Mini-Serie

Ein kleines bisschen Horrorshow

Batman versus Superman, Teil 17: Vampire und Werwölfe (2008-2009)

DC Comics

DC Comics

Titel: Superman and Batman versus Vampires and Werewolves (dt. … versus Vampire und Werwölfe)

Autor/Zeichner: Kevin VanHook/Tom Mandrake

Erschienen: 2008-2009 (Mini-Serie #1-6, Paperback 2009), dt. Panini 2010 (DC Premium #67)


„This world of magic is foreign to him and he is out of his element.“

Was kann man von einem solchen Titel erwarten? Besonders kreativ ist er nicht, aber immerhin erklärt er sich von selbst. Man bekommt, was draufsteht. Die beiden größten DC-Helden, sowie Typen mit Fell und Fangzähnen. Zwei Genres in einem: Superhelden und Horror. Und Blut. Ganz viel Blut. So viel, dass es schon einen großen Teil des Covers bedeckt. Das Ganze wirkt natürlich auch wie eine ganz billige Masche: Ein Trittbrettfahrer-Titel, der auf dem Höhepunkt des Vampir-Revivals zwischen Twilight und True Blood. Man kann nicht viel erwarten.

Und so ist es dann auch: Vampire und Werwölfe treiben ihr Unwesen in Gotham. Batman untersucht den Grund dafür. Die Spur führt zu einem verrückten Wissenschaftler, der auf der Suche nach dem Totenreich das Reich der Untoten geöffnet hat. (Hier stellt sich die Frage, warum ausgerechnet Vampire und Werwölfe, aber keine Zombies herausgekommen sind.) Als Batman ihn stellt, taucht ein undefinierbares, riesiges Ungeheuer auf, wie es von H.P. Lovecraft stammen könnte (vgl. Schatten über Gotham). Da eilt auch schon Superman zur Rettung – woher, warum bleibt ein Rätsel. Man schlägt sich durch einen Haufen Vampire und Werwölfe. Green Arrow kommt dazu und verschießt ein paar Holzfpfeile (und verschwindet bald darauf in der Versenkung). Und weil alle drei keine Ahnung von Hokuspokus haben, ist ein Auftritt von Jason Blood alias Dämon Etrigan obligatorisch. Während der Dämon sich um den Meta-Kram kümmert, metzeln Superman und Batman fleißig weiter – moralisch kein Problem, da niemand wirklich stirbt.

Für Splatterfreunde wird viel Blut, abgetrennte Körperteile, zermatschte Köpfe und Kannibalismus geboten. Superheldenfans bekommen Gastauftritte von Wonder Woman, Nightwing und Man-Bat, auch wenn sie nichts mit der Handlung zu tun haben. Und für alle, die nach Tiefe suchen, erklärt eine Erzählstimme noch einmal alles für Dumme. Das allein vermag der nach typischem Muster gestrickten Handlung auch keine Tiefe zu verleihen. Spannend geht auch anders. Nie hat man das Gefühl, dass eine Situation brenzlig werden könnte. Und für zwischenmenschliche Interaktion ist in diesem Schlachthaus von einer Story auch kein Raum. Superman und Batman sind – so wie jede andere Figur – bloße Funktionen, aber so beliebige, dass das Team der World’s Finest keine große Rolle spielt. In dieser Welt wirken sie bloß wie Fremdkörper. Auch zeichnerisch geht der Comic nicht über das Trash-Niveau hinaus.

(Dass Batman und Vampire aber auch ganz gut zusammenpassen können, zeigen die Comics Red Rain und Bloodstorm.)

Fortsetzung folgt.

Bisher erschienen:

Batman trifft Punisher

Titel: Batman/Punisher: Lake of Fire; Punisher/Batman: Deadly Knights

Autor/Zeichner: Dennis O’Neil/Barry Kitson; Chuck Dixon/John Romita Jr.

Erschienen: 1994 (One-shots)


„As exercise, it isn’t bad. But, it’s getting us nowhere.“ (Punisher)

Wenn man ein paar dieser DC/Marvel-Crossover liest, kapiert man schnell, wie die Sache läuft. Da mich sowohl das Treffen von Batman mit Daredevil als auch mit Spider-Man ziemlich kalt gelassen hat, habe ich auch von den zwei Begegnungen mit dem Punisher nicht viel erwartet. In der Hinrunde verbünden sich Aushilfsbatman Jean-Paul Valley (Knightfall) und Frank Castle gegen den entstellten Schurken Jigsaw. Batman ist verrückt, ihn plagen die üblichen Wahnvorstellungen, der Punisher macht sich schnell selbständig, am Ende gibt’s eine kleine Keilerei, bei der Batman zwar überlegen ist, aber der Punisher doch triumphiert, weil er mogelt. Naja.

In der Rückrunde darf auch mal Bruce Wayne gegen den Mann mit dem Totenkopf auf der Brust antreten – sogar zweimal. Der eigentliche Kampf wird wieder gegen Jigsaw geführt, allerdings bekommt er Verstärkung vom Joker. Am Ende will der Punisher den Clown einfach abknallen, Batman hat was dagegen … Das Ganze ist so banal und auch so sperrig gezeichnet, dass es nicht der Rede wert ist. Einzig die Tatsache, dass man das Heft zweimal um 90 Grad kippen muss, weil die Doppelseiten vertikal ausgerichtet sind, ist ungewöhnlich daran.

Ich denke, die restlichen Crossover dieser Machart kann man sich sparen.

Mehr zum Thema:

Dark Knight III: Das dritte Buch Batman

DC Comics

DC Comics

Titel: Dark Knight III – The Master Race: Book 3

Autor/Zeichner: Frank Miller, Brian Azzarello/Andy Kubert, John Romita Jr.

Erschienen: 2016


„Go to hell.“ (Batman)

Lange habe ich darüber nachgedacht, welchen Satz man als Motto voranstellen könnte. Es gibt einige gute im dritten Kapitel von DK III – prägnant, tief, ausschlaggebend. Innere Einsichten von Bruce Wayne darüber, wie sehr sein Alter ihn daran hindert, Batman zu sein, wie sein Körper verfällt, wie er sich für eine Bürde hält, aber das Feuer in ihm noch brennt. Äußerungen von dem Kandorianer Quar, der mit seiner Horde über die Menschheit herfällt, um sie zu unterwerfen und Supergirl einredet, etwas Besseres zu sein. Selbst Superman sagt endlich etwas. Und so langsam nimmt die Handlung Fahrt auf.

Aber der Reihe nach. Was bisher geschah: Batman ist wieder im Ruhestand. Carrie Kelley schlüpft selbst ins Kostüm, wird von der Polizei gefangengenommen und wieder befreit. Superman hat aufgegeben und sitzt vereist in seiner Festung der Einsamkeit. Seine Tochter Supergirl befreit die Kandorianer mit Hilfe von Atom – und die Anhänger einer Sekte hinterlassen eine Spur von Tod und Verwüstung.

Was jetzt geschieht: Die Invasion der Kryptonier und die Vernichtung Moskaus lässt Batman mit Carrie zum Nordpol reisen, wo er Superman aus dem Eis holt und reaktiviert. Die Kryptonier stellen der Welt ein Ultimatum, sich binnen drei Tagen zu unterwerfen. Als das abläuft, machen Batman und Superman klar, dass die Unterdrücker zur Hölle fahren können. Doch dann kommt ihnen Supergirl in die Quere. Kara, beeinflusst von Quar, beschuldigt ihren Vater, sein Volk verraten zu haben. Cliffhanger! Ach, noch etwas: Im Mini-Comic bekommt Green Lantern Hal Jordan von drei Kandorianerinnen seinen Ring samt Hand abgenommen. Aber kurz vor einem tödlichen Sturz wird er von ihnen unerklärlicherweise aufgefangen.

Was uns freut: Endlich sehen wir wieder Bruce Wayne im Batman-Kostüm. Endlich tritt Superman in Aktion. Endlich passiert etwas Relevantes. Wenn man bedenkt, dass wir mit dem nächsten Heft die Halbzeit erreichen, wird es höchste Zeit. Aber man muss den Autoren auch lassen, dass sie die Erzählzeit nicht unbedingt vertrödeln, weil immerhin Bruce Wayne zu seinem Recht als Charakter kommt. Aber da ist noch mehr.

Die Meta-Ebene: Traditionsgemäß betreibt Frank Miller wieder seine Medienkritik. Schwachsinnige Debatten in TV-Talk-Shows wechseln sich mit unqualifizierten Internetkommentaren ab, Styling-Videos wirken umso absurder im Angesicht eines nuklearen Genozids. Und trotzdem fragen sich manche, ob die Kryptonier gar nicht die Bösen sind, sondern bloß so wie die üblichen Herrscher – nicht von ungefähr sieht einer der Fernseh-Kommentatoren aus wie Donald Trump. Charakterecht erklärt er Diplomatie zu einer Sache für Feiglinge. (Wie schon in The Dark Knight Returns sieht auch der Präsident aus wie der tatsächlich amtierende: damals war’s Ronald Reagan, heute ist’s Barack Obama.) Miller und Azzarello erlauben sich auch einen Kommentar zur Waffenfrage: angesichts der Übermenschen sind sie zwar nutzlos, aber sie werden angepriesen, um immerhin ein Zeichen des Widerstands zu setzen.

Die Kryptonier wiederum wollen nicht einfach nur herrschen, sondern die Menschen vom Konsum befreien. Diese Kapitalismuskritik wirkt etwas unmotiviert und aufgesetzt. Man versucht wohl, den Eroberern mehr als nur den üblichen Willen zur Macht abzuringen, aber das gelingt nur holprig. Das breite Volk hingegen ist bloß eine schweigende Masse, das auf seine Smartphones starrt und sich die Ohren mit Kopfhörern zustöpselt. Wieder einmal ist Zukunft gleich Gegenwart.

Wie gesagt: Hier wird sehr viel aufgefahren …

Verschollen in der Zukunft, gestrandet in der Gegenwart

DC Comics

DC Comics

Titel: JLA – One Million (dt. Justice League: One Million)

Autor/Zeichner: Grant Morrison u.a./Val Semeiks u.a.

Erschienen: 1999 (Mini-Serie #1-4, Tie-ins, Paperback 1999, 2004, Omnibus 2013), dt. Dino 1999, Panini 2015 (2 Bände)


„Send me your superheroes from past, present or future. I’ll kill all of them.“ (Vandal Savage)

Gäbe es im 853. Jahrhundert noch Comichefte, würde dann wohl die einemillionste Ausgabe von Action Comics erscheinen, jene Serie, mit der Superman im Jahr 1938 gestartet ist. Natürlich gibt es in ferner Zukunft auch innerhalb des DC-Universums noch Superhelden. Sie beschützen nicht mehr nur die Erde, sondern alle Planeten des Sonnensystems, denn alle neun sind besiedelt. Ein Superheld pro Planet (nur Green Lantern fehlt, stattdessen gibt es Starman). Zusammen bilden sie die Justice Legion A. Auch Superman gibt es noch, das Original aus dem 20. Jahrhunderts. Doch der hat sich längst in seinen Ruhestand in die Sonne zurückgezogen. Weil demnächst seine Rückkehr erwartet wird, reist die Justice Legion zurück ins 20. Jahrhundert und bringt die Ur-Helden in die Zukunft, damit sie an den Festivitäten zu ihren Ehren teilnehmen können. In der Zwischenzeit passen die Zukunftshelden auf die alte Erde auf. Doch dabei geht etwas schief: Hourman, der die Zeitreise ermöglicht hat, schleppt ein Nanobot-Virus ein, das die Menschen befällt und aggressiv werden lässt. Verantwortlich dafür ist Solaris, eine intelligente Sonne mit bösen Absichten. Parallel dazu startet Vandal Savage einen atomaren Angriff, bei dem die Stadt Montevideo vernichtet wird.

Der Batman der Zukunft ist natürlich der Hüter von Pluto, einem düsteren Gefägnisplaneten. Er trägt einen ultracoolen High-Tech-Anzug und verfolgt unklare Ziele, als er den Batman der Gegenwart betäubt und gegen seinen Willen mit den anderen Helden in die Zukunft schickt. Mit Nightwing durchstreift Batman das in Trümmern liegende Gotham, während das Original in der Zukunft auf eine Roboter-Version von Robin und auf Catwoman trifft. Selbstverständlich haben auch alle klassischen Schurken ein schräges Äquivalent …

In diesem Crossover-Event ist eine Menge los, aber nicht so viel, dass man den Überblick verliert. Vielmehr erzählt Grant Morrison (Arkham Asylum, Batman and Son, Final Crisis) eine so überbordende wie stimmige, in sich runde Story voller unerhörter Wendungen. Die Zukunftsversionen der Helden wurden als gottgleiche weiterentwickelt,  die aber immer noch allzumenschlich daherkommen. Wie üblich treten die Durchhänger in den Tie-ins auf, von denen sind einige aber unverzichtbar für die Haupthandlung. Wie schon einst der Dino-Verlag bringt auch Panini alles raus, was man lesen muss, allerdings gebündelt in zwei dicken Bänden. Wer es ganz ausführlich braucht, dem sei der One Million Omnibus von DC empfohlen, darin ist jede 1.000.000-Ausgabe aller Serien enthalten.

Heroische Dreifaltigkeit

Batman versus Superman, Teil 12: Trinity (2003)

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman/Superman/Wonder Woman – Trinity (dt. Dreigestirn)

Autor/Zeichner: Matt Wagner

Erschienen: 2003 (Mini-Serie #1-3, Paperback 2005, Deluxe Edition 2015), dt. Panini 2004, Eaglemoss 2015


„Good things come in threes.“ (Wonder Woman)

Ra’s al Ghul befreit Bizarro aus dem Eis der Antarktis, lässt von ihm ein sowjetisches Atom-U-Boot entführen und bedroht die Welt mit nuklaeren Sprengköpfen. Unterstützt wird er von Artemis, einem abtrünnigen Amazonen-Mädchen. Batman und Superman kennen sich bereits eine Weile, Bruce Wayne sucht Clark Kent auf, um ihn vor Ra’s Plänen zu warnen (betrifft Kryptonit) und seine Hilfe mit einer Daten-CD zu erbitten. Doch weil versehentlich eine Atomrakete in die Nähe der Paradies-Insel der Amazonen abgefeuert wird, wird auch Wonder Woman involviert – sie sucht zum ersten Mal Superman auf, weil sie ihn mit Bizarro verwechselt.

Während die beiden von Anfang an gut miteinander auskommen, ist Batman nicht begeistert, als Wonder Woman sein brutales Verhör mit einem Schurken mit ihrem Lügendetektor-Lasso untergräbt. „Aren’t you a bit underdressed for all this?“, fragt er Diana. Sie fragt darauf hin zurück, ob er eine Maske trage, weil er sich schäme sein Gesicht zu zeigen. Auch sonst erweist sich Batman mal wieder als schlechter Teamplayer – besonders, wenn ihm jemand in seine Methoden reinquatscht.

Trotzdem raufen sich die drei zusammen und funktionieren gut miteinander. Superman macht, was er gut kann: einen entgleisten Zug aufhalten, Atomraketen entschärfen und Flugzeuge vor einer Kollision mit einem Hochhaus abbringen. Batman erweist sich als Meisterdetektiv und -kämpfer, auch wenn er gegen Artemis den Kürzeren zieht. Wonder Woman steckt am meisten Prügel ein, besonders gegen Bizarro, wird danach in Ketten gelegt, schließlich sogar fast tödlich verletzt und rettet sich in die Lazarus-Grube. Nach ihrer Wiedergeburt ist sie so reizend, dass sich Batman zu einem spontanen Kuss hinreißen lässt. Diana ist über die Leidenschaftsbekundung nicht erfreut und quittiert sie mit einem Faustschlag. Superman verteidigt Batman Wonder Woman gegenüber: Auch er habe seine Methoden anfangs nicht gutgeheißen, aber er solidarisiere sich mit ihm, weil sie beide Waisen seien, außerdem bewundere er ihn dafür, dass er ohne Superkräfte großen Mut beweise. Batmans Mut geht so weit, dass er es am Ende in einer Kampfrüstung mit Bizarro aufnimmt, während Wonder Woman sich mit Ra’s al Ghul duelliert, um ihn vor einer Invasion in Themyscira abzuhalten. Den Rest räumt Superman auf.

Autor und Zeichner Matt Wagner erzählt das Gipfeltreffen in gewohnt starker Qualität: schlichte, aufs Wesentliche reduzierte Zeichnungen, schnelle Handlung, viel Action. Ein kurzweiliges Abenteuer ohne Leerläufe, aber auch ohne jeden Tiefgang und mit einigen offenen Fragen wie: Was will Artemis? Warum will Ra’s nach Themyscira? Jede Ausgabe legt zwar den Schwerpunkt auf einem der drei Helden, beginnt mit Metropolis, Gotham und der Paradies-Insel, aber bleibt oberflächlich. Die Figuren werden als bekannt vorausgesetzt. Neue Aspekte gibt es hier kaum.

Nur Batman wundert sich, als er zwischendrin kurz Aquaman unter Wasser sieht, dass es weit mehr auf der Welt gibt, als er sich vorstellen konnte. Für ihn steigert sich durch Wonder Woman die Erfahrung mit dem Übernatürlichen, die er bereits mit Superman machen durfte. Und damit ist eine Angst angedeutet, die selten angesprochen wird: dass es für Batman Herausforderungen gibt, die er nicht meistern kann. Jedenfalls nicht allein und auch nicht mit anderen Menschen (wie seiner Bat-Familie), sondern nur mit Übermenschen, die ihm körperlich weit überlegen sind – und daher genauso gut zur Bedrohung werden könnten.

Fortsetzung folgt.

Bisher erschienen:

Auf dem Pfad des Soldaten

DC Comics

Titel: Batman/Deathblow – After The Fire (dt. Nach dem Feuer)

Autor/Zeichner: Brian Azzarello/Lee Bermejo

Erschienen: 2002 (Mini-Serie #1-3, Paperback 2003, Deluxe Edition 2013), dt. Panini 2003


„The world’s not a coin, Deathblow — and it’s not round, either. It’s like a diamond, multifaceted.“

Bevor Brian Azzarello und Lee Bermejo ihr gemeinsames Meisterwerk Joker machten, bevor sie sich Lex Luthor zuwandten, liefen sie sich mit Deathblow warm. Der Supersoldat aus dem Wildstorm-Universum trifft auf Batman, könnte man meinen. Ist aber nicht so. Denn der Witz an dieser Story, wenn es denn einen gibt, besteht darin, dass der Titel zwar ein Crossover suggeriert, aber tatsächlich treffen die Helden nie zusammen. Vielmehr ist es so, dass Batman einem Fall nachgeht, der vor zehn Jahren schon Deathblow beschäftigt hat. Doch der Soldat ist mittlerweile tot. Und so sehen wir dabei zu, wie zwei Geschichten, Vergangenheit und Gegenwart, miteinander enggeführt werden – und das alles geschieht in der gewohnten visuellen Qualität, die man von Lee Bermejo kennt.

DC Comics

Und auch einige von Azzarellos Dialogen sind gelungen. Doch leider gibt es davon zu viel. Die Story lahmt daran, dass zu viel geredet wird über Auftragskiller, Terroristen, Geheimorganisationen und Doppelspiele, und zu wenig passiert. Ein bisschen Ballerei, ein bisschen Feuer und das war’s, sonst nur öde Wortwüste. Der zündelnde Schurke, der äußerlich an Tyler Durden (Brad Pitt) aus Fight Club erinnert, dient weder als Bindeglied zwischen den Helden noch weckt er als Charakter Interesse. Das einzig Überraschende ist, wenn am Ende Batman Deathblow zum Leben erweckt, allerdings leuchtet der Grund dafür nicht ein. Genauso wenig wie der Anlass, diese lahme Geschichte zu erzählen. Für einen hochbegabten Bildererzähler wie Lee Bermejo ist dieses Heft verschenktes Potenzial. Wie gut, dass er sich danach noch ein paar Mal beweisen durfte, bis hin zu großen Würfen wie Noel.

Mehr zum Thema:

Alle Jahre wieder

Batman versus Superman, Teil 11: World’s Finest (1999)

Titel: Batman & Superman – World’s Finest

Autor/Zeichner: Karl Kesel/Dave Taylor, Peter Doherty u.a.

Erschienen: 1999 (Mini-Serie #1-10, Paperback 2003), dt. Carlsen 2000 (6 Teile)


„You know, I think we’re getting the hang of this ‚working together‘ thing!“ (Superman)

Kaum treffen Batman und Superman (schon wieder) erstmals aufeinander, passiert am gleichen Ort ein Verbrechen. Doch kaum verbünden sie sich, um es zu bekämpfen, geht etwas schief: Zwar fassen sie den Entführer, doch das Opfer stirbt durch einen (selbstverschuldeten) Unfall – und das alles nur, weil sich die weltbesten Helden nicht abgesprochen haben, wie sie vorgehen sollen. Daraufhin treffen sie sich jedes Jahr am Todestag des Opfers, um auszuprobieren, ob und wenn ja wie sie doch zusammen funktionieren können. Mal kommt Batman nach Metropolis, mal kommt Superman nach Gotham City. Und jedesmal passiert zufällig gerade etwas, das ihrer beider Aufmerksamkeit bedarf.

Erzählt wird keine fortlaufende Geschichte in zehn Teilen, sondern zehn Episoden mit einer narrativen Klammer. Allein der erste und letzte Teil hängen eng zusammen. (Auch formal, weshalb sie im Prestige-Format mit 48 Seiten ausgestattet sind, die übrigen acht Episoden aber bloß Standard-Hefte mit 22 Seiten sind. Im Deutschen wurden daher sechs Teile daraus gemacht.) Die Helden treffen auf Schurken wie Lex Luthor, Joker, Catwoman und Two-Face, auf Verbündete wie Batgirl, auf Nervensägen wie Mr. Mxyzptlk und Bat-Mite, Batman begegnet nach Supermans Tod seinen vier Nachfolgern, Superman trifft auf Batmans Stellvertreter Jean-Paul Valley. Einmal lässt sich Clark Kent für eine investigative Reportage in Arkham Asylum einweisen, indem er sich als Superman ausgibt – und am gleichen Tag brechen einige Insassen aus.

Zitat von Superman #76 (1952) in World's Finest #7 (1999). (DC Comics)

Zitat von Superman #76 (1952) in World’s Finest #7 (1999). (DC Comics)

Die meisten dieser Storys sind so belanglos wie entbehrlich (vor allem die alberne Kobold-Story), zudem teilweise leidlich gezeichnet (manches wirkt cartoonhaft, anderes einfach nur falsch), mit Anspielungen auf die Tradition und einem großen Figurenaufgebot im Finale, wenn Supermans Schurken gegen Batmans Schurken kämpfen, wird vor allem Fan-Service betrieben. Interessant wird es aber dort, wo die Helden miteinander über ihre Rollen sprechen – oder wo sie von anderen analysiert werden. Es geht um unterschiedliche Strategien: Superman wirft Batman vor, er würde die Menschen zu sehr ängstigen. Batman erwidert, dass auch Supermans Präsenz einschüchternd wirkt. Mr. Mxyzptlk stellt fest: „Batman spends the whole life trying to be superhuman, and Superman spends the same time trying to be a normal human!“

Die herausragende Episode ist die siebte, in der Superman Batman nach Smallville bringt. Batman hat vor kurzem erleben müssen, wie der Joker Batgirl (Barbara Gordon) verkrüppelt und Robin (Jason Todd) ermordet hat. Superman hingegen hat gerade erstmals einen Mord begangen – an drei Schurken zugleich, um Schlimmeres zu vermeiden. Das ganze Heft ist ein Dialog über das Überschreiten der Grenze, den Tod eines Menschen zu verantworten. Am Ende dürfen sich die World’s Finest bei Leben und Tod beweisen: Batman rettet einem alten Mann das Leben, während Superman neues Leben zur Welt bringt, indem er Hebamme spielt. Schließlich frühstücken die beiden als Clark und Wayne bei den Kents. Zwar ist nicht immer so viel Harmonie in dem Zehnteiler, aber andererseits besteht auch nie Feindschaft.

Am Ende, wenn sich retroaktive Seligkeit einstellt, kommen Batman und Superman zu dem Schluss, dass sie – trotz aller Differenzen – gut zusammenarbeiten können, auch wenn es ihnen nicht immer recht ist. Dass sie einander mögen, so weit geht die Liebe dann doch nicht. Immerhin reicht es für einen Handschlag – keine Selbstverständlichkeit.

Fortsetzung folgt.

Bisher erschienen:

In Gotham ist die Hölle los

DC Comics

DC Comics

Titel: The Doom that Came to Gotham (dt. Schatten über Gotham)

Autor/Zeichner: Mike Mignola, Richard Pace/Troy Nixey

Erschienen: 2000-2001 (Mini-Serie #1-3, Paperback 2015), dt. Panini 2001 (DC Premium, Bd. 1), Batman Collection: Mike Mignola (Panini 2012), DC Comics Graphic Novel Collection (Eaglemoss 2015)


„To save Gotham City … you must cut out its heart.“ (Harvey Dent)

„To prevail in this, Bruce Wayne must die … and through death become himself.“ (Etrigan)

Im Jahr 1928 entdeckt der Forscher Bruce Wayne auf einer Antaktis-Expedition ein verlorenes Schiff und einen Überlebenden, der ein Monster hütet. Wayne bringt den Mann aus dem Eis nach Gotham City – aber damit auch einen Vorläufer des Fluchs, der in der Stadt darauf wartet, befreit zu werden.

Was folgt, ist ein Mash-up aus H.P. Lovecraft, Hellboy und der Welt von Batman: Schlangenmenschen, Werwölfe und Tentakelriesen treffen auf Variationen von Mr. Freeze, Poison Ivy, Two-Face und Ra’s al Ghul. Eine Reptilienplage überzieht Gotham City. Eine Art Killer Croc tötet Menschen für den bösen Zweck. Und das alles nur, weil Gothams Gründerväter mal an ein paar satanischen Ritualen teilgenommen haben – unter anderem auch Thomas Wayne, der zwar lange leben darf, aber schließlich für den Fluch ermordet wird. Batman muss also Papas Fehler wiedergutmachen.

Batmans altmodisches Kostüm wird zwar in Mitleidenschaft gezogen, aber sonst hat er gegen seine Gegner am Ende leichtes Spiel. Zuvor scheut er nicht davor zurück, eine Pistole zu benutzen – seine Eltern wurden nämlich mit einem Messer abgestochen. Im Finale darf der Dämon Etrigan, der in höllenverwandten Storys obligatorisch ist, als Deus ex machina herhalten, um dieser Geschichte ein jähes Ende zu bereiten. Das alles wirkt nicht nur, wie schon mal gesehen: ganz ähnlich ist auch das unsägliche Haunted Gotham gemacht.

Leider ist The Doom that Came to Gotham nicht viel inspirierter oder gar spannender geraten. Immerhin die Zeichnungen sind passabel, wobei die Monster überzeugender gelingen als die Menschen. Man wird den Verdacht nicht los, dass es auch den Autoren darum ging. Batman wird am Ende nämlich buchstäblich zum Fledermausmann, was übrigens auch schon in Batman & Dracula und Bloodstorm vorgekommen ist.

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics

Tausend Jahre Tradition

Batman versus Superman, Teil 10: Generations (1999)

DC Comics

DC Comics

Titel: Superman & Batman: Generations – An Imaginary Tale (dt. Untertitel: Eine imaginäre Geschichte)

Autor/Zeichner: John Byrne

Erschienen: 1999 (Mini-Serie #1-4, Paperback 2000), dt. Carlsen 1999 (4 Teile)


„Continuity is important. A sence of history and tradition.“ (Bruce Wayne)

„What a man! Bruce, why can’t you be more like him?“ (Lois Lane)

Was wäre, wenn Superman und Batman normal altern würden? Was wäre, wenn sie heiraten und Kinder kriegen würden? John Byrne hat in seiner Imaginary Tale, wie er die Elseworlds-Story nennt, die Comic-Continuity mit der Comic-Historie verschränkt und die beiden größten Helden gemeinsam alt werden lassen, von der ersten Begegnung 1939 bis zum Jahr 1999 – und dann noch mal über 920 Jahre.

Beim ersten Treffen bei der Weltausstellung in Metropolis (eine Anspielung auf das gemeinsame Cover von World’s Fair Comics) kämpfen sie gegen den Ultra-Humanite, einen Vorläufer von Lex Luthor, zehn Jahre später auf Luthor selbst, der (mit dem Joker) die schwangere Lois Lane goldenem Kryptonit aussetzt, sodass der erste Sohn von Superman ohne Kräfte aufwächst. Doch auch Batman bekommt einen Sohn, Bruce Junior, allerdings erfährt man nie, wer seine Mutter ist. Der wird zum nächsten Robin und nach Dick Graysons Tod zum Batman und bändelt dann mit der Tochter von Superman und Lois an: Kara, dem Supergirl. Doch den Kindern ist kein Glück vergönnt, Luthor lässt die Hochzeit platzen, indem er zuerst Lois und dann Kara tötet. Vorher schon zieht der verbitterte Sohn Joel in den Vietnamkrieg, wo er Kriegsverbrechen begeht und schließlich getötet wird. Superman verliert schließlich seine Kräfte und rächt sich an Luthor, indem er ihn tötet, dann wird er von Batman zur Strafe in die Phantomzone verbannt. Batmans Leben wird dank der Lazarusgrube verlängert.

Am Ende sehen sich Superman und Batman im Jahr 2919 wieder, wo sie sich daran erinnern, schon im Jahr 1929 als Superboy und Robin (!) miteinander gegen Luthor gekämpft zu haben. Aber nicht erst hier wird die Story dämlich, schon vorher gab es eine nervige Episode, in der es um einen Wettstreit zwischen Bat-Mite und Mr. Mxyzptlk ging, ob Superman oder Batman der größte Held ist. Der unzeitgemäße Stil der Geschichten ist zwar der Nostalgie geschuldet, den Reminiszenzen an das Golden, Silver und Bronze Age, aber die Byrnes Erzählweise wirkt immer gleich altbacken und seine Wendungen bemüht.

Zwar ist das Grund-Szenario, das Byrne durchspielt, durchaus reizvoll, geht aber über das Niveau einer Seifenoper nicht hinaus. Der Erzähler rast durch die Jahrzehnte und lässt selbst die dramatischsten Augenblicke vorübergehen, ohne dass die Helden oder die Leser Zeit bekämen, damit umzugehen. So sehr aber die Story das Vergehen der Zeit thematisiert, so sehr versucht sie auch, die Helden zu konservieren. Statt Superman mit dem Verlust seiner Kräfte auch altern zu lassen, wird ein Weg gefunden, wie er sie wiederbekommen kann. Statt Supermans Enkel ohne Kräfte zu lassen, werden sie ihm regelrecht aufgenötigt, damit er als Nightwing das Erbe des Vaters weitertragen kann. Und zu allem Überfluss wird Batman auch noch unsterblich gemacht.

Welchen Sinn ergibt das Konzept vom Altern, wenn die Superhelden dann doch 1000 Jahre und länger leben, so lange bis sie sich aus Langweile neuen Welten zuwenden? Daher heißt es auch folgerichtig am Schluss „Never the End!“ Aber wer altert, sollte auch sterben können. Das hätte den Superhelden etwas mehr von der Menschlichkeit verliehen, die sie nötig gehabt hätten. Stattdessen macht Byrne, was bei DC Tradition ist: Heldenverehrung und Mythenpflege.

Fortsetzung folgt.

Bisher erschienen:

Raiders of the Lost Argos

Batman versus Superman, Teil 9: Elseworld’s Finest (1997)

DC Comics

DC Comics

Titel: Elseworld’s Finest

Autor/Zeichner: John Francis Moore/Kieron Dwyer

Erschienen: 1997 (Mini-Serie #1-2)


Was wäre wenn … Clark Kent und Bruce Wayne schon 1928 in der Blüte ihres Lebens gestanden hätten? Dann würde sie bestimmt ein gemeinsames Abenteuer zu Helden, wenn nicht gar Superhelden machen. Der Zweiteiler Elseworld’s Finest spielt diese Möglichkeit durch – und zwar auf sehr liebenswerte Weise im Stil einer typischen Pulp Fiction-Story à la Indiana Jones.

Der Hommage-Charakter wird schon auf der ersten Seite deutlich: Dort wird eine Comic-Seite aus dem Daily Planet gezeigt, in der es um ein Abenteuer Captain Marvels in Atlantis geht. Kurz darauf ist einer der Leser dieser Seite – der Zeitungsausträger Jimmy Olsen – Zeuge, wie ein Archäologie-Professor von Gangstern bedroht wird. Und wie der Zufall es will, wird ihm auf der Flucht das Leben von dem Reporter Clark Kent gerettet. Ihm erzählt Jimmy, was er gesehen hat, man geht zur Uni, kurz darauf taucht die Tochter des Professors, Lana Lang, auf und schon ist man unterwegs, um den Professor und die mythische Stadt Argos zu finden.

Für das richtige Indy-Feeling braucht es aber noch einen Draufgänger. Dem begegnet unser Team in Paris: Der Abenteurer Bruce Wayne hängt dort herum und betrinkt sich, nachdem er das Vermögen seiner toten Eltern verprasst hat. Gemeinsam geht die Reise nach Ägypten, wo man auf Ra’s al Ghul trifft, später bringt der (von Jules Verne inspirierte) Pirat Luthor alle in seinem U-Boot nach Argos, wo Kent eine Entdeckung macht, die ihn persönlich betrifft …

Gut, die Story ist nach typischem Schema geschrieben und die Zeichnungen erfüllen ihren Zweck, ohne besondere Kunst zu sein. Aber mehr will Elseworld’s Finest auch nicht. Herausgekommen ist ein Stück unterhaltsamer Schund-Literatur im besten Sinne. Wir sehen eine alternative Entstehungsgeschichte von Superman und Batman, die nach ihrem Abenteuer als dynamisches Duo zu Comic-Helden werden. Besonders interessant sind die Kostüme, die sie im Laufe der Handlung bekommen – auch wenn Batman eher nach Katze als nach Fledermaus aussieht. Aber wie so oft läuft es darauf hinaus, dass eine Elseworlds-Story nur ein Umweg ist, um zum bekannten Status quo der Continuity zu gelangen.

Fortsetzung folgt.

Bisher erschienen:

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics