Robin

Batman macht Filialen auf

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman Incorporated

Autor/Zeichner: Grant Morrison/Chris Burnham, Michel Lacombe, Scott Clark, Cameron Stewart, Dave Beaty

Erschienen: 2010-2012 (Batman Inc. #1-8, Batman Inc. Leviathan Strikes!), Paperback 2012, dt. Panini 2013 (Paperback)


„Batman is everywhere.“ (Bruce Wayne)

Eigentlich ist Batman ein einsamer Kämpfer. Und eigentlich ist er es auch überhaupt nicht. Sehr früh schon wurde er mit Robin zum Teamplayer, bald darauf kam Alfred hinzu, in den 50ern wurde die Bat-Familie erweitert um Batwoman, Batgirl, Bat-Hound und Bat-Mite, später Nightwing, weitere Batgirls, Red Hood, Huntress, Spoiler, Red Robin und andere. Nach Batmans Verschwinden (bzw. „Tod“ in Final Crisis) wurde der Kreis der Familie sogar um einige Reservisten erweitert. Batman ist schon lange kein einsamer Wolf.

Da ist es nur folgerichtig, wenn der Kontrollfreak Batman (nach seiner Rückkehr) sein Netzwerk auf die ganze Welt ausdehnt: Batman Incorporated. Wie Bruce Wayne es bereits als Geschäftsmann längst ist, wird auch Batman zu einem Global Player. Wayne tritt nun öffentlich als Sponsor von Batmans Franchise-Unternehmen auf und lässt Batman-Roboter bauen, während Batman in der Welt herumzieht und Filialen aufmacht: in Japan, Argentinien, Afrika, Australien und sogar in einem Indianer-Reservat. Lokale Helden werden zu Batmen oder wenigstens zu seinen Gefolgsleuten gemacht. Und passend dazu tritt ein neuer Schurke auf, der es auf die Helden abgesehen hat: der mysteriöse Terrorist Leviathan.

Grant Morrison führt mit Batman Incorporated zu Ende, was er mit Batman and Son begonnen hat: eine Mega-Story. Daher ist diese Geschichte nur zu verstehen, wenn man alles seitdem gelesen hat – oder wenigstens den ersten Band (inklusive Black Glove). Denn die Grundidee internationaler Batmen ist bereits im Club of Heroes eingeführt, ebenso wie ein Charakter namens El Gaucho.

Die Geschichte ist aber auch mit dem ganzen Wissen im Hinterkopf typisch Grant Morrison, also voller Charaktere und Nebenhandlungen. Zunächst beginnt es sehr episodenhaft, dann erschließt sich der Zusammenhang, immer wieder aber gibt es irritierende Sprünge, in der mehr hinzugefügt wird, als dem Ganzen gut tut, wie etwa einen Exkurs, in dem die historisch erste Batwoman nachträglich in die Continuity eingefügt wird (als Batmans erste Liebschaft).

Trotz dieses Anspruchs ist Batman Incorporated überwiegend kurzweilig und unterhaltsam zu lesen. Morrison sorgt für reichlich Abwechslung, lässt Bruce Wayne sogar Tango tanzen und nimmt sich in der Indianer-Episode sogar Zeit für reichlich Sozialkritik. Die Story hat einige starke Momente, auch wenn bei dem ganzen Reisen sich beim Lesen manchmal Jetlags einstellen.

Die Zeichenstile variieren stark, sind aber meist solide bis prächtig gelungen. Einzige Ausnahme: Kapitel 8 ist wieder (wie schon die Joker-Story „The Clown at Midnight„) am Computer mit 3D-Technik gezeichnet. Damit soll eine Virtual Reality abgebildet werden, aber die sieht furchtbar leblos und abstoßend aus. Dann schon lieber Arkham Knight auf der PS4 spielen. Comicfiguren müssen handgemacht sein: egal ob gezeichnet oder gemalt, aber auf keinen Fall so.

Ein abschließendes Urteil über Batman Inc. ist nach Band 1 nicht möglich, denn dies ist bloß der Auftakt zu einer größeren Geschichte, die sich noch über zwei weitere Bände erstreckt. Fortsetzung folgt.

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Tote leben länger

Batman: Eye of the Beholder

DC Comics

Titel: Eye of the Beholder

Autor/Zeichner: Tony S. Daniel/Tony S. Daniel, Steve Scott

Erschienen: 2011 (Batman #704-707, 710-712), Paperback 2011


„Doesn’t anyone stay dead these days?“ (Batman)

Einmal noch. Nur noch einmal müssen wir durch eine Story von Tony Daniel durch. Wer schon länger dieses Blog verfolgt, weiß, dass ich bisher nie überzeugt davon war, dass in diesem Autor-Zeichner ein Doppeltalent steckt. Zeichnen ja, schreiben nein. Allein sein Battle for the Cowl war okay, Life After Death taugte aber nichts – und erst recht nicht seine beiden späteren Detective Comics-Bände Faces of Death und Scare Tactics. Okay, eine Chance geben wir ihm noch: Eye of the Beholder.

Erzählt werden zwei Geschichten: In der ersten muss Batman (Dick Grayson) gegen den Schurken Sensei antreten, der eine chinesische Maske des Bösen in Gotham sucht. Sensei, der Vater von Ra’s al Ghul, müsste eigentlich tot sein (siehe The Resurrection of Ra’s al Ghul), aber … naja … die Familie hat’s nicht so damit, Endgültigkeiten zu akzeptieren. Batman verbündet sich mit der chinesischen Heldin Peacock, die aussieht, als könnte sie beim brasilianischen Karneval auftreten, und dem blinden Kämpfer I-Ching. Außerdem schauen noch die Schurken Riddler und Reaper vorbei, ohne allerdings für Höhepunkte zu sorgen.

Two-Face sucht seine Münze

In der zweiten Story geht es um Two-Face. Der hat seine Münze verloren und geht bei der Suche danach über Leichen. Dahinter steckt ein Plot des Gangsters Mario Falcone und Harvey Dents Frau Gilda (siehe The Long Halloween), der aber weder besonders ausgeklügelt noch interessant ausgeführt ist. Und wieder hat der Riddler etwas damit zu tun, allerdings kommt dieser Schurke nicht zur Entfaltung, da sein Kostüm zwar übersät ist mit Fragezeichen, er aber keine Rätsel stellt.

Noch überflüssiger ist die Erscheinung von zwei Sidekicks: „Riddlers Tochter“ Enigma und Catwomans Zögling Catgirl. Es wird mal wieder zu viel Personal reingepackt, statt sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Und Batman stellt sich mal wieder nicht besonders klug an. Gleich dreimal geht er fast drauf: einmal stürzt er in die Tiefe, dann wird er beinahe ertränkt, schließlich bekommt er eine Kugel in den Kopf. Aber auch Dick Grayson ist so hart im Nehmen wie sein Mentor, der sich übrigens lieber anderswo rumtreibt, statt sich um seine Stadt zu kümmern.

Lange Rede, kurzer Sinn: Eye of the Beholder könnt ihr euch sparen. Es sei denn, die Zeichnungen sind euch wichtiger als eine packende Story.

>> Batman 2000-2011

Loch im Kopf

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman and Robin Vol. 4 – Dark Knight Vs. White Knight

Autor/Zeichner: Paul Cornell, Peter J. Tomasi, Judd Winick/Scott McDaniel, Patrick Gleason, Guillem March u.a.

Erschienen: 2010-2011 (Batman & Robin #17-25), Paperback 2012


„In fact, you need this exactly as much as you need a hole in the head!“ (The Absence)

Ein Comicautor hat es bestimmt nicht leicht. Ständig muss er sich irgendwelche Geschichten ausdenken, oft Auftragsarbeiten, schreiben am Fließband – da kann nicht alles gut sein, und manchmal fällt einem auch nichts ein. Leere im Kopf. Aber wie das so ist bei Kreativen: Sie machen auch aus der Not eine Tugend. Wenn man unter Schreibblockade leidet, schreibt man eben darüber. Filme wie Barton Fink oder Adaption zeugen davon. Paul Cornell, der Autor der ersten Batman & Robin-Story in diesem Band, hat die Leere im Kopf einfach wörtlich genommen – und eine Schurkin daraus gemacht.

Die Schurkin hat ein riesiges, kreisrundes Loch im Kopf. Eine Hand passt da durch. Erklärung: Ein Kopfschuss. Und die Abwässer im Gotham River, in die sie nach dem Schuss gelandet ist. Künstlername: The Absence. Oje … Superheldencomics lassen zwar selbst Tote auferstehen, aber dass ein Mensch mit einem riesigen Loch in der Stirn herumläuft (ganz zu schweigen von fehlenden Teilen des Gehirns), ohne dass wenigstens etwas dagegen unternommen wird (Implantate, Genetik, was auch immer), das ist schon sehr absurd. Die Dame sucht nämlich keinen Arzt auf, sie sucht Aufmerksamkeit. Von Bruce Wayne. Der hat nämlich mal mit ihr angebandelt, aber zu ihrer vermeintlichen Beerdigung bloß Rosen geschickt, statt da zu sein. Und so müssen sich Batman (Dick Grayson) und Robin mit der Irren herumschlagen. Dass am Ende dann doch alles anders ist, macht die Story nicht klüger.

Heimkino-Abend mit der Bat-Familie

Dabei fängt es mit dem Dynamischen Duo gut an: Dick Grayson ist das typische Großmaul, das bei seinen Einsätzen ebenso viele Hiebe wie lockere Sprüche austeilt, Damian ist der grimmige Wunderknabe. Am Anfang sind die pointierten Dialoge noch der Lichtblick der Story. Und dann gibt es noch eine schöne Sequenz, in der Bruce Wayne mit der Familie The Mark of Zorro schaut. Dabei wird klar, warum das Schauen des Films kein Trauma, sondern bloß schöne Erinnerungen bei Bruce weckt.

Aber fragt man sich nach dem ersten Teil: Kann es noch schlimmer werden? Ja, es kann. In der dritten Story, einem Wiedersehen mit Jason Todd alias Red Hood (siehe Batman & Robin Vol. 1), taucht die Schurkentruppe The Menagerie auf, die aus Leuten mit Tierköpfen besteht: Löwen, Tiger und – einem T-Rex. Muss ich wirklich weitererzählen? Na gut, machen wir’s kurz: Sie befreien Jason aus dem Knast, er befreit seinen Sidekick Scarlet aus ihren Fängen und kommt mit ihr frei. Höhepunkt: Jason zieht sich bis auf die Haut aus – und, was erstaunlich ist, blitzschnell wieder an. Egal, vergesst es einfach, weiter geht’s.

Die einzige Story, die hier allein der Rede wert ist (ich habe schon zu viele Worte für diesen Band verbraucht), ist die Titelstory. Sie hat einen interessanten Ansatz: Ein neuer selbsternannter Rächer bringt die Angehörigen der Arkham-Schurken um. Dabei verpasst er ihnen Flügel, damit sie sofort als Engel in den Himmel kommen können. Die Idee ist reizvoll, aber in drei Ausgaben hat sie nicht viel Platz, um sich zu entfalten. Der Autor der Story, Peter J. Tomasi, ist es dann auch, der die Serie nach dem Relaunch/Reboot The New 52 fortführt. Gute Wahl. Trotzdem kann man auf diesen Band verzichten.

(Hinweis: Nicht in diesem Band enthalten ist Batman & Robin #26, die letzte Ausgabe vor dem Relaunch 2011.)

Mehr zum Thema:

The Lego Batman Movie: Von Reggae Man zu Robin

Und noch ein Trailer von der San Diego Comic-Con: The Lego Batman Movie. Wir erfahren, dass Batman einen ungesunden Lebensstil als Einsiedler pflegt, wie Robin zu seinem Kostüm kommt (genial: Reggae-Man) und was sein geheimes Passwort für die Bathöhle ist. Und wir lernen, dass nicht Batman in Bruce Waynes Keller wohnt, sondern Bruce Wayne auf Batmans Dachboden.

Ach ja, und noch eine Lehre: „Life doesn’t give you seat belts!“

Nach diesen zweieinhalb Minuten voller witziger Einfälle ist klar: Dieser Film verspricht, ein Riesenspaß zu werden. Im Februar 2017 soll er in die Kinos kommen. (Am 15. Juni kommt Wonder Woman, am 17. November Justice League.)

Daddy’s Home

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman & Robin Vol. 3 – Batman & Robin Must Die (dt. Batman und Robin müssen sterben)

Autor/Zeichner: Grant Morrison/Frazer Irving, Cameron Stewart, David Finch

Erschienen: 2010-2011 (Batman & Robin #13-16, Batman: The Return #1), Paperback 2012, dt. Panini 2012 (Paperback)


„I like to think I’m just keeping the costume warm.“ (Dick Grays0n)

„Guess I should have known you wouldn’t just turn up during lunch tomorrow or something normal like that.“ (Dick Grayson)

Das ist er: der Band, in dem Bruce Wayne als Batman zurückkehrt. Endlich. Nach einer langen Interimsphase und einer noch länger anmutenden Rückkehrphase ist Daddy wieder da. Aber nicht so schnell! Zunächst passiert davor noch eine Menge: Nachdem der mysteriöse Detektiv Oberon Sexton sich als Joker geoutet hat, bekommt er zunächst einmal eine Abreibung von Robin verpasst. Mit der Brechstange – als Revanche für Damians Vorgänger, Jason Todd (vgl. Death in the Family). Doch der Joker schafft es, ihn mit seinem Grinsegift zu sedieren und nimmt ihn gefangen.

Inzwischen führt Simon Hurt seinen lang angelegten Plan zum Finale: er lässt in Gotham eine virale Droge von Professor Pyg verbreiten, die Menschen drehen durch. Daraufhin gibt sich Hurt, der gerne Thomas Waynes Fledermauskostüm trägt, vor der Presse als der wiedergekehrten Thomas Wayne aus. Batman und Robin werden gefangengenommen, Batman bekommt eine besondere Kugel in den Kopf geschossen, die ihn erst nach einiger Zeit lähmen wird. Und genau da, im größten Moment der Verzweiflung, kehrt der wahre Batman zurück: Bruce Wayne. Und mit vereinten Kräften … naja, den Rest könnt ihr euch denken. Am Ende verkündet Bruce, dass er große Pläne hat: Batman wird global.

Nicht so raffiniert wie es scheint

Rasant, überladen, chaotisch. Mit diesen drei Worten lässt sich der Abschluss von Grant Morrisons Batman & Robin-Story beschreiben – also wie viele seiner Storys (Batman R.I.P., Final Crisis, The Return of Bruce Wayne). Da mag der ein oder andere gelungene Moment dabei sein, aber ich bin jetzt erstmal froh, endlich mit ihm durch zu sein. Viele halten Morrison für ein Genie, ich finde ihn bloß anstrengend. Man braucht einen langen Atem und sollte nicht zu viel Zeit zwischen den Bänden dieser Mega-Erzählung verstreichen lassen, um hier durchzusteigen. Letztendlich ist das Finale aber nicht annähernd so raffiniert, wie der komplexe Aufbau, der dazu führt.

Bruce Waynes Rückkehr ist natürlich visuell ein Fest, aber etwas atemlos. Es gibt kein Ankommen. Kaum ist er da, muss er nicht nur den Tag retten, sondern verkündet auch seine Pläne für Batman Incorporated und weist jedem Mitglied der Bat-Familie eine Aufgabe zu. Und am Ende, in The Return, wird auch schon der nächste großangelegte Handlungsstrang begonnen: mit Kampfrüstungen, Terroristen im Nahen Osten und Genexperimenten … Keine Zeit zum Durchschnaufen.

Gelungene Zeichnungen

Im dritten Band kann man immerhin das Auge an einigen tollen Zeichnungen erfreuen: allen voran an Frazer Irvings stimmungsvolle Seiten, aber auch Cameron Stewart und David Finch leisten solide Arbeit mit ausdrucksstarken Figuren.

Zur Entspannung gibt es am Schluss noch ein Lied zum Thema Heimkehr: „Daddy’s Home“ von Shep & The Limelites. (Findet ihr nicht auch, dass dieses Blog zu wenig Musik enthält?)

Mehr zum Thema:

Rückkehr auf Raten

DC Comics

DC Comics

Titel: Bruce Wayne – The Road Home (dt. Bruce Wayne – Der lange Weg zurück)

Autor/Zeichner: Fabian Nicieza, Mike W. Barr u.a./Cliff Richards, Ramon Bachs u.a.

Erschienen: 2010-2011 (ursprünglich acht One-Shots), Paperback 2011, dt. Panini 2011 (Paperback)


„Will my return cause more grief than when I was gone?“ (Bruce Wayne)

Lange schien Bruce Wayne zunächst tot zu sein, in Wirklichkeit war er verschollen in der Zeit, jetzt ist er von seiner Odyssee zurück. Aber statt wieder das Batman-Kostüm anzulegen, spielt er erstmal Theater: Statt sich zu erkennen zu geben, legt er sich die Identität „The Insider“ zu, steigt in einen High-Tech-Anzug, der die Fähigkeiten der Justice League vereint, und stalkt seine alten Weggefährten: Dick Grayson und Damian, die als Batman und Robin ein gutes Team ergeben, Tim Drake (Red Robin), Stephanie Brown (Batgirl), Selina Kyle (Catwoman), Barbara und James Gordon sowie die C-Heldengruppe, die Outsider. Jeden beobachtet er oder stellt ihn oder sie auf die Probe. Bruce erkennt schnell, dass alle ziemlich gut auch ohne ihn ausgekommen sind. Das bestärkt ihn darin, seine geheime Agenda zu verfolgen …

Zeitgleich machen Attentäter weltweit Jagd auf Stadtoberhäupter, aber das ist nur der äußere Anlass für Action. Die eigentliche Gefahr geht von der Reporterin Vicky Vale aus, die hinter Batmans Geheimidentität gekommen ist (siehe Battle for the Cowl) und damit an die Öffentlichkeit gehen will. Leider geht sie bei ihrer Recherche nicht allzu vorsichtig vor, sodass bald Gothams Unterwelt hinter ihr her ist – und Ra’s al Ghul. Aber da ist Bruce schon zur Stelle.

The Road Home ist keine Batman-Story, sondern eine Story über Bruce Wayne in einer Übergangsphase, die zu Batman Incorporated leiten soll. Batman wächst über die Familie hinaus zu einem weltweiten Unternehmen. Daher kommen hier auch so viele Nebenfiguren auf, auf die man sonst gut verzichten kann. Stark sind die Momente, die die Beziehungen zu den Verbündeten vertiefen, auch Batman in seinem neuen Anzug voller Gadgets kämpfen zu sehen, macht Spaß, auch wenn es zu übertrieben ist und zu sehr nach Batman Beyond aussieht. Die erste Hälfte ermüdet ein wenig, weil die Proben mehr oder weniger nach dem gleichen Prinzip laufen, in der zweiten Hälfte zieht die Vicky Vale-Handlung stärker an und gewinnt an Spannung. Was aber am meisten nervt, ist diese unnötige Geheimniskrämerei und diese Rückkehr auf Raten. Hier bleibt sich Bruce leider unangenehmerweise treu.

Von den Zeichnungen her ist bis auf das James Gordon-Kapitel, das von Szymon Kudranski genial stimmungsvoll inszeniert ist, kaum etwas der Rede wert. So ist The Road Home noch eine dieser mittelmäßigen Transit-Storys, durch die man durch sollte, wenn man das gesamte Bild haben will, aber kein Muss für Fans ausgefeilten Storytellings.

>> Batman 2000-2011

Batman-Splitter #5: Batusi

Batman kann alles. Und er hat auch schon alles gemacht. Gerade im Silver Age lautete die Devise „Anything Goes“ und die TV-Serie der 60er-Jahre (und der dazugehörige Film Batman hält die Welt in Atem) hat auf die Spitze getrieben: Batman für für jeden Quatsch zu haben. Sogar zum Tanzen. Natürlich konnte ein Batman-Tanz nicht ausgeführt werden, ohne dass er – wie alles andere in der Serie – ein Label bekam. Und so wurde aus dem populären Watusi ein „Batusi“.

Gleich in der ersten Folge, „Hi Riddle Diddle„, schwingt Adam West die Hüften. Und natürlich gleich mit einer Frau. Wie es dazu kommt? Durch die Erklärung wird es nicht sinnvoller: Der Riddler legt Batman und Robin herein. Statt mit seinen Rätseln ein Verbrechen anzukündigen, inszeniert er eine Situation, in der sich das Dynamische Duo blamiert. Daraufhin verklagt der Riddler die beiden. Obwohl Batman und Robin nichts zu befürchten haben, weil niemand ihre wahre Identität kennt, nimmt Bruce Wayne sich das sehr zu Herzen, wälzt juristische Fachliteratur und sieht keinen Ausweg, als vor Gericht zu erscheinen. Denn dieser Batman ist kein Outlaw, der macht, was er will – er ist streng gesetzestreu. Doch da kommt Robin auf den Trichter, dass die Vorladung ein Hinweis sein könnte. Der führt in den Nachtclub „What A Way to Go Go“.

An der Bar bestellt Batman erstmal einen großen Orangensaft – „Batman Special“ – (Robin hat keinen Zutritt, da minderjährig) und trifft auf eine Frau, die ihn nicht lange überreden muss, mit ihr zu tanzen. Kaum bittet sie ihn, kippt er seinen O-Saft auf ex und rockt den Tanzboden, wobei die Vibes eher durch die Arme und Hände gehen. Markenzeichen: mit den Fingern ein V machen und quer über die Augen ziehen. „You shake a pretty mean cape, Batman“, sagt die Tanzbiene, und selbst Robin groovt mit, während er den Batusi vom Batmobil aus per Liveschalte verfolgt. (Wo ist die Kamera? Egal.) Doch die Einlage endet abrupt, weil Batman zusammenbricht. Der Drink ist ihm nicht bekommen …

Eine weitere Gelegenheit, das Cape zu schwingen, bekommt Batman in „The Pharaoh’s in a Rut“ (S01E28). Zunächst scheint es so, als stünde der Held unter dem Einfluss des Schurken King Tut, als er ihn auffordert, zu seiner Belustigung zu tanzen. King Tut lässt „Bat Music“ auf einem goldenen Grammophon auflegen, Batman legt sich richtig ins Zeug, zeigt vollen Körpereinsatz, hopst wild herum und dann knallt es plötzlich („BIFF!!!“) – er beginnt, des Pharaos Schergen zu vermöbeln. Aus dem Tanz wird eine Schlägerei, aus der Schlägerei ein Schwertkampf („CLANK!“), Robin springt dazu und nach ein paar weiteren Faustschlägen liegen die Gegner am Boden. So geschickt, so elegant, so durchtrieben –  Batman hat es mal wieder allen gezeigt.

Der Batusi machte Schule, er wurde zum Mode-Tanz – wenn man überhaupt von einem richtigen Tanz sprechen  kann. Wer ihn ‚erfunden‘ hat, dazu gibt es verschiedene Versionen. Auch später, von Pulp Fiction (1994) bis zum Akte X-Revival (2016), wurde der Batusi gepflegt. Doch das nächste Mal, als Batman im Film einen Nachtclub aufmischte, sparte er sich das Vorspiel. In The Dark Knight (2008) war der Kampf der Tanz.

>> Batman 1966-1968

Der erste Tod des Wunderknaben

DC Comics

DC Comics

Titel: Dark Knight Returns – The Last Crusade

Autor/Zeichner: Frank Miller, Brian Azzarello/John Romita Jr.

Erschienen: 2016 (One-shot)


„What kind of lifestyle is that to a child? And what’s that say about the man behind it?“

Prequels sind verdächtig. Eine nachgeschobene Vorgeschichte? Das ist ein Widerspruch in sich. Ein Prequel wirkt immer plump, verursacht Unstimmigkeiten und ist auch langweilig, weil man weiß, worauf es hinausläuft. Es ist nichts als Beiwerk, eine unnötige Zugabe, die so tut, als wäre sie die Ouvertüre. Gibt es auch nur ein Prequel, das wirklich nötig gewesen wäre? Abgesehen von Origins fällt mir keines ein. Man kann bei einem Prequel eigentlich nur froh sein, wenn es halbwegs glückt und nicht das Original ruiniert.

The Dark Knight Returns ist so ein Original, das nicht nur in der Batman-Geschichte wie ein Monolith dasteht, sondern auch einen Comic-Meilenstein bildet. Es gibt nichts daran auszusetzen, es ist ein unantastbarer Klassiker, der bis heute nachwirkt (wie etwa in Batman v Superman). 15 Jahre lang kam Frank Millers Batman ohne Fortsetzung aus, dann kam der unsägliche zweite Teil, The Dark Knight Strikes Again, der keine der Qualitäten seines Vorgängers hatte. Weitere fast 15 Jahre später begann man mit DK III, und es zeichnet sich schon nach der Hälfte ab, das man auch diesen Teil sich hätte sparen können.

Jason stirbt nochmal

Mitten hinein in das Erscheinen dieser Mini-Serie (nach vier Monaten Verspätung) bringen Frank Miller und Brian Azzarello The Last Crusade, ein Prequel, das zwei Fragen beantwortet, die eigentlich eine ist: Wie ist es dazu gekommen, dass Bruce Wayne aufgehört hat, Batman zu sein? Und: Wie ist Robin Jason Todd (zum ersten Mal) gestorben? Zwei Fragen, die man nicht unbedingt hätte beantworten müssen. The Dark Knight Returns war auch so klar genug. Aber gut, nun ist der Comic nun mal da – warum auch immer.

Das Problem daran ist: Die Comicleser sind bereits Zeuge von Jasons Tod geworden. Nicht lange nach Miller haben die Fans ihn in der regulären Continuity (A Death in the Family) sterben lassen, nachdem der Joker ihn mit einem Brecheisen verdroschen hat. Um nicht eine zu ähnliche Story zu erzählen, konzentrieren sich die Autoren in Last Crusade auf Introspektion als auf einen ausgeklügelten Plot, der auf das bekannte Ende aus ist.

Handlung ist Nebensache

Bruce Wayne wird allmählich zu alt für den Job als Batman, er macht Fehler und kann nicht mehr mithalten. Trost sucht er im Bett von Selina Kyle (Catwoman). Während seiner Einsätze sieht er dabei zu, wie Jason immer skrupelloser wird und sogar eine blutrünstige Freude versprüht. Kurz gesagt: Robin wird so brutal und zynisch wie der Joker. Der Schurke wird zu Beginn des Comics in Arkham eingeliefert und bricht nach einigen Grausamkeiten mithilfe der übrigen Insassen, die er gegen die Wärter aufwiegelt, wieder aus. Währenddessen geht Batman einem Fall nach, aber der ist irrelevant, die Figuren austauschbar. Nach zwei Prügeleien mit Killer Croc und einer Rauferei mit Poison Ivy ist Bruce am Ende zu fertig, um nach dem Joker zu suchen. Also bricht Jason heimlich alleine auf. Doch er kommt nicht weit: Noch bevor er den Joker erreicht, wird er von dessen Handlangern erschlagen. Zum Schluss wird angedeutet, dass der Joker ihm den Rest geben wird: „Oh, the fun we’re going to have, little boy … the fun.“

Dass es bei dieser Andeutung bleibt, ist sowohl der stärkste als auch der schwächste Aspekt an Last Crusade. Denn das, was erzählt werden soll, wird nicht erzählt. Einerseits unbefriedigend, andererseits hat man es schon ähnlich gesehen – und kann in diesem Fall auch auf die Details verzichten. In diesem unauflöslichen Widerspruch bleibt die Story stecken. Robins letzter Kreuzzug findet nicht statt. (Und Bruce hat noch einige vor sich.) Und damit beraubt sich dieser Comic seiner Daseinsberechtigung.

Robins als Kanonenfutter

Seltsam ist auch, dass Bruce zwar – wie so oft bei Miller – viel grübelt und sich bei Selina und Alfred ausspricht, aber nie Jason für seine zweifelhaften Aktionen kritisiert. Kritik kommt von außen: Allein im Fernsehen wird problematisiert, dass Batman fahrlässig handelt, indem er Robin an seiner Seite kämpfen lässt. Kindesgefährdung wird ihm vorgeworfen. Obwohl Bruce den Beitrag hört, hinterfragt er sein Handeln nicht. Seine einzige Sorge ist, dass Robin noch nicht so weit ist, sein Erbe als Batman anzutreten. Das macht Bruce umso zweifelhafter. Allein sein späterer Ruhestand entschuldigt sein Handeln in gewisser Weise – aber auch dann wiederholt er seinen Fehler mit Carrie Kelley. Bei aller Anteilnahme und Reue: Robins sind für ihn bloß Kanonenfutter („good soldier“).

John Romita Jr., der schon Frank Millers Daredevil: The Man Without Fear gezeichnet hat, orientiert sich optisch stark an seiner Vorlage, auch wenn er den Hintergründen mehr Details gönnt. Ebenso die Farben erinnern stark an The Dark Knight Returns, sind aber differenzierter, was den Panels mehr Tiefe verleiht. Ein besonderes Panel wird davon jedoch nicht in Erinnerung bleiben.

Braucht man also Last Crusade? Nein. Denn leider fügt dieses Comic dem Dark Knight-Epos nichts Nennenswertes hinzu. (Denn was ist einem Meisterwerk schon hinzuzufügen?) Aber es ist wie so oft mit der Kunst: Man braucht sie nicht, aber da sie schon mal da ist, kann man mal einen Blick drauf werfen. Es kann nicht schaden. Man verpasst aber auch nichts, wenn man’s lässt.

>>> Eine Vorschau auf das Heft und Variant Cover gibt es hier.

Gefangen in der Zeitschleife

DC Comics

DC Comics

Titel: Time and the Batman (dt. Batman und die Zeit)

Autor/Zeichner: Grant Morrison/Andy Kubert, Frank Quitely, David Finch, Tony Daniel, Scott Kolins

Erschienen: 2010 (Batman #700-703), Paperback 2011; dt. Panini 2012


„Ich hoffe, ich ergebe noch Sinn.“ (Bruce Wayne)

„Alles ergibt eines Tages Sinn.“ (Dick Grayson)

Zugegeben: Als ich Batman und die Zeit zum ersten Mal gelesen habe, konnte ich nichts damit anfangen. Damals kannte ich die Vorgeschichten nicht, hatte keine Ahnung von Grant Morrisons Batman RIP und Final Crisis, also habe ich auch nicht verstanden, was dieser Nachfolgeband sollte. Jetzt bin ich zwar klüger. Aber nach dem zweiten Lesen von Time and the Batman habe ich immer noch meine Schwierigkeiten.

Das Buch erzählt drei Geschichten: Die Titelstory feiert das Jubiläum der 700. Ausgabe der Batman-Serie. Die zweite Geschichte erzählt das „fehlende Kapitel“ (missing chapter) von Batman RIP. Die dritte ist eine einfache Story, in der Batman und Robin den harmlosen Schurken Getaway Genius jagen.

Die erste, Time and the Batman, ist die größte Herausforderung. Denn hier zieht Grant Morrison mal wieder alle Register. Auf engstem Raum vereint der Autor einen Fall auf drei Zeitebenen mit drei Batmen: Bruce Wayne in der Vergangenheit, Dick Grayson in der Gegenwart und Damian Wayne in der Zukunft. Ein Wissenschaftler, der eine „Was-wäre-wenn-Maschine“ erfunden hat, wird tot aufgefunden, möglicherweise ermordet. Batman Grayson kennt ihn noch von einem früheren Fall als Robin, als er mit Bruce Gefangener einiger Schurken war. Die Auflösung des Falls habe ich nicht verstanden (irgendwas mit Zeitschleife) – aber das ist hier nebensächlich. Denn er dient nur als Aufhänger für einen Reigen an Reminiszenzen an den Batman-Mythos. Wir sehen, wie Dick einen Kranz für die Waynes in der Park Row niederlegt, wir sehen ihn Kaffee trinken und mit Robin Mutanten verhauen. Damian darf gegen eine interessante Variation von Two-Face antreten. Zum Schluss taucht sogar Batman Beyond auf – und dann noch ein paar Varianten von Zukunfts-Batmen, einfach so, weil’s so schön ist. Diese Story ist nichts als eine Hommage, die nur eine Aussage hat, dass es immer einen Batman geben wird. Die Legende lebt etc.

Diesen Gedanken setzt das „Missing Chapter“ von Batman RIP fort: Batman als Überlebenskünstler. Die zweiteilige Story erzählt im Grunde nicht viel Neues, sondern schmückt nur Bekanntes aus. Es ist sozusagen ein Bindeglied zwischen RIP und Final Crisis, mit denen es einige Überschneidungen gibt. Der Mehrwert dieses nachgereichten „fehlenden Kapitel“ besteht darin, zu erklären, was bei Darkseids Angriff mit Batman wirklich passiert ist. Batman ist nämlich, wie wir längst wissen, nur augenscheinlich gestorben. Seine Strafe besteht darin, in der Zeit umher zu irren. Damit wird die Mini-Serie The Return of Bruce Wayne (dt. Die Rückkehr von Bruce Wayne) vorbereitet.

Auch in Story drei, The Great Escape, geht es um Zeitschleifen (wenn auch nur in Form von Rückblenden): Erneut wird der Unterschied zwischen Batman Grayson und Robin Damian herausgestellt, nur dass diesmal Dick sich an seine eigene Jugend erinnert fühlt, in der er ebenso ungeduldig und aufbrausend war wie Damian es jetzt ist. Ansonsten gibt auch dieser Lückenbüßer nichts Neues her. Aber um Neues geht es in dem Band ohnehin nicht: Es ist eine einzige Schwelgerei in der Vergangenheit. Aber diese Nostalgie, gepaart mit Legendenverehrung, wird langsam öde.

Auf visueller Ebene dürfte für jeden Comicfan etwas dabei sein: Mit Andy Kubert, Frank Quietly, Tony Daniel, David Finch und Scott Kolins sind einige der besten Künstler am Werk – mit einigen beeindruckenden Seiten. Aber lesen muss man diesen Band trotzdem nicht unbedingt, außer natürlich man will kein Stück der großen Morrison-Story verpassen.

>> Batman 2000-2011

Dark Knight – Last Crusade: Vorschau auf die Vorgeschichte

Wie ist Robin Jason Todd gestorben und warum hat Batman den Dienst quittiert? Am 15. Juni erfahren wir es – in The Dark Knight Returns: The Last Crusade, einem 64-seitigen One-Shot. Frank Miller, Brian Azzarello und Zeichner John Romita Jr. erzählen darin die Vorgeschichte zum Klassiker The Dark Knight Returns. Neben dem Joker werden auch Poison Ivy und Selina Kyle (Catwoman) darin vorkommen. Mehrfach wurde der Erscheinungstermin verschoben, jetzt scheint der Comic endlich Wirklichkeit zu werden.

In einem Interview mit IGN erzählen Miller und Romita nun über die Hintergründe der Story, außerdem bekommt man eine Vorschau auf einige Seiten aus dem Heft. So viel sei verraten: Es geht drastisch zu. Oben kann man einige Variant Cover sehen, von Miller, Jim Lee, Lee Bermejo und Bill Sienkiewicz.

Am 29.6. soll der fünfte Teil der Fortsetzung, Dark Knight III, erscheinen. Was zuletzt geschah, kann man hier nachlesen.