben. Gegen so viel Rafinesse kommt der von Rachsucht geblendete Karlo nicht an.

Eine schwache Vorstellung, durchaus ausbaufähig. Aber er wird sich noch entwickeln. Aber zunächst verschwindet Basil Karlo für lange Zeit in der Versenkung; erst 1969 taucht er wieder auf. In der Zwischenzeit (Detective Comics #298, 1961) nennt sich Matt Hagen Clayface – und ist damit der erste Schlammschurke, den wir heute kennen. Aber das ist eine andere Geschichte.

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Batman macht Schule

DC Comics

DC Comics

Titel: Rise of the Batmen (dt. Angriff der Batman-Armee)

Autor/Zeichner: James Tynion IV/Eddy Barrows, Alvaro Martinez

Erschienen: 2016 (Detective Comics #934-940), Paperback 2017 (Detective Comics Vol. 1); dt. Panini 2017 (Paperback)


„The idea of Batman is powerful, but it’s pointed in the wrong direction.“ (Jacob Kane)

Nachdem Azrael von einem unbekannten Attentäter ins Koma gebracht wurde, vermutet Batman, dass es jemand auf den Rest der Bat-Familie abgesehen haben könnte. Also beginnt er, zusammen mit Batwoman den Nachwuchs für den Ernstfall zu trainieren: Spoiler, Orphan (Cassandra Cain) und Red Robin (Tim Drake, obwohl schon seit Jahren im Geschäft) – und sogar Clayface. Da offenbart sich der Gegner: the Colony, eine Armee von Batman-Kriegern, gesponsert von der US-Regierung, geleitet von Colonel Jacob Kane, dem Vater von Kate Kane (Batwoman). Er wiederum rüstet sich gegen die League of Shadows, die aber laut Batman nur eine Lüge von Ra’s al Ghul sein soll.

Mal wieder ist also alles anders als gedacht. Und wie immer, wenn ein Autor die Retcon bemüht (bekanntes Beispiel: Under the Hood), bleiben offene Fragen: Warum hat Jacob Kane seiner Tochter dazu verholfen, Batwoman zu werden, wenn er hinter ihrem Rücken eine Batman-Armee aufgebaut hat? Warum hat er sie nicht gleich eingeweiht? Und warum erledigt er Azrael, wenn er angeblich niemanden verletzen will? Und dann gibt es noch weitere Fragen: Warum trägt Red Robin ein neues Kostüm, das eher an sein altes erinnert und ihn weniger „red“ erscheinen lässt? Warum darf Clayface im Team Batman mitmachen? Zuletzt war er noch gemeingefährlich (siehe Graveyard Shift, Batman Eternal, Arkham Manor). Dass der Schurke zum Helden wird, ist zwar eine erfrischende Idee, aber die Motivationen dafür bleiben auf der Strecke – auch wenn die Sequenz, in der Clayface ein Kino aufsucht, um sich auf der Leinwand als Mensch wiederzusehen, sehr einfühlsam gelungen ist.

Überhaupt schafft es Autor James Tynion IV (Batman Eternal, Batman & Robin Eternal), den vielen Charakteren seiner Geschichte gerecht zu werden, allein Orphan bleibt auf der Strecke, aber sie hat ja ohnehin nicht viel zu sagen. Aber dafür gibt es ja die Action. Und davon nicht zu wenig. Die Zeichner Eddy Barrows und Alvaro Martinez inszenieren ihre Figuren filigran und die Posen spektakulär, wenn auch ohne große Experimentierfreude.

Der erste Detective Comics-Band nach Rebirth hat zwar kein Potenzial, ein Klassiker zu werden, aber er ist ein kurzweiliger Auftakt, der Spaß und Lust auf die Fortsetzung macht. Das Wichtigste aber: der Neustart hebt die Qualität der Traditions-Serie, die in den vergangenen Jahren sehr zu wünschen übrig ließ.

>> Batman 2011-2019

Jimmy zieht in den Krieg

DC Comics

DC Comics

Titel: Gordon at War (Detective Comics Vol. 9)

Autor/Zeichner: Peter J. Tomasi/Fernando Pasarin, Scot Eaton

Erschienen: 2016 (Detective Comics #48-52), Paperback 2016; dt. Panini 2016 (Batman #55-57)


„It is far better to be alone than in bad company.“

James Gordon ist immer noch Batman. Zum letzten Mal. Abgesehen davon, dass er ohnehin nie viel Bock auf den Job hatte, hat er hier nicht einmal Lust dazu, in seinen hasenhaften Panzer-Anzug zu steigen. Also springt er eben wie ein Batman, dem man sein Cape geklaut hat, von Dach zu Dach, rutscht im Regen aus und ballert mit seiner Batarang-Pistole um sich.

Worum geht’s? Ach ja, um einen Serienmörder, der in der Manier von Das Schweigen der Lämmer und Sieben nach einem bestimmten Muster Leichen hinterlässt. Leider wird bis zum Schluss nicht ganz klar, worum es dem Irren eigentlich geht: Er streift sich Masken berühmter historischer Personen über, präpariert seine Opfer ebenso, er orientiert sich an Statuen, er entnimmt ihnen Knochen, aber zu welchem Zweck, wird nicht klar. Im Zweifel einfach, weil er irre ist.

Muss uns auch nicht groß kümmern. Gordon meistert diesen Fall in schlappen drei Ausgaben – mit viel Hilfe seiner Freunde, die in einem Luftschiff über der Stadt schweben und imme zur Stelle sind, wo die Handlung es verlangt. Harvey Bullock spielt mal wieder den Sidekick im Schlapphut und Trenchcoat, aber er nimmt dankenswerterweise nicht die Hauptrolle ein, wie etwa in Band 8 (Blood of Heroes).

Zum Abschluss dieser unseligen Detective Comics-Reihe darf Gordon an alte Marine-Zeiten anknüpfen, indem er nach Afghanistan reist. Und im Bunny-Suit gegen eine Mumie kämpft. Was das noch mit Batman zu tun hat? Herzlich wenig. Und so stirbt die Story so sang- und klanglos wie die Schnapsidee, Gordon zu Batman zu machen, und so wie die Serie Detective Comics von The New 52. Wie gut, dass das endlich hinter uns liegt – auf zu neuen Ufern.

Wie es dort aussieht, bekommt man am Ende zu sehen, da ist nämlich das Special Batman: Rebirth #1 abgedruckt. Und auch Nostalgiker bekommen am Ende in einer kleinen Bildergalerie Neuinterpretationen alter Batman-Cover geboten, bei der sich Batman darüber auslässt, wie anstrengend sein Leben doch ist. Ja, Batman, und durch all das müssen auch deine Leser durch.

>> Batman 2011-2019