Batman

Zum Geburtstag viel Glück

DC Comics

DC Comics

Titel: Detective Comics Vol. 5 – Gothtopia (dt. Gothtopia/Chaos-Theorie)

Autor/Zeichner: John Layman/Jason Fabok, Aaron Lopresti

Erschienen: 2014 (Detective Comics #25-29), Hardcover 2015; dt. Panini 2014 (Gothtopia #1-2), Paperbacks 2015 (Gothtopia), Batman Sonderband #45 (Chaos-Theorie, enthält Detective #27 u. Annual #3)


„Something is very wrong here.“ (Bruce Wayne)

„I’m always ready.“ (Batman)

Es hat sich gut gefügt, dass ausgerechnet im 75. Jahr von Batman die 27. Ausgabe von Detective Comics (der zweiten Reihe) herauskam. Eine magische Zahl, da im Jahr 1939 der Dunkle Ritter seinen ersten Auftritt in ebendieser Nummer hatte. Und so wurde zum Geburtstag eine dicke Jubiläumsausgabe gemacht, bei der eine Reihe namhafter Autoren und Zeichner ein paar Kurzgeschichten beisteuern durfte. Und es sind tolle Geschichten geworden.

Bemerkenswert ist, dass die erste Batman Story „The Case of the Chemical Syndicate“ neu erzählt wurde. Brad Meltzer (Identity Crisis) behält die Essenz bei, reduziert sie aber auf das Wesentliche und tut das, was längst nahe lag: er verbindet sie mit einem Joker-Origin. Interessant sind allerdings der Auszug aus Batmans Tagebuch, in dem er darüber sinniert, warum er das alles tut – und dabei tun sich Abgründe auf: „Why do I do this? I do it because I’m good at it. (…) I do it because I’m insane. (…) I do it because I can’t go to the movies anymore. (…) I do it because life doesn’t make sense.“

Was-wäre-wenn-Szenarios

In „Old School“ schicken Autor Gregg Hurwitz und Zeichner-Legende Neal Adams Batman und Robin mit einem Parforceritt durch ihre eigene Historie: Vom Golden Age über Frank Millers Dark Knight bis heute. Die Hommage ist zugleich voller Ironie auf die seltsamen Eigenarten früherer Comics, etwa dass Batman und Robin ständig laut ihre Pläne aussprechen und sich damit angreifbar machen, oder dass sie durch hanebüchene Lösungen ihre Probleme meistern. Das dynamische Duo muss sich mehrfach neu erfinden – buchstäblich häuten -, um im Laufe der Zeit zu bestehen. (Ein ausführlicher Essay zu dieser Beobachtung findet sich hier.)

Drei Stories imaginieren Was-wäre-wenn-Szenarios: „Better Days“ handelt von Bruce Waynes 75. Geburtstag mit der ganzen Bat-Familie. Selbstverständlich kommt Autor Peter J. Tomasi zu dem Schluss, dass sich der Held auch im hohen Alter nicht in Ruhestand schicken lassen würde. In „The Sacrifice“ zeigt der Phantom Stranger Batman, wie dessen Leben und Gotham aussehen könnte, wenn die Waynes den Raubüberfall überlebt hätten. Zwar kommen die Waynes zu einigem Familienglück, aber dafür geht die Welt vor die Hunde. Moral: „Sometimes a sacrifice is necessary.“ Zum Schluss stellt sich Scott Snyder in „Twenty Seven“ vor, wie die Tradition der Batmen in den nächsten 200 Jahren fortgeführt werden könnte – mit Klonen. Die Geschichte lebt von Sean Murphys Zeichnungen, der in epischen Panels apokalyptische Kriege inszeniert.

Utopie als Illusion

Diese Stories allein sind die Anschaffung des fünften Sammelbandes von Detective Comics wert. Sie haben eine Qualität, die man sonst nur von der Black and White-Reihe kennt. Titelgebend ist die Storyline Gothtopia, die in Detective Comics #27 beginnt und sich über zwei weitere Hefte erstreckt. Die Geschichte ist ebenfalls als Jubiläumsfeier gedacht – und im Gegensatz zu den meisten bisherigen Stories der neu gestarteten Serie sogar halbwegs gelungen.

Auch sie beginnt mit einem Elseworlds-Szenario: Gotham City ist nazu befreit von Verbrechen. Batman, der ein graues Kostüm trägt, ist tagsüber unterwegs und hilft zusammen mit Catbird (Selina Kyle, seiner Frau) den Ordnungskräften bei Unfällen und Bränden. Oswald Cobblepot ist Bürgermeister und Black-Mask-Anführer Sionis ist Police Commissioner. Aber Batman ahnt sehr schnell, dass hier etwas nicht stimmt und findet heraus, dass die Utopie nur eine Illusion ist.

Gute Idee, schwach realisiert

Bevor jetzt Leser „Spoiler!“ schreien, sei entwarnt: man erfährt es früh. Zu früh. Wieder mal schafft es Autor Jason Fabok nicht, Spannung zu erzeugen und Batman ein bisschen länger Detektiv spielen zu lassen. Nein, der Held hat alles sofort geblickt und lässt die Blase platzen. Das ist schade, man hätte mehr mit dem Verwischen von Phantasie und Wirklichkeit spielen können. Aber dafür interessiert sich Fabok nicht. Stattdessen schickt er Batman nach Arkham, wo wir ihn zwar (schon wieder) in Zwangsjacke sehen, aber immer noch mit Maske und Kostüm (Erklärung: um die Geheimidentität schert sich keiner). Ärgerlich ist auch, dass ein paar potenzielle Actionszenen ausgespart werden und die Erzählung – wie in den Ausgaben zuvor – unnötig hin- und herspringt. Außerdem kommt Zeichner Aaron Lopresti nicht an das Niveau von John Layman heran, zu plump und cartoonhaft wirken seine Figuren (vor allem bei Scarecrows Maske). Entschädigt wird der Leser durch ein großes Schurkenaufgebot und immerhin eine interessante Grundidee.

Ansonsten bietet der Band noch zweierlei: einen enttäuschend schwachen Abschluss der Man-Bat-Story, die in früheren Ausgaben breitgewalzt wurde, sowie ein nachgereichtes Kapitel der Storyline Zero Year. In letzterer geht es um Gordons Kampf gegen die Korruption bei der Polizei. Das ist ganz ordentlich geraten und funktioniert gut als Ergänzung zu Batmans Entstehungsgeschichte. Endlich mal ein Detective Comics-Band, der Zeit und Geld wert ist.

>> Batman 2011-2019


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Angriff der Langeweile

Warner Home Video

Warner Home Video

Titel: Batman: Assault on Arkham

Regie/Drehbuch: Jay Oliva, Alan Spaulding/Heath Corson

Erschienen: 2014


Bei dem Erfolg der Arkham-Games lag es nahe, einen darauf basierenden Film zu machen. Anders ist nicht zu erklären, warum es Assault on Arkham gibt. Denn eine leitende Idee hat der Animationsfilm nicht. Die Story ist simpel: Sechs Superschurken (darunter Harley Quinn und Deadshot) werden dazu verdonnert, in Arkham einzubrechen, um den Stab des Riddlers zu klauen. Darin soll sich irgendein geheimes Dokument befinden. Also zieht die Gruppe, die sich im Original Suicide Squad nennt (und im Deutschen „Himmelfahrtskommando“), los und tut wie geheißen. Natürlich läuft dabei einiges schief …

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Batmans schlimmster Albtraum

Batman: Over the Edge

Titel: Over the Edge

Regie/Drehbuch: Yuichiro Yano/Paul Dini

Erschienen: 1998 (The New Batman Adventures, Episode 12)


Es ist ein Szenario wie aus einer Elseworlds-Geschichte: Die Polizei stürmt die Bathöhle, das Batmobil wird zerstört, Batman und Robin werden gehetzt und können knapp entkommen. Was ist passiert? Batgirl ist tot, nachdem sie von Scarecrow vom Dach gestürzt wurde, James Gordon entdeckte, dass sie seine Tochter war und nun gibt er Batman die Schuld und sinnt auf Rache. Dabei verbündet er sich sogar mit Bane …

Was wie ein Albtraum klingt, wird mit skrupelloser Brutalität durchexerziert. Mit Abstand ist dies die düsterste Episode der Serie. Aber dafür auch die beste der letzten Staffel. Denn mehr Drama und Tragik steckt in keiner anderen Folge. Zurück bleibt ein mulmiges Gefühl: Das darf doch nicht wahr sein?, fragt man sich. Das Ende soll nicht verraten werden, aber man kann es sich denken, dass es nicht so schlimm sein kann, wie es aussieht. Dennoch nimmt es der Folge nicht die Spannung.

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The Goddamn Batman

All Star Batman

Titel: All Star Batman & Robin, the Boy Wonder

Autor/Zeichner: Frank Miller/Jim Lee

Erschienen: 2005-2008 (#1-10); (Paperback 2009, #1-9)


„I love being the goddamn BATMAN.“

Es ist wohl eines der umstrittensten Batman-Comics der vergangenen Jahre. Spätestens seit Frank Millers Fortsetzung von The Dark Knight Returns (The Dark Knight Strikes Again), sorgte er mit seiner neuen, eigensinnigen Fassung von Robins Entstehungsgeschichte für Aufsehen und Entrüstung. Denn es ist nicht nur eine neue Story, die der Altmeister hier erzählt, es sind auch neue Charaktere.

Miller stellt Batman als Draufgänger dar: Er ist eitel, protzt gerne, gibt sich meist gutgelaunt, es sei denn, man begeht ein Verbrechen oder man kratzt an seinem Ego – was für ihn fast einem Verbrechen gleich kommt. In eine Prügelei stürzt er sich gerne mit irrem Gelächter, dann wird er zum Sadisten, fügt seinen Opfer üble Verletzungen zu und lässt sie länger leiden als nötig. Batman ist mehr denn je ein zweifelhafter Charakter, der auch von seinem Sidekick bloßgestellt wird. Batman erscheint hier verrückter als der Joker.

Cheesburger statt Ratten

Dick Grayson hingegen, gerade erst traumatisiert vom Tod seiner Eltern, wird nicht nur zu Batmans unfreiwilligem Begleiter, sondern auch zu dessen Mitstreiter im Kampf gegen das Verbrechen. Darauf hat der gerade erst einmal zwölfjährige Junge überhaupt keine Lust: „How lame is that?“ Aber Batman hat ihn offenbar längst dazu auserkoren und zwingt ihn in die Rolle hinein – mit höchst fragwürdigen Methoden. Ein Beispiel: Um ihn abzuhärten lässt er den Jungen allein in der kalten Bathöhle, wo er sich selbst mit Ratten versorgen soll. Wie gut, dass Alfred mit einem Cheesburger vorbeikommt …

Für Grayson ist Batman nur ein armer Irrer, der mit seiner verstellten Stimme einen auf Clint Eastwood macht. Das Batmobil? „Totally queer.“ Batman daraufin beleidigt: „Shut up.“ Es sind diese höchst seltsamen Dialoge und Monologe, die frischen Wind in diese Geschichte bringen. Einer der Höhepunkte ist der legendäre, vielzitierte Wortwechsel:

Grayson: „Who the hell are you anyway, giving out orders like this?“

Batman: „What, are you dense? Are you retarded or something? Who the hell do think I am? I’m the goddamn Batman.“

(Im Deutschen geht der Reiz leider flöten. Dort heißt es: „Bist du schwer von Begriff? Blöde oder so? Was glaubst du, wer ich bin? Mann, ich bin Batman.“)

Die Phrase wird im Laufe des Bandes zum Running Gag. Leider neigt Miller aber auch sonst stark zum Wiederholen: Immer wieder heißt es „Shut up“ hier und „Shut up“ da, nicht nur bei Batman übrigens, das wirkt schnell ermüdend. Der große Autor Frank Miller war schon mal reduzierter und einfallsreicher in der Wahl seiner Worte. Die Story zu beurteilen fällt schwer, da sie nicht zu Ende erzählt ist. Die ersten zehn Kapitel wirken aber sehr gedehnt (vor allem am Anfang), sprunghaft und wenig stringent. Der eigentliche Plot – die Suche nach dem Mörder der Graysons – gerät bei all dem Figuren-Aufgebot zur Nebensache: Wir sehen Superman, Green Lantern, Wonder Woman, Black Canary, Batgirl, Joker etc., ohne dass sie viel zur Geschichte beizutragen hätten. Witzig wird es, wenn Batman über all seine Superhelden-Kollegen vom Leder zieht und keiner dabei gut wegkommt: Superman ist zu blöd um erkennen, dass er fliegen kann, Green Lanterns Ring ist bei Hal Jordon bloß verschwendetes Potenzial usw. Trotz aller Angeberei ist Batman keinen Deut besser, immerhin bezeichnet er sich selbst als halbverrückt.

Ironische Helden-Dekonstruktion

Allen Hardcore-Fans sei deshalb gesagt: Die ganze Sache kann nicht ernst gemeint sein. Nur mit Ironie kann man den Band genießen, dann aber ist er für einige Lacher gut. Da er sowohl seine Meilensteine Year One als auch The Dark Knight Returns zitiert, stellt All Star Batman einerseits eine Art Verbindungsglied zwischen Anfang und Ende dar, andererseits treibt es die 1986 begonnene Dekonstruktion der Superhelden auf eine neue Höhe. Hier wird das gesamte Konzept des kostümierten Vigilantentums veralbert und in Frage gestellt – und damit auch sein Publikum mit seinen Erwartungen. Denn im Grunde geht es darum, dass Kerle und Frauen mit Astralkörpern irgendwelche Typen aufmischen, die es verdient haben. Der Sinn dahinter ist zweitrangig, Hauptsache, es sieht cool aus.

Das wird auch in den Zeichnungen von Jim Lee deutlich. Im Gegensatz zu Millers Texten erscheint hier alles zu glatt und perfekt, besonders die idealtypischen Frauen. Der eigentliche Hingucker ist jedoch die sechs Seiten (!) umfassende Splash-Page der Bathöhle. Mit diesem nicht endenwollenden Mega-Panorama hat er ein rekordverdächtiges Centerfold für Fanboys geschaffen. Auch das eine ironische Pose: Während Batman damit protzt („Pretty cool, huh?“), dürften die Fans davon ähnlich begeistert sein wie Robin. Ja, Frank Miller mag verrückt geworden sein, aber sein All Star Batman ist ihm weit unterhaltsamer und kurzweiliger geraten als sein unsäglicher zweiter Dark Knight. Und vor allem ist es sein witzigster Zugang zum Dunklen Ritter.

Die Fortsetzung Dark Knight: Boy Wonder, in der die Geschichte zu Ende erzählt werden soll, wurde bereits vor Jahren angekündigt, die Leser warten bis heute darauf. Oder eben auch nicht.

(Anmerkung: Die US-Paperback-Ausgabe umfasst nur die ersten neun Hefte der Serie, die jüngste deutsche Ausgabe enthält alle zehn.)

>> Batman 2000-2011

Dark Knight 2: Krieg den Tyrannen

The Dark Knight Strikes Again

Titel: The Dark Knight Strikes Again (dt. Der Dunkle Ritter schlägt zurück)

Autor/Zeichner: Frank Miller

Erschienen: 2001-2002 (Mini-Serie #1-3)


 „It’s a whole new ballgame.“ (Batman)

„We blew it, Barry!“, sagt Bruce Wayne zu Flash. „We spent our whole careers looking in the wrong direction! I hunted down muggers and burglars while the real monsters took power unopposed!“ Die wahren Monster: Lex Luthor und Brainiac, sie beherrschen die Welt. Die USA – ein Polizeistaat, mit einem Präsidenten, der nur ein computergeneriertes Bild ist, geschaffen von Luthor. Gegen dieses System lehnt sich der alte Batman drei Jahre nach seinem Scheintod auf: „We aren’t here to rule. We aren’t here to bring chaos or anarchy. We’re here to end the reign of criminals.“

Das klingt revolutonär – und damit vielversprechend für eine Fortsetzung von The Dark Knight Returns, Frank Millers wegweisendem Meisterwerk von 1986. Zwar ist es auf bestimmte Weise revolutionär: Der Zeichen- und Erzählstil ist ein anderer, aber leider ein wenig überzeugender, ja enttäuschender. Zunächst ist es eine unpersönliche Geschichte: Der Titelheld spielt nur eine marginale Rolle, erst nach 86 Seiten tritt er in Aktion, um Superman zu vermöbeln, und auch danach ist er mehr der Anführer einer Superheldengruppe, der die Fäden im Hintergrund zieht. Die Hauptrolle spielt eigentlich Superman, der hadernde Sklave der Herrschenden. Zunächst hält er Batman für einen monomanischen, megalomanischen Soziopathen. Am Ende stellt er fest, dass es dieses skrupellose, radikale Vorgehen ist, das die Welt retten kann. Der grausamste Held mit der dunkelsten Seele wird zur letzten Hoffnung.

Grundweg unsypathisches Machwerk

So weit, so gut. Doch was sich sonst auf diesen 250 Seiten abspielt, ist oft alles andere als klar. Statt auf eine stringente Story und ausgefeilte Charaktere setzt Miller auf eine chaotische Erzählung ohne roten Faden, mit zu vielen Figuren und Nebenschauplätzen, zugespitzt in einer martialischen Botschaft. Lange genug hat Batman gewartet, die Welt zur Hölle fahren sehen, nun ist seine Geduld am Ende. Er versammelt die gefangenen Helden wie Atom und Flash, wir sehen Green Lantern wiederkehren, den Martian Manhunter sterben und auch Wonder Woman, Captain Marvel und Green Arrow tummeln sich auf den Seiten – ohne dass einer von ihnen in diesem Krieg Wesentliches zu tun oder zu sagen hätte. Zu allem Überfluss sieht man das unentwegte Geplapper von Figuren aus dem Fernsehen die Handlung – sofern vorhanden – kommentieren. Während es im ersten Teil noch eine narrative Funktion hatte, ist es hier nur nerviges Beiwerk, das sich aber stets in den Vordergrund drängt.

Nicht einmal optisch ist der Band ein Genuss: Miller rotzt kindisch-plumpe bis schlampige Zeichnungen hin, in denen er sich kaum die Mühe macht, Hintergründe zu zeichnen, wodurch sich die Handlung wie im luftleeren Raum abspielt und die Panels dadurch steril wirken. Die Farben sind entweder banal-flächig gehalten oder brechen in übertrieben psychedelischen Effekten aus. Ein weiterer Stilbruch zum ersten Teil: Die Figuren Superman und Batman, die im ersten Teil wie Riesen wirkten, sind nun schlanker geraten. Zur Begründung heißt es einmal, Batman habe „an Gewicht verloren“. Aber das ist nur das geringste Problem in diesem grundweg unsympathischen Machwerk.

The Dark Knight Strikes Again ist ein Haufen von Ideen, Szenen und Ansätzen ohne Sinn und Verstand. Stattdessen herrscht ein Rabiatismus vor: Batman hat die Schnauze voll und lässt seine Armee alles platt machen. Genauso verfährt auch Miller. Der einstige Meister hat mit The Dark Knight Returns vielleicht das beste Batman-Comic geschaffen, sein Nachfolger ist mit Abstand das missratenste.

>> Batman 2000-2011

Zwei Kurze zum Geburtstag

Das Batman-Jubiläumsjahr geht zuneige und es wurde viel geboten: Eine dicke Ausgabe von Detective Comics #27, die wöchentliche Serie Batman Eternal (Rezensionen folgen), einen neuen Batman-Origin in epischer Breite namens Zero Year sowie zwei neue animierte Spielfilme (Son of Batman, Assault on Arkham). Zum 75. Geburtstag hat Warner Bros. den Fans auch zwei Kurzfilme spendiert. Der eine, von Altmeister Bruce Timm in Schwarzweiß inszeniert, greift die Urgeschichte von Dr. Strange und den Monster Men auf. Der andere stammt von Darwyn Cooke und zeigt einen Kampf von Batman Beyond-Terry McGinnis gegen Robo-Batmen im Retro-Style. Bei beiden Clips handelt es sich um schöne Liebeserklärungen an die Fledermaus, die wieder Lust auf die animierten Originalserien machen.

Batman goes Dickens

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DC Comics

Titel: Batman Noël

Autor/Zeichner: Lee Bermejo

Erschienen: 2011 (One-shot)


„Here lies a bat. He died boring predictable and nobody loved him.“

Der geizige Misanthrop, der nach dem Besuch dreier Geister an Heiligabend zu einem guten Menschen wird – diese Geschichte dürfte längst toterzählt sein. Auch Batman ist seinen drei Geistern bereits begegnet, allerdings an Halloween (in Haunted Knight). Doch Lee Bermejo, der sich bislang als Talent am Zeichentisch bewährt hat, meinte, in seinem Erstlingswerk als Autor trotzdem sich diesen alten Hut aufsetzen zu müssen. Und siehe da: das Weihnachtswunder ist ihm gelungen!

Wie schon sein Joker-Band ist auch Noel in einem einzigartigen Stil gestaltet: Realistisch, lebensnah, cineastisch. Gotham erstrahlt ausnahmsweise mal hell, ohne wie am Tag zu wirken, alles leuchtet in warmen Farben. Bermejo hat viel Mühe in Details gesteckt. Auch bewegt sich die Geschichte in einem eigenen, nicht-kanonischen Universum: Batmans Anzug wirkt wie eine selbstgenähte Rüstung, selbst das Batmobil sieht anders, aber durchaus schnittig aus, der Joker hat erneut ein Glasgow-Smile.

Ein Psychogramm des Helden

In so einem erfrischend anderem Setting kann Bermejo die altbackene Geschichte spielen lassen, ohne dass etwas davon angestaubt wirkt. Interessanterweise übernimmt nicht ein Schurke wie etwa der Pinguin die Rolle von Scrooge, sondern Batman. Er ist der hartherzige Fanatiker, der einen alleinerziehenden Vater, der sich als Bote für den Joker verdingt, zum Köder macht und dabei Vater und Sohn gefährdet. Batman ist aber auch einer, der sich selbst ausbeutet, weil er eigentlich mit seiner Husterei krank im Bett liegen sollte, statt auf Jokerjagd zu gehen. Der Vorteil von Noel ist, dass die Story keine Geister im eigentlichen Sinne auftreten lässt, sondern Batman drei bekannten Personen begegnet, die ihn zum Nachdenken bringen: Catwoman, Superman und Joker. Von Geistern spricht lediglich der Erzähler, es handelt sich also um eine Allegorie. Jedoch ist dieser Erzähler so skeptisch und distanziert zu seiner Geschichte, dass auch das darin liegende Pathos ironisch gebrochen wird.

In gewisser Weise kann man Noel auch als zweiten Teil oder Gegenstück zu Bermejos Joker lesen. Während letzteres ein Psychogramm des Schurken ist, ist ersteres eines des Helden. „I guess he’s a necessary evil“, sagt ein Polizist über Batman. Der Held erscheint in einem zweifelhaften Licht. Verständnis zeigt der Erzähler, für ihn ist Batman ein Opfer seines Kampfes geworden:

„He had pretty much resigned himself to the fact that life is a never-ending battle. The darkness of the world had forced him into the shadows, and the only way to combat the monsters was to become one himself. (…) Sometimes, when you work in the dirt, it gets tough after a while to clean yourself off. You get used to the filth. You even start to feel comfortable in it. Then you wake up one day and wonder why everyone else thinks you’re dirty.“

Zum Schluss kommt die Erkenntnis auf dem Friedhof: Lebendig begraben, von einer Schreckensvision geplagt, erkennt Scrooge-Batman, dass wenn er so weitermacht, er nur Schmerzen hinterlassen wird. Also rafft er sich auf und bringt die Dinge wieder in Ordnung.

Wie bei Charles Dickens ist auch Noel eine klassisch-humanistische Weihnachtsgeschichte mit der Prämisse, dass Menschen sich zum Guten ändern können. Daher gibt es auch das typisch romantische Ende, das man aus unzähligen amerikanischen Filmen kennt, wo alles zu Weihnachten nicht nur besser sondern am besten wird. Aber hier passt alles wunderbar zusammen: der Schrecken und die Erleichterung, die Gewalt und die Erlösung. Verblüffenderweise erzählt Lee Bermejo eine alte Geschichte wie zum ersten Mal.

>> Batman zu Weihnachten

The Dark Knight Rises: Batman im Ruhestand

Warner Bros.

Warner Bros.

Titel: The Dark Knight Rises

Regie/Drehbuch: Christopher Nolan/Christopher Nolan, Jonathan Nolan

Erschienen: 2012


 „A hero can be anyone. Even a man doing something as simple and reassuring as putting a coat around a young boy’s shoulders to let him know that the world hadn’t ended.“ (Batman)

Keine  Frage: Man muss Christopher Nolan dankbar sein. Mit seiner Batman-Trilogie hat er das Superhelden-Genre mit neuerfunden. Durch ihn wurde der maskierte Rächer endlich glaubwürdig: Seine Motivation, sein Kostüm, seine Hilfsmittel – alles ist so plausibel gemacht, wie es eben möglich ist. War der erste Teil ein gelungener Auftakt mit kleineren Schwächen, wurden im zweiten Teil alle Register gezogen. Vor allem die Figur des Jokers beherrschte den Film. Es war klar, dass dieser Film schwer zu überbieten sein würde.

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Totengott leistet Sterbehilfe

Batman: The Ankh

Titel: The Ankh (dt. Das Ankh)

Autor/Zeichner: Chuck Dixon/John van Fleet

Erschienen: 2001 (Mini-Serie #1-2, dt. 2003, Panini, DC Premium)


„Bitte verzeihen Sie mir, Sir … aber ich finde es beunruhigend, wie Sie von Bruce Wayne in der dritten Person sprechen.“ (Alfred)

Zwei Probleme auf einmal treiben die Polizei von Gotham um: Mehrere Milliardäre wurden entführt und ägyptische Antiquitäten entwendet. Batman kümmert sich um beides – und wie der Zufall es will, sind beide Fälle ein Fall. Denn für beides ist eine Frau verantwortlich, die wegen eines Zaubers seit der Zeit der Pharaonen lebt und nicht altert. Wie man spätestens seit Ra’s al Ghul weiß, ist Unterblichkeit nicht gerade ein anstrebenswerter Zustand. Und so sieht Batman ein, dass seine Kontrahentin eigentlich nur ihr Leben beenden will. Batman – verwechselt mit dem altägyptischen Totengott Amun Anubis – wird zum Sterbehelfer.

Das Ganze ist zwar bemerkenswert grafisch realisiert: John van Fleet (der schon für The Chalice verantwortlich war) bedient sich seiner bewährten Technik, seine groben Zeichnungen wirken wie Holzschnitte und werden mit Fotos collagiert. Dadurch wird The Ankh zu einem ungewöhnlichem Hingucker voller Atmosphäre. Doch Dixons Story bleibt oberflächlich. Leider beginnt er seine Erzählung am chronologischen Anfang im alten Ägypten und braucht zu lange bis er in der Gegenwart ankommt. Spannung kommt so wenig auf, das detektivische Rätsel ist dem Leser von vornherein aufgelöst. Deshalb stellt sich Batman zuweilen dümmer an, als er ist, und ein paar Mumien und Killer Croc müssen die Actiongelüste befriedigen. Zudem sind manche Dialogzeilen von peinlicher Redudanz: „Du bist so jung. So vital. Geist und Körper leben.“ Oder: „Ich will nur noch ruhen … den Schlaf der Toten schlafen … in die Ewigkeit jenseits dieses Schleiers eintauchen.“

The Ankh ist bei weitem nicht Dixons bestes Werk, aber wegen John van Fleets Panels eine halbe Stunde Lebenszeit wert.

>> Batman 2000-2011

Batman sucht den Heiligen Gral

Batman: The Chalice

Titel: The Chalice (dt. Der heilige Gral)

Autor/Zeichner: Chuck Dixon/John Van Fleet

Erschienen: 1999 (One-shot) (dt. 2002, Panini, DC Premium)


„Denk nur, wieviel Gutes ich damit tun könnte. Ich könnte ganz Gotham retten. Ich wäre mehr als ein Mensch. Mehr als Fleisch und Blut.“ (Batman)

Bruce Wayne bekommt eine schwere Bürde auferlegt: Er soll auf den Heiligen Gral aufpassen, also den legendären Becher Jesu. Batman weiß um seine Macht, will sie aber nicht einsetzen. Er tut es dann doch, um eine Beinwunde heilen zu lassen. Leider denkt er dabei nicht daran, dass er auch Orakel einen Gefallen damit erweisen könnte. Egal: Denn kaum hat das Ding seinen Besitzer gewechselt, gibt es Ärger. Eine Geheimgesellschaft bekommt Wind davon, dann auch Ra’s al Ghul  – wie auch immer – und beide versuchen, an das Ding ranzukommen. Wozu aber braucht ein Unsterblicher ein Gefäß, das unsterblich macht?

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