Monat: April 2018

Knightfall #13: Vengeance of Bane II – The Redemption

DC Comics

Die Knightfall-Reihe endet so, wie sie beginnt: mit Bane. Der sitzt seit seiner Niederlage gegen den neuen Batman (Jean Paul Valley) in Blackgate Prison ein. Noch immer plagen ihn Alpträume von einem großen, bösen Fledermausmonster, nur dass es sich diesmal in Batman verwandelt. Am Ende des Traums hilft ihm Osoito, sein alter Teddybär aus Kindheitstagen. Bane ist aus der Form geraten, bekommt psychologische Hilfe, ihn plagen Entzugserscheinungen von der Droge Venom. Seine Anwältin, will ihn wegen Unzurechnungsfähigkeit raushauen, aber Bane lehnt ab – er will auf schuldig plädieren. Das Knastleben ist er gewohnt.

Aber er bekommt keine Ruhe: Der jüngst von Batman besiegte KGBEast bringt Bane auf die Krankenstation. Sein Therapeut schenkt ihm einen neuen Teddy. Kaum ist er raus, wird er deshalb von einem Insassen provoziert, was Bane mit einem spontanen Mord bestraft. Dafür gibt’s sechs Monate Isolationshaft. Statt einzugehen, bringt sich Bane wieder in Form und plant seine Flucht. Als er raus ist, revanchiert er sich zunächst bei KGBeast, dann lässt er sich beim Ausbruch von ihm helfen – zusammen mit Galvan und dem Ratcatcher.

Und wozu das Ganze? Bane will Rache. Diesmal soll es die Richtigen treffen: die Leute, die ihn für ihre Venom-Experimente missbraucht haben. Bane wird also als Rächer zu einer Art Superheld. Und da tritt auch Batman auf. Zusammen kämpfen sie gegen die Bösen, die bereits neue Handlanger mit der Droge vollpumpen. Doch als das Werk vollbracht ist und Batman Bane zurück in den Knast schicken will, weigert sich Bane. Plötzlich findet er sich nämlich unschuldig. Er ist nur ein Opfer des Systems, der Droge Venom und seines Hasses. Batman sieht das nicht ein. Und auch der Leser wird es ihm kaum abkaufen.

Bane bleibt frei – aber ein Gefangener in seiner Seele, heißt es in allerschönstem Pathos am Ende, als Bane auf einer Brücke steht und nach seinem Vater ruft. Denn der soll noch leben. Der zweite Teil von Vengeance of Bane bildet mit dem ersten eine gelungene Klammer. Sehr psychologisch, sehr konzentriert auf seinen Charakter. Man muss Bane nicht mögen oder verstehen, aber man bekommt einen weiteren tiefen Einblick in seine geplagte Seele. Dank der Zeichnungen von Graham Nolan schaut man auch gerne in die tiefste Abgründe.

Seine Geschichte geht weiter in der vierteiligen Serie Bane of the Demon, wo er auf Ra’s al Ghul trifft, und in Legacy (dt. Der Fluch), wo es wieder zum Kampf mit Batman kommt. Aber auch am Ende von No Man’s Land (dt. Niemandsland) bekommt Bane wieder einen großen Auftritt.

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80 Jahre Superman auf 80 Seiten

DC Comics

Da ist sie endlich: 80 Jahre nach dem ersten Heft ist die 1000. Ausgabe von Action Comics erschienen. 80 Seiten lang ist sie geworden. In zehn Kurzgeschichten wird Superman abgefeiert. Hier geht es um nichts anderes als Heldenverehrung, Mythenbeschwörung, Nostalgie und Retrospektive. Wie bei einer großen Geburtstagsparty sind alle sind eingeladen, um dem Geburtstagskind die Ehre zu erweisen: alle Freunde und Schurken, sowie berühmte Autoren und Zeichner, die in Erinnerungen schwelgen und die Höhepunkte einer Karriere rekapitulieren.

Wir sehen alte Superman-Veteranen wie Dan Jurgens, der bei einer Gedenkfeier Menschen davon erzählen lässt, wie toll sie Superman finden. Der kann den Fame zwar nicht richtig genießen, weil er unruhig wegen einer möglichen Alien-Invasion ist, aber seine Helden-Freunde helfen ihm dabei aus, damit er sich feiern lassen kann. In anderen Storys darf Superman Alltagsheld spielen: Er verhindert zwei Geiselnahmen, bewahrt zwei Züge vor dem Entgleisen und spielt den Müllmann für Weltraumschrott.

Peter Tomasi und Patrick Gleason nutzen ihre rudimentäre Rahmenhandlung dazu, Superman im Wandel der Zeit darzustellen. Es ist bloß eine Aneinanderreihung von Splash-Pages, die auf vergangene Zeiten anspielen, allerdings sieht man eher Hommagen an vergangene Zeiten und eher abseitige Momente als die üblichen Greatest Hits. Und am Ende gibt es eine große Geburtstagstorte. Schön gemacht.

Die derzeitigen Branchen-Stars Scott Snyder und Tom King enttäuschen eher mit ihren nachdenklich-sentimentalen Storys, auch Altmeister Paul Dini kann mit seiner Superman-Freizeitpark-Idee und Mr. Mxyzptlk nicht überzeugen.

DC Comics

Höhepunkt des Heftes ist „The Car“, in der Geoff Johns und Richard Donner (das Team von Last Son) erzählen, was aus dem Auto wurde, das auf dem Cover von Action Comics #1 zu sehen ist. Der Fahrer bringt es ihn die Werkstatt und versucht dem Mechaniker klarzumachen, was damit passiert ist. Dann taucht Superman selbst auf – in seinem allerersten Kostüm – und sagt dem Ganoven, dass er sein Leben ändern solle. Abgesehen von diesem typischen Moralisieren ist die Idee sehr sympathisch und auch grafisch beeindruckend umgesetzt.

Zum Schluss bringt uns Brian Michael Bendis wieder in die Gegenwart. Superman wird von einem neuen Schurken durch Metropolis geprügelt: Rogol Zaar. Er behauptet, Krypton vernichtet zu haben und nun sein Werk mit Superman beenden zu wollen. Kryptonier seien nämlich eine Plage. Doch das ist nur ein erstes Teasing auf das, was da mit The Man of Steel kommen wird, der sechsteiligen Mini-Serie, mit der Bendis seine Superman-Storyline fortsetzt.

Action Comics #1000 liefert, was Superman-Fans mögen und erwarten, also keine großen Überraschungen. Überwiegend bekommt man hier, was man kennt und sich bereits gedacht hat. Schade eigentlich für so ein Geburtstagsgeschenk.

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Knightfall #12: Nightwing – Alfred’s Return

DC Comics

In Gotham ist wieder alles beim Alten: Bruce Wayne ist wieder Batman, Dick Grayson ist wieder Nightwing. Nur Alfred Pennyworth fehlt in Wayne Manor. Der treue Butler hat hingeschmissen. Er hatte keine Lust mehr, seinem Arbeitgeber bei seinem selbstzerstörerischem Feldzug zu helfen. Aber er muss natürlich irgendwann zurückkehren. Dieser Rückkehr wurde 1995 ein 54-seitiger One-Shot gewidmet.

Alfred ist – nach Abstechern auf die Bahamas und in die Antarktis – wieder nach England gereist, wo er seine alte Flamme wiedersieht: eine Schauspielerin namens Joanna. Sie hatte er einst heiraten wollen, bis er vor dem Traualtar von ihrem Liebhaber erfuhr, dass sie ihn betrogen hatte. Alfred und Joanna bandeln wieder miteinander an und er lernt ihren Sohn kennen. Der hat hohe Spielschulden in einem zwielichten Casino. Nachdem Alfred erfährt, dass er sein Sohn sein soll, will er ihm helfen, doch das funktioniert nicht. Und so erfährt er, dass dahinter eine Verschwörung steckt. Ein paar Generäle planen, den Eurotunnel zu sprengen und aus diesem inszenierten Terrorakt einen Putsch machen zu können.

Wie gut, dass Nightwing vorbeischaut. Er hat nämlich Alfred aufgespürt, auch wenn dieser seine Spuren gut zu verwischen wusste. Nightwing und Alfred verhindern das Schlimmste, aber nicht ohne dass ein Opfer gebracht werden muss.

Klingt hanebüchen und entbehrlich? Ist es auch. Zwar ist es zur Abwechslung interessant, etwas über Alfreds Vergangenheit und Innenleben zu erfahren, zwar zeichnet Dick Giordano einen wunderbar dynamischen Nightwing in Aktion, aber es bleibt nur eine durchschnittliche Anekdote für Leser, deren Neugier auch die kleinste Lücke des übergreifenden Plots nicht im Dunkeln lassen kann.

Hinweis: Nightwing – Alfred’s Return ist im Paperback Nightwing: Ties that Bind erschienen, wird in Knightfall Omnibus Vol. 3 neu aufgelegt, voraussichtlich auch in der späteren Paperback-Ausgabe, ist aber jetzt schon auch einzeln digital bei Comixology verfügbar.

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Die ersten zweieinhalb Minuten aus Batman-Ninja

Batman Ninja kommt schnell zur Sache. Kaum in Arkham, schon in Japan. Viel kann man darüber noch nicht sagen, außer dass es neugierig macht. Der Animationsfilm erscheint am 24. Mai 2018 in Deutschland auf DVD und Blu-ray. Hier nochmal der Trailer:

Traumwelt mit Tücken

DC Comics

Titel: For the Man Who Has Everything (dt. Das Geschenk)

Autor/Zeichner: Alan Moore/Dave Gibbons

Erschienen: 1985 (Superman Annual #11), Paperback 2009 (Whatever Happened to the Man of Tomorrow?), Hardcover 2013 (Superman: A Celebration of 75 Years); dt. Panini 2010 (Paperback: Was wurde aus dem Mann von morgen?)


„It’s all wrong.“ (Kal-El)

Was schenkt man einem, der alles hat? Diese Frage stellt sich zu Supermans Geburtstag. Batman, Robin und Wonder Woman kommen am 29. Februar in die Festung der Einsamkeit, doch als sie Superman auffinden, steht er unter dem Einfluss einer außerirdischen Pflanze, die ihn in eine Wunschwelt versetzt – ein Geschenk von Mongul.

Während Wonder Woman sich mit dem Eindringling anlegt, versucht Batman, das Gewächs von Supermans Brust zu holen. Derweil ist Superman in Gedanken auf Krypton. Der Planet ist nicht explodiert, wie von Jor-El vorhergesagt. Kal-El arbeitet als Geologe und hat eine Familie. Doch Autor Alan Moore wäre nicht er selbst, wenn selbst diese Welt perfekt wäre: Politische Unruhen spalten die Gesellschaft, die einen fordern die Freilassung aller Gefangenen aus der Phantomzone, ein Kult, der wohl nicht zufällig an den Ku-Klux-Klan erinnert, strebt eine Rückkehr zu alten Werten an. Seine Cousine Kara fällt einem Überfall zum Opfer.

Superman ahnt, dass diese Welt nicht richtig sein kann. Und das ist bemerkenswert, dass die Wunschwelt so defizitär ist, dass sie sich selbst zerlegt. Der zynische Subtext der Story besagt: Kryptons Explosion ist das kleinere Übel, denn die Welt wäre ohnehin dem Untergang geweiht – durch seine Bevölkerung.

For the Man Who Has Everything gilt als eine der besten Superman-Storys. Und tatsächlich ist sie auch zurecht ein Klassiker. Alan Moore mischt die Continuity mit einer Art dystopischen Imaginary Story, er lässt seine Figuren menschlich erscheinen, er zeigt Sinn für Humor und am Ende bietet er eine gelungene Wendung. Einzig die Tatsache, dass Batman sich so fahrlässig an die Pflanze heranwagt, ohne vorauszusehen, dass sie auch von ihm Besitz ergreift, lässt ihn etwas naiv erscheinen. Aber dafür hat man ja Robin …

Der Comic wurde 2004 in der zweiten Folge der Animations-Serie Justice League Unlimited adaptiert. Einiges wurde verändert: Robin fehlt, aber auch die politischen Unruhen auf Krypton. In der Episode sind es Erdbeben, die den Planeten erschüttern und schließlich zur Explosion bringen, die Jor-El einst vorausgesagt hat. Was Mongul am Ende träumt, wird nur angedeutet, nicht gezeigt, wahrscheinlich um die Geschichte kinderfreundlicher zu machen. Dafür gibt es aber eine schöne Idee: Batman schenkt Superman zjm Geburtstag einfach einen Umschlag mit Geld …

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80 Jahre Superman: Blau, Rot, Gelb

Doc Shaner/Twitter

Was macht den Reiz von Superman aus? Dass er so gut wie alles kann? Fliegen zum Beispiel? Das können aber andere Superhelden auch – und die sind nicht so brave Langweiler wie er. Ich erinnere mich noch an die Szene aus dem Superman-Film, in der Christopher Reeve Lois Lane über die statistische Sicherheit des Fliegens belehrt. Heute verdrehe ich darüber die Augen. So landet man ganz bestimmt nicht bei den Frauen. Superman ist in der Hinsicht kein Vorbild.

Und eigentlich auch sonst nicht: Abgesehen von Lächerlichkeiten wie der Unterhose über den Leggings und der Maskierung mit Brille, ist Supermans größter Makel, dass er keine hat. Er ist ein durch und durch langweiliger Charakter, ohne Ecken und Kanten. Und auch wenn infolge dieser Erkenntnis mein Interesse für ihn abgenommen hat, auch wenn ich seine Abenteuer weniger lese und lieber seinem düsteren Gegenstück Batman den Vorzug gebe – trotzdem bleibt mein Blick immer wieder an ihm hängen.

Warum? Es ist ganz simpel: Es sind die Farben. Blau, rot und gelb. Sie fallen auf wie keine andere Kombination. Der blaue Anzug, das rote Cape, die roten Schuhe, die rote Unterhose, der gelbe Gürtel und vor allem das rot-gelbe Diamanten-Symbol mit dem S. Diese Kombination der drei Primärfarben ist von so bestechender Klarheit und Einfachheit, dass man es sich nicht anders vorstellen kann. Superman ist langweilig, sein Kostüm ist es nicht.

Doc Shaner/Twitter

Zwar gab es Variationen. Das Kostüm sah am Anfang noch nicht ganz so aus, das Symbol auf der Brust veränderte sich von einem Wappen zu einem Diamanten. Anfangs waren die Stiefel noch blau. Später wurde das Kostüm schwarz, dann blau-weiß, rot-weiß, noch später verschwand die Unterhose und die Stiefel wurden wieder blau. Aber: Im Wesentlichen, in seiner Grundform blieb es immer gleich. Das ist der Superman, wie ihn die meisten kennen – selbst die, die ihn nicht kennen, erkennen ihn jederzeit.

Superman ist ein wahrer Hingucker. Ein Blickfang. Bei mir funktioniert der Dreifarbenmix immer noch wie in der Kindheit. Supermans Look ist aufgregend, es schreit nach Abenteuer und es wird daher nie alt. Und es ist noch viel mehr: nicht nur eine Ikone, sondern auch ein Idol. Superman trägt sein Kostüm mit Würde, er strotzt darin vor Selbstvertrauen. Es ist ihm egal, dass es auf Erwachsene eigentlich seltsam wirkt, dass die Spötter über ihn lachen, er hat es schon so lange getragen, dass es sich ins kulturelle Gedächtnis eingebrannt hat. Er ist in dieser klassischen Form tatsächlich nicht mehr wegzudenken. Nicht nur aus den Comics, auch aus dem Film (besonders dank Christopher Reeve) und aus den Kinderzimmern. Selbst Erwachsene tragen das S auf T-Shirts, auch wenn sie gar keine Comics lesen. So lächerlich kann es also gar nicht sein …

Superman ist eine Marke, die man sich zu eigen machen kann. Man erkennt sie schon von weitem. Sie steht nicht für den braven Langweiler, sie steht für Mut, Kraft, Stolz oder auch für was immer man will, solange es positiv ist. Denn Superman strahlt in seiner ganzen blau-rot-gelben Pracht vor allem Optimismus aus. Das ruhige Himmelblau, das leidenschaftliche Rot und dazwischen ein bisschen Sonnengelb. Superman rettet nicht nur den Tag – er ist die Verkörperung des Wohlgefühls: Zuversicht, Sicherheit, Geborgenheit. Und das alles, ohne den Mund aufmachen oder etwas tun zu müssen. Superman ist einfach da. Ein blau-rot-gelber Monolith. Ein Denkmal für das Gute. Was auch immer das für den Einzelnen bedeuten mag.

Doc Shaner/Twitter

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Knightfall #11: Troika

Bruce Wayne ist wieder da – ganz in schwarz. Nur noch das Logo auf der Brust und der Gürtel sind gelb. Was ihn zu dem Stilwechsel bewogen hat, bleibt genauso ein Rätsel wie warum und wohin er verschwunden ist. Und schon gibt es Ärger in Gotham: Vier Russen, die nach dem Fall des Eisernen Vorhangs nichts Besseres zu tun haben, wollen Gotham beherrschen: Colonel Vega, Dark Rider, KGBeast und Romana Vrezhenski. (Obwohl es vier sind, nennen sie sich „Troika“ – noch so ein Rätsel …) Eine Atombombe in einem Baseball soll dabei helfen.

Schon in Prodigal hat die neue Russengang versucht, Wayne Enterprises zu erpressen. Nachdem Lucius Fox sie rausgeworfen hat, rächten sie sich, indem sie zwei Wachmänner niederschossen. Seitdem war nichts mehr davon zu hören. Jetzt nimmt sich Batman einen nach dem anderen vor. Dann taucht Romana, ein wandelndes Klischee mit einem roten Stern auf der Stirn und Pelzmütze, wieder bei Lucius Fox auf und versucht es erneut mit Erpressung. Dabei erweist sie sich als schlecht vorbereitet, weil sie nicht einmal Bruce Wayne erkennt (obwohl er ihr irgendwie bekannt vorkommt). Und es kommt noch dümmer: Um Lucius Fox zu finden, fährt sie zu ihm nach Hause – obwohl sie ihn auch gleich im Büro hätte mitnehmen können.

Das Finale: KGBeast richtet auf einem Chemie-Gelände großen Schaden an und spielt mit dem Gedanken, den Atom-Baseball fallenzulassen. Während Robin das zu verhindern versucht, kabbelt sich Batman mit Romana im Haus der Foxes. Und Harvey Bullock wird schwer verletzt, weil er sich mal wieder sinnbefreit in die Gefahr stürzt.

Troika hat nicht nur nichts mit Knightfall zu tun, es ist auch ein ziemlich einfallsloser Neuanfang für Bruce Wayne. Es fehlt die emotionale Komponente wie bei KnightsEnd, wir kehren wieder zurück zur Routine. Statt Ideen gibt es vor allem Löcher im Plot und Russenklischees. Hier und da sind ein paar kapitalismus- und US-kritische Parolen eingestreut, aber ein politisches Bekenntnis lässt sich daraus nicht ableiten. Nach der Enttäuschung von Prodigal kann man sagen: Man hätte sich die Lektüre nach dem furiosen KnightsEnd sparen können.

Back in Black: Batman.

Eine Anmerkung am Rande: Batman #515 ist erstmals gezeichnet von Kelley Jones. Dieser hatte bisher nur einige (Knightfall-)Cover für die Serie gestaltet. Mit dieser Ausgabe beginnt auch die reguläre Zusammenarbeit mit Autor Doug Moench für die Batman-Serie. Mit ihm hatte er zuvor die Elseworlds-Storys Red Rain: Batman vs. Dracula (1991), Dark Joker: The Wild (1993) und Bloodstorm (1994) gemacht. Die Moench-Jones-Comics der Batman-Serie sind auf Deutsch im Dino-Verlag erschienen, auf Englisch gibt es einen Sammelband (2014), der in diesem Jahr eine Fortsetzung bekommen soll.

Jones ist bekannt für seinen düsteren Stil, der viel mit Schatten arbeitet und sich auf die Darstellung des Grotesken spezialisiert. Realismus sieht anders aus: Batman hat bei Jones immer übertrieben lange Ohren und riesige Capes, die beinahe ein Eigenleben zu entwickeln scheinen. Seine Gesichter sind oft verzerrt und gerade das Hässliche wirkt stets besonders abstoßend. Ein gewöhnungsbedürftiger Stil, der ebenso Fans hat wie Feinde.

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Superman im grünen Bereich

DC Comics

Titel: Kryptonite (dt. Kryptonit)

Autor/Zeichner: Darwyn Cooke/Tim Sale

Erschienen: 2007-2008 (Superman Confidential #1-5, 11), Paperback 2008, dt. Panini 2008 (Superman-Sonderband 25)


Wie Superman das Kryptonit entdeckte und dabei auch Krypton fand, haben wir bereits erzählt. Aber manche Geschichten, so ein Prinzip von unendlichen Meta-Erzählungen, kann man immer wieder neu erzählen. So dachte es sich Darwyn Cooke, der hier nur als Autor fungiert. Die Geschichte verläuft hier etwas anders: Den grünen Stein hat hier kein falscher Wahrsager, sondern ein zwielichtiger Casinobetreiber mit dunkler Vergangenheit (Jason Gallo). Auf ihn setzt Perry White Lois, Clark und Jimmy an. Lois flirtet mit ihm. Und Superman fällt vom Himmel, als er zum ersten Mal die grüne Strahlung von Kryptonit spürt. Lex Luthor kommt dahinter, dass der Stein Supermans Schwachpunkt ist.

Erzählt wird die Geschichte scheinbar auch aus der Perspektive des Kryptonit-Brockens. Zunächst wirkt es, als hätte er ein Bewusstsein und würde teilnahmslos beobachten, was um ihn herum geschieht. Das sind zunächst menschliche Graumsamkeiten. Außerdem spürt er die Präsenz des Kryptoniers uns sehnt sich nach dessen Nähe. Am Ende stellt sich heraus, dass nur eine außerirdische Instanz steckt. Dieser Historiker zeigt Superman schließlich, wo er herkommt – und so schließt sich doch der Kreis zur Vorlage (Superman #61, 1949).

Über allem schwebt die Frage, die sich Superman selbst stellt: Ist er wirklich unverwundbar oder hat er seine Schwachstelle nur noch nicht gefunden? Bevor er mit dem grünen Stein konfrontiert wird, geht er fast bei einem Einsatz gegen einen Vulkanausbruch drauf. Nachdem er seine erste Kryptoniterfahrung macht, wird ihm nicht nur seine Sterblichkeit bewusst, sondern dadurch auch seine Menschlichkeit. Auch wenn er erfährt, dass er von Krypton stammt und Kal-El heißt, will er am Ende doch nur Clark Kent von der Erde sein. (Nebenbei erfahren wir, dass Superman im Schrank ein paar Clark-Roboter aufbewahrt, die ihm ein Alibi verschaffen, wenn er zufällig als Superman mit Jimmy nach Hause kommt.)

Tim Sale gehört zu meinen Lieblingszeichnern und er bietet auch hier einige eindrucksvolle Panels, aber ich habe den Eindruck, dass er in seinen früheren Werken in besserer Form war. Seine Batman-Werke (The Long Halloween, Haunted Knight) und Superman for All Seasons wirkten mutiger und konsequenter, dieses Comic ist dagegen ziemlich gewöhnlich. Von daher ist es fast schon schade, dass Darwyn Cooke nicht selbst gezeichnet hat. Alles in allem ist Kryptonite kein schlechter Neuaufguss, aber auch kein sonderlich überzeugender. Die Figur des Jason Gallo wirkt deplaziert – und am Ende erweist sie sich auch als überflüssig. Lex Luthor ist nur ein unbeteiligter Beobachter, der sich schließlich nimmt, was er will. Dass er selbst am Tatort auftaucht, lässt ihn aus der Rolle fallen. Aber um Continuity scheint sich Cooke ohnehin nicht groß zu scheren. Auch wenn diese Geschichte bodenständiger und damit moderner sein will, war das Original gerade wegen seiner naiven Abgedrehtheit um einiges sympathischer.

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Knightfall #10: Prodigal

Bruce Wayne tut, was er schon früher hätte tun sollen: Er macht Dick Grayson zum neuen Batman. Und dann ist er weg. Wohin auch immer. Dick, der sich darüber beklagt hatte, dass Bruce zunächst den gestörten Jean Paul Valley zu Batman gemacht hatte, übernimmt seine Rolle ohne zu zögern. Aber dann hadert er doch mit sich …

Zunächst darf er sich mit ein paar einfachen Übungen eingewöhnen: Killer Croc, Bauchredner/Scarface, Ratcatcher – alles Episoden, die innerhalb von einer Heftlänge erledigt werden und zwar so belanglos, dass sie sofort in Vergessenheit geraten.

DC Comics

Dann aber kommt Two-Face durch einen Justizfehler frei (er wird mit einem Harvey Kent verwechselt) und beschäftigt Batman und Robin über vier Kapitel. Two-Face will das Justizsystem auslöschen, also massakriert er zunächst ein Dutzend Staatsanwälte und vernichtet dann die digitalen Akten (mit einer Kettensäge). Batman und Robin sind ratlos: Was hat Two-Face vor? Weil das nicht in sein übliches Dualitäts-Schema passt, haben sie keine Ahnung. Dabei kann man es sich leicht denken. Erst sehr spät, zu spät kommt Tim drauf, dass Two-Face auch das analoge Aktenarchiv zerstören will. Batman muss einen Aufstand in Blackgate verhindern – kein Problem. Als Tim gefangen genommen wird (wie erfahren wir nicht, egal), muss Batman Two-Face entgegentreten. Dick Grayson, der schon als Robin schleche Erfahrungen mit dem Schurken gemacht hat, bekommt es mit der Angst zu tun, aber meistert seine Aufgabe schließlich überraschend einfach mit einem Gabelstapler …

Keine Story für eine Two-Face-Anthologie. Auch wenn es mit „Harvey Kent“ einen interessanten Bezug zu seinem ursprünglichen Namen hat (erst später wurde er in Dent umbenannt), ist seine Faszination zum Binärcode von Rechnern eine Idee, die bereits 1986 aufgegriffen wurde – übrigens vom gleichen Autor (Doug Moench).

Im letzten Drittel kommt wieder Kleinkram: Drei Gauner, die man noch nie gesehen hat, nie wiedersehen und auch nicht vermissen wird, ein Wiedersehen mit dem Tally Man (Batman lässt sich von ihm wie ein Amateur gefangen nehmen), dann schließlich noch ein austauschbarer Schurke in einer Rüstung mit Flügeln, der Robin an einer Leine durch die Stadt zieht. Außerdem muss sich der Leser durch belanglose Episoden aus Robins Teenager-Alltag kämpfen.

Am Ende taucht endlich wieder Bruce Wayne in der Bathöhle auf. Einfach so. Aus dem Nichts. Wo er war, warum er zurück ist? Keine Ahnung. Dick macht ihm Vorwürfe (die gleichen wie zuvor), Bruce gibt zu, Fehler gemacht zu haben. Und dann ist wieder alles gut. Dick wird wieder Nightwing, Bruce wird wieder Batman.

Prodigal ist ein unnötiger, überlanger Anhang an die große Knightfall-Saga. Keine Storyline, sondern – wie schon Knightquest: The Crusade – eine Reihe kurzer Storys mit dem Rahmen des Haderns mit der Batman-Rolle. Im Rückblick funktioniert Knightfall periodisch: Teil 1 ist stark, Teil 2 schwach, Teil 3 wieder stark, Teil 4 (Prodigal) wieder schwach – mit dem Unterschied, dass Knightquest der Story noch einige wichtige Aspekte hinzugefügt hat, aber Prodigal ist einfach nur überflüssig.

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Alles nochmal, aber anders

DC Comics

Titel: Birthright

Autor/Zeichner: Mark Waid/Leinil Francis Yu

Erschienen: 2003-2004 (Miniserie #1-12), Paperback 2005; dt. Panini 2005 (Miniserie #1-6), Eaglemoss DC-Collection 2015 (2 Bände)


Fast 20 Jahre lang galt John Byrnes The Man of Steel (1986) als kanonischer Superman-Origin. 2003 erzählte Mark Waid die Geschichte neu. Das Wesentliche bleibt: Es beginnt mit Krypton und dem Kind in der Rakete. Dann sehen wir den jungen Clark Kent bei einem Einsatz in Afrika. Und dann kommt das Übliche: Ankunft in Metropolis, erste Gehversuche als Reporter, erste Einsätze als Superman, Rückblenden nach Smallville. Clark Kent ist in Metropolis ein Außenseiter, der sich damit schwertut, Anschluss zu finden. Er leidet unter seiner doppelten Identität.

Eine wichtige Änderung und gleichzeitig eine Rückkehr zu den Ursprüngen ist die Causa Lex Luthor. Wahrscheinlich beeinflusst von der TV-Serie Smallville haben Clark und Lex wieder eine gemeinsame Vergangenheit in der Jugend. Das war auch schon in den Comics des Silver Age der Fall (Stichwort: Superboy), wurde aber von der Crisis getilgt. Jetzt also doch. Lex ist das missverstandene Wunderkind mit geringer emotionaler Intelligenz, Clark ist der einzige, der Zeit mit ihm verbringt – und man fragt sich, warum eigentlich. Lex weiß alles, kann alles und verliert seine Haare bei einem gescheiterten Experiment. Zehn Jahre später ist er Milliardär und Chef eines Konzerns, der allen weit voraus ist.

Kaum erscheint Superman, versucht der fremdenfeindliche Luthor, ihn zu erledigen und die Menschen gegen ihn aufzuhetzen, indem er sie glauben lassen will, dieser sei die Vorhut einer feindlichen Invasion von Krypton. Plötzlich tapsen Riesenmonster durch Metropolis und böse Soldaten mit S-Symbol unterjochen die Menschen – alles Fake, damit sich Lex selbst als Retter inszenieren kann. Superman will den Schwindel auffliegen lassen, ist aber geschwächt durch Kryptonit …

Auf fast 300 Seiten wird in Birthright breitgetreten, was alle schon gewusst oder geahnt, aber so noch nicht gelesen haben. Nur eben länger, größer und spektakulärer. Fans bekommen alle bekannten Klischees aufgetischt: den über-knallharten Chefredakteur Perry White, den kleinen Loser Jimmy Olsen, der bloß gedemütigt wird und die überaus taffe Reporterin Lois Lane, in die sich Clark sofort verliebt. Sie kennen alle bloß ein Ziel im Leben: die Titelseite (und den Pulitzerpreis). Und dann gibt es natürlich noch lange Erklärungen dafür, warum Superman als Clark Kent niemand erkennt, obwohl er nur eine Brille trägt. Die Brille verändert die Gesichtsform heißt es, Clark lässt die Schultern hängen und spielt einen anderen. Und trotzdem wirkt es forciert (und fast schon selbstironisch), wenn Lois Clark lange ins Gesicht schaut und dennoch nicht drauf kommt, warum er ihr bekannt vorkommt. Ansonsten ist das letzte Drittel reine Action mit vielen Splash-Pages, in denen versucht wird, die großen Momente zu zelebrieren.

Alles schon zigmal gesehen und gelesen. Nur eben nicht so. Und nicht so sperrig gezeichnet wie hier. Vielleicht tragen auch die Zeichnungen dazu bei, dass ich mit Birthright nicht warm geworden bin. Abgesehen von dieser Geschmackssache ist die zwölfteilige Story (die als Paperback ohne Unterbrechung durch Covereinschübe erzählt wird) nur etwas für Neueinsteiger oder richtige Superman-Fans, die nicht genug davon bekommen können, immer wieder dieselbe Geschichte zu lesen.

Sechs Jahre später, nach der Infinite Crisis, als sich das DC-Universum wieder änderte, wurde auch Supermans Vorgeschichte umgeschrieben: in Secret Origin. Doch auch da bleibt der wichtigste Aspekt erhalten: Clark und Lex kennen sich aus Smallville, nur dass Clark schon da als Superboy wirkte.

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