Autor: Lukas

Beruflich Online-Redakteur, privat Comic-Blogger.

Comics in der Coronakrise: DC Digital First

DC Comics

DC Comics reagiert auf die Coronakrise, indem der Verlag sein Programm „DC Digital First“ ausbaut. Seit dem 20. April soll sieben Tage die Woche ein neues digitales Comic zu jeweils einem anderen Helden erscheinen. Den Anfang hat ein 24-seitige Story Superman: Man of Tomorrow gemacht, jetzt ist Batman: Gotham Nights dran.

Zwei Storys gibt es auf 18 Seiten: „Medal of Honor“ von Sal Giunta, Brad Meltzer, Jim Lee, Scott Williams und Alex Sinclair basiert auf der wahren Geschichte von U.S. Army Specialist Salvatore A. Giunta, der für seinen Dienst in Afghanistan eine Medal of Honor bekommen hat. Um Ehre und Militär geht es auch in der zweiten Geschichte: „Honor Code“ von Larry Hama, Mirko Colak und John Kalisz erzählt von Katherine Kane, bevor sie Batwoman geworden ist.

Bei Comixology.eu kostet jedes Comic 1,09 Euro. Die komplette Liste der „DC Digital First“-Ausgaben dieser Woche:

  • Superman: The Man of Tomorrow von Robert Venditti, Paul Pelletier, Drew Hennessy und Adriano Lucas
  • Batman: Gotham Nights von Sal Giunta, Brad Meltzer, Jim Lee, Scott Williams und Alex Sinclair; Larry Hama, Mirko Colak und John Kalisz
  • Wonder Woman: Agent of Peace von Amanda Conner, Jimmy Palmiotti, Inaki Miranda und Hi-Fi,
  • Aquaman: Deep Dives von Steve Orlando, Daniel Sampere, Juan Albarran und Adriano Lucas,
  • Flash: Fastest Man Alive von Gail Simone, Clayton Henry und Marcelo Maiolo
  • DC Super Hero Girls: Infinite Frenemies von Amanda Deibert und Erich Owen
  • Swamp Thing: New Roots von Mark Russell, Marco Santucci und John Kalisz

Darüber hinaus hat der Verlag mit DC Essential Reads digitale Gratis-Kostproben einiger seiner Bestseller herausgebracht: Watchmen #1 Batman #608 (Hush), The Sandman #1, Dark Nights: Metal #1, Doomsday Clock #1, Crisis on Infinite Earths #1 und Mister Miracle #1.

Nachtrag: Am 28. April liefert DC erstmals nach einer vierwöchigen Pause wieder neue Comics aus.

Superhelden auf Austauschfahrt

Titel: Black Hammer/Justice League: Hammer of Justice

Autor/Zeichner: Jeff Lemire/Michael Walsh

Erschienen: 2019 (#1-5), Hardcover 2020


Abseits von DC und Marvel ist Black Hammer eines der interessantesten Superhelden-Comics der vergangenen Jahre – überschüttet mit Lob und Preisen. Schöpfer Jeff Lemire die Welt innerhalb kürzester Zeit zu einem eigenen Universum mit immer neuen Spin-offs erweitert (Sherlock Frankenstein, Doctor Star), und das ist erst der Anfang.

Eines dieser Spin-offs ist ein Crossover mit der Justice League: In Hammer of Justice erzählt Lemire, wie die Helden aus Black Hammer, die auf einer Farm gefangen sind, mit Superman, Batman, Wonder Woman, Flash und Cyborg tauschen. Verantwortlich ist ein mysteriöser Mann mit violetter Kleidung. Für die DC-Helden sind plötzlich (wie einst in Black Hammer) zehn Jahre vergangen, während die Black-Hammer-Helden sich vor Aquaman, Martian Manhunter und Hawkgirl verantworten müssen. Und dann trifft Colonel Weird auf Green Lantern (John Stewart).

Ohne tieferen Sinn oder Mehrwert

Keine Frage: Jeff Lemire ist ein überaus fähiger Autor, der dieses Gipfeltreffen kurzweilig und sogar witzig gestaltet. Golden Gail baggert Aquaman und Martian Manhunter an, dann fragt sie sich (wunderbar selbsreferenziell), warum sie in der DC-Welt nicht fluchen darf, aber im Finale lösen sich die Probleme schnell, ohne dass sie je als echte Probleme erschienen waren – da nimmt sich die Geschichte selbst nicht ernst. Zeichner Michael Walsh lässt das alles auch solide aussehen. Aber am Ende bleibt auch die Frage: Was sollte das?

Der Verantwortliche für das Ganze ist vorhersehbar (auch wenn ich gehofft hatte, falsch zu liegen). Ein tieferer Sinn ergibt sich leider nicht, aber auch kein großer Mehrwert: Die Haupthelden beider Welten treffen nämlich durch den Austausch nicht aufeinander, haben meistens nichts miteinander zu tun. Der Kampf mit den drei DC-Helden wirkt bemüht. Konnte Martian Manhunter nicht mal Gedanken lesen? Wäre damit nicht das Missverständnis aus der Welt geschafft?

Vergessenswertes Gipfeltreffen

Stattdessen sehen wir, wie sich die DC-Helden ideal ins Farm-Szenario fügen: Clark Kent ist ohnehin ein Landei und ist damit wie Abraham Slam der Anführer, der sich dort am wohlsten fühlt, Batman ist der Tüftler, der nach einer Lösung sucht, Cyborg lässt sich mit Talky Walky kurzschließen, Flash nimmt die Rolle von Black Hammer ein … Fragt sich: Wozu der Rollentausch, wenn die Rollen ohnehin gleich besetzt werden?

Am treffendsten fasst es Madame Dragonfly am Ende zusammen: „You’ll all forget this ever happened by morning. It will all just be another imaginary story.“ Recht hat sie. Damit dürfte auch die Frage nach dem Sinn geklärt sein. Es geht bei diesem Gipfeltreffen, wie so oft, nur darum, für eine Weile etwas zusammen zu sehen, was nicht zusammen gehört. Insofern: Zweck erfüllt, weiter im Text.

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Joker feiert Geburtstag

DC Comics

Titel: Dreadful Birthday, Dear Joker… !

Autor/Zeichner: Len Wein/Walt Simonson

Erschienen: 1980 (Batman #321), Paperback 1988 (The Greatest Joker Stories Ever Told), Hardcover 2019 (The Joker: The Bronze Age Omnibus)


Im Jahr 1980 wurde der Joker 40. Im Comic nahm der Schurke das erstmals zum Anlass, seinen Geburtstag zu feiern. Eingeladen sind Comissioner Gordon, Robin, Alfred und ein paar andere seiner Feinde. Einladen heißt in dem Fall: Der Joker entführt sie der Reihe nach in seinem Jokermobil und fesselt sie an ein Karussell.

Am nächsten Tag lädt er Gotham unter falschem Vorwand, dass eine Bäckerei kostenlose Kostproben verteilt, in eine riesige Halle. Ganz falsch ist die Info nicht, denn der Joker stellt eine riesige Geburtstagstorte auf die Bühne, an jeder Kerze ist einer der Entführten drapiert und jede Kerze soll explodieren.

Als dann Batman auftaucht, ist er der Ehrengast. Um die anderen zu befreien, liefert er sich selbst aus, der Joker willigt ein und fesselt ihn an die größte Kerze auf der Torte. Natürlich lässt er die anderen nicht frei. Aber auch Batman trickst: Er drückt einen Knopf an der Seite der Kerze, sie fliegt davon und explodiert, aber Batman befreit sich, kappt mit einem Batarang die Lunten der Kerzen und der Geburtstag ist verdorben – eine Blamage vor großem Publikum.

Am Ende gibt es noch eine kleine Verfolgungsjagd auf dem Wasser, der Joker düst mit einem Motorboot davon und es endet mit einer Explosion ohne Leiche. Ob er diesmal wirklich tot ist, fragt Robin am Ende. Und man möchte ihm eine der berühmten Ohrfeigen verpassen. Denn die Frage ist genauso ein Klischee wie Jokers Trick mit der falschen Hand.

Jokers Killer-Spielzeug

DC Comics

Leider sind die späteren Geschichten der 80er voll davon. In“ The Joker’s Rumpus Room Revenge“ (Detective Comics #504) lässt sich der Schurke eine Reihe von Killer-Spielzeug bauen, lockt Batman in eine Eiscreme-Fabrik und lässt einen Samurai-Springteufel-Joker und andere Roboter auf ihn los.

Batman löst das Problem, indem er alle Spielzeuge gegeneinander kämpfen lässt. Und wie kommt er auf den Standort der Fabrik? Mit der guten alten Schlamm-Analyse von Jokers Schuhen. Dieser Detektivtrick ist so ausgelutscht und unglaubwürdig, dass er schon damals längst eingemottet gehörte. Aber auch in den 80ern waren die Autoren nicht unbedingt kreativer als in den 50ern.

Joker setzt sich ein Denkmal

„I try never to use the same joke twice“, heißt es dann in „Last Laugh“ (Batman #353). Deshalb vergiftet er einen respektlosen Komplizen mit einem Schlangenbiss. Dann stiehlt er einen Computer, der präzise Sprengungen vornimmt, um sich ein Denkmal zu setzen: ein überdimensionales Joker-Gesicht in Stein, ähnlich wie am Mount Rushmore. Der Joker will endlich wieder von einem breiten Publikum bewundert werden.

DC Comics

Aber damit es noch lustiger wird, lockt er Batman (mal wieder) in eine Falle, knockt ihn aus und fesselt ihn an den Felsen. Batman befreit sich, blockiert das Signal, kann die Explosion aber nicht verhindern. Der Joker bekommt sein Ebenbild in Stein – aber das fällt kurz darauf wieder zusammen.

„Cleverness is a highly overrated virtue, detective!“, sagt der Joker. „Cleverness can make you dead!“ Etwas bemüht, der Spruch denn etwas mehr Cleverness würde dem Joker sicher nicht schaden. Am Ende lacht Batman, während der Joker baden geht. Aber so schwer ist es eigentlich nicht, Batman zu töten – denn der kommt oft nur mit Glück davon. So oft wie der Joker ihn schon gefangen genommen hat, müsste Batman längst tot sein. Nur wo wäre dann der Spaß?

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Von Arkham bis ans Ende der Welt

DC Comics

Titel: Batman – Last Knight on Earth

Autor/Zeichner: Zack Snyder/Greg Capullo

Erschienen: 2019 (#1-3), Hardcover 2020


Es beginnt mit einem seltsamen Fall für Batman: Jemand zeichnet in ganz Gotham eine Kreidelinie auf die Straße, die Batmans Silhouette bildet, wie bei einer Leiche an einem Tatort. Batman folgt der Spur zur Crime Alley, wo er einen halbverwesten Jungen findet, der auf ihn schießt.

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Plötzlich findet sich Bruce Wayne als Patient in Arkham Asylum wieder, wo ihm ein Arzt, der aussieht wie der Joker, erklärt, er habe sich die Sache mit Batman nur eingebildet und sei jetzt auf dem Weg der Besserung (vgl. Mask). Alfred taucht auf und bestätigt das. Doch als Bruce sich wehrt und ausbrechen will, klärt ihn Alfred auf, dass die ganze Show nur inszeniert wurde, um ihn vor der bitteren Wahrheit zu schützen: Gotham und der Rest der Welt sind nicht mehr. Das Böse hat gesiegt.

Dann wacht Bruce in einer Wüste auf und findet den sprechenden Kopf des Jokers in einem Glas. Gemeinsam laufen sie durch eine post-apokalyptische Welt, in der ein neuer Schurke namens Omega alles beherrscht, während nur noch wenige Helden im Untergrund Widerstand leisten.

Eine völlig neue Welt

Keine Sorge, nichts gespoilert, das war nur der erste von drei Teilen. Was danach folgt, ist eine Reise durch die zerstörte Welt, bei der Batman herauszufinden versucht, was genau passiert ist. Autor Scott Snyder und Zeichner Greg Capullo, die bereits zehn Bände Batman und das Event Dark Nights: Metal miteinander gemacht haben, tischen für ihr angeblich allerletztes Batman-Abenteuer einen Haufen skurriler Ideen auf, mit der sie ihrer Dystopie anreichern. Es liest sich zuweilen wie ein Remix einiger Elseworlds-Storys.

Wie so oft gibt es einige überraschende Wendungen, zum Schluss sogar eine sehr überraschende, aber vor dem Hintergrund der Batman-Comics der vergangenen Jahre durchaus nachvollziehbare – allerdings nur, wenn man die Bezüge und Anspielungen versteht. (Angefangen von Court of Owls bis Bloom.)

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Damit ist Last Knight On Earth (wie schon Metal und The Batman Who Laughs) ziemlich voraussetzungssreich, wodurch sich viele unbedarfte Leser hier abgehängt fühlen könnten. Aber auch Fans, die die ganze Vorgeschichte kennen, müssen sich in dieser völlig neuen Zukunftswelt mit ihren ganz eigenen Regeln zurechtfinden – so wie der Held. (Ich muss zugeben: Ich habe selbst nicht alles verstanden.)

Wenn ein Meister wie Greg Capullo am Werk ist, lässt man sich gerne auf dieses Spiel ein. Und dankenswerterweise ist die Story trotz ihrer Fülle kurzweiliger als das, was zuletzt von Snyder kam.

Ach ja, das Ende ist das übrigens noch lange nicht: Im Mai beginnt das Event Dark Nights: Death Metal – ebenfalls von Snyder und Capullo, und ebenfalls mit Batman.

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Joker bringt Batman zum Lachen

DC Comics

Titel: This One’ll Kill You/The Joker’s Playground of Peril

Autor/Zeichner: Dennis O’Neil/Irv Novick

Erschienen: 1975/1977 (Batman #260, 286), Hardcover 2019 (The Joker: The Bronze Age Omnibus)


Viele Joker-Geschichten beginnen damit, dass der Joker aus Arkham ausgebrochen ist. Das Wie wird selten erklärt, als wäre es ganz normal, dass ein Massenmörder bei einer geschlossenen Anstalt ein- und ausgeht. Zwei Geschichten aus den 70ern machen sich immerhin die Mühe und gehen dabei einigermaßen kreativ vor.

In This One’ll Kill You vergiftet der Joker in Arkham den Kaffee der Wärter, lässt sie in Gelächter ausbrechen und sie lassen ihn entkommen. Doch vorher taucht Batman auf (er hat einen Tipp von Two-Face bekommen) und bekommt im Handgemenge mit den Insassen selbst einen Schluck vom Kaffee ab. Daraufhin lernt der Dunkle Ritter das Lachen – und zwar bei den unpassendsten Gelegenheiten.

Nur zwei Ärzte haben das Gegenmittel, nur einer ist in den USA – doch der Joker schickt ihm Blumen und die sind dann das letzte, das er zu schnuppern bekommt. Also muss Batman nach London fliegen, wo der zweite Arzt ist. Aber dort lässt er sich auch nur lachend vom Joker umhauen.

Im Finale, im stillgelegten Comedy Manor, inszeniert der Joker eine Hinrichtung des Arztes mit einer Guillotine. Während eine Kerze das Seil ankokelt, das das Fallbeil hält, erzählt der Joker einen schlechten Witz nach dem anderen. Batman kippt fast um vor Lachen. Doch dann beherrscht er sich mit einem Trick: Er denkt an Marx-Brothers-Szenen, die wirklich lustig sind. Denn wie sich später herausstellt, wirkt das Joker-Gift nur bei schlechten Witzen.

Womit wieder bewiesen wäre: Clowns sind nicht komisch.

Joker-Jagd auf dem Rummelplatz

DC Comics

Eine andere kreative Form des Ausbruchs findet sich in The Joker’s Playground of Peril (Batman #286, 1977). Der Joker entführt einen Psychiater, was sehr naheliegend ist, aber er tut es in einem Eiswagen, was dann wiederum die Frage nach der Intelligenz des Wachpersonals aufwirft. Auf der Straße schmeißt der Joker den Psychiater raus und bespritzt ihn mit einer Flüssigkeit, die ihn schrumpfen lässt. (Achtung, Wortspiel mit „shrink“!)

Wie der Joker an das Mittel kommt, um diesen Gag auszuführen, wird nicht erklärt. Daraufhin folgt eine Jagd über den Rummelplatz. Batman sucht eigentlich einen Juwelenschmuggler, findet den Joker, der aber nur der als Joker verkleidete Anwalt des Jokers ist, wie sich im Liebestunnel (!) herausstellt. Zwischendrin brennt noch eine Rutsche, Batman muss ein Kind retten. Und als am Ende endlich der wahre Joker auftaucht, spritzt er Batman Senf ins Gesicht und es kommt zum Showdown im Spiegelkabinett. Der Joker versucht, Batman zu erwürgen. Einfallslos, aber effektiv, wenn man die baldige Rückkehr in die Gummizelle vermeiden will.

Darum ging es also in der Geschichte: Der Joker wollte sich an seinem Anwalt rächen, weil er ihn nicht vor dem Irrenhaus bewahrt hat. Aber warum hat der sich dann überhaupt so verkleidet wie der Joker, wenn er Angst vor ihm hat? Fragen über Fragen – Batmans Welt bleibt trotz aller Erklärungen oft rätselhaft …

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Honest Trailers zu Birds of Prey und Justice League: The Snyder Cut

Birds of Prey hat im Kino gerade einmal etwas mehr als 200 Millionen US-Dollar eingespielt. Das mag doppelt so viel sein wie die Produktionskosten, aber dürfte kaum genug sein, um sie zu decken. Obwohl der Film überwigend positiv besprochen wurde, blieb ihm der kommerzielle Erfolg des miesen Suicide Squad verwehrt. Das mag daran liegen, dass das Leben unfair ist. Oder einfach daran, dass Birds of Prey keinen Erfolg verdient (wie ich finde).

Wie dem auch sei: Was sich an dem Streifen aussetzen lässt, haben die Screen Junkies in ihrem Honest Trailer mal wieder wunderbar auf den Punkt gebracht, auch wenn ich nicht mit allem einverstanden bin. Allerdings ist es sehr richtig beobachtet, dass Harley Quinn sich nicht wirklich vom Joker emanzipiert, wenn sie im Grunde weiterhin seine Clowns-Masche kopiert.

Schluss mit dem Snyder-Cut

Und dann gibt es noch einen Honest Trailer zum „Snyder Cut“ von Justice League (zu dem es bereits einen Honest Trailer gibt.) Bevor jetzt alle Anhänger jubeln: Nein, Warner Bros. hat noch immer nicht den „Snyder Cut“ veröffentlicht – und wird es wohl auch niemals tun. (Hintergrund: Nach dem Rückzug von Regisseur Zack Snyder in der Postproduktion hat Joss Whedon den Film zum Teil umgeschrieben und neue Szenen gedreht, dafür andere rausgeschnitten, die etwa im Trailer zu sehen waren.) Also bitte hört endlich damit auf, einen Film zu fordern, der wahrscheinlich nicht besser sein wird als das, was im Kino zu sehen war.

Für alle, die diese nicht enden wollende Fan-Aktion so nervt wie mich, bietet dieser Honest Trailer eine wunderbare Parodie darauf. Viel Spaß damit!

Batman als Trauerbewältigung

DC Comics

Titel: Batman: Creature of the Night (dt. Kreatur der Nacht)

Autor/Zeichner: Kurt Busiek/John Paul Leon

Erschienen: 2017-2019 (Mini-Serie #1-4), Hardcover 2020; dt. Panini 2020


„The world doesn’t become what we want, just because we want it to.“ (Alfred)

Realismus und Superheldencomics – das ist ein Thema, über das man eine Doktorarbeit schreiben könnte. In ihren ersten drei Jahrzehnten hatten Superheldencomics fast nichts mit der Realität zu tun, und dann immer weniger. Es waren meist eskapistische Kindergeschichten. Was mit Adam Wests Batman zumindest eine Weile Kult war, musste sich später den Vorwurf gefallen lassen, dass Superhelden die Relevanz fehlte, sich mit der Welt auseinander zu setzen.

Spätestens seit dem Bronze Age änderte sich das: Superhelden nahmen sich realer Probleme an. Sozialkritik hielt Einzug in die Comics, aber auch immer wieder der Vorwurf: Wenn Superhelden so mächtig sind, warum erlösen sie dann nicht die Welt? Die Antwort, die man dann lesen konnte, war: Weil die Menschen ihre Probleme selbst lösen müssen. (Zwischen den Panels stand natürlich: Weil es dann nichts mehr für Superhelden zu tun gäbe.)

Kurt Busiek hat sich in den 90ern mit Marvels gefragt: Was wäre, wenn die Marvel-Helden tatsächlich Teil unserer Welt wären? Wie würden die Menschen darauf reagieren? Was würde es mit uns machen? Und dann ging er mit Superman (Secret Identity) noch weiter: Was wäre, wenn in einer Welt, in der Superman nur ein Comic-Held ist, tatsächlich ein Junge Superkräfte bekäme wie er?

Batman-Fanboy wird zum Opfer

Das Resultat war nicht ganz so spannend wie Marvels, wurde aber gemeinhin gefeiert. Und was sich einmal gut verkauft, kann man in der Regel auch ein zweites Mal an die Leser bringen. Also Busiek das Gleiche noch einmal mit Batman gemacht: Creature of the Night.

Der Held der Geschichte ist Bruce Wainwright, ein Junge, der Ende der 60er mit seinen Eltern in Boston lebt – eine ganz normale Mittelstandsfamilie. Bruce ist ein Batman-Fan, liest Comics, verkleidet sich zu Halloween. Dann kommt er seinem Idol sehr nahe, als bei einem Einbruch seine Eltern erschossen werden. Bruce wird aber nicht zum Rächer, sondern zu einem Musterschüler und verwendet sein Erbe, um ein Super-Investor zu werden und (inspiriert von Comics wie Batman #217) Opfern von Verbrechen zu helfen, wie etwa einem Mädchen namens Robin.

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Doch in der Stadt taucht auch eine geflügelte schwarze Gestalt auf, die sich aus Fledermäusen zusammensetzt und Verbrecher dahinmetzelt. Allerdings spricht niemand darüber. Für Bruce stellt sich die Frage: Bildet er sich das nur ein? Hat er vielleicht sogar die Kreatur erschaffen? Wird aus Wunschdenken Realität? Nein, sagt sein Vormund, ein Onkel, den Bruce (natürlich) Alfred nennt. Das Leben ist kein Wunschkonzert. Aber was ist, wenn doch?

Bruce und Batman machen später gemeinsame Sache gegen das organisierte Verbrechen, doch merkt Bruce schnell, wie aussichtslos der Kampf ist: Kaum ist ein Boss ausgeschaltet, kommt der nächste nach. Das Leben ist nicht so einfach wie im Comic. Bruce verbittert, radikalisiert sich. Als Bruce ahnt, wer dieser Batman sein könnte, wird er eins mit ihm …

Batman als Schreckgespenst

Creature of the Night lässt sich viel Zeit. Über 50 Seiten pro Ausgabe. Aber das Meiste ist bloß Introspektion und Nacherzählung: mal aus Bruces, mal aus Alfreds, mal aus Robins Sicht. Der Kampf gegen das Verbrechen gerät zur Nebensache. Der einzige Spannungsbogen besteht in der Frage: Was ist mit Bruce los? Die Auflösung will ich nicht verraten, nur so viel: Sie ist ernüchternd.

Damit ist Creature of the Night eine alternative Bruce-Story, die keine Batman-Story sein will, aber dann doch so viel Batman ist, dass man sich fragt, worin der Mehrwert dieser Geschichte besteht. Keine Frage: Unter all den vielen Batman-Comics ist dieses eindeutig etwas Anderes. Die Stimmung, die Zeichner John Paul Leon erschafft, irgendwo zwischen Noir und Horror, erinnert an David Mazzucchelli in Year One oder Michael Lark in Gotham Central. Aber die Prämisse, Batman in der Realität zu verankern, löst sich am Ende als Schreckgespenst auf. Batman wird zum Mechanismus der Trauerbewältigung.

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In gewisser Weise erinnert die Idee an Dark Night: A True Batman Story (2016). Darin erzählt Paul Dini, wie Batman ihm als imaginärer Dialogpartner hilft, eine traumatische Erfahrung zu verarbeiten. Batman wird zunächst in Frage gestellt, dann aber als Inspirationsquelle rehabilitiert. Ähnlich ist es bei Creature of the Night, nur dass zuerst die Inspiration kommt, Gutes zu tun und dann die Desillusionierung.

Am Ende läuft es auf eine Erkenntnis hinaus: Batman gibt es wirklich – als Idee. Mehr Realität braucht es nicht.

Aber lohnt sich Creature of the Night? Sagen wir es mal so: Zwischen dem ersten und dem letzten Heft sind zwei Jahre vergangen. Vergleicht man Wartezeit und Ertrag, dann eher nicht.

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Alfred als Spion im Auftrag Ihrer Majestät

Alfred stellt sich den Waynes vor. (DC Comics)

Titel: Regnum Defende

Autor/Zeichner: Scott Beatty/Jeff Parker

Erschienen: 2005 (Detective Comics #806-807), Paperback 2020 (Batman Allies: Alfred Pennyworth)


Alfreds Vorgeschichte wurde im Laufe der Jahre immer weiter ausgebaut und verändert. Anfangs war er nur ein aufdringlicher und trampelhafter Butler, der Detektiv werden wollte. Dann wurde er zu einem Kriegshelden, der den französischen Widerstand gegen die Nazis unterstützte (und nebenbei eine Tochter zeugte). In The Untold Legend of the Batman #2 (1980) half er Flüchtlingen aus Deutschland, dem Nazi-Regime zu entkommen.

Seine wahre Leidenschaft war aber die Bühne. Doch Alfred musste seine Karriere als Schauspieler beenden, nachdem sein Vater ihm das Versprechen abrang, die Familientradition als Butler aufrecht zu erhalten. Noch später, in Waiting in the Wings (Batman Annual #13, 1989), will er nach Bruces Wanderjahren zurück auf die Bühne, überlegt es sich aber anders, als er sieht, wie Bruce sich selbst in Theatralik versucht …

Alfred gegen Nazis und Kommunisten

25 Jahre später, in Regnum Defende, läuft die Geschichte wieder ganz anders: Alfred ist Schauspiellehrer für den britischen Geheimdienst (MI-5), unterrichtet etwa, wie man in einer Menschenmenge verschwindet. Allerdings hat er keine Erfahrung im Außendienst. Da bekommt den Auftrag, in Polen ein paar Superschurken auszuspionieren, darunter Parsifal, einen alten Nazi, der Superkräfte ausschalten kann.

Es herrscht der Kalte Krieg, auch Sowjet-Schurken wie Red Scare und Iron Curtain sind da, aber auch Blitzkrieg und die Walküre Gudra. Ich habe nicht ganz verstanden, wie diese bunten Gestalten, die konkurrierenden Ideologien dienen, zusammenpassen und was sie zusammen machen. Jedenfalls darf Alfred sie als Butler bei einem Empfang bedienen. Als er sieht, dass ein anderer Spion Parsifal vergiften will, rettet er ihm das Leben. Dann wird Red Scare erschossen und Alfred outet sich als Spion …

Als er nach dieser Aktion untertauchen muss, wird er zum Butler für die Waynes. Alfred heißt damals noch Beagle. Und dank eines besonderen Pennys, der ihm das Leben rettet, nennt er sich Pennyworth. So werden alle Stränge der Tradition miteinander vereint. (Und zugleich der Grundstein für die spätere TV-Serie Pennyworth gelegt.) Außer der des tollpatschigen Möchtegern-Ermittlers – der ist endgültig in der Mottenkiste gelandet. Aber wer weiß, im Comic darf man bekanntlich niemals nie sagen …

>> Alfred-Pennyworth-Comics

Der unschuldige Joker

DC Comics

Titel: Death Has the Last Laugh/Only Angels Have Wings

Autor/Zeichner: Bob Haney, Dan Mishkin, Gary Cohn/Jim Aparo

Erschienen: 1974/1982 (The Brave and the Bold #111/#191), Hardcover 2019 (The Joker: The Bronze Age Omnibus)


Eigentlich ist die Serie The Brave and the Bold für Crossover zwischen Batman und einem Gaststar gedacht, mit dem er sonst nicht viel zu tun hat. Aber zweimal war sein Partner der Joker – und beide Male wurde er verdächtigt, Morde begangen zu haben, was er jedes Mal abgestritten hat.

In Death Has the Last Laugh wird eine Familie tot aufgefunden – der Joker hat am Tatort seine Karte hinterlassen, doch von Grinsegrimassen fehlt jede Spur. Die wird dann plötzlich im Leichenschauhaus nachgetragen. Höchst seltsam, selbst für den Joker. Batman ist stinksauer. So sauer, dass er Commissioner Gordon droht, seine Jungs sollen sich lieber beeilen, denn wenn er, Batman, den Joker erwische, könne er für nichts garantieren.

Auf Krawall gebürstet mischt Batman die ganze Stadt auf, um eine Spur zu finden, aber als er den entscheidenden Tipp bekommt, will sich der Joker gerade in der Sauna an einem gewissen Slade dafür rächen, ihm den Mord angehängt zu haben. Batman wird dabei von Slade angeschossen. Später verbündet er sich mit dem Joker, um Slade zu fassen. Doch das geht gründlich schief, weil Batman auffliegt, als er sich in dessen Wagen schleicht.

Am Ende führt die Spur zu einem stillgelegten Kanal. Batman steigt hinab ins Becken, um der Spur einer Joker-Karte zu folgen, da lassen der Joker und Slade das Wasser ein. Die ganze Aktion war diente nur dazu, um Batman zu ertränken. Sie hätten ihn vorher schon in der Sauna erschießen können, der ganze Plan erscheint mal wieder unnötig aufwendig, aber egal.

Batman befreit sich auch aus diesem Schlamassel, der Joker will mit dem Batmobil fliehen, kann aber nicht, weil er den Code fürs Autoradio nicht kennt. Der lautet: BATMAN. Wer solche Passwörter hat, sollte sich nicht wundern, wenn er auf der Schurkenjagd fast draufgeht, aber so schnell hat der Joker zum Glück nicht geschaltet. In dem Fall hätte es auch gereicht, den Autoschlüssel mitzunehmen …

Der Joker tötet den Pinguin

DC Comics

Acht Jahre später, in Only Angels Have Wings, ermordet der Joker den Pinguin live bei einem Fernsehauftritt. Dann lockt er Batman mit dem Jokersignal zum Jokermobil, verpasst ihm erstmal eine riesige Faust, die aus einem Kofferraum springt, beteuert dann aber seine Unschuld. Batman hat zwar nicht den geringsten Grund, ihm zu glauben, immerhin hat der Clown ihn schon einmal so reingelegt (siehe oben), aber andererseits: Warum sollte der Joker einen Mord nicht für sich reklamieren? Immerhin gibt er daraufhin zu, einen von Pinguins Handlangern vergast zu haben.

Der Joker aber will angeblich den Fall aufklären, um sich für den Pinguin zu rächen – er habe an dem Vogel gehangen. Also lässt sich Batman widerwillig auf die temporäre Partnerschaft ein und sie ermitteln gemeinsam. Dass der Joker gerade einen Mord gestanden hat und später zweimal versucht, Batman umzubringen, bringt den Dunklen Ritter aber auch nicht davon ab, das Spiel weiter mitzuspielen.

Als er den toten Pinguin aufgebahrt im Sarg liegen sieht, schaut der beste Detektiv der Welt nicht einmal nach, ob die Leiche echt ist. Spoiler: Ist sie natürlich nicht. Der Plan dahinter ist so weit hergeholt, dass jeder Erklärungsversuch scheitern muss. Der Pinguin hat seinen Mord inszeniert, damit er (im Nonnenkostüm) einen Kardinal entführen kann, der zu seiner Totenfeier ein Kardinal aus Rom kommt, dann will er den Vatikan um Millionen erpressen. (Außerdem ist Kardinal auch der Name eines Vogels …) Der Kardinal kommt, weil der Pinguin der Kirche Geld gespendet hat. Aber demnach war der Schurke gut bei Kasse – wozu also … Ach, vergesst es. Am Ende werden beide eingebuchtet.

Mehr zum Thema:

Batman auf Eiersuche

DC Comics

Titel: Batman Universe (dt. Die Jagd des Dunklen Ritters)

Autor/Zeichner: Brian Michael Bendis/Nick Derington

Erschienen: 2019-2020 (Mini-Serie #1-6), Hardcover 2020; dt. Panini 2020 (Paperback)


Brian Michael Bendis hat sich zwei Jahrzehnte lang einen Namen als Autor bei Marvel gemacht, seit 2018 schreibt er Superman – und jetzt schickt er auch noch Batman quer durchs ganze Universum. Und das kommt so: Der Riddler hat ein Fabergé-Ei gestohlen, das 15 Millionen US-Dollar wert ist. Batman versucht, es wiederzubeschaffen. Doch jedes Mal, wenn er es in die Finger bekommt, erlebt er eine Überraschung.

Batman gleitet (DC Comics)

Zum Beispiel: Deathstroke kommt ihm in die Quere, die Reise geht nach Gorilla City, Dinosaur Island, Thanagar und sogar in den Wilden Westen von Jonah Hex. Hinter all dem steckt der unsterbliche Schurke Vandal Savage. Zwischendurch helfen ihm Green Arrow und Green Lantern. Am Ende wird Batman selbst zu einem – ACHTUNG SPOILER! – … ach nee, ich verrat’s lieber nicht.

Batman mit Green Lantern auf Dinosaur Island (DC Comics)

Batman Universe ist eine wilde Schnitzeljagd, die nie langweilig wird, ständig etwas Neues und Unvorhergesehenes bietet und dabei bestens unterhält, weil sie sich selbst nicht ernst nimmt. Die Dialoge sind durchzogen von einem wunderbaren Humor, der für Batman eher unüblich ist, aber die Story trotzdem nicht lächerlich macht. Innere Monologe fehlen, stattdessen gibt es für Batman immer wieder Anlässe, Selbstgespräche zu führen oder laut sein Innerstes in einer ungeahnten Offenheit preiszugeben.

Batman kämpft sich mit Nightwing durch. (DC Comics)

Das Ganze liest sich wie eine Hommage an das naive Silver Age, als noch alles möglich war und auch hier darf man bloß nicht nach dem tieferen Sinn fragen: Warum katapultiert das Ei Batman nach Thanagar, in den Wilden Westen und dann nach Crime Alley? Ganz einfach: Weil es cool ist, dass Batman Flügel bekommt, sich wie ein Cowboy kleidet und dann fast an derselben Stelle erschossen wird wie seine Eltern. Warum Gorilla City? Warum hauen Green Arrow und Green Lantern nach kurzer Zeit wieder ab? Egal! Es macht einfach nur Spaß.

Und das auch in visueller Hinsicht. Zeichner Nick Derington hat mich bereits mit seinen Covern für Mister Miracle beeindruckt, aber sein Batman ist einfach umwerfend: Mal bestechend schlicht, mal spektakulär und detailreich, aber immer so lebendig, dass sich darin die ganze Lakonie der Story wiederfindet. Jede der knallbunten Seiten eine Augenweide, ich konnte nicht genug bekommen, ja, ich muss gestehen: Derington ist mein neuer Lieblingszeichner.

Muss ich noch mehr sagen? Nein, genug gelobt. Na gut, vielleicht noch ein kurzes Schlusswort: Batman Universe ist kein typischer Batman, aber genau das ist so toll daran. Es ist erfrischend anders und doch klassisch, geeignet für Einsteiger wie alte Fans. Bitte mehr davon, Mr. Bendis! Und mehr von Derington kann man derzeit in der Serie Batman/Superman bestaunen.

(Hinweis: Batman Universe erschien seit 2018 zuerst im Batman 100-Page Giant, einer Serie, die nur über Walmart vertrieben wurde.)

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