Comic

Black Mirror: Böse Brut

DC Comics

DC Comics

Titel: The Black Mirror (dt. Der schwarze Spiegel)

Autor/Zeichner: Scott Snyder/Jock, Francesco Francavilla

Erschienen: 2011 (Detective Comics #871-881, Paperback 2011), dt. Panini 2012 (Sonderband)


 „… evil is humanity’s divine spark.“ (Etienne Guiborg/The Dealer)

Erinnern wir uns an das Ende von Year One, als Bruce Wayne in zivil James Gordons Sohn rettet: Das Baby fällt von der Brücke, Wayne springt hinterher und fängt es. Damit ist die Freundschaft zwischen Gordon und Batman besiegelt. Bald darauf zerbricht die Ehe mit Barbara und die Mutter zieht mit ihrem Sohn zurück nach Chicago (vgl. Turning Points). Doch was passiert mit dem Sohn, James Gordon Junior? Dieser Frage hat sich Scott Snyder angenommen. In Black Mirror, der letzten großen Detective Comics-Storyline vor dem Reboot (The New 52), ist Junior das Gegenteil seines Vaters: ein unempathischer Psychopath, der sich an jedem, der ihm blöd kommt, grausam rächt. Nach Jahren sucht er den Vater in Gotham auf, Gordon befürchtet Schlimmes, zunächst scheint er sich zu irren – doch die Zweifel wird er nie los. Autor Scott Snyder spielt mit den Erwartungen der Leser, indem er sie ständig untergräbt. Das erzeugt eine ungeheure Spannung.

Parallel erzählt er von Batman, also Dick Grayson, der Bruce Wayne in Gotham vertritt. Dieser muss zunächst einen Auktionator (The Dealer) aufhalten, der Schurkengimmicks aus Polizeibeständen an Bonzen verhökert, dann muss er den Ursprung eines toten Orca untersuchen, der plötzlich (mit Frauenleiche im Bauch) im Foyer einer Bank liegt, schließlich bricht noch der Joker aus. Die drei Episoden haben auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun, am Ende erschließt sich wenigstens für zwei der Zusammenhang mit dem Hauptplot um James Junior, der es auf seine eigene Familie abgesehen hat und eine neue Generation nach seinem Bilde formen will. Diese Doppelstruktur ist eine eigenartige Erzählweise, die sich auch in zwei verschiedenen grafischen Stilen wiederspiegelt: Die Hefte, in denen Batman die Hauptrolle spielt, sind von Jock gezeichnet, die Gordon-Hefte von Francesco Francavilla. Während Jock sehr kantige Figuren und karge Hintergründe macht, Batman stets von Fledermäusen umgeben ist und der Horror durch zittrige Striche besonders drastisch bei ihm wirkt, pflegt Francavilla einen ruhigeren Stil, der mehr an David Mazzucchelli erinnert, und er koloriert selbst mit knalligen Komplementärfarben.

Diese Stilbrüche sind gewöhnungsbedürftig, aber sie erfüllen ihren Zweck. Zunächst hat man den Eindruck, zwei verschiedene Geschichten zu lesen, bis sich nach und nach beide zu einer zusammenfügen, am Ende wechseln sich die Zeichner alle paar Seiten ab. Beide sind auf ihre Weise große Künstler, Jock besonders bei den Covern, Francavilla beeindruckt am meisten mit einer Doppelseite, auf der sich Gordon in einer Montage an Juniors Kindheit erinnert. Autor Scott Snyder steht beiden in nichts nach: er erweist sich als meisterhafter Erzähler, indem er allen Figuren an Tiefe gerecht wird und dabei auch noch die Stadt Gotham als Protagonisten einführt, der im Hintergrund das Böse aus den Menschen hervorbringt.

The Black Mirror ist eine zutiefst grausame, beunruhigende Geschichte, die trotz ihres Pessismismus sich die Menschlichkeit bewahrt. Dass einige Fragen offen bleiben, bzw. dass Batman die Grenzen der Glaubwürdigkeit überschreitet, kann man da als kleine Makel verzeihen: Für eine Story von so herausragender Qualität und narrativer Innovation kann man bloß dankbar sein.

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Die Grenzen der Strafverfolgung

DC Comics

DC Comics

Titel: Officer Down

Autor/Zeichner: Ed Brubaker, Chuck Dixon, Greg Rucka u.a./diverse

Erschienen: 2001 (Batman #587, Robin #86, Birds of Prey #27, Catwoman #90, Nightwing #53, Detective Comics #754, Batman: Gotham Knights #13; Paperback 2001)


„… you are not James Gordon’s only friend.“ (Alfred)

Commissioner James Gordon geht gerade von einer Geburtstagsfeier heim, da sieht er in einer Gasse Catwoman, er will sie stellen, schießt auf sie, da erwischen ihn selbst drei Kugeln in den Rücken. Niemand weiß, wer’s war, aber alle suchen erst mal nach Catwoman. Und während die ganze Batman-Familie versucht, die Katze einzufangen, steht das Familienoberhaupt am Krankenbett seines Freundes und macht sich selbst Vorwürfe. Nachdem Catwoman alle überzeugt hat, nichts mit der Sache zu tun zu haben und den Verdacht auf einen Polizisten lenkt, wendet sich die Story der Polizei zu. Die Ermittler stoßen beim Verhör schnell an ihre Grenzen – und müssen feststellen, dass ihre Eitelkeit, Batman nicht zu Hilfe zu rufen, ein Fehler ist. Am Ende geht Gordon in Ruhestand. Und seine Leute üben Selbstjustiz.

Die Story hat einige logische Schwächen. Die größte: Warum geht Catwoman, wenn sie unschuldig ist, nicht gleich zu Batman, übergibt ihm die Tatwaffe und erzählt ihm die Wahrheit? Antwort: Damit die Bat-Familie was zu tun kriegt. Seltsam ist auch, dass Batman so nutzlos ist. Selbst am Ende kann seine Verhörtaktik, ein Geständnis aus jemandem rauszuprügeln, nicht fruchten. Am Ende schmollt er auch noch, weil Gordon seine Entscheidung aufzuhören ohne ihn trifft.

Officer Down wäre eine interessantere, weil ungewöhnliche Geschichte, wenn sie besser gezeichnet wäre. Die meisten Künstler liefern entweder entstellte, starre oder zu stark überzeichnete Figuren ab. Kaum etwas davon trägt dazu bei, das Comic gerne zu lesen. Ein zwiespältiges Vergnügen.

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Batman und Gordon: Wendepunkte einer Freundschaft

James Gordon (Teil 2)

DC Comics

DC Comics

Titel: Turning Points

Autor/Zeichner: Ed Brubaker, Chuck Dixon, Greg Rucka/Steve Lieber, Joe Giella, Dick Giordano, Brent Anderson, Paul Pope

Erschienen: 2001 (Mini-Serie #1-5, Paperback 2007)


„Everyone needs a friend.“ (Batman)

Batman und Gordon – die beiden gehören von Anfang an zusammen. Nicht nur historisch. Year One beginnt damit, dass beide gleichzeitig in Gotham ankommen. Im Laufe der Geschichte werden aus Gegnern Verbündete, spätestens als Batman Gordons Sohn rettet. Doch weil der Gesetzeshüter und der Vigilant einen Pakt jenseits der Regeln haben, kommt es immer wieder zu Spannungen zwischen den beiden. Gordons Konflikt ist stets geprägt davon, zerrissen zu sein zwischen Gesetzestreue und Illegalität.

Davon handelt Turning Points. Die Mini-Serie dient als Vorbereitung der Storyline Officer Down. Es werden fünf Episoden aus der gemeinsamen Vergangenheit beleuchtet. Verbunden sind sie bloß durch die Figuren und eine rahmende Handlung in der ersten und in der letzten Story. Die erste spielt kurz nach Year One: Gordon hat mal wieder den Termin bei der Eheberatung versäumt, Barbara ist mit dem Sohn nach Chicago zurückgezogen und hat ihrem Mann nur die Scheidungspapiere dagelassen. Kurz darauf muss sich Gordon um einen Irren kümmern, der in einer Kirche ein zu vermählendes Paar bedroht. Batman greift ein und rettet die Geiseln unblutig. Für ihn ist es eine Bewährungsprobe, weil er, wie er sagt, Gordons Segen haben will. Am Ende sprechen sie über Freundschaft. Gordon regt sich darüber auf, dass diese Freundschaft sehr einseitig sei. Aber Batman versichert ihm, dass sie mehr verbindet, als Gordon denkt.

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James Gordon: Vom Pfadfinder zum Al Capone

James Gordon (Teil 1)

DC Comics

DC Comics

Titel: Gordon of Gotham (Gordon’s Law/GCPD/Gordon of Gotham)

Autor/Zeichner: Chuck Dixon, Dennis O’Neil/Klaus Janson, Jim Aparo, Bill Sienkiewicz, Dick Giordano

Erschienen: 2014 (Paperback), Mini-Serien: 1996, 1997, 1998


„I don’t need a knight. I need a street cop.“ (James Gordon)

„You are the police commissioner, James. You’re not supposed to be carrying a gun, let alone working cases.“ (Sarah Essen)

„I wonder sometimes if there are any good cops left. At least enough good ones to make a difference.“ (James Gordon)

James Gordon ist ein guter Polizist in einer schlechten Stadt. Insofern wirkt es widersprüchlich, dass er gemeinsame Sache mit einem Vigilanten wie Batman macht. Wie man in Year One erfährt, ist diese Beziehung nicht immer von Freundschaft geprägt gewesen – und auch später wurde sie immer wieder auf die Probe gestellt. Gordon ist für Batman so etwas wie sein erster Sidekick. Aber einer auf Augenhöhe. Man hilft sich gegenseitig, weil man das Gleiche will. Doch die Methoden sind andere. Und sie ergänzen sich. Batman und Gordon sind auf einander angewiesen: Während Batman einen Fürsprecher in der Welt des Gesetzes braucht, braucht Gordon einen, der die Regeln für ihn bricht. So kriegen beide, was sie wollen.

Doch Gordon kann auch ohne Batman – was aber nicht heißt, dass sich der Polizist immer an die Regeln hält. Deutlich wird das im Band Gordon of Gotham. Darin werden drei Mini-Serien aus den 90ern versammelt, die den Kampf gegen das Verbrechen in Gotham von der Seite der Polizei her zeigen (später wurde das mit der Serie Gotham Central wiederholt). Zwei der Storys konzentrieren sich auf die Titelfigur, während eine von den Nebenfiguren wie Harvey Bullock und Renee Montoya handelt. Der dunkle Ritter tritt hier bloß als Randfigur auf. Eine Batman-Story so ganz ohne Batman geht nicht.

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Blutsaugen für den guten Zweck

DC Comics

DC Comics

Titel: Justice League: Gods & Monsters – Batman

Autor/Zeichner: J.M. DeMatteis, Bruce Timm/Matthew Don Smith

Erschienen: 2015 (Mini-Serie #1-3, digital)


 „If there’s a monster in this scenario — it’s me.“ (Kirk Langstrom/Batman)

Der neue Animationsfilm Justice League: Gods & Monsters, der am 28. Juli erscheint, verspricht einen neuen, ernsthafteren Ansatz für die drei größten DC-Helden Superman, Batman und Wonder Woman. Und nicht nur, dass er groß umworben wird, DC hat in den Stoff auch viel investiert und ihn gleich crossmedial angelegt: Zunächst wurden drei Kurzfilme zu je einem der Helden online gestellt, danach ein paar Clips aus dem Film, nun erscheint einer Serie digitaler Comics, die die Vorgeschichten der drei Helden näher beleuchten. Jedem sind drei Ausgaben gewidmet, neun Teile dem gesamten Team (also insgesamt 18 Ausgaben).

Nun könnte man meinen, dass diese Comics bloß schmückendes Beiwerk seien, das lediglich kostengünstig für Marketingzwecke verschleudert wird. Aber die drei Batman-Kapitel hinterlassen einen überraschenden Eindruck. Schon das Video machte klar, dass in diesem neuen Universum ein anderer Batman geboten wird: ein Vampir, der vor Mord nicht zurückschreckt. Im Comic wird dieser Eindruck vertieft: es geht äußerst düster und brutal zu, aber auch überaus menschlich.

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Niemandsland: Post-Apokalypse in Gotham

Titel: No Man’s Land (dt. Niemandsland)/Road to No Man’s Land (dt. Weg ins Niemandsland)

Autor/Zeichner: Bob Gale, Greg Rucka u.a./Alex Maleev u.a.

Erschienen: 1999-2000 (alle Serien + Specials), Paperbacks 2011-2016 (2+4 Bände); dt. Dino-Verlag: Batman #47-63, Batman Special #11-14, Batman Präsentiert #5-9, Batman Niemandsland Sonderausgabe, Batman Sonderband #8; Panini 2017-2019 (2+8 Bände)


„Die Regeln haben sich geändert.“ (Nightwing)

„Gotham ist zum Traum eines jeden Anthropologen geworden. Ein gewaltiger Freilandversuch für Darwins Theorien. Nur die Stärksten überleben. Mit Mühe.“ (Batman)

„… egal, wie schlimm die Lage bereits erscheint … es kann immer … immer … noch schlimmert werden.“ (Barbara Gordon)

No Man’s Land ist die bislang größte Batman-Saga: Die vier Sammelbände umfassen insgesamt 2088 Seiten, mit den eng verknüpften Vorgeschichten Cataclysm (dt. Inferno) und Road to No Man’s Land sind es sogar 2840 (zum Vergleich: die drei Bände Knightfall haben insgesamt 1948 Seiten, wobei die Saga nicht mal komplett enthalten ist). Lohnt sich der Aufwand, sich da durch zu lesen?

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Nach zwei Seuchen und einem Erdbeben, bei dem ganz Gotham zerstört wurde, wird die Stadt von den USA aufgegeben, evakuiert und isoliert. Auch Bruce Wayne kann daran nichts ändern, als er nach Washington geht und mit pathetischen Reden versucht, den Kongress umzustimmen.

Parallel tut ein aufsteigender Rockstar namens Nicholas Scratch mit seinen Schergen in Teufelsmasken alles dafür, dass die Stadt endgültig vernichtet wird und rekrutiert dazu einige alte Schurken. Der Plan wird zwar vereitelt, aber Gotham wird trotzdem zum Niemandsland erklärt. Nur die Verbrecher und die gesellschaftlichen Außenseiter bleiben da und kämpfen in einem postapokalyptischen Szenario, in dem es am Nötigsten wie Lebensmitteln, Strom, Wasser und einer zivilen Ordnung fehlt, ums Überleben.

Batman macht Urlaub

Nachdem die Arkham-Insassen vom Anstaltsleiter freigelassen worden sind, weil er sie weder in Schach halten noch versorgen konnte, teilen die mächtigsten von ihnen die Stadt unter sich auf. Auch die verbliebenen Polizisten um James Gordon und seine Frau Sarah Essen reklamieren einen Bezirk für sich und versuchen, zu expandieren und wieder Recht und Ordnung herzustellen. Dabei bedienen sich die Cops zweifelhafter Mittel wie Mord zur Abschreckung und das Anzetteln eines Bandenkrieges, bei denen sich zwei konkurrierende Gruppen gegenseitig ausmerzen sollen. Gordon schließt einen Pakt mit Two-Face, den er bald darauf bereuen wird. Schließlich kommt es zu einer Spaltung innerhalb der Gruppe, als einem militanten Cop Gordons Methoden nicht weit genug gehen.

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Und Batman? Der macht erst mal drei Monate Urlaub in Monaco, bevor er zurückkehrt. In der Zwischenzeit wird er vertreten von einer neuen Gestalt im Fledermauskostüm: einem neuen Batgirl, dessen Identität Batman sofort durchschaut: Helena Bertinelli, die vor kurzem noch als Huntress unterwegs war. Doch er lässt sie gewähren und übernimmt ihr Graffito, um sein Revier zu markieren. Bevor Batman die Stadt zurückerobert, muss er den Menschen erst einmal wieder klar machen, dass er wieder da ist und dass sie Grund haben, ihn zu fürchten. Weil er aber keine technischen Hilfsmittel hat, muss er sich neu orientieren. Batman bekommt erneut fundamentale Zweifel, ob er den Eid seinen Eltern gegenüber erfüllen kann.

Im Grunde trägt No Man’s Land die Stimmung von Aftershock weiter: Verzweiflung, Elend, Überlebenskampf. Allerdings sind es eher die normalen Menschen, die hier die echten Probleme haben, während Batman meistens souverän wirkt und schnell bekommt, was er will. Allerdings ist Gordon ziemlich schlecht auf ihn zu sprechen. Erst spät kommt es zu einer Aussprache und zum ultimativen Vertrauensbeweis …

Wendepunkt für Batman

Wie schon infolge des Erdbebens werden Batman und seine Mitstreiter öfter mit moralischen Dilematta konfrontiert, wie etwa der Frage, ob man einem Serienmörder wie Zsasz das Leben retten darf oder soll. Salomonische Urteile scheitern – ebenso wie Supermans Einsatz. Der Pinguin macht aus dem Tausch ein großes Geschäft und lässt Gladiatorenkämpfe ausrichten, Clayface nimmt Poison Ivy gefangen und verkauft die von ihr angebauten Früchte an die Hungrigen. Huntress wird schon bald von einem neuen Batgirl abgelöst: Cassandra Cain, Tochter eines Auftragskillers und Lehrmeisters von Bruce Wayne. Da sie nicht sprechen kann, bleibt sie eine blasse Erscheinung.

No Man’s Land ist nicht nur für Batman ein Wendepunkt, sondern auch für DC. Nach der Überleitung von Road to No Man’s Land wechseln die meisten Autoren und Zeichner – und auch wenn die Resultate nicht immer überzeugen, tut die Erneuerung gut. Die Batman-Serien schütteln endlich den Mief der 90er Jahre ab (beinahe ganz), in denen noch in die Jahre gekommenen Veteranen wie Jim Aparo ihre steifen Figuren zeichnen durften. Das Erzählverfahren ist uneinheitlich: mal langsam, mal sprunghaft, mal episodisch und sogar elliptisch, dass man sich zwischendurch fragt, ob man nicht etwas verpasst hat. Besonders zu loben ist der feinfühlig erzählte Auftakt von Bob Gale.

Schwaches Finale

Greg Rucka ist für den Hauptplot zuständig, allerdings macht sich der rote Faden erst gegen Ende der Saga bemerkbar. Bane tritt in Erscheinung, im Auftrag eines Unbekannten, und wütet so brachial, wie man es von dem Muskelberg kennt, sehr spät kommt auch der Joker hinzu und wird von seiner Sidekick-Braut Harley Quinn begleitet (eine Figur aus der Animated-Serie, die erst kurz zuvor im DC Hauptuniversum eingeführt wurde). Leider bereichert die Präsenz dieses Duos die Geschichte nicht, es wirkt eher planlos, wie die beiden ihre Beziehungsprobleme durchstehen. Der Joker hat keinen Bock auf die Alte – und als Leser kann man es nur nachvollziehen. Erst am Ende übernimmt der Schurke eine Schlüsselrolle, als er den Wiederaufbau in Gotham zu sabotieren versucht. Es fließt zwar viel Blut – und ein wichtiger Nebencharakter stirbt.

Dennoch ist das Finale schwach: Das Problem Niemandsland löst sich fast von allein (wenn auch unter zweifelhaftem Vorzeichen) und man bekommt auch nie den Eindruck, dass Gothams Rettung je ernsthaft gefährdet wäre. Schließlich wirkt das Ende inkonsequent und halbherzig, selbst der Joker scheint die Lust an seinem Vorhaben zu verlieren. Aber auch zuvor wurde zu wenig Spannung aufgebaut. Dafür dass die Autoren über Jahre hinweg Figuren und Leser mit zwei Seuchen und einem Erdbeben malträtiert haben, wirkt das Storytelling zu kurzatmig.

No Man’s Land ist eine kurzweilige Unterhaltung für ausdauernde Leser; immerhin besser als die Vorgänger-Storylines, aber ein Muss ist es nicht.

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Ein Beben geht durch Gotham

DC Comics

Titel: Cataclysm (dt. Inferno)/Aftershock (dt. Nachbeben)

Autor/Zeichner: Alan Grant, Doug Moench, Chuck Dixon u.a./Jim Aparo, Klaus Janson u.a.

Erschienen: 1998 (18-teilig in mehreren Serien und One-Shots), dt. Dino 1999-2000 (Batman #40-46, Batman Special #9-11, Batman präsentiert #1-2)


„It’s never easy to find inner strength and peace, even when the outer world is relatively stable…the destruction of physical reality always does spiritual damage.“ (Bruce Wayne)

„… there’s little I can do against disease and natural disasters. A lost cause can become a fool’s errand. I’m still only human. I did what was humanly possible. I hope you don’t think I’ve failed in my promise.“ (Batman)

Nach der Seuche kommt das Erdbeben. Gotham wird zerstört, es herrschen Tod, Chaos und Verbrechen. Ein gewisser Quakemaster bekennt sich, die Katastrophe verursacht zu haben und erpresst die Stadt. Die Frage ist nicht, ob er es wirklich war, denn umgehen müssen Batman und seine Verbündeten so oder so mit einer kaum zu bewältigenden Herausforderung. Batman verzweifelt an dem Verfall seiner Stadt und dem Massentod seiner Bewohner, vor allem aber an der Tatsache, dass er niemandem die Schuld an dem Unglück geben kann. Er kämpft an allen Fronten – aber es gibt keinen Gegner, den man verprügeln und einbuchten könnte. Das mag zwar das alte Batman-Schurken-Schema durchbrechen, indem es dem Helden neue Seiten und Leidenswege eröffnet, aber es funktioniert nur schleppend.

Ein One-shot ist Arkham Asylum gewidmet, einer dem Blackgate-Gefängnis, doch nichts davon ist der Aufmerksamkeit wert. Die Blackgate-Episode ist Mittelmaß, Arkham sogar deutlich darunter. Die Insassen der Irrenanstalt brechen aus und erzählen sich Geschichten – ganz in der Tradition von Boccaccios Dekameron, aber keine davon hat das Zeug zum Klassiker.

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Der Erzählzyklus Aftershock ist so etwas wie ein langer Durchhänger – für Batman wie für seine Leser. Es gibt keinen Handlungsbogen, vielmehr eine Reihe von Kurzgeschichten über das Elend in Gotham, Arbeitslose, Obdachlose, Plünderer. Hin und wieder erscheinen ein paar der üblichen Verdächtigen (Mr. Freeze, Clayface, Mad Hatter, Joker) – allerdings nur, um gleich wieder zu verschwinden. Oft tritt die Sache auf der Stelle, es gibt Ausgaben, in denen nur lamentiert wird: wie schlimm alles ist und wie schön es früher war. In Batman #558 sieht man einen verzweifelten Batman, der seinen Butler umarmt und sagt: „Hilf mir, Alfred! Ich brauche Kraft! Ich komme einfach nicht mit dem Tod zurecht, alter Freund. Das kam ich noch nie. Er … zerreißt mich.“ Mehr Emo geht nicht.

Vielleicht muss die Geschichte so sein: Eine ermüdende Durststrecke. Es gibt darunter jedoch einige narrative Lichtblicke. Vor allem die Storys, die Alan Grant für Shadow of the Bat geschrieben hat, stechen in ihrer Qualität heraus. Etwa #76 (Dino: Batman #43), in der erzählt wird, wie eingeschlossene Menschen zu Kannibalen werden, oder #77 (Dino: Batman #44), wo ein Professor eine Klasse voller toter Studenten über Darwinismus unterrichtet und Batman dabei Teil eines Experiments wird. Leider muss Grant am Ende, für alle, die es nicht verstanden haben, die Moral wiederholen: „Vielleicht irrte sich Darwin doch. Nicht der Stärkste überlebt … Auch nicht der mit dem meisten Glück. … Sondern der, der nicht aufgibt!“

Die Geschichten leiten über zum größeren Event, dem No Man’s Land (dt. Niemandsland). Und genauso lesen sie sich auch: Wie Lückenbüßer.

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Viral ist nicht gleich ansteckend

batman-contagion-legacy

Titel: Contagion/Legacy (dt. Die Seuche/Der Fluch)

Autor/Zeichner: Chuck Dixon, Alan Grant, Doug Moench u.a.

Erschienen: 1996 (alle Batman-Serien) (dt. 1998, Dino-Verlag, Batman #10-13, #20-23, Batman Special #3, #5)


„Völkermord ist kein Verbrechen, wenn man auf der Seite der Sieger steht, Batman.“ (Bane)

„It’s too big. How can I fight a disease? And if I can’t, Gotham is doomed.“ (Batman)

Es wäre gelogen, wenn ich sagte, ich würde gerne eine Zusammenfassung der Ereignisse in dieser Storyline schreiben. Doch selbst wenn ich wollte: ich kann es nicht. Denn kurz nachdem ich Seuche und Fluch gelesen habe, ist mir bereits entfallen, was da passiert ist. So viel ist klar: Ein Ebola-Virus grassiert in Gotham. Viele sterben einen blutigen Tod. Die Batman-Familie versucht ein Gegenmittel zu finden. Catwoman, Azrael, Robin und Nightwing – sie alle mischen mit. Irgendwas passiert in Grönland. Poison Ivy hat auch etwas damit zu tun. Und als alles erledigt scheint, kommt dann noch ein unnötiger Anhang mit Ra’s al Ghul und Bane, wo es immer noch um die Seuchengefahr geht, was sich noch lahmer liest als der Auftakt. Und manche Dialoge sind so grenzdebil, dass man das Heft am liebsten an die Wand werfen würde.

Muss ich noch mehr sagen? Ich denke nicht. Vielleicht noch eins: die Seuche ist die erste Katastrophe, die Gotham heimsucht. Danach kommt ein vernichtendes Erdbeben, schließlich die Isolation des Niemandslandes. In der zweiten Hälfte der 90er Jahre musste Batman vor allem gegen Gegner kämpfen, gegen die er machtlos war. Batman als Katastrophen-Helfer? Das ist nicht sein Fachbereich, deshalb funktioniert es nur leidlich. Aber beim Versuch, den Helden an seine Grenzen zu treiben, musste dieser Schritt wohl irgendwann unternommen werden. So viel sei vorweggenommen: Man hätte aus all diesen Ideen mehr machen können.

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Batman als Vampir gegen Dracula

Batman & Dracula: Red Rain

DC Comics

Titel: Batman & Dracula: Red Rain (dt. Der Schwur des Vampirs/Roter Regen)

Autor/Zeichner: Doug Moench/Kelley Jones

Erschienen: 1991 (One-shot, HC), dt. Carlsen 1998, Panini 2002


„Vampires are real … but not all of them … evil.“

„To me, all criminals are ‚vampires‘ cloaked in night to prey on the innocent.“ (Batman)

Doug Moench und Kelley Jones so etwas wie das Batman-Dreamteam der 90er Jahre. Düstere Stories mit noch düstereren Bildern, Batman mit säbellangen spitzen Ohren, überdimensionalen Capes und mehr Schatten als sonstwas – so soll’s sein. Dieser surreale Stil scheidet die Geister: die einen hassen ihn, die anderen lieben ihn. Aber unter den sonst gewöhnungsbedürftigen hölzernen Stilen, die zu der Zeit vorherrschten, wirkt dieser wie seiner Zeit voraus. Bevor Jones von 1995 bis 1998 Hauptzeichner der Batman-Serie war, begann er im Jahr 1991 mit der Arbeit am Dunklen Ritter. Das erste Werk dieser Kooperation war Red Rain, eine der frühen Elseworlds-Stories. Der Untertitel sagt es bereits: Batman kämpft gegen Dracula.

So weit so naheliegend. Doch das Interessanteste daran ist, dass sich Batman nach einem Biss selbst nach und nach in einen Vampir verwandelt: er bekommt Superkräfte. Und die braucht er auch, wenn er sich mit einer Armee von Untoten anlegt. So wird Batman buchstäblich zu einem Bat-Man, während Dracula in seiner monströsesten Form als eine Art Man-Bat erscheint. Blöd ist nur, dass Batman selbst nicht auf das Cape verzichtet, nachdem ihm Fledermausflügel gewachsen sind. Bei aller Fantastik ist das doch etwas zuviel des Guten. Ich denke, dass es beim Fliegen – gerade in seinen Kelley Jones-Ausmaßen- doch ziemlich stören müsste …

Aber das ist nur eine Kleinigkeit. Sonst wird eine ziemlich simple, aber kurzweilige Story geboten: Es gibt die bösen Vampire um Dracula und ein paar gute Vampire, die von der sexy Tanya angeführt werden, einer Untoten im Badeanzug. Sie ist es, die Bruce Wayne nachts heimsucht, um ihn für ihren Kampf zu gewinnen, während in Gotham die Obdachlosen und Huren leergesaugt werden. Der Krieg währt nur kurz: Batman opfert Wayne Manor, dann befreit er Gordon aus Draculas Fängen – inklusive Finale bei Blitz und Donner.

Das alles fordert den Verstand nicht besonders, trieft hin und wieder zu sehr vor Pathos, aber ist im Wesentlichen stimmungsvoll erzählt und beeindruckt vor allem visuell. Kelley Jones zeichnet wunderbare furchterregende Monster und einen spektakulären Batman, der selbst bei guten Lichtverhältnissen alle Schatten auf sich zieht. Eins gerät dafür lächerlich: Das Batmobil wirkt so plump wie das Auto von Donald Duck (auch später in der Serie). Aber das kommt hier ohnehin kaum zum Einsatz. Fledermausflügel sind so viel cooler.

Hinweis: Red Rain ist Teil einer Trilogie: 1994 erschien die Fortsetzung Bloodstorm, 1998 Crimson Mist. 2007 wurden die drei Teile in dem Paperback Tales of the Multiverse: Batman – Vampire gesammelt.

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics

Frankensteins Bat-Monster

DC Comics

DC Comics

Titel: Castle of the Bat

Autor/Zeichner: Jack C. Harris/Bo Hampton

Erschienen: 1994 (One-shot)


„It comes down to a question of vengeance or responsibility!“ (Bruce Wayne)

Was wäre, wenn Bruce Wayne im 19. Jahrhundert Arzt geworden wäre, um das Andenken seines ermordeten Vaters zu ehren? Dann hätte er wohl versucht, seinen Vater mit Elektrizität wiederzubeleben. Castle of the Bat erzählt die Frankenstein-Geschichte neu, indem das Monster zu Bat-Man wird, einem Rächer, der Straßenräuber überfällt. Bruce Wayne ist der fanatische Wissenschaftler, der die Grenzen der Moral überschreitet und aus Leichenteilen neues, groteskes Leben erschafft. Zuerst einen Fledermaushund, dann einen Fledermausmenschen – mit allen bekannten Nachteilen.

Diese Elseworlds-Story greift den alten Topos in bewährter Weise auf, bedient sich dabei auch bei der Verfilmung von 1931, aber findet einen eigenen Ansatz, indem sie eine Verschwörung um den Elternmord hinzufügt. Das Ganze ist in den gemalten Panels wie in einen Nebel getaucht und sorgt für eine schaurige Stimmung. Allerdings wirkt die Erklärung, warum das Monster ein Fledermauskostüm trägt, sehr bemüht, was Zweifel an der Grundidee weckt. Schließlich wird Bat-Man auch noch zu Man-Bat. Jekyll und Hyde lassen grüßen. Und auch ein bisschen Dracula. Aber weil die Versatzstücke zu einer stimmigen Gesamtheit zusammengesetzt sind, ist das dünne Heft ein Spaß für Fans von Gothic Novels.

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics