Batman ist ein anderer

perchance to dream

Titel: Perchance to Dream (dt. Der Alptraum)

Regie/Autor: Boyd Kirkland/Laren Bright, Michael Reaves, Joe R. Lansdale

Erschienen: 1992 (Batman: The Animated Series, S01E30)


Seltsam: Eben noch ist Batman in eine wilde Verfolgungsjagd verwickelt, am nächsten Morgen wacht er auf und weiß nicht mehr, wie er hergekommen ist. Das eigentliche Problem ist aber: Niemand weiß, dass er Batman ist. Alfred hat noch nie etwas von Robin gehört, auch fehlt der Eingang zur Bathöhle. Bruce Wayne ist mit Selina Kyle verlobt und seine Eltern leben. Eigentlich müsste damit alles gut sein, aber Bruce Wayne wird die Überzeugung nicht los, dass hier einiges nicht stimmt. Denn Batman gibt es zwar – aber er ist ein anderer. Es kommt zwangsläufig zu einer aufschlussreichen Konfrontation.

Bruce Wayne versus Batman

Bruce Wayne versus Batman

Was sich liest, wie eine Elseworlds-Geschichte ist in Wirklichkeit eine Art künstlicher Traum, mit der Batman vom Mad Hatter ruhig gestellt worden ist. Die Story ist nicht nur wegen ihrer albtraumhaften Stimmung interessant, sondern auch weil sie Filme wie Matrix und Inception vorwegnimmt.

Perchance to Dream ist inspiriert von Identity Crisis (Detective Comics #633, 1991).

>> Liste der Batman-TAS-Episoden

Wie die Fledermaus zum Kinde kam

DC Comics

Titel: Son of the Demon (dt. Der Sohn des Dämons)

Autor/Zeichner: Mike W. Barr/Jerry Bingham

Erschienen: 1987 (One-shot), Paperback 2012 (Birth of the Demon); dt. Hethke 1989 (Batman Sonderband 2)


 „… forego your control, your discipline … just once, let yourself go … and take me with you.“ (Talia al Ghul)

Eine unbekannte Bande überfällt ein Chemiewerk, nimmt Geiseln und Batman rettet den Tag. Am Tatort ist auch Talia al Ghul, Tochter des Erzfeindes Ra’s. Sie leugnet jegliche Beteiligung an dem Überfall, also fliegt man gemeinsam zu Papa nach Hause, wo Ra’s dem Detektiv klarmacht, dass sie gegen einen gemeinsamen Feind kämpfen: Qayin, den Mann der Ra’s Frau getötet hat, ist mit den Jahren ein Superschurke geworden, der mit einem Wetter-Satelliten die Welt in den dritten Weltkrieg stürzen will. Während Gegner zu Verbündeten werden, kommen sich Batman und Talia wieder näher, erneuern ihre Ehe und vollziehen sie. Das Resultat dürfte bekannt sein, der Titel verrät es, daher bitte ich den Leser, mir den Spoiler zu verzeihen: Sie zeugen ein Kind.

Und obwohl Son of the Demon noch kein Elseworlds-Logo trägt, hat es lange als nicht-kanonische Story gegolten, bis Autor Grant Morrison ihre Grundidee wiederaufgegriffen und mit Damian Wayne Robin V geschaffen hat (Batman and Son).

Ansonsten ist das Buch ein solides Abenteuer im klassischen Gewand – also ohne große Überraschungen oder ausgefeilte Dialoge, dafür mit den üblichen Schwächen. Wie so oft geht manches zu schnell, wie etwa Ra’s Allianz mit Batman und der Kuhhandel, der Talia betrifft, geht auch allzu leicht vonstatten. Eigentlich will Batman nur einen Schurken fassen und dann lässt er sich spontan auf eine Ehe mit einer Frau ein, die einen größenwahnsinnigen Psycho zum Vater hat. Jerry Bingham ist ein fähiger Zeichner, der seinen Figuren Ausdruck und Schwung verleiht, Mike W. Barr ein Autor, der mit dieser Graphic Novel eines seiner besseren Werke abgeliefert hat.

(Für IGN ist Son of the Demon der fünftbeste Batman-Comic aller Zeiten, zudem die beste Ra’s-Story.)

Hinweis: Son of the Demon wurde zusammen mit den beiden anderen Teilen der Trilogie, Bride of the Demon und Birth of the Demon, in dem Sammelband Batman: Birth of the Demon (2012) aufgelegt.

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Die unerhörten Schreie der Kinder

Batman: Night Cries

Titel: Night Cries (dt. Ein Schreien in der Nacht)

Autor/Zeichner: Archie Goodwin/Scott Hampton

Erschienen: 1992 (One-shot)


„Blinde Fledermäuse bewegen sich problemlos an Hindernissen vorbei, doch taube Exemplare verirren sich hilflos.“

Zwei Familien werden brutal abgeschlachtet. Zunächst scheint es um einen Drogenkrieg zu gehen, doch dann stellt sich heraus, dass die Verbindung zwischen den beiden Fällen im Kindesmissbrauch besteht – höchst ungewöhnlich für eine Batman-Story. Warum das so ist, zeigt sich auch am Ende, wenn der Held an der Erkenntnis verzweifelt, dass erzwar viele Verbrechen sieht, verhindern oder rächen kann, aber für die unzähligen Schreie der Kinder taub ist.

Batman ermittelt zusammen mit dem frischgebackenen Comissioner Gordon. Bei diesem hängt mal wieder der Haussegen schief, weil das Privatleben wegen der Arbeit leidet und er sich daher die Frage gefallen lassen muss, warum er als Polizeichef immer noch auf der Straße ermittelt. Zudem muss er auch sein Kindheitstrauma bewältigen, von seinem Vater geschlagen worden zu sein. Damit wird der Fall auch zum persönlichen Anliegen, die Kette der Misshandlung zu durchbrechen.

Comic-Altmeister Archie Goodwin schafft es, mit seiner Story den Leser im Unklaren zu lassen und einige falsche Fährten zu legen. Dazu passen die gemalten Panels von Scott Hampton, die diesen Band erst veredeln. Die Bilder sind häufig so dunkel bis schwarz, dass man erst auf den zweiten Blick etwas erkennt, unscharfe Konturen lassen die Figuren mit den Hintergründen verschwimmen. So schafft der Künstler eine bedrückende Atmosphäre, die dem ohnehin schon düsteren Thema gerecht wird. Ein Band für Anspruchsvolle, für dunkle Herbstabende – oder lieber was für sonnige Tage, wenn es einen nicht so sehr runterzieht.

>> Batman 1990-1999

Fanboy Bruce Wayne

Beware the Gray Ghost

Titel: Beware the Gray Ghost

Regie/Drehbuch: Boyd Kirkland/Dennis O’Flaherty & Tom Ruegger (Story), Garin Wolf & Tom Ruegger (Teleplay)

Erschienen: 1992 (The Animated Series S01E18)


Nicht Zorro hat Bruce Wayne dazu inspiriert, ein maskierter Vigilant zu werden, sondern der Gray Ghost (dt. das Graue Phantom). Nie gehört? Dabei war er für den jungen Bruce der Serienheld schlechthin. (Jedenfalls im Animated-Universe.) Ein cooler Typ mit Hut, Umhang und einer seltsamen Brille, der Schurken wie dem Mad Bomber das Handwerk legt. Begeistert verfolgte Bruce die Sendung zusammen mit seinem Vater. Jahre später, terrorisiert ein Unbekannter, der sich ebenfalls Mad Bomber nennt, Gotham City.

Der junge Bruce als Gray Ghost-Fan

Da fällt Batman die Serie seiner Jugend ein, doch als er sie im Archiv einsehen will, ist sie verschollen. Also sucht er den ehemaligen Gray Ghost-Schauspieler Simon Trent auf, um ihn um Hilfe zu bitten. Der Alte ist jedoch arbeitslos, finanziell ruiniert und ohne Selbstvertrauen. Es braucht einige Überredungskunst, bis sich Trent darauf einlässt, ein echter Verbrechensbekämpfer zu werden – selbstverständlich im Gray Ghost-Kostüm.

Autogrammstunde.

Diese Folge ist in vielerlei Hinsicht interessant wie liebenswürdig. Zum einen ist da der Aspekt der Hommage an die den Pulp-Fiction-Helden  The Shadow, der als Vorbild für Batman diente. Der Stil der alten Serials wird mustergültig aufgegriffen und mit der Zeichentrickserie enggeführt. Zum anderen bekommt der Charakter Bruce Wayne Tiefe verliehen, indem wir ihn als begeistertes Fernseh-Kind erleben und auch später als einen wahren Fanboy, der sich in der Bathöhle einen Schrank mit Gray Ghost-Merchandise einrichtet.

Schließlich wird Wayne sogar zum Wohltäter für den Schauspieler Trent, indem er ihn am Ende wieder dem Publikum in Erinnerung ruft und zu einer zweiten Karriere verhilft. Kurzum: Eine perfekte Episode, in der am deutlichsten wird, wie viel Nostalgie in dieser Serie mitschwingt.

>> Liste der Batman-TAS-Episoden

Thrillkiller: Batman zurück in den 60ern

Batman: Thrillkiller

Titel: Thrillkiller/Thrillkiller ’62

Autor/Zeichner: Howard Chaykin/Dan Brereton

Erschienen: 1997/1998 (#1-3, One-shot), dt. Carlsen 1999


Was wäre, wenn … es zuerst Batgirl und Robin gegeben hätte, Bruce Wayne nur Detective bei der Polizei wäre und der Joker eine Frau? Davon geht Thrillkiller aus. Die vierteilige Elseworlds-Story spielt in den Jahren 1961 bis 1962. Das dynamische Duo mischt „knüppelschwingende Bullen“ auf, die gegen Studentenproteste vorgehen, legen sich aber auch mit der Unterwelt und korrupten an – wogegen aber Papa Gordon bei der Polizei vorgehen muss.

Wir sehen, wie Bruce Wayne zu Batman wird, einer ambigen moralisierenden Figur, die einerseits protestierende Studenten in die Bibliothek verdonnert und andererseits der Polizei den Rat gibt, sich nicht wie die Gestapo zu verhalten. Das war’s aber auch schon in Sachen Charaktertiefe. Robin, der eine bemüht europäische Herkunft erhält („Richard Graustark“?!), wird zum größten Waschlappen der Story; einzig sein Kostüm mit der College-Jacke überzeugt. Dass Barbara Gordon zur Batgirl geworden ist, nachdem sie ihre Mutter in einer fledermausförmigen Blutlache hat sterben sehen, wirkt ebenso konstruiert wie die Erklärung, warum sie Wayne Manor bewohnen darf.

Bei Elseworlds-Geschichten geht es um Verschiebungen. Doch mehr als eine Rochade bietet Thrillkiller nicht. Die Story bleibt flach, konzentriert sich eher auf Liebeleien zwischen den Hauptcharakteren und wird durch sprunghaftes, allzu übereiltes Erzählen nicht besser. Einige Motive der Figuren bleiben unklar, wie etwa warum Batgirl ihr Kostüm ablegt, aber dann zu Robin wird oder warum „Harley Quinn“ eine Mörderin ist. Der blumige Stil der Erzählstimme nervt, die melodramatischen Dialoge heben das Niveau nicht über den Durchschnitt. Die unbeholfene deutsche Übersetzung tut dem Text keinen Gefallen.

Das größte Plus sind die gemalten Panels von Dan Brereton, der sich eines knallbunten, expressionischen Stils bedient. Allerdings wirken seine Figuren oft steif und gleichförmig. Die Gesichter der Figuren sind so ähnlich (Stichwort: Schmollmünder), dass sie meist nur an ihren Haaren oder ihrer Kleidung zu unterscheiden sind. Bei Frauen scheinen nur Oberweite und Dekolleté zu zählen. Naja, immerhin ein paar Hingucker …

Dafür hätte es den Sprung in die 60er wirklich nicht gebraucht.

(Übrigens verließ Elvis die Army bereits 1960 und nicht, wie behauptet wird, 1961.)

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics

Die Freuden des Freudianers

The Batman of Arkham

Titel: The Batman of Arkham

Autor/Zeichner: Alan Grant/Alcatena

Erschienen: 2000 (One-shot)


Was wäre wenn … Bruce Wayne im Jahr 1900 Psychiater und Leiter von Arkham Asylum wäre?

Dann wäre er ein Freudianer, Philanthrop und natürlich auch Batman. In Alan Grants Elseworlds-Story erscheint Wayne als fortschrittlicher Arzt, der – anders als zu der Zeit üblich – seine Patienten nicht wegsperrt und unterdrückt, sondern zu heilen versucht. Bei Killer Croc hat das offenbar funktioniert, nun versucht Wayne sein Glück auch mit Poison Ivy, dem Bauchredner und Two-Face. Die Frage, die ihn dabei beschäftigt ist, was Menschen zu Mördern macht. Die Antworten darauf fallen unterschiedlich aus.

Wie üblich vertritt der Joker die steilste These: „The whole world is a death factory! Sooner or later, everybody dies … What matter if I hasten things along? Some might say I’m doing everybody a favor!“ Gesagt, getan. Der Joker tyrannisiert die Stadt mit seinem berüchtigten Lachgas. Als Batman eine Dosis abbekommt, kann er das Lachen nicht lassen und wird selbst Patient in Arkham. Dort übernimmt Dr. Crane die Leitung, was einer Schreckensherrschaft gleichkommt. Crane macht allen Fortschritt Waynes zunichte, er glaubt an die Macht der Angst. Nicht von ungefähr hat er den Schatten einer Vogelscheuche …

Wie so häufig bei Alan Grant ist auch diese Story voller Grübeleien über Gott und die Welt: „Gotham has always been synonymous with insanity“, sinniert Wayne. „The city has always carried the taint of madness. Is it someting in the water, perhaps … or even in the air itself?“ Für Two-Face ist die Ursache globaler Natur: „The world is an irrational place, doctor. Men fight wars, burn cities, torture each other. How can a product of this madness ever make a rational decision?“

Das gerade einmal 48 Seiten umfassende Buch ist vor allem formal interessant, nicht nur wegen der schön düsteren Zeichnungen von Alcatena, sondern auch weil die Panels in Jugendstil-Ornamenten untergebracht sind. Batman ist in einem Kostüm unterwegs, das an das von 1939 erinnert. Außerdem gibt es eine schöne Variation des Elternmordes – er findet bei einer Zirkusvorstellung statt, in der gerade Clowns das Publikum zum Lachen bringen … Man kann jedes Trauma noch steigern.

Weitere Arkham-Storys:

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics

Batman in der Zwangsjacke

The Last Arkham

Titel: The Last Arkham (dt. Wahnsinn in Arkham)

Autor/Zeichner: Alan Grant/Norm Breyfogle

Erschienen: 1992 (Shadow of the Bat #1-4), Paperback 1995; dt. 1997 (Ehapa)


Der gefährlichste Insasse des Arkham Asylum, so sagt es uns der Anstaltsleiter persönlich, –  ist Batman. Zu lange habe er sich am Abgrund bewegt, eines Tages sei er abgestürzt. Ein Mord soll ihn hergebracht haben. „Du bist jetzt hier zu Hause“, sagt Jeremiah Arkham zu einem angeketteten Batman. Wie er dort hingekommen ist? Auf der Jagd nach einem Serienmörder ist Batman selbst zum Mörder geworden. Comissioner Gordon überwältigte ihn und ließ ihn in Arkham einliefern. Dort muss der Held nicht nur einen Weg hinaus finden, sondern auch den Fall lösen.

Der mutmaßliche Killer ist Zsasz, der Typ, der seine Opfer mit Narben am eigenen Körper zählt, und der hier seinen ersten Auftritt hat. Der eigentliche Hauptgegner der Geschicht ist jedoch Jeremiah Arkahm, der zweifelhafte Ansichten und Methoden vertritt sowie es wegen seiner Verstocktheit an Kooperationsbereitschaft vermissen lässt. Daneben darf sich Batman auch gegen ein All-Star-Aufgebot der Arkham-Insassen prügeln, was ihm aber auffällig leicht gelingt …

Norm Breyfogle gehört zwar zu den besseren Zeichnern, doch man hat schon bessere Leistungen von ihm gesehen. Zuweilen wirken seine Figuren zu sehr hingeworfen als fein herausgearbeitet; die plumpe Farbgebung ist nicht gerade ein Genuss, aber der Mode der Zeit geschuldet. Die Story selbst hat ihre Schwächen: Batmans Einlieferung ist zwar ein toller Aufhänger, aber lässt es an Logik vermissen. Die Erklärung, warum der Held in Arkham seine Maske aufbehalten darf und folglich anonym bleibt, hinkt ziemlich. Die größte Stärke bleibt die Ausarbeitung der Figur Jeremiah Arkham, der am Ende die Welt – und vor allem sich selbst – mit anderen Augen sieht.

Batman: Dreams in Darkness

Interessanterweise erschien im selben Jahr eine Episode der Batman-Zeichentrickserie (S01E28, „Dreams in Darkness“), in der es ebenfalls darum geht, dass Batman Patient in Arkham ist. Dort ist er allerdings wirklich dem Wahnsinn nah, weil er ein halluzinogenes Gas von Scarecrow (dem „Panikmacher“) eingeatmet hat. Verglichen mit The Last Arkham erzählt diese Episode die bessere Geschichte.

Weitere Arkham-Storys:

Batman am Boden

Batman: I Am The Night

Titel: I Am The Night

Regie/Drebuch: Boyd Kirkland/Michael Reaves

Erschienen: 1992 (Batman: The Animated Series, S01E49)


„Mit einem müden Körper wird man schon fertig. Aber ein müder Geist ist etwas anderes.“

Batman: I Am The NightBatman ist deprimiert. Grübelnd hockt er in seiner Höhle, ist müde, isst nichts mehr. „Manchmal frage ich mich, Alter Freund, ob meine Arbeit überhaupt irgendeinen Sinn hat“, sagt er zu Alfred. Er habe bloß ein paar Brände gelöscht, ein paar Schlachten gewonnen, aber der Kampf gehe immer weiter. So viel Selbstzweifel, so viel Niedergeschlagenheit sieht man bei Batman selten – besonders in der Animationsserie. In dieser Folge erscheint der Superheld jedoch am schwächsten.

 

Batman: I Am The NightNachdem bei einem Polizei-Einsatz gegen den „Jazz-Man“ sich James Gordon eine Kugel einfängt und auf der Intensivstation landet, macht sich Batman Vorwürfe, das Unglück nicht verhindert und vielleicht sogar befördert zu haben. „Wie viele gute Taten kann ich denn schon für mich verbuchen?“, fragt er im Gespräch mit Dick Grayson. „Man verkauft T-Shirts von mir. Ich bin ein wandelndes Klischee geworden. Wie hoch ist denn schon mein Einsatz gegen das Verbrechen?“ Diese T-Shirts und anderes Merchandising werden zuvor in der Folge gezeigt. Batman ist auch in seiner Welt ein Mythos und ein Pop-Phänomen.

Batman: I Am The Night

Batman plagen Zweifel, ob sein Weg der richtige ist und ob er ein anderes Leben führen sollte. Da er Angst hat, mehr Schaden anzurichten als Gutes zu tun, wirft er an seinem Tiefpunkt seine Maske weg. „Wenn man zu lang in den Abgrund blickt, wird man magisch hinuntergezogen.“ Natürlich schafft er es doch, sich zu überwinden. Nicht zuletzt, weil ihn Robin an seine Prinzipien erinnert. Am Ende rettet er nicht nur Gordon vor einem Attentat, sondern erkennt auch, dass er es auch anderen ermöglicht, ein besseres Leben anzufangen.

Den Serienmachern ist diese Episode nicht hoch genug anzurechnen. Sie beweisen Mut zur Melancholie und legen damit einen der besten Beweise dafür vor, dass diese Serie nicht (nur) etwas für Kinder ist.

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Batman versus Bruce Wayne

Batman: Ego

Titel: Batman: Ego

Autor/Zeichner: Darwyn Cooke

Erschienen: 2000 (One-shot), Reprint 2007/2008/2017 (Batman: Ego & Other Tails)


„Tell me, Batman, is it true you’re just an underdone potatoe?“ (Bruce Wayne)

Nachdem Batman den Joker wieder einmal besiegt hat, muss er mitansehen, wie der Handlanger sich aus Angst vor Rache erschießt. Der Held gerät in Selbstzweifel und fragt sich, ob er nicht selbst verrückt sei. Als Bruce Wayne erscheint ihm plötzlich eine bösartige Batman-Gestalt, sein Alter Ego, lässt sich von ihm in ein Selbstgespräch verwickeln und – wie einer der drei Weihnachtsgeister – mit seiner eigenen Vergangenheit konfrontieren.

Der Held muss sich einige unangenehme Fragen gefallen lassen, die tief an seinem Innersten rühren. Etwa, warum er den Joker leben und dadurch immer mehr Morde zulässt. Oder was an seinem öden Leben als Bruce Wayne sich Leben nennen darf. Schließlich bietet ihm sein Alter Ego an, seine Persönlichkeit so zu spalten wie Two-Face, sodass Bruce Wayne nicht mehr verantwortlich ist für Batmans Taten und so beide frei sein können …

Darwyn Cooke hat zunächst als Storyboard-Zeichner für die Animated Series von Batman und Superman gearbeitet – und das merkt man. Sein schlichter Zeichenstil erinnert stark an den der Serien, vor allem an die Zeichnungen von Bruce Timm (Mad Love) und Scott Beatty (Robin: Year One). Sein cineastischer Erzählstil könnte gut für eine Verfilmung geeignet sein. Dann allerdings ginge der Reiz des Comics verloren. Ein bemerkenswertes Buch, das wegen seiner intimen Introspektion zu den intensivsten Batman-Comics gehört.

>> Batman 2000-2011

The Cult: Herrschaft des Untergrunds

DC Comics

Titel: The Cult (dt. Der Kult)

Autor/Zeichner: Jim Starlin/Bernie Wrightson

Erschienen: 1988 (Mini-Serie #1-4), Paperback 1991/Deluxe Edition 2024; dt. Hethke 1989, Panini 2022 (Deluxe Edition)


 „There’s nothing we can do to help Gotham. It’s all over. We’ve lost.“ (Batman)

Fast zehn Jahre lang hat Batman gegen die übelsten Verbrecher und Psychos gekämpft und immer gesiegt – er schien unbesiegbar. Doch dann kommen ein paar buchstäbliche Penner dahergelaufen, überwältigen ihn, nehmen ihn in der Kanalisation gefangen. Und ihr Anführer Deacon Blackfire, ein selbsternannter Messias, schafft es, Batman mit Folter und Drogen zu brechen. Schlechte Aussichten. Während Batman da unten halluziniert und zum Ein-Personen-Kult bekehrt wird, übernehmen die Penner eine Schreckensherrschaft über Gotham. Brutal schlachten sie zunächst alle Verbrecher ab, dann alle, die sich ihnen in den Weg stellen. Gotham wird evakuiert, selbst die Army wirkt machtlos. Und obwohl Batman es schafft, sich zu befreien, gibt auch er seine Stadt auf …

DC Comics

The Cult zeigt uns einen schwachen Batman. Sein Gesicht sieht meist aus, als würde er gleich in Tränen ausbrechen, er hat Angst zu kämpfen, kurzum: der Held ist hier mehr denn je ein Waschlappen. Selbst der lahme Robin II wirkt dagegen, als stünde ihm das Fledermauskostüm besser. Einerseits nervt das, andererseits sind es Batmans Albträume und Halluzinationen, die die stärksten Eindrücke hinterlassen. Zeichner Bernie Wrightson und Kolorist Bill Wray schaffen es, ein Gefühl von Bedrückung und Horror zu vermitteln. Kunstvolle Einfälle wie ‚zerbrechende‘ Panels verstärken den Effekt. Besonders gelungen sind die gemalten Cover der ersten beiden Einzelausgaben, auf denen Batman in Details nur angedeutet wird.

Autor Jim Starlin hat eine der brutalsten Batman-Stories geschrieben, doch die Gewalt bleibt nicht Selbstzweck. Sie führt Batman an ihre Grenzen – und darüber hinaus. Da dieser Aspekt der stärkste an der Geschichte ist, sei ihr auch verziehen, dass sie im Finale ziemlich abflacht. (Dass er am Ende wieder zur Pistole greift, wird – anders als in Year Two – leider nicht problematisiert.)

Cover zu The Cult: Deluxe Edition 2024 und Paperback 1991. (DC Comics)

Starlin bietet in seinem Vorwort an, The Cult als eine Allegorie auf die Lobby der Moralapostel lesen könnte, die in den USA gegen Superheldencomics und andere unliebsame Kunstformen vorgehen – eine Rückkehr zu den Anfängen des Comics Codes. Erschreckend, dass es immer noch Menschen gibt, die glauben, dass man mit Zensur, Verboten und der Vernichtung von Kulturgütern etwas Gutes tun kann. Im Gegenteil: Ein Buch wie The Cult verdient es jedenfalls, wieder neu aufgelegt zu werden.

>> Batman 1980-1989


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