Prügelknabe für den Dunklen Ritter

Batman versus Superman, Teil 6: The Dark Knight Falls (The Dark Knight Returns #4, 1986)

DC Comics

DC Comics

„When that happens, Clark — may the best man win.“ (Bruce Wayne)

„I’m afraid he’ll never let me bring him in alive …“ (Clark Kent)

„Planet’s too big for the two of you.“ (Oliver Queen)

Während ein gealterter Batman in einer dystopischen Zukunft aus dem Ruhestand zurückkehrt, war Superman niemals weg. Nur handelt der Stählerne nicht mehr auf eigene Faust für Truth und Justice, sondern nur noch für den American Way – und zwar im ganz politischen Sinne. Als Handlanger des US-Präsidenten (der Ronald Reagan sehr ähnlich sieht) agiert er als Kriegswaffe und tötet Menschen, schließlich nimmt er sich des Vigilanten aus Gotham City an. Denn in so unruhigen Zeiten am Rande eines Dritten Weltkriegs kann man gewalttätige Querulanten im Inland nicht tolerieren. Aber Bruce Wayne lässt nicht mit sich reden, er hört nicht mehr zu. So kommt es zum Unvermeidlichen: dem ultimativen Kampf zwischen Batman und Superman – auf Leben und Tod.

Der Eindruck, den The Dark Knight Returns auf Batman, Superhelden und Comics im Allgemeinen gemacht hat, ist gewaltig. In formaler und inhaltlicher Hinsicht ist die Story von Frank Miller Avantgarde. Zu den vielen Motiven, die ikonisch wurden, gehört auch dieses Finale, eine epische Schlacht zwischen den gebrochenen Ikonen, dem verbitterten Idealisten und dem verblendeten Verräter. Der Endkampf in Crime Alley. Batman ist gut vorbereitet, zieht alle Register: Panzerrüstung, Ultraschallwaffe, Green Arrow schießt einen Kryptonitpfeil ab, Batman prügelt auf Superman ein bevor er reagieren kann. Doch als Superman reagiert, reißt er Batman den Helm ab. „Bruce — this is idotic“, denkt er, doch dann kassiert er weitere Prügel. Der Unbesiegbare blutet, Batman wird verletzt, sein Herz schwächelt. Und als der Sieg schon sicher scheint, bricht Batman zusammen und stirbt. „A grand death“, hatte der vom Todestrieb gelenkte Bruce Wayne sich vorgestellt. – Aber wie sich herausstellt, ist der nur vorgetäuscht. Superman hört später am Grab den Herzschlag und spielt das falsche Spiel mit. Der Verräter akzeptiert den Kompromiss. Batmans Kampf war am Ende bloß Show, um würdig abzutreten.

The Dark Knight Returns (DC Comics)

The Dark Knight Returns (DC Comics)

Die ersten Bilder aus dem Film Batman v Superman zeigen, wie stark sich Regisseur Zack Snyder und seine beiden Drehbuchautoren von The Dark Knight Returns inspirieren ließen. Die beiden missbilligen die Methoden des jeweils anderen, so kommt es zur Konfrontation. Batman wirkt mit seiner Rüstung und seinem Panzer so martialisch wie bei Miller. Auch das Motiv der Rückkehr aus dem Ruhestand scheint von dem Comic entlehnt zu sein.

Doch schon Frank Miller selbst ließ seinen Batman aber nicht ruhen. 2001 kehrte er zurück mit der Fortsetzung The Dark Knight Strikes Again. Die Mini-Serie hatte kaum etwas mit dem ersten Teil gemeinsam – vor allem nichts von seinen Qualitäten. Doch ein Motiv kehrte wieder: Batman vermöbelt Superman erneut. Aber bei weitem nicht so episch und weltbewegend wie zuvor, sondern ganz beiläufig. Superman kommt in die Bathöhle um zu reden, Batman macht mit grünen Panzerhandschuhen von seinem Hausrecht Gebrauch, Green Arrow schießt wieder seinen strahlend grünen Pfeil ab, Ray Palmer alias Atom bearbeitet Supermans Gleichgewichtssinn. Am Ende sagt Batman nur: „I’m done talking. Get out of my cave.“ Dem hat Superman nichts entgegenzusetzen. Er verkriecht sich wieder. Die Handlung verirrt sich woandershin. Doch im Finale erweist sich Superman als Deus ex machina, der Batman vor einem tödlichen Sturz bewahrt. Der gedemütigte Held ist sich nicht als Lebensretter für den alten Freund zu schade.

DK 2 (DC Comics)

DK 2 (DC Comics)

Einige Jahre später, in Millers All-Star Batman and Robin, the Boy Wonder, kommt Superman zwar ebenfalls nicht gut weg. Batman lästert über ihn, stellt ihn als Idioten dar, aber er verschont ihn wenigstens körperlich. In der laufenden Mini-Serie Dark Knight III: The Master Race wird es wieder zu einer Konfrontation zwischen Batman und Superman kommen. Zum letzten Mal? Wer weiß. Teil 4 ist bereits angekündigt. Frank Miller wurde im November 2015 auf Twitter gefragt, warum er Superman hasse und ihn immer verprügeln lasse. Miller antwortete: „I love Superman. It’s tough love, though.“ Man wird allerdings den Verdacht nicht los, dass hier ein als Kind gemobbter Außenseiter seine Rachefantasien auslebt. In Sachen Traumabewältigung hat Miller sich offenbar ein Vorbild an Batman genommen.

Fortsetzung folgt.

Bisher erschienen:

Ein zweites erstes Mal

Batman versus Superman, Teil 5: The Man of Steel (1986)

DC Comics

DC Comics

Titel: One Night In Gotham City… (dt. Eine Nacht in Gotham City)

Autor/Zeichner: John Byrne

Erschienen: 1986 (Mini-Serie The Man of Steel #3)


„Ein Einzelner kann in dieser Stadt nur aufräumen, wenn jeder Gauner ihn fürchtet. Und dazu muss man ab und zu einige Nasen brechen.“

1986 ist mal wieder ein Wendejahr. Nach der Crisis on Infinite Earths wird das DC-Universum rebootet. Batman und Superman bekommen neue Origins – und begegnen sich wieder zum ersten Mal. Doch während es zuvor noch um die Frage ging, wer Lois Lane bekommt, ist in Man of Steel alles anders. Der Start gerät in jeder Hinsicht holprig.

Als sich Batman gerade an einem Wasserspeier durch Gotham schwingt, schnappt sich Superman dessen Seil und will ihn der Polizei übergeben. Klar, dass Batman was dagegen hat. Und wie der Zufall es will, ist er auch auf diese Begegnung vorbereitet: er hat ein Kraftfeld um sich aufgebaut, das Superman vor dem Zugriff bewahren soll. Wenn er in das Feld eintrete, erklärt Batman, gehe irgendwo eine Bombe hoch und ein Unschuldiger sterbe.

The Man Of Steel (DC Comics)

The Man Of Steel (DC Comics)

Doch dann kommt was dazwischen: Superman und Batman bringen gemeinsam die Diebin Magpie (dt. Elster) zur Strecke, eine lächerlich gekleidete Braut, die sinnlos Menschen abschlachtet. Hier wird der Unterschied zwischen Batmans und Supermans Methoden deutlich: Während Batman ermittelt und Leute verhört, hört Superman mit seinen Superohren bloß eine Explosion und Frauenlachen in der Ferne – und kurz darauf reicht es, eine Wand zu durchbrechen, und schon hat er die Schurkin aufgespürt. Giftgas saugt er schnell auf und pustet es ins Weltall, Magpie entkommt. Warum Batman sie in der Zeit nicht festhält oder verfolgt bleibt schleierhaft, aber wegen einer 5000 Jahre alten Faser spürt er ihren Aufenthaltsort auf und die Chose ist beendet.

Am Ende setzen die beiden Partner wider Willen ihr Gespräch fort. Superman gibt sich einsichtig. „Ich mag keine Vigilanten, Batman, auch wenn man mich schon so nannte“, sagt er. „Abr es gibt hier viel zu tun in Gotham. Und du scheinst der beste Mann dafür zu sein.“ Hinterher muss Big Blue noch mal den Oberpfadfinder spielen: „… und ich werde dich im Auge behalten, damit du den Rest von uns nicht in Verruf bringst …“ Batman räsonniert im letzten Panel: „Ein bemerkenswerter Mann. Und wer weiß … in einer anderen Realität wären wir wohl Freunde geworden.“

Arrogant und selbstgerecht

Die Mini-Serie The Man of Steel erzählt zwar Supermans Vorgeschichte nach der Crisis neu, aber sie hat künstlerisch nicht annähernd den gleichen Anspruch wie Batmans Year One. Knallbunt, plump geschrieben und schwach erzählt kann die Story nicht annähernd mit dem düsteren Meisterwerk von Frank Miller mithalten. Die erste Begegnung zwischen Superman und Batman im neuen DC-Universum gerät uninspiriert und bemüht. Byrne verschenkt die Chance, eine spannende Geschichte zu erzählen. Irgendeine x-beliebige Möchtegernschurkin als Gegner einzusetzen statt klassische Oberschurken wie Luthor oder Joker ist unverzeilich. So geht die Story spurlos an einem vorbei. Dass gerade Superman sich herausnimmt, Batman verhaften zu wollen, weil dieser ein Vigilant ist, ergibt auch nur wenig Sinn. Aber für das arrogante und selbstgerechte Alien im Pyjama scheinen andere Regeln zu gelten.

1:0 für Batman.

Fortsetzung folgt.

Bisher erschienen:

Das letzte Wort zu The Dark Knight Rises

Wer immer noch glaubt, dass The Dark Knight Rises ein gelungener Film sei, sollte sich diesen Honest Trailer ansehen. Er zeigt, anhand der vielen Fragen, die er aufwirft, wie schlecht durchdacht das Drehbuch zum dritten Teil der Christopher Nolans Batman-Trilogie ist. Wie immer zeigen die Screen Junkies pointiert, worin die Unstimmigkeiten bestehen. Danach wird man diesen Film mit anderen Augen sehen – falls man ihn überhaupt noch einmal sehen will.

(Wie die Filme der Trilogie auch hätten enden können, wird bei HISHE vorgestellt.)

Vom Elternhaus zum Irrenhaus

DC Comics

DC Comics

Titel: Arkham Manor

Autor/Zeichner: Gerry Duggan/Shawn Crystal

Erschienen: 2014-2015 (Mini-Serie #1-6, Paperback 2015), dt. Panini 2015


„This is the best outcome from a list of terrible options.“

Nachdem Bruce Wayne in Batman Eternal sein Vermögen verloren hat und Arkham Asylum zerstört wurde, wird Wayne Manor zum neuen Arkham. Batman zieht sich in seine Höhle zurück. Arkham Manor ist ein Tie-in, in dem von den Folgen der Umwandlung erzählt wird. Denn kurz nach dem Bezug mordet ein Unbekannter in dem Anwesen. Batman lässt sich undercover einweisen und geht der Sache nach. Die eigentliche Verbrecherjagd verläuft ziemlich linear und unspektakulär, auch die Auflösung nicht weiter von Belang, weil wir so gut wie nichts über den x-beliebigen Mörder erfahren. Deshalb wird die Story noch mit einem kleinen Joker-Clayface-Intermezzo aufgemotzt, in dem Mr. Freeze eine Schlüsselrolle spielt. Leider fällt Freeze dabei aus seiner Rolle: Während er in Batman Eternal noch versucht, in Gotham Verbrecher zu spielen, begnügt er sich hier mit Grillen und Iglubauen im Vorgarten.

Und damit wären wir beim Hauptkritikpunkt: Shawn Crystal neigt mit seinen kantigen Figuren zu Überzeichnungen, die an Cartoons erinnern. Das hat zwar einerseits eine bestechende Dynamik, andererseits kann man dadurch die Handlung nicht ganz ernst nehmen. Wenn Batman am Ende ein schmächtiges Kerlchen durch eine Wand schleudert, verstärkt das den Eindruck davon, dass hier zu dick aufgetragen wurde für eine Story, die man nicht unbedingt hätte erzählen müssen. Das einzig Interessante ist hier, dass Bruce Wayne damit hadert, das Anwesen seiner Eltern als Hort für seine Erzfeinde herzugeben. Aber auch dieser Konflikt ist schnell gelöst, als er zur Erkenntnis kommt, dass der Sohn damit auch bloß seiner Stadt dient.

>> Batman 2011-2019

World’s Finest Hater

Batman versus Superman, Teil 4: The Superman-Batman Revenge Squads (1968)

DC Comics

DC Comics

Titel: The Superman-Batman Revenge Squads! (dt. Die Superman-Batman Rachekommandos!)

Autor/Zeichner: Leo Dorfman/Neil Adams

Erschienen: 1968 (World’s Finest #175), Batman: Illustraded by Neil Adams Vol. 1 (Hardcover 2003/Paperback 2012), dt. Panini 2008 (Batman-Collection: Neal Adams Bd. 1)


„Wir haben alle ein Hühnchen mit der Fledermaus zu rupfen!“

Nicht alle mögen Batman und Superman. Aber manche hassen sie so sehr, dass sie sie nicht nur umbringen wollen, sondern auch dass sie sich wie die Helden anziehen, nur dass sich die Superman-Hater Glatzen rasieren und kryptonitgrüne S-Abzeichen auf die Brust nähen und die Batman-Hater in lila kommen und einen geflügelten Totenkopf zum Symbol haben.

In den Anti-Batman-Club kommt man nur rein, wenn man einem überlebensgroßen Abbild des Helden ein Messer in die Brust rammt und ruft „Stirb, Batman, stirb!“ – der Wahlspruch der Bande. Und während sich die Gang ihre neuen schicken Batman-Kostüme anzieht und ihrem Hass Ausdruck verleiht, beobachten „wachsame Augen“ alles von einem Raumschiff aus: „Glauben diese Idioten, damit durchzukommen?“, fragt eine Glatzen in Supermankostüm eine andere. Naja, obwohl sie nicht ganz von den Batman-Gegnern überzeugt sind, machen sie schließlich doch gemeinsame Sache mit ihnen. Die Sitten lassen zu wünschen übrig: „Ihr Trottel! Wir sind das Superman-Rachekommando … Kriminelle von einhundert Planeten … Geschworene Feinde Supermans!“ Darauf stellen die anderen die naheliegendste und aus ihrem Standpunkt wohl auch dämlichste Frage: „Warum tragt ihr dann Kopien seines Super-Kostüms?“

Jedes Jahr ein Denk-Duell

Nachdem das geklärt ist, vereinen die Aliens mit den Amateuren ihre Kräfte, um das jährliche Denk-Duell zwischen Superman und Batman zu sabotieren. Ach, was müssen das für unbeschwerte Zeiten gewesen sein, als die Helden nichts besseres zu tun hatten, als sich die Zeit mit so einem Quatsch vertreiben und dabei ihre Trophäen als Wetteinsatz herzugeben. Batman lässt dabei auch eine Atombombe hochgehen – warum nicht? Immerhin trägt Superman von der Explosion keinen Kratzer davon. Kollateralschäden? Strahlung? Egal! Interessant ist auch, dass die Batman-Gegner „ihren Mann“ anfeuern – und dass auch das Superman-Rachekommando eingreift, um Superman zu helfen.

Wie dem auch sei: Der Plan besteht darin, dass die Trophäen mit Bomben präpariert sind und wer sie gewinnt, fliegt in die Luft. Alles klar? Naja, man muss sich schon fragen, wie effektiv so eine Bombe bei Superman sein kann, wenn er selbst eine Atombombenexplosion übersteht. (Erklärung: Goldenes Kryptonit! Grünes war wohl gerade aus.) Und dass ein Sieg letztendlich unerheblich ist, weil man die Bomben in den Trophäen auch zünden kann, wenn sie wieder zurück an ihren Besitzer gehen, hätten die Genies von den Rachekommandos auch bedenken können. Trotzdem: Sie freuen sich diebisch, als der Wettkampf auf ein Unentschieden hinausläuft und jeder der Helden eine Trophäe ins Hauptquartier mitnimmt. Man wartet auch netterweise so lange, statt einfach alle Bomben zu zünden, als Superman, Batman, Jimmy Olsen und Robin in einem Raum sind.

Racheakt als Performance

Nein, die Rachekommandos geben sich mehr Mühe damit, die Zünder mit Symbolen zu verzieren und das Los zu ziehen, wer die Bomben hochgehen lassen darf. Wenn ein Racheplan in die Annalen eingehen soll, muss er schließlich auch wie ein Kunstwerk ausgeführt sein. Als die Sprengsätze dann explodieren, haben die Helden dank ihrer streberhaften Oberschlauberger-Sidekicks alles durchschaut. Um die Illusion perfekt zu machen, wurden eigene Bomben mit gefälschtem goldenen Kryptonit gebaut und Puppen in die Luft gesprengt – alles nur, um die Quelle des Zündsignals zurückzuverfolgen.

Am Ende sind die Bösen, wo sie hingehören und die Guten freuen sich ihres Lebens. Batman und Superman erweisen sich mal wieder in ihrem Kräftemessen als Team unschlagbar – auch wenn eigentlich nur Glück hatten, dass ihre Gegner superdämlich waren. Adam West hätte seine Freude an diesem Quatsch gehabt.

Fortsetzung folgt.

Bisher erschienen:

Batman Eternal Vol. 3: Die üblichen Verdächtigen

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman Eternal Vol. 3

Autor/Zeichner: Scott Snyder, James Tynion IV/Fernando Blanco, Alvaro Martinez, Andrea Mutti u.a.

Erschienen: 2015 (Batman Eternal #35-52, Batman #28, Paperback 2015), dt. Panini 2015-2016 (Batman Eternal #18-26)


„It’s so vast and complex that even the Great Detective can’t solve this riddle.“ (Scarecrow)

„This is too much for us to handle.“ (Julia Pennyworth)

Die Welt von Batman zerbricht. Bruce Waynes Vermögen ist eingefroren, Wayne Manor ist das neue Arkham Asylum, Hush ist zwar gefangen, aber er ist nicht der Mann hinter dem Chaos, das in Gotham um sich greift. Commissioner Jason Bard versucht weiterhin, Batman fertigzumachen, während draußen ein paar ausgebrochene Schurken (Bane, Mr. Freeze, Clayface, Poison Ivy, Scarecrow, Jokers Tochter) Pläne schmieden, um alles noch schlimmer zu machen. Catwoman versucht als Mobchefin zu intervenieren. Batman folgt einer Spur zum Riddler, dann stattet er Ra’s al Ghul einen Besuch ab; der Rest der Familie gerät an den Mad Hatter. Doch keiner davon ist der wahre Strippenzieher hinter dem großen Ganzen. Es jemand, mit dem man nicht gerechnet hätte: Bruce Wayne. Das behauptet jedenfalls

ACHTUNG SPOILER!

Das mit Wayne ist natürlich Unsinn. Am Ende, wenn Gotham brennt, kommt es zum Finale mit Spoilers Vater, dem Cluemaster. Diese Wendung, dass der drittklassige Schurke, den man bisher für einen Handlanger gehalten hat, sich als kriminelles Genie erweist, kommt überraschend, aber leuchtet ein. Gerade sein Minderwertigkeitskomplex, weil ihn alle für einen Möchtegern-Riddler halten, macht den Aufwand hinter dem Plan glaubhaft und lässt die üblichen Verdächtigen zur Abwechslung nur im Hintergrund agieren. Und es zeigt, dass nicht immer die großen Fische große Missetaten vollbringen müssen. (Diese Erkenntnis stammt übrigens auch von den Vorbildern von Batman Eternal: The Long Halloween, Dark Victory und Hush.)

Die Auflösung passt zu dem frischen Ansatz der gesamten Story, die sich ständig selbst zu überbieten versucht. Auch am Ende, wenn sich herausstellt, dass doch nicht der Cluemaster, sondern Lincoln March (vgl. Rat der Eulen) hinter allem steckt – ein Mann mit einem noch größeren Minderwertigkeitskomplex. Dieser Effekt funktioniert nicht immer, auch im dritten Akt gibt es einige Leerläufe und unnötige Sequenzen, wie etwa der Handlungsstrang mit Batwing und Jim Corrigan (Spectre), Hushs kurzer Ausbruch sowie einen Kampf gegen einen Bane-Roboter. Etwas mehr Stringenz hätte Batman Eternal gut getan, stattdessen bleibt die Story ein paarmal zu oft in Sackgassen stecken und dadurch wirken manche Kapitel wie Lückenbüßer. Ärgerlich sind auch einige Plotlöcher, zum Beispiel: Wie kann der Pinguin aus Blackgate ausbrechen, wenn ihn vorher Jim Gordon gefesselt in eine Zelle gesteckt hat?

Trotz allem ist Batman Eternal eine lesenswerte Story, für alle, die gerne in die Welt von Batman eintauchen und eine wahre Wundertüte an Helden, Schurken und Ideen geboten bekommen. Zudem schließt sie die narrative Lücke zwischen Death of the Family und Endgame. Man muss allerdings darüber hinwegsehen, dass auch zeichnerisch das Konzept der Vielfalt leider nicht immer aufgeht: der Zeitdruck hinter der wöchentlichen Serie lässt auch unterdurchschnittliche Künstler das Niveau runterziehen.

Hinweis: Ergänzt wird Batman Eternal um die Mini-Serie Arkham Manor.

>> Batman 2011-2019

Batman Eternal Vol. 2: Von allem zu viel

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman Eternal Vol. 2

Autor/Zeichner: Scott Synder, James Tynion IV u.a./Jason Fabok u.a.

Erschienen: 2014-2015 (Batman Eternal #22-34, Paperback 2015), dt. Panini 2015 (Batman Eternal #11-17)


„We’re stretched in too many directions. Perhaps more than ever before. I’m getting worried.“ (Batman)

Nach dem ersten Akt von Batman Eternal ist klar, wer für das Chaos in Gotham verantworltich ist: Hush. Zuletzt ist er in Wayne Manor eingedrungen und hat Alfred Angstserum ins Hirn gespritzt; der Butler wird im Krankenhaus ins Koma gebracht und dann nach Arkham verlegt. Doch die Hauptarbeit lässt Hush immer noch traditionsgemäß von anderen erledigen: Der Architekt (Zachary Gate) versucht, Waynes Beacon Tower zu zerstören und löst damit ein Erdbeben in Gotham aus. Daraufhin sorgt der neue Commissioner Jason Bard dafür, dass in Gotham das Kriegsrecht ausgerufen wird. Auf eine Massenpanik folgen Aufstände. Der viel zu spät erwachte Spectre vernichtet Arkham Asylum beim Kampf gegen den Schurken Deacon Blackfire. Catwoman tritt das Erbe ihres Gangster-Vaters Rex „The Lion“ Calabrese an, indem sie zur Mobchefin wird. Stephanie Brown wird zur Superheldin Spoiler und wehrt sich gegen ihren mordlüstigen Vater.

Obwohl die Autoren es schaffen, mit immer neuen Zuspitzungen den Leser bei Laune zu halten, hat der zweite Akt von Batman Eternal einige Durchhänger. Das liegt auch daran, dass weniger Handlungsstränge in die einzelnen Kapitel gepackt werden. Dadurch verliert man aber auch einige Personen aus dem Blick: die Polizei und die Presse spielen eine marginale Rolle. Der Subplot in Arkham mit Spectre wird allzuschnell aufgelöst, war aber auch zuvor nicht besonders geistreich. Es sollte bloß auf die Vernichtung von Arkham und die Befreiung der Insassen hinauslaufen.

Bei Hush stellt sich wieder der Verdacht ein, dass der grandiose Racheplan an Batman vielleicht eine Spur übertrieben sein könnte. Dabei lernt man schon beim Big Lebowski, dass Pläne am besten einfach sein sollten, damit sie funktionieren … Hush hat übrigens auch die bemerkenswerte Fähigkeit, immer zufällig an der richtigen Stelle zu sein, wo es seinem grandiosen Plan dienlich ist. Leider aber scheitert er an seiner Inkonsequenz. Nach einem furiosen Finale scheint die Schlacht gewonnen, aber Batman steht fast vor dem Nichts.

Trotzdem tut es der Über-Story gut, dass sie sich wieder auf ihren Hauptcharakter besinnt. Batman schien in dem ganzen Aufgebot an Charakteren zwischenzeitlich unterzugehen. Jetzt wird es wieder persönlicher, es steht wieder mehr Batman im Mittelpunkt. Er muss mal wieder gegen sich selbst kämpfen und die Dämonen, die er erschaffen hat. Dabei wird er erneut mit der Frage konfrontiert, ob sein Kreuzzug nicht doch mehr Schaden verursacht, als er verhindert. Denn wieder werden dafür neue Soldaten rekrutiert, die unter dem ewigen Krieg leiden. Dazu zählen neben der neuen Spoiler und Harper Row auch Julia Pennyworth, Alfreds Tochter. Sie sorgt mit ihren bissigen Sprüchen für einige Seitenhiebe auf den Batman-Mythos und damit einige Lacher. Erfreulich ist daran auch, dass dadurch die Frauenquote sehr hoch ist, aber die Batman-Familie so groß wird wie wahrscheinlich noch nie zuvor:

  1. Red Hood
  2. Red Robin
  3. Batgirl
  4. Batwoman
  5. Bluebird (Harper Row)
  6. Spoiler
  7. Alfred Pennyworth
  8. Julia Pennyworth

Es fehlen nur Nightwing (da gegenwärtig als Grayson unterwegs), Robin (da gegenwärtig noch tot) und Ace der Bathund (hoffentlich bleibt es dabei). Aber zu einer solchen Mega-Story wie Batman Eternal gehört es wohl dazu, nicht nur viel, sondern von allem zu viel zu bieten. Schon in Goethes Faust heißt es: „Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen.“

Mehr zum Thema:

Batman Eternal Vol. 1: Schwere Geschütze, alle Register

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman Eternal Vol. 1

Autor/Zeichner: Scott Snyder, James Tynion IV u.a./Jason Fabok, Dustin Nguyen, Guillem March, Andy Clarke u.a.

Erschienen: 2014 (Batman Eternal #1-21), Paperback 2014, dt. Panini 2015 (Batman Eternal #1-11)


„You have no idea what’s happening, no idea who’s been pulling the strings behind the curtain.“

Gotham brennt. Batman hängt unmaskiert und gefesselt an einem zerstörten Bat-Signal, auf seiner nackten Brust ist sein Symbol eingeritzt. Was ist geschehen? Die Geschichte beginnt hier: Bei einem gemeinsamen Einsatz von Batman und Polizei gegen Professor Pyg verfolgt Commissioner James Gordon einen Verdächtigen in den U-Bahn-Tunnel. Weil Gordon sieht, dass der Verdächtige bewaffnet ist, schießt er auf ihn und trifft dabei auch eine Leitung der U-Bahn, sodass zwei Züge miteinander kollidieren. Gordon wird verhaftet und muss sich für den Tod von über 160 Menschen verantworten. In der Zwischenzeit übernimmt Major Forbes seinen Posten und erklärt Batman zum primären Ziel der Polizei. Doch Forbes dient Carmine Falcone, einem alten Mafioso, der sich vor fünf Jahren aus Gotham zurückgezogen hat und nun die Stadt zurückerobern will. Während zwischen Falcone und dem Pinguin ein Bandenkrieg ausbricht, müssen sich Batman und seine Familie um viele andere Probleme kümmern:

  • Batgirl reist mit Red Hood und Batwoman nach Brasilien, um die Unschuld ihres Vaters zu beweisen,
  • Red Robin untersucht mit der Hackerin Harper Row in Japan einen mysteriösen Nanobot-Virus, der in Gotham grassiert,
  • Batwing und Jim Corrigan (The Spectre) gehen in Arkham Asylum der Wiederauferstehung von Deacon Blackfire nach,
  • Stephanie Brown entdeckt, dass ihr Vater der Superschurke Cluemaster ist und muss fortan um ihr Leben fürchten,
  • Alfred Pennyworth bekommt ein unverhofftes Wiedersehen mit seiner Tochter Julia,
  • Catwoman legt sich mit Falcone an und gerät in seine Gefangenschaft,
  • Batman spielt Detektiv in Hong Kong, rettet Catwoman in Gotham und geht mit Killer Croc und dem Polizisten Jason Bard in der Kanalisation einer Kindesentführung nach.

Doch bald stellt sich für Batman heraus, dass im Hintergrund jemand anderes die Fäden zieht. Leider hat er keine Ahnung, wer das sein könnte. Klar ist: Es ist ein Feind aus seiner Vergangenheit.

In Batman Eternal, der wöchentlichen, ein Jahr laufenden Serie zu Batmans 75. Geburtstag, wird Großes aufgefahren: Eine Story, die nicht nur viele Charaktere und viele Erzählstränge aufbietet, sondern auch jede Facette von Superhelden-Storys abbildet: Klassische Schurkenjagd gegen Psychos und organisiertes Verbrechen, Science Fiction und Übernatürliches/Magie. Dabei stehen die Autoren tief in der Schuld von Jeph Loeb, bei dessen drei großen Batman-Epen (The Long Halloween, Dark Victory und Hush) sie sich reichlich bedienen. Schließlich findet sich auch etwas von der Polizeiserie Gotham Central darin und mit dem Erzählstang mit der Gotham Gazette-Reporterin Vicky Vale bekommt das Ganze Ausmaße von The Wire.

Batman Eternal liest sich daher so wie eine gute moderne Fernsehserie: Vielschichtig und komplex, allerdings ohne – wie sonst bei Comic-Events/-Crossovern üblich – in unendliche Tie-ins auszufransen. Die überbordende Story entwickelt einen großen Sog und hält mit vielen überraschenden Wendungen bei Laune, auch wenn man zuweilen fürchtet, vor lauter Subplots den Überblick zu verlieren. Daher empfiehlt sich hier ein Binge-Reading. Die Zeichnungen sind zwar wegen der verschiedenen Zeichner von schwankender Qualität, aber die meisten liefern eine solide Arbeit ab.

Mehr zum Thema:


Unterstütze das Batman-Projekt

Das beste Batman-Blog der Welt gibt es leider nicht kostenlos. Damit ich weitermachen kann, brauche ich deine Hilfe. Jeder Euro zählt. Vielen Dank.

€1,00

Dark Knight III: Der zweite Eindruck

DC Comics

DC Comics

Titel: Dark Knight III – The Master Race (Book Two)

Autor/Zeichner: Frank Miller, Brian Azzarello/Andy Kubert, Eduardo Risso

Erschienen: 2015


„I always thought I’d die alone.“ (Bruce Wayne)

Batman ist Carrie Kelley. Batman ist von der Polizei in Haft genommen. Bruce Wayne ist tot. Natürlich ist er das: Spätestens seit Batmans vorgetäuschtem Ableben in The Dark Knight Returns ist sein Alter Ego begraben. Aber Carrie behauptet beim Verhör, dass Batman tatsächlich gestorben ist – nachdem er von Lex Luthor zusammengeschlagen wurde (in The Dark Knight Strikes Again). Dass das im Widerspruch zu dem Eindruck steht, den er zuletzt machte, nämlich heiter Tee trinkend, muss nicht verwundern: Natürlich ist der alte Bruce noch wohlauf, denn einen so lahmen Tod im Krankenbett kann Frank Miller seinem Batman nicht zumuten.

Schließlich werden seine Dienste wieder gebraucht: Denn Ray Palmer alias Atom hat Mist gebaut. Indem er die Bewohner der Flaschenstadt Kandor wieder auf Normalgröße gebracht hat, befreite er damit auch den bösen Priester Quar und seine Anhänger. Die bringen gleich bei ihrer Ankunft ein paar Leichen mit und kündigen an, zuerst die Erde und dann das Universum zu erobern. Damit dürfte wohl die Frage geklärt sein, worum es sich bei der titelgebenden Herrenrasse handelt.

Viel mehr passiert im zweiten Heft von Dark Knight III: The Master Race nicht, außer dass Carrie Kelley bei ihrem Transport nach Blackgate den altbewährten Bat-Panzer herbeipfeift und entkommt. Wir sehen also zwei Gefängnisausbrüche. Und einen Emanzipationsversuch: Im Mini-Comic wird während eines kurzen Kampftrainings die Beziehung zwischen Wonder Woman und ihrer Tochter Lara vertieft. Dabei wird klar, dass sich Lara mit der kryptonischen Herkunft ihres Vaters identifiziert. Doch Superman spielt noch keine Rolle.

Das zweite Kapitel ist nicht ganz der Klopper geworden wie das erste, aber das ist in Ordnung. Die Cliffhanger wurden aufgelöst und die Handlung mit Kandor aufgebaut, es gibt einen Schurken und ein zu lösendes Problem. Jetzt kann Bruce Wayne endlich als Batman in Aktion treten. Das Interesse ist geweckt, wie sich die Teile zu einem Ganzen fügen werden. Zeichner Andy Kubert liefert erneut eine solide Arbeit ab, Frank Millers Stil nachzuahmen, vor allem bei seinen schattenreichen Splash Panels. Dafür enttäuscht Eduardo Risso bei seiner etwas unbeholfen wirkenden Darstellung von Lara. Aber für feine Striche ist er ohnehin nicht bekannt.

Späte Rache

DC Comics

DC Comics

Titel: Gates of Gotham (dt. Die Pforten von Gotham)

Autor/Zeichner: Scott Snyder, Kyle Higgins/Trevor McCarthy, Ryan Parrott

Erschienen: 2011 (Mini-Serie #1-5, Paperback 2012), dt. Panini 2012 (DC Premium)


„How can you … ever hope to protect Gotham’s future … when you’re so naive of it’s past?“ (Hush)

Ein Unbekannter jagt drei Brücken in Gotham in die Luft. Dann drei Hochhäuser. In einer anonymen Botschaft verlautbart er, dass er sich an Familien rächen will. Es geht um die Familien der drei Gründungsväter: Wayne, Cobblepott und Elliott. Während Batman (Dick Grayson), Robin (Damian Wayne), Red Robin (Tim Drake) und Black Bat (Cassandra Cane, ehemals Batgirl) versuchen zu verhindern, dass auch der Rest von Gotham zertstört wird und den Täter aufspüren, erfährt der Leser eine Episode aus der frühesten Geschichte der Stadt. Darin geht es um zwei Architektenbrüder, die Ende des 19. Jahrhunderts für die drei Macher die wichtigsten Brücken und Hochhäuser entworfen haben und dabei hintergangen wurden. Ein Nachfahre, Zachary Gate, will offene Rechnungen begleichen …

Der Schurke „The Architect“ tritt in einem ziemlich coolen Taucheranzug im Steampunk-Stil auf, der in gewisser Weise den Anzug der Talons aus Rat der Eulen/Stadt der Eulen vorwegnimmt. Es gibt einen Gastauftritt von Hush. Am Ende wird auch eine überraschende Wendung aus dem Hut gezaubert. Und dennoch ist Gates of Gotham bloß eine solide Batman-Story, in der sich zu viele Charaktere tummeln, als dass man einem davon gerecht werden könnte, zu sehr Geschichtsstunde, als dass sie für die Gegenwart fesseln könnte, und zu cartoonhaft gezeichnet, als dass man sie ernst nehmen könnte.

>> Batman 2000-2011