Catwoman in Rom

Catwoman: When in Rome

Titel: Catwoman: When in Rome (dt. Damals in Rom)

Autor/Zeichner: Jeph Loeb/Tim Sale

Erschienen: 2004 (Mini-Serie #1-6), dt. Panini 2006, Eaglemoss 2017 (DC Comics Graphic Novel Collection 112)


„Cat. Woman. That last part about the ‚woman‘ is pretty important.“ (Catwoman)

Während Batman in Dark Victory den Hangman-Killer jagt, reist Selina Kyle nach Rom, um herauszufinden, ob Carmine „The Roman“ Falcone wirklich ihr Vater ist, wie sie vermutet. Mit dabei ist Edward Nygma, der Riddler, der ihr dabei helfen soll, das Geheimnis zu lüften. Der aber erweist sich dabei ziemlich untauglich, sondern nutzt nur jede Gelegenheit, sich an seine Auftraggeberin ranzuschmeißen. Die aber träumt und halluziniert nur von Batman, während sie in Wirklichkeit mit einem blonden italienischen Auftragskiller anbandelt. Ach so, und ganz nebenbei gerät die Dame in Nöte, weil die italienische Mafia hinter ihr her ist.

Aber wen interessiert schon die Handlung, wenn man einer so heißen Braut mit Idealmaßen beim Baden, Räkeln und Nacktschlafen zusehen kann? When in Rome wirkt wie ein einziger feuchter Traum von Comic-Nerds, die sehen wollen, wie Catwoman endlich von Batman flachgelegt wird. Natürlich gibt sie – ganz die Emanze – die Unnahbare. Es ist die dick aufgetragene Erotik, die der Geschichte ihre Spannung verleiht. Bereits in The Long Halloween machte das doppelte Knistern zwischen Bruce und Selina/Batman und Catwoman einen Reiz aus, hier werden die damit verbundenen Sehnsüchte regelrecht ausgeweidet.

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Dark Victory: Bullen am Strick

Batman: Dark Victory

Titel: Dark Victory

Autor/Zeichner: Jeph Loeb/Tim Sale

Erschienen: 1999-2000 (Mini-Serie #0-13)


Seit dem Tod seiner Eltern ist Bruce Wayne allein, seit Harvey Dent zu Two-Face geworden ist (vgl. The Long Halloween), kämpft auch Batman allein gegen das Verbrechen. Das heißt, nicht ganz allein, denn da ist ja immer noch Comissioner Gordon, der gute Polizist. Doch seinesgleichen geht es an den Kragen: Ein Jahr nach dem Ende des Langen Halloween, als der Serienmörder Holiday an Feiertagen Mafiosi erschoss, treibt nun ein weiterer Mörder sein Unwesen. Ein gewisser Hangman knüpft Polizisten und Ex-Polizisten auf – wieder an Feiertagen. Die Rätsel, die der Unbekannte im Stil des Galgenmännchen-Spiels hinterlässt, weisen wieder auf Harvey Dent hin …

Der Nachfolger des Epos The Long Halloween macht es Neueinsteigern nicht leicht. Man muss den ersten Teil gelesen haben, um auch den zweiten zu verstehen, der um einiges komplexer aufgebaut ist. Es gibt sehr viele alte und neue Charaktere, viele Settings und viel Neben-Handlungen wie die Flucht mehrerer Arkham-Insassen und das Familiendrama um die Mafiosi Falcone. Wieder einmal wird hier die Schurken-Parade aus dem ersten Teil aufgefahren. Dennoch behalten Jeph Loeb und Tim Sale ihren selbstgesetzten Qualitäts-Standard bei – und das obwohl sie dieses Mal auch die Entstehungsgeschichte von Robin miteinbauen.

Glücklicherweise ist diese aber auf das Nötigste beschränkt und Robin bekommt eine düstere Erscheinung, der ihn sympathisch und nicht wie sonst nervig erscheinen lässt. Die Engführung von dem jungen Bruce Wayne und Dick Grayson gehört zu den besten Sequenzen des Bandes: Die Szene, in der Grayson das Schlafzimmer der Waynes betritt, wird gespiegelt mit einer Rückblende, in der der junge Bruce sich fast genauso verhält. Das mag vielleicht etwas dick aufgetragen sein, formal gelungen ist es allemal.

Ebenso bemerkenswert ist das visuelle Konzept der Cover, die immer einen andere Figur (meistens Schurken) eingefärbt vor einem schwarzen Hintergrund zeigen. Die letzte Seite der Kapitel zeigt jeweils Jim Gordon vor einer Pinnwand, auf der immer andere Beweismittel zu sehen sind. Das hat den Effekt, dass der Leser so zum Co-Ermittler wird. Allerdings ist es nicht leicht zu erraten, wer der Mörder ist. Doch darum geht es sowieso nicht primär, sondern wie immer um Bruce Wayne, seine Sorgen und Ängste. Diesen Charakter definiert das Dream-Team Loeb/Sale als einen einsamen Rächer, der eigentlich nur Freunde und Mitstreiter sucht.

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The Long Halloween: Das Überschreiten der Grenze

Batman: The Long Halloween

Titel: The Long Halloween (dt. Das lange Halloween)

Autor/Zeichner: Jeph Loeb/Tim Sale

Erschienen: 1996-1997 (Mini-Serie #1-13)


„Two shots to the head. You ask me, it couldn’t have happened to a nicer guy.“ (Harvey Dent)

Stehen drei Männer auf dem Dach des Polizeipräsidium: Gordon, Dent und Batman. Sie sind sich einig über ihr Ziel, sie wollen die Mafia bekämpfen, sie schmieden einen Pakt, dass sie dabei eine bestimmte Grenze nicht überschreiten. Dem Staatsanwalt und dem Vigilanten scheint die Übereinkunft schwer zu fallen. Und kurz darauf beginnt eine Mordserie an der Mafia, ein Jahr lang schlägt der Unbekannte an Feiertagen zu – das lange Halloween. Jeder der drei könnte der Täter sein …

In 13 Kapiteln erzählen Loeb und Sale eines der größten und großartigsten Batman-Epen: In einem Film-Noir-Stil, der sich schon bei Haunted Knight bewährt hat. Am beeindruckendsten sind die Mord-Sequenzen, die in Schwarz-weiß gehalten sind und nur Details zeigen, sowie die doppelten Splash-Pages, wie etwa die mit der eine Lagerhalle voller Geldscheine (die Szene wird später im Film The Dark Knight zitiert). Die Story lässt sich Zeit; das tut vor allem den Charakteren gut. Autor Loeb beweist viel Gespür für Figurenzeichnung, besonders für das Trio Bruce Wayne, Gordon und Dent, deren Hintergründen er viel Platz einräumt. Im Grunde macht The Long Halloween da weiter, wo Year One aufgehört hat. Dort wurde das Bündnis von Batman und Dent nur angedeutet, hier wird es näher ausgeführt und zu einer tragischen Klimax gesteigert. Wir sehen, wie ein fanatischer Gerechtigkeitskämpfer zuerst seine Ehe ruiniert und dann sein Leben, indem er verunstaltet und dadurch zu Batmans Erzfeind Two-Face wird.

Doch selbst den Nebenfiguren, wie etwa der Mafia-Familie Falcone, wird Leben eingehaucht. Dass sich Loeb dabei dreist bei Der Pate bedient, wollen wir es aber, wegen seiner sonst großen Originalität, wohlwollend als intertextuelle Anspielung verstehen. Ansonsten brennt Loeb nämlich ein wahres Feuerwerk für Batman-Fans ab, indem er den wichtigsten Schurken einen Auftritt gibt: Joker, Poison Ivy, Scarecrow, Mad Hatter, Riddler, Catwoman. Hier ist für jeden was dabei.

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Haunted Knight: Heimsuchungen an Halloween

Batman: Haunted Knight

Titel: Haunted Knight (dt. Nacht des Schreckens; Einzelausgaben: Halloween in Gotham City, Irrsinn, Geister)

Autor/Zeichner: Jeph Loeb/Tim Sale

Erschienen: 1993/1994/1995 (Legends of the Dark Knight Halloween Specials), Paperback 1996


„It’s just the thing for a rainy day …“ (Martha Wayne)

Bevor Jeph Loeb und Tim Sale ihr 13-teiliges Epos The Long Halloween schufen und damit zum Batman-Dream-Team der 90er wurden, verdienten sie sich mit drei Halloween-Specials für Legends of the Dark Knight ihre Sporen: Fears, Madness und Ghosts. Gesammelt bilden sie den Band Haunted Knight. Schon hier beweisen sie sich als Meister des sequentiellen Erzählens: Stimmungsvolle Spiele mit Licht und Schatten wie beim Film Noir (wobei der Schatten überwiegt), dynamische Figuren, dramatische Splashpages zum Einrahmen, Anleihen beim Surrealismus. Hoffnungslos verloren wirkt Batman, wenn er im Sturz von Krähen angegriffen wird, wenn in einem schier endlosen Irrgarten seine Kräfte versagen oder angeschossen in Pieta-Stellung in der Gosse liegt.

Im Zentrum stehen nicht die Kämpfe gegen die Schurken Scarecrow, Mad Hatter und Pinguin. Sie bilden nur die Anlässe für Batmans eigene Vergangenheitsbewältigung. Loeb und Sale zeigen einen persönlichen und verletzlichen jungen Helden, der noch am Anfang steht und sich den Dämonen stellen muss, die ihn seit der Kindheit plagen. Besonders deutlich wird das in der dritten Erzählung, die Dickens Weihnachtsgeschichte an den Abend vor Halloween verlegt: Drei Geister suchen Bruce Wayne auf (in der Gestalt von Poison Ivy, Joker und dem Tod) und führen ihm vor Augen, dass er sich nicht damit begnügen kann, sich hinter der Maske von Batman zu verstecken, sondern auch ein Leben als Bruce Wayne braucht – und als dieser angewiesen auf Gesellschaft ist. So sehen wir nicht nur Episoden aus Bruce Waynes Kindheit und seiner Vorliebe für Zorro und Perlen, sondern auch als Erwachsenen in intimen Situationen, wenn er etwa wie ein Junge am Fenster hockt und Alice im Wunderland liest oder Süßigkeiten an Kinder verteilt.

Seit Frank Miller hat niemand Batman so eindrucksvoll inszeniert wie Loeb und Sale. Dieses Buch gehört in jede Sammlung von Freunden wahrer Comic-Kunst. Es ist die perfekte Lektüre für regnerische (Herbst-)Tage.

Zieh dich aus, Fledermaus!

Batman: The Cape and Cowl Conspiracy

Titel: The Cape and Cowl Conspiracy (dt. Die Verschwörung)

Regie/Autor: Frank Paur/Elliot S. Maggin

Erschienen: 1992 (Batman: The Animated Series, S01E31)


Das geht gar nicht: Da kommt man zu einer Spendengala und wird vor aller Augen von Batman gedemütigt und entführt. So geschieht es Baron Jozek, einer zwielichtigen Gestalt. Nachdem Batman ihn verhört, will sich Jozek an seinem Peiniger rächen und beauftragt einen Kerl, Batman in eine Falle zu locken, um ihm Umhang und Maske abzunehmen. Das klappt natürlich nicht beim ersten Mal, denn Batman wehrt sich sehr ausgebufft gegen die Verschwörung. Aber es kommt schließlich zum Äußersten und das Ende ist so überraschend, dass es nicht verraten werden soll. Es macht die Episode jedenfalls zu einer der besten.

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>> Batman: The Animated Series

Warum Batman einen Robin braucht

Batman: A Lonely Place of Dying

Titel: A Lonely Place of Dying

Autor/Zeichner: Marv Wolfman, George Pérez/Jim Aparo

Erschienen: 1989 (Batman #440-442, The New Titans #60-61) Paperback 1990, 2011 (A Death in the Family), 2019 (Batman: The Caped Crusader Vol. 2)


 „Batman and Robin. Maybe they have to be a team. Though sometimes I think I may have created a Frankenstein.“ (Bruce Wayne)

Nach dem Tod von Robin II (Jason Todd) ist Batman nachlässig geworden: er bringt sich selbst unnötig in Gefahr, verletzt sich zunehmend und ist auch sonst eine traurige Erscheinung. Da kommt ein unbekannter 13-Jähriger daher, Tim Drake, der Batman und Robin beobachtet hat, ihr Geheimnis kennt und nun darauf aus ist, den ersten Robin (Dick Grayson), der nunmehr als Nightwing unterwegs ist, dazu zu bringen, wieder Robin zu werden. In der Zwischenzeit versuchen Batman und Two-Face, einander dranzukriegen, indem sie sich gegenseitig Fallen stellen.

Dieser Teil der Story wirkt bemüht konstruiert: Die Doppelstruktur der Erzählung wird in parallel angeordneten Panelreihen enggeführt. Zudem wird Two-Faces Zweier-Manie überstrapaziert – bis hin zu der aufs Auge gedrückten Botschaft, dass auch Batman eine Art Sekundanten braucht. Der Robin-Nightwing-Teil nimmt unnötigerweise einen Umweg über die (lahmen) Titans, wir sehen Dick Grayson dabei zu, wie er einen Mord in seinem ehemaligen Zirkus aufklärt und die Institution vor der Pleite rettet. Und dann gibt es da noch den jungen Tim Drake, der einen wieder daran erinnert, warum er später so nervt. Er ist ein kleiner Klugscheißer, der altkluge, pathetische Reden schwingt und sich in Dinge einmischt, die ihn nichts angehen. Drake ist nicht nur der Robin-Nachfolger, er ist auch derjenige, der erklärt, warum Batman einen Robin braucht – wodurch er sich selbst Legitimation verleiht: „He needs Robin. He needs him to remember what he used to be. Before his parents died.“

DC Comics

Aber eigentlich ist die Begründung egal. Ob man ihn mag oder nicht: Batman braucht einen Robin. Warum? Weil das 1940 so beschlossen wurde und er seitdem (für viele Fans) nicht mehr aus dem Kanon wegzudenken ist. „Das war schon immer so“, ist keine plausible Erklärung, aber eine, die man hinnehmen muss. Dennoch wirkt es plump, wie penetrant sich dieser Tim Drake geradezu in diese Rolle drängt. Und natürlich knickt Batman ein. Bei Robin wird er stets schwach. Ja, vielleicht ist das die wahre Funktion von Robin: Der Sidekick steht für Batmans Schwäche, für all die Fälle, in denen er es alleine nicht bringt.

Vielleicht aber auch ist etwas an dem Satz dran, den Two-Face sagt: „… there are priorities. There are procedures! Without procedure there is anarchy, systems fall apart.“

(Hinweis: Dieser Artikel wurde zuletzt am 27.2.2024 aktualisiert.)

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Blind Justice: Am Thema vorbei

Batman: Blind Justice

Titel: Blind Justice (dt. Blinde Gerechtigkeit)

Autor/Zeichner: Sam Hamm/Denys Cowan

Erschienen: 1989 (Detective Comics #598-600)


„… I suppose I’ve justified my existence for one more night.“ (Batman)

Blind Justice sollte die Jubiläums-Story zu 50-jährigen Bestehen des Helden werden. Man engagierte Sam Hamm, den Co-Autor des Drehbuchs zum Batman-Spielfilm aus dem gleichen Jahr. Doch das Problem an dieser Geschichte ist, dass sie für diesen Anspruch ihren Titelhelden zu stark vernachlässigt. Viel zu sehr geht es um Bruce Wayne und Nebencharaktere. Aber eines nach dem anderen.

Zunächst muss sich Batman mit dem sogenannten Bonecrusher herumschlagen (was für ein blöder Name!), einem maskierten Muskelberg mit einer Schallkanone, der Menschen in Matsch verwandeln kann. Und obwohl der Schurke die Eigenschaft hat, beim Scheitern den Freitod zu wählen, kehrt er immer wieder von den Toten zurück – so scheint es jedenfalls. Aufklärung verspricht eine Nebenhandlung: Eine Frau kommt nach Gotham, um ihren verschwundenen Bruder Roy zu suchen. Es stellt sich heraus, dass er als Versuchskaninchen bei Waynetech diente. Ein ominöses Kartell hat den Konzern infiltriert und will nun Bruce Wayne mit einer Schmutzkampagne fertig machen. Ausgehend von seiner Weltreise nach dem Tod seiner Eltern wollen ihm die Bad Guys anhängen, ein kommunistischer Spion zu sein.

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Batman gegen KGBeast

Batman: Ten Nights of the Beast

Titel: Ten Nights of the Beast

Autor/Zeichner: Jim Starlin/Jim Aparo

Erschienen: 1988 (Batman #417-420), Paperback 1994


 „I’m not in this business to protect the rules. I serve justice.“ (Batman)

Beast, ein russischer KGB-Super-Agent der Spezialeinheit The Hammer, treibt in Gotham sein Unwesen auf eigene Faust. Sein Ziel: Das US-Atomwaffen-Programm zu schwächen, indem er die Beteiligten beseitigt. Zehn Namen stehen auf seiner Liste, die ersten sind schon tot und Batman versucht mit der Polizei zu verhindern, dass es nicht mehr werden. Aber Beast – oder auch KGBeast – ist nicht nur ein starker, sondern auch ein ausgefuchster Gegner.

Kommt uns das Prinzip bekannt vor? Ja, es ist mal wieder ein Aufguss der Einer-nach-dem-anderen-Serienmord-mit-Ankündigung-Story, die wir vom Joker aus Batman #1 kennen (bzw. aus der Neufassung The Man Who Laughs), nur eben in einem neuen Gewand. Da KGBeast, eine Art Vorläufer Banes, äußerst einfallsreich bei der Ausführung seiner Morde ist (manchmal zu einfallsreich), kommt es zu einigen spannenden Konfrontationen mit Batman, der alle Hände voll zu tun hat, Schadensbegrenzung zu betreiben. Zum Schluss ist sogar Präsident Ronald Reagan in Gefahr.

Die pfiffigste Überraschung, die Batman zu bieten hat, kommt am Ende, als er KGBeast einen Endkampf verweigert und ihn einfach hinter einer stählernen Tür einschließt. „There’s no reason for me to risk my life, coming in there after you“, sagt er. Manchmal muss man auch die Chance ergreifen, wenn man einen Kampf vermeiden kann.

>> Batman 1990-1999

Strange Apparitions: Kein Patent für Joker

Batman: Strange Apparitions

Titel: Strange Apparitions

Autor/Zeichner: Steve Englehart, Len Wein/Marshall Rogers, Walt Simonson

Erschienen: 1977/1978 (Detective Comics #469-479), Paperback 1999; dt. Panini 2012 (Batman Collection: Marshall Rogers), Eaglemoss Collection 2015 (Im Zeichen des Jokers)


„But the fish share my unique face! If colonel what’s-his-name can have chickens, when they don’t even have mustaches –!“ (Joker)

Obwohl die Geschichte unter einem Titel zusammengefasst wurde und ein linearer Zusammenhang besteht, ist es schwer, hier von einer Story zu sprechen. Im Grunde sind es sechs Geschichten, die aufeinander folgen. Batman begegnet einem radioaktiven Glühwürmchen namens Dr. Phosphorus, dann Hugo Strange, dem Pinguin, Deadshot, Joker und Clayface. Den roten Faden bilden Nebenhandlungen mit Rupert Thorne, der Batman aus der Stadt haben will, sowie Bruce Waynes Liebschaft mit Silver St. Cloud. Aber ein Spannungsbogen ergibt sich nicht.

Die meisten dieser Geschichten mögen für die späten 70er vielleicht was hergegeben haben, aus heutiger Sicht sind sie altbackene Standardware. Vor allem die Erzählung, in der der Joker, Fische zum Lächeln bringt (The Laughing Fish), um sie patentieren zu lassen, hat zwar einen ungewöhnlichen Ausgangspunkt, ist aber sonst ziemlich schwach, vor allem, weil sie sich zu sehr bei der ersten Joker-Story in Batman #1 bedient.

Die interessanteste Geschichte ist die um Hugo Strange. Der kommt nämlich zufällig hinter Batmans Geheimidentität, nimmt dessen Position als Bruce Wayne ein, um ihn auszunehmen und zu ruinieren, und veranstaltet eine Auktion, bei der er den Namen an den meistbietenden Schurken zu versteigern versucht. Wie man sich denken kann, wird das Schlimmste verhindert. Dafür gibt es aber eine Frau, Silver St. Cloud, die ebenfalls eins und eins zusammenzählt und herausfindet, dass der Mann den sie liebt, nachts gerne Verbrecher verprügelt. Die Schlussfolgerung daraus kann nur eine Tragische sein: Die Beziehung zerfällt.

Die filigranen Zeichnungen von Marshall Rogers entschädigen für die Kritzeleien eines Walt Simonson und das insgesamt mäßige Storytelling. Aber vielleicht muss man diese 70er-Jahre-Geschichten auch mit anderen Augen sehen. Immerhin gelten sie als einflussreiche Klassiker. (In den 80ern diente Strange Apparitions zunächst als Vorlage für das Drehbuch des geplanten Batman-Films, der erst 1989 von Tim Burton realisiert wurde – allerdings mit einem ganz anderem Script.)

Zwei der Storys wurden für Episoden der Animated Series wiederverwendet. Die Grundidee der Hugo Strange-Story wurde in „The Strange Secret of Bruce Wayne“ (S01E37) aufgegriffen; dort bieten Joker, Two-Face und Pinguin um ein Videoband, auf dem Strange Bruce’s Trauma aufgezeichnet hat.

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In „The Laughing Fish“ (S01E34) erzählt Paul Dini die Joker-Story neu, wobei er sich zwar überwiegend an die Vorlage hält (zum Teil sogar wörtlich), er aber ein wesentlich spannenderes Finale mit einem Haifisch-Kampf erzählt (der ist „The Joker’s Five-Way-Revenge“ entlehnt). Vor dem Hintergrund der lachenden Fische allerdings erscheint die später in Mad Love zum Tragen kommende Idee mit den grinsenden Pyranhas wie ein Abklatsch … (wenn auch ein guter!)

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(Dieser Artikel wurde am 6.11.2017 überarbeitet und aktualisiert.)

>> Batman 1970-1979

Sauberer Bulle, dreckige Stadt

Gotham

Gotham ist eine Batman-Serie ohne Batman. Im Mittelpunkt steht die Anfangszeit des Polizisten James Gordon, der versucht, den Mord an der Familie Wayne aufzuklären. Nebenbei erfährt man die Entstehungsgeschichten von Batmans Schurken. Das ist reißerisch, unterhaltsam, aber nicht zwingend sehenswert.

Die Vorgeschichte ist ein zweischneidiges Schwert. Zum einen ist es hilfreich, eine zu erzählen, wenn man den Charakteren Tiefe verleihen will. Doch während man die Motive erklärt, läuft man Gefahr, in küchenpsychologische Klischees zu verfallen: schlimme Kindheit – böse Taten etc. Zum anderen erlaubt das Erzählen von Vorgeschichten, die Abenteuer beliebter Figuren fortzusetzen, aber dabei läuft man Gefahr, sich auf den Vorläufern auszuruhen und nichts anderes zu bieten, als das, was man erwartet. Und jeder weiß, dass es interessanter ist, zu erzählen „Darth Vader ist Anakin Skywalker“ als „Anakin Skywalker wird Darth Vader“.

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