Detective Comics

Die Comicserie „Detective Comics“ erscheint seit 1937. In Ausgabe 27 hatte Batman 1939 seinen ersten Auftritt. Anfangs handelte es sich noch um eine Anthologieserie, die sich Batman mit anderen Helden teilte.

Der Zorn des Lesers

DC Comics

DC Comics

Titel: The Wrath (Detective Comics Vol. 4), (dt. Der Anti-Batman)

Autor/Zeichner: John Layman/Jason Fabok, Andy Clarke u.a.

Erschienen: 2014 (Detective Comics #19-24, Detective Comics Annual #2), dt. Panini 2014 (Batman #21-22, #24-25), Paperback 2015 (enthält Detective Comics #21-24)


 „What is it about this town and cutting off faces anyway?“ (Bullock)

Ernsthaft? Da müssen wir sechs Hefte lang mitansehen, wie ein gewisser Ogilvy, irgendein dahergelaufener Niemand, ein Handlanger, den Pinguin ausbootet und dessen Imperium übernimmt (und sich schwachsinnigerweise „Emperor Penguin“ nennt) und dann ist nach einer kurzen Prügelei mit Batman – zwei Hefte später – wieder Schluss mit der Geschichte? Der Pinguin kommt frei, weil er mal eben einen Richter bedroht, und er rettet zufälligerweise Batman das Leben. Der gute alte Deus ex machina darf mal wieder aushelfen, wenn dem Autor keine originelle Lösung eines Problems einfällt. Blöd nur, dass Batman durch den Glücksfall als unfähig dargestellt wird.

Ach ja, und vorher entfesselt Ogilvy eine Seuche mit dem Man-Bat-Virus, Zsasz wird zum Man-Bat, aber das ist Autor John Layman nur eine Ausgabe von Detective Comics wert. Dieses Problem ist schneller abgehandelt, als es aufgebaut wurde: Langstrom nimmt das Mittel selbst und fertig. Wie es mit Man-Bat weitergeht, wird jeweils an den Heft-Enden in kleinen Episoden nachgereicht. Bemerkenswerter Weise sind sie es, die den interessantesten Teil des vierten Detective-Comics-Bandes bilden. Langstroms Frau nimmt nämlich ebenfalls das Man-Bat-Serum und wird zur Mörderin, es kommt zum Kampf – und zu einer unerhörten Auflösung, was es mit der Beziehung zwischen den beiden auf sich hat.

Es ist ein befremdliches Erzählverfahren, das Layman seinen Lesern zumutet. Ohne richtig einzuführen – weder in Charaktere noch Themen – sind die Fälle immer schon da und werden viel zu schnell erledigt. Negativ fällt das vor allem in Titelgeschichte – The Wrath – auf. Der Schurke erscheint gleich zu Beginn in seiner Metallrüstung, sagt, was er will – nämlich Polizisten zu töten, und schon setzt er seinen Plan auch um. Geheimnis und Spannung? Völlig überschätzt!

Parallel muss Bruce Wayne sich buchstäblich mit dem Industriellen Caldwell rumschlagen, weil dieser Waynes Firma übernehmen will. Und weil ein Karatekampf langweilig ist, prügeln sich beide eben in einem Ring, der einem Balkon ohne Brüstung gleicht. (Als ob Batman sich nicht schon oft genug nachts in Lebensgefahr begeben hätte.) Der eigentliche Kampf Batman gegen Wrath ist ein High-Tech-Krieg, bei dem sich zunächst beide in ihren spacigen Gleitern durch Gotham jagen und am Ende als zwei Iron-Men miteinander kloppen. Und weil das wieder alles sehr schnell vorbei geht, gibt’s im Epilog noch einen Ausblick auf eine Kooperation zwischen Caldwell und Ogilvy im Knast …

Zwei Einzelstorys bilden abgeschlossene Geschichten: In einer taucht die in Detective Comics Annual #1 eingeführte Mio (eine alte Bekanntschaft aus Asien) wieder als Attentäterin auf und verschwindet wieder – das alles übrigens nur, um Ra’s al Ghul mal eben kurz als Mann im Schatten einzuführen. In der zweiten Story geht es um einen Mörder, der die Persönlichkeit seiner Opfer annimmt. Hier darf sich Harvey Bullock mal kurz verlieben, aber kaum ist die Beziehung zu einer Psychiaterin eingeführt, ist sie auch schon wieder vergangen. Bullocks Frage, was diese Stadt es nur mit dem Abschneiden von Gesichtern hat – eine Anspielung auf Detective Comics #1, wo dem Joker ebendies widerfährt – liest sich wie ein Eingeständnis der Planlosigkeit der Autoren.

Leider macht Detective Comics nach vier Bänden immer noch keinen Spaß, John Layman schafft es nicht, gegenüber dem ebenfalls schwachen Tony Daniel das Niveau zu heben. Die Stories sind zu sprunghaft, zu verworren, zu sehr ineinander geschachtelt – und vor allem ohne nennenswerte neue Ideen. Von Detektivarbeit ist ebenfalls nicht viel zu sehen. Ganz abgesehen von Bruce Waynes Privatleben: Zu Beginn des Reboots hatte er noch eine Freundin, doch schon lange hat er weder einen Gedanken noch eine SMS an sie verschwendet – oder sich mit einer anderen getröstet.

Eine Chance geben wir der Serie noch. Und vielleicht noch eine, denn in Band 6 darf wieder mal ein neues Kreativ-Team dran. Offenbar hält es die Künstler nicht lange bei DCs Hauptserie. Und das ist kein gutes Zeichen.

>> Batman 2011-2019

Ein Tag für Batman, ein Comic für Fans

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Panini Comics

Titel: 75 Jahre Batman

Autor/Zeichner: Gregg Hurwitz, Jeph Loeb, Bill Finger/Neal Adams, Jim Lee, Bob Kane

Erschienen: 29.11.2014 (Panini)


 „Entwickelt euch weiter.“ (Pinguin)

Batman ist in diesem Jahr 75 Jahre alt geworden. Und da er fiktiv ist, muss man ihm nichts schenken. Man ehrt ihn – und die Geschenke bekommen die Fans. Logisch: immerhin erhalten sie ihn auch am Leben. DC hat seinen Fans im Sommer eine Sonderausgabe von Detective Comics #27 spendiert (eine Jubiläumsausgabe mit sieben Stories, unter anderem einer Neufassung von The Case of the Chemical Syndicate). Am 29. November zog Panini nach. Ein Gratis-Comic! Das treibt die treuen Fans scharenweise in die Comicläden. Erst recht wenn es dazu Batman-Pappmasken gibt …

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Blind Justice: Am Thema vorbei

Batman: Blind Justice

Titel: Blind Justice (dt. Blinde Gerechtigkeit)

Autor/Zeichner: Sam Hamm/Denys Cowan

Erschienen: 1989 (Detective Comics #598-600)


„… I suppose I’ve justified my existence for one more night.“ (Batman)

Blind Justice sollte die Jubiläums-Story zu 50-jährigen Bestehen des Helden werden. Man engagierte Sam Hamm, den Co-Autor des Drehbuchs zum Batman-Spielfilm aus dem gleichen Jahr. Doch das Problem an dieser Geschichte ist, dass sie für diesen Anspruch ihren Titelhelden zu stark vernachlässigt. Viel zu sehr geht es um Bruce Wayne und Nebencharaktere. Aber eines nach dem anderen.

Zunächst muss sich Batman mit dem sogenannten Bonecrusher herumschlagen (was für ein blöder Name!), einem maskierten Muskelberg mit einer Schallkanone, der Menschen in Matsch verwandeln kann. Und obwohl der Schurke die Eigenschaft hat, beim Scheitern den Freitod zu wählen, kehrt er immer wieder von den Toten zurück – so scheint es jedenfalls. Aufklärung verspricht eine Nebenhandlung: Eine Frau kommt nach Gotham, um ihren verschwundenen Bruder Roy zu suchen. Es stellt sich heraus, dass er als Versuchskaninchen bei Waynetech diente. Ein ominöses Kartell hat den Konzern infiltriert und will nun Bruce Wayne mit einer Schmutzkampagne fertig machen. Ausgehend von seiner Weltreise nach dem Tod seiner Eltern wollen ihm die Bad Guys anhängen, ein kommunistischer Spion zu sein.

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Batman gegen KGBeast

Batman: Ten Nights of the Beast

Titel: Ten Nights of the Beast

Autor/Zeichner: Jim Starlin/Jim Aparo

Erschienen: 1988 (Batman #417-420), Paperback 1994


 „I’m not in this business to protect the rules. I serve justice.“ (Batman)

Beast, ein russischer KGB-Super-Agent der Spezialeinheit The Hammer, treibt in Gotham sein Unwesen auf eigene Faust. Sein Ziel: Das US-Atomwaffen-Programm zu schwächen, indem er die Beteiligten beseitigt. Zehn Namen stehen auf seiner Liste, die ersten sind schon tot und Batman versucht mit der Polizei zu verhindern, dass es nicht mehr werden. Aber Beast – oder auch KGBeast – ist nicht nur ein starker, sondern auch ein ausgefuchster Gegner.

Kommt uns das Prinzip bekannt vor? Ja, es ist mal wieder ein Aufguss der Einer-nach-dem-anderen-Serienmord-mit-Ankündigung-Story, die wir vom Joker aus Batman #1 kennen (bzw. aus der Neufassung The Man Who Laughs), nur eben in einem neuen Gewand. Da KGBeast, eine Art Vorläufer Banes, äußerst einfallsreich bei der Ausführung seiner Morde ist (manchmal zu einfallsreich), kommt es zu einigen spannenden Konfrontationen mit Batman, der alle Hände voll zu tun hat, Schadensbegrenzung zu betreiben. Zum Schluss ist sogar Präsident Ronald Reagan in Gefahr.

Die pfiffigste Überraschung, die Batman zu bieten hat, kommt am Ende, als er KGBeast einen Endkampf verweigert und ihn einfach hinter einer stählernen Tür einschließt. „There’s no reason for me to risk my life, coming in there after you“, sagt er. Manchmal muss man auch die Chance ergreifen, wenn man einen Kampf vermeiden kann.

>> Batman 1990-1999

Strange Apparitions: Kein Patent für Joker

Batman: Strange Apparitions

Titel: Strange Apparitions

Autor/Zeichner: Steve Englehart, Len Wein/Marshall Rogers, Walt Simonson

Erschienen: 1977/1978 (Detective Comics #469-479), Paperback 1999; dt. Panini 2012 (Batman Collection: Marshall Rogers), Eaglemoss Collection 2015 (Im Zeichen des Jokers)


„But the fish share my unique face! If colonel what’s-his-name can have chickens, when they don’t even have mustaches –!“ (Joker)

Obwohl die Geschichte unter einem Titel zusammengefasst wurde und ein linearer Zusammenhang besteht, ist es schwer, hier von einer Story zu sprechen. Im Grunde sind es sechs Geschichten, die aufeinander folgen. Batman begegnet einem radioaktiven Glühwürmchen namens Dr. Phosphorus, dann Hugo Strange, dem Pinguin, Deadshot, Joker und Clayface. Den roten Faden bilden Nebenhandlungen mit Rupert Thorne, der Batman aus der Stadt haben will, sowie Bruce Waynes Liebschaft mit Silver St. Cloud. Aber ein Spannungsbogen ergibt sich nicht.

Die meisten dieser Geschichten mögen für die späten 70er vielleicht was hergegeben haben, aus heutiger Sicht sind sie altbackene Standardware. Vor allem die Erzählung, in der der Joker, Fische zum Lächeln bringt (The Laughing Fish), um sie patentieren zu lassen, hat zwar einen ungewöhnlichen Ausgangspunkt, ist aber sonst ziemlich schwach, vor allem, weil sie sich zu sehr bei der ersten Joker-Story in Batman #1 bedient.

Die interessanteste Geschichte ist die um Hugo Strange. Der kommt nämlich zufällig hinter Batmans Geheimidentität, nimmt dessen Position als Bruce Wayne ein, um ihn auszunehmen und zu ruinieren, und veranstaltet eine Auktion, bei der er den Namen an den meistbietenden Schurken zu versteigern versucht. Wie man sich denken kann, wird das Schlimmste verhindert. Dafür gibt es aber eine Frau, Silver St. Cloud, die ebenfalls eins und eins zusammenzählt und herausfindet, dass der Mann den sie liebt, nachts gerne Verbrecher verprügelt. Die Schlussfolgerung daraus kann nur eine Tragische sein: Die Beziehung zerfällt.

Die filigranen Zeichnungen von Marshall Rogers entschädigen für die Kritzeleien eines Walt Simonson und das insgesamt mäßige Storytelling. Aber vielleicht muss man diese 70er-Jahre-Geschichten auch mit anderen Augen sehen. Immerhin gelten sie als einflussreiche Klassiker. (In den 80ern diente Strange Apparitions zunächst als Vorlage für das Drehbuch des geplanten Batman-Films, der erst 1989 von Tim Burton realisiert wurde – allerdings mit einem ganz anderem Script.)

Zwei der Storys wurden für Episoden der Animated Series wiederverwendet. Die Grundidee der Hugo Strange-Story wurde in „The Strange Secret of Bruce Wayne“ (S01E37) aufgegriffen; dort bieten Joker, Two-Face und Pinguin um ein Videoband, auf dem Strange Bruce’s Trauma aufgezeichnet hat.

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In „The Laughing Fish“ (S01E34) erzählt Paul Dini die Joker-Story neu, wobei er sich zwar überwiegend an die Vorlage hält (zum Teil sogar wörtlich), er aber ein wesentlich spannenderes Finale mit einem Haifisch-Kampf erzählt (der ist „The Joker’s Five-Way-Revenge“ entlehnt). Vor dem Hintergrund der lachenden Fische allerdings erscheint die später in Mad Love zum Tragen kommende Idee mit den grinsenden Pyranhas wie ein Abklatsch … (wenn auch ein guter!)

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(Dieser Artikel wurde am 6.11.2017 überarbeitet und aktualisiert.)

>> Batman 1970-1979

Batmans zweites Jahr – mit Knarre

Batman: Year Two/Full Circle/Fear the Reaper

Batman: Year Two/Full Circle/Fear the Reaper

Titel: Year Two – Fear the Reaper/Full Circle

Autor/Zeichner: Mike W. Barr/Alan Davis, Todd McFarlane

Erschienen: 1987 (Detective Comics #575-578)/1990 (One-shot) (Paperback 2002)


Batman war nicht der erste Rächer von Gotham City. 20 Jahre vor ihm machte der Reaper die Straßen unsicher, ein Kerl mit roter Rüstung, Totenkopfmaske und Sicheln an den Händen. Dieser „Sensenmann“ brachte den Tod, metzelte alle – Gauner wie Prostituierte – ohne Unterschied nieder. Nun, in Batmans zweitem Dienstjahr, kehrt er wieder zurück. Klar, dass die Fledermaus mit diesen Methoden seine Probleme hat. Doch bei der ersten Konfrontation zwischen den beiden Rächern bekommt Batman eine derartige Abreibung, dass er beschließt, zu härteren Mitteln zu greifen: der Pistole, die seine Eltern getötet hat.

Dieser Tabubruch kommt etwas plötzlich und es ist auch nicht ganz klar, warum es nötig ist, so weit zu gehen. Zumal Batman sie kaum benutzt, und dass auch nur so selten wie möglich, etwa um Gegner zu entwaffnen oder um Gordon seine Pistole aus der Hand zu schießen (was etwas sinnfrei ist, weil beide in dieser Situation dasselbe wollen, nämlich den Reaper zu überführen). Auf die Reaper zu schießen ist übrigens sinnlos, da ihn die Rüstung schützt. Konsequenz geht anders. Aber es kommt noch dicker: Da auch die Unterwelt ein Interesse daran hat, den Hardliner mit den Sichelhänden loszuwerden, verbünden sich die Gangster mit Batman und stellen ihm einen Profikiller zur Seite: Joe Chill, den Mörder seiner Eltern.

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Feindliche Übernahme

Detective Comics: Emperor Penguin

Titel: Emperor Penguin (Detective Comics Vol. 3 (The New 52)), (dt. Der Herrscher von Gotham)

Autor/Zeichner: John Layman/Jason Fabok (u.a.)

Erschienen: 2012-2013 (Detective Comics #13-18), Hardcover 2013; dt. Panini 2014 (Paperback, enthält Detective Comics #13-17)


Seit dem Reboot bei DC hat es einige Personalwechsel gegeben: Nach dem ersten Detective Comics Annual hat Autor und Zeichner Tony Daniel die Serie verlassen, um bei Action Comics auszuhelfen. Ab Ausgabe 13 hat John Layman die Autorschaft übernommen, Jason Fabok die Zeichnungen. Um einen Führungswechsel geht es auch in der ersten Storyline des neuen Teams: Der Pinguin wird von einem seiner Handlanger ausgebootet. Nun nennt sich irgendein dahergelaufener B-Gauner „Emperor Penguin“, obwohl er überhaupt nichts von einem flugunfähigen Wasservogel hat.

Aber eins nach dem anderen: Gleich zu Beginn beweist Layman Humor, indem er Batman darüber sinnieren lässt, dass er sich nicht schlecht fühlen müsse, wenn er nachts Menschen die Zähne ausschlage und die Beine breche. Immerhin hat er als Bruce Wayne beachtliche Summen für Chirurgen gespendet. Leider macht die Story den schönen Einstand mit fehlender Logik zunichte. Der Pinguin gibt einen Mord an Bruce Wayne in Auftrag, weil er die Kinderabteilung eines Krankenhauses nach seiner eigenen Mutter statt nach Martha Wayne benennen möchte. Das ist doch arg übertrieben angesichts eines Problems, das der Pinguin mit einem Koffer voll Geld löst. Dieser Gedanke kommt ihm dann auch, nur ist es dann für einen Rückruf zu spät und Bruce Wayne muss selbst gegen die Attentäter kämpfen. Einem klugen Kopf wie dem Pinguin wäre so ein Humbug sonst nicht zuzutrauen.

Im weiteren Verlauf sehen wir Poison Ivy, die Ökoterrorismus gegen den Pinguin betreibt und nebenbei Clayface das Herz bricht. Dann wird die Story unterbrochen von einem Einschub im Rahmen von Death of the Family. Dabei wird deutlich, dass der Joker viele Nachahmer hat, die in verschiedenen Banden durch die Stadt ziehen und in seinem Namen Verbrechen begehen. Der Abschluss des ersten Bandes kommt abrupt: Der Handlanger Ogilvy, der den roten Faden dieser Geschichte bildet, übernimmt plötzlich die Herrschaft, sperrt seinen Arbeitgeber aus und sorgt durch eine Intrige dafür, dass er festgenommen wird. Auch wenn man diesen neuen Kerl ständig gegen den Pinguin intrigieren sieht, scheint die Machtübernahme zu einfach zu gehen.

Zu loben ist Jason Faboks realistischer, klarer Zeichenstil, der seinen Figuren sehr lebendig erscheinen lässt. Bereits bei Mr. Freeze’s Entstehungsgeschichte im Batman Annual #1 ist Fabok positiv aufgefallen. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger, Tony Daniel, könnte man seine Striche auch als etwas zu brav tadeln.

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Batman: Death of the Family

DC Comics/Panini

Deutscher Titel: Der Tod der Familie

Autor/Zeichner: Scott Snyder, James Tynion IV/Greg Capullo, Jock

Erschienen: 2012 (Batman #13-17, Detective Comics #16-17 (The New 52)), dt. Panini 2013 (Batman #15-19), Paperback 2015


„… the ugly truth of it, kiddies, is that deep down, beneath it all … Batman loves me more than he loves you.“ (Joker)

Er ist wieder da: Ein Jahr nachdem sich der Joker vom Dollmaker hat das Gesicht abschneiden lassen, kehrt der Clown zurück, um einen persönlichen Rachefeldzug gegen Batman und Co. zu führen. Die Geschichte beginnt stark: Kaum, dass Bullock seinem Chef Gordon von bösen Omen erzählt, die auf ein großes Unglück hinweisen, gibt es auf der Polizeiwache Stromausfall, der Joker bricht ein und während Gordon mit seinen Leuten buchstäblich im Dunkeln tappt, geht der Joker herum und bricht einzelnen Beamten das Genick. Kurz darauf geht das Licht an, Batman erscheint – und das Joker-Gesicht ist aus der Asservatenkammer verschwunden.

Was der Joker vorhat, ist lange Zeit nicht klar: Er reinszeniert seine ersten Aktionen wie die angekündigten Morde, übertrifft sich dabei selbst an Grausamkeit und Unberechenbarkeit, aber er entführt auch Alfred Pennyworth. Abgesehen von der üblichen Katz-und-Maus-Jagd, die der Joker mit Batman spielt, muss sich der Held die quälende Frage stellen, ob der Clown dessen wahre Identität kennt. Für den Joker ist das alles eine große Abrechnung mit seinem Rivalen, er will ihm vorführen, wie es wirklich um ihr Verhältnis steht und wer seine wahre Familie ist.

In der Wiederholungsfalle

Wieder einmal versteht es Autor Scott Snyder, seine Story packend zu erzählen. Schon allein die erste Seite ist großartig: Gotham in einer Regennacht, ein Lieferwagen am Steg vor dem Gotham River, die roten Lichter gehen an, er setzt zurück und fährt der Stadt entgegen, das Ortsschild spiegelt sich in der Windschutzscheibe, wir wissen nicht, wer drin sitzt – und doch ahnen wir es. Wie schon bei The Court/The City of Owls überraschen auch hier viele unerwartete Wendungen, die das Motiv des Jokers bis zuletzt offen halten. Das Finale ist ähnlich schaurig wie die Labyrinth-Sequenz bei The Court of Owls, nur dass hier Arkham zur Kulisse für den Wahnsinn wird. Zeichner Greg Capullo wird dieses Mal unterstützt von Jock, der mit seinen unruhigen Strichen schon verstörende Bilder für The Black Mirror geschaffen hat.

Bei aller Kreativität, die man von Autor Scott Snyder sonst kennt, steckt er hier jedoch in der Wiederholungsfalle: Die ganze Geschichte ist gespickt mit Zitaten der Batman-Tradition, von The Killing Joke über The Man Who Laughs (bzw. Batman #1 von 1940) bis hin zum titelgebenden A Death in the Family. Es gibt einen Auftritt als Red Hood im ACE-Chemiewerk, es gibt eine Szene an Gothams Wasserreservoir und es gibt auch eine Anspielung auf das Töten eines Rotkehlchens mit einem Breicheisen … Hier zeigt sich die Schizophrenie des Reboots: Einerseits will man Fans bedienen, andererseits Neueinsteiger gewinnen. Doch mit all den Anspielungen wird deutlich, dass ein Neubeginn nicht möglich ist, wenn 25 Jahre Comic-Geschichte vorausgesetzt werden. Dies ist kein Reboot, denn offenbar behalten die alten Geschichten nach wie vor ihre Gültigkeit. Andererseits frage ich mich, ob Fans nicht eher gelangweilt als erfreut darüber sein könnten, dass hier nichts Neues erzählt wird.

Der Joker als Spieler

Immerhin gelingt es Snyder beim Finale in Arkham, ein neues Szenario zu schaffen – auch wenn er sich im Prinzip bei Grant Morrisons Arkham Asylum (1989) bedient. Hier wie da wird Batman vom Joker in das Tollhaus geführt, begegnet der Reihe nach seinen alten Gegnern und muss sich vom Joker anhören, dass sie seine eigentliche Familie sind. Und damit rührt der Erzschurke am wichtigsten Thema: Batman braucht seine Gegner mehr als seine „Familie“. Dem Leser leuchtet das ein. Und es gibt zu bedenken, ob drei Robins und ein Batgirl wirklich nötig sind …

Snyder schafft es bei aller Wiederholung dem Joker drei neue Aspekte abzugewinnen. Erstens spielt der Joker die Rolle des Hofnarrs, der Batman die bittere Wahrheit zuträgt. Zweitens ist er ein Spieler, der das Spiel um seiner selbst Willen treibt und dem es egal ist, wer hinter Batmans Maske steckt, weil die Maske zum Spiel gehört – ebenso wie Jokers Gesicht. (Allerdings deutet das auch schon Grant Morrison an …) Drittens – und das ist das Wichtigste – erscheinen Batman und Joker nicht wie Antipoden, sondern wie Gleichgesinnte, Seelenverwandte, also wie zwei Seiten einer Medaille. Nicht nur das Symbol des zweiköpfigen Löwenbabys zeigt das, auch Harley Quinn spricht es explizit aus, als Batman im Chemietank feststeckt: „Maybe you’ll be the next one. Like I always thought you would. Maybe you’ll come back like he used to be, back then … beautiful.“ Batman als der neue Joker? Am Ende ist es sogar die ganze Bat-Familie, der der Joker wenigstens für kurze Zeit seine Fratze aufsetzt.

Ein großes Lesevergnügen

Warum sich der Joker hat sein Gesicht abschneiden lassen, bleibt jedoch bis zum Schluss offen. Vielleicht weil so das Gesicht zur Maske wird, im Gegensatz zu Batman, dessen Maske das Gesicht ist. Vielleicht ist es aber auch trivialer: Weil er der Joker ist, weil er verrückt ist – und um der furchteinflößenden Figur noch mehr Schrecken abzugewinnen. Damit am Ende nur noch ein faulender Lappen Fleisch an seinen Kopf getackert ist, den die Fliegen umkreisen. Das ist so drastisch, dass ich mich frage, wie man das noch steigern will. Aber vielleicht muss es das auch nicht. Zu kritisieren ist allerdings, dass der Joker nicht den Mitgliedern der Familie ihre Gesichter abgeschnitten hat, sondern die Tat nur inszeniert. Das erscheint angesichts seiner sonstigen Skrupellosigkeit inkonsequent. Aber offenbar wollten die Autoren so viel Grausamkeit den Helden gegenüber ihren Lesern nicht zumuten.

Trotz aller Kritik ist Death of the Family ein großes Lesevergnügen. Nur die Einbindung von Detective Comics, wo es um die Nacheiferer des Jokers geht, hätte man sich sparen können. Besser ist es, nicht der chronologischen Ordnung zu folgen, sondern den dritten Batman-Band am Stück zu lesen. Wer alle Stücke der Story haben will, dem sei zusätzlich der Sammelband Joker: Death of the Family empfohlen.

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Scare Tactics: Ziemlich ätzend

Detective Comics 2: Scare Tactics

Titel: Scare Tactics (dt. Die Maske des Schreckens)

Autor/Zeichner: Tony Daniel (u.a.)

Erschienen: 2012 (Detective Comics #8-12, #0, Annual #1 (The New 52)), Paperback 2013; dt. Panini 2013 (Batman #13-14), Paperback 2014


„The death of your parents is the best thing that could happen to you. It freed you from the constraints of mortality. You are destined to be more than human… You are destined to soar like a god.“ (Shihan Matsuda)

Der zweite Sammelband der neuen Detective Comics ist ein Potpourri an Geschichten und Figuren – leider wird kaum etwas davon im Gedächtnis bleiben.  Das erste Heft erzählt eine Scarecrow-Story, die Catwoman und den bereits im ersten Band eingeführten Sohn von Hugo Strange involviert, aber auf den wenigen Seiten keinen Platz bekommt, einen Spannungsbogen Hier werden bloß bekannte Figuren vorgezeigt, ohne etwas Interessantes mit ihnen anzufangen. Bruce Waynes Verhältnis zu seiner Freundin, die im ersten Band eingeführt wurde, spielt kaum noch eine Rolle.

Die zweite Story bildet das Arkham-Kapitel der Night of the Owls, bevor die drei nächsten Ausgaben einem neuen Schurken gewidmet ist: Mr. Toxic. Nicht nur der Name klingt lachhaft, als käme er aus dem Golden Age, auch das Kostüm des Kerls ist nicht gerade einfallsreich. Ein Kerl in einer Rüstung, natürlich mit Muskeln bepackt, trägt eine an Red Hood erinnernde Haube, die – Achtung! – mit einem Totenkopf und gekreuzten Knochen bemalt ist – ziemlich ätzend … In dieser Story wirft Batman nur so mit irgendwelchen pseudo-physikalischen Fachbegriffen um sich, nur um einer ziemlich trivialen Handlung so etwas wie eine Glaubwürdigkeit zu verleihen. Dabei fängt sie eigentlich ganz interessant an: Mit einer Gruppe als Batman verkleideter Räuber. Nur leider wird bis zum Ende nicht klar, warum sie sich gerade so verkleidet haben …

Detective Comics Annual #1, das von einem Kampf von Black Mask gegen den Mad Hatter handelt, ist ebenfalls nicht der Rede wert. Interessant wird es erst am Ende des Bandes (Detective Comics #0), denn dort bekommt man zwei Kapitel aus Batmans Vorgeschichte zu lesen: Zunächts eine Episode aus Bruce Waynes Ausbildung im Himalaya, dann sehen wir seine Heimkehr. Das ist zwar etwas zusammenhanglos, aber es macht Lust auf das Zero Year, das später in Batman erzählt wird. (Leider ist auch die Himalaya-Episode nicht ganz logisch, aber ich will nicht zu viel vorwegnehmen.) Zum Schluss (im Annual #1) gibt es eine passable Two-Face-Story und eine Hinführung zu der Joker-Storyline Death of the Family – beide überzeugen eher durch die Bilder von Szymon Kudranski als die Handlung.

Während Batman die großen Stories erzählt, wird Detective Comics wohl nur die kleinen und zweitrangigen Beiträge leisten.

>> Batman 2011-2019

Jokers Gesichtsverlust

Detective Comics 1: Faces of Death

Titel: Faces of Death (dt. Gesichter des Todes)

Autor/Zeichner: Tony Daniel

Erschienen: 2011-2012 (Detective Comics #1-7 (The New 52)), Hardcover 2012; dt. Panini 2012-2013 (Batman #1-4), Paperback 2013


Der Neustart der Detective Comics hat es in sich: Gleich zu Beginn lässt sich der Joker von einem Unbekannten sein Gesicht abschneiden – bei lebendigem Leib. Das ist wohl eine der abartigsten Szenen, die die Figur je gehabt hat. Wie gut, dass man mit den Details verschont wird. Dafür gibt es andere Drastik: Nachdem beim ersten Versuch nicht der richtige Mann erscheint, metzelt ihn der Joker dahin. Als er anschließend eine Batman-Drohne neben sich schweben sieht, sagt er nur: „This is a violation of my civil rights! A man should be able to slaughter in peace!“ Ein Punkt für den schwarzen Humor …

Die erste Storyline handelt vom Dollmaker, einem Mörder mit einer Vorliebe für plastische Chirurgie und Masken aus Menschenfleisch, eine Art Frankenstein mit Rasta-Locken. Es wäre ein abgründiges Stück Splatter-Thriller, wenn es nicht etwas abgehetzt und holprig erzählt werden würde. Immer wieder musste ich zurückblättern, weil ich mich fragte, ob ich etwas verpasst hatte, aber nein, da war Autor Tony Daniel nur über einige Plot Holes gesprungen. Am Ende bleibt man etwas ratlos zurück, nicht nur, weil keiner der Schurken gefasst wird, sondern weil viele Fragen offen bleiben. Tony Daniel macht das, was für Serien üblich ist: Er spart sich Erklärungen für später auf. Darunter leidet aber die Glaubwürdigkeit und Spannung seiner Handlung. Im Gegensatz zu seinem Kollegen Scott Snyder, der für die Batman-Serie verantwortlich ist, versteht Daniel nichts von einer subtilen Erzählweise, hier zählen nur Action und Drastik.

Zwischendrin wird man immer wieder an die Sache mit dem Joker erinnert, den Gesichtsverlust und sein Verschwinden. Irgendwelche Anhänger werfen Batman vor, den Joker getötet zu haben. Was das für Leute sind, wird nicht geklärt. Zudem muss Batman sich gegen die Polizei durchsetzen. Daran merkt man, dass Detective Comics vor der Batman-Serie angesiedelt ist, auch wenn es später Überschneidungen mit ihr gibt. Das übliche Chaos der multiplen Serie also.

Lauter B-Schurken

Nach einem kurzen Intermezzo mit Catwoman und Hugo Strange, das vor allem wegen seiner Bilder interessant ist, bietet der erste Band Detective Comics in seinen letzten drei Kapiteln eine Story um den Pinguin und die Eröffnung seines Iceberg Casinos. Der Pinguin verbündet sich mit einigen B-Schurken, während andere B-Schurken versuchen, ihn auszunehmen. Am Ende ist alles ganz anders als gedacht – egal. Auch hier ist das Problem, dass alles zu schnell geht. Tony Daniel setzt auf Action, nicht Erklärungen. Nebenfiguren werden im Eilverfahren eingeführt. Bruce Wayne ist mal wieder in eine Reporterin verliebt (in der alten Serie war es Vicky Vale), nur dass er diesmal schon mit ihr zusammen ist (was der Beziehung die Spannung nimmt). Diese Freundin hat plötzlich eine missratene Schwester, die den Pinguin ausrauben will und sich gerne eine Clownsmaske aufsetzt, bevor sie Gangster umbringt. Wie bitte? Ja, genau, so ist es …

Wie schon bei der Batman-Serie muss man sich fragen, ob der Reboot von Detective Comics dem Ziel gerecht wird, neue Leser anzusprechen. Denn an keiner Stelle hatte ich den Eindruck, dass hier etwas oder jemand eingeführt wird. Alles ist schon da, jeder kennt jeden und hat seine Vorgeschichte. Tony Daniel arbeitet lediglich die üblichen Verdächtigen ab, als gelte es, gleich im ersten Jahr jeden Schurken einmal zu zeigen, um auch die Erwartungen der alten Fans zu befriedigen. Bis auf die Tatsache, dass alles ein bisschen anders aussieht, könnten die Erzählungen im Grunde auch in der alten Kontinuität spielen.

>> Batman 2011-2019
>> Liste der Joker-Comics


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