Gothams Nächte sind langweilig

Gotham Nights #18, 15, 16 (DC Comics)

Wo haben sich Batman und Catwoman eigentlich das erste Mal kennengelernt? Auf einem Schiff, einem Dach, auf der Straße? Wir wollen das nicht weiter erörtern, denn das Tom King in seiner Batman-Serie bereits zu Genüge und darüber hinaus getan (The Wedding) und verfolgt das jetzt auf einer zwölfteiligen Spielwiese namens Batman/Catwoman. In Gotham Nights #15 wird eine neue Fassung erzählt: Bruce Wayne und Selina Kyle begegneten sich bereits als Jugendliche auf einer Polizeiwache. Der Bonzenjunge kommt schnell frei, während Selina hocken bleibt. Pech gehabt, wenn man arm ist.

Ansonsten sieht man Catwoman in der Gegenwart wieder Juwelen rauben. Man könnte meinen, sie sei darüber hinaus, aber wenn wir ehrlich sind, erwarten die Fans trotzdem das alte Spiel: Batman jagt Catwoman über die Dächer, während sie mit einem Säckchen Diamanten davonrennt. Also wird genau das geboten. Aber mit einem Twist (ACHTUNG: SPOILER!): Catwoman hat alles nur inszeniert, damit Batman ihr hilft. Hätte sie nicht einfach fragen können? Ja, aber dann – ihr ahnt es schon – wäre es nur halb so interessant. Also gar nicht.

Anekdoten aus Batmans Welt

Na ja. Ansonsten bietet Gotham Nights eine Reihe schnell verdauter Häppchen: Killer Croc bekennt sich als Monster wegen schlechter Jugenderfahrungen, der Pinguin beschäftigt Helfer in lächerlichen Pinguinkostümen, Batman verbündet sich mit Swamp Thing, um Scarecrow Angst einzujagen, die Bat-Family verhindert ein Attentat auf Bruce Wayne, Batwoman besiegt Lord Death Man mit einer Zementfalle, Batgirl schlägt sich mit dem nervigen Creeper rum (blöde Figur) und Robin (Damian Wayne) langweilt sich in der Bathöhle, während Batman dem üblichen Justice-League-Stuff nachgeht (epische Schlachten im All kämpfen und so), aber dann zieht er noch einmal mit ihm los – es ist nämlich „Take your kid to work day“.

Das alles bewegt sich auf dem Niveau durchschnittlicher Anekdoten. An einer Stelle ist Gotham Nights sogar eine regelrechte Mogelpackung: In einer Story jagt Deathstroke Jimmy Olsen durch Metropolis und wird von Supergirl aufgehalten – das hat absolut nichts mit Batman und Co. zu tun.

Einziger Lichtblick ist die Story um Two-Face, der elf Polizisten Morde anhängt und dann Commissioner Gordon trifft, der ihn nach dem Warum ausfragt. Keine Sensation, aber immerhin nicht ganz stumpfsinnig.

Nach einer Pause von fast zwei Monaten dachte ich schon, dass Gotham Nights mit Ausgabe 17 eingestellt wurde, aber am 5. Oktober ist dann wieder eine erschienen. Man hätte die Serie nicht vermisst.

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Die Rückkehr des Calendar Man

Batman vs. Calendar Man

DC Comics

Titel: A Caper a Day Keeps the Batman at Bay

Autor/Zeichner: Len Wein/Walt Simonson

Erschienen: 1979 (Batman #312), Hardcover 2014 (Tales of the Batman: Len Wein)


Mit der großen Retro-Welle in den 70ern tauchten nicht nur klassische Schurken wieder auf, sondern auch einige obskure Gestalten, wie Signalman, Kite-Man oder Calendar Man. Wir erinnern uns: vier Gaunereien an vier Tagen, jede für eine Jahreszeit (Detective Comics #259, 1958). Nun ist er wieder da, dieses Mal lässt er sich von Wochentagen inspirieren.

Calendar Man als Mond(tag). (DC Comics)

Am Montag bricht er als Mond verkleidet in ein Planetarium ein, um Briefmarken zu stehlen, die Astronauten bei ihrem Mondflug entwertet haben. (Wer kommt auf so eine Idee? Len Wein!) Am Dienstag raubt er verkleidet als Tiw, Gott des Krieges, das Gothamer Militärmuseum aus, am Mittwoch ist er als Odin verkleidet, denn Wednesday kommt von Woden/Wodan/Wotan/Odin. In dieser Gestalt fährt er ein fettes Motorrad mit acht Rädern, weil Odin auf dem achtbeinigen Pferd Sleipnir unterwegs war. Man kann bei diesem offensichtlichen Unsinn dieser Geschichte sogar etwas lernen.

Nachdem die Verfolgungsjagd scheitert, ist Batman fest entschlossen, den Calendar Man am Donnerstag zu schnappen. Gordon wäre auch mit Sonntag zufrieden, er meint nämlich zu wissen, dass der Schurke einen Obelisken des Sonnengottes Ra stehlen will. Aber Irre sind nicht so leicht zu durchschauen. Am Donnerstag bricht der Calendar Man als Donnergott Thor verkleidet in einer Kunstgalerie ein, um das Gemälde „The Storm King“ zu stehlen (ohne Rahmen). Als Batman auftaucht, wirft Thor ihm einen Hammer entgegen, Batman weicht aus, schlägt ihn zu Boden, da stößt der Schurke mit seinem Helm ein betäubendes Ultraschall-Signal aus. (Er hätte es ahnen können, findet Batman, aber da ist er etwas zu streng mit sich selbst.) Batman kann das Signal mit einem Hammerwurf ausschalten, ist danach aber kaum fähig, wieder aufzustehen.

Calendar Man als Thor (Donnerstag). (DC Comics)

Der Arzt verordnet Bruce Wayne später Bettruhe, Alfred passt auf ihn auf. Und so kann der Calendar Man ungehindert am Freitag als Frigga (Göttin der Liebe und Zukunft) eine Hochzeitsgesellschaft ausrauben. Am Samstag (Saturday) hat er ein besonders aufwendiges Kostüm: Saturn, inklusive Ring um den Kopf und Ringe schießende Kanonen an beiden Armen. Bei all dem Aufwand kann man sich wieder fragen: Woher hat er die Ressourcen für all das? Und wenn er sie hat, warum begeht er dann Verbrechen? Könnte man die Erfindungen nicht gewinnbringend verkaufen? Ach egal, ich geb’s auf …

Calendar Man als Saturn. (DC Comics)

Am Sonntag hat Bruce genug vom nutzlosen Daliegen: Er verlässt das Bett, wird zu Batman und stellt Calendar Man am Bahnhof. Diesmal trägt dieser kein bescheuertes Kostüm, sondern einen braunen Anzug. Warum? Weil der Sonntag bekanntlich ein Ruhetag ist. (Von wegen Sonnengott!) Hier ist der Schurke nicht ganz konsequent, denn er wechselt vom Register der „heidnischen“ (nordischen und römischen) Mythologie in die jüdisch-christliche, aber auch das nur teilweise, denn er besteigt am Sonntag einen Zug namens „Western Sun Express“. Darauf muss man erst einmal kommen.

Aber Batman kann das. Er kann ja bekanntlich alles. Sogar erahnen, wann sein Gegner am erwarteten Ort auftaucht. Perfektes Timing. Calendar Man lebt vielleicht nach dem Kalender, aber Batman nach der Uhr – und die läuft stets präzise und wie es ihm passt.

Neuer Look, gleicher schlechter Stil: Calendar Man. (DC Comics)

Apropos laufen: Der Calendar Man gibt sich nicht geschlagen, sondern flieht durch einen Tunnel. Als er wieder draußen ist, hat er sich in Windeseile umgezogen. (Aber warum, wenn doch Ruhetag ist?) Er trägt jetzt ein rotweißes Kostüm mit lauter Kalenderblättern als Cape, einem Zahlengürtel und als wäre das nicht genug noch einen Kalenderblatt auf dem Kopf. Nach kurzer Verfolgungsjagd wirft Batman einen Batarang, legt eine Weiche um und knockt seinen Gegner mit einem umschwenkenden Signalfähnchen um.

>> Batman 1970-1979


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Was Batarangs alles können: alles

Batman, Robin, Batarangs

The 100 Batarangs of Batman (Detective Comics #244, 1957) (DC Comics)

Titel: The 100 Batarangs of Batman

Autor/Zeichner: Bill Finger/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1957 (Detective Comics #244)


Der Batarang gehört von Anfang an zu Batman: Bereits in Detective Comics #31 (1939) hat er ihn zum ersten Mal benutzt (damals noch Baterang genannt). Es ist eine elegante Waffe aus zivilisierteren Zeiten, die Batman anstelle von Schusswaffen benutzt – könnte man meinen. Doch bereits in eben dieser Ausgabe benutzt Batman am Ende eine Pistole, um einen Vampir zu erschießen. Und es ist nicht das letzte Mal, dass er tödliche Gewalt anwendet (siehe Batman #1). Aber das war nur am Anfang so.

18 Jahre später erfahren die Leser: Batman hat nicht nur ein Modell des Batarangs, sondern 100 verschiedene. Auf dem Cover sind nur fünf zu sehen. Der „Flash Bulb Batarang“ erzeugt Blitzlicht, der „Seeing Eye Batarang“ hat eine integrierte Minikamera, der „Police Whistle Batarang“ konnte einmal Commissioner Gordon das Leben retten, weil er beim Fliegen einen warnenden Pfiff abgibt, und der „Magnet Barang“ hat eine besondere Anziehungskraft, die Metallplatten im Flug einfach mitnimmt.

Kurz gesagt: Mit Batarangs kann man so ziemlich alles machen. Sogar die Naturgesetze umgehen. Batman und Robin erzählen sich eine Anekdote nach der anderen, weil ein Batman-Sammler von Ganoven um einen Film gebracht wurde, der Batman beim Batarang-Werfen zeigt. Batman vermutet, dass sie sich seine Technik abschauen wollen, um Verbrechen zu begehen. Dabei befürchtet er, sie könnten seine Geheimwaffe, den Batarang X, stehlen.

Batmans Geheimwaffe: der Batarang X. (DC Comics)

Zumindest im ersten Punkt liegt er richtig: Die Ganoven bauen einen Haufen Bomben-Batarangs und planen, damit fette Beute zu machen. Wie das gehen soll, wenn sie dabei alles in die Luft jagen, erschließt sich nicht richtig. Aber noch bevor der Plan näher ausgeführt werden kann, kommen ihnen Batman und Robin in die Quere. Batman benutzt den Batarang X selbst: Es handelt sich dabei um einen Riesenbatarang, mit dem Batman per Katapult (vom Batmobil aus) durch die Luft fliegen kann. Warum nicht das Batplane benutzen? Weil der Batarang X lautlos ist …

Batman entfernt die Sprengladungen von den Batarangs und baut sie so um, dass sie zu ihren Angreifern zurückkehren, sprich: sie selbst treffen. Einer der Gauner ist ganz verblüfft: „When we try to throw the Batarangs, they come back to hit us!“ Kein Wunder: Batarang kommt von Boomerang. Fangen wäre eine Option. Aber so wird das Verbrechen mal wieder mit seinen eigenen Waffen geschlagen.

Der erste Batarang: Ein Geschenk von Lee Collins. (DC Comics)

Bei der Gelegenheit erfahren wir auch, wie Batman auf den Batarang gekommen ist: Noch vor seiner Zeit mit Robin hat er einen Dieb zu einem Zirkus verfolgt, da hat er den Bumerang-Werfer Lee Collins kennengelernt, der ihm geholfen hat, den Dieb zu fassen. Collins wirft den Bumerang, lenkt den Dieb für nur eine Sekunde ab, aber das reicht Batman, um dem Gesuchten einen Kinnhaken zu verpassen. Collins bringt Batman das Werfen bei und fertigt für ihn den ersten Batarang an.

>> Batman 1950-1959


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The Batman auf 2022 verschoben

Logo zu "The Batman"
Das Logo zu „The Batman“ (Warner Bros.)

Man sollte heutzutage lieber nicht weit im Voraus planen. Auf die nächsten großen Blockbuster wird man sich noch eine Weile gedulden müssen. Nun hat Warner Bros. den Kinostart von The Batman erneut verschoben: von Oktober 2021 auf März 2022. Im September musste die Produktion wieder pausieren, weil sich Hauptdarsteller Robert Pattinson mit dem Coronavirus angesteckt hatte.

Auch andere DC-Filme werden später in die Kinos kommen: The Flash im November 2022, Shazam 2 im Juni 2023, Black Adam hat noch kein neues Startdatum. Wonder Woman 1984 ist immer noch für Weihnachten 2020 angekündigt. Aber ob sich dieser Termin weiter halten wird, ist zweifelhaft, denn der wurde bereits zweimal verschoben und Denis Villeneuves Dune, der ebenfalls im Dezember starten sollte, wird erst im Oktober 2021 zu sehen sein – voraussichtlich.

Auch Black Widow und James Bond werden in diesem Jahr nicht mehr in die Kinos kommen. Insofern ist es bemerkenswert, dass Tenet im Sommer starten durfte und damit bisher der einzige US-Blockbuster der Coronazeit war. Allerdings dürfte er mit rund 300 Millionen Dollar Einnahmen nicht einmal die Kosten von 200 Millionen Dollar gedeckt haben, denn dazu müsste er mindestens 400 Millionen einspielen.

Die Verschiebungen sind angesichts der steigenden Fallzahlen verständlich. Das Problem dürfte sich noch weiter verschärfen, nicht nur für die Studios, sondern auch für die Kinos, wenn sie keine Filme haben, die Geld einbringen und bisherige Verluste kompensieren. Und erst recht wenn, wie bei Disneys Mulan, bald noch mehr große Kinofilme in Streamingdienste abwandern.

Die abgründige Schönheit des Lächelns

DC Comics

Titel: Joker: Killer Smile

Autor/Zeichner: Jeff Lemire/Andrea Sorrentino

Erschienen: 2019-2020 (Joker: Killer-Smile #1-3, Batman: The Smile Killer #1), Hardcover 2020


„Laughter … That is true beauty.“ (Joker)

Wir haben ein Joker-Problem. Es gibt zu viel von ihm. Nicht nur in der regulären Serie taucht er ständig auf, auch in Specials und Miniserien. Und das liegt nicht nur am 80-jährigen Jubiläum in diesem Jahr. Keiner der Batman-Titel, die DC unter seinem Black Label herausgebracht hat, kommt ohne den Joker aus (z. B. Damned, Harleen, White Knight). Gleich drei Miniserien tragen seinen Namen, eine weitere ist angekündigt.

Eine davon ist der Dreiteiler Joker: Killer Smile. Eigentlich müsste man das mit einem Seufzen zur Ketnnis nehmen, wären da nicht die Macher: Jeff Lemire und Andrea Sorrentino sind so etwas wie ein Traumpaar der Comicbranche, gemeinsam haben sie nicht nur Green Arrow und Old Man Logan, sondern auch die Horrorserie Gideon Falls geschaffen. Und jede dieser Serien ist dank Sorrentinos Meisterschaft ein Genuss für sich. Der Zeichner versteht es nicht nur, eine beklemmende Atmosphäre zu schaffen, sondern reizt das Medium auch jedes Mal auf überraschende Weise aus, indem er mit Layouts experimentiert, Anordnungen fragmentiert und durcheinander wirft. Seine Seiten sind wahre Kunstwerke.

Der böse Clown Mr. Smiles

Und so wird auch in Killer Smile die Erwartung gebrochen: Statt den Joker mal wieder gegen Batman antreten und seine schwierige Beziehung zu ihm auszuloten (gähn!), wird eine kleine, fast schon intime Geschichte erzählt. Der Joker wird in Arkham von Dr. Ben Arnell behandelt. Während der Therapie gesteht der Joker ihm, dass er immer nur im Sinn gehabt habe, Schönheit in die Welt zu bringen – der Schurke verkannter als Künstler oder vielmehr Unterhalter, wie er sich selbst nennt. Der Psychiater ist ebenfalls ein Idealist, der sich einen Durchbruch erhofft, der nicht nur den Joker von seiner Psychose heilt, sondern auch Erkenntnisse bringt, die anderen helfen können. Doch die Geduld seiner Vorgesetzten ist am Ende: Er bekommt nur noch zwei Wochen Zeit.

Das eigentliche Problem jedoch: Arnell nimmt die Arbeit mit nach Hause. Der Joker verfolgt ihn in Gedanken, er kann nachts nicht schlafen, hat Albträume, im Wachzustand sieht er Morde, wo keine sind. Und dann ist da noch ein unheimliches Kinderbuch von dem bösen Clown Mr. Smiles, das er seinem Sohn vorlesen soll und von dem er sich fragt, wo es eigentlich herkommt.

DC Comics

Was ist hier los? Und wer behandelt hier eigentlich wen? Das sind die Fragen, die die Spannung erzeugen und am Ende auf eine furchterregende Eskalation hinauslaufen. So gruselig das Ganze inszeniert ist, so bildgewaltig und mitreißend ist es auch. Sorrentino erweist sich erneut als Virtuose des Visuellen und Lemire lässt ihm mit seiner aufs Nötigste reduzierten Geschichte viel Spielraum, sich zu entfalten. Da gibt es Panels in Form von Zähnen und Fischen, Seiten aus einem Kinderbuch, die wie von einem anderen Künstler geschaffen zu sein scheinen.

Der Joker wird hier mystifiziert als eine Urgewalt, als eine Art Krankheit, die jeden infiziert und korrupiert, mit der sie zu tun hat. Keine neue Facette (vgl. Azzarellos Joker), aber eine, in der sich die Leser wiederfinden und sich fragen können: Warum eigentlich sind WIR so fasziniert von dieser Figur? Vielleicht weil er so ungreifbar bleibt – und daher der perfekte Schurke ist.

Batman und der Smile Killer

Auch Batman ist davor nicht gefeit. Im One-shot Batman: The Smile Killer lernen wir, dass schon der junge Bruce Wayne Bekanntschaft mit Mr. Smiles gemacht hat – in einer TV-Show für Kinder. Wenn auch einer ziemlich seltsamen Show, in der die Handpuppe Kinder dazu auffordert, mit einer möglichst großen und scharfen Schere zu basteln. Nachdem Bruce Mr. Pouts gezeichnet hat (eine Art Batman), soll er sich ein Auge ausstechen. Seine Mutter kann ihn gerade noch davor bewahren. Allerdings verpasst sie ihm eine Ohrfeige.

Jahre später jagt Batman den Joker und findet sich plötzlich selbst als Patient in Arkham wieder. Batman soll nur eine Illusion sein, sagt ihm sein Mitinsasse, Ben Arnell. Das Motiv ist vertraut: Man kennt es aus The Last Arkham, sowie aus Dreams in Darkness (BTAS S01E28), außerdem bedient sich die Story bei Motiven aus Identity Crisis (Detective Comics #633, 1991) bzw. Perchance to Dream (BTAS S01E30). Hier jedoch wird es zugespitzt: Der kleine Bruce soll, in Clownsschminke, seinen Vater erschossen haben. Seitdem wird er von James Gordon behandelt. Hier wird eine Shutter-Island-Story draus. So scheint es zumindest …

Denn es endet offen, wenn man überhaupt von einem Ende sprechen kann, selbst das bleibt offen. Und so lässt einen dieser Schlussteil mit einem Rätsel zurück. Wird es eine Fortsetzung geben? So verlockend es scheint: Vielleicht wäre es besser, wenn manche Rätsel ungelöst bleiben. So bleibt man als Leser selbst in dieser kafkaesken Situation gefangen. Und damit hätte man immerhin eine weitere Joker-Story mit Mehrwert. Eine, die sich traut, die Grenzen des Erzählbaren weiter auszureizen. Bis hin ins Irrationale.

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Robin geht Solo

DC Comics

Titel: The Teen-Age Terrors

Zeichner: Win Mortimer

Erschienen: 1947 (Star Spangled Comics #65), Hardcover 2005 (Robin Archives Vol. 1)


Sieben Jahre nach seinem ersten Auftritt (Detective Comics #38) macht sich Robin selbstständig: in der Serie Star Spangled Comics. Schon auf dem Cover ist das symbolträchtig markiert: Hier tritt der Wunderknabe nicht nur aus Batmans Schatten, er macht sich auch los vom Dynamischen Duo. Batman taucht nur in einem Panel auf. Alfred inspiziert in der Hall of Trophies ein sonderbares Messer und fragt nach der Herkunft. Batman deutet an, dass sich dahinter ein Fall verbirgt, den Robin allein gelöst hat. Dann erzählt Robin die Story.

Dick erwischt einmal drei Jungs bei einem Einbruch, als sie gerade Pelze stehlen wollen. Nach kurzem Kampf liefert er die drei bei der Polizei ab. Dort erfährt er, dass sie gerade aus einer Besserungsanstalt kommen, der Boyville Reform School. Wirkt eher wie eine Schule für Kriminelle, sagt sich Robin – und er soll Recht behalten. Zuerst schaut er sich dort als Robin um, dann geht er mit dem Segen von Commissioner Gordon undercover.

Verbrechen zahlt sich nicht aus

Als Dynamite Denny verschafft er sich bei den Mitschülern zunächst mit der Faust Respekt. Dann wird der Mechaniker Joe Beasley auf ihn aufmerksam. Der bringt den Jungs nachts im Keller bei, wie man in Häuser einbricht. Dick spielt mit, beweist Talent, doch als er bei seiner ersten Aktion mit zwei Gaunern Musikinstrumente stehlen soll, wechselt er die Klamotten und vereitelt den Plan als Robin – fast buchstäblich mit Pauken und Trompeten.

Joe ist nicht erfreut. Am nächsten Tag trichtert er den Kindern ein, dass Gauner wie Millionäre leben: Sie brauchten nicht zu arbeiten oder früh aufzustehen und sie kriegten alles für lau. Dick widerspricht, da holt Joe mit dem Messer nach ihm aus. Zwei Hiebe strecken Joe nieder. Dick zerreißt seinen Pullover und offenbart sich den anderen als Robin – unnötig, aber unser Wunderknabe ist eben eitel. Als Joe ihn erschießen will, lässt Robin eine Lampe auf ihn fallen.

Nein, Verbrechen zahlt sich nicht aus, sagt er seinen Kumpels. Wenn es das täte, wären sie nicht in der Besserungsanstalt und die Gefängnisse wären leer. Selbst wenn einer 50-mal davonkommt, verliert er alles auf einmal, wenn er einmal geschnappt wird. – Das überzeugt die Jungs, ein neues Leben anzufangen. Tatsächlich ist später aus allen etwas geworden, bestätigt Batman am Ende. Doch zu sehen ist nur sein Schatten. Batman spricht aus dem Off. Diese Bühne gehört ganz Dick Grayson.

Damit beginnt eine fünfjährige Solokarriere, die Robin in jeder weiteren Ausgabe von Star Spangled Comics bis zur letzten (130) verfolgen darf. Das Dickens’sche Motiv der Verbrecherschule für Kinder kehrt im Zusammenhang mit Robin in den 80ern wieder, bei Jason Todd in Second Chances.

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Tödliche Trophäensammlung

The Thousand and one Trophies of Batman (DC Comics)

Titel: The Thousand and One Trophies of Batman

Autor/Zeichner: Edmond Hamilton/Bob Kane

Erschienen: 1950 (Detective Comics #158)


Batman und Robin müssen nicht nur Nacht für Nacht das Verbrechen bekämpfen und neue Gadgets wie Batmobile und Batplanes bauen, sie pflegen auch ihre Trophäensammlung in der Bathöhle. So ein Riesenpenny will nun mal gereinigt werden. Mittlerweile, im Jahr 1950, ist die Sammlung auf 1000 Stücke angewachsen, obwohl Batman gerade einmal seit zwölf Jahren im Dienst ist und nur rund 400 Abenteuer erlebt hat. Offenbar wurde den Lesern bis dahin die Hälfte vorenthalten. Egal.

Während Batman und Robin Riesendino und Riesenschachbrett betrachten und in Erinnerungen an ihre vergangenen Fälle schwelgen, ruht das Verbrechen nicht. Die beiden werden zum Hafen gerufen, wo der Gauner namens Dr. Doom Juwelen in ägyptischer Kunst nach Gotham zu schmuggeln versucht. Als er entlarvt wird, springt er ins Wasser, wo er sich verstecken kann, weil er einen Zigarettenhalter als Schnorchel benutzt. Das Dynamische Duo denkt nicht mal daran, hinterherzuspringen.

Sarkophag wird Trophäe 1001

Dann wird Batmans Sammelwut ihm zum Verhängnis: Obwohl er kaum etwas zu tun hatte, bittet er Gordon darum, einen Sarkophag als Trophäe mitnehmen zu dürfen. Klar, warum nicht? Beweismittel werden überbewertet. Doch bevor die beiden zurückfahren, steigt Dr. Doom aus dem Wasser, klettert heimlich in einen Sarkophag und lässt sich so im Batmobil in die Bathöhle bringen.

Wer den Cent nicht ehrt: Der Riesenpenny fällt auf Robin. (DC Comics)

Während sich die Helden über Trophäe Nr. 1001 freuen, bereitet Dr. Doom seine Rache vor: Er präpariert die Trophäen so, dass sie für Batman und Robin zur Todesfalle werden. Und kaum kehren sie zurück, schießen ihnen Riesenwürfel entgegen. Dann erschlägt der Riesenpenny fast Robin, eine Harpune erschießt beinahe Batman. Schließlich klettert der Schurke in den Riesendino (der hier sonderbarerweise kein T-Rex, sondern eine Art Brachiosaurier ist) und lässt den Roboter auf die beiden losgehen.

Die Helden kappen die Leitungen, Dr. Doom wirft eine Granate und versteckt sich im Sarkophag. Zum Glück kann Batman sich und Robin mit einem Miniaturhaus vor der Explosion schützen. Doch danach lässt sich der Sarkophag nicht mehr öffnen und Dr. Doom erstickt. Trophäe Nr. 1001 bleibt eine mit Einlage und der Tod wird zum ständigen Gast in der Bathöhle. Auch Pietät wird offenbar überbewertet …

>> Batman 1950-1959


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Zum tausendsten Mal Batman: Detective Comics #1027

Detective Comics #1027 von Andy Kubert (DC Comics)

Man muss nicht abergläubig sein, um zuzugeben, welche Macht Zahlen auf uns haben. Schlaue Marketing-Leute wissen das. Und so feiern wir nicht nur mittlerweile alle fünf Jahre ein Batman-Jubiläum, auch jede runde Heftnummer wird schon zu einer Jubiläumssonderausgabe aufgeblasen, auch wenn eine #50 heute nur noch halb so viel wert ist wie noch im 20. Jahrhundert, da Batman und Detective Comics immer noch zweiwöchentlich erscheinen, aber dafür hebt man sich dann „Batmans Hochzeit mit Catwoman“ auf. Batman #100 muss natürlich auch was Besonderes sein. Und Detective Comics #1000 fiel im vergangenen Jahr mit Batmans 80. Jahrestag zusammen. Und dieses Jahr ist sogar Nummer #1027 144-Seiten stark. Warum? Weil es Batmans 1000. Aufritt in der Serie ist (die Nummern 0 und 1.000.000, sowie 23.1-4, Annuals und Specials natürlich nicht mitgezählt).

Die Idee ist nicht neu: Bereits 1991 wurde Detective Comics #627 mit drei Nacherzählungen von The Case of the Chemical Syndicate (Detective Comics #27, 1939) gefeiert. Jetzt also zwölf ganz neue Kurzgeschichten von der Crème de la Crème der Branche, übliche Verdächtige wie King, Snyder, Tomasi und Tynion, Veteranen wie Bendis, Morrison, Wolfman, Jurgens und Rucka, aber auch Batman-Neulinge wie Matt Fraction sowie die beiden Autorinnen (!) Mariko Tamaki und Kelly Sue DeConnick dürfen je eine Story beitragen. (Ganz zu schweigen von den fähigen Zeichnern.)

Mal wieder Joker

Jeder Autor widmet sich einer anderen Facette des Dunklen Ritters: Brian Michael Bendis lässt Batman sich mit der Batman-Family als Detektiv betätigen, Greg Rucka lässt seine Gotham-Central-Zeit wiederaufleben, indem er den Werdegang einer jungen Polizistin in Gotham erzählt, die nicht nach den Regeln spielt – und (wie oft in der Serie) von Batman gerettet wird. In Ghost Story trifft Batman mit Robin auf Deadman, in einer anderen prügelt er sich mit Dr. Phosphorus (gezeichnet von Walter Simonson) und Marv Wolfmans Beitrag ist nicht mal eine Erwähnung wert.

Und was kommt von den Neulingen? Kelly Sue DeConnick zeigt, wie Bruce Wayne beim Golfspielen geschickt gegen Korruption vorgeht – auf jeden Fall eine der stärkeren Geschichten. Fraction erzählt, wie der Joker Batman jedes Jahr ein Geburtstagsgeschenk überreicht. Die Pointe: Joker selbst ist das Geschenk – in ewiger Verbundenheit. Diese Tatsache beweist auch die letzte Story in dem Heft, einem Tie-in von Mariko Tamaki zum Joker War. Ohne Joker geht es nicht mehr, wir erleben derzeit eine regelrechte Joker-Flut und nach meiner Meinung läuft es sich tot. Weniger Joker wäre mehr. Andere klassische Schurken hätten mehr Aufmerksamkeit nötig.

Batmans Vorläufer und Vorbilder

Peter J. Tomasi macht es so, wie es nicht sein sollte: Seine Story von Batman in einer Todesfalle dient nur zum Anlass, seitenweise Pin-ups von Batmans Rogue-Gallery aneinanderzureihen. Damit werden die Figuren wie so oft in letzter Zeit zu bloßen Statisten degradiert. Ähnlich ist es mit Scott Snyders As Always, wo es darum geht – aufgehängt am Symbol des Bat-Signals – Batmans Rolle als kosmischen Kämpfer an der Seite der Justice League darzustellen. Hauptsache, es kommen alle anderen auch mal vor. Dan Jurgens deutet mit Generations: Fractured das nächste Event an, in dem die Zeit (schon wieder) aus den Fugen gerät und Batman in sein Ur-Kostüm von 1939 schlüpfen lässt. Die Welle der Nostalgie rollt immer weiter, in ewiger Retro-Schleife … (siehe auch Zero Year)

All diese Häppchen lesen sich schnell weg und sind ebenso schnell wieder vergessen. Was bleibt aber hängen? Vielleicht höchstens Grant Morrisons Detective #26, eine schöne Hommage an Batmans Vorbilder (bzw. Vorläufer): Ein Mann in Gotham beschließt, in Anlehnung an den Crimson Avenger und The Shadow, zum maskierten Rächer Silver Ghost zu werden – bis ihm dann ein Kerl in Fledermauskostüm zuvorkommt. Damit greift Morrison geschickt die Prämisse von der Batman TAS-Episode Beware of the Gray Ghost (Das graue Phantom) wieder auf, indem er darstellt, dass Batman selbst nur zusammengesetzt ist aus verschiedenen Versatzstücken – von Zorro bis Sherlock Holmes, von Leonardo bis The Bat Whispers.

Detective Comics #1027 bietet also viele Seiten fürs Geld, darunter auch viele prächtig gezeichnete, mit einer Reihe wunderbarer Pin-ups (Lee Bermejo ehrt die ersten Batman-Serials!), aber am Ende ist es doch nur eine weitere aufgeblasene Jubiläumsausgabe, die bloß viel Luft bietet – besonders nach oben.

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Die Entstehung der Dark-Knight-Trilogie

Vor 15 Jahren startete Batman im Kino neu durch: Nach den albernen Kinofilmen der 90er hat Christopher Nolan mit Batman Begins den Superhelden geerdet und glaubwürdig gemacht. Christian Bale spielte einen überzeugenden Bruce Wayne, der zunächst sich selbst finden muss, bevor er alles verliert. Gesteigert wurde das Konzept in The Dark Knight, in dem Batman auf den Joker traf. Im dritten Teil, The Dark Knight Rises, ging dem Franchise leider die Puste aus.

Wer nachvollziehen will, wie die Dark-Knight-Trilogie entstanden ist, dem sei das oben stehende Video empfunden. In dem Making-of kommen die Macher zu Wort und erzählen von dem aufwendigen Prozess hinter den Filmen.

>> Liste der Batman-Filme und -Serien

Rätsel über Rätsel

Batman & Robin vs. Riddler im Museum

DC Comics

Titel: Riddler on the Rampage

Autor/Zeichner: David Vern Reed/Ernie Chan

Erschienen: 1976 (Batman #279)


Im Knast gehen die Lichter aus. Es gibt einen Aufstand. Man ruft Batman. Er schlägt die Aufsässigen nieder – doch der Riddler entkommt. Natürlich nicht, ohne ein Rätsel zu hinterlassen. Trotz seiner mentalen Blockade, kündigt der Riddler an, hat er gelernt, mit Batman umzugehen. Er will ihn überfluten mit Rätseln, Rätseln in Rätseln in Rätseln – und das in einem Takt, mit dem Batman nicht hinterher kommt. (Mir ist nicht klar, wie sich dieser von allen bisherigen Plänen unterscheidet, aber sei‘s drum.)

Wie gut, dass der Dunkle Ritter diesmal von Robin unterstützt wird, der immer noch keine Gelegenheit zum Kalauern auslässt. Doch auch der Riddler ist nicht allein: Gleich zwei von denen konfrontiert das Dynamische Duo in einer Uhrenausstellung. Das sind allerdings nur Handlanger, die Gummimasken tragen. (Wozu eigentlich, wenn die Domino-Maske ihre Identität verbergen müsste?)

Soll ich euch wirklich mit den Einzelheiten der Schnitzeljagd langweilen? Nein, daher lieber nur so viel: Der Riddler versucht zuerst, ein Modellschiff zu stehlen und vollbringt das Kunststück, durch ein Bullauge zu entkommen, es folgen ein Feuerwerk in Fragezeichenform und eine Schlange – und es endet in der ägyptischen Abteilung des Kunst-Museums. Riddlers genialer Plan geht mal wieder nicht auf, wohl auch weil ihm zum Schluss die Luft ausgeht.

Ach ja, und wir lernen: Traut niemals Museumswachleuten, die zu zweit kommen (denn unterfinanzierte Museen haben, wie es sich gehört, jeweils nur einen).

Daher gibt’s zum Schluss als Trost noch ein Panel, das (nicht nur) aus dem Kontext gerissen, Batman und Robin wie Spanner aussehen lässt. Aber immerhin sehen wir: Superhelden sind auch nur Menschen.

Batman & Robin

Batman und Robin bewundern das andere Geschlecht. (DC Comics)

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