Warum Superman Kanadier sein müsste

DC Comics

DC Comics

Titel: Superman – Secret Identity (dt. Geheimidentität)

Autor/Zeichner: Kurt Busiek/Stuart Immonen

Erschienen: 2004 (Mini-Serie #1-4), Paperback 2004, Deluxe Edition 2016; dt. Panini 2004 (Paperback)


„Life is good.“

„I think I’m supposed to worry too much.“ (Clark Kent)

Der Junge aus Kansas heißt Clark, aber nur weil seine Eltern Kent mit Nachnamen heißen und sich einen Spaß erlaubt haben. Denn Clark lebt in einer Welt, in der es bereits einen Superman gibt – in Comics. Er ist ein normaler Junge, bis auf die Tatsache, dass er in seiner Freizeit gerne in einem Traktor auf einer Schreibmaschine Tagebuch führt. Eines Tages kann er plötzlich fliegen. Und auch andere Superkräfte treten hervor, wie bei Superman. Clark tut, was man eben so mit solchen Kräften tut: Gutes. Bald auch im passenden Kostüm. Die Presse wird auf ihn aufmerksam, er vertraut sich einer Reporterin an, bewahrt jedoch seine Geheimidentität, sie hintergeht ihn und inszeniert schließlich Notfälle, um ihn aus der Reserve zu locken.

Was vielversprechend beginnt, läuft schnell auf das Übliche hinaus, was hochgelobte Superman-Storys ausmacht. Auch wenn Secret Identity einen alternativen Zugang zu dem Stoff versucht, indem sie einen normalen Jungen aus unserer Welt zu Superman werden lässt, stellt sich bald gepflegte Langeweile ein. Denn solche Superman-Comics sind meist Idyllen. Sie stecken voller Harmonie und Familienglück, alle Probleme lösen sich fast von selbst in Wohlgefallen auf.

Auch die Welt von Secret Identity ist eine, in der es am Weihnachtsmorgen schneit, in der Clark schon als junger Reporter einen Buchvertrag nachgeworfen bekommt und nicht nur Bestseller-Autor wird, sondern auch Standard-Werke zu allen möglichen Themen herausbringt. Da gibt es zwar die böse US-Regierung, die ihn verfolgt und einmal sogar in einem düsteren Labor festhält, aber auch das ist ein Konflikt, der schnell in einem Kompromiss beendet wird. Und selbst seine Familie mit seinen beiden Zwillingstöchtern wird perfekt. Am Ende ist das einzige Problem, das sich Clark stellt, ob er sie auf ihre geheimgehaltenen Superkräfte ansprechen soll. Solche Probleme hätte bestimmt jeder mal gerne, der wirklich in dieser Welt lebt …

Keine Frage: Secret Identity ist von Kurt Busiek weitegehend meisterhaft erzählt (auch wenn er am Ende in Gemeinplätze abdriftet) und prächtig von Stuart Immonen gezeichnet (hätte nicht gedacht, dass ich das mal schreiben werde). Aber an dem 200-Seiten-Comic haftet der Makel, doch nur das Superman-Klischee zu bedienen. Superman mag ur-amerikanisch sein, die Verkörperung des amerikanischen Traums. Aber es ist eben ein nie zu erreichendes Ideal. Während Batman die düstere Seite Amerikas zeigt, mit seinen Abgehängten, Verbrechern und Gestörten, steht Superman für ein romantisches Amerika, das es wohl nie gegeben hat. Man kann sagen: Batman ist USA, aber Superman ist eigentlich wie Kanada. Schön, nett, fast perfekt – aber verdammt öde.

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