Comic

Gotham by Gaslight wird animiert

DC Comics

Gotham by Gaslight, die Geschichte über Batman und Jack the Ripper, wird als Animationsfilm adaptiert. Das geht aus der Blu-ray-Hülle des Zeichentrickfilms Batman and Harley Quinn hervor, der im August bzw. September veröffentlicht wird. Dort ist unter den Extras ein „Sneak Peek“ aufgeführt, also eine Vorschau auf den nächsten DC Animationsfilm. Gotham by Gaslight von Mike Mignola (1989) gilt als erste Elseworlds-Story, auch wenn das Label dafür zunächst noch nicht verwendet worden ist, sondern erst zwei Jahre später für Holy Terror. Ebenfalls 1991 kam die Fortsetzung, Master of the Future, heraus, die allerdings mit dem ersten Teil nicht mithalten kann. Auf nerdist.com wird spekuliert, ob für den Film beide Comics als Vorlage dienen werden, um auf die nötige Länge zu kommen.

Batman: Gotham by Gaslight wird damit die erste Elseworlds-Verfilmung sein, wenn man davon absieht, dass The Dark Knight Returns auch nicht im regulären DC-Universum spielt. Ein Veröffentlichungstermin steht noch nicht fest, aber wahrscheinlich sind Ende 2017 oder Anfang 2018.

Aus Mister Zero wird Mister Freeze

DC Comics

Titel: Mr. Freeze’s Chilling Deathtrap!

Autor/Zeichner: Gardner Fox/Chic Stone

Erschienen: 1968 (Detective Comics #373), Paperback 2017 (Batman Arkham: Mister Freeze)


„Mr. Freeze! That sounds like a campy name dreamed up for a villain in a television program!“ (Robin)

Bruce Waynes Tante, aunt Harriet, wird ins Krankenhaus eingeliefert. Nur eine Notoperation kann sie retten, bei der Kryochirurgie angewandt wird, also eine Technik bei der starke Kälte angewandt wird. Doch mitten in der OP fällt das Gerät aus. Wie der Zufall es will, hat just an diesem Tag Mister Zero sein Comeback. Er nennt sich jetzt Mister Freeze und erweist sich als wahrer Kunstliebhaber, denn er raubt ein Gemälde, das ein Winter Wonderland zeigt – und zwar nur, weil es ihm gefällt. Wie er die Aktion finanziert und warum er wieder seinen Kälteanzug trägt, obwohl er zuletzt dank einer Dampfkur von seinem Leiden geheilt war, das bleibt ein Rätsel.

Jedenfalls lassen Bruce und Dick die geliebte Tante schweren Herzens im Krankenhaus zurück, um sich um Freeze zu kümmern und ihm für die OP seine Eiskanone zu klauen. Und obwohl das alles sehr sporadisch passiert, sind sie bestens vorbereitet: Gegen Eisglätte streuen sie sich schnell Sand vor die Füße, gegen die Kälte tragen sie beheizte Anzüge. Und kaum haben sie dem Schurken die Eiskanone abgenommen, ist Robin auch schon verschwunden. „Run for aunt Harriet’s life!“, ruft Batman selbstvergessen Robin zu, ungeachtet der Preisgabe seiner Geheimidentität.

Doch zum Glück hören die Schurken nicht hin, als sie sich auf ihn stürzen. Batman wird (schon wieder) in einem Eisklotz gefangen genommen. Um ihn diesmal wirklich zu beseitigen, schleppen Freeze’s Handlanger den Klotz auf das Dach eines Wolkenkratzers und der Schurke stößt ihn in die Tiefe. (Umständlicher geht es wirklich nicht.) Innerhalb von Sekunden kann sich der Entfesselungskünstler mittels einer hanebüchenen Methode befreien und eiskalt mit Freeze abrechnen …

Verzeiht diesen miesen Kalauer. Das muss dem Einfluss der Lektüre geschuldet sein, denn die Sprechblasen sind voll davon: „What a chill!“, „real cool action“, „N-ice work, Robin!“,  „I hate cold feet“, „you give me the chills“, „be prepared for chills and fever“ usw. Bei dieser Vorlage muss man sich über die platten Gags im Film Batman & Robin (1997) nicht wundern – sie stehen in einer langen Batman-Tradition.

>> Liste der Mister Freeze-Comics

Ein Prequel und Sequel zu „Batman and Harley Quinn“

DC Comics

Zum Animationsfilm Batman and Harley Quinn, der am 15. August in den USA erscheint (am 7. September in Deutschland) wird es zwei begleitende Comic-Serien geben. DC hat ein fünfteiliges Prequel angekündigt, Harley Quinn and Batman, in dem erzählt wird, wie Quinn vom Sidekick des Jokers zur eigenständigen Heldin wird. Für die Mini-Serie werden Autor Ty Templeton und Zeichner Rick Burchett wieder zusammenkommen, die bereits die Batman Adventures gemacht haben, die Comics zu Batman: The Animated Series. Die neue Comic-Serie wird am 31. Juli beginnen und zweiwöchentlich erscheinen, zunächst nur in digitaler Form.

Im Oktober werden wöchentlich unter dem Titel Batman and Harley Quinn sieben Ausgaben hinzukommen, die sich an den Film anschließen. Dafür werden verschiedene Autoren und Zeichner verantwortlich sein. Im Sommer 2018 sollen alle zwölf Comics als Paperback gedruckt erscheinen.

Joker wird zum Weißen Ritter

DC Comics

Vor einem Jahr hat Zeichner Sean Gordon Murphy ein neues Batman-Comic-Projekt angekündigt. Seitdem hat er seinen Schaffensprozess daran in seinem Twitterkanal dokumentiert, ohne konkrete Details über den Plot zu nennen. Jetzt ist klar: Es wird eine siebenteilige Mini-Serie mit dem Titel Batman: White Knight, der erste Teil erscheint am 4. Oktober in den USA. Ein deutscher Veröffentlichungstermin steht noch nicht fest.

https://twitter.com/Sean_G_Murphy/status/883411953351364608

Darin wird es um vertauschte Rollen gehen: Der Joker wird zum Politiker Jack, der Batman ganz legal vom Vigilantentum abhalten will, weil der Dunkle Ritter auf seinem Kreuzzug gegen das Verbrechen gescheitert ist. Auch Harley Quinn wird dabei eine Rolle haben. „In a world where Batman has gone too far, the Joker must save Gotham City“, schreibt DC Comics in seiner Ankündigung. Die Geschichte spielt sich außerhalb des regulären DC-Universums ab.

https://twitter.com/Sean_G_Murphy/status/883407122440093696

An den ersten Seiten kann man bereits erkennen, dass Batman: White Knight zumindest visuell ein Meisterwerk werden wird. Es wird höchste Zeit für eine herausragende Batman-Story außerhalb der Continuity, denn so eine hat es seit Paul Dinis Dark Night nicht mehr gegeben.

https://twitter.com/Sean_G_Murphy/status/883429172684697600

Mister Freeze fängt bei Null an

DC Comics

Titel: The Ice Crimes of Mr. Zero

Autor/Zeichner: Dave Wood/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1959 (Batman #121), Paperback 2017 (Batman Arkham: Mister Freeze)


„Got to keep rocking! … It’s … our only chance …“ (Batman)

Bevor Mister Freeze der gefühlskalte Griesgram und kriminelle Dauermelancholiker war, den wir aus The Animated Series kennen und lieben, hat er als lächelnder Mr. Zero angefangen. Zunächst ist er bloß ein Wissenschaftler, der bei der Entwicklung einer Eiskanone mit einem Gas kontaminiert wurde, sodass er nur noch Temperaturen unter Null erträgt. Seitdem muss er einen seinen Anzug tragen, der zwar noch grün-rot ist, aber schon den charakteristischen Glashelm hat. Allerdings erklärt der tragische Unfall nicht seine Vorliebe fürs Verbrechen.

Mr. Zero zieht nämlich getarnt im Eiswagen umher, um Raubüberfälle zu begehen. Batman und Robin kommen ihm sofort auf die Spur, weil kurz nach dem Raub nicht die Polizei kommt, sondern zunächst das Batsignal leuchtet und das Dynamische Duo wie durch ein Wunder sofort am Tatort ist. Naja, egal: die beiden erleben jedenfalls ihr kaltes Wunder, als ihre Verfolgungsjagd von einem Eisstrahl unterbrochen wird.

Beim zweiten Mal werden sie von Zero in Eisklötzen gefangen genommen. Batman befreit sich und Robin, indem er von innen heraus den Klotz bewegt. Mr. Zero muss beim Vereisen zu viel Bewegungsraum gelassen haben. Die Blöcke brechen, dann gibt’s nach althergebrachter Art für den Schurken was aufs Maul. Aber statt Schmerzen spürt er große Freude: Dank der Dämpfe, das Batman aus Leitungen gelassen hat, ist Mr. Zero von seiner Kältesucht geheilt. Eine einfache Dampfkur hätte also alle Verbrechen verhindern können. Batmans Kommentar: „That steam treatment must have changed you back to normal! Now we’ll see if the law can straighten out your distorted mind!“ Wie wir wissen, wird das nicht so gut klappen. Aber immerhin wird erstmal für die nächsten neun Jahre Ruhe sein – bis Mr. Zero als Mr. Freeze zurückkehrt.

Und nun zum Abschluss ein wenig Musik, passend zum Thema Rocken bei Kälte:

>> Liste der Mister Freeze-Comics

JLA: Heilsbringer aus dem All

Titel: Justice League of America – Power and Glory

Autor/Zeichner: Bryan Hitch (u.a)

Erschienen: 2015-2016 (Justice League of America #1-4, 6-10), Hardcover 2017, dt. Panini 2016-2017 (Justice League of America #1-5)


Früher war die Justice League (JLA) für mich das Maß aller Dinge. Die größten Superhelden in einer Geschichte – mehr konnte man für sein Geld nicht bekommen. Aber mit der Zeit ließ die Begeisterung nach. Und als ich mich durch all die Krisen der Mega-Events kämpfte, bei denen es immer um alles ging und jeder mitmischte, verlor ich jegliche Lust daran. Auch die Justice League-Serie von The New 52 konnte mich nicht packen. Und obwohl ich die JL aufgegeben hatte, hat mich die Neugier doch dazu gebracht, die neue JLA-Serie zu lesen. Wegen der guten Kritiken – und wegen des Zeichners Bryan Hitch, den ich spätestens mit seiner Arbeit an Marvels The Ultimates schätzen gelernt habe.

Hitch zeichnet hier nicht nur, er schreibt auch die Geschichte. Die Erde bekommt Besuch von Rao, dem kryptonischen Gott. Er will die Welt von Leid befreien – und macht die Menschheit zu Gläubigen. Superman ist sofort von Rao begeistert und legt ein gutes Wort vor der Menschheit für ihn ein. Natürlich steckt dahinter ein fauler Zauber. Denn Rao ist einfach nur ein Despot, der die Menschheit unterjochen will, indem er sie zu friedfertigen und unterwürfigen Wesen umprogrammiert.

Was folgt, ist der typische Kampf an vielen Fronten: Superman kloppt sich bis zum Tod, Batman und Cyborg kümmern sich um die Kopfarbeit und Technik, Wonder Woman treibt sich im verlassenen Olymp herum, Green Lantern landet auf einem Krypton der frühen Vergangenheit. Es geht also auch um Zeitreisen, um mysteriöse Steine, eine nervige Gruppe von Geheimniskrämern und auch der Parasit hat einen großen Auftritt, dessen Sinn ich aber nicht ganz verstanden habe. Ebenso wenig wie den Prolog …

Naja, am Ende geht jedenfalls alles sehr schnell, sodass nicht einmal für einen anständigen Epilog Zeit ist. Das Schlusskapitel ist das einzige, das von Bryan Hitch weder gezeichnet noch geschrieben ist. Letzteres fällt nicht besonders auf, weil Hitch keinen besonderen Schreibstil hat, aber dass die Zeichnungen nicht von ihm sind, lässt die Qualität und Stimmung schon stark nachlassen. Der Grund dafür ist einfach: der Mann hat sich mit seiner Serie übernommen, kam nicht hinterher, die Erscheinungstermine wurden mehrfach verschoben, selbst eine Lückenbüßer-Ausgabe musste gedruckt werden (#5), die im Sammelband aber nicht aufgenommen wurde.

Ist Power and Glory unterhaltsam? Ja, aber darüber hinaus nicht viel. Das alles ist so vollgepackt mit Figuren und Plot, das nicht viel Raum bleibt für Aspekte, die eine Geschichte wirklich leben lassen, wie etwa Ruhe und Humor. Im Grunde bekommt man, was auf den heillos überladenen Covern zu sehen ist: knallbunte Action ohne Atempause. Bryan Hitch liefert solide Arbeit ab, ein Heilsbringer ist er nicht.

Kampf der Guillotine

DC Comics

Titel: Reign of Terror

Autor/Zeichner: Mike W. Barr/José Luis Garcia-Lopez

Erschienen: 1999 (One-shot)


„… is not the purpose of this great experiment to judge men by our inner truths, not by the masks we present to the world?“ (Bruce Wayne)

Kleine Geschichtsstunde mit Batman, diesmal in Frankreich. In den Wirren der französischen Revolution gab es ein Jahr, das als „Terrorherrschaft“ bekannt werden sollte. Von Juni 1793 bis Ende Juli 1794 ließen Robespierre und seine Jakobiner sehr viele Köpfe rollen, über 16.000 offizielle Hinrichtungen gab es. Der ehemalige Offizier Bruce Wayne hat selbst Betroffene in der Familie, die Eltern seiner Ehefrau sollen durch „Madame Guillotine“ getötet werden. Da fällt er einen spontanen Entschluss, näht sich schnell ein (ziemlich schickes) Fledermauskostüm, macht sich ein paar Batarangs und ein Schiff mit schwarzen Segeln und befreit in einer Aktion seine Schwiegereltern. Als Batman lehrt er mit weiteren Rettungsaktionen solcher Art die Jakobiner das Fürchten, bis ihn Hervé Deinte, der Mann mit der entstellten Gesichtshälfte und der Münze, in eine Falle lockt.

Abgesehen davon, dass Reign of Terror unter seiner Kürze leidet und zu abgehetzt erzählt wird (ein Problem vieler Elseworlds-Comics), es gibt durchaus dümmere Comics. Hier hat Mike W. Barr sich zumindest Mühe gegeben, das historische, brutale Setting glaubhaft auszustatten; die lebhaften und klaren Zeichnungen tragen ihren Teil dazu bei, dass man sich in diese Welt schnell einfindet. Bei so viel Bodenständigkeit und Ernst der Lage wirken allerdings einige Plot-Elemente hanebüchen. Vor allem das Finale. Wenn man denkt, wie sich Batman aus der Guillotine befreit, kann absurder nicht sein, taucht dann aus dem Nichts ein Bat-Heißluftballon mit einer Robin-Frau auf und das konstruierte Ende des Schurken steigert das Ganze noch einmal.

Okay, Reign of Terror ist Quatsch. Aber wenn man sich darauf einlässt, kann es auch nette Unterhaltung sein.

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics

Der Preis des Zweifels

DC Comics

Titel: Face the Face

Autor/Zeichner: James Robinson/Don Kramer, Andy Clarke u.a.

Erschienen: 2006 (Detective Comics #817-820, Batman #651-654), Paperback 2006, Deluxe Edition 2017


„Better than sex. Better than heroin.“ (Harvey Dent)

Vor einiger Zeit fragte mich ein Leser dieses Blogs, der sich über meine Kritiken ärgerte, warum ich überhaupt noch Batman-Comics lese, wenn ich so viel daran auszusetzen hätte. Die Antwort ist einfach: Ich liebe Comics, ich liebe die Figur und daher interessieren mich auch die Geschichten. Leider können bei der Masse davon aber nur die wenigsten richtig gut sein. Was aber macht eine gute Batman-Story aus?

Wie bei vielen Lesern setze ich den Maßstab bei den prägendsten Comics an: The Dark Knight Returns und Year One, bei The Long Halloween und Dark Victory. Die besten Geschichten sind nicht nur spannend oder überraschend, sie werden auch dem Charakter und dem Medium Comic gerecht. So eine Geschichte ist Face the Face.

James Robinson (Autor des Juwels Blades) beschränkt sich auf ein Thema: Nach einem Jahr Abwesenheit (nachzulesen im Event 52, das auf Infinity Crisis folgt) sind Batman und Robin (Tim Drake) wieder zurück in Gotham. In der Zwischenzeit hat Harvey Dent, der chirurgisch und psychologisch von Two-Face befreit wurde, auf die Stadt aufgepasst. Doch kaum ist Batman wieder da, tötet ein Unbekannter Superschurken – und alles spricht dafür, dass Dent wieder zu alten Gewohnheiten zurückkehrt.

Obwohl wir einen Gang durch die Rogues Gallery bekommen (Poison Ivy, Scarecrow, Scarface, Killer Croc), bleiben diese Figuren nebensächlich und die Geschichte verliert nie ihren Fokus: das Verhältnis zwischen Batman und Dent. Wir sehen, wie mit jedem neuen Mord und Indiz der Zweifel an der Rechtschaffenheit des Geläuterten wächst – und man wünscht sich, dass Dent doch noch die Kurve kriegt, auch wenn man ahnt, dass der Wandel zum Guten nicht von Dauer sein kann. Der Zweifel sät aber Misstrauen und daraus erwächst das Böse. Der eigentliche Höhepunkt ist Dents Kampf gegen den eigenen Dämon, den er in jedem Spiegel sieht. (Die Rehabilitation von Two-Face ist übrigens eine sehr alte Idee, die schon 1943 in The End of Two-Face durchgespielt wurde, 1996 erneut in Batman Black and White.)

Robinson gibt den Charakteren und der Handlung genug Raum, sich zu entfalten, jedoch ohne Seiten zu schinden. Ihm ist es wert, auch mal die Panels für sich sprechen zu lassen. Auch wenn in einer Sequenz mal nichts passiert. Oder so gut wie. Da wird zum Beispiel eine Seite für eine Sequenz aufgewendet, um zu zeigen, wie Tim Drake einen Bleistift zerbricht – und es wird klar, wie sehr er um seinen toten Vater trauert (siehe Identity Crisis). Ohne Worte wird hier die Tragik der Figur deutlich, was die spätere Adoption durch Bruce Wayne emotional vorbereitet. Auch der Polizei wird die nötige Aufmerksamkeit zuteil: Der wieder als Commissioner eingesetzte James Gordon kann aus Sorge um seine Stadt nicht schlafen, Harvey Bullock bekommt eine zweite Chance, nachdem er der Korruption überführt wurde.

Trotz verschiedener Zeichner wirkt das Werk auch visuell wie aus einem Guss. Es geht nicht allein um ausdrucksstarke Panels mit dynamischen Figuren und überwältigende Bildarrangements, sondern vor allem um eine düstere Grundstimmung, wie man sie von Gotham erwartet. Auch wenn es an Action nicht mangelt: Was Batman ausmacht, wird hier im Stillen zelebriert.

Seit Jahren war Face the Face vergriffen – und es war eine Schande, dass DC es nicht neu aufgelegt hat. Das wurde jetzt mit einer Hardcover-Deluxe Edition nachgeholt. Es war längst überfällig. Denn diese Story gehört zu den besten Batman-Comics der 2000er Jahre. Deswegen liest man überhaupt Batman.

Mehr zum Thema:

Dark Knight III: Endlich erledigt

DC Comics

Titel: Dark Knight III – The Master Race Book 9

Autor/Zeichner: Frank Miller, Brian Azzarello/Andy Kubert, Frank Miller

Erschienen: 2017


„Yes, you dissapoint me. You’ve made my love impossible. You’ve robbed me of my joy …“ (Quar)

Endlich: das Finale. Nach acht zehrenden Ausgaben, zwischen denen die sich hinziehende Warterei nicht lohnte, beenden Frank Miller und Brian Azzarello ihren Dark Knight III. Die Story ist schnell erzählt: Batman und Superman besiegen die Kryptonier, die sie dabei auch noch unterstützen, indem sie sich gegenseitig dezimieren. Am Ende reißt es die wankelmütige Superman-Tochter heraus. Keine Überraschung. Keine großen Emotionen. Außer dass Batgirl sich ein neues, grau-schwarzes Kostüm zulegt und fortan Batwoman genannt werden will. Geschenkt.

Das Mini-Comic (Action Comics #1) bildet einen geschwätzigen Epilog, in dem Superman über den Sinn von Superhelden schwadroniert, um seiner Tochter den Wert der Menschheit näher zu bringen.

Gut an all dem ist nur, dass dieses uninspirierte Machwerk endlich beendet ist.

Die Dark Knight-Saga:

Wenn Opfer zu Tätern werden

DC Comics

Titel: The Victim Syndicate (dt. Das Opfer-Syndikat)

Autor/Zeichner: James Tynion IV/Alvaro Martinez, Eddy Barrows

Erschienen: 2016-2017 (Detective Comics #943-949), Paperback 2017 (Detective Comics Vol. 2); dt. Panini 2018 (Paperback)


„Of course I’m not happy!“ (Batman)

Normalerweise geht es bei Batman um Helden gegen Schurken. Um die dazwischen, die Opfer, geht es selten. Entweder werden sie gerettet oder sie gehen drauf. Was ist aber mit denen, die überleben, aber fürs Leben gezeichnet sind? Darum geht es in The Victim Syndicate. Fünf Menschen, die von Batmans Schurken gezeichnet wurden, schließen sich zusammen; jeder von ihnen hat irgendwelche Kräfte gewonnen oder Missbildungen erlitten. Weil sie davon ausgehen, dass Batman mehr schadet als hilft, wollen sie Batman zum Aufhören zwingen. Andernfalls fügen sie denen Leid zu, die Batman unterstützen.

Halten wir kurz inne, um uns der Logik dahinter gewahr zu werden: Menschen, die sich darüber beklagen, unter Batman zu leiden, verbreiten noch mehr Leid, um das Leiden zu beenden. Inwiefern unterscheidet sich dieses Vorgehen von dem Batmans? Egal, Schurkenlogik muss man nicht unbedingt nachvollziehen können. Batman und seine Spießgesellen (Batwoman, Spoiler, Orphan, Clayface, Batwing) müssen sich angesichts von Tim Drakes „Tod“ allerdings die Frage gefallen lassen, welchen Sinn ihr Tun hat. Es ist die klassische Frage des modernen Superhelden, vielfach durchdekliniert, prominent ausgeführt in Kingdom Come. Hier aber bekommt sie eine interessante Wendung, indem Spoiler sich gegen Batman wendet.

In The Victim Syndicate wird zu viel geredet. Aber abgesehen davon, tut ein nachdenkliches Comic auch mal gut zur Abwechslung. Der Höhepunkt ist nämlich kein actionlastiges Finale, sondern ein emotionales. Ebenso nachdenklich gerät der Abschluss des Bandes, in dem sich eine zweiteilige Story Batwoman und ihrem Verhältnis zu Batman und ihrem Vater widmet. Auch wenn die Zeichnungen durchweg überzeugen, das alles macht den Band zu keinem Meisterwerk, aber zu einer lohnenden Lektüre.

>> Batman 2011-2019