Two-Face

Batman Earth One 2: Versuch und Irrtum

DC Comics

DC Comics

Titel: Earth One Vol. 2

Autor/Zeichner: Geoff Johns/Gary Frank

Erschienen: 2015 (One-shot)


„You’re not much of a detective, are you?“ (James Gordon)

„See, Bruce, you might have worked out who you are. But in Gotham, you never know who anyone else really is.“ (Alfred Pennyworth)

Dieser neue Typ im Fledermauskostüm mag zwar gut darin sein, den Abschaum der Straße aufzumischen, aber er hat keine Ahnung davon, wie man sein Hirn benutzt: Am Tatort trampelt er auf Beweisen herum, verwischt mögliche Fingerabdrücke. Batman hat sich schon mal geschickter angestellt. Doch auf Erde eins ist er nicht nur ein Neuling, er ist auch ein Greenhorn, dessen Lehrjahre mit dem Anlegen der Maske und dem Bestehen der ersten Feuerprobe noch längst nicht beendet sind. Während er sich von James Gordon sagen lassen muss, mal seinen Verstand einzuschalten, meint Alfred, er solle mal lieber ein scumbag oder lowlife vom Dach werfen, um ein Zeichen zu setzen.

Im zweiten Teil der Earth One-Saga, einer alternativen Welt, muss Batman Muskeln und Hirn einsetzen, um gegen zwei klassiche Schurken zu bestehen: Killer Croc und Riddler. Letzterer terrorisiert die Bürger Gothams mit Rätselspielchen, die darauf hinauslaufen, dass Menschen sterben – aber er selbst bleibt das größte Rätsel. Man hört nur seine Stimme, man sieht ihn nicht und weiß nicht, was er mit dem Terror vorhat. Schließlich fällt der Verdacht auf Bruce Wayne zurück, Alfred kommt in den Knast – und Batman rackert sich ziemlich ab, um nicht nur sich selbst zu behaupten, sondern auch seine Beziehung zu Jessica Dent, der neuen Bürgermeisterin und Zwillingsschwester von Bezirksstaatsanwalt Harvey Dent, aufzubauen. Der Bruder hat allerdings seine Vorbehalte.

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Prügel für den Wunderbengel

DC Comics

DC Comics

Titel: Robin: Year One (dt. Robin – Das erste Jahr)

Autor/Zeichner: Chuck Dixon/Scott Beatty

Erschienen: 2000-2001 (Mini-Serie #1-4, Paperback 2002, mit Batgirl Year One 2013) dt. Panini 2002


„Du schwörst, Unschuldige zu beschützen — und trotzdem hast du einen Jungen bei dir?“ (James Gordon)

Der Police Captain bringt das Problem auf den Punkt: Indem Batman ein Kind an seinem Kampf teilnehmen lässt, handelt er fahrlässig. Trotzdem schlägt sich Robin alias Dick Grayson in seinem ersten Jahr zu Beginn noch ganz gut, ganz allein bekämpft er den Mad Hatter. Doch dann wird er von Two-Face mit einem Baseballschläger fast totgeschlagen. Batman macht sich Vorwürfe, nie wieder etc., doch der Wunderknabe will nach seiner Genesung weitermachen. Weil er als Robin nicht darf, besiegt er zunächst Mr. Freeze in zivil, dann schließt er sich einer Racheakademie an, in der Kinder zu Killern ausgebildet werden. Als er den Auftrag bekommt, Two-Face umzulegen, bekommt er die Chance, sich zu rächen …

Robin: Year One ist eine Geschichte, die in der Tradition von Batman: Year One steht. Der Erzählstil ist ähnlich, wir verfolgen die Aufzeichnungen von Alfred, der in der Story die Rolle eines Mittlers einnimmt. Robin wird dargestellt als lebenslustiger, ungestümer und souveräner Verbrechensbekämpfer. Im Mittelpunkt steht das Verhältnis zu Bruce Wayne. Minuspunkte gibt es für die anfangs eingesetzte, aber nicht ausgeführte Liebesgeschichte. Die Zeichnungen erinnern in ihrer Schlichtheit ein wenig an den Animated-Stil, kommen aber nicht an die Klasse eines David Mazzucchelli heran.

Wer die Figur Robin hasst, könnte hier mit ihm versöhnt werden. Aber der Grundkonflikt, dass jemand, der so vorausschauend wie Batman ist, den gleichen Fehler mit Robin wiederholt, bleibt ein unaufgelöster Widerspruch. Doch darüber muss man zugunsten der Tradition hinwegsehen – genauso wie darüber, dass Batmans Seil nicht immer einen Ankerpunkt finden kann oder dass niemand auf den Trichter kommt, dass er Bruce Wayne ist. Comics haben ihre eigenen Regeln. Sie gelten auch für Robin.

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Fast ohne Schwächen

DC Comics

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Titel: Legends of the Dark Knight Vol. 1 (dt. Megaband 1: Gothams Legenden)

Autor/Zeichner: diverse

Erschienen: 2012-2013 (Legends of the Dark Knight #1-5, Paperback 2013), dt. Panini 2015 (enthält Legends of the Dark Knight #1-9)


„You know what my weakness is? I don’t have one. That’s what makes me better than them. That’s why I’ll always win. No vulnerability.“

„You’re wasting your time looking for rules to this game.“ (Joker)

„I have no effect. I just throw them in one end and the system spits them out the other.“ (Batman)

Ursprünglich war die Serie Legends of the Dark Knight, gestartet 1989, eine Plattform für hochwertige Geschichten aus der Frühzeit von Batman, dann kamen auch vereinzelt Elseworlds-Storys dazu. Darunter sind einige Klassiker wie Gothic, Prey, Venom und Faces. Nach einer fünfjährigen Pause (die gefüllt wurde von Batman Confidential) wurde die Serie 2012 wiederbelebt: als Anthologie von Kurzgeschichten unterschiedlicher Autoren und Zeichner. Das Beste daran ist, dass die Serie nicht an irgendwelche Continuitys gebunden ist, das heißt, die Macher können tun, was sie wollen. Und liest man die ersten Storys, spürt man nicht nur den Vorteil dieser Freiheit, man merkt  ihnen auch die Lust am Erzählen an.

Wie schon bei Black and White können sich die Autoren kreativ austoben und dabei kleine, aber feine Meisterwerke schaffen, die sich überwiegend auf die Hauptfigur konzentrieren und so intime Einblicke in sein Seelenleben ermöglichen. Wir sehen Batman saufen und großkotzig reden, wir sehen ihn an dem Sinn seines Kreuzzugs zweifeln, aber wir erleben ihn auch in Momenten absoluter Souveränität, in denen er Herr der Lage ist.

Der Band profitiert von seiner Vielfalt der Stoffe und der Form. Es tut gut, neben etablierten Zeichnern wie J.G. Jones (Wanted) auch extravagante Künstler wie Ben Templesmith zu sehen, dessen Stil an Sam Kieth erinnert. Schade ist jedoch, dass die Geschichten etwas jokerlastig geworden sind. Der Reiz der Autoren, eine Batman-Story mit dem größten Schurken zu erzählen, ist nachvollziehbar, aber es wirkt auf Dauer etwas einseitig. Die besten Geschichten kommen ohne den Joker aus.

Hier die Storys in der Einzelkritik:

1. The Butler Did It: Batman behauptet keine Schwächen zu haben, doch wird eines besseren belehrt. Damon Lindelofs Story (Lost, Star Trek: Into Darkness, The Leftovers) ist wegen seines Spoiler-Titels vorhersehbar, aber profitiert von den selbstgefälligen Äußerungen von Batman.

2. All of the Above: Batman bekämpft Amazo, der in den JLA-Satelliten eindringt. Sehr cool und supersmart. Bei allem guten Willen zur Fantastik erscheint nur unglaubwürdig, dass Batman schutzlos im Weltall überleben könnte. Aber hey: Batman würde sogar Chuck Norris umhauen.

3. The Crime Never Committed: Batman und Robin vereiteln einen Einbruch noch bevor er passieren kann, indem sie dem Täter seine Optionen offenlegen. Etwas zynisch ist Robins Rat am Ende: „Work it out.“ Der Junge hat leicht reden … Die Wayne Foundation scheint dieses Mal nicht einzuspringen, um einen armen Mann von seinem Elend zu befreien.

4. Crisis In Identity: Batman muss den Joker aufhalten, der mit dem Mad Hatter Menschen dazu bringt, sich als Batman verkleiden und bei ihren Einsätzen draufgehen. Sinnlos, aber der Joker sagt es auch selbst, dass sein Spiel keine Regeln hat. Hier sind die oben erwähnten Zeichnungen von Ben Templesmith einen Blick wert.

5. Letters to Batman: Auf der Suche nach dem Joker macht Batman mal eine Pause, um mal all seine Fanpost zu lesen. Dabei sieht er ein, dass seine Mühe nicht vergeblich ist, auch wenn der Joker immer wieder ausbricht, hilft Batman doch immer wieder Menschen, ein besseres Leben zu führen.

6. A Game to Die For: Ein neuer Vigilant namens Praetorian hält den Joker gefangen und muss sich dessen Psycho-Spielchen gefallen lassen. Gewagt ist an dieser Story vor allem der zittrige Zeichenstil, der mit seinen groben, kantigen Linien an den späten Frank Miller erinnert.

7. Batman: The Movie: Ein Schauspieler, der einen Batman-Film drehen soll,  hat Schwierigkeiten, sich in die Rolle hineinzuversetzen. Da kommt der Joker ans Set – und Batman himself. Doch letzterer hat auch keine hilfreichen Tipps zu bieten, wie man ihn am besten spielt. Einzig der Joker reflektiert ein wenig über das Wesen der Story: „The bad guy gets all the best lines.“

8. Together: Two-Face unterzieht sich einer Gehirnoperation, um sich einer Seite zu entledigen. Die typische Schizo-Nummer ist etwas durch.

9. A Slam Bradley Mystery …: Privatdetektiv Slam Bradley (eine Figur, die noch vor Superman von Jerry Siegel und Joe Shuster geschaffen wurde) wird Zeuge eines Mordes, dessen er zu Unrecht beschuldigt wird. Batman geht mit ihm vorschnell und hart ins Gericht, später prügeln sie sich gemeinsam durch. Eine schöne Hommage an die gute alte Zeit der Hardboiled-Helden im kantigen Noir-Stil.

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Legends of the Dark Knight: Faces

DC Comics

DC Comics

Titel: Faces (dt. Die Insel der Freaks)

Autor/Zeichner: Matt Wagner

Erschienen: 1992 (Legends of the Dark Knight #28-30, Paperback 1995), dt. Carlsen 1995


„Welcome to the funhouse. We hope you enjoy your stay.“ (Two Face)

Gesichter sind bei Batman immer ein großes Thema. Batman hat keins, oder genau genommen nur ein halbes, da der Rest von einer starren Maske verdeckt ist. Manche seiner Schurken tragen ebenfalls eine Maske oder haben entstellte Gesichter. Wie der Joker. Oder Two-Face. Das entstellte Gesicht ist Sinnbild für eine kaputte Seele. Eigentlich ist das nicht gerade aufgeklärt: Wer hässlich ist, muss auch böse sein (das gilt allerdings nicht für Frauen, die immer fantastisch aussehen – was auch einiges über das Frauenbild bei Batman aussagt, aber das ist ein anderes Thema.) In modernen Geschichten wird jedoch versucht, die Schurken psychologisch mit ausführlichen Vorgeschichten zu entlasten. Die Bösen sind Opfer der Umstände, der Gesellschaft.

So auch Two-Face. Als Harvey Dent war er ein idealistischer Staatsanwalt, ein Säure-Attentat machte ihn zum Schurken, der besessen von Dualität ist und seine Entscheidungen beim Münzwurf trifft. In Faces geht er noch weiter: Die Story handelt nicht von einem typischen Coup, der irgendwas mit der Zahl zwei zu tun hat, nicht von Rache oder Geld. Two-Face hat eine fast schon gemeinnützige Agenda: eine Absage an die Perfektion. Während er Morde an Schönheitschirurgen begeht, arbeitet er an einer Zuflucht für Ausgestoßene, wo Freaks wie er ungestört leben könne, ohne diskriminiert zu werden. Natürlich geht das nicht, wenn man dabei Menschen entführt, einschüchtert, erpresst oder umlegt. Außerdem wird Bruce Wayne um den Kauf einer Ferieninsel gebracht. (Wobei man sich fragen muss, was er damit soll, wo er doch nie Urlaub macht …)

Matt Wagner erzählt nicht irgendeine Geschichte. Und er erzählt sie auch nicht irgendwie. Mit seinem sparsamen, groben Zeichenstil, der an David Mazzucchelli erinnert, schafft er eine düstere Stimmung und reizt dabei mit ungewöhnlichen Panels das Medium Comic aus. Auf einer Seite sieht man einen Dialog auf einer runden Laufbahn von oben, der zugleich über mehrere kleine Panels in der Mitte führt. Auf einer anderen Seite arbeitet Wagner mit einer gestrichelten Linie, die den Gang einer Figur nachzeichnet, während sie unterwegs verschiedenen Freaks begegnet.

Das alles ist große Kunst. Es ist ein Genuss, sich das Zusammenspiel von Zeichnungen, Panels und Seitenlayouts anzusehen und die Geschichte hat auch eine Tiefe, bei der wieder einmal die Nähe zwischen Held und Schurke offenbar wird. Batman darf mal wieder Detektiv spielen, mehr Hirn als Fäuste benutzen. Er wird verletztlich dargestellt, aber bleibt immer noch souverän. Von solchen wohl abgestimmten Mischungen sollte es mehr geben.

Mehr zum Thema:

Brutstätte des Wahnsinns

Arkham Asylum : Madness

DC Comics

Titel: Arkham Asylum: Madness

Autor/Zeichner: Sam Kieth

Erschienen: 2010 (One-shot), dt. Panini 2011


„… the people here are actually very sad, and that can happen to any of us …“

„This place is killing me.“

„These very walls are the perfect recipe for madness.“

In diesem Comic hat Batman mal Pause. Stattdessen wird ein Tag in Arkham Asylum aus der Sicht der Angestellten gezeigt. Man erfährt, dass in der Anstalt nur die Insassen die gleichen bleiben, während das Personal verheizt wird. Die Menschen, die dort arbeiten, haben meist keine Wahl, weil sie verschuldet sind und sie ihr Leben notdürftig bestreiten müssen. So nehmen sie die Angst und den Frust in Kauf, den Arkham mit sich bringt: Entweder man stirbt dort oder man kündigt früher. Hier dient eine alte rostige Wanne außerhalb des Geländes, wo die Angestellten ihre Raucherpausen machen, als Insel der Glückseligkeit.

Hauptfigur ist die Krankenschwester Sabine, die den Job durchzieht, um für ihren Sohn zu sorgen. Wegen Personalmangels muss sie nach einer Tagesschicht auch noch eine Nachtschicht übernehmen. Der Antagonist ist, wie kann es anders sein, der Joker höchstselbst. Wir sehen ihn alte Schachteln von antiken Scherzartikeln sammeln. Man kann sich denken, dass er sich dieses Hobby nicht ohne Grund gesucht hat. Denn jede Box erzählt die Geschichte einer Grausamkeit am Personal. Zum Schluss spielt der Joker mal wieder den Narren, der die Heldin mit unbequemen Fragen quält. Gastauftritte gibt es von einem beängstigend-ungeheuerhaften Killer Croc im Wassertank, Poison Ivy, Harley Quinn, Scarecrow und Man-Bat. Und dann ist da noch eine zu langsam gehende Wanduhr, die blutet … – ein Symbol für die Gesamtsituation.

Sam Kieth findet einen ganz eigenen Weg, den Irrsinn zu verbildlichen. Er benutzt verschiedene Zeichen- und Maltechniken sowie Bildstile, vom cartoonhaft Überzeichneten bis zum Hyperrealistischen. Manche Panels sind Gemälde, andere wirken wie skizzenhafte Vorstufen. Die Virtuosität zeigt sich am meisten beim Finale, wenn der Joker in jedem Panel auf eine andere Art dargestellt ist: mal kantig, mal cartoonhaft, stets wie eine Karikatur seiner selbst. Selten war mehr Abwechslung als in diesem Comic. Man kommt nicht umhin, die Optik mit der zu vergleichen, die Dave McKean für Grant Morrisons Arkham-Story gefunden hat. Auch wenn es zuweilen Ähnlichkeiten gibt, bewahrt sich Sam Kieth einen ganz eigenen Zugang zum Thema Irrsinn und schafft es so, eine beklemmende, klaustrophobische Stimmung zu erschaffen. Arkham Madness verdient einen Platz im Regal gleich neben Morrisons Klassiker.

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Weitere Arkham-Storys:

Quer durch die Personalabteilung

DC Comics

DC Comics

Titel: Knight Terrors (Batman: The Dark Knight Vol. 1) (dt. Das Höllenserum)

Autor/Zeichner: David Finch/David Finch, Paul Jenkins

Erschienen: 2011/2012 (Batman: The Dark Knight #1-9)


„Du bist der Vater deiner Angst.“ (Batman)

Man darf sich ruhig fragen, wie sinnvoll es ist, eine neue Batman-Serie zu starten kurz bevor man alle Serien wieder von vorn beginnen lässt. So folgt nach Batman: The Dark Knight #5 wieder eine #1. Aber vergleicht man die beiden Stories, wirkt es so, als gäbe es keinen Unterschied bis auf das Logo auf Batmans Brust, das nicht mehr gelb leuchtet (wie blöd ist das denn?), sondern nur noch klassisch schwarz auf grau daherkommt. Erinnern wir uns: Zu Beginn von Golden Dawn war Killer Croc auf einem Venom-Verschnitt drauf. Spielte keine große Rolle, denn es ging eigentlich um Übersinnliches. Nach dem Neustart wird das Drogen-Thema wieder aufgegriffen, als hätte es nie ein Reboot gegeben macht Autor David Finch weiter, wo er aufgehört hat. Ein Unbekannter hat die Arkham-Insassen mit dem Gift vollgepumpt, daher ist in der Anstalt mal wieder die Hölle los, großer Aufstand etc.

Two-Face sieht aus wie Bane, furchtlos und kommt sich erleuchtet vor. „Furcht verhindert, dass wir wirklich leben“, sagt er, während er Batman vermöbelt. Und damit ist nicht nur das eigentliche Thema der Geschichte benannt, sondern auch einer der beiden Schurken, die für das Ganze verantwortlich sind: Scarecrow. Er analysiert Batman noch weiter als er es ohnehin mit sich selbst tut: „Dein Heldentum soll dich vor der Angst schützen“, sagt er. „Leben zu retten ist deine Sucht.“

Superman: Ein faschistoider Kontrollfreak

Die Story ist geradlinig und schlicht: Über sieben Ausgaben hinweg lassen die Autoren Batman einmal durch die Personalabteilung laufen: Neben Two-Face und Scarecrow treten Joker, Clayface, Poison Ivy und Bane auf, dazu eine leichtbekleidete Frau namens White Rabbit, die sicher nicht zufällig an ein Playboy-Bunny erinnert. Als wäre das nicht genug, schauen auch mal Flash, Wonder Woman und Superman vorbei, allerdings ohne für die Handlung von großem Nutzen zu sein. Flash ist gerade mal ein paar Panels lang dabei, da ist er schon vergiftet und muss wie blöde ein paar Mal um die Erde laufen, damit er das überlebt. Dann gibt es noch einen kurzen Kampf zwischen Batman und Superman – und jetzt dürfen die Leser mal raten, wer gewinnt. Immerhin darf Batman dem Stählernen mal die Meinung geigen: „Du bist ein in die US-Flagge gehüllter Außenseiter. Ein faschistoider Kontrollfreak.“

Zu den Stärken gehören die Sequenzen, die Gordon gewidmet sind. Der muss sich mit einem internen Ermittler rumschlagen, der ihm auf die Pelle rückt (übrigens auch ein Element aus Golden Dawn). Dass sich Batman in den Konflikt einmischt, macht es nicht besser. Gordon ist mal wieder der einsame Wolf, der seinen Frust im Schnaps ertränkt. Immerhin das hat Potenzial für weitere Konflikte – im Gegensatz zu dem bemühten Flirt zwischen Bruce Wayne und einer Frau namens Jaina Hudson …

Die Auflösung der Geschichte dürfte keinen vom Hocker hauen. Bleibt nur die Frage, was diese White Rabbit-Braut soll. Aber wenn man sie so sieht, in ihrem knappen Kostüm, das mehr zeigt, als es verbirgt, dann erübrigt sich die Frage. Hier geht es um reine Schauwerte. Leider überzeugen David Finchs Zeichnungen nicht durchgehend, besonders bei der Mimik versagen seine ansonsten soliden Fähigkeiten. Auch wenn der Auftakt der Serie eher durchschnittlich geraten ist und es an Phantasie vermissen lässt, liest sich The Dark Knight unterhaltsamer als Detective Comics.

>> Batman 2011-2019

Joker in „The Dark Knight“: Spielkamerad ohne Regeln

The Dark Knight

Titel: The Dark Knight

Regie/Drehbuch: Christopher Nolan/Jonathan Nolan, Christopher Nolan

Erschienen: 2008


„I believe whatever doesn’t kill you, simply makes you … stranger.“ (Joker)

In keiner Filmszene hat man Batman je verzweifelter gesehen, als in diesem Verhörzimmer. Er schlägt den Joker, schreit ihn an, er foltert ihn, er droht ihm sogar, seine einzige Regel zu brechen, um herauszubekommen, wohin der Joker Harvey Dent und Rachel Dawes bringen ließ – aber es nützt nichts. „You have nothing, nothing to threaten me with!“, sagt der Joker belustigt. „Nothing to do with all your strength!“ Schließlich verrät der Gegenspieler Batman die Adressen, als Akt der Gnade. Es ist gerade noch rechtzeitig – jedenfalls für eine der Figuren.

„You complete me“

Die Handlung von The Dark Knight ist ein perfides Spiel. Vielleicht das perfideste, das der Joker je gespielt hat. Denn es gibt keine Regeln, es gibt keinen Plan, der Joker hat so viele Steine ins Rollen gebracht, dass Batman gar nicht hinterherkommt, jedem einzelnen nachzujagen, ja sogar unter der Lawine unterzugehen droht. Das Problem daran ist, dass die Schuld auf Batman ruht. Er wird verantwortlich gemacht, dass der Joker Menschen tötet, dass es einen Joker überhaupt gibt. Der Schurke setzt sich selbst als Gegenstück zum Helden, sie bedingen sich gegenseitig: „I don’t, I don’t want to kill you!“, beteuert der Joker. „What would I do without you? Go back to ripping off mob dealers? No, no, NO! No. You… you… complete me.“ Später bekräftigt er das, indem er sich und Batman als Spielkameraden darstellt: „I won’t kill you because you’re just too much fun. I think you and I are destined to do this forever.“

Dennoch geht es bei diesem Spiel um mehr als bloß Spaß. Dem Joker will einen Kontrapunkt setzen, indem er das System aus Moral und Gesetz einerseits und Geld und Korruption andererseits in Frage stellt. „It’s not about money … its about sending a message.“ Der Joker verbrennt einen Berg voller Geld, er geht mit gutem Beispiel voran, er nimmt die Rolle eines Lehrers ein. Nicht von ungefähr stellt er sich – wie in einem Klassenzimmer – an den Kopf des Tisches bei der Gangster-Versammlung, nicht von ungefähr flieht er zwei Mal in einem Schulbus. Seine Lehre:

„You see, their morals, their code, it’s a bad joke. Dropped at the first sign of trouble. They’re only as good as the world allows them to be. I’ll show you. When the chips are down, these … these civilized people, they’ll eat each other. See, I’m not a monster. I’m just ahead of the curve.“

Der Joker ist seiner Zeit voraus, er ist die Kehrseite der Gesellschaft, die Fratze der Anarchie. In Bezug auf Harvey Dent, den er als Instrument des Wahnsinns missbraucht, macht er deutlich, wie einfach diese Seite in anderen hervorzubringen ist: „You see, madness, as you know, is like gravity. All it takes is a little push!“ Der Joker macht nur wenig, er lässt machen. Er nimmt sich die Schwachen, die Armen und die Verrückten vor, um sie zu Mördern oder Mittätern zu instrumentalisieren. Er vertauscht die Rollen von Opfern und Tätern, Polizisten und Schurken. Damit zeigt er Batman, wie leicht die Welt zugrunde gehen kann, die dieser sich zu retten bemüht.

Joker als Niemand

Von daher ist es auch egal, wer der Joker wirklich ist und wie er zu dem geworden ist, der er ist. Es ist vielleicht eine der besten Ideen dieses Films, ihn zu einem Mysterium, einem unergründlichen Phänomen zu machen. Seine Geschichten über seine Narben sind ebenso beliebig wie wahrscheinlich erlogen. Er ist die perfekte Verkörperung des Nihilisten – ein buchstäblicher Niemand. Nur aus einer solchen Position heraus kann er so handeln, wie er es tut. Wer nichts hat – auch keine Identität – kann nichts verlieren. Und das macht ihn so angsteinflößend. Gegen so jemanden kommt niemand an, nicht mal der Outlaw Batman. Dieser kämpft, weil er sehr viel zu verlieren hat, weil er nicht noch mehr verlieren möchte. Er will, dass sein Kampf aufhört und er überflüssig wird, weil die Bewohner Gothams selbst Zivilcourage zeigen. Batman soll nur mit gutem Beispiel vorangehen. Der Joker korrumpiert das Vorhaben. Nicht als einfacher Gangster – sondern als unberechenbare Instanz.

Mit der Inszenierung des Joker geht Christopher Nolan zurück zu den Ursprüngen der Figur. Schon in der ersten Story von 1940 verbreitet der Joker vor allem Angst, indem er Morde ankündigt und sie dann auf eine Weise ausführt, mit der niemand gerechnet hat. Schon damals war der Joker seinen Verfolgern einen Schritt voraus. Sein immerwährendes, falsches Grinsen bildet die Häme ab, mit der er seine Gegner vorführt. Und Nolan profitiert von der Erkenntnis aus Grant Morrisons Arkham Asylum, dass der Joker nicht verrückt ist. Nein, Nolans Joker wirkt zwar irre – in Wirklichkeit hat er aber den größten Durchblick in dieser Geschichte.

Hans Zimmers Main Theme („Why so serious?“), eine verstörende Anti-Musik, die aus einer verzerrten und ins Unterträgliche gesteigerte Note besteht, ist für den Charakter ebenso wichtig wie Heath Ledgers Darstellung und die bewusst schlampige Maske, die auch ein Zerrbild aller früheren (Film-)Joker ist. Zusammen mit einer atemlosen Handlungsabfolge und reichlich bildgewaltiger Action im IMAX-Format hat Christopher Nolan seinem grandiosen Batman Begins noch einen draufgesetzt. Von da an konnte es leider nur noch bergab gehen …

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Nah dran ist auch vorbei

Batman: Almost Got'im

Titel: Almost Got ’Im (dt. Fast erwischt)

Regie/Autor: Eric Radomski/Paul Dini

Erschienen: 1992 (Batman: The Animated Series, S01E46)


 „Einer von uns hätte ihn inzwischen erledigen müssen.“ (Killer Croc)

Eine Pokerrunde unter Schurken: Joker, Two-Face, Pinguin, Killer Croc – allesamt auf der Flucht vor dem Gesetz und Batman. Man tauscht Theorien über den gemeinsamen Erzfeind aus. Two-Face glaubt, es gebe mehr als einen Batman, Killer Croc geht von einem Roboter aus etc. Als Poison Ivy hinzukommt, prahlt jeder damit, Batman beinahe erledigt zu haben. Jeder will am dichtesten dran gewesen sein. Und so erzählt jeder seine Geschichte.

Batman: Almost Got'im

Egal, wer die beste Story erzählt, die Folge ist auf jeden Fall eine der besten der Serie: Das Schurkenaufgebot sorgt für Abwechslung und Humor, am Ende gibt es eine überraschende Wendung. Mehr kann man nicht erwarten. (Nebenbei erfährt man übrigens, wie Batman zu seinem Riesen-Penny gekommen ist.)

Inspiriert wurde die Episode von dem Vierteiler Where Were You On The Night Batman Was Killed? (Batman #291-294, 1977).

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Dark Victory: Bullen am Strick

Batman: Dark Victory

Titel: Dark Victory

Autor/Zeichner: Jeph Loeb/Tim Sale

Erschienen: 1999-2000 (Mini-Serie #0-13)


Seit dem Tod seiner Eltern ist Bruce Wayne allein, seit Harvey Dent zu Two-Face geworden ist (vgl. The Long Halloween), kämpft auch Batman allein gegen das Verbrechen. Das heißt, nicht ganz allein, denn da ist ja immer noch Comissioner Gordon, der gute Polizist. Doch seinesgleichen geht es an den Kragen: Ein Jahr nach dem Ende des Langen Halloween, als der Serienmörder Holiday an Feiertagen Mafiosi erschoss, treibt nun ein weiterer Mörder sein Unwesen. Ein gewisser Hangman knüpft Polizisten und Ex-Polizisten auf – wieder an Feiertagen. Die Rätsel, die der Unbekannte im Stil des Galgenmännchen-Spiels hinterlässt, weisen wieder auf Harvey Dent hin …

Der Nachfolger des Epos The Long Halloween macht es Neueinsteigern nicht leicht. Man muss den ersten Teil gelesen haben, um auch den zweiten zu verstehen, der um einiges komplexer aufgebaut ist. Es gibt sehr viele alte und neue Charaktere, viele Settings und viel Neben-Handlungen wie die Flucht mehrerer Arkham-Insassen und das Familiendrama um die Mafiosi Falcone. Wieder einmal wird hier die Schurken-Parade aus dem ersten Teil aufgefahren. Dennoch behalten Jeph Loeb und Tim Sale ihren selbstgesetzten Qualitäts-Standard bei – und das obwohl sie dieses Mal auch die Entstehungsgeschichte von Robin miteinbauen.

Glücklicherweise ist diese aber auf das Nötigste beschränkt und Robin bekommt eine düstere Erscheinung, der ihn sympathisch und nicht wie sonst nervig erscheinen lässt. Die Engführung von dem jungen Bruce Wayne und Dick Grayson gehört zu den besten Sequenzen des Bandes: Die Szene, in der Grayson das Schlafzimmer der Waynes betritt, wird gespiegelt mit einer Rückblende, in der der junge Bruce sich fast genauso verhält. Das mag vielleicht etwas dick aufgetragen sein, formal gelungen ist es allemal.

Ebenso bemerkenswert ist das visuelle Konzept der Cover, die immer einen andere Figur (meistens Schurken) eingefärbt vor einem schwarzen Hintergrund zeigen. Die letzte Seite der Kapitel zeigt jeweils Jim Gordon vor einer Pinnwand, auf der immer andere Beweismittel zu sehen sind. Das hat den Effekt, dass der Leser so zum Co-Ermittler wird. Allerdings ist es nicht leicht zu erraten, wer der Mörder ist. Doch darum geht es sowieso nicht primär, sondern wie immer um Bruce Wayne, seine Sorgen und Ängste. Diesen Charakter definiert das Dream-Team Loeb/Sale als einen einsamen Rächer, der eigentlich nur Freunde und Mitstreiter sucht.

>> Batman 1990-1999

The Long Halloween: Das Überschreiten der Grenze

Batman: The Long Halloween

Titel: The Long Halloween (dt. Das lange Halloween)

Autor/Zeichner: Jeph Loeb/Tim Sale

Erschienen: 1996-1997 (Mini-Serie #1-13)


„Two shots to the head. You ask me, it couldn’t have happened to a nicer guy.“ (Harvey Dent)

Stehen drei Männer auf dem Dach des Polizeipräsidium: Gordon, Dent und Batman. Sie sind sich einig über ihr Ziel, sie wollen die Mafia bekämpfen, sie schmieden einen Pakt, dass sie dabei eine bestimmte Grenze nicht überschreiten. Dem Staatsanwalt und dem Vigilanten scheint die Übereinkunft schwer zu fallen. Und kurz darauf beginnt eine Mordserie an der Mafia, ein Jahr lang schlägt der Unbekannte an Feiertagen zu – das lange Halloween. Jeder der drei könnte der Täter sein …

In 13 Kapiteln erzählen Loeb und Sale eines der größten und großartigsten Batman-Epen: In einem Film-Noir-Stil, der sich schon bei Haunted Knight bewährt hat. Am beeindruckendsten sind die Mord-Sequenzen, die in Schwarz-weiß gehalten sind und nur Details zeigen, sowie die doppelten Splash-Pages, wie etwa die mit der eine Lagerhalle voller Geldscheine (die Szene wird später im Film The Dark Knight zitiert). Die Story lässt sich Zeit; das tut vor allem den Charakteren gut. Autor Loeb beweist viel Gespür für Figurenzeichnung, besonders für das Trio Bruce Wayne, Gordon und Dent, deren Hintergründen er viel Platz einräumt. Im Grunde macht The Long Halloween da weiter, wo Year One aufgehört hat. Dort wurde das Bündnis von Batman und Dent nur angedeutet, hier wird es näher ausgeführt und zu einer tragischen Klimax gesteigert. Wir sehen, wie ein fanatischer Gerechtigkeitskämpfer zuerst seine Ehe ruiniert und dann sein Leben, indem er verunstaltet und dadurch zu Batmans Erzfeind Two-Face wird.

Doch selbst den Nebenfiguren, wie etwa der Mafia-Familie Falcone, wird Leben eingehaucht. Dass sich Loeb dabei dreist bei Der Pate bedient, wollen wir es aber, wegen seiner sonst großen Originalität, wohlwollend als intertextuelle Anspielung verstehen. Ansonsten brennt Loeb nämlich ein wahres Feuerwerk für Batman-Fans ab, indem er den wichtigsten Schurken einen Auftritt gibt: Joker, Poison Ivy, Scarecrow, Mad Hatter, Riddler, Catwoman. Hier ist für jeden was dabei.

>> Batman 1990-1999