Comic

Knightfall #10: Prodigal

Bruce Wayne tut, was er schon früher hätte tun sollen: Er macht Dick Grayson zum neuen Batman. Und dann ist er weg. Wohin auch immer. Dick, der sich darüber beklagt hatte, dass Bruce zunächst den gestörten Jean Paul Valley zu Batman gemacht hatte, übernimmt seine Rolle ohne zu zögern. Aber dann hadert er doch mit sich …

Zunächst darf er sich mit ein paar einfachen Übungen eingewöhnen: Killer Croc, Bauchredner/Scarface, Ratcatcher – alles Episoden, die innerhalb von einer Heftlänge erledigt werden und zwar so belanglos, dass sie sofort in Vergessenheit geraten.

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Dann aber kommt Two-Face durch einen Justizfehler frei (er wird mit einem Harvey Kent verwechselt) und beschäftigt Batman und Robin über vier Kapitel. Two-Face will das Justizsystem auslöschen, also massakriert er zunächst ein Dutzend Staatsanwälte und vernichtet dann die digitalen Akten (mit einer Kettensäge). Batman und Robin sind ratlos: Was hat Two-Face vor? Weil das nicht in sein übliches Dualitäts-Schema passt, haben sie keine Ahnung. Dabei kann man es sich leicht denken. Erst sehr spät, zu spät kommt Tim drauf, dass Two-Face auch das analoge Aktenarchiv zerstören will. Batman muss einen Aufstand in Blackgate verhindern – kein Problem. Als Tim gefangen genommen wird (wie erfahren wir nicht, egal), muss Batman Two-Face entgegentreten. Dick Grayson, der schon als Robin schleche Erfahrungen mit dem Schurken gemacht hat, bekommt es mit der Angst zu tun, aber meistert seine Aufgabe schließlich überraschend einfach mit einem Gabelstapler …

Keine Story für eine Two-Face-Anthologie. Auch wenn es mit „Harvey Kent“ einen interessanten Bezug zu seinem ursprünglichen Namen hat (erst später wurde er in Dent umbenannt), ist seine Faszination zum Binärcode von Rechnern eine Idee, die bereits 1986 aufgegriffen wurde – übrigens vom gleichen Autor (Doug Moench).

Im letzten Drittel kommt wieder Kleinkram: Drei Gauner, die man noch nie gesehen hat, nie wiedersehen und auch nicht vermissen wird, ein Wiedersehen mit dem Tally Man (Batman lässt sich von ihm wie ein Amateur gefangen nehmen), dann schließlich noch ein austauschbarer Schurke in einer Rüstung mit Flügeln, der Robin an einer Leine durch die Stadt zieht. Außerdem muss sich der Leser durch belanglose Episoden aus Robins Teenager-Alltag kämpfen.

Am Ende taucht endlich wieder Bruce Wayne in der Bathöhle auf. Einfach so. Aus dem Nichts. Wo er war, warum er zurück ist? Keine Ahnung. Dick macht ihm Vorwürfe (die gleichen wie zuvor), Bruce gibt zu, Fehler gemacht zu haben. Und dann ist wieder alles gut. Dick wird wieder Nightwing, Bruce wird wieder Batman.

Prodigal ist ein unnötiger, überlanger Anhang an die große Knightfall-Saga. Keine Storyline, sondern – wie schon Knightquest: The Crusade – eine Reihe kurzer Storys mit dem Rahmen des Haderns mit der Batman-Rolle. Im Rückblick funktioniert Knightfall periodisch: Teil 1 ist stark, Teil 2 schwach, Teil 3 wieder stark, Teil 4 (Prodigal) wieder schwach – mit dem Unterschied, dass Knightquest der Story noch einige wichtige Aspekte hinzugefügt hat, aber Prodigal ist einfach nur überflüssig.

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Alles nochmal, aber anders

DC Comics

Titel: Birthright

Autor/Zeichner: Mark Waid/Leinil Francis Yu

Erschienen: 2003-2004 (Miniserie #1-12), Paperback 2005; dt. Panini 2005 (Miniserie #1-6), Eaglemoss DC-Collection 2015 (2 Bände)


Fast 20 Jahre lang galt John Byrnes The Man of Steel (1986) als kanonischer Superman-Origin. 2003 erzählte Mark Waid die Geschichte neu. Das Wesentliche bleibt: Es beginnt mit Krypton und dem Kind in der Rakete. Dann sehen wir den jungen Clark Kent bei einem Einsatz in Afrika. Und dann kommt das Übliche: Ankunft in Metropolis, erste Gehversuche als Reporter, erste Einsätze als Superman, Rückblenden nach Smallville. Clark Kent ist in Metropolis ein Außenseiter, der sich damit schwertut, Anschluss zu finden. Er leidet unter seiner doppelten Identität.

Eine wichtige Änderung und gleichzeitig eine Rückkehr zu den Ursprüngen ist die Causa Lex Luthor. Wahrscheinlich beeinflusst von der TV-Serie Smallville haben Clark und Lex wieder eine gemeinsame Vergangenheit in der Jugend. Das war auch schon in den Comics des Silver Age der Fall (Stichwort: Superboy), wurde aber von der Crisis getilgt. Jetzt also doch. Lex ist das missverstandene Wunderkind mit geringer emotionaler Intelligenz, Clark ist der einzige, der Zeit mit ihm verbringt – und man fragt sich, warum eigentlich. Lex weiß alles, kann alles und verliert seine Haare bei einem gescheiterten Experiment. Zehn Jahre später ist er Milliardär und Chef eines Konzerns, der allen weit voraus ist.

Kaum erscheint Superman, versucht der fremdenfeindliche Luthor, ihn zu erledigen und die Menschen gegen ihn aufzuhetzen, indem er sie glauben lassen will, dieser sei die Vorhut einer feindlichen Invasion von Krypton. Plötzlich tapsen Riesenmonster durch Metropolis und böse Soldaten mit S-Symbol unterjochen die Menschen – alles Fake, damit sich Lex selbst als Retter inszenieren kann. Superman will den Schwindel auffliegen lassen, ist aber geschwächt durch Kryptonit …

Auf fast 300 Seiten wird in Birthright breitgetreten, was alle schon gewusst oder geahnt, aber so noch nicht gelesen haben. Nur eben länger, größer und spektakulärer. Fans bekommen alle bekannten Klischees aufgetischt: den über-knallharten Chefredakteur Perry White, den kleinen Loser Jimmy Olsen, der bloß gedemütigt wird und die überaus taffe Reporterin Lois Lane, in die sich Clark sofort verliebt. Sie kennen alle bloß ein Ziel im Leben: die Titelseite (und den Pulitzerpreis). Und dann gibt es natürlich noch lange Erklärungen dafür, warum Superman als Clark Kent niemand erkennt, obwohl er nur eine Brille trägt. Die Brille verändert die Gesichtsform heißt es, Clark lässt die Schultern hängen und spielt einen anderen. Und trotzdem wirkt es forciert (und fast schon selbstironisch), wenn Lois Clark lange ins Gesicht schaut und dennoch nicht drauf kommt, warum er ihr bekannt vorkommt. Ansonsten ist das letzte Drittel reine Action mit vielen Splash-Pages, in denen versucht wird, die großen Momente zu zelebrieren.

Alles schon zigmal gesehen und gelesen. Nur eben nicht so. Und nicht so sperrig gezeichnet wie hier. Vielleicht tragen auch die Zeichnungen dazu bei, dass ich mit Birthright nicht warm geworden bin. Abgesehen von dieser Geschmackssache ist die zwölfteilige Story (die als Paperback ohne Unterbrechung durch Covereinschübe erzählt wird) nur etwas für Neueinsteiger oder richtige Superman-Fans, die nicht genug davon bekommen können, immer wieder dieselbe Geschichte zu lesen.

Sechs Jahre später, nach der Infinite Crisis, als sich das DC-Universum wieder änderte, wurde auch Supermans Vorgeschichte umgeschrieben: in Secret Origin. Doch auch da bleibt der wichtigste Aspekt erhalten: Clark und Lex kennen sich aus Smallville, nur dass Clark schon da als Superboy wirkte.

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All-Star Alfred und die Piraten

Titel: All-Star Batman Vol. 3 The First Ally (dt. Der Verbündete)

Autor/Zeichner: Scott Snyder/Rafael Albuquerque

Erschienen: 2017-2018 (All-Star Batman #10-14), Hardcover 2018; dt. Panini 2018 (Paperback)


„He’s an absurd human being, is the truth … bloody absurd. And I love him for it.“ (Alfred)

Batman jagt Hush in Florida, er will an die Genesis Engine herankommen, eine Technologie, mit der man Zellen erneuern und überschreiben kann. Als Bruce Wayne gerät er an moderne Piraten, kämpft mit Krokodilen und trifft auf einen neuen Schurken: Nemesis, einen Supersoldaten mit scharfen Klingen.

Doch eigentlich ist das weniger eine Batman-Story. Eigentlich geht es um Alfred Pennyworth. Der ist hier nicht Bruce Waynes Butler. Eher ist Batman hier nur sein Sidekick. Denn Alfred hat eine Vergangenheit, die weit über einen Armee-Einsatz hinausgeht. Er war in einer geheimen Einheit tätig, geführt von einem Mann namens Briar. Alfred machte eine Ausbildung zum Supersoldaten durch. Und jetzt dürft ihr alle mal raten, wer Nemesis ist …

Scott Snyders Abschluss seiner All-Star Batman-Serie ist also eine Mogelpackung. Zum Konzept der Serie gehörte es ursprünglich, nicht nur mit verschiedenen Lieblingszeichnern zusammenzuarbeiten, sondern auch Storys mit klassischen Batman-Schurken zu erzählen. In Teil eins war es Two-Face (neben vielen anderen wie Pinguin, Black Mask, KGBeast), in Teil zwei Mr. Freeze, Poison Ivy, Mad Hatter und Ra’s al Ghul. Wahrscheinlich weil nach diesen zwei riesigen Schurken-Aufgeboten keiner mehr übrig war, haben in diesem dritten Teil Gegner wie Hush nur Gastauftritte. Der Hauptgegner ist ein Neuer.

Und zugleich ein alter Bekannter aus Alfreds Vergangenheit. Weil es hier mehr um Alfred als um Batman geht, führt der Titel in die Irre. Was wir bekommen, ist ein ganz neuer Alfred. Einer, der mehr an die Earth One-Version erinnert als an den, den uns Scott Snyder bisher gezeigt hat. Kein steifer Butler mehr, sondern ein Action-Held, dessen Weg einige Leichen pflastern und der völlig aus der Rolle fällt, als er mit einem Maschinengewehr ein Flugzeug abschießt, in dem ein schwer verletzter Batman liegt – immerhin eine Art Sohn für ihn.

Wenn man sich mit diesem drastischen Ansatz anfreundet, ist The First Ally eine solide Alfred-Story, die dem Charakter viel Raum lässt. Viele Rückblenden, viel Introspektion (und wie immer viel Text). Alfred outet sich als junger Rebell und Fan von Piraten-Geschichten. Und so ist auch diese genau das: eine Hommage an das Genre und zugleich der Versuch einer modernen Adaption. Auf eine kurzweilige Art unterhaltsam, aber immer over the top und leider auch mit einigen Klischees á la „es steckt noch Gutes in ihm“.

Aber es gibt ja nicht nur was zu lesen, sondern auch viel zu schauen. Über die Zeichnungen von Rafael Albuquerque muss man kein Wort mehr verlieren, die sind wie immer stark – und dank der knalligen Farben von Jordie Bellaire ist das Serien-Finale auf jeden Fall ein Spektakel fürs Auge.

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Knightfall #9: KnightsEnd

Bruce Wayne ist wieder da: geheilt von seinem Rückenleiden, aber noch nicht ganz fit, um wieder Batman zu sein und sich die Rolle von Jean-Paul Valley zurückzuholen. Denn der Stellvertreter ist zu brachial in seinem Vorgehen und hat Visionen – und damit sollte man bekanntlich lieber zum Arzt gehen. Aber JP denkt daran genauso wenig wie ans Aufgeben.

Bruce mit Tengu-Maske (Batman #509)

Um wieder in Form zu kommen, sucht Bruce Lady Shiva auf, eine Meisterin des Kampfes. Sie denkt sich als Fitnessprogramm etwas Besonderes für ihn aus: Shiva setzt sich eine Tengu-(Fledermaus)-Maske auf, tötet einen alten (armlosen) Meister im Kampf und hetzt damit sieben seiner Schüler auf Bruce, um sich an ihm zu rächen. Bruce muss also im Training um sein Leben kämpfen. Aber dankenswerterweise beginnen die Attentäter mit dem schwächsten und steigern sich.

Am heftigsten sind aber die verbalen Angriffe von Nightwing, denn Bruce muss sich die unangenehme Frage gefallen lassen, warum er die Rolle von Batman einem Psycho überlassen hat. Bruce sieht den Fehler ein. Aber dann wird er dazu gebracht, seine Grundregel zu brechen …

Während der alte Held sich wieder hochkämpft, um wieder seiner Rolle würdig zu werden, dreht JP völlig durch, während ihn immer noch St. Dumas und sein Vater heimsuchen. Zur Ablenkung mischt er ein paar Waffenschieber auf. Dabei findet er die alte Medaille seines St. Dumas-Ordens und meint, darin einen Beleg gefunden zu haben, dass sein alter Feind LeHah noch lebt. Auch deshalb, weil nach seiner letzten Konfrontation keine Leiche gefunden wurde. Er macht sich also auf die Suche nach ihm, aber auch wenn er einen Gangster nach dem anderen hochnimmt, bringt die Suche nicht viel.

Nachdem Bruce seinen siebten Gegner besiegt hat, zieht er sich wieder das Batman-Kostüm an, schwingt sich wieder an Wasserspeiern entlang und konfrontiert Jean-Paul Valley. Es kommt zu einem ausgedehnten Kampf, der von einem Hochhaus über einen Hubschrauber auf eine Brücke führt. Robin und Nightwing mischen mit, es kommt zum Duell zwischen Dick Grayson und einem plötzlich roten JP-Batman. Das Finale spielt sich aber wieder zwischen Bruce und JP in Wayne Manor und der Bathöhle ab …

Batman vs. Batman: Das Finale (Legends of the Dark Knight #63)

Dieser letzte Part ist wunderbar. Ohne zu viel zu verraten: Am Ende hat man das Gefühl, einen richtig gut durchdachten, runden Abschluss für dieses lange Epos gefunden zu haben. Der Kampf endet nicht durch körperliche Überlegenheit, sondern auf einer geistigen Ebene. Ohne Prügel, Rüstungen und Gimmicks. KnightsEnd ist auch sonst ein durchgehend spannender letzter Akt, der sich genug Zeit lässt, um Bruce wieder zu Batman zu machen, aber genug Action aufbietet, so dass es nie langweilig wird. Immer wieder steht der Held auf einem Hochhaus und hadert mit sich, ob er den Sprung ins Ungewisse riskieren kann. Batman zu sein muss er sich wieder verdienen. Damit ist der dritte Teil der Saga mindestens so gut wie der erste.

Allein die letzten drei Kapitel, die den Epilog (Aftermath) bilden, sind entbehrlich: Wir sehen noch einmal Robin und Catwoman in Aktion und einen hilflos brütenden Jean Paul Valley. Man braucht es nicht für den Fortgang der Geschichte, das Nachspiel mit Catwoman ist sogar überflüssig, aber nach einem so aufregenden Pageturner tut etwas Ruhe vielleicht auch gut.

Hinweis: KnightsEnd ist vollständig in dem US-Paperback Knightfall Vol. 3: KnightsEnd enthalten, auf Deutsch bei Panini als Batman: Knightfall – Der Sturz des Dunklen Ritters Bd. 3 (beide 2012), allerdings ohne die beiden letzten Kapitel von Aftermath.

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Superman stirbt (schon wieder)

DC Comics

Titel: The Death of Superman (dt. Der Tod von Superman)

Autor/Zeichner: Dan Jurgens u.a.

Erschienen: 1992-1993 (Superman: The Man of Steel #17-19, Superman #73-75, The Adventures of Superman #496-497, Action Comics #683-684, Justice League of America #69), Paperback 1993, 2016 (New Edition); dt. Panini 2013 (Paperback), Eaglemoss 2015 (Hardcover)


Es kommt aus dem Nichts: Ein unbekanntes Monster (später Doomsday genannt) bricht aus seinem Gefängnis aus und zerstört alles, was sich ihm in den Weg stellt. Zuerst die Justice League. Dann Superman. Beide sterben. Aber natürlich nicht für immer …

Supermans Tod war 1993 ein großer Hype. Allein schon wegen der Symbolkraft. Es war nicht das erste Mal, dass Superman in den Comics starb. Scheintode und echte Tode in Parallelwelten gab es auch schon vorher. Aber hier wurde der Tod in epischer Breite erzählt, samt riesiger Trauerfeier und geheimnisvoller Rückkehr auf Umwegen. Es tauchten vier angebliche Supermänner auf, schließlich kam der echte im schwarzen Kostüm und mit langen Haaren zurück. Insgesamt umfasst die Saga über 1100 Seiten.

Aber die Story, die ich oben so kurz zusammengefasst habe, gibt nicht viel mehr her: Es ist nichts als eine große Prügelei. Ohne Sinn und Verstand. Doomsday ist kein Charakter, sondern reiner Zerstörungstrieb. Sieht schrecklich aus, macht alles platt, ohne Erklärung und Dialog. Die Liga, die nur aus B- und C-Helden besteht (Booster Gold, Blue Beetle, Guy Gardner, Ice, Fire, Bloodwynd) wird gnadenlos fertig gemacht. Der Kampf mit Superman zieht sich durchs halbe Land bis nach Metropolis. Am Ende gibt es nur noch epische Momente mit Splash Pages, die zum Schluss sogar doppelseitig werden.

Tiefere Bedeutung? Message? Jemand, der zwischendrin etwas Sinnvolles zu sagen hätte? Nein, nein, nein. Einfach nur Gekloppe. Reine Funktion: Superman muss sterben, also lässt man ihn gegen einen fast unbesiegbaren Gegner kämpfen. Das ist ermüdend und langweilig. Und auch etwas ärgerlich, wenn sich am Ende dämlicherweise sogar Lois Lane in den Kampf mit der Bestie einmischen will, um Superman zu beschützen.

Trotz ihrer Stumpfheit hat die Story Spuren hinterlassen, Doomsday wurde zu einem wiederkehrenden Gegner. In Superman: Doomsday ging der Kampf weiter (darin wird auch Doomsdays Herkunft erklärt), dann in Reign of Doomsday und schließlich in Superman: Doomed. Auch im Film war die Todes-Story beliebt: 2007 wurde sie – sehr frei – unter dem Titel Superman: Doomsday als Animationsfilm adaptiert, 2016 floss die Grundidee in Batman v Superman: Dawn of Justice ein und in 2018 soll sie erneut zum Zeichentrick werden, The Death of Superman, der sich diesmal treuer an die Vorlage halten soll (abgesehen von der Justice League, die aus Batman, Superman, Green Lantern, Flash, Aquaman und Cyborg besteht).

Der Tod von Superman war nicht der erste Tod eines Superhelden (siehe Crisis on Infinite Earths), aber er hat damit Schule gemacht. Im Laufe der Zeit bekam so ziemlich jeder große Held seine große Todesgeschichte – mit anschließender triumphaler Rückkehr, versteht sich. Auch Batman wurde kurz nach Supermans Tod von Bane gebrochen (Knightfall), 2009 „starb“ er durch Darkseid (Final Crisis). Manchmal ist die Qualität der Geschichte eben nicht so wichtig wie die Symbolkraft, die von ihr ausgeht.

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Supermans Anfänge im Wandel der Zeit

Ausschnitt aus dem Cover von Action Comics #5 (2012, DC Comics)

Wir kennen die Geschichte in- und auswendig. Wie oft hat man es schon gesehen? Wie oft hat das Baby schon den explodierenden Planeten in einer Rakete verlassen und ist auf der Erde gelandet? Wie oft wurde sie schon erzählt, die Entstehungsgeschichte von Superman? Im Comic, im Film, im Fernsehen.  Unzählige Male wurde sie in 80 Jahren erzählt und immer wieder neu interpretiert. Und jedes Mal hat sie sich wenigstens ein wenig verändert, wurde ausgeschmückt und erweitert oder auch wieder reduziert. Aber in ihrer Grundstruktur ist sie gleichgeblieben: Ein Kind wird von einem sterbenden Planeten zur Erde geschickt, wo es Superkräfte entwickelt und zum Helden wird.

Die bekanntesten und populärsten Superhelden-Geschichten sind die über ihre Entstehung. Es sind Geschichten einer Entwicklung, sie handeln vom Erwachsenwerden. Egal welche Unterschiede es gibt, sie verlaufen im Prinzip immer gleich: from zero to hero. Von normal (oder gar defizitär) zu außerordentlich. Es sind Variationen der Heldenreise, der Ur-Geschichte schlechthin. Deshalb sind Ursprungsmythen die wirkmächtigsten Erzählungen unserer Kultur. Wer das nicht glaubt, sollte mal in den Kalender schauen und sich fragen, warum die Woche sieben Tage hat. Weil es so am Anfang der Bibel steht. Jeder kennt diese Mythen, wenn auch nur rudimentär, weil ihre Wirkung bis heute allgegenwärtig ist. Wir wollen wissen, wie alles begann, weil wir der Welt einen Sinn geben wollen. Und so ist die Bibel – genauso wie alle anderen Mythologien – voller Ätiologien, die alle möglichen Phänomene erklären. Und sei es, warum man am Sonntag frei hat. Solche Geschichten sind anschaulicher als Theorien über den Urknall aus dem Nichts, deshalb funktionieren sie immer noch so gut.

Mit dem „Wo kommen wir her?“ ist auch eng die Frage nach dem Ursprung des Schlechten in der Welt (Mühsal, Leid, Krankheit, Tod) bzw. dem Bösen (Lüge, Raub, Mord) verbunden. Nicht ohne Grund handeln die wirksamsten Schöpfungsmythen unserer Kultur auch vom Sündenfall. Was bei Adam und Eva die Frucht vom Baum der Erkenntnis ist, ist in der griechischen Mythologie die Büchse des Pandora. Der Ursprung allen Übels ist aber nicht die Frau, sondern die Neugier, man kann auch sagen der Urtrieb aller Wissenschaft. Und was daraus entsteht, ist besagte Erkenntnis.

Nicht von ungefähr sind Superhelden oft Wissenschaftler (oder stammen – wie Superman – von solchen ab) und Superschurken Mad Scientists, wahnsinnige und böse Wissenschaftler, die mit ihren Erkenntnissen Leid schaffen und an ihrer Hybris zugrunde gehen. Und auch nicht zufällig sind Superhelden-Origins auch oft mit der Entstehung von Superschurken verknüpft. Besonders in Filmen, wo die Erzählökonomie es verlangt, erfahren wir meistens parallel zur Heldengeschichte, wie die Bösen böse wurden – oft in bester Absicht. Aber auch in Comics haben Schurken häufig einen gemeinsamen Ursprung mit den Helden. Lex Luthor ist mit Clark Kent aufgewachsen, General Zod stammt von Krypton, Brainiac hat die kryptonische Stadt Kandor entführt usw.

Und die Bösen sind meist nichts als die Kehrseite der Guten. Man braucht sie als Gegengewicht, nicht nur dramaturgisch, sondern weil zu einer Schöpfungsgeschichte beide Seiten gehören: Gott und die Schlange. Erst dann ist die Welt im Gleichgewicht. Pandora setzt nicht nur Elend und Tod frei, sondern auch die Hoffnung. Der kleine Kal-El in der Rakete ist so ein Hoffnungsträger inmitten von Zerstörung und Tod. Er wird für die Erde zum Heilsbringer, ein Findelkind wie Moses oder eher wie Jesus, der als Sohn eines Übervaters geschickt wurde.

Action Comics #1 (1938)

Bei den Origins der Superhelden geht es zunächst darum, zu erklären, wie sie „super“ geworden sind. Besonders am Anfang, als Superman der Welt vorgestellt wurde, war es wichtig, eine schier unglaubliche Figur glaubwürdig zu machen. Seine Schöpfer, Jerry Siegel und Joe Shuster, hatten jahrelang Schwierigkeiten, eine so fantastische, so abgehobene Figur in Druck zu bekommen. Und als sie dann endlich ihre Chance bekamen, in Action Comics #1 (1938), wurde die erste Seite der Figur zunächst der Entstehung und Erklärung gewidmet, woher dieser blau-rot gekleidete Mann seine Kräfte hatte. Und als wäre die Story nicht genug, wird noch eine (pseudo-)wissenschaftliche Erklärung hinterhergeschoben.

Supermans noch namenloser Planet

In Action Comics #1 ist am Anfang nur die Rede von einem „distant planet“, der wegen seines Alters vernichtet wurde. Wir erfahren keinen Namen und auch sonst nichts über diesen Planeten. Angedeutet sehen wir nur die Illustration: einstürzende Wolkenkratzer und Rauchwolken. Und eine kleine rote Rakete, die aus dem Rauch aufsteigt. Ein Wissenschaftler, heißt es weiter, habe seinen Sohn in ein eilig zusammengebautes Raumschiff gesteckt und Richtung Erde geschossen. Wir sehen den Mann nicht und auch keine Frau. Der ganzen dramatischen Ur-Szene, die Rettung eines Kindes, der Bewahrung von neuem Leben inmitten einer sterbenden Zivilisation, wird nur ein Panel gewidmet – aber damit wird diese neue Serie ihrem Namen durchaus gerecht. Die Geschichte nimmt sich nicht einmal richtig Zeit, den Namen Clark Kent einzuführen, das passiert ganz nebenbei.

Baby mit Sessel

Nächstes Panel: Das Kind wird von einem Autofahrer gefunden und in ein Waisenhaus gebracht. Auch hier sehen wir keine Personen, nur zwei Scheinwerfer, die die Rakete beleuchten. Wir wissen nicht einmal, wo in etwa das Raumschiff gelandet ist. Egal, weiter: Im dritten Panel sehen wir endlich das Kind, das nur eine Windel trägt – und einen roten Sessel. Zwei Menschen sehen zu, einem Mann fällt vor Erstaunen der Zwicker von der Nase.

Clark Kents Kräfte

Im nächsten Panel stecken gleich drei Bilder, die nicht nur einen Zeitsprung machen, sondern auch zeigen, was der mittlerweile zum Mann gewordene Junge kann: Gebäude überspringen, große Gewichte (wie Stahlträger) heben und schneller laufen als ein Expresszug, ein Caption erwähnt noch die Unverwundbarkeit. Dann wird erklärt, dass Clark (der Name fällt erst jetzt) sich entschied, seine Kräfte zum Wohle der Menschheit einzusetzen. Ein Panel später sehen wir endlich Superman in voller Montur: blauer Anzug, rotes Cape, gelbes Wappen auf der Brust. Darunter steht seine Gesinnung: „Champion of the Oppressed“, Held der Unterdrückten, wird er genannt. Damit wird auch klar, dass er nicht einfach nur „den Menschen“ hilft oder einer Elite, sondern denen, die seine Hilfe wirklich brauchen. Edlere Motive kann man sich nicht vorstellen.

Die Erklärung für Supermans Kräfte

Warum er so auffällig herumläuft – kein Wort darüber. Stattdessen werden die zwei letzten Panels dafür aufgewendet, um die Kräfte „wissenschaftlich“ zu erklären: Kent (der Nachname fällt erst jetzt) kommt von einem Planeten, dessen Einwohner einen um Millionen Jahre weiter fortgeschrittenen Körperbau hatten als die Menschen. Interessanterweise werden zum Beleg der Überlegenheit zwei (scheinbar) unterlegene Spezies der Erde gezeigt: Insekten, die das Hundertfache ihres Gewichts tragen und Heuschrecken, die weit springen können.

Die erste Seite von Action Comics lässt uns eine Reise vom Großen ins Kleinste machen: Von einem weit entfernten (und zerstörten) Planeten zur Landung auf der Erde, die Überwindung der Beschränkungen der Erde durch Clark bis hin zum Mikrokosmos der Insekten. Diese Verschiebung des Blickwinkels, die Erstaunen auslösen soll, weckt Verständnis für die Figur, die das für Menschen Unmögliche vollbringt. Und während wir beim Umblättern noch den Grashüpfer springen sehen, springt im nächsten Bild schon Superman mitten in die Handlung hinein. Wir wissen nicht viel, vor allem nicht, wie aus einem Waisenkind ein junger Mann mit hehren Idealen werden konnte, aber wir wissen genug, um den komisch gekleideten Typen, der auf dem Cover ein Auto anhebt, zu akzeptieren.

Superman #1 (1939)

Rakete von Krypton

Ein Jahr später bekommt Superman eine eigene, nach ihm benannte Comicserie. Die erste Ausgabe wäre nicht der Rede wert, weil sie eigentlich nur die ersten vier Hefte von Action Comics wiedergibt, aber ganz am Anfang gibt es sechs neue Seiten. Der einseitige Origin wurde durch einen neuen, zweiseitigen ersetzt. Schon hier gibt es einige Abweichungen zur ersten Fassung: Die Rakete (blau-rot statt rot) ist nicht mehr notdürftig zusammengebaut, sondern wird als „experimental rocket-ship“ bezeichnet. Der Planet bekommt den Namen Krypton, aber wir sehen ihn nur noch in der Ferne explodieren.

Der kleine Clark mit Schrank

Auf der Erde findet nicht ein anonymer Fremder das Kind, sondern das ältere Ehepaar Kent. Sie bringen es in ein Waisenhaus und adoptieren es kurz darauf. Im Waisenhaus trägt der Junge einen kleinen Schrank statt eines Sessels, neben ihm liegt ein zerbrochener Balken. Die Geschichte bekommt Humor, denn der Heimleiter ist froh, dass er den Jungen loswird, bevor er noch die Einrichtung zerlegt.

Lektionen fürs Leben von den Eltern

Die Kents bringen den Jungen im nächsten Panel zwei Lektionen bei: Der Vater schärft ihm ein, seine Kräfte geheimzuhalten, die Mutter widerspricht indirekt, indem sie ihn rät, die Kräfte zum Wohle der Menschheit einzusetzen. Was in Action Comics #1 noch mit bloßem Text gelöst wurde, ist hier nun geerdet in einer Szene, in der die Eltern als Erzieher auf den Jungen einwirken.

„Try again, Doc!“

Die nächste Seite ist den Kräften gewidmet: Clark springt über Wolkenkratzer und Häuserblöcke, hebt ein Auto an (wie schon in Action Comics #1), rennt schneller als ein Zug und ist unverwundbar. Letzteres wird so dargestellt, dass ein Arzt keine Nadel in seine Haut stechen kann. Clark entgegnet lächelnd „Try again, doc!“ und beweist Humor.

Clark am Grab seiner Eltern – und als Superman

Im vorletzten Panel sterben die Kents und Clark fasst den bekannten Entschluss. Letztes Panel: Superman, in der gleichen offensiven Haltung, wird mit dem exakten Wortlaut wie noch vor einem Jahr als „champion of the oppressed“ betitelt.

Zweiter Versuch einer wissenschaftlichen Erklärung für das Unerklärliche

Eine wissenschaftliche Erklärung für die Kräfte fehlt – jedenfalls auf diesen zwei Seiten des Origins. Braucht es auch nicht, denn ein Jahr nach seiner Premiere ist Superman längst etabliert bei den jungen Lesern. Sie wird dennoch an anderer Stelle im Heft nachgereicht, ausgebreitet auf einer ganzen Seite. Wieder lesen wir die gleichen Erklärungen, wieder Ameisen und Grashüpfer, diesmal aber angereichert mit zwei Panels: Eines zeigt eine Stadtkulisse auf Krypton, über die zwei Kryptonier springen, ein anders zeigt den Größenunterschied der Planeten, der die schwächere Gravitation der Erde illustrieren soll. Hier wird ein Widerspruch deutlich. Einerseits wird die körperliche Perfektion der Kryptonier angeführt, andererseits die geringe Erdanziehungskraft. Doch wenn Superman seine Kräfte erst auf der Erde entfalten konnte, warum sehen wir dann Kryptonier über Wolkenkratzer hüpfen?

Superboy (1944)

Superboys erster Auftritt

Zwischen dem kleinen Clark und dem großen Superman gab es in den ersten Jahren eine große Zeitspanne, die nicht erzählt blieb. Da aber das Kind bereits Kräfte hatte und man noch mehr ein junges Publikum ansprechen konnte, wie etwa beim Sidekick Robin, wurde Supermans Karrierebeginn vorverlegt: In seiner Jugend war er schon als Superboy unterwegs.

Leben auf Krypton

Seinen ersten Auftritt hatte der Junge in More Fun Comics #101 (1944, Cover Date 1945). Wieder beginnt die Geschichte ganz am Anfang, diesmal bekommt sie fünf Seiten. Hier erfahren die Leser zum ersten Mal, was sich auf Krypton abgespielt hat. Wir sehen eine hoch entwickelte Zivilisation, wir lernen jetzt auch Supermans leibliche Eltern kennen und erfahren, dass sein Vater Jor-El den Untergang des Planeten kommen sieht, aber niemand ihm glaubt. Erdbeben erschüttern den Planeten, Jor-El will die Kryptonier in Raumschiffen retten, aber Kryptons Politiker wiegeln ab: Erdbeben und Stürme habe es immer gegeben. (Es erinnert ein wenig an die heutigen Leugner des Klimawandels.)

Platz für zwei …

Jor-El ist ein typischer Prophet, der im eigenen Land nicht erhört wird, er ist ein Beinahe-Held der Wissenschaft und Vernunft, der an der Ignoranz scheitert. Dramatische Szenen spielen sich ab: Jor-El will seine Frau mit dem Baby retten, in dem kleinen Raumschiff ist genug Platz für beide, aber Lara will lieber mit ihm sterben. Es stellt sich die Frage, warum eine Mutter freiwillig ihr Kind allein lässt und der Ungewissheit einer Reise durchs Weltall aussetzt. Gerade noch rechtzeitig startet die (gelbe!) Rakete, bevor der Planet explodiert.

Die wissenschaftliche Erklärung für Supermans Kräfte liegt nun in der höheren Gravitationskraft, die auf Krypton wirkt. Und es gibt auch zumindest eine visuelle Andeutung, woher Superman seine Inspiration für sein Kostüm haben könnte: Die männlichen Kryptonier tragen eine Uniform in Primärfarben: Ein blau-rot-geteiltes Oberteil und einen gelben Helm.

Der Fremde und die Kents

Auf der Erde passiert sich eine Mischung der Versionen aus Action Comics #1 und Superman #1: Zwar findet jetzt wieder ein vorbeifahrender Fremder das Kind in der Rakete, wieder sehen wir Clark im Waisenhaus einen roten Sessel heben (mit den zwei erstaunten Zeugen), aber adoptiert wird er dennoch von den Kents. Wir sehen ihn Holzstämme tragen, über eine Scheune springen und schnell laufen. Als ein Mann unter einem Auto eingeklemmt wird, hebt der kleine Clark es hoch (ähnlich wie in Action Comics #1).

Statt Ratschläge von seinen Eltern mitzubekommen, sinniert er selbst, dass er seine Kräfte zwar für gute Zwecke einsetzen, aber diese in seiner zivilen Identität geheimhalten sollte. Clark bekommt sogar ein wenig psychologische Tiefe, seine Superkräfte findet er selbst etwas furchterregend. Daraufhin schneidert er sich selbst ein Kostüm und wird zu Superboy.

The Origin of Superman (1948)

Zehn Jahre nach dem ersten Auftritt (Superman #53, 1948) bekommt die Entstehungsgeschichte noch mehr Raum: Auf zehn Seiten wird noch einmal rekapituliert, wo Superman herkommt und wie er wurde, wer er ist. Die Story beginnt bemerkenswert: Auf dem Cover steht Superman noch lächelnd mit geschwellter Brust da, während hinter ihm seine Rakete durchs Weltall rauscht. Auf Seite eins aber sieht er traurig aus, die Hände über den Kopf geschlagen, während über ihm die Rakete den explodierenden Planeten verlässt. Doch eigenartigerweise sieht man anstelle des Planeten seine leiblichen Eltern lächeln und winken – verkehrte Welt. Denn eigentlich haben Jor-El und Lara keinen Grund zur Freude, auch später in der Geschichte nicht. Und Superman hat keinen Grund zu trauern, denn er bekommt als Kind noch nichts vom Tod seiner Eltern mit.

Auf Seite zwei wird Superman eingeführt, mit all seinen Kräften, also ganz ähnlich wie in den ersten Origins, nur dass hier zuerst die Gegenwart dargestellt wird. „The whole world knows of Superman’s titanic strength!“, heißt es zu Beginn. Was aber Autor Bill Finger nicht davon abhält, dennoch alle Kräfte aufzuzählen. Und es spielt auch keine Rolle, dass Supermans Vorgeschichte bereits erzählt wurde (mindestens dreimal!), er tut einfach so, als ob er die Fragen beantwortet, die Millionen Lesern auf der Seele brennen. Ganz abseitig ist das aber nicht, denn man konnte im Jahr 1948 nicht erwarten, dass die Kinder von damals zehn Jahre alte Superman-Hefte kannten. Hier zeigt sich vielmehr die Notwendigkeit von unendlichen Fortsetzungsgeschichten, hin und wieder den Lesern zu erklären, was bisher geschah – oder in diesem Fall: Wie alles begann.

Wir sehen ähnliche Szenen wie im Superboy-Origin: Es wird gezeigt, wie hoch entwickelt Krypton ist, es gibt die Erklärung mit der Gravitation und die Erdbeben. Allein die Kleidung der Kryptonier ist vielfältiger geworden, trotzdem gibt es wieder Aspekte, die an Superman erinnern: Jeder trägt irgendein Symbol auf der Brust, Jor-El trägt ein gelbes Cape und ein rot-gelbes Ringplaneten-Symbol auf seinen grün-gelben Anzug.

Niemand glaubt Jor-El

Supermans Vater erklärt diesmal ausführlicher, warum Krypton explodieren wird: wegen Uranium im Erdinneren, Krypton ist eine große Atombombe – das versteht im Jahr 1948 jeder Leser. Aber abgesehen davon, dass er ausgelacht wird, will auch schon deswegen keiner zur Erde fliegen, weil die Bewohner so weit mit ihrer Entwicklung zurückliegen. Krypton geht also nicht allein an einer Naturkatastrophe zugrunde, sondern an dem Hochmut seiner Bewohner.

Platz für zwei in der Rakete …

So stirbt eine dekadente Welt: Wie schon in Action Comics #1 und More Fun Comics #101 sehen wir Hochhäuser einstürzen und wie in Superman #1 verlässt die blau-rote Rakete den explodierenden Planeten. Für alle Leser, die sich gefragt haben, was aus der Rakete auf der Erde geworden ist, wird auch eine Erklärung geliefert: sie zerstörte sich selbst.

… Lara bleibt bei ihrem Liebsten.

Der Junge wird von den Kents gefunden, als die Rakete an ihrem Auto vorbeirauscht. Die Kents bekommen Vornamen: John und Mary. Sie bringen das Kind pflichtbewusst ins Waisenhaus gebracht und adoptieren es später.

Die Kents entdecken die Rakete.

Wir sehen aber zunächst, wie das Kind sein Spielzeug zerbricht und sich stattdessen anders vergnügt, indem es einen Arzt anhebt (statt eines Sessels oder Schranks) und sich an eine Deckenlampe hängt. Das zerbrochene Spielzeug kann man durchaus als Symbol lesen: Hier überwindet nicht nur das Kind die (gewöhnliche) Kindheit, die jungen Leser bekommen auch zugleich einen anderen Zeitvertreib vorgeführt. Wer braucht schon Spielzeug, wenn er Supermans aufregende Abenteuer lesen kann?

Clark zerbricht sein Spielzeug und findet neues.

Wir sehen bekannte Episoden aus Supermans Jugend, wie er einen Expresszug überholt und über eine Scheune springt, und eine neue, wie er unter einen Traktor kommt und der Traktor zu Bruch geht und wie er dank Röntgenblick die Brille seiner Mutter findet. Am Ende gibt ihm der Vater auf dem Totenbett die prägenden Ratschläge für sein Leben und Clark beschließt, als beide Eltern tot sind, Reporter zu werden, um mit den Bedürftigen in Kontakt zu bleiben.

Was Superman aber immer noch nicht erfährt, ist, woher er stammt. Auch seine Eltern scheinen kein Wort über die Rakete zu verlieren, die ihn hergebracht hat. Seine kryptonische Herkunft erkennt er ein Jahr später (Superman #61, 1949). Dank einer Zeitreise sieht er endlich selbst, was die Leser längst wissen.

The Story of Superman’s Life (1961)

Superman #146 (DC Comics)

Krypton bleibt ein Thema, das immer wieder ausgeschlachtet wird. Superman kehrt zweimal zu seinem Heimatplaneten zurück. In Superman #146 (1961) wird wieder alles von vorn erzählt, auf dem Cover wird aber (wieder) behauptet, es geschehe zum ersten Mal … Und wenn man es genau nimmt, stimmt das, denn so wurde es natürlich noch nicht erzählt: Jede Version ist anders, auch wenn die typischen Versatzstücke gleich sind.

Schon auf dem Cover wird ein wichtiger Unterschied klar: Kal-El ist kein Baby mehr, als er in die Rakete gesteckt wird. Er kann bereits sprechen. Und er trägt schon ein blaues Oberteil mit roter Unterhose und gelbem Gürtel – was bereits spätere Stilentscheidungen vorwegnimmt. (Was impliziert, dass er im Grunde nur ein Kind im Strampelanzug bleibt.) Auf der ersten Seite sehen wir wieder eine Montage wie schon in Superman #53, nur dass Lara diesmal weint, während sie der startenden Rakete zuwinkt, Jor-El hält sie im Arm. Wieder werden zunächst die Kräfte rekapituliert, von denen angeblich die ganze Welt Bescheid weiß. Und es wird einfallsloserweise sogar genauso inszeniert wie 1948: Superman hebt einen Bus an, eine Atomrakete prallt an ihm ab (vorher war es eine Kanonenkugel), er verhindert ein Verbrechen mit Röntgenblick (und benutzt seinen Hitzeblick), er bekämpft Luthors Roboter und baut Häuser für die Armen.

Alltag auf Krypton

Krypton (diesmal mit roter Sonne) wird weiter ausgeschmückt: Mit einem Wetterkontrollturm, der Smog wegblasen kann, mit exotischen Tieren und Robotern für die Hausarbeit. Jor-El (der immer noch Grün trägt, aber jetzt eine gelbe Sonne auf der Brust) erzählt seinen Wissenschatler-Kollegen von der Atombombe im Planetenkern, wird aber ausgelacht. Die Wissenschaft glaubt an eine kosmische Uhr, die für „endlose Jahre“ Sicherheit vorhersagt. Jor-Els Expertise wird abgetan, er habe zu viele Science-Fiction-Geschichten gelesen, heißt es. (Eine seltsame Selbstreferenzialität: Wie Science-Fiction wohl in einer Welt aussieht, die wahrgewordene Science-Fiction lebt?) Er wird von einem Roboter abgeführt, während er von Weltraum-Archen spricht. (Offenbar hat man auch auf Krypton schon von Noah gehört.) Die technikgläubige Welt geht daran zugrunde, dass sie nicht mehr auf die Vernunft ihrer Einwohner vertraut. Die Zivilisation hat mit ihrer Überheblichkeit ihren Zenit erreicht und muss daher untergehen.

Jor-El wird abgeführt

Der Einzige, der Jor-El glaubt, ist sein Bruder Zor-El, Vater des späteren Supergirl. Jor-El testet seine Rakete zuerst mit dem Hund Krypto. Doch obwohl die Rakete mit dem Hund vom Kurs abdriftet, steckt er seinen Sohn dennoch in eine weitere Rakete. Platz für zwei ist da nicht mehr … Während Krypton explodiert, wird Kryptonit freigesetzt, was für Supermans späteres Leid und Todesgefahr steht.

Kal-El wird aus der Rakete geschleudert, bevor sie explodiert.

Kaum auf der Erde gelandet, wird das Kind aus der Rakete geschleudert, dann explodiert sie. Kal-El bleibt unversehrt, aber Jor-El hat das – anders als zuvor – nicht vorhergesehen. Die Kents (die bereits Jonathan und Martha heißen) legen das Kind vor dem Waisenhaus ab, um es später zu adoptieren. Aber im Waisenhaus fällt seine Stärke noch nicht auf – wieder ein Unterschied zu früher. Dafür darf er bei seinen neuen Eltern sein Potenzial ausschöpfen: Er reißt einen Baumstumpf aus, überlebt den Angriff eines Stiers, bläst ein Feuer aus, macht aus Kohle Diamanten etc. Weil seine Kleidung zerstört wird, machen ihm die Kents neue aus den unzerstörbaren Stoffen, die in der Rakete lagen. Clark assistiert mit Röntgen-Hitzeblick.

Aus dem gleichen Stoff näht Martha das Superboy-Kostüm.  Sechs Seiten werden dem jugendlichen Helden gewidmet. So ziemlich alles wird erklärt, was später eine Rolle spielen wird: Krypto, Krypton und Kryptonit. Die Eltern sterben. Wieder gibt der Vater dem Sohn den letzten Rat – aber der ist überflüssig angesichts all der guten Taten, die Superboy bereits vollbracht hat. Wieder steht Clark am Grab. Smallville nimmt Abschied von Superboy, der zu Superman wird.

The Man of Steel (1986)

DC Comics

Nach der Crisis on Infinite Earths, als das DC-Multiversum zusammenbrach und mehrere Erden zu einer neuen fusionierten, starteten alle Helden von vorn. Batman bekam sein Year One, Superman sein The Man of Steel. John Byrne erzählt in der sechsteiligen Miniserie wieder alles neu. Und diesmal ist sehr vieles anders.

Jor-El mit seinem ungeborenen Sohn

Krypton wird heimgesucht von einer grünen Strahlung aus dem Erdinneren, die Bewohner werden von einer Seuche dahingerafft, die Explosion des Planeten steht bevor. Jor-El ist kein unerhörter Prophet mehr, es gibt keine wissenschaftliche Diskussion, sondern nur noch eine mit seiner Frau Lara, die zuerst skeptisch ist, sich dann aber überzeugen lässt. Krypton ist eine sterile Welt, in der die Bewohner sich nicht mehr sexuell fortpflanzen, sondern künstlich. Jor-El schickt kein Baby durchs All, sondern einen Fötus, der erst auf der Erde geboren wird. Lara ist abgestoßen von der Barbarei der Menschen, aber sieht die Notwendigkeit ein, ihr Kind zu retten. Jor-El sieht Kal-Els Fähigkeiten voraus, die durch die gelbe Sonne hervorgerufen werden.

John Byrne fügt in seinem Sechsteiler vieles zum Origin hinzu. Den Umweg übers Waisenhaus lässt er aber weg. Die Kents tun so, als wäre Clark ihr leibliches Kind. Es gibt wieder die Szene mit dem Stier. Jonathan Kent zeigt dem jugendlichen Clark die Rakete, mit der er gekommen ist. Später erscheinen ihm auch seine leiblichen Eltern als Projektionen, die ihn mit Wissen um die alte Heimat speisen. Wichtig: Ma und Pa Kent werden verjüngt und bleiben dadurch am Leben, als Superman erwachsen ist. Sie sehen, was aus ihm wird – und bleiben emotionale Bezugspunkte in Smallville. Das Konzept von Superboy ist in der Crisis draufgegangen, Clark entwickelt seine Kräfte erst allmählich. Die Jugend von Clark wird in der späteren Miniserie Superman for All Seasons (1998) ausführlich erzählt.

Fast zwei Jahrzehnte lang bleibt The Man of Steel der maßgebliche Superman-Origin.

Neues Jahrtausend, neue Origins

Das 21. Jahrhundert ist voller Superman-Neuanfänge: In den Comics gibt es Birthright (2004), dann Secret Origin (2009), abseits der Continuity erscheinen die Elseworlds-Story Secret Identity (2004) und Earth One (2010). Nach dem Flashpoint-Event wird das DC-Universum wieder auf Null gesetzt. Im Zuge des Reboots von The New 52 (2011) bekommt auch die Traditionsserie Action Comics eine neue Nummer 1 (nur um fünf Jahre später wieder zur alten Zählung zurückzukehren) und Superman einen neuen Origin. Zuletzt widmete sich die Miniserie American Alien erneut den Anfängen.

Und dann gibt es noch Film und Fernsehen: Das neue Jahrtausend begann mit der TV-Serie Smallville, die das Superboy-Thema auf zehn Staffeln streckte (und das noch in die Comics fortgesetzt wurde), bis hin zu dem Film-Reboot Man of Steel (2012). Nach dem Vorbild von Gotham ist im März 2018 eine Fernsehserie namens Krypton gestartet, eine Serie namens Metropolis ist in Arbeit.

Die unendliche Geschichte geht weiter. Immer wieder von vorn.

Mehr zum Thema:

Green Lantern: Earth One Vol. 1

DC Comics

Deutscher Titel: Green Lantern: Erde Eins

Autor/Zeichner: Gabriel Hardman, Corinna Bechko/Gabriel Hardmann

Erschienen: 2018 (One-shot)


Nachdem Superman, Batman und Wonder Woman auf Erde eins ein neues Zuhause gefunden haben, ist jetzt auch Green Lantern dran – mit einer neuen Entstehungsgeschichte. Harold Jordan ist hier kein draufgängerischer Testpilot, der von einem sterbenden Green Lantern zum Nachfolger auserkoren wird. Er ist Raumfahrer, aber als solcher nicht mehr als ein gewöhnlicher Arbeiter, wenn auch im Weltall. Für ein Unternehmen macht er im Asteoridengürtel neue Quellen für Rohstoffe ausfindig. Mit der Erde hat er abgeschlossen, er will zu den Sternen.

Auf einem dieser Felsbrocken entdeckt er ein altes Raumschiffwrack, in dem ein toter Green Lantern liegt, gleich neben einem scheinbar abgeschalteten Roboter, der sich später als Manhunter herausstellt. Jordan nimmt sich Ring und Laterne, als beides aktiviert wird, wird das Raumschiff von der Energie zerrissen und ein Kollege stirbt im All, während Hal von der grünen Energie geschützt wird. Der Manhunter greift an, Harold besiegt ihn und trifft auf den Green Lantern Kilowog, der ihm erklärt, was es mit dem Ring auf sich hat.

Das Green Lantern Corps ist zerstört, die meisten tot, ermordet von den Manhuntern. Der Rest hält sich bedeckt. Jordan trifft andere, die ihm noch mehr erzählen und es stellt sich heraus, dass die Wächter hinter der ganzen Misere stecken …

Green Lantern: Earth One ist ein frischer Zugang zu einem alten Stoff, der sich auch für Nicht-Green-Lantern-Fans flüssig wegliest und kein Vorwissen erfordert. Die ausdrucksstarken Zeichnungen haben einen „schmutzigen“ Look, der an Filme wie Alien denken lässt. Überhaupt ist diese Welt eine ziemlich düstere voller desillusionierter und verdorbener Charaktere, es gibt Sklaverei und ein Leben ist in diesem Universum nicht viel wert.

Das ist zwar alles ein starker Stoff, aber bei all dem bleibt leider der Held auf der Strecke: Harold Jordan trägt zwar keine Maske, aber dennoch bleibt er als Charakter oberflächlich. Wir erfahren nicht viel über ihn und sein Innenleben. Eigentlich müsste das Abenteuer großen Eindruck bei ihm hinterlassen, die Space Odyssey müsste ihn stark mitnehmen, aber er fügt sich schnell in seine neue Rolle als Superheld ein und macht einfach tapfer mit. Die rasante Handlung geht leider zulasten der Tiefe, dafür kommt man einem Nebencharakter wie Kilowog etwas näher. Wer Jordan ist? Das wird wohl in der Fortsetzung näher ausgeführt werden, denn darauf ist der erste Band ganz klar angelegt.

>> Green-Lantern-Comics

Knightfall #8: Knightquest – The Search

Wenn Jean-Paul Valley der neue Batman ist: Was macht eigentlich Bruce Wayne? Der sitzt im Rollstuhl – und ist sehr mobil. Da vor seinen Augen Jack Drake (Vater von Robin Tim Drake) und dessen Ärztin Shondra Kinsolving entführt worden sind, macht er sich zusammen mit Alfred auf, sie wiederzufinden. Die erste Station führt sie nach Santa Prisca, der Heimat von Bane. Dort sucht sich Bruce wegen seines Rückenleidens Unterstützung dreier Helden: Bronze Tyger, Gypsy und Green Arrow. Aber der Einsatz geht schief – und die Entführer entkommen.

Die Jagd führt nach England. Aber nur für Bruce und Alfred. Weil die anderen nicht mitkommen (warum eigentlich nicht?), sucht Bruce Hilfe bei Hood, dem Vigilanten von London. Der stiehlt für ihn eine Akte über den Entführer, Benedict Asp. Aber danach versucht Bruce wieder sein Glück allein, inkognito als reicher Edelmann – obwohl er kaum stehen kann. Wir erfahren, dass Asp und Shondra zusammen telepathische Kräfte haben, mit denen sie heilen oder töten können. Asp zwingt Shondra zu einem Massenmord an einem ganzen Dorf. Immerhin wird Jack Drake in Sicherheit gebracht. Er war nur das Druckmittel, um Shondra zu erpressen.

Jean Paul Valley mischt als Batman mit.

Dritte Station: Gotham. Asp erpresst den Präsidenten. Will Bruce Wayne töten. Bruce ist plötzlich verliebt in seine Ärztin. Will sie retten. Alfred hat keine Lust mehr und verlässt ihn (aber putzt noch einmal Wayne Manor, um der guten Zeiten Willen). Am Ende kann Bruce Shondra zwar retten und sich von ihr heilen lassen, aber die Liebe geht schief. Alles beim Alten. Und Bruce hat in all der Zeit nicht mitbekommen, was in Gotham mit Aushilfs-Batman Jean Paul Valley vor sich geht. Erst am Ende (in Robin #7) realisiert er die Gefahr und will JP absetzen. Der aber weigert sich.

Es bleiben Fragen offen: Warum holt sich Bruce Wayne nicht weitere Hilfe für seine Rettungsmission? Warum darf Robin nicht mitkommen, um seinen Vater zu retten (vor allem, wenn er in Gotham überflüssig ist)? Warum strapaziert er seinen Rücken immer mehr und verhindert seine Genesung? Die Antwort steht zwischen den Zeilen und kann nur lauten: Weil Bruce Wayne auch noch als Krüppel und ohne Fledermauskostüm Batman ist. Dennoch bleibt die Frage: Warum hat ihn Dr. Kinsolving nicht schon in Gotham geheilt?

Trotz erheblicher Lücken im Plot liest sich die achtteilige Story flüssiger und kurzweiliger als der überstrapazierte Jean-Paul-Valley-Teil The Crusade. Auch wenn Bruce Waynes entbrannte Liebe bemüht wirkt, ist die emotionale Bindung zwischen ihr und Asp durch eine gemeinsame, tragische Kindheit in einer typischen Melodramatik immerhin so gut ausgearbeitet, dass die Geschichte einen nicht kalt lässt. Aber dass die Heilung schließlich nur ganz nebenbei in einem kleinen Panel erledigt wird, ist angesichts des groß angelegten und höchst traumatischen Knightfalls enttäuschend. Von Bane ist leider nicht mehr die Rede.

The Search ist bisher nur im Knightfall Omnibus Vol. 2 erschienen und soll im November als Paperback herauskommen. Die Einzelausgaben gibt es digital bei Comixology: Justice League Task Force #5-6, Shadow of the Bat #21-23 (auch im Sammelband Shadow of the Bat Vol. 2), Legends of the Dark Knight #59-61. Das letzte Kapitel, Robin #7, findet sich im Paperback Knightfall Vol. 2: Knightquest (2012). Eine deutsche Ausgabe fehlt.

Mehr zu Knightfall:

Frank Miller schreibt Carrie Kelley-Comic

DC Comics

Frank Miller kann’s nicht lassen. Nach dem dritten Teil seines Dark Knight und dem Prequel The Last Crusade, die er zusammen mit Brian Azzarello schrieb, kommt nun noch ein Spin-off: ein Comic über Carrie Kelley. Die junge Frau war der erste weibliche Robin, im zweiten Teil als Catgirl unterwegs, schließlich wurde sie sogar Batgirl. Miller schreibt eine Story, die für junge Leser geeignet sein soll, Ben Caldwell (PREZ) zeichnet die „Graphic Novel“. Zur Handlung und Veröffentlichtung ist noch nichts bekannt.

Zusammen mit dem bereits angekündigten Superman: Year One soll Miller insgesamt fünf neue Projekte für DC realisieren. Welche die anderen sind, ist noch offen. DC gibt Informationen wie immer nur tröpfchenweise heraus, damit jede einzelne Pressemitteilung stärkeres Gewicht bekommt.

Eine Vorschau auf Superman: Year One (gezeichnet von John Romita Jr.) gibt es hier.

 

Luthor zeigt Superman seinen Jurassic Park

DC Comics

Titel: Superman versus Luthor/Luthor’s Undersea City

Autor/Zeichner: Jerry Siegel/Paul Cassidy

Erschienen: 1940 (Superman #4), Paperback 2016 (Superman: The Golden Age Vol. 2)


Der glatzköpfige Kerl auf dem Cover sieht aus wie ein alter Bekannter. Aber nein, es ist nicht Lex Luthor, der vor den zusammenfallenden Säulen davonläuft. Und auch wenn das Bild an den biblischen Samson erinnert: Es ist nicht Superman, der da einen Tempel einreißt. Die Story geht ganz anders. Aber am Ende läuft es dennoch darauf hinaus, dass Luthor die Flucht ergreift.

Die Story geht so: Zum ersten Mal in der Geschichte von Metropolis erschüttert ein Erdbeben die Stadt. Häuser fallen in sich zusammen. Offenbar aber nicht das Gebäude, in dem der Daily Planet (der hier umbenannte „Daily Star“) untergebracht ist. Clark soll eine Story darüber schreiben (seltsam, dass man das einem Reporter im Katastrophenfall, einer Breaking News-Lage, noch sagen muss). Erst dann kommt er auf die Idee, sich als Superman nützlich zu machen und Menschen zu retten.

Anschließend findet er heraus, dass das Beben von einer neuen Waffe der Armee verursacht wurde, die während eines Tests über die Stränge schlug. Clark will den Erfinder interviewen, aber der schlägt ihn bewusstlos und wirft ihn aus dem Fenster. Lösung: Es ist nicht der Erfinder, sondern einer von Luthors Schergen – der echte Wissenschaftler ist entführt. Als aus Clark Superman wird, will ihn Luthor mit einer Bombe erledigen, was natürlich fehlschlägt.

Superman beeindruckt Luthor.

Daraufhin bietet ihm Luthor, dessen Gesicht plötzlich auf einem Baumstamm erscheint, einen Wettbewerb an. Wenn seine Erfindungen Superman besiegen, muss Superman den Weg für Luthor freimachen. Superman sagt zu, ohne dass bei dem Deal für ihn herausspringt. So rennt Superman schneller als Luthors Flugzeuge, springt höher als sie, stemmt selbst die schwersten Gewichte und überlebt Granaten, Kanonenkugeln und Giftgas.

Luthor ist tief beeindruckt. Offenbar hat er vergessen, dass selbst die grünen Strahlen, die er kurz zuvor in Action Comics #23 verschossen hat, Superman nichts anhaben konnten und der Held sogar seine fliegende Festung zu Fall gebracht hat. Luthor kapituliert, lässt den entführten Wissenschaftler frei und haut ab. Superman folgt ihm zu seinem Versteck, muss einen Steinschlag und Wölfe abwehren, schließlich vernichtet er das Versteck und die Beben-Maschine – und Luthor ist spurlos verschwunden (wie schon sein Vorgänger Ultra-Humanite).

Luthor erscheint auf einer Rakete.

Doch schon in der nächsten Geschichte kehrt er zurück. Diesmal noch größer: mit einer Unterwasserstadt, Dinosauriern und einer Riesenratte. Wieder beginnt es mit einem ungewöhnlichen Naturphänomen: weltweit versiegen die Ölquellen. Als Superman rennt Clark nach Oklahoma. Eine Rakete verfolgt ihn, Luthors Gesicht erscheint darauf und warnt ihn, sich um seinen Kram zu kümmern. Aber wie kann Luthor wissen, wo Superman hin will? Woher weiß er überhaupt, wo Superman ist?

Superman vs. T-Rex: Ist das schon Tierquälerei?

Wie dem auch sei: Lois Lane kommt dazu, damit Superman jemanden zum Retten hat. Lois und Clark werden entführt, Clark befreit sie, man fliegt  zu Luthors Unterwasserstadt, die aus dem Meer auftaucht. Superman rettet Lois vor einem Flugsaurier und besagter Riesenratte, dann erklärt ihm Luthor alles in Ruhe, prahlt mit seinem Jurassic Park und bietet ihm wieder einen Deal an: Wenn Superman sich ihm anschließt, wird er bei der Unterwerfung der Welt gnädiger sein. Superman denkt drüber nach.

Superman denkt über Luthors Angebot nach.

Doch als kurz darauf Lois in einen Säuretank geworfen werden soll, ist die Bedenkzeit vorbei: Superman wirft einen Handlanger in die Säure (noch ein Toter), prügelt sich mit einem Tyrannosaurus Rex, weil Luthor das so will, am Ende fallen aber die Dinos über Luthor her, während die Armee Gasbomben über ihm abwirft.

Superman rettet Lois vor der Säure.

Bemerkenswert: Zuerst beeindruckt Superman Luthor, dann versucht Luthor Superman zu beeindrucken, um ihn auf seine Seite zu ziehen. Luthor will Supermans Anerkennung, aber er hat keine Chance. Trotzdem versucht er es. Und trotzdem spielt Superman mit. Man fragt sich aber die ganze Zeit: Warum zum Teufel macht er das? Warum packt er sich den Rotschopf nicht einfach, wie er es auch mit anderen Verbrechern macht, und liefert ihn bei der Polizei ab? Die Antwort kann man sich denken: Weil Luthor immer eine Chance braucht, um wiederzukehren.

Luthors Unterwasserstadt taucht auf.

Die Comics des Golden Age scherten sich nicht um Glaubwürdigkeit. Ihre Sache war es, das Unglaubliche darzustellen. Gerade am Anfang musste man Superman ständig Gelegenheit geben, sich als der weit Überlegene zu behaupten. Deshalb zerlegt er alles, was sich ihm in den Weg stellt mit Leichtigkeit und lässt keinen Kampf aus. Für Superman ist alles nur ein Spiel. Und in Luthor hat er einen besonderen Spielkameraden gefunden, einer der zumindest vom Anspruch her auf Augenhöhe mit ihm ist.

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