Robin

Was Robin zum Kotzen bringt

DC Comics

DC Comics

Titel: Streets of Gotham Vol. 2: Leviathan (dt. Die Straßen von Gotham 2)

Autor/Zeichner: Paul Dini, Mike Benson, Chris Yost/Dustin Nguyen

Erschienen: 2009-2010 (Batman: Streets of Gotham #5-11), dt. Panini 2010 (Batman Sonderband 28, enthält #7-11)


„Having faith isn’t enough. In Gotham, you have to fight to keep it.“

Der zweite Band von Streets of Gotham knüpft an den ersten an, auch wenn hier Hush keine Rolle mehr spielt. Stattdessen werden drei miteinander verbundene Storys erzählt: Huntress kämpft gegen einen wildgewordenen Man-Bat an, gekoppelt mit der Geschichte eines Pfarrers, der sich den Glauben in Gotham gegen alle Widerstände erkämpft. Batman und Commissioner Gordon leisten gute alte Detektivarbeit, um einen Serienkiller zu fassen. Dick Grayson stellt dabei undercover Nachforschungen in einem exklusiven Club für abseitige Vorlieben an. Robin sucht einen Kindesmörder und trifft dabei auf Zsasz, der die Kinder in einem Gladiatorenkampf gegeneinander auf Leben und Tod kämpfen lässt – ein blutrünstiges Publikum schaut dabei zu und wettet darauf. Beim Anblick der Leichen dreht es selbst einem kaltblütigen Killer wie Damian den Magen um. Er verbündet sich schließlich mit dem neuen Vigilanten Abuse, einem Nebeneffekt aus Batmans Vergangenheit. Ach ja: Zwischendrin erscheint Humpty Dumpty (Arkham Asylum: Living Hell) als Weihnachtsmann.

Leviathan ist nichts, was man unbedingt lesen muss, mal mehr und mal weniger fesselnd, aber gut erzählte, solide Unterhaltung für zwischendrin – oder für Hartgesottene.

>> Batman 2000-2011

Batman & Robin Eternal 1: Trauma auf Bestellung

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman and Robin Eternal Vol. 1

Autor/Zeichner: James Tynion IV, Scott Snyder u.a./Tony Daniel u.a.

Erschienen: 2015-2016 (Batman and Robin Eternal #1-12, Paperback 2016)


„The idea of taking someone in the wake of trauma, and transforming them to suit someone else’s will, is utterly abhorrent … But am I guilty of doing just that?“ (Batman)

Das Konzept von Robin hat seine Vor- und Nachteile. Das Gute an Robin ist, dass er Humor in Batman-Comics bringt. Das Blöde ist: Batman soll nicht lachen. Robin soll Batmans Verstärkung sein, aber er lässt ihn schwach erscheinen – und macht ihn verletzlicher. Das Gute an Robin ist, dass junge Leser sich mit ihm besser identifizieren können. Das Blöde ist: ein bunt gekleidetes Kind an der Seite eines düsteren Einzelgänger ergibt keinen Sinn.

Nennen wir es beim Namen: Was Batman mit Robin betreibt, ist eigenlich fahrlässige Kindesgefährdung, wenn nicht gar Kindesmisshandlung. (Frank Miller hat es in seinem vielfach gescholtenen All-Star Batman and Robin, the Boy Wonder ungeschönt dargestellt.) Und genau darum geht es bei Batman & Robin Eternal, der wöchentlich erscheinenden Nachfolge-Serie des ein Jahr lang laufenden Batman Eternal.

Gleich am Anfang zeigt sich wieder ein Vorteil: Das Gute an Robin ist, dass durch ihn einer da ist, der Batman ersetzen kann, falls er mal wieder tot ist oder verschwunden oder anderweitig verhindert. Wie zum Beispiel nach dem Endgame/Todesspiel mit dem Joker. Während Bruce Wayne seine neue Berufung als Kindergärtner und James Gordon in einem Batman-Kampfanzug mit Hasenohren Superschurken belämpft (Superheavy/Superschwer), müssen sich die drei ehemaligen Robins (Dick Grayson, Jason Todd und Tim Drake) um neue Feinde kümmern, die eigentlich alte Bekannte aus finsterster Vergangenheit sind und mit einem alten Scarecrow-Fall zusammenhängen.

Die Schurkin Mother und ihr Handlanger The Orphan (Waise) wollen Agent Grayson, Red Hood und Red Robin an den Kragen. Und nicht nur denen: auch die drei weiblichen Mitglieder der (erweiterten) Bat-Familie sind im Visier – Bluebird, Spoiler und Cassandra Cain. Die stumme Kämpferin, die in der alten Continuity im Niemandsland zu Batgirl wird und in der New-52-Continuity hier zum ersten mal auftaucht, kämpft an der Seite der anderen Junghelden gegen Orphan, der niemand geringeres als ihr Vater David Cain ist. Hintergrund: Mother formt Menschen auf Bestellung, indem sie Kinder Traumata erleben lässt, entweder durch Angstgas oder durch die Ermordung ihrer Eltern. Batman gerät in Verdacht, bei ihr einen neuen, besseren Robin in Auftrag gegeben zu haben, nachdem er von Dick Grayson enttäuscht wurde. Ist also Bruce Wayne verantwortlich für einen Mord?

Klingt nach großem Drama, ist es aber nicht. Dass Batman & Robin Eternal nur halb so lang (26 Hefte) ist wie sein Vorgänger, lässt sich beim Lesen schnell nachvollziehen. Trotz oder gerade wegen des großen Figurenaufgebots stellt sich wenig Spannung ein. Die Story springt viel zwischen Gegenwart und Vergangenheit, in den Rückblenden sehen wir Batman mit dem ersten Robin im Einsatz, doch bei all den vielen Handlungsebenen und Figuren geht man beim Lesen verloren. Das einzige, was einen bei Laune halten soll, ist das Rätsel, was Batman sich wirklich hat zu schulden kommen lassen. Aber in der ersten Hälfte wird die Lösung bloß künstlich hinausgezögert und das allein reicht nicht, um Interesse für das Ganze zu wecken. Die Charaktere bleiben oberflächlich. Daher kann es einem auch ziemlich egal sein, wie es im zweiten Band weitergeht.

Im Vergleich zu dem überbordenden Batman Eternal wirkt Batmatn & Robin Eternal ebenso müde wie ermüdend. So könnte man auch über Robin sagen: Der Nachfolger kommt nicht an seinen Vorgänger heran.

>> Batman 2011-2019

Wonder Woman schützt Wunderknaben

Batman versus Superman, Teil 26: Die World’s Finest von Erde 2 (2015)

DC Comics

DC Comics

Titel: Worlds‘ Finest Vol. 6 – The Secret History of Superman and Batman (dt. Das Vermächtnis von Erde 2)

Autor/Zeichner: Paul Levitz/Jed Dougherty

Erschienen: 2015 (Worlds‘ Finest #27-32, Paperback 2015), dt. Panini 2015 (Paperback)


„It’s hard to imagine history working out so differently…“ (Lois Lane)

„Looking back, they were a perfect partnership: night and day, cynicism and optimism, and yet so alike.“ (Lois Lane)

Nachdem wir uns an dem alternativen Batman von Erde eins erfreut haben, schauen wir uns heute einmal an, was auf Erde zwei los ist. Während die Helden auf Nummer eins noch in den Anfängen stecken, sind sie auf Nummer zwei weiter fortgeschritten. In der Serie Worlds‘ Finest (man beachte das Apostroph hinter dem s statt wie früher davor), die bislang für das Team-up zwischen Power Girl und Huntress missbraucht wurde, wird die gemeinsame Vorgeschichte von Superman und Batman nachgetragen. Dennoch macht sich die Serie dadurch nicht um den traditionsreichen Namen verdient.

Erzählt wird mehr oder weniger die bekannte Geschichte mit einer wichtigen Variation: Intri, eine Kampfbraut von Apokolips, versucht Kal-El und später Clark Kent für ihresgleichen zu gewinnen. Doch auf Krypton verweigert Jor-El den Deal, auch wenn er dafür Krypton vor dem Untergang bewahren kann, später auf Erden beschützt die Amazone Diana alias Wonder Woman den kleinen Clark Kent vor der Entführung. Bruce Wayne wiederum muss mitansehen, wie ein Gauner seinem Vater an den Kragen will, weil Thomas Wayne sich nicht zu Schandtaten verleiten lassen will. Auch hier schreitet Diana ein, um den Jungen zu retten, weil laut einer Prophezeiung auch Batman wichtig werden wird. Das Besondere: der Vater stirbt nicht bei dem Attentat, weil der kleine Bruce Mut beweist. Warum er trotzdem zu Batman wird, wird allerdings nicht erklärt. Nach einem Zeitsprung erfahren wir, dass Bruce Wayne und Selina Kyle (Catwoman) eine Tochter bekommen, die zu Robin wird. Superman verliert seine geliebte Lois. Batman und Superman halten als Freunde zusammen.

Im weiteren Verlauf der Kernhandlung sehen wir, wie Intri immer wieder auftaucht und zurückgejagt wird. Zwischendurch fragt man sich, warum sie trotz ihrer offensichtlichen Inkompetenz immer noch mit der Aufgabe allein betraut wird. Erst nachdem sie tot ist, beginnt die apokoloptische Invasion und der apokalyptische Krieg. Ebenso rätselhaft ist, warum Batman nach dem Ausschlussprinzip davon ausgeht, die Schurkin müsse Kryptonierin sein (obwohl nichts darauf hindeutet) und warum sein selbstgeschmiedetes Kryptonitschwert sie verletzten kann, Dianas Schwert aber nicht und am Ende alle Schwerter gemeinsam die Schurkin töten. Aber wen juckt’s?

Denn erzählt wird diese „secret history“ äußerst dröge und uninspiriert, von einer Lois Lane, die in ferner Zukunft als Red Tornado gegen die Invasoren von Apokolips kämpft und bis dahin ihr Handwerk verlernt hat. Die plumpen Zeichnungen lassen selbst Schauwerte vermissen. Das ist besonders schade, weil man für die Cover fähigere Künstler verpflichtet hat. Aber so ist das häufig: Man lockt Leser an mit verheißungsvollen Versprechen, die nicht eingehalten werden. Daher sei hiermit davor gewarnt, mit diesem öden Comic seine Zeit zu verschwenden.

>>> Weitere Abenteuer und Duelle von Batman und Superman

Aushilfen bringen’s nicht

Batman versus Superman, Teil 18: World’s Finest (2009-2010)

DC Comics

DC Comics

Titel: World’s Finest

Autor/Zeichner: Sterling Gates/Julian Lopez, Ramon F. Bachs, Jamal Igle, Phil Noto

Erschienen: 2009-2010 (Mini-Serie #1-4, Paperback 2010), dt. Panini 2010 (DC Premium #68)


„A giant Superman/Batman robot? That might be the stupidest thing I’ve ever heard.“ (Robin)

„This is a job for the both of us, Batman. But you’ve got to get me close enough to help.“ (Superman)

Batman ist verschwunden, Superman hat sich auf New Krypton niedergelassen. Jetzt müssen die Aushilfen ran: Red Robin und Chris Kent (Supermans Sohn alias Nightwing) gegen den Pinguin und den Kryptonite Man, die Flamebird gefangen halten. Der Kryptonitmann wird von Toyman gefangen genommen. In Metropolis kämpfen Robin und Guardian gegen das Team Parasit und Mr. Freeze, letzterer wird von Toyman befreit. Dann verbünden sich Supergirl und Batgirl gegen Toyman und Freeze, die einen Riesen-Superman-Batman-Roboter (mit Kryptonite Man als Waffe) ins All jagen wollen, um New Krypton zu vernichten. Toyman mag nämlich keine Aliens. Weil aber die Aushilfen damit nicht klarkommen, müssen zum Schluss die altgedienten Profis ran: Batman (Dick Grayson) ruft Superman und zusammen haben die beiden leichtes Spiel gegen Toymans mechanisches Monster … (Verzeiht den Kalauer.)

Viel kann man über das Verhältnis von Batman und Superman nicht sagen: Am Ende ist Superman stolz auf Dick und freut sich schon aufs nächste Team-up. Die eigentlichen Konflikte beider Sphären tragen die Robins aus: Red Robin hat keine Lust auf eine Kooperation, weil er den echten Batman sucht, Robin widersetzt sich dem fliegenden Polizisten Guardian, der ihm nicht viel entgegenzusetzen hat. Aber das alles bleibt sehr oberflächlich.

Dieses World’s Finest ist eine Mogelpackung: Statt Batman und Superman bekommt man drei Team-ups von Stellvertretern beider Dunstkreise bis erst am Ende die eigentlichen Helden zum Einsatz kommen. Es wäre noch zu verkraften gewesen, wenn wenigstens Superboy dabei gewesen wäre, aber Guardian und der kryptonische Nightwing sind einfach alles andere als „World’s Finest“, sondern sehr lahme Nebenfiguren. Das Aufgebot an Helden und Schurken kann auch nicht über die altbackene und banale Story hinwegtrösten. So setzt auch die dritte Mini-Serie mit diesem Titel die Tradition der Enttäuschung fort. Und weil zu wenig Superman und Batman darin vorkommen, ist diese Story auch die schwächste.

Fortsetzung folgt.

Bisher erschienen:

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Verschollen in der Zukunft, gestrandet in der Gegenwart

DC Comics

DC Comics

Titel: JLA – One Million (dt. Justice League: One Million)

Autor/Zeichner: Grant Morrison u.a./Val Semeiks u.a.

Erschienen: 1999 (Mini-Serie #1-4, Tie-ins, Paperback 1999, 2004, Omnibus 2013), dt. Dino 1999, Panini 2015 (2 Bände)


„Send me your superheroes from past, present or future. I’ll kill all of them.“ (Vandal Savage)

Gäbe es im 853. Jahrhundert noch Comichefte, würde dann wohl die einemillionste Ausgabe von Action Comics erscheinen, jene Serie, mit der Superman im Jahr 1938 gestartet ist. Natürlich gibt es in ferner Zukunft auch innerhalb des DC-Universums noch Superhelden. Sie beschützen nicht mehr nur die Erde, sondern alle Planeten des Sonnensystems, denn alle neun sind besiedelt. Ein Superheld pro Planet (nur Green Lantern fehlt, stattdessen gibt es Starman). Zusammen bilden sie die Justice Legion A. Auch Superman gibt es noch, das Original aus dem 20. Jahrhunderts. Doch der hat sich längst in seinen Ruhestand in die Sonne zurückgezogen. Weil demnächst seine Rückkehr erwartet wird, reist die Justice Legion zurück ins 20. Jahrhundert und bringt die Ur-Helden in die Zukunft, damit sie an den Festivitäten zu ihren Ehren teilnehmen können. In der Zwischenzeit passen die Zukunftshelden auf die alte Erde auf. Doch dabei geht etwas schief: Hourman, der die Zeitreise ermöglicht hat, schleppt ein Nanobot-Virus ein, das die Menschen befällt und aggressiv werden lässt. Verantwortlich dafür ist Solaris, eine intelligente Sonne mit bösen Absichten. Parallel dazu startet Vandal Savage einen atomaren Angriff, bei dem die Stadt Montevideo vernichtet wird.

Der Batman der Zukunft ist natürlich der Hüter von Pluto, einem düsteren Gefägnisplaneten. Er trägt einen ultracoolen High-Tech-Anzug und verfolgt unklare Ziele, als er den Batman der Gegenwart betäubt und gegen seinen Willen mit den anderen Helden in die Zukunft schickt. Mit Nightwing durchstreift Batman das in Trümmern liegende Gotham, während das Original in der Zukunft auf eine Roboter-Version von Robin und auf Catwoman trifft. Selbstverständlich haben auch alle klassischen Schurken ein schräges Äquivalent …

In diesem Crossover-Event ist eine Menge los, aber nicht so viel, dass man den Überblick verliert. Vielmehr erzählt Grant Morrison (Arkham Asylum, Batman and Son, Final Crisis) eine so überbordende wie stimmige, in sich runde Story voller unerhörter Wendungen. Die Zukunftsversionen der Helden wurden als gottgleiche weiterentwickelt,  die aber immer noch allzumenschlich daherkommen. Wie üblich treten die Durchhänger in den Tie-ins auf, von denen sind einige aber unverzichtbar für die Haupthandlung. Wie schon einst der Dino-Verlag bringt auch Panini alles raus, was man lesen muss, allerdings gebündelt in zwei dicken Bänden. Wer es ganz ausführlich braucht, dem sei der One Million Omnibus von DC empfohlen, darin ist jede 1.000.000-Ausgabe aller Serien enthalten.

Batman ist nicht genug

Warner Bros.

Warner Bros.

Titel: Bad Blood

Drehbuch: J.M. DeMatteis

Erschienen: 2016 (Direct-to-Video)


„Dressing like a bat doesn’t make you a hero. It just makes you a target.“ (Batman)

Die Batman-Familie ist eine ambige Angelegenheit. Eigentlich ist Batman ein Einzelgänger. Ein Einzelkämpfer. Aber dann kam der bunte, lachende Robin. Und damit niemand auf die abstruse Idee einer Schwulen-WG kam, stellte man ihm Batwoman zur Seite, dann Batgirl, einen Hund, einen Kobold. Aus Nightwing wurde Robin, es kamen drei bis vier Nachfolger, starben und kamen in anderen Formen wieder, ebenso wie die Batgirls. Ganz zu schweigen von den anderen Batmen, die Filialen in der ganzen Welt betreiben.

Das Gute an dieser Familie ist, dass es eine Reihe von Stellvertretern gibt, wenn Batman mal fehlt. Die Tatsache, dass es immer mehrere Aspiranten auf das Amt gibt und sich die Nachfolger schwer damit tun, spricht für sich: es kann nur einen geben – und das ist Bruce Wayne. Alle anderen sind also bloßes Beiwerk und daher auch verzichtbar. Dass sie immer in Batmans Schatten stehen werden und den Kampf eines anderen kämpfen werden, darin besteht der gemeinsame Grundkonflikt all dieser Figuren. Nun gut, weil Batman allein auch mal langweilig wird und der Rest der Familie dank der langen Tradition nun mal da ist (einige von ihnen sind zugegebenermaßen sogar interessante Charaktere), gibt es eben auch Familiengeschichten, auch wenn es zuletzt Überhand nimmt (siehe Batman Eternal).

Auch im Universum der jüngsten Animationsfilme ist Batman nie genug. Aber selbst Nightwing und Robin reichen offenbar nicht. In Bad Blood nimmt sich auch Batwoman des Verbrechens an (zuletzt war sie in Mystery of the Batwoman im Film zu sehen). Sie schlägt sich auf eigene Faust durch, gehört aber (noch) nicht zur „Familie“, Batman ist nicht erfreut, aber hilft dennoch aus, als es darum geht, eine Bande von Schurken zu erledigen. Bei dem gemeinsamen Einsatz geht Batman verloren. Als sich die Sache herumspricht, entsteht ein Machtvakuum. Dick Grayson steigt ins Batman-Kostüm und nimmt es mit Black Mask auf. Während ein neuer Schurke namens The Heretic, ein Muskelberg mit Batman-Maske, zusammen mit anderen Technologie aus Waynes Firma raubt, wird Wayne von Talia al Ghul einer Gehirnwäsche unterzogen, bei der er sein Trauma als eine Reihe von Albträumen durchlebt. Schließlich wird auch Robin (Damian Wayne) gefangengenommen. Am Ende geht es darum, die Poltiker der Welt unter Kontrolle zu bringen. Es kommt zum Kampf zwischen Batman und Nightwing …

Im Laufe der Handlung schließt sich noch Luke Fox als Batwing der Bat-Familie an. Zusammen mit Batman sind es damit fünf. Die vielen Figuren sind der größte Schwachpunkt des Films, denn dadurch wirken die einzelnen Charaktere oberflächlich. Allen voran Nightwing, der – anders als in den Comics – kaum dazu kommt, mit der angenommenen Batman-Rolle zu hadern. Dafür ist in 70 Minuten Film kaum Zeit. Am meisten Raum bekommt Batwoman (Kate Kane), sie ist die eigentliche Heldin des Films – und das sogar eine sympathische. Die Rolle der Schurkin Talia schwankt von Film zu Film: mal sorgt sie sich um ihren Sohn Damian, dann wieder nicht, schließlich erweist sie sich als plumper Machtmensch im Sinne ihres Vaters Ra’s. Ihr Ziel ist so beliebig und vage, dass es einen kaltlässt. Darüber hinaus wäre es zu wünschen, wenn nicht wieder (zum dritten Mal) die Familie al Ghul der Gegner wäre. Es gibt noch so viele Schurken, die man einsetzen und ausbauen könnte. Hier aber hat der Mad Hatter bloß einen enttäuschenden Gastauftritt als Handlanger. Alle anderen bösen Buben im Film wie Black Mask, Firefly und Killer Moth sind nicht mehr als Kanonenfutter.

Bad Blood setzt auf starke Action-Szenen und markige Sprüche. Wer nicht mehr verlangt, kommt auf seine Kosten. Die Pointen sitzen wie die Schläge. Wie schon beim Vorgänger Batman vs. Robin ersetzt der Film aber kaum das Lesevergnügen der Comics, bei denen er sich bedient: Battle for the Cowl, Long Shadows, Batwoman: Elegy und Batman Incorporated. (Besprechungen für die ausstehenden folgen.)

(Achtung Spoiler!)

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Das Rotkehlchen im Eulennest

Warner Bros.

Warner Bros.

Titel: Batman vs. Robin

Drehbuch: J.M. DeMatteis

Erschienen: 2015 (Direct-to-Video)


„Justice. Not vengeance.“ (Batman)

„Justice. Not vengeance.“ (Robin)

„Don’t doubt your instincts.“ (Talon)

Bei einem Einsatz gegen den Dollmaker trifft Robin (Damian Wayne) auf den Killer Talon. Während sich Robin zurückhält, den Dollmaker zu töten, reißt Talon den Schurken das Herz heraus. Weil Talon eine Feder zurücklässt, geht Batman ihm nach und entdeckt weitere Eulenkrieger, die ihn umbringen wollen. Dahinter steckt der Geheimbund „Court of Owls“ (dt. Hof der Eulen, in den Comics Rat der Eulen genannt), der Gotham unter seine Kontrolle bringen und das Böse durch Mord auslöschen will. Als sie Bruce Wayne entführen, damit er sich ihnen anschließt, ist er mäßig begeistert. Dafür ist Damian umso anfälliger, als Talon versucht, ihn für sich zu gewinnen. Weil Damian immer noch der aufsässige Satansbraten ist, den man aus Son of Batman kennt, ein aufsässiges wie blutrünstiges Kind, das sich nur schwer zähmen lässt, hat der Killer mehr Erfolg bei ihm als der überforderte Vater. Es kommt zum Kampf zwischen Vater und Sohn …

Die Adaption der Snyder/Capullo-Story „Court of Owls“ greift bloß einige Kernelemente der Vorlage auf: den Orden, die Attentate auf Batman, den Gang durch das unterirdische Labyrinth sowie den Überfall auf Wayne Manor. Die Motivation der Eulen ist eine andere, und weil der Hintergrund dafür fehlt, bleibt sie auch vage. Ansonsten dient die Geschichte bloß als Aufhänger, um den Vater-Sohn-Konflikt zuzuspitzen, was auch überzeugend gelingt. In dem Widerspruch von Talon und Batman findet sich Damian wieder bei der Suche nach Vorbildern, bzw. einem Vater und seinem Platz im Leben. Der Prolog mit dem Dollmaker greift lose die Story aus Detective Comics #1-4 (2011) auf, spitzt sie aber mit Horror-Elementen wie Zombie-Kindern noch zu. Dank herrlicher Kampfszenen und einigen knackigen Wortgefechten ist Batman vs. Robin ein unterhaltsamer Animationsfilm, der für sich genommen Spaß macht und als Fortsetzung funktioniert, auch wenn er den abgründigen Reiz seines Vorbilds vermissen lässt.

Erbstreit in der Familie

DC Comics

DC Comics

Titel: Battle for the Cowl (dt. Kampf um die Maske)

Autor/Zeichner: Tony S. Daniel

Erschienen: 2009 (Mini-Serie #1-3, Gotham Gazette: Batman Dead?/Batman Alive?), Paperback 2009


„The citizens of Gotham are looking for a savior.“

Seit Batman tot ist (oder wenigstens verschwunden, vgl. Final Crisis) herrscht in Gotham City das Chaos: Während sich die Banden von Pinguin und Two-Face bekriegen, heizt Black Mask die Stimmung noch zusätzlich auf. Er befreit die Insassen von Arkham Asylum, um sie für seine Sache einzuspannen, und jagt die Anstalt daraufhin in die Luft. Die verbliebene Batman-Familie bekommt Unterstützung vom „Network“, einem Zusammenschluss von Aushilfshelden. Nightwing (Dick Grayson) weigert sich, Batmans Nachfolge anzutreten, weil er Angst hat vor dem Scheitern. Andere Robins haben weniger Skrupel, die Fledermaus zu beerben, wie Tim Drake und Jason Todd – auch wenn letzterer nicht in Bruce Waynes Sinne handelt. Es kommt zum Kampf zwischen Dick und Jason. Am Ende ist ein neuer Batman gefunden.

Battle for the Cowl ist eine Übergangsstory, die dafür sorgt, dass Nightwing zu Batman wird. Und so liest sich die Geschichte auch: als leichte Unterhaltung für zwischendurch. Tony S. Daniel erweist sich erneut als Zeichner vor Kraft strotzender Astralkörper und spektakulärer Kampfszenen, aber als schwacher Erzähler. Zu abgehetzt und zu dicht vollgepackt wirkt die verhältnismäßig kurze Geschichte, vieles bleibt bloß angerissen, ohne erklärt zu werden. Die vielen Helden spielen nur eine marginale Rolle und nicht alle auf dem Cover kommen darin vor. Immerhin arbeitet der Autor den Grundkonflikt zwischen den beiden Batman-Rivalen ausführlich heraus.

Ergänzt wird die rasante Hauptgeschichte durch eine fade Nebenstory um Nebenfiguren wie Spoiler, Leslie Thompkins, Harvey Bullock und Vicky Vale. Man begreift nicht ganz, was das Ganze soll, bis am Ende die Reporterin endlich herausfindet, dass wer Bruce Wayne, Dick, Tim und Barbara Gordon wirklich sind. Das hat lange genug gedauert …

>> Batman 2000-2011

Späte Rache

DC Comics

DC Comics

Titel: Gates of Gotham (dt. Die Pforten von Gotham)

Autor/Zeichner: Scott Snyder, Kyle Higgins/Trevor McCarthy, Ryan Parrott

Erschienen: 2011 (Mini-Serie #1-5, Paperback 2012), dt. Panini 2012 (DC Premium)


„How can you … ever hope to protect Gotham’s future … when you’re so naive of it’s past?“ (Hush)

Ein Unbekannter jagt drei Brücken in Gotham in die Luft. Dann drei Hochhäuser. In einer anonymen Botschaft verlautbart er, dass er sich an Familien rächen will. Es geht um die Familien der drei Gründungsväter: Wayne, Cobblepott und Elliott. Während Batman (Dick Grayson), Robin (Damian Wayne), Red Robin (Tim Drake) und Black Bat (Cassandra Cane, ehemals Batgirl) versuchen zu verhindern, dass auch der Rest von Gotham zertstört wird und den Täter aufspüren, erfährt der Leser eine Episode aus der frühesten Geschichte der Stadt. Darin geht es um zwei Architektenbrüder, die Ende des 19. Jahrhunderts für die drei Macher die wichtigsten Brücken und Hochhäuser entworfen haben und dabei hintergangen wurden. Ein Nachfahre, Zachary Gate, will offene Rechnungen begleichen …

Der Schurke „The Architect“ tritt in einem ziemlich coolen Taucheranzug im Steampunk-Stil auf, der in gewisser Weise den Anzug der Talons aus Rat der Eulen/Stadt der Eulen vorwegnimmt. Es gibt einen Gastauftritt von Hush. Am Ende wird auch eine überraschende Wendung aus dem Hut gezaubert. Und dennoch ist Gates of Gotham bloß eine solide Batman-Story, in der sich zu viele Charaktere tummeln, als dass man einem davon gerecht werden könnte, zu sehr Geschichtsstunde, als dass sie für die Gegenwart fesseln könnte, und zu cartoonhaft gezeichnet, als dass man sie ernst nehmen könnte.

>> Batman 2000-2011

Batman und der vorletzte Kreuzzug

DC Comics

DC Comics

Ein dritter Teil ist nicht genug. Einige Tage vor der ersten Ausgabe von Dark Knigth III: The Master Race kündigt DC Comics ein Prequel an: Dark Knight Returns – The Last Crusade soll ein 64-Seiten-One-Shot werden, das über zehn Jahre vor dem ersten Teil von 1986 spielt. Die Story, von Frank Miller und Brian Azzarello geschrieben, wird von John Romita Jr. (Daredevil: The Man Without Fear) gezeichnet und erzählen, wie Robin Jason Todd im Dark Knight-Universum zu seinem Ende kam. Wie das Cover zeigt, wird dabei der Joker eine wichtige Rolle spielen. Die Veröffentlichung ist für den 17. Februar 2016 angesetzt. Ein Interview mit Romita, der auch ein Variant Cover zu DK III beisteuert, gibt es hier.

DC Comics

DC Comics

Die Nachricht ist mit gemischten Gefühlen verbunden: Einerseits war ein erster Teil genug, der zweite überflüssig und enttäuschend und alle Hoffnung ruht jetzt auf dem dritten; ein Prequel erscheint da erst recht wie zu viel des Guten – auch angesichts der riesigen Marketingmaschine, die DC mit seiner Flut an Variant Covern betreibt. Andererseits ist auch diese Welt ein Universum für sich und daher auch unendlich erweiterbar. Schließlich wollen die Fans beides: Pflege ihres Kults, aber auch ständig Neues. Die unendliche Geschichte von Batman muss immer weiter gehen. Auch wenn das manchmal heißt, einen Schritt zurück zu machen.

Leider sind Prequels schon deshalb weniger interessant, weil man bereits weiß, wie die Geschichte ausgeht, und weil sie die Leerstellen ausfüllen, die bislang von der Fantasie der Leser zu füllen sein konnte. Und braucht es noch eine Version von Jasons Todds Tod? Allerdings muss man dazu anmerken, dass Frank Miller 1986 diesen Tod schon vorweggenommen hat, bevor er tatsächlich innerhalb der offiziellen Batman-Continuity eingetreten ist (in A Death in the Family). Und schließlich ist das keine besonders gute Story gewesen. Eigentlich eine ziemlich miese. Vielleicht wird jetzt endlich eine Variation dieser Geschichte geliefert, die würdiger und zeitgemäßer erscheint.