One-shot

The Show Must Go On

DC Comics

DC Comics

Titel: The Joker’s Mild!

Autor/Zeichner: Arvid Nelson/Alex Sanchez

Erschienen: 2008 (Joker’s Asylum: The Joker), dt. Panini 2009 (Sonderband DC Premium)


„So, who’s the real sicko, America?“ (Joker)

Erinnern wir uns, als der Joker das letzte Mal im Fernsehen auftrat? Es endete im Massenmord: das ganze Publikum wurde vergast. Über 20 Jahre später kündigt der Joker in einem One-shot einen „Gleeful Game Show Genocide“ an – aber dann ist doch alles ganz anders. Der Joker kapert eine Quiz-Show und zwingt die Kandidaten, absurd schwere Fragen zu beantworten. Wer falsch antwortet, stirbt vor laufenden Kameras. Die Produzenten könnten den Stecker ziehen. Tun sie aber nicht. Wegen der Quote.

Das Ganze erinnert an Sidney Lumets fantastische Medien-Satire Network (1976). Und in eine ähnliche Richtung geht auch diese Joker-Story: denn der Mörder mordet hier nicht. Er macht sich bloß einen Spaß aus der Angst – und wie der Sender daraus Profit schlägt. Am Ende stellt er die Frage, wer die wahren Kranken sind: der irre Clown, die Produzenten oder das hirnlose Publikum.

Der Joker tritt in seiner Funktion als Narr auf, der eine unangenehme Wahrheit anspricht, indem er sein Publikum vorführt. Seine Show besteht darin, ein Statement zu machen. Die Pointe geht auf Kosten der Zuschauer – und der Joker lacht zuletzt. Gut gemacht, wären da nicht die sperrigen Zeichnungen mit ihrem unruhigen Strich. Aber Fans werden darin Reminiszenzen an bisherige Joker-Inkarnationen erkennen.

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Weihnachtswundertüte

DC Comics

DC Comics

Titel: DC Rebirth Holiday Special

Autor/Zeichner: diverse

Erschienen: 2016 (One-shot)


Seien wir ehrlich: Am Jahresende stresst man sich ab, damit Weihnachten etwas Besonderes wird – und nicht einfach nur Kommerzscheiße. Aber dann läuft es doch immer auf das Gleiche hinaus: Kommerzscheiße. Davor sind selbst Superhelden nicht sicher. Bevor Superman und Batman gemeinsam mit ihren Söhnen Weihnachten feiern können, muss Superman zunächst den Arnold Schwarzenegger geben, der wie im Film „Versprochen ist versprochen“ nach einem nahezu ausverkauftem Wunschgeschenk für seinen Sohn suchen muss. Nicht einmal mit Supergeschwindigkeit ist das Spiel zu bekommen. Am Ende bekommt er es natürlich doch und die Moral von der Geschicht ist, dass die Kinder zusammen spielen. Es geht nicht um Konsum, sondern um Freundschaft.

Wer’s glaubt.

Denn statt seine Leser zu beschenken, lässt DC sie einen stolzen Zehner latzen, um zu lesen, wie ihre Lieblingshelden Weihnachten feiern. Oder Hanukka. Oder die Wintersonnenwende. In einer Pseudo-Rahmenhandlung mit Harley Quinn eingebettet, werden möglichst viele Kurzgeschichten mit möglichst vielen Helden reingepackt, ganz nach dem Prinzip: Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen.

Wie man an Anthologien wie Batman: Black and White sehen kann, können Kurzgeschichten kleine Meisterwerke der Verdichtung sein. Aber das DC Rebirth Holiday Special ist bloß eine Weihnachtswundertüte an Banalitäten. Batman spielt Detektiv mit einem Schimpansen (!), um dem Weihnachtsmann ein Rentier wiederzubeschaffen. Der Superhund Krypto bekommt ein Halsband aus Supermans Gürtel. Constantine und Wonder Woman stören einen Hexensabatt. Flash verteilt Geschenke an Waisenkinder. Und so geht es weiter mit Batwoman, den Titans und Green Lanterns.

Mäßig einfallsreich, mäßig lustig, aber immerhin durchgehend solide bis prächtig gezeichnet.

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Superman: Olle Kamellen auf neuer Erde

DC Comics

DC Comics

Titel: Superman Earth One Vol. 1

Autor/Zeichner: J. Michael Straczynski/Shane Davis

Erschienen: 2010 (One-shot), dt. Panini 2012


„That you can do it doesn’t mean it’s right for you.“ (Martha Kent)

Nach Birthright und Secret Origin kommt mit Earth One der dritte Versuch innerhalb weniger Jahre, Supermans Ursprungsgeschichte neu zu erzählen (Grant Morrison machte ein Jahr später einen vierten). J. Michael Straczynski beginnt mit der Ankunft des jungen Clark Kent in Metropolis. Ein nachdenklicher junger Mann, der lieber mit dem Zug fährt obwohl er fliegen könnte und der nicht weiß, was er mit seinem Leben und vor allem mit seinen Fähigkeiten machen soll. Also probiert er vieles aus und erweist sich als Wunderkind in allen Disziplinen: vom Sport zur Wissenschaft. Doch er schlägt alle Angebote, reich und berühmt zu werden, aus. Schließlich wird er Reporter – und das obwohl er gerade da nur Durchschnitt zu sein scheint.

So viel zum Menschlichen. Den größten Teil des ersten Bandes macht jedoch eine Invasion aus: Böse Aliens von Kryptons verfeindetem Nachbarplaneten fallen über Erde eins her, um den letzten Kryptonier zu vernichten. Inspiriert vom Reporter-Mut von Jimmy Olson und Lois Lane steigt Clark in das Kostüm, das ihm seine Ziehmutter aus kryptonischem Stoff genäht hat, und rettet als Superman erstmals die Welt.

Viel mehr zu erzählen gibt es nicht, denn so simpel ist die Geschichte. Und leider bietet sie auch nicht viel mehr. So grüblerisch sie das Sensibelchen Clark Kent einführt, so oberflächlich handelt sie den Action-Teil ab. Der noch unerfahrene Superman tut sich nicht allzuschwer mit der riesigen Übermacht. Vor diesem Hintergrund erscheint alle Mühe, Clark Kent menschlich darzustellen, vergeblich, wenn er schließlich doch nur der Übermensch ist. Dazu passen dann auch die sauberen und sehr glatten Zeichnungen von Shane Davis. Der größere Reiz des Bandes mag im Visuellen liegen, einen tieferen Eindruck hinterlässt es jedoch auch nicht.

Einzige nennenswerte Neuerung im Origin: Krypton wurde nicht durch eine Naturkatastrophe vernichtet, sondern von Feinden mutwillig zerstört. Und hinter den Feinden stecken noch ganz andere, unbekannte Schurken … Supermans Aufgabe ist fortan also nicht nur, das Gute auf Erden zu tun, sondern auch seine alte Heimat zu rächen. Fortsetzung folgt. Zur Verteidigung kann man sagen: das ist bloß der Auftakt gewesen. Steigerungsfähig.

Superman Earth One erinnert zuweilen sehr an den zwei Jahre später erschienenen Film Man of Steel. Und es hinterlässt auch ein ähnlich zwiespältiges Gefühl.

>> Zu Batman: Earth One

Inspiration im Eskapismus

Vertigo

Vertigo

Titel: Dark Night – A True Batman Story

Autor/Zeichner: Paul Dini/Eduardo Risso

Erschienen: 2016 (One-shot)


„This is not the kind of story I’m known for (…)“ (Paul Dini)

„The feel-good story of the year!“ (Joker)

Ein Mann läuft nachts die Straße lang. Da kommen zwei finstere Gestalten auf ihn zu. Sofort wird klar, dass sie nichts Gutes im Sinn haben: Der eine hält den Mann fest, der andere schlägt dem Opfer ins Gesicht. Plötzlich taucht Batman auf, die beiden Angreifer erschrecken und laufen weg, steigen ins Auto und fahren los. Doch mit einem Sprung tritt Batman ihre Windschutzscheibe ein, greift sich die beiden und jagt ihnen einen Schrecken ein, den sie nie vergessen werden. Ende der Geschichte.

Doch das ist nicht die Geschichte, die hier erzählt wird. In dieser Geschichte fehlt der Dunkle Ritter wie das K in Dark Knight, daher ist es nur eine „Dark Night“, die der Held erlebt: Ein einfacher Mann wird grundlos zusammengeschlagen, ein Teil seines Schädels zertrümmert, er wird ausgeraubt, schließlich wird ihm der Tod angedroht. Niemand kommt zur Hilfe und obwohl die Angreifer herumschreien, ruft keiner die Polizei. Und als die Ordnungshüter kommen, nehmen sie weder großen Anteil noch geben sie sich viel Mühe, den Fall aufzulösen.

Sinnkrise eines Autors

Passiert ist diese Geschichte Paul Dini im Jahr 1993. Dini hat damals Karriere als Autor für Batman: The Animated Series gemacht und war gerade dabei, am Drehbuch für den animierten Kinofilm Mask of the Phantasm (dt. Batman und das Phantom) mitzuschreiben. In Dark Night erzählt er erstmals von dem Vorfall und der Sinnkrise, in die er gestürzt ist. Erfolgreich, aber einsam, begann er zu trinken und sich zu isolieren. Seine Arbeit litt: „Somehow writing about Batman seems real pointless right now“, sagt er einmal. Das Besondere: Im Comic trägt er diesen Konflikt im Dialog mit den Figuren aus, mit denen er hadert, nämlich mit Batman, Joker und anderen Schurken, die ihm als imaginäre Gesprächspartner erscheinen.

Vor allem Batman, sonst der Retter in Not, auf den Verlass zu sein scheint, hat ihm nicht helfen können – nicht einmal als Vorbild: „You are the unrealistic, unattainable extension of a child’s power fantasy“, sagt Dini zu seinem Jugendhelden, während er dabei ist, sich eine Waffe zu kaufen. Batman und die Schurken gehen hart mit ihm ins Gericht, sie werfen ihm vor, er verschwende sein Leben. Schließlich bekommt Dini seine Motivation durch das Gespräch mit einem Fan zurück, der dem Autor seine Bedeutung und sein Glück verdeutlicht.

Batmans Daseinsberechtigung

Paul Dini erzählt die Story als er selbst, indem er Storyboard-Zeichnungen vor laufender Kamera anheftet. (Wozu es die Kamera als zusätzliche vermittelnde Instanz braucht, bleibt allerdings unklar.) Er beginnt in seiner Jugend, die er als „unsichtbares Kind“ erlebt hat und mit der Flucht in Fantasiewelten überstanden hat. Später wird für ihn als Cartoon-Autor ein Nerd-Traum war, doch seine Wohnung ist eine Festung der Einsamkeit, mit den Frauen klappt es nicht. Sein Date ist bloß eine tussige Schauspielerin, die darauf hofft, über ihn an Steven Spielberg heranzukommen. Trotzdem macht Dini sich Illusionen, eine Chance bei ihr zu haben – auch wenn eine Beziehung nie klappen würde.

Dinis Selbstoffenbarung gleicht einem Gang zum Psychiater. Doch Dinis Autobiografie geht über reine Schreibtherapie weit hinaus. Es ist nicht nur eine ungeschönte (und sogar zum Teil sehr witzige) Selbstanalyse, sondern auch eine Kritik an dem Konzept von Batman, Superhelden und der Daseinsberechtigung von Fiktion. Damit wird Dark Night zum Batman-Pendant des Superman-Comic-Essays It’s A Bird (2004),  indem es ebenfalls um einen Autor in einer Lebens- und Sinnkrise geht, der einen Superhelden hinterfragt. Paul Dini kombiniert geschickt Fakt und Fiktion, lässt neben Batman nahezu alle klassischen Schurken charakterecht zu Wort kommen. Der vermeintliche Eskapismus in Comic- bzw. Cartoonwelten wird zum Spiegel der Seele. Fiktion wird zur Inspiration und Motivation fürs wahre Leben.

Schon jetzt ein Klassiker

Zeichner Eduardo Risso (Broken City/Kaputte Stadt, Batman: Flashpoint) inszeniert die Story in drei Stilen: Meist mit Pinsel koloriert, aber bei der Schlüsselszene wechselt er zu einem Noir-Stil mit harten Kontrasten und flächigen Farben, ähnlich wie Tim Sale vor ihm in The Long Halloween. Auch wenn die Batman-Storys imaginiert werden, kommt seine typische Methode zum Einsatz. Immer wieder gibt es auch cartoonhafte Sequenzen, etwa als Dini seine Situation mit dem des Kojoten aus Roadrunner vergleicht. Dieser Abwechslungsreichtum macht den Comic auch visuell interessant, auch wenn nicht jedes Panel gelungen ist (etwa wie die unförmige Poison Ivy auf Seite 86).

Dark Night: A True Batman Story hat zwar nicht den Anspruch, Dinis gesamte Lebensgeschichte zu erzählen, und ist auch kein ausführliches Making-of der legendären Zeichentrickserie, dennoch steckt genug darin, um über fast 130 Seiten bestens zu unterhalten und mitzufühlen zu lassen. Gerade diese Konzentration auf den Charakter des Helden und den Überfall und seine Folgen macht die Stärke der Story aus.

Im Grunde ist es eine typische (amerikanische) Heldenstory: Aufstieg des Außenseiters, plötzlicher Absturz und Wiederauferstehung. Batman braucht es dazu eigentlich nicht. So wie wahre Helden keine Superkräfte brauchen. Aber es ist gut, dass auch viel Batman in dieser Geschichte steckt. Denn so hat Dini nebenbei einen Kunstgriff gefunden, wie man nicht nur eine glaubwürdige, sondern eine wahre Batman-Geschichte erzählen kann: indem man Batman einfach die Wahrheit sagen lässt.

Dark Night ist nicht nur der Batman-Comic des Jahres – er wird auch bestimmt ein Klassiker wie Dinis Mad Love werden. Die Resonanz ist bereits kurz nach dem Erscheinen überwältigend.

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Die große Batman-Kostümparade

DC Comics

DC Comics

Titel: Brotherhood of the Bat

Autor/Zeichner: Doug Moench/Jim Aparo, Norm Breyfogle, Graham Nolan u.a.

Erschienen: 1995 (One-shot)


„In future, I swear to you … I shall do better.“ (Batman/Tallant)

Mehr als 50 Jahre in der Zukunft ist der Großteil der Weltbevölkerung von einem Virus ausgerottet. Batman ist tot, die Menschheit versinkt in Anarchie. Ra’s al Ghul hat triumphiert. Um die Ordnung wieder herzustellen, lässt er sich von seinem größten Gegner inspirieren und macht aus seinen besten Schergen die „Brotherhood of the Bat“, eine nach Batmans verworfenen Kostümideen gekleidete Eingreiftruppe, die durch die Straßen Gothams zieht und die Übeltäter unschädlich macht. Ein junger Mann, Tallant, der Sohn von Bruce Wayne, tritt das Erbe seines Vaters an, infiltriert Ra’s Bande und schaltet in alter Rambo-Manier einen falschen Batman nach dem anderen aus. Am Ende kommt es zum unvermeidlichen Duell mit dem Obermacker.

Interessant an dieser 08/15-Story ist zwar, dass hier das Szenario durchgespielt wird, was wäre, wenn Ra’s Erfolg hätte. Aber viel wird daraus nicht gemacht. Der einzige Reiz besteht in der Vielfalt der zum Teil ausgefallenen Batman-Kostüme und dass man dadurch Batman gegen Batman kämpfen sieht. Verschiedene Batmobile bedienen die Nostalgie der Fans. Zu diesem besonderen Anlass haben mehrere Zeichner an diesem Comic mitgewirkt, aber grafisch bleibt es doch nur Durchschnitt – ebenso wie die Dialoge.

Brotherhood of the Bat wurde später im Zweiteiler League of Batmen fortgesetzt. Die Idee, dass Batman einen Sohn mit Talia hat, wurde mit Batman and Son in die Haupt-Continuity integriert.

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics

Der erste Tod des Wunderknaben

DC Comics

DC Comics

Titel: Dark Knight Returns – The Last Crusade

Autor/Zeichner: Frank Miller, Brian Azzarello/John Romita Jr.

Erschienen: 2016 (One-shot)


„What kind of lifestyle is that to a child? And what’s that say about the man behind it?“

Prequels sind verdächtig. Eine nachgeschobene Vorgeschichte? Das ist ein Widerspruch in sich. Ein Prequel wirkt immer plump, verursacht Unstimmigkeiten und ist auch langweilig, weil man weiß, worauf es hinausläuft. Es ist nichts als Beiwerk, eine unnötige Zugabe, die so tut, als wäre sie die Ouvertüre. Gibt es auch nur ein Prequel, das wirklich nötig gewesen wäre? Abgesehen von Origins fällt mir keines ein. Man kann bei einem Prequel eigentlich nur froh sein, wenn es halbwegs glückt und nicht das Original ruiniert.

The Dark Knight Returns ist so ein Original, das nicht nur in der Batman-Geschichte wie ein Monolith dasteht, sondern auch einen Comic-Meilenstein bildet. Es gibt nichts daran auszusetzen, es ist ein unantastbarer Klassiker, der bis heute nachwirkt (wie etwa in Batman v Superman). 15 Jahre lang kam Frank Millers Batman ohne Fortsetzung aus, dann kam der unsägliche zweite Teil, The Dark Knight Strikes Again, der keine der Qualitäten seines Vorgängers hatte. Weitere fast 15 Jahre später begann man mit DK III, und es zeichnet sich schon nach der Hälfte ab, das man auch diesen Teil sich hätte sparen können.

Jason stirbt nochmal

Mitten hinein in das Erscheinen dieser Mini-Serie (nach vier Monaten Verspätung) bringen Frank Miller und Brian Azzarello The Last Crusade, ein Prequel, das zwei Fragen beantwortet, die eigentlich eine ist: Wie ist es dazu gekommen, dass Bruce Wayne aufgehört hat, Batman zu sein? Und: Wie ist Robin Jason Todd (zum ersten Mal) gestorben? Zwei Fragen, die man nicht unbedingt hätte beantworten müssen. The Dark Knight Returns war auch so klar genug. Aber gut, nun ist der Comic nun mal da – warum auch immer.

Das Problem daran ist: Die Comicleser sind bereits Zeuge von Jasons Tod geworden. Nicht lange nach Miller haben die Fans ihn in der regulären Continuity (A Death in the Family) sterben lassen, nachdem der Joker ihn mit einem Brecheisen verdroschen hat. Um nicht eine zu ähnliche Story zu erzählen, konzentrieren sich die Autoren in Last Crusade auf Introspektion als auf einen ausgeklügelten Plot, der auf das bekannte Ende aus ist.

Handlung ist Nebensache

Bruce Wayne wird allmählich zu alt für den Job als Batman, er macht Fehler und kann nicht mehr mithalten. Trost sucht er im Bett von Selina Kyle (Catwoman). Während seiner Einsätze sieht er dabei zu, wie Jason immer skrupelloser wird und sogar eine blutrünstige Freude versprüht. Kurz gesagt: Robin wird so brutal und zynisch wie der Joker. Der Schurke wird zu Beginn des Comics in Arkham eingeliefert und bricht nach einigen Grausamkeiten mithilfe der übrigen Insassen, die er gegen die Wärter aufwiegelt, wieder aus. Währenddessen geht Batman einem Fall nach, aber der ist irrelevant, die Figuren austauschbar. Nach zwei Prügeleien mit Killer Croc und einer Rauferei mit Poison Ivy ist Bruce am Ende zu fertig, um nach dem Joker zu suchen. Also bricht Jason heimlich alleine auf. Doch er kommt nicht weit: Noch bevor er den Joker erreicht, wird er von dessen Handlangern erschlagen. Zum Schluss wird angedeutet, dass der Joker ihm den Rest geben wird: „Oh, the fun we’re going to have, little boy … the fun.“

Dass es bei dieser Andeutung bleibt, ist sowohl der stärkste als auch der schwächste Aspekt an Last Crusade. Denn das, was erzählt werden soll, wird nicht erzählt. Einerseits unbefriedigend, andererseits hat man es schon ähnlich gesehen – und kann in diesem Fall auch auf die Details verzichten. In diesem unauflöslichen Widerspruch bleibt die Story stecken. Robins letzter Kreuzzug findet nicht statt. (Und Bruce hat noch einige vor sich.) Und damit beraubt sich dieser Comic seiner Daseinsberechtigung.

Robins als Kanonenfutter

Seltsam ist auch, dass Bruce zwar – wie so oft bei Miller – viel grübelt und sich bei Selina und Alfred ausspricht, aber nie Jason für seine zweifelhaften Aktionen kritisiert. Kritik kommt von außen: Allein im Fernsehen wird problematisiert, dass Batman fahrlässig handelt, indem er Robin an seiner Seite kämpfen lässt. Kindesgefährdung wird ihm vorgeworfen. Obwohl Bruce den Beitrag hört, hinterfragt er sein Handeln nicht. Seine einzige Sorge ist, dass Robin noch nicht so weit ist, sein Erbe als Batman anzutreten. Das macht Bruce umso zweifelhafter. Allein sein späterer Ruhestand entschuldigt sein Handeln in gewisser Weise – aber auch dann wiederholt er seinen Fehler mit Carrie Kelley. Bei aller Anteilnahme und Reue: Robins sind für ihn bloß Kanonenfutter („good soldier“).

John Romita Jr., der schon Frank Millers Daredevil: The Man Without Fear gezeichnet hat, orientiert sich optisch stark an seiner Vorlage, auch wenn er den Hintergründen mehr Details gönnt. Ebenso die Farben erinnern stark an The Dark Knight Returns, sind aber differenzierter, was den Panels mehr Tiefe verleiht. Ein besonderes Panel wird davon jedoch nicht in Erinnerung bleiben.

Braucht man also Last Crusade? Nein. Denn leider fügt dieses Comic dem Dark Knight-Epos nichts Nennenswertes hinzu. (Denn was ist einem Meisterwerk schon hinzuzufügen?) Aber es ist wie so oft mit der Kunst: Man braucht sie nicht, aber da sie schon mal da ist, kann man mal einen Blick drauf werfen. Es kann nicht schaden. Man verpasst aber auch nichts, wenn man’s lässt.

>>> Eine Vorschau auf das Heft und Variant Cover gibt es hier.

Batman gegen Al Capone

DC Comics

DC Comics

Titel: Scar of the Bat

Autor/Zeichner: Max Allan Collins/Eduardo Barreto

Erschienen: 1996 (One-shot)


„It started with a man with a bat.“

Die Unbestechlichen waren eine Gruppe von Prohibitionsagenten, die von 1929 bis 1931 gegen Al Capone vorgingen, angeführt vom Finanzbeamten Eliot Ness. Die Geschichte wurde mehrfach verfilmt, besonders bekannt von Brian DePalma, auch wenn der Film wenig mit den historischen Tatsachen gemeinsam hatte. Scar of the Bat ist nah dran an den Fakten, wenn man davon absieht, dass Eliot Ness sich hier eine Batman-Maske aufsetzt und die Mobster mit Baseballschläger („Bat-Man“) und Maschinengewehr malträtiert. Denn selbst ein unbestechlicher Polizist, so die Moral von der Geschicht‘, muss mal die Regeln brechen, wenn er an die größten Verbrecher herankommen will. Und so eine Batman-Maske macht offenbar mehr Eindruck als bloß Schnapsfässer kaputtzuschlagen.

Das Problem an dieser Elseworlds-Story ist, dass sie nur wenig mit Batman zu tun hat: Kein Bruce Wayne oder andere Mitglieder der Bat-Familie, keine klassischen Schurken – und vor allem keine Batman-Prinzipien. Menschen werden einfach niedergemäht und dadurch wirkt das Batman-Konzept willkürlich oktroyiert, ohne wirklich in das Szenario zu passen. Batman, ein Typ mit Maske und Trenchcoat, wirkt hier bloß als Schreckgespenst. Abgesehen davon fehlt auch das Drama, um diese Story spannend zu machen. Immerhin leistet Zeichner Eduardo Barreto eine solide Arbeit, auch als Kolorist mit Wasserfarben.

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics

Batman Rebirth: Neues Kostüm, neuer Sidekick, neue Hoffnung

Batman Rebirth #1

DC Comics

Titel: Batman Rebirth #1

Autor/Zeichner: Tom King, Scott Snyder/Mikel Janin

Erschienen: Juni 2016 (One-shot)


„I’ve never much been one for tradition.“ (Bruce Wayne)

„I’m trying something new.“ (Batman)

Batmans Wiedergeburt vollzieht sich mit dem Calendar Man, einen bekannten Schurken, der mit den Jahreszeiten altert und sich nach einem Jahr häutet, um jünger wieder aufzuerstehen. Auch Batman macht eine Erneuerung durch. Nachdem Batman vier Robins verheizt hat, will er mal was Neues versuchen: Er rekrutiert Duke Thomas, ein Mitglied der Teenager-Vigilanten-Armee „We Are Robin“. Doch er steckt ihn nicht in ein Robin-Kostüm, sondern in einen gelb-schwarzen Anzug mit Batman-Emblemen auf Maske und Brust. Gemeinsam retten Batman und sein noch namenloser Sidekick die Welt vor Calendar Mans tödlichen Sporen (Batman geht mal wieder bei einer tollkühnen Aktion fast drauf), dann sieht man sie beim Training auf einen Baum eintreten. Symbolträchtig wirft Alfred am Ende eine geteilte Avocado in die Bathöhle … (Was auch immer das bedeutet.)

Duke Thomas? Wer war das nochmal? Zum ersten Mal erscheint er in Batman #21, als der Riddler Gotham ins Zero Year (dt. Jahr Null) befördert. Beim Endgame werden seine Eltern vom Joker-Virus befallen. Später wird er in We Are Robin wird er, wie gesagt, Teil der neuen Superheldengruppe. Das muss man wissen, sonst kann man mit der Story nichts anfangen. Insofern eignet sich auch Batman Rebirth #1 nicht als Einstieg für neue Leser. Ohne Erklärungen wird man ziemlich allein gelassen.

Bruce erklärt Duke, dass man sich entwickeln müsse, um mit dem Calendar Man mitzuhalten. Das ist der zentrale Satz des Heftes, der für Superheldencomics überhaupt steht. Batmans Entwicklung ist gering, außer dass sich sein Kostüm ein wenig ändert: das Symbol auf seiner Brust ist gelb umrandet, eine kleine Reminiszenz an das gelbe Oval seit den 60ern, der Gürtel wirkt etwas steif und unpraktisch, aber das ist kaum die Aufregung wert.

Verrückter Optimist

Ansonsten sehen wir Bruce Wayne, wie er im Gespräch mit Lucius Fox seine Klimmzüge auf dem Hubschrauberlandeplatz seines Hochhauses macht – natürlich ungesichert und einarmig. Lucius erzählt von Thomas Wayne, der sein Arztdasein als Sisyphusarbeit so erklärt hat: „… the sick need someone crazy enough to believe they can be better.“ Das ist natürlich auch das Motto des Sohnes, der sich einer noch verrückteren Profession verschrieben hat.

Batman Rebirth #1 erzählt sprunghaft in vier Episoden (je eine pro Jahreszeit) eine sehr kurze und unaufgeregte Geschichte, die eher ein leiser, ziemlich optimistischer Auftakt für das neue Dynamische Duo ist als der Beginn einer großen Storyline. Bezüge zu DC Universe Rebirth #1 gibt es nicht. Die Handlung wird in der Batman-Serie fortgesetzt, die ab Juni im Zwei-Wochen-Rhythmus erscheint, ebenso wie Detective Comics und andere. (Scott Snyders All-Star Batman, das im August beginnt, wird monatlich erscheinen.)

Gelber Batboy

DC will offenbar mit seiner Rebirth-Aktion mehr Leichtigkeit in seine Comics bringen. Bei Batman ist das eigentlich nicht nötig; Scott Snyder hat das bereits geschafft, etwa mit seinem Zero Year oder Superheavy, und trotzdem auch immer wieder starke Horror-Elemente hineingebracht. Dass jetzt ein gelber Batboy an Batmans Seite kämpft, muss man wohl als Zugeständnis an junge Leser hinnehmen. Erklärt wird Batmans Entscheidung nämlich nicht. Ich finde diese ständige Erneuerung von Robin in all seinen Formen ermüdend. Nein, eigentlich mag ich gar keine Sidekicks. Aber vor allem: Batman braucht keine Wiedergeburt. Er ist gut so, wie er ist. Aber Erneuerungen sind bei endlosen, zyklischen Serien wohl unerlässlich.

Ziemlich ernüchternd an dem Heft ist, dass es mehr (Eigen-)Werbung als Story (20 Seiten) enthält. Im Gegensatz zu DC Universe Rebirth #1 sind die 2,99 Dollar/Euro kein allzu großzügiges Angebot. Daher warten wir lieber die Paperback-Ausgaben ab, um den Fortgang der Ereignisse zu verfolgen.

Eine Preview von Batman Rebirth #1 gibt es hier.

>> Batman 2011-2019

Die Batman-Antifa

DC Comics

DC Comics

Titel: Dark Allegiances

Autor/Zeichner: Howard Chaykin

Erschienen: 1996 (One-shot), Paperback 2016 (Elseworlds: Batman Vol. 1)


„Better a madman with a mission than a plutocrat hiding behind the walls of privilege.“ (Batman)

Während in den 1930er Jahren Hitler die Welt bedroht, streben in den USA faschistisch-rassistische Mächte auf. Die White Legion, eine Art Ku-Klux-Klan mit Hakenkreuzen auf der Kapuze, treiben ihr Unwesen. Batman legt sich mit ihnen an. Aber auch gegen Polizisten geht er vor, die Arbeiter vermöbeln. Mit einem Wort: Batman ist der Gutmensch in einer bösen Welt zwischen Faschismus und Polizeistaat, in der auch eine Art Joker, Pinguin und Two-Face mitmischen. Batman verbündet sich mit Catwoman (in rot!) und verhindert ein Attentat auf den US-Präsidenten Roosevelt und Hitler. Ja, Batman rettet dem Mann, der kurz darauf den Zweiten Weltkrieg auslöst, das Leben. Und vorher darf Bruce Wayne ihm die Hand schütteln und Smalltalk mit ihm halten. Diese ironische Schicksalswendung wird aber wieder gutgemacht, indem Batman, Catwoman und Robin (Alfred!) die Nazis terrorisieren.

Was ist von dieser Farce zu halten? Man nimmt es gleichgültig zur Kenntnis. Diese Elseworlds-Story ist oberflächlicher als sie sein will, doch das Gute daran ist, dass sie schnell beendet werden kann. Batman als Antifaschist mag ein spannendes Thema sein (vgl. Chaykins Thrillkiller). Doch in dieser unausgegorenen, uneinnehmenden Geschichte wirkt jeder noch so interessante Ansatz verloren. Die sperrigen Zeichnungen von Chaykin lassen nahezu jedes Gesicht so entstellt wie Two-Face aussehen. Immerhin Catwoman ist ziemlich aufreizend geraten. Immerhin das kann Chaykin gut. Das rettet Dark Allegiances allerdings auch nicht.

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics

Batman trifft Punisher

Titel: Batman/Punisher: Lake of Fire; Punisher/Batman: Deadly Knights

Autor/Zeichner: Dennis O’Neil/Barry Kitson; Chuck Dixon/John Romita Jr.

Erschienen: 1994 (One-shots)


„As exercise, it isn’t bad. But, it’s getting us nowhere.“ (Punisher)

Wenn man ein paar dieser DC/Marvel-Crossover liest, kapiert man schnell, wie die Sache läuft. Da mich sowohl das Treffen von Batman mit Daredevil als auch mit Spider-Man ziemlich kalt gelassen hat, habe ich auch von den zwei Begegnungen mit dem Punisher nicht viel erwartet. In der Hinrunde verbünden sich Aushilfsbatman Jean-Paul Valley (Knightfall) und Frank Castle gegen den entstellten Schurken Jigsaw. Batman ist verrückt, ihn plagen die üblichen Wahnvorstellungen, der Punisher macht sich schnell selbständig, am Ende gibt’s eine kleine Keilerei, bei der Batman zwar überlegen ist, aber der Punisher doch triumphiert, weil er mogelt. Naja.

In der Rückrunde darf auch mal Bruce Wayne gegen den Mann mit dem Totenkopf auf der Brust antreten – sogar zweimal. Der eigentliche Kampf wird wieder gegen Jigsaw geführt, allerdings bekommt er Verstärkung vom Joker. Am Ende will der Punisher den Clown einfach abknallen, Batman hat was dagegen … Das Ganze ist so banal und auch so sperrig gezeichnet, dass es nicht der Rede wert ist. Einzig die Tatsache, dass man das Heft zweimal um 90 Grad kippen muss, weil die Doppelseiten vertikal ausgerichtet sind, ist ungewöhnlich daran.

Ich denke, die restlichen Crossover dieser Machart kann man sich sparen.

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