Comic

Legends of the Dark Knight: Blink/Don’t Blink

DC Comics

DC Comics

Titel: Blink

Autor/Zeichner: Dwayne McDuffie/Val Semeiks

Erschienen: 2002-2003 (Legends of the Dark Knight #156-158, #164-167; Paperback 2015)


„Geez. Snuff films, baby snatchers, don’t you know any nice people?“ (Lee Hyland/Blink)

Lee Hyland ist blind, doch er hat eine besondere Gabe: er kann durch die Augen der Menschen sehen, die er berührt. Der schmächtige Mann mit Hut macht sich diese Gabe zunutze, indem er das Leben der Menschen eine Weile beobachtet und sie dann abzieht – bislang mit Erfolg. Doch eines Tages wird er Zeuge eines Mordes und weil er zur falschen Zeit am falschen Ort ist, gerät er selbst unter Mordverdacht. So kreuzt sich sein Weg mit dem von Batman, der dabei ist, einen Serienmörder zu fassen. Schnell wird klar: Der Mörder ist nur ein Teil des Problems, denn er handelt im Auftrag eines Mannes, der für andere Snuff-Filme dreht. Lee Hyland wird vom Gauner zu Batmans Helfer.

In der zweiten Story des Bandes jagt Batman einen Babyhändler-Ring, während Lee Hyland von einer sinistren Regierungsorganisation gefangen gehalten und unter dem Namen Blink dazu missbraucht wird, um Terroristen aufzuspüren. Batman befreit seinen Kumpel und verbündet sich erneut mit ihm, um die anderen bösen Buben zu fassen. Doch die Aufgabe nimmt ihm plötzlich ein anderer ab: einer aus der Babyhändler-Bande besinnt sich und beginnt, seine eigenen Leute abzuknallen. Wieder muss Batman einen Serienmörder vom Töten abhalten. Und dann wird auch noch Hylands Frau entführt …

Blink und Don’t Blink sind zwei typische Legends-Storys aus Batmans Frühzeit. Wir sehen einen etablierten Helden, der immer noch Fehler macht und in seinem Tagebuch Rechenschaft darüber ablegt. Passagen daraus begleiten die Geschichte und erlauben uns Einblicke in Batmans Gedanken. Viel Tiefe ist darin zwar nicht, auch kaum Persönliches, aber dafür einige selbstironische Spitzen. Ansonsten gibt es keinen Bruce Wayne, keine Rückblenden oder andere typische Nebenfiguren, es wird bloß Batman in Action gezeigt. Und sein blinder Begleiter ist ein netter Sidekick, der ihn dank seiner seherischen Fähigkeiten allerdings auch nicht vor Fehlern bewahren kann. (Leser könnten sich an Filme wie Being John Malkovich oder Minority Report erinnert fühlen – und müssen selbst entscheiden, ob es sich dabei um Zitate oder Plagiate handelt.)

Val Semeiks (bekannt für die One Million-Mini-Serie) liefert mit seinen klaren Zeichnungen eine solide, wenn auch formal uninspirierte Arbeit ab. Für meinen Geschmack ist die Stimmung der Panels zu heiter, es fehlt an Schatten und Nacht. Und Batman sieht zu sehr so aus, als hätte er Schulterpolster unter seinem Cape. Dafür sind die Cover von Brian Stelfreeze besonders gelungen, weil sie mit ihrem Split-Screen-Design mit dem üblichen Schema brechen. Blink ist zwar keine hohe Kunst, aber kurzweilige Unterhaltung.

Mehr zum Thema:

News of the Weird

DC Comics

DC Comics

Titel: Legends of the Dark Knight Vol. 2 (dt. Megaband 1: Gothams Legenden)

Autor/Zeichner: diverse

Erschienen: 2013 (Legends of the Dark Knight #6-10, Paperback 2014), dt. Panini 2015 (mit Ausnahme von #10, aber zusammen mit den Ausgaben #1-5)


„Gotham … what are you doing this time?“

„… crime and art … they have a meaning.“

„I suscribe to News of the Weird. You’d be surprised how often it leads to clues.“

Seit fünf Jahren sitzt Bruce Wayne im Rollstuhl, der Körper ist zerstört wie der Verstand, er leidet unter Parkinson, Demenz, Amnesie und Wahnvorstellungen. All die Kämpfe als Batman haben ihre Spuren hinterlassen, jetzt träumt er sich nur noch in seine Rolle als Batman hinein, will es nicht wahrhaben, was da passiert – es könnte alles nur eine Illusion von Scarecrow sein.

„Dreaming He Is A Butterfly“ von Christos Gage ist mit Abstand die interessanteste Story im zweiten Band der Anthologie-Serie LOTDK. Im Vergleich zum ersten hat die Qualität sonst nachgelassen. Es beginnt schon mit einem seltsam schwachen Auftakt: „Gotham Spirit“ erzählt auf nur wenigen Seiten, wie Batman ein paar Kleinganoven zur Strecke bringt. Das ist zwar hübsch anzusehen, aber sonst ohne Mehrwert. Es gibt keine Wendung, keine Einsicht, keinen Dialog. Man hat sich nicht mal die Mühe gemacht, diese Allerweltsepisode mit irgendeinem grüblerischen Monolog über das Wesen von Gotham, Batman und das Verbrechen im Allgmeinen zu untermalen. Der Inbegriff der Ideenlosigkeit.

(mehr …)

Supermans größter Hater

Titel: Lex Luthor: Man of Steel (Luthor) (dt. Superman/Lex Luthor: Mann aus Stahl)

Autor/Zeichner: Brian Azzarello/Lee Bermejo

Erschienen: 2005 (Mini-Serie #1-5, Paperback 2006, Hardcover 2010), dt. Panini 2005/Eaglemoss 2015


„I believe in humanity. (…) I believe that we must control our own destiny.“

Was treibt Lex Luthor an und warum hasst er Superman? Dieser Frage ist Brian Azzarello in seiner Mini-Serie nachgegangen und hat die folgende Antwort gefunden: Luthor ist nicht, wie sonst üblich, einfach nur egoistisch, weil Superman seine sinistren Pläne durchkreuzt, oder xenophob und deshalb misstrauisch (und auch nicht neidisch auf die Haarpracht seines Widersachers), sondern weil Luthor ein Idealist ist, der an die Entwicklung der Menschheit glaubt, aber in Superman die Hoffnung darauf zerstört sieht. Denn der Stählerne ist in seinen Augen keine Aussicht auf die Möglichkeiten des Menschen, keine Verheißung des Übermenschen, zu dem der Mensch sich entwickeln kann und soll, sondern das Ende des menschlichen Potenzials und seiner Bestrebungen. „The end of our dreams“, sagt Luthor. Und für einen Self-made man widerspricht es der ureigenen Überzeugung.

Damit wird Luthor zum Fredric Wertham als Comicfigur. Der deutschstämmige Psychiater hat im Jahr 1954 in seinem Buch Seduction of the Innocent die These aufgestellt, dass Comics – und damit auch Superhelden – die Jugend verderben würden. Aber noch mehr: Laut Wertham „untergräbt Superman die Autorität und Würde des normalen Mannes und der alltäglichen Frau gegenüber den Kindern“. Er sei eine faschistische Ausgeburt. Für Luthor untergräbt Superman die Moral der Menschen und ihre Hoffnung, sich selbst verbessern zu können. Wenn es einen Superman gibt, der alles kann und den nichts bezwingt, wonach soll der Mensch dann noch streben?

(mehr …)

Verpufftes Feuerwerk

DC Comics

DC Comics

Titel: Icarus (Detective Comics Vol. 6) (dt. Ikarus)

Autor/Zeichner: Francis Manapul, Brian Buccellato/Francis Manapul, Brian Buccellato u.a.

Erschienen: 2014 (Detective Comics #30-34, Annual #3), Hardcover 2015; dt. Panini 2015 (Batman #35-40), Paperback 2016


„Subtle isn’t in Gotham’s DNA.“ (Batman)

„They need someone like me … a true detective.“ (Bullock)

Nach 29 meist verzichtbaren Ausgaben von Detective Comics, von denen allein Gothtopia und die Jubiläumsausgabe #27 bemerkenswert waren, gibt DC seinem Stammtitel einen längst überfälligen Neuanfang mit dem Team Manapul/Buccellato. Die Veränderung ist auf den ersten Blick sichtbar und überwältigend. Ihre Art, in Bildern zu erzählen, ist einzigartig. Manapuls Zeichnungen strotzen vor Ausdruck und Dynamik, veredelt werden sie von Buccellatos Farben, der mit seinem Aquarellstil den Panels eine einzigartige farbprächtige Stimmung und die Aura des Künstlerischen verleiht. Die Bildübergänge gleichen häufig einer Kamerafahrt, an einigen Stellen reizen die beiden Erzähler die Möglichkeiten des Mediums aus, mit Zeit und Raum zu spielen, indem sie sie miteinander verschmelzen lassen. Die beiden verstehen ihr Handwerk und setzen neue Akzente – eine Qualität, die sich durchaus mit der von Snyder/Capullo messen lassen kann.

Aber dann ist da leider noch die Story. Bruce Wayne versucht mal wieder die Unterschicht zu retten, indem er ein Viertel neu aufpolieren will. Doch dann landet seine Geschäftspartnerin in seinem Haus, ermordet durch eine neue Droge namens Icarus, die einen von innen verbrennen lässt. (Allerdings ist es schwierig von einer Droge zu sprechen, die nicht abhängig macht, weil man sie nur einmal benutzen kann.) Nicht nur Batman macht sich auf die Suche nach den Übeltätern, auch Harvey Bullock. Er vertritt in dieser Geschichte seinen Chef James Gordon, indem er zunächst Wayne auf die Füße tritt und sich dann eine Prügelei mit Batman leistet. Batman wiederum schlägt sich mit einer Biker-Gang und einem Riesenkraken herum. Ach ja, und dann explodiert noch ein seltsam verstrahlter Mensch und schießt wie eine Feuerwerkrakete davon. Am Ende macht sich Batman Vorwürfe, als Detektiv nicht eher die richtigen Schlüsse gezogen zu haben. Doch der Vorwurf sollte eher den Autoren gelten, weil sich ihre Kreativität in der grafischen Aufmachung verbraucht hat.

Am Ende des Bandes, im Annual #3, erfahren wir, wie die Geschichte anfängt. Leider haben es die Autoren hier zu gut gemeint und die Story heillos überladen. Es gibt einen Rückbezug zu den Waffen von The Wrath (vgl. Detective Comics Vol. 4) und einen Auftritt der neuen Bande Bastards of Blackgate. Höhepunkt ist eine Szene, in der Batman als Matches Malone Julian Day Erziehungstipps gibt und ihm rät, sich einen Kalender zu kaufen, damit er den Geburtstag seines Sohnes nicht mehr vergisst (ob das eine gute Idee war?). Nicht, dass man diese Episode gebraucht hätte, aber wenn man sie schon präsentiert, dann hätte man sie auch an den Beginn des Bandes stellen sollen. Im Nachgang ist sie erst recht obsolet. Leider sind in diesem Heft gleich drei verschiedene Zeichner am Werk, was dem Ganzen nicht nur ein uneinheitliches Erscheinungsbild beschert (das ist selten gut), sondern zum Teil auch stark qualitativ schwankt.

So macht Detective Comics trotz des neuen Anstriches weiter wie bisher: mit kurzatmigen Storys, auf die man verzichten kann. Nur reicht es hier, sich an den Bildern zu ergötzen.

Schmerzfrei, betäubt, gleichgültig

Warner Home Video

Warner Home Video

Titel: Gotham Knight

Drehbuch: Brian Azzarello, Alan Burnett, Jordan Goldberg, David Goyer, Josh Olson, Greg Rucka

Erschienen: 2008 (Direct-to-Video)


„I’m making it more colorful, yo …“

Wer oder was ist Batman? Eine mannsgroße Fledermaus? Ein lebender Schatten? Oder ein Roboter? Vier Jugendliche erzählen sich die unglaublichsten Geschichten davon, wie sie ihren Helden erlebt oder ihn sich vorgestellt haben – bis er ihnen persönlich begegnet. Kommt uns das bekannt vor? Ja, die Batman-Serien-Episode Legends of the Dark Knight hatte das gleiche Konzept, hier wie da wird Batman als Urban Legend inszeniert, aber während die Serie auf historische Epochen referierte, funktionierte sie als Hommage besser als diese reine Heraufbeschwörung des Mythos.

„Have I Got A Story For You“, heißt die Story, mit der Gotham Knight beginnt, ein Episodenfilm mit sechs Kurzgeschichten, die lose miteinander verknüpft sind und ebenso lose sich auf die Spielfilme Batman Begins und The Dark Knight beziehen. Bekannte Autoren haben ihren Beitrag geleistet – leider mit mäßigem Erfolg. Begegnungen mit klassischen Schurken gibt es wenige: Batman kämpft gegen Killer Croc, der Scarecrows Angstgas ausgesetzt ist, und gegen den Scharfschützen Deadshot. Ansonsten sehen wir ihm dabei zu, wie er zwei Cops aus einer Schießerei zwischen zwei Mafia-Gangs rettet und ein Kraftfeld ausprobiert, das Kugeln von ihm abprallen lässt – und Querschläger verursacht, die den Falschen treffen.

Das mag alles sehr düster inszeniert sein – und ist daher nichts für Kinder – aber es wirkt ziemlich lahm. Batman wird zu sehr aus der Ferne betrachtet und kommt als Charakter zu kurz. Die einzige Story, die halbwegs Interesse weckt, ist „Working Through Pain“. Wir sehen Batman in der Kanalisation bluten, während er sich an seine Ausbildung in Asien erinnert, als er gelernt hat, den Schmerz auszuhalten. Dass er am Ende verzweifelt, weil er im Müll einen Haufen Schusswaffen findet, hat nicht unbedingt etwas mit der Geschichte zu tun. Das soll von seinem wahren, seelischen Schmerz zeugen, aber diese Andeutung bleibt wie so vieles in diesen Episoden im leeren Raum hängen. Da hilft es auch nicht, dass in der letzten Story der Elternmord nachgereicht wird und kurz darauf Batman Schusswaffen gegenüber doch nicht ganz abgeneigt zu sein scheint. Das passt auch nicht zur Continuity der Nolan-Filme. Gotham Knight ist ein seltsam unentschlossenes und uninspiriertes Werk, das einen gleichgültig zurücklässt.

Bat Lantern

Batman: In Darkest Knight

Titel: In Darkest Knight

Autor/Zeichner: Mike W. Barr/Jerry Bingham

Erschienen: 1994 (One-shot)


Was wäre wenn … Bruce Wayne Green Lantern wäre?

Die Elseworlds-Story In Darkest Knight ist ein Beispiel dafür, dass auf eine interessante Frage noch längst keine interessante Antwort folgen muss. Die Geschichte beginnt an der berühmten Stelle aus Year One, da Bruce vor der Büste seines Vaters sitzt und sich fragt, wie er es hinbekommt, dass Verbrecher Angst vor ihm haben. Doch kurz bevor die Fledermaus durchs Fenster krachen kann, erscheint ihm ein außerirdischer Green Lantern und übergibt ihm den grünen Ring.

Was folgt, ist eine unfassbar abgehetzte Story, die sich weder für Charaktere noch für Dramaturgie geschweige denn Stimmung interessiert. Im Eilverfahren akzeptiert Bruce seine neue Aufgabe, legt sich ein fledermausartiges Kostüm zu, hält Red Hood und seine Bande im Chemiewerk auf bevor der Anführer zum Joker werden kann (kleine Anspielung auf The Killing Joke) Dann wird der Held auch schon dazu verdonnert, Sinestro zu stürzen, was auch sogleich passiert – ohne groß Fragen zu stellen. Es kommt zu einem persönlichen Rachefeldzug des lila Schurken gegen Wayne, bei dem Sinestro seinen Geist – warum auch immer – mit dem von Joe Chill vereint und fortan dämliche und bemüht witzige Selbstgespräche führt. Und weil Wayne auch noch gegen die Wächter und seine Corps-Kumpels rebelliert, werden kurzerhand Superman, Wonder Woman und Flash zu Green Lantern-Reservisten gemacht. Genauso lieblos übers Knie gebrochen wirken auch ihre auf Lantern getrimmten Kostüme.

Nach 46 ermüdenden Seiten bricht „Bat Lantern“ zum letzten Kampf gegen Sinestro auf, aber da endet auch schon die Geschichte, ohne uns das Finale zu erzählen. Nicht, dass es uns interessiert hätte oder noch eine Überraschung zu erwarten wäre, aber man fühlt sich schon betrogen. Doch es passt zum Gesamteindruck einer verschenkten Chance.

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics

Spielwiese in Graustufen

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman Black and White Vol. 4

Autor/Zeichner: diverse

Erschienen: 2013-2014 (Mini-Serie #1-6, Paperback 2014)


„It’s time to break the pattern, my darlings.“ (Joker)

„In search of justice that is never black or white … it lives in the grey area.“ (Batman)

Parallel zu seiner laufenden Anthologie-Serie Legends of the Dark Knight hat DC mal wieder seine Black and White-Reihe fortgesetzt. Im Gegensatz zu den Freiheiten von Legends müssen sich hier die Autoren auf Zeichner an zwei Regeln halten: Keine Farbe und nur acht Seiten. Doch wie schon angemerkt, bringt die Beschränkung oft die beste Kunst hervor. Während in der Literatur Formen wie Kurzgeschichten, Anekdoten, Aphorismen, Epigramme und Haikus verdichten und pointieren, kann man bei Comics eine ähnliche Wirkung in Strips beobachten – oder eben in Short Storys wie sie in Black and White erzählt werden. (Einem Verächter des Begriffes „Graphic Novel“ sei verziehen, dass er hier einen literarischen Gattungsbegriff auf Comics anwendet, aber es geschieht mangels besserer Begriffe.)

Innerhalb des eng gesteckten Rahmens können sich die Künstler relativ frei austoben, da sie nicht an die Continuity der Serien gebunden sind und auch die Zeichnungen können experimenteller und weniger massenkonform ausfallen. Das macht den Reiz der Reihe aus: Man weiß nicht, was als nächstes kommt. Man weiß nur, dass es nach exakt acht Seiten vorbei sein wird. Und das Kunststück dabei ist, dass es trotz des Mangels an Farbe sehr bunt auf der Spielwiese dieser Blütensammlung zugeht.

(mehr …)

Batmans Nullnummern

Titel: Batman #0, Detective Comics #0, Shadow of the Bat #0, Robin #0

Autor/Zeichner: Chuck Dixon, Doug Moench, Alan Grant u.a.

Erschienen: 1994 (dt. Dino 1997 als Batman #1-2, mit Ausnahme von Shadow of the Bat #0)


„Der Kampf adelt, nicht der Sieg.“

„Die Dunkelheit ist wie ein Umhang. Er trägt sie wie eine zweite Haut. Wie einen Schild.“

Im Jahr 2012 brachte DC Nullnummern seiner Serien heraus: Darin wurden ein paar Vorgeschichten der Helden erzählt, wie etwa zu Batmans Zero Year und der Zeit davor. Die Idee ist nicht neu: Im Jahr 1994 hat es so etwas schon einmal gegeben, im Rahmen des Zero Hour-Events. Dabei wurden ein paar Hefte gemacht, in denen die Origins leicht modifiziert wurden und die eine perfekte Einstiegslektüre ins DC-Universum bildeten. Daher haben sich diese Ausgaben auch hervorragend für den deutschen Dino-Verlag angeboten, damit im Jahr 1997 seine neue Batman-Serie zu starten.

In Batman #0 bekommt man Batmans Ursprung auf 22 Seiten zusammengefasst – inklusive der jüngsten Ereignisse nach dem Epos Knightfall mit Bane etc. Wir sehen den Sturz in die Bathöhle (vgl. Shaman), die erste Begegnung mit Alfred, den Elternmord, der in dieser neuen Version nie gelöst wurde, während zuvor Joe Chill als Mörder im Auftrag gehandelt hat. Eine Seite ist der Kindheit als Waise gewidmet, eine der Ausbildung im Ausland, dann folgen die drei Robins. Letzteres wird noch einmal ausführlicher in Robin #0 erzählt: Nightwing erzählt Robin III (Tim Drake), was bisher mit den Robins geschehen ist. Im Zentrum steht Two-Face, der bekennt, Robin doppelt so sehr wie seinen Erzfeind zu hassen: „Er ist Batmans Geheimwaffe!“ Die Geschichte wird – wie könnte es anders sein – aus doppelter Sicht erzählt.

In Detective Comics #0 werden die Lücken von Batman #0 mit Ausschmückungen gefüllt: Die Erkundung und der Ausbau der Bathöhle, das Beschaffen das Batmobils von Wayne Industries und der Umbau, das Nähen des Kostüms durch Alfred. Leider verträgt sich diese Version, in der das Batmobil zugleich mit dem Kostüm entstand, nicht mit der Version, die in Batman and the Monster Men erzählt wird: da wird das Auto erst später eingeführt. Aber sicher kann man auch diesen Bruch mit irgendwelchen Erschütterungen des Raum-Zeit-Kontinuums in Folge weltbewegender Ereignisse erklären. Von entscheidender Wichtigkeit sind solche Details natürlich nicht.

Die Nullnummer von Shadow of the Bat wirkt neben den anderen überflüssig. Abgesehen davon, dass die Figur Leslie Thompkins erwähnt wird und wir erfahren, dass Bruce sechs Wochen lang fürs FBI gearbeitet hat („Age 20, he scored perfect on every F.B.I. test except for gun handling“), ist die Geschichte nichts als noch ein Aufguss der immergleichen Motive. Wieder einmal sehen wir, wie Batman sich mit Kleinganoven rumschlägt, wieder wird der gesamte Werdegang nacherzählt. Die Ausbildung wird zwar ausführlicher behandelt, aber fast nur in Worten aufgezählt. Weil das Ganze ohne Mehrwert ist, kann man leicht nachvollziehen, warum der Dino-Verlag damals auf den Nachdruck verzichtet hat.

Von Bruce Wayne zu Batman: Das Zero Year bisher

Häufig ist es schwierig, bei den ganzen Publikationen von DC zu einer Storyline durchzublicken. Zum Zero Year (dt. Jahr Null), dem neuen Batman-Origin (d.h. der Entstehungsgeschichte), gibt es eine Reihe von zusätzlichen Storys, die das Hauptevent ergänzen. Hier ein Vorschlag, Bruce Waynes Werdegang in eine halbwegs chronologische Reihenfolge zu bringen (wohlwissend, dass es in Zero Year immer wieder Rückblenden in die Kindheit gibt, ebenso wie im Event Court of Owls/City of Owls):

  1. Batman: The Dark Knight #0: Chill in the Air (Bruce Wayne will sich an Joe Chill, dem Mörder seiner Eltern, rächen. Enthalten in Batman: The Dark Knight Vol. 2 – Cycle of Violence.)
  2. Detective Comics #0: The Final Lesson (Vor zehn Jahren schließt Wayne im Himalaya seine Ausbildung bei einem alten Meister der Kampfkunst ab und verliebt sich dabei – unglücklich – in ein Mädchen. Enthalten in Detective Comics Vol. 2 – Scare Tactics.)
  3. Batman Zero Year: The Director’s Cut #1: (Drei Episoden aus dem Leben des 19-, 21- und 24-Jährigen, Wayne besteht Prüfungen seiner Lehrmeister und lernt das Verbrecherleben kennen. Enthalten in Batman Vol. 4 – Zero Year: Secret City.)
  4. Detective Comics #0: The Long Wait (Wayne kehrt vor sieben Jahren nach Gotham zurück. Enthalten in Detective Comics Vol. 2 – Scare Tactics.)
  5. Batman #0: Bright New Yesterday (Bruce Wayne nimmt vor sechs Jahren maskiert an einem Banküberfall der Red Hood Gang teil. Enthalten in Batman Vol. 6 – Graveyard Shift.)
  6. Batman #21-24 (Haupt-Story. Enthalten in Batman Vol. 4 – Zero Year: Secret City.)
  7. Detective Comics #25: Whistleblower’s Blues (Tie-In mit James Gordon in der Hauptrolle. Enthalten in Detective Comics Vol. 5 – Gothtopia.)
  8. Batman #25-27, 29-33 (Haupt-Story geht weiter. Enthalten in Batman Vol. 5 – Zero Year: Dark City.)
  9. Batman #0: Tomorrow (Nachspiel zu Zero Year, Gordon schaltet im Beisein seiner Tochter Barbara zum ersten Mal das Batsignal ein, die drei künftigen Robins Dick Grayson, Jason Todd und  Tim Drake sehen es.)
  10. Nightwing #0 (Dick Graysons Vorgeschichte)

Was von Batman übrig blieb

DC Comics

DC Comics

Titel: Graveyard Shift (Batman Vol. 6) (dt. Im Bann des Todes)

Autor/Zeichner: Scott Snyder, James Tynion IV/Greg Capullo, Andy Clarke, Alex Maleev, Wes Craig, Matteo Scalera, Dustin Nguyen

Erschienen: 2012-2014 (Erstausgaben: Batman #0, #18-20, #28, #34, Annual #2), Hardcover 2015, dt. zum Teil in Batman Sonderband 43: Schreckensnächte in Gotham City, Panini 2014 (Batman #19-23, Batman Annual #2), weitere in Batman #20, #23, #37. (dt. Panini 2016, Paperback)


„… sometimes I’m my own worst enemy.“ (Bruce Wayne)

Bevor die Fans endlich das nächste Meisterwerk des Dream-Teams Snyder/Capullo in Buchform bekommen – Endgame erscheint erst im Herbst – vertröstet DC sie in Band 6 mit einer Resterampe. Fünf Lückenbüßer-Ausgaben sowie zwei Specials wie die Nuller-Ausgabe und das zweite Annual sind in Graveyard Shift versammelt. Was taugt der Band?

Batman #0 ist das Äquivalent zu den bereits besprochenen Detective Comics #0 und The Dark Knight #0, die jeweils zwei Episoden aus Bruce Waynes Vor-Batman-Zeit erzählen, also vor dem Jahr Null/Zero Year spielen (alles klar?). Während wir in Detective #0 eine Anekdote aus der Ausbildungszeit in Asien bekamen, wurde in TDK #0 erzählt, wie Bruce den Mörder seiner Eltern (Joe Chill) aufsucht und umbringen will, aber sich dann besinnt. (Batman and Robin #0 handelt von Damians Kindheit und Ausbildung durch Talia.) In Batman #0 bekommen wir eine Episode aus dem Jahr Null, als Bruce Wayne noch ohne Batman-Kostüm gegen die Red Hood-Gang kämpft. Bruce verkleidet sich mit einer roten Maske und schließt sich einem Bankraub an, wird entlarvt und beinahe getötet. Anschließend bekommt er Besuch von Lieutenant James Gordon, der ihn nach Batman ausfragt. Kurz zuvor macht Alfred seinem Master deutlich, dass er sich nicht einfach von einem zivilen Leben abschotten kann, weil er sich als Eigenbrötler verdächtig machen würde. Am Ende aktiviert Gordon erstmals das Bat-Signal – nicht nur als Rufzeichen für Batman, sondern auch als Motivation für die Bürger von Gotham, Zivilcourage zu zeigen.

Panini Comics

Panini Comics

In der Bonus-Story „Tomorrow“ werden parallel drei Episoden aus dem Leben von Tim Drake, Jason Todd und Dick Grayson erzählt, bevor sie Robins geworden sind. Der Klugscheißer, der Verbrecher und der Draufgänger. Alle drei zeigen einen Sinn für Gerechtigkeit, symbolisiert darin, dass sie zum Bat-Signal aufschauen, das am Himmel erscheint.

Rotkehlchen als roter Faden

Obwohl die folgenden Geschichten für sich stehen, bilden sie eine Gesamtheit mit einigen Parallelen und Verbindungen zueinander. Der rote Faden ist Robin, genauer gesagt der Umgang mit dem Tod von Damian, Bruce Waynes Sohn. „Resolve“ (Batman #18) handelt davon, wie Harper Row, das Elektriker-Mädchen, das Batman nach seiner Gefangenschaft beim Rat der Eulen gerettet hat, Damians Nachfolge als Batmans Sidekick antreten will. Wieder einmal hilft sie Batman aus der Patsche, als er sich – nach selbstausbeuterischen Kämpfen – mit venom-gedopten Hunden anlegt, doch er verweigert ihr zunächst ihren Wunsch. Erst nachdem Harper Bruce Wayne einen Besuch abstattet, wird Batman weich.

In „Nowhere Man“ (Batman #19-20) wird die Trauer um Robin gestört durch einen Doppelgänger. Hier wird eine Brücke zur Zero Year-Episode geschlagen: Während damals Bruce Wayne als Red Hood-Mitglied verkleidet bei einem Bankraub beteiligt war, raubt er hier nun unmaskiert eine Bank aus. Natürlich ist er es nicht wirklich, sondern bloß Clayface, der Waynes Reputation durch … den Dreck ziehen will (oje, der war flach, sorry). Im Gegensatz zu den Auftritten des Schurken in Detective Comics und The Dark Knight ist Clayface hier zum ersten Mal eine interessante Figur, da er jeglichen Bezug zu seinem alten Ich verloren hat und nur noch die DNA anderer imitieren kann. Er ist nichts als ein formbarer Klumpen Lehm – ein Nowhere Man, ein Niemand.

Wiedersehen mit einem Gesichtslosen

Einen anderen Niemand jagt Batman in „The Meek“ (Batman #34): Ein Totengräber für Arme legt gerne mal eine Leiche dazu, die er selbst zu verantworten hat. Batman kann ihn zwar mit detektivischem Gespür fassen, aber er kommt nicht hinter dessen Identität – also landet er folgerichtig in der leeren Zelle eines anderen Namenlosen: des Jokers. Der Mörder nennt sich selbst The Meek, sagt von sich selbst, ein Nobody zu sein und wünscht sich, aus der Welt spurlos zu verschwinden. Damit erweist er sich als Wiedergänger des Postboten Joseph Zedno, der in einer Story von Doug Moench und Kelley Jones als „Faceless“ Menschen umgebracht hat, um ein Jemand zu sein (siehe Batman #542-543, 1997, dt. Batman #32, Dino Verlag, enthalten im Time Warp 2). The Meek macht im Gegensatz zu Zedno aus der Not eine Tugend. Batman wird mal wieder an die Vergänglichkeit allen Seins erinnert – sehr schön versinnbildlicht in der letzten Splash Page, auf der ein Totenkopf aus Leichen gebildet ist.

Erneut mit seinem Verlust konfrontiert wird Batman in „Cages“ (Batman Annual #2), eine Story, die in dem Band zwei Mal fälschlicherweise als „Ages“ bezeichnet wird. Die Prämisse ist eine interessante Idee: Batman lässt sich freiwillig in Arkham einsperren, um die neue Sicherheitstechnik zu testen. Doch nicht nur er bricht aus, auch die älteste Insassin. The Anchoress (die Einsiedlerin) kann nämlich durch Wände gehen. Sie wirft ihm vor, dass durch all die Schurken, die er im Asylum einliefert, sie selbst vernachlässigt worden sei, statt therapiert zu werden. Jetzt will sie sich an ihm rächen, indem sie ihn mit ihren mentalen Kräften in eine Art Gedankenkäfig zu sperren versucht. Batman muss noch einmal den Tod seines Sohnes mitansehen. Die Story wurde zu Unrecht verrissen. Bis auf die Zeichnungen, die nicht an einen Greg Capullo heranreichen, tut es gut, auch einmal eine Geschichte mit einigen frischen Ansätzen zu lesen, auch wenn aus dem Sicherheitstest in Arkham am Ende leider keine Resultate folgen. (Das Cover ist allerdings großartig.)

Vorschau auf die Zukunft

Die schwächste Geschichte in Graveyard Shift ist „Ghost Lights“ (Batman #19-20, jeweils die Zweitstory): Batman versucht mit Superman einen bösen Geist zu bannen. Superman erweist sich als ziemlich nutzlosen Kämpfer, aber dafür als guter Freund, der dem Trauernden beisteht, auch wenn Batman ihm den Dienst nicht erwidert.

In „Batman Eternal“ (Batman #28), einer Vorschau für die gleichnamige Serie, die in naher Zukunft spielt (Besprechung folgt), kämpft Harper Row als Bluebird an der Seite von Batman in einem dystopischen Szenario. Nach einer Unterhaltung mit Selina Kyle gibt es ein Wiedersehen mit Stephanie Brown alias Spoiler, die in der alten Continuity kurz der vierte Robin sein durfte (danach kam Damian).

Zusammengefasst kann man Graveyard Shift für Batman als Zwischenspiel zur Trauerbewältigung begreifen. Die heimliche Hauptrolle spielt hier Robin in absentia – ein Phantom. Für den Leser bietet sich eine abwechslungsreiche Anthologie von Geschichten, die sich kurzweilig lesen und meist auch grafisch überzeugen können. Damit kann man sich gut vertrösten, bis Endgame als Buch erscheint.

>> Batman 2011-2019


Unterstütze das Batman-Projekt

Das beste Batman-Blog der Welt gibt es leider nicht kostenlos. Damit ich weitermachen kann, brauche ich deine Hilfe. Jeder Euro zählt. Vielen Dank.

€1,00