Autor: Lukas

Beruflich Online-Redakteur, privat Comic-Blogger.

Riddlers rätselhafte Rückkehr

DC Comics

Titel: Remarkable Ruse of the Riddler

Autor/Zeichner: Gardner Fox/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1965 (Batman #171), Paperback 2015 (Batman Arkham: The Riddler)


Seit Riddlers erstem Auftritt im Jahr 1948 war 17 Jahre lang nichts mehr von ihm zu hören. Was hat er in der Zeit nur getrieben? Er war im Knast. Jetzt wird Edward Nigma entlassen und verspricht, sich zu bessern. Wer’s glaubt. Batman jedenfalls nicht. Aber Eddie will es beweisen, indem er Batman und Robin hilft, den Molehill Mob zu fassen, dessen Spezialität es ist, durch die Kanalisation zu entkommen. Verdächtig: Eddie will dazu sein altes Riddler-Kostüm anziehen – immerhin sind Batman und Robin ja auch verkleidet. Aber das verheißt natürlich nichts Gutes.

Der Riddler führt die beiden zum Geheimversteck der Bande, die muss ein paar rollenden Kanaldeckeln und schwingenden Kabeln ausweichen, aber der Riddler steht nur unschuldig daneben und sieht zu. Doch später hinterlässt er dem Dynamischen Duo ein Rätsel. Sie folgen der Spur zu einer Yacht, die dem Besitzer einer schwarzen Perle gehört. Zunächst sieht es so aus, als würde der Riddler die Perle stehlen, auf der Flucht lässt er sogar übergroße Puzzleteile auf die beiden niedergehen, aber dann stellt sich heraus: Der Riddler hat die Perle gekauft. Da er geerbt hat, braucht er gar nicht mehr zu stehlen.

Inspiration für TV-Serie

Ähnlich auch später, als es um ein mit Rubinen besetztes Kreuz geht. Zuerst sieht es so aus, als ob der Riddler es von einem Kunsthändler rauben würde – mit vorgehaltener Waffe. Aber dann stellt sich die Waffe als Feuerzeug heraus.

Schließlich kommt es aber doch zu einem Raubzug: Der Riddler plündert einen Safe im Ox Club. Batman und Robin versuchen, ihn zu fassen, aber sein Anzug steht unter Strom. Dann versuchen sie, ihn zu schlagen, aber er hält ihren Prügeln Stand. Aber dann verrät er unabsichtlich seinen Trick (ein Spezialanzug und Betäubungsmittel), Batman schaltet ihn aus und der Riddler landet wieder im Knast. Wie kamen aber die Helden auf den Ox Club? Perle und Kreuz, Kreis und X: das ergibt OX – ist doch logisch …

Es ist nicht das einzige Rätsel, das auf so verblüffende Weise gelöst wird. Das größte bleibt aber, wozu dieser Riesenaufwand, nur um einen Raub zu begehen? Und warum hinterlässt er immer wieder Hinweise und fordert seine Festnahme geradezu heraus? Ganz einfach: damit es fair ist. Das muss man dem Riddler lassen. Bei aller Heimtücke ist er ein ehrenwerter Spieler – sofern man das von einem Lügner, Dieb und Räuber behaupten kann.

Die Story wurde später zur Inspiration für die ersten Folgen der Batman-TV-Serie mit Adam West: „Hi Riddle Diddle/Smack in the Middle“ (Rätselhafter Rätselkönig, S01E01-02). Darin beginnt es mit der Kreuz-Szene und die Masche dient nur dazu, Batman reinzulegen und zu verklagen. Die Sache nimmt dann noch viel schrägere Wendungen, aber seht selbst …

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Gratis Comic Tag 2020: Verschoben auf Herbst

Panini Comics

Eigentlich sollte am 9. Mai 2020 der Gratis Comic Tag stattfinden. Dieser wurde nun wegen der Coronakrise auf Herbst verschoben. Die Veranstalter wollen sich im Juli erneut beraten und Anfang August ein neues Datum verkünden. Bis zum 31. August sind Großveranstaltungen in Deutschland verboten.

Das diesjährige Angebot an Gratis-Comics steht schon länger fest: Zum Thema Batman bringt Panini ein Heft mit drei Leseproben heraus zu den Graphic Novels Harley Quinn: Breaking Glass, Batman: Nightwalker und Mera: Gegen den Strom. Daneben gibt es ein Heft namens Hallo Justice League mit drei Leseproben von Kinder-Comics.

Mehr geboten wird für Spider-Man-Fans: Die bekommen zwei komplette Storys in einem Heft. Ein Highlight dürfte auch ein Auszug aus Berserker Unbound von Jeff Lemire (Black Hammer/Justice League, Joker: Killer Smile) und Mike Deodato Jr. sein – aber das kann man sich wahrscheinlich auch kaufen, ohne vorher reingelesen zu haben. Alle Gratis-Comics findet ihr hier.

80 Jahre Joker und Catwoman verschoben auf Juni

DC Comics

Sicher haben sich manche von euch schon gefragt, wo denn die Jubiläums-Specials zu Catwoman und Joker bleiben. Eigentlich sollten sie am 15. und 29. April erschienen sein – zum 80. Jahrestag von Batman #1 (1940), als die beiden ihre ersten Auftritte hatten. Aber die Coronakrise hat das Erscheinen dieser und auch anderer Comics verzögert.

Jetzt gibt es zwei neue Erscheinungstermine Catwoman 80th Anniversary 100-Page Super Spectacular #1 soll am 2. Juni 2020 herauskommen, The Joker 80th Anniversary 100-Page Super Spectacular #1 am 9. Juni 2020. (UPDATE: Eine Vorschau auf Joker gibt’s bei DC.) Jedes Special enthält eine Reihe von neuen Kurzgeschichten rund um die beiden Schurken. Hier ein Vorgeschmack auf die Variant Cover der beiden Hefte:

Am 2. Juni soll auch die Anthologie The Joker: 80 Years of the Clown Prince of Crime herauskommen.

Weitere Erscheinungstermine gibt es bei DC Comics. Hier eine Auswahl:

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Batman-Splitter #11: Abgang

„He does that. Annoying, isn’t it?“ (The Long Halloween #1, 1996) (DC Comics)

Batman – das ist reine Theatralik. Das Kostüm, die Maske, aber auch der Auftritt: Batman kommt aus dem Nichts und verschwindet auch wieder dorthin, in die Schatten, in die Finsternis. Niemand weiß, wie. So schafft er es, eine Aura des Unheimlichen und Mysteriösen um sich zu bilden. Den Bösen jagt er damit Angst ein, die Guten nervt er damit. Die Sitte bleibt dabei auf der Strecke. Nein, Höflichkeit ist keine von Batmans besten Tugenden.

Batman verschwindet bei Gordon zum ersten Mal: Detective Comics #424, 1972 (DC Comics).

So strapaziert er am meisten Commissioner James Gordons Geduld. Der arme Mann lässt sich auf eine Zusammenarbeit mit ihm ein, obwohl es ihn in ein Dilemma mit dem Gesetz bringt, und immer wieder lässt Batman ihn mitten im Satz stehen, vorzugsweise auf dem Dach des Polizeipräsidiums, beim Bat-Signal. Diese Batman-Tradition ist alt, kam aber erst in den Comics der 70er-Jahre auf (Detective Comics #424, 1972, dann Swamp Thing #7, 1973). Dort nimmt ihm Gordon das Verschwinden nicht übel, weil es so scheint, als wolle Batman einfach nur keine Zeit bei der Ermittlung verschwenden.

Plötzlicher Auf- und Abtritt: Batman und Gordon in Swamp Thing #7 (1973) (DC Comics).

„I hate it when he does that“

In Batman: The Animated Series („Joker’s Favor“, S01E22) ist Gordon weniger verständnisvoll und sagt laut, was er davon hält: „I hate it when he does that.“ Was Batman aber nicht daran hindert, es immer wieder zu tun. Fans haben sogar eine Liste aller dieser Szenen erstellt – sie ist sehr lang. Einmal sagt sich Gordon: „One of these days, I’m gonna nail his feet to the ground.“ Einmal, als die beiden ihren traditionellen Neujahrskaffee zusammen trinken („Holiday Knights„), geht es beim Verschwinden darum, wer die Rechnung übernimmt. Batman haut auch da ab, aber immerhin lässt er Geld da.

Auch in Christopher Nolans Dark-Knight-Trilogie führt Batman vor, was er bei der Gesellschaft der Schatten an Ninja-Tricks gelernt hat. Dabei fällt auf, dass er Gordon Fragen stellt, aber nicht mal die Antwort abwartet, bevor er verschwindet. Na ja, man muss für den mysteriösen Abgang eben den passenden Moment wählen und kann nie wissen, wann das nächste Mal einer wegschaut. In The Dark Knigth Rises lässt Catwoman Batman auf diese Weise zurück, als er gerade abgelenkt ist. Batman weiß danach: „So fühlt sich das also an.“

Vertauschte Rollen: Gordon verschwindet in Batmans Beisein. (DC Comics)

Batmans berühmter Verschwindetrick wird auch in den Comics variiert und ironisiert. Autor Gregg Hurwitz hat es in Batman: The Dark Knight gleich zweimal getan: In Ausgabe #10 (2012) ist es Gordon, der Batman einfach stehen lässt, in Ausgabe #17 (2013) überrascht Batman, indem er wider Erwarten einfach dableibt, als ihn Gordon längst weg vermutet.

Noch da, wenn man ihn längst woanders vermutet: Batman und Gordon. (DC Comics)

Gordons Rache an Batman

Als Gordon ein paar Jahre später zu einem Schurken gemacht wird (Batman/Superman #1-6, 2019), lässt er seine ganze Wut an Batman aus, die sich über die Jahre aufgestaut hat: „This is for every time you disappeared off the rooftop!“, schreit er, als er Batman erschießen will.

Gordon rächt sich an Batman fürs Verschwinden. (DC Comics)

Und es scheint ihm sehr wichtig zu sein, denn danach muss er es noch einmal sagen: „What’s the matter, Batman? Can’t disappear on me in the middle of a conversation anymore? Make me look like a damn old fool talking to myself…Never again.“ Gordon hat die Schnauze voll – er will nicht mehr dumm dastehen.

Noch einmal Rache fürs Abhauen: Gordon und Batman (DC Comics).

Aber zum Glück ist das nur eine Phase. Das musste wohl früher oder später einfach mal raus. Hoffen wir mal, dass Batman seinen besten Freund bei der Polizei künftig etwas respektvoller behandelt. Denn seien wir ehrlich: Tradition hin oder her – der Running Gag hat sich totgelaufen.

Aber wie kam Batman überhaupt zu seinem „polnischen“ bzw. „französischen“ Abgang? In der Kurzgeschichte „I Hate When He Does That“ (Legends of the Dark Knight 100-Page Super Spectacular #2, 2014) wird klar, dass es eher eine thailändische Art ist: Bruce ist als Junge, kurz nach dem Tod seiner Eltern, mit Alfred auf Weltreise und macht einen Zwischenstopp in Thailand. Dort lernt er das Mädchen Mekhala kennen, deren Vater von der Polizei gesucht wird. Bruce hilft ihr spontan bei der Flucht vor der Staatsgewalt und ist nicht nur beeindruckt von ihrem Parfum, sondern auch von ihrem plötzlichen Verschwinden auf dem Dach.

Bruce bittet Alfred, noch so lange in Thailand zu bleiben, bis er sich anständig von ihr verabschiedet hat. Widerwillig sagt Alfred zu – und beim nächsten Wiedersehen landet Mekhala im Knast, als Köder für ihren Vater. Bruce und Alfred befreien sie und sie bringt dem Jungen zum Dank den Trick bei. Wie er geht, wird jedoch für die Leser wohl immer ein Geheimnis bleiben.

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Batman/Superman: Wenn Helden zu Schurken werden

Batman/Superman #1 (2019)

DC Comics

Titel: Batman/Superman Vol. 1: Who Are the Secret Six?

Autor/Zeichner: Joshua Williamson/David Marquez

Erschienen: 2019 (Batman/Superman #1-6), Hardcover 2020


„The truth is we’re all twisted on the inside and need to just let go.“ (The Batman Who Laughs)

Was ist, wenn Superhelden plötzlich böse werden? Eine spannende Frage, deshalb wird sie auch immer wieder durchgekaut. Wenn Superhelden nicht gerade auf Schurken treffen (z.B. in Dark Nights: Metal), die ihre dunklen Spiegelbilder darstellen, wechseln sie auch selbst mal die Seiten, damit es zu Kämpfen zwischen den Guten kommt. Die Serie zum Game Injustice treibt das auf die Spitze, aber auch DCeased. Batman hat für solche Fälle, wie sich etwa in Tower of Babel gezeigt hat, ein paar Notfallpläne in der Schublade – womit er sich natürlich keine Freunde macht.

Zum Neustart der Serie Batman/Superman gibt der „Batman, der lacht“ Starthilfe, indem er sechs Helden mit einem Virus infiziert, das ihn zu seinen Gefolgsleuten macht. Diese Secret Six sollen helfen, die ganze Welt zu vernichten. Zuerst ist Shazam dran, er soll Superman anstecken, aber dann werden Supergirl, Donna Troi, Blue Beetle, Hawkman und Commissioner James Gordon zu Schurken. Gemeinsam müssen Superman und Batman versuchen, das Schlimmste zu verhindern.

Die Story spielt im Rahmen des Events Year of the Villain (2019) und mündet in der Storyline The Infected, bevor es dann zum Finale in Year of the Villain: Hell Arisen kommt (beide erscheinen im Juni als Hardcover). Batman und Superman liefern sich einige Schlachten, bevor sie sich den Vorwurf anhören müssen, warum sie den „Batman Who Laughs“ unter der Hall of Justice eingesperrt hielten, ohne den anderen Helden Bescheid zu sagen. Wonder Woman ist mächtig sauer. Batman hat daraufhin eine noch bessere Idee, wie man künftig mit mehr Transparenz besser zusammenarbeiten kann.

James Gordon ist sauer

Who Are the Secret Six? ist keine Sensation, die man unbedingt gelesen haben muss, aber für Freunde der World’s-Finest-Team-Ups ist es ein gelungener, weil kurzweiliger Neubeginn für eine Serie, die zuletzt ziemlich belanglos war. Batman und Superman bilden ein weitgehend eingespieltes Team, die Kämpfe halten auch dank der klaren, dynamischen und ausdrucksstarken Zeichnungen von David Marquez in Atem. Und bevor die Story ermüdend werden kann, endet sie nach fünf Kapiteln, um sich Zeit zu lassen für einen ausführlichen Epilog. Allerdings: So beliebt der böse Batman auch ist, so kam er in letzter Zeit etwas häufig vor und es wäre daher an der Zeit, ihn eine Weile Ruhen zu lassen, damit er sich nicht verbraucht.

In der Story tritt bei Commissioner Gordon ein tiefer Groll zutage: Er will sich endlich bei Batman dafür rächen, dass er ihn so oft hat Selbstgespräche führen lassen, indem er einfach verschwunden ist. Eine alte Tradition, ein Running Gag, der nach 50 (?) Jahren alt wird, aber hier bekommt er eine schöne Wendung. Ja, es stimmt: Batman, so behandelt man keine Freunde.

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Joker als Kredithai

DC Comics

Titel: Pay – Or Die!

Autor/Zeichner: Bob Haney/Jim Aparo

Erschienen: 1978 (The Brave and the Bold #141), Hardcover 2019 (The Joker: The Bronze Age Omnibus)


Der Kredithai, der hat Zähne, und die trägt er im Gesicht.
Doch der Joker hat ne Bombe, doch die Bombe sieht man nicht …

In Gotham gehen mal wieder Bomben hoch. Geschäftsmänner sterben dabei. Commissioner Gordon vermutet eigenartigerweise Selbstmord, aber Batman zieht nach kurzer Ermittlung den richtigen Schluss: Beide haben sich bei einem Kredithai Geld geliehen, einem gewissen Longreen. Der Name klingt nicht zufällig nach „long grin“ – der Joker hat es mal wieder auf Geld abgesehen, er wird zur Allegorie für einen Wucher-Kapitalismus. Als auch noch ein Modesigner in die Luft fliegt und Dinah Lance (Black Canary) dabei zusehen muss, hat Batman seine Mitstreiterin gefunden, um dem grinsenden Kredithai das Handwerk zu legen.

Aber wie? Batman hat eine Idee: Alfred soll helfen. Er soll so tun, als ob Bruce Wayne dessen Rentenfonds verspekuliert hätte, und sich beim Joker Geld leihen. Leider ist der gute Alfred zu nervös dabei und daher keine große Hilfe, um herauszufinden, wo der Joker sein Versteck hat. Der Joker hat sich in einem Bestattungsunternehmen verschanzt. Kreditwucher als todsicheres Geschäft, sozusagen.

Doch wie schafft er es, seine Schuldner in die Luft zu jagen? Ganz einfach: Mit einer Chemikalie, die er seinen Opfern mit Wein zu trinken gibt. Alfred ist also eine wandelnde Zeitbombe. Am Ende stürzt sich Batman verkleidet als Alfred auf den Joker, um aus dem Dilemma rauszukommen. Und damit Alfred künftig immun gegen den Sprengstoff in seinem Körper ist, bekommt er vom Joker eine Bluttransfusion verpasst.

Ja, ihr habt richtig gelesen: Durch Alfreds Adern fließt das Blut des Jokers. Wäre Potenzial für eine eigene Geschichte. Allerdings wurde die – soweit ich weiß – nie geschrieben. In gewisser Weise bekommt Alfred später zumindest kurz ein Lächeln aufgesetzt, in einer Folge von Batman: The Animated Series („The Last Laugh“, dt. Eine Stadt voller Narren, S01E04) wird er durch Joker-Gas wahnsinnig. Und in Whatever Happened to the Caped Crusader? behauptet er, den Joker nur gespielt zu haben. Und in Endgame schlägt ihm der Joker die Hand ab – dabei gibt es wiederum nichts zu lachen.

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Trauer um Alfred

DC Comics

Titel: Batman: Pennyworth R.I.P.

Autor/Zeichner: James Tynion IV, Peter J. Tomasi/Eddy Barrows u.a.

Erschienen: 2020 (One-shot)


Lange habe ich versucht, diese Wendung (anders als DC) nicht zu spoilern, aber jetzt muss es leider raus: Alfred Pennyworth stirbt in City of Bane – der Schurke dreht ihm den Hals um. Aber Alfred bringt das Opfer auch zum Teil freiwillig, um die Stadt zu retten. Ein harter Schlag für alle. Die Bat-Family verliert nicht ihren Butler, sondern ihr eigentliches Herz.

Darum geht es in Pennyworth R.I.P. Nachdem Batman ein Krankenhaus zu Ehren von Alfred errichtet hat, kommt die Familie in einer Bar zusammen, um dem Toten die letzte Ehre zu erweisen. Jeder darf mal erzählen, wie er ihnen aus der Patsche geholfen hat. Dabei erweist sich Alfred mal wieder als Alleskönner, der auch selbst in die Rolle von Batman schlüpft. Um Damian abzuholen, zieht er sich das Kostüm an, um Red Hood zu retten, steigt er selbst in Batmans Panzer, um Red Robins verlorene Waffen wiederzubeschaffen, wird er zum Katzendieb – ein wenig übertrieben, aber der Mann ist einfach zu gut für diese Welt gewesen.

Mit Batgirl geht er sogar Bergsteigen und Nightwing erwischt ihn dabei, wie er Blumen in Crime Alley für Thomas und Martha Wayne niederlegt. Seine Botschaft an Batman: Auch wenn er einen hohen Preis zahlen musste, hat der Tod der Waynes durch die Entstehung von Batman viele Menschenleben gerettet.

Batmans Mitschuld am Tod

Bruce Wayne muss sich harte Vorwürfe von Barbara gefallen lassen. In Krisen sei es immer Alfred gewesen, der die Familie zusammengehalten habe, während Batman stets schmollte und den einsamen Wolf spielte. Ihr größter Vorwurf: Als Bane Gotham übernahm und Alfred starb, hat Bruce mit Selina Strandurlaub gemacht. Bruce hat zu seiner Rechtfertigung nichts zu sagen. Er bleibt stumm.

Pennyworth R.I.P. ist ein nachdenkliches und melancholisches Comic, das auf 41 sensibel gezeichneten Seiten die Bedeutung von Alfred herausstreicht und ihn angemessen würdigt. Dass Batman selbst dabei so schlecht wegkommt, ist durchaus angemessen. In City of Bane hat er sich wirklich nicht mit Ruhm bekleckert. Es bleibt nur zu wünschen, dass er sich durch diesen Verlust weiterentwickeln wird. Zuweilen wirkte der Held zu irrational in seinem Verhalten.

Nun ist es so, dass in Superheldencomics zwar jeder mal sterben muss (Alfred stirbt sogar schon zum zweiten Mal, das erste Mal war in Detective Comics #328, 1964), aber jeder kehrt auch irgendwann wieder zurück. Beim ersten Mal wurde das äußerst bemüht gelöst, aber das waren auch ganz andere Zeiten. Jetzt bin ich sehr gespannt, was sich die Autoren diesmal einfallen lassen. Hoffentlich kommt die Rückkehr nicht zu früh, denn so wichtig Alfred auch ist – es muss auch mal eine lange Zeit lang ohne ihn gehen, sonst verkommt diese Katastrophe schnell zur Anekdote in der Batman-Geschichte.

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City of Bane: Hell No!

DC Comics

Titel: City of Bane

Autor/Zeichner: Tom King/Tony S. Daniel, Clay Mann, Mikel Janin, John Romita Jr.

Erschienen: 2019 (Batman #75-85), Hardcover 2020 (2 Bände), Paperback 2020 (Complete Collection erscheint im Dezember)


Stell dir vor, du hast den Jackpot gewonnen: Du darfst die Serie Batman schreiben – 85 Ausgaben! Das ist mehr, als Scott Snyder zur Verfügung hatte. Ein Traum wird wahr, du kannst endlich all deine Ideen verwirklichen und fast alles tun, was du immer schon mit deiner Lieblingsfigur machen wolltest. Die besten Zeichner stehen dir zur Verfügung. Was tust du? Du lässt Batman natürlich durch die Hölle gehen, er trifft auf alle großen Gegner, du lässt einen Krieg zwischen dem Joker und dem Riddler ausbrechen, du lässt Batman endlich mit Catwoman zusammenkommen, damit endlich zusammenkommt, was seit 80 Jahren zusammengehört – und du lässt ihn am Ende auf die härtesten aller Gegner treffen: Bane und (weil’s so schön war) auf den bösen Batman aus Flashpoint, Thomas Wayne.

Klingt das cool? Na klar, zumindest theoretisch. Denn all das hat Autor Tom King zwar gemacht, aber auch wenn es nach einer Riesenmenge Story klingt, hat er sie so zäh gestaltet, dass es – trotz einiger guter Einfälle – meistens eine Qual war, sich da durchzuackern, weil er mehr auf Nabelschau und endlose Dialoge als auf Handlung und Spannung gesetzt hat. Und jetzt das große Finale: City of Bane, in elf Ausgaben.

Schöne Neue Welt in Gotham

Batman hat den Kampf gegen seinen bösen Vater in der Wüste verloren (Batman Vol. 11). Bane und Thomas Wayne haben Gotham City übernommen und es nach ihrem Bilde gestaltet: Nach einer Gehirnwäsche durch den Psycho Pirate sorgen jetzt Schurken wie Joker und Riddler als neue Polizisten für Recht und Ordnung. Das Verbrechen ist passé, abgesehen von der Folter, die die neuen Gesetzeshüter ausüben. Wer sich sträubt, wie etwa Two-Face, wird zwangsbekehrt. Flashpoint-Batman und Gotham Girl sind das neue Dynamische Duo.

Die US-Regierung findet das gut und lässt Bane gewähren, solange er die Stadt friedlich hält. Besser so als der alte Status quo. Der Präsident verbietet jedes Eingreifen von Superhelden innerhalb der Stadtgrenzen. Die Batman-Familie wird draußen gehalten, indem Alfred Pennyworth als Geisel dient. Sollte einer von ihnen die Stadt betreten, stirbt Alfred. (SPOILER gibt es hier.)

Nachgeholte Flitterwochen

DC Comics

In der Zwischenzeit treibt sich Bruce Wayne in den Bergen rum und sucht nach einer Lösung für das Problem. Und dann hilft ihm Catwoman aus der Patsche und man macht erst mal Urlaub in der Südsee, als wären es nachgeholte Flitterwochen. Zwei Ausgaben lang sehen wir ihnen beim Baden und beim Training zu, während sie über gute alte Zeiten reden und sich fragen, ob sie sich auf der Straße (wie in Year One) oder auf einem Boot kennenlernten (wie in Batman #1, 1940), als gäbe es gerade keine dringenderen Probleme zu besprechen. Und als hätten wir noch nicht genug Erklärungsversuche über die geplatzte Hochzeit gelesen, wird hier alles noch einmal aufgerollt, derweil Gotham weiter vor die Hunde geht.

Es ist zum Ausflippen. Es gibt viele mäßige Autoren, einige Langweiler, aber Tom King schafft es, einen auf die Palme zu bringen. Das bisschen Story wird nebenbei abgehandelt, erst später, als Batman und Catwoman in den Kampf mit Bane treten, wird alles in Captions nacherzählt. Hier will der Autor wohl bewusst mit bestimmten Schemata brechen, aber dabei bleibt leider die Handlung völlig auf der Strecke. Selbst das zweite Finale, in dem Batman gegen seinen Vater kämpft, ist verschenkt für eine weitere unnötig lange Rückblende, in der ALLES noch einmal aus der Sicht von Thomas nacherzählt wird – man möchte schreien.

Potenzial verschwendet

Aber Tom King ist ein selbstgefälliger Autor, der sich so cool findet, dass er sich permanent selbst zitiert, bis es auch der Letzte kapiert hat (Stichwort: „Hell yeah“). Dabei versucht er zu kaschieren, dass er eigentlich nichts zu sagen hat. Die endlose Wiederholung nervt. Auch weil ihm mit Bane und Batman nichts Besseres einfällt, als dass sich beide gegenseitig übers Knie legen wollen – das gab es schon so oft (siehe I Am Bane), dass darin nichts Dramatisches mehr liegt. Das Endloszitat ist mittlerweile völlig ausgehöhlt.

City of Bane ist elf Kapitel lang – das sind insgesamt 336 Seiten, genug, um eine spannende Geschichte zu erzählen. Aber es passiert einfach nicht. Trotz einiger sehr interessanter Ansätze wird das Potenzial vertrödelt. (Außerdem erinnert sie viel zu sehr an The Dark Knight Rises. Immerhin wird man am Ende mit Batman und Catwoman für die geplatzte Hochzeit entschädigt.) Und wieder bleiben nur die Bilder einige grandioser Künstler als Trostpreis, damit es keine totale Geld- und Zeitverschwendung war.

Zum Glück ist dieses Kapitel jetzt endlich vorbei und hoffentlich entschädigt uns der neue Batman-Autor, James Tynion IV. Aber nein, leider ist es nicht ganz zu Ende: Denn dieses Jahr soll noch Tom Kings Zwölfteiler Batman/Catwoman kommen. Fans dürfen sich also freuen auf ganz viel „Bat-Cat-Rumgeschmachte“. Die Serie wurde aber bis auf Weiteres verschoben.

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Drei Helden, zwei Schurken und ein Adler

DC Comics

Titel: The Claws of the Emperor Eagle/Death at Rainbow’s End

Autor/Zeichner: Bob Haney/Jim Aparo

Erschienen: 1976 (The Brave and the Bold #129-130), Hardcover 2019 (The Joker: The Bronze Age Omnibus)


Oliver Queen luchst einem alten Bonzen auf dem Sterbebett den Emperor Eagle ab, eine antike Bronze, die einst Alexander dem Großen zu Ehren geschenkt wurde. Das Dumme ist nur: das Ding bringt Pech, manche sagen auch, ein Fluch laste darauf. Denn nicht nur Alexander starb jung, auch kostete es später Napoleon und Hitler den Sieg – soweit der Mythos.

Und kaum hat Oliver Queen die Besitzurkunde an sich genommen, wird sie ihm auch schon geraubt. Er erzählt Batman die Story und macht sich auf nach England, um den Adler abzuholen. Doch das Flugzeug wird von Joker und Two-Face gekapert und nach Pathanistan gebracht – dem Heimatland des Adlers. Die Schurken kassieren vom hiesigen Diktator, General Khan, eine saftige Belohnung, aber dann soll Oliver Queen zur Strafe gehängt werden.

Batman kann den Despoten umstimmen. Wenn es ihm gelingt, beim Reiten einen Stab in einen Ring zu stecken, ist Oliver frei. Mit der Hilfe von Atom klappt es auch. Aber dann entführen Joker und Two-Face Batman und rauben den Adler. Batman endet in einer Todesfalle á la Goldfinger …

Batman in den Spuren von James Bond (DC Comics)

Diese im wahrsten Sinne des Wortes abenteuerliche Geschichte nimmt ein paar wilde Wendungen. Jeder Held wird mindestens einmal entführt und darf sich beweisen, aber vor allem ist es eine Green Arrow-Story: Der Schütze spannt einen unspannbaren Bogen (wie er das macht, bleibt aber rätselhaft), er geht mit zwei Pferden tauchen und erweist sich als besessen von Gier, denn in dem Adler stecken große Reichtümer.

Darauf haben es auch Joker und Two-Face abgesehen. Wie sie darauf kommen, warum sie überhaupt zusammenarbeiten und wie Two-Face damit klarkommt, dass der Coup (bis auf die Belohnung) nichts mit der Zahl Zwei zu tun hat – das alles bleibt auch ein Rätsel. Aber ich merk schon, ich hinterfrage mal wieder zu viel. Eins scheint jedenfalls klar: Der Adler ist anscheinend wirklich verflucht, weil in solchen Geschichten jedes Gerücht sich als stets als wahr erweist. Aber natürlich ist der Fluch bloß ein Code für Gier, die Menschen verblendet. Und davor ist dann wohl auch der Joker nicht sicher, auch wenn er sich in den 70ern sonst weniger um Reichtum als um Spaß schert.

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Kein Land für alte Clowns

DC Comics

Titel: Ruins/Laugh, Killer, Laugh/The Joker Is Wild

Autor/Zeichner: Doug Moench/Don Newton, Gene Colan

Erschienen: 1983 (Batman #365, Detective Comics #532, Batman #366), Hardcover 2019 (The Joker: The Bronze Age Omnibus)


Von 1960 bis 1996 befand sich Guatemala im Bürgerkrieg. Die USA haben ihren Teil dazu beigetragen, dass es soweit kommen konnte. Insgesamt wurden 150.000 bis 250.000 Menschen getötet. Unter Diktator Efraín Ríos Montt wurden in den Jahren 1982 und 1983 Massenmorde und andere Gräueltaten begangen. Er wurde deswegen im Jahr 2013 zu 80 Jahren Haft verurteilt. Vor diesem Hintergrund liest sich die folgende Geschichte mit einem bitteren Beigeschmack.

Vicky Vale ist in Guatemala unterwegs, um über den dortigen Bürgerkrieg zu berichten, dann wird sie von einer Gruppe vermeintlicher Rebellen gefangen genommen und in eine alte Ruine gebracht. Von dort aus kann sie mit einer List eine Botschaft nach Gotham schicken, sodass die Polizei und durch Zufall auch Bruce Wayne davon Wind kriegen. Seine Beziehung zu Vicky ist gerade an ein Ende gekommen, trotzdem steigt er für sie ins Batman-Kostüm und fliegt zu ihrer Rettung.

Guatemala soll Joker-Land werden

Vickys Entführer ist der Joker. Er plant, das Militär gegen die Rebellen auszuspielen und am Ende selbst das Land zu übernehmen: Guatemala soll Joker-Land werden. Dafür hat der Clown große Pläne. Aus den Pyramiden sollen etwa Springteufel herauskommen. Eine kleine Achterbahn mit Joker-Zug hat er schon einmal errichtet. Fragen wir lieber nicht, wie er das geschafft hat. Oder wozu der ganze Aufwand gut sein soll. Am Ende geht es ihm wie immer um sein verdrehtes Verständnis von Spaß. So sagt er auch über Batman, dass er ihn auch nur deshalb nicht getötet oder ihn demaskiert habe – wo wäre da der Witz?

Also muss sich Batman gegen Indianer, Leoparden und Ganoven Rebellen zur Wehr setzen und wird auf den Joker-Zug gespannt, der Vicky überfahren soll. Batman befreit sich wie immer sehr kreativ aus dieser Todesfalle, schaltet den Joker aus, aber statt ihn festzuhalten, haut er mit Vicky lieber ab und verhindert ein Attentat, das der Joker auf den General verüben will. Daraufhin verbünden sich Rebellen und Armee, um den gemeinsamen Feind zu besiegen. Am Ende herrscht zwar immer noch kein Frieden, aber Vicky Vale kann festhalten, wie sich zwei Todfeinde gegenseitig ihren Respekt bezeugen.

Jason Todd als Robin

In all dem Schabernack schwingt also durchaus Zeitkritik durch: Der Joker wird zum Symbol für die Absurdität des Bürgerkrieges und die Gefahr von Anarchie und Chaos. Das versöhnliche Ende wirkt trotzdem ziemlich weltfremd und naiv. Und vor dem Hintergrund der wahren Massaker erscheint die vergleichsweise harmlose Joker-Story sogar ziemlich geschmacklos.

Übrigens: In dieser Geschichte hat nicht nur Jason Todd seinen ersten Auftritt als Robin (Batman #366) (indem er sich – typisch – Batman widersetzt, ihm nach Guatemala folgt und den Joker ausknockt), sondern Alfred sieht auch seine Tochter Julia wieder, die endlich erfahren hat, dass er ihr Vater ist. Aber das sind Geschichten für ein anderes Mal.

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